Skip to main content

Full text of "Heidelbergische afterw. Heidelberger Jahrbücher der Literatur"

See other formats


H 

I 




r 



uiyiiiz^ed by Google 



Digitized by Goog 



i 



ulg Digitized by Google 



Digitized by Google 




N. 1. . . •; 1826. 



Heidelberger 

Jahrbiicher der Literatur. 



U Erin at e tun g der j U d l s c h e n G r s c h icht i his tut Zwrst^^ 
rung Jerusalems (lurch die Admert In kurzen Sdtzin flit Studi* 
rends und denk^ndt Leter* Tubh^ii^ M'Oiianderk in25. 
in$» 1 &0 18 itr« 

2» ErktSrung Schw ereret Stetlen In den Weissae^tttk* 
gen d c s J e r e mia s, m P r a I a t e n and G t ne r aim 

supe ri nt e n de aten Dr% J, Ft* G0,ab* XUhln^ettf iB24* 
iU S» in d« ^4 kc, 

3* Jeremia s Vat 6 5 4 versione Judaeotunty AlnxAiiitV^ 
no turn ac rellquorum Interprstum Graecorum emert'^ 
datns nottS({ue criticis illustratus a l^I. G 0 1 1 L Leber* Spohn, 
l-ro/\ Theol, design^ in yicad, IViteherg, Vot. tl* jjost ohttam 
Patris edidit Fr. Aug* Guil, Spohn^ Litt, graec, et lat. Prof. 
P. O, in jiead* Lips, L^lptigf h§i Barth. 1A24« 480 S. 
hB, ' ■ i Thlr« 20 Gt. 

Der Verf# yon No» 2. Uaibt seiner gnten Welse ^etreu^ 
nur eigenes - oder auserlesene< and bei Ichtigte^ als IrQcbt* 
leines aelcfhrten Nachdenkent kur^ und klar Vorzul^gen. — 
Mdge WOrtemberg immer daa OI(ick haben ^ dafs seitift Ff&« 
htan und Studienriltiie so viele kchtgelehrto K^nntnisle^ Wie 
Ghetinger, 6aiiikind| Flatty Gaab- u. f • W*f mit deii praktU 
tcben Aufgaben ibrer wtchtl^en Aeinter Vereltiigtfn, und da* 
darch solcbe Vor manner -der Qeiatlicbkeit warden, die in dop« 
fehtt Betiebung Nacb<iiferung eirwecken and ihren A«U« 
Urtbeilen Acbtung verscbaffen. 

Auch den ungehannten Verf. VHn Ko. U bewabren offen* 
bar die darin aichrbaren trefflicben Vorkenntniaae und der bs' 
itoriscb^kritisobe Scbarfsinn vor den (oft nocb wirkaameil) 
Torurtheilen 9 tiacb denen einst die sogenannte Orthodoxie 
aller rait der Theologie vervvandten Geschichte niit AengatJich* 
keit alle ersinnliche unhistorisclie AV'enduiigen zu geben 
pflegtci eben so sebf, als vor tibereiltem Vefwerfen oder A}>^ 
sprechen gegen geschlcbtlicb fiber] lefertes^ Fast kejn Faragrapli 

XlX.Jahrg. f • Hei><. 1 



Digm^cQ by Google 



ErlSuterungen fibep^ d^o jQ^uqbei iioeh immer s^br TCtr« 
. dankeltet wenigstens tiicht psychologisch und pragmatitch » 
gleicb andern Volksgescbicbten^ bearbeitote Geaohicbtf ift 
obiift eigep tbilmlidbe ndeutun od'er Atisicbten, AucU^ 
gen jnaiicbe FaraUeJen und Seitenblicke datCir^ dala d«r Yeri; 
iicb nicbt anf bloise tbeologica tiiiicbrflnku 

S« 6* berdbrt die Meinung, dafs voij der una be* 
JesBiitM Z«it «in ziemltcb bobber Grad von CuJtur ge^aep 
•ey« IUc« veratebt die* to: AUe al teste Geacbicbte macbt aich 
sw#i £rdepocben^ Yor einer grofiMi Waaaer^Kevolution auf 
UMenn TeJlus-FJaneton war^ nacb aller Yd)k;«r Uraage und 
nacb oatQrlkber Wabracbeiulicbkeit ^ tfin- auagebildaur Zu* 
stand von Gesellacbaftlicbkeit^ Ton Kflnaton tt,a.w, Jenli 
ttflluriscbo UrbevOlkerung aber bSngt mit dam An&ng dar 
jetzigen nur durcb die allenfalla Uebriffgebltebenen suiammen. 
Man mufs aicb demnacb fragent Was kann aua der Zerstdrung 
dieses Urgeschlecbts herOber gekomaien seyn ? Die Weni- 

fen geretteten , wie viel niot^en sie seibst gerade gewulst 
aben ? Und wie komuen sie auch nur dieses foi tptlanzen , 
^?viihfend sie und ihie Kindfcr erst wieder der urngekebrten 
Natur dienothdtirftigeSubsistenz abkauopfen mufsten f Ueber 
die sogenannte Silnuflath binauf setzen die Sa^en und viele 
Pseudepigrapha alleilei Weisheit, aber solche, wie sie offen- 
bar erst diesseits gedacht wurde. Zunacbst nach der Fluth 
wollen uns nicht eininal die Sagen bereden ^ groise Cultur zu 
denken. Nur einige Aufserordentlicbe werden mit Namen 

Senannt, welcbe die Qbrigen roben und wilden suKilnsten^ 
ia Gdtter 2ugewinnen, orphiscb heradet baben sollen. So* 

far das Feuermacben wird als verloran erst wieder bergestellt, 
elbst diebibliscbe Tradition nimmt an, dieUebriggebliebenen^ 
die wieder- zur ^Rube* (daa beilat ffy) g^^^^g^^^ aeyen der 

Wirkungen des W^tius unkundig gewesen : 1 IMoa. 9» 20» 
Mdgen also die nted il u viani« noch so boch cultivirt ge- 
wesen seyn. Die Cisdiluviani erscheinen in alien Ursagen 
nnserer jetzigen telluriscben Epoche als solche, die wieder 
vo]i vornen, quam parvis ab initiis, anfangen mufsten. Und 
Viatten sie anfangs bedeutend mebr gebabt, welches Wunder- 
wei k batte es j linen entreissen und zu eineni lleservat dec 
Priester und Gebeimlebren machen kdnnen? Wo Monotheis* 
mua einmal Folge der allgemeinen Galtur und Yolksttberzeu* 
gung gewesen iat^ nicbt etwa , wie in der Mosaiscben £in* 
ricbtung , bios politiscb und prieaterlicb aufgendtbigt wurde^ 
wie kdnnU da wilder derXckwalm vonYidgOUem entiUbcn? 



uiyiiiz^ed by Google 



• tvat j8dSMh«n QMehidilt und iu Jefcmtas* i 

Man mutlimarst Uebdrlieferung frQherei*| hOherer dultuf^ 
tin dM Monotbeiamut Abrahams zu eiklUreti. Warum aoU 
eiab«r nicbt wabr $^jn% wenn die bebrftiache Tradition aelbat 
ibii aU Folyfcbeiaten geboreii aeyn liifat | waa aainv V^rebrM 
gewifa nicbt ifX erainntfn liabten^ SoUte aa datin ainem Mann 
TOtt Abrabama bdbaram Cbaraktar andiira mdglicb gBwe$€n 
aeyn, ala aicb^ nicbt an atnail der garingalran Ootter ^ adadairli 
ao den bdchatan , eeracbtan, aainer wClrdigan ^ anatblUfaan sir 
wollen? CJnd aorlta Abraham diaa nut Von 
pfangen haben^ ao wtirde die Frage ja docb nftfat geldat^ aon* 
dern bios vreiter hinaua gerUckt. Der^ von welchem her er 
es empfieng ^ woher hatte es dieser, wenn nicht endlich docli 
jiis den Uiiverlicrbaren Grundanlagen der meuscLlicben Naturj 
niih dem Fragen nach Ursache^ und aus der Achtung vor Wil- 
lensvollkorauienheit oder vor allem dem Guten , vvovon mati 
erkpHiit, dafs e» det Geist nicht durtli Naturnotbwendi^keit , 
londern'durch Selhstvvolleii her vorhrlrige ? Auch ist Abra- 
hams Eljon doch noch nicht (a. l 18, 21 — Ende. 22, 2.) 
etn solcher, wie iha eine hobete Gultur gedacbc und |^egiaubt 
luben wilrde* 

AblrUm nirir^, Imt^aganaitz gegen dia*gawdbtiUcti^Dait(b 

tuaa: boba» Vatar 14. abariatit:. .Vf^t^r^r der. 

iicb erbaban wird. Abar wdrda aladann nicbt die Fortt 
b^^lM tu arwarten aeyn? Seaming nicht etwa Abram^ wail 

in den Compdsitlt Von nicht rtjehr aondet-n zii 

stehen pilegt , eher vort ^^2^ dera der YaratSrkung^ 
*ia ifl Aladant mdcbta Abraham aua IT^JH 

w€r^>7 Menge^ tuaammengeaetzt aeyn. — Bei 1. M. 14 1 

15. wird bericbtigtt Jalide Beitho aeyen n i c h t Sdalr^n | 
<oadarn Ab kdmitilin-ga dat Horda^ dia alao alarlc war^ ^ 

t)ia fdr Abrabama Gharakter gflnsti^d Vermuthung S. 
^•6 er die Hagar rait einera Theil seines Viehes vind mit 
inecbten ausgestattet habej scheint mit 1 Moa. 21 1 14 # vj^o 
i^r selbst Brod und Wasser auf die Schultet gelegt 
^ird ^ nicht so zu stimmen, dafs man annehmen kOnntCj der 
hler selbst habe sich jene bilJIge Milde gedacht. Ue- 
Jrigens mag freiiich zwiscben dem, was ursprilnglich gesthe-^ 
oeni war^ und dem ^ was nach so langer Zeit durcn die freiere 
£'inkleidung der <Sagen in die Sammluhg der Genesis kani^ oft 

bedeutender Unterschied seyn^ da die yier ersten BQcber 
^hse wenjgiteiia hicht Vdr jerobeam im Umlaut* ^gevresert 
^^It^kam^^^Wii ion^t JatobeiMna VaraUrsutig d^a'liUVijbaii^ 



uiyiiiz^ed by Google 



■ 

ftamms und das Symbol v^pn Stiereny statt des Jeliovah (diete^ 
80 grcJUn, i'Or einen neuei) Usiupator allzu gewagUn Gegen- 
%UtAe gt^gen dat, was die jeUige XhpraJ^ «o ^tarkdussp ricoti^ 
scbv^erlich ausf'i&brhar £>ewe«en wUre^i.' 

. ^akob S. 21. w a h i hat t groi s in seinem Vertrauen auf 
^Q^^.;9U n^nden^ ist. viel ges3gt« £in so furchtsameri trtlg«; 
licher CbaraJcter, Sfiner VVeiber and Kiiider Spiel, kann kei^ 
iien.^rolVen Gott gedacht hal>«ii| Qdeif in Got t ^lois ge« 
WjBBen aeyn, wif Ab.rabam. 
. .paa Wort ff"-^;;^ kaon (S, 36.) allerdings nicbt extraetuM 

bedeiiten ; aber eher extmhens, X\jt^>o}T^; tou Aaou nach Stephanua. 
Act, 7, 36. — D«r JNarne Osai siph bei Manetho (S, 37.) 
erinnert an ^f*^ ond vtelleicbt an das arab. j^^^Q ^cb<w er 

Etwa ^t^tter durch Sch wett. 2 M. 12, 23* 29. 

G oschen acbaint der Vf« sich innerbalb Aegyptens su 
denken. So weit der Nil jUbrlicbMonatelang Oberscbwemmt, 

konnte schwerlich ein Heerdenvolk wohnen. Deswegen denkt 
llec. bt'i 1 M. 46, 28. 34i wo den Einvvanderern offeuliar eine 
aligesonderte Gegend angewiesen vviid, an die Gegend um 
den Berg Casius. Die Worte Vs. 34. versteht er so, dafs 
(riicht die Aegypter , sondern) das Aegyptenland einen Ab- 
sclieu gegen umhei ziehende ileerden beweiie , dafs es nSmlich 
nach seiner Natur sie nicht znlasse. Nur wer in der Folge- 
2eit Sciavenarbeit an Pharao's Bauten leisten soUte, muiste 
dann dorthin sich bineintreiben lassen. Nur diese 600,000 
jsiSnnlicbe Arbeiter » welcbe wobl elwas von Weibern , Kin« 
dern, Knecbten und Yieb, aber nacb j M* 46 f 34> nicht die 
elgentlicben Heerden bei sich haben konnten^ macbten den 
ZUg aua dem Innern des Landes und durch die Meeren^e ? 
2 Moa« i2'f 37* ,Aucb andere Schwierigkeiten mdchten^ aick 
dann nm to eber Idteit laiaen, s.B, das« ^aa 5.45* wegen der 
Zeit einer einzlgen Ebbe acharfsicbtig, b^merkt ist, 

Der ScbauplatSy wo Joseph Vezir wardef scheint S, 36. 
dem Tf* sweifelbafe, Dafs er eine Tocbter des Oberpriestera 
von On (Heliopolis) heiratbetei- sclieint auf Unterftgyp ten 
zu deuten. Aucb die Mosaischen Wonder, bei denen 5. 40. 
mit Reclit auf E i c h li o r n Comm. de anno mirabili jfegypti bin- 
weisi, setzen eine durch mehrere Nilkanale durcbscbnitteno 
Landesgegend voraus. 

S. 43. sailt : Es belieb te ih m , dem Mose, am arabi« 
scben Meerhusen ii! t^rzusetzen. Vielmehr hatten nauli 2 IVT, 
14 f 9. die verFolgenden Aegyptier sich nm Anfang des Kanals 

•tgM^^ Resets also (i^n Auswandajrerii den Marscb 2u ^And 



Digitized by Google 



urn die Chirot heriVm abgetc.bnitten« Mc»9tt Mtt^ densqacb enN 
ifeder nach MUraiit^ zurQckgelien mjaafeii, od«r dU Fiirtb 
fflufsto so benuti^ Wtfrd«i]f wU.^ie. (•t,.4e4 ^ep.* jeiceeetUolfef 
Conferva toriii 19 2* St. S, 88-. und ^aminlung mersv^. ^.ei.r 
ten in d«B Orient t Tb. $. 2?ff v. Th. S ,37^ ^r /louO 
benatat wir<). ur von JeaiiU)scb^q Ignocanti|ierii , yipik^tip 
a«tterdingsdufGyinnasialunUrricbt£ji|fiQurt erbalt^^^ kanp ipan 
ficb nicbt wundein, nei^ertlcb su bdreti^dafi aiedergleichen blstq- 
risG^e Erklilriin^en I \ye|che schon iSngst (1775) J. D. Micbae* 
lis bei dem II. JTh. seiner Uebersetzuiig des A. Ts, in An- 
mtJikungen fi^r U n gel e h j- 1 1? uuliiLi^l>ar geuiacht hat, 
ignoriren , verheisnliclien und verketzern vyollen. Die Liato- 
riscbe ^ibelerkliirung weiclit dadurcb nicbt ab von der Rihel, 
nur kenntnissch wacbe BihelerklMrer werden fladuicb berlcli- 

tigt, die bibiiscbe GeacbicUte aber aU de&to ^laublicbec 

o, 54. spricbt mit groTsem Recht von der VortreiTlicbkeit 
vieler unter den JVXosaischen Gesetr.en. Schade, dafs der Vf. 
oacL seineni praginatiscben Geiste sicU nicbt au£ oiebrere Pro- 
ben davon und aut das Flanmiii'sige des Gesetzgebers eingelassea 
bat. Moae batte nur £in UnglQck , dafs — alliu lange kein 
Mann seintfr Art »'ungeacbtat er nacb 5 M. 13* 15. so sebnlicb 
das BedOrfnils einea aolcben gehnhlt batte 9 nacb ibm folgte. 
Man siebt, wenn man in der VXenscbengescbicbte seben lernt, 
dafs die Vorsebiing oder die VVeUordnung der Gottbeit nicbt 
die Meiiscben wie tm Treibbaus, nicbt darcb aufgendtbigta 
Mtttbeilungeny ersieben wilU Immer ragt nacblangen Zeit* 
rluinen ain Geist^ fdr diete oder jene Gattung menscbKcber 
Angelegenbeiten, bervor^ all Leucbte fttr Vtele. Alfdannfol- 
{en wrieder lanae Zeitfristen» in denen aicb dem Emlnentfen 
nacbsubilden der ftbri^en Menge Oberlassen wird, Ein 
Vorbild Ut vorgehalten, etn Ziel vorgesteckt; in jedem lyflra' 
«ine gevrtsae Kraf^^ atcb dabin Wu ricbten. Wer ab(;r meintf 
Itn Einzelnen werde denn docb gleicbsam supplirti was er 
felbst iu erreicben sicb nicbt nacb Verm^gen anstrengt , der 
katdie Geachicbte der JVIenschen weder iia Gioistsn nucb ivlei- 
Hen beolujclitet.' 

jGsua's He] lenth.iten vvaren SO mSfsig, dafs , die sabl- 
Teicberen z,wtii Stiiinrne J icia und Epbraiiu und die Perlier ab- 
gerecbnet, die S. 70 l)eriilH teLandestheilanir am Ende (K. i3.) 
njeist nur Anweisung in spe, Bezeichnuui^ und Umrifs auf 
«iner Art von L imlesclia; te (vergl. das SchrLilien 3 M. 31, !•) 

^ waluenfl iU>erall vieU^ der aiten Besitzer als Feinrle Mie- 

beo, vvir sagea: LiAnde^tcbarte, Dean bucbartigea 5cbreibea 



Digitized by Google 



' .* 

•tWB ,1500 Jabre YOrChr. i«ttt die a1tbebr3i«che Tradition 2 IVJ* 
24 f 7. Vorau9« Und aus weltihen Grdnden sqllte man dieso 
(lierin bezweifein ? Wolfs Prolegomena , die unvollendeten, 
welpbe die Hanptargumente erst iioch iolgen lasaen zu wolleii 
zu<agten, geben dazu bei weltem nicbt das hinreichende. 

Der erste bekannt geblieben« Kopf nacb Mose i^t Samuel^ 
Aucb der Vi. aber S. 97. erkennt in ihm , mit dem freimOthi- 

^Cen V. Rbtteck, „eJn trauriges Vorspiel jener KUmpfe de3 
Alerns mit der weitiicben Obrigkeit, wie sie die GeacbicbtQ 
des Mitteiaiters entstellen ««. Samuel i$t ein j^eispie] jener F||9 
trioten, welcbe zwar das Vaterland , aber HMr a)f iVJitte) itii^eip 
|iirrsQnlicben Grdfse, grofg und geltend zu macben streben. 

$ebr ricbtig bemerkt S, 99, dafs der erate Kdaig der ife« 
JtrHer auch d^r ertte war, d-^m der Gedanke , eine ilel^en- 
de Heertruppe zu bilden, zxyeitausend ftir sicb, tau^end 
far den £r<tgeDQrnen , zugescbrieben wird/ Davsda £ialbung^ 
yon SauiMel, Wt S. iOO. fttr grofsei IJnrecht gegen Jfqnatbant 
i/Vq]ier liber batte dieser acbQii ein JErbHchkeitsrecht f 

' Pavlda' Gharakter Verdient, als m^£sig^ besonnen^ biev 
dert lilH^f hervorgehoben su warden, £rilt das Glflck, dsi 
. er von t*eindeaangriffeii frei geworden war^^ und Salomo^^ 
Mutter atfirzen Ibn in einen Meucbelmord, der jeden seiner 
Krieger wieder ihn erbittern mufste, und die* immer wider 
Juda ri ralisirenden Ephrainiiten zn Auistands^'crsLichen reizte, 
Fiir den Sohn der BathseLa, den Zdgling Nathans, l^fsit sicb 
der Alternde ungerecht macben gegen seine iilteren SShne, 
Die Stiefinutter und Nathan , der seinem Zo^h'ng den Vorzug 
gewinntj zerriitten (S, 115.) ihra seine FamUie , bilden ihta 
d^s Recht ein, den Thronnachfblger zu bestiminen, G enia- 
II tat aber, wie S. 126. andeutet, vermag Rec. mU astheti* 
&qber undpsychologiscber Unpartbeilicbkeit weder in den eigen- 
t))fiii|[jcbeii faalnien von David, nocb in seinen Tbaten iiacb«i 
zuweiaen, GeniaTer erscbeint ibn| Salomo. Aber dessen 

Slelchsam gelebrte ^atbana-Erziebung macbt ibn zum prachu 
^ebenden yeracbwender • S. 127. una i3|. zu eii^em Beir. 
tyitX Von Aegenten , welche nicbt nttr jeder Keligionsgesel]^ 
ich^fti'wie e^ aeyn sol^ ihrei Keicbte gewBbren, sondern ^e- 

fen die Natur derSacbe aogar.|^de wie an iicb gleicli 
, ebi^ndeln zu' aollen metnen* 

Zu Snloipq'a psychologiacbem UrtbeiUsprucIi | 3t i^i 
' ^ie1>t S* £45. <iine unerwartete Farallele von dem nicbt fiber* 
V^eisen Imperator Claudius. SuetQn.' CUud. c. 15. Peher^ 
hanpt sind so mancbe von dem Verf* eingestreute Farallelen 
^Qt^refl^sa^t vt^d Ub^rrascbend. 



Digitized by Google 



Zux j&diMhen GeieUIolite uad su ^ertmiai. 7 

Die nnheilschwangere. Revolution unter J^ebabeam fullt 
grofsentheiU auf IVechnung des iveiien Salomo. Der 'Pro* 
phctensdglihg gevrann an Knhm in' den von Propheten verf'aXa« 
ten Keicbatagbi'ichern y wle inancher in den M^nchicbroniJcan^ 
\i'o Jagen von Frankreichs Revolution die tiei'eren Hftupt« 
uriacben ? In d«r erschdpfenden Fracbt - und Gewaltre^ierung 
iind der mlt Kircbenreligtoaitftt Qberttlncbten Sittanlosigkeit 
det grofs genaimten Urgroitvatera, Salomo hatta AuVeb un# 
nQtaen Hotaufwand (■• l«Kdn«44 5.), durcb unverbUtnifs* 
nlfsige Bauten unit Frobtten a, tv. den XVoblstand der Na« 
tioo erschdpft , durcb 2utaasung det Vieledtterei die Sitten*- 
verderbnifa zugelaaaen* D^nii laC glel'cb aie Vlelgdtterei an 
lich blofser Yerataodetirrtbum, und |ila aolcber nicbt ataata* 
widrig, so wird sie diet docb, well aie durch die Vorbilder 
unvollkommener , wlllkTihrlich und leidenscliaftlicli handelnder 
Gottheiten die uacUaliaien tlen Menschen denioralisirt, utui be» 
iOiideift in der GescblecIiUlu4t veiderbligU&t ausscUweifeud 
macbt* ' 

Nacli S. l83. jjpgten Esra und Nebemia unfelilbar den 
Grund zu ungenn alttestamentlichen Kan o n'*, Rec. bezwei- 
felt selir, ob der erst patristisch - hiscbufl iche BegriflT von 
einein Kanon, als einer ziim Regulativ iQr Kircheneinhei t ge» 
machtfcn Saoirnlung alter Scln iften, in dieDenkart derllebiSer 
und Juden aurttckgetragen werden konne. Die Sadducaer er« 
kannten nur die Mosaisclic Geaet/.gebung als Regulativ bder 
Norm, die EssUer Gesetz und Fropbeten, dieFharisUer diesefli 
beides nebat ibren Ausdeutungen« Nicht alle diese Scbrift'* < 
auslegungapartbeien bHtten als lichee Rabbinen geltend werdea 
konnen, wenn man sicb ein achriftlich abgescbloasenea Regu« 
Utiv derReligiansiiberlieferiin fren zu denken gewobnt gewpsen 
wSre, Obnebin weila daa Buch Daniel hia sii AiitidcDUa £pt« 
pbaniua Tod bin einselnea genau , giebt aber darQber hinaua 
aicbta nehr in dieser Ai't« £a iat alao erat maUti^Siach. / 

Johnnn Hyrkinati wurde nach S, I99« wleder der arata 
Kftnig, etwa 480 Jabre nacb Zedekia.. Waren die 70 Jabr^ 
WQcben su 490 Jahren ssu berecbnen, ao ftlbrten ale geirade- 
ati tuf die Regierungaaeit dieaea in Wabrbeit aebr meirkivftr-' 
digen Rdnigty welcber audi von Josepbus als Kunig, Fropbet 
and Hobeipriester zugleicb, d, i. als A lies in Alleni, darge* 
««llt i8t. Dies war aber (S, 193.) etwas mehr als 100 JaUre 
vor der Geburt Jesu, 490 Jahre riickvvarts gezSbh fiihren, 
s. Uabers Annalen , in die Regierungszeit des Dai ius Hystaspis. 
Kuu ; die ganze Gescbicbtfolge bStte die Ausleger iiberfnhren 
^llen^ dals Daniels 3tclle nicbt von dam grofaen Mcw%it <on« 



uiyiiiz^ed by Google 



1 



I 

derti» wie tie deiin aucb ft12f!Q iMidemale ohne ArttM i«Ut| 

yon twei aiidern gesalbten Fi\r«ten frCiberer Zeit reden wollte, 
S. 213. 2eigt, dafs bei den nlicbsten Nacbfolgern Herodea 
deal, der Name Te trai ch docb Vier f iirs t bedeuten kOnne, 
Weil viei' I'ersoiien in den Landbesili dieses Heiodes zu un- 
gleichen Tbeilen sicb tbeilen durften. So m{X(sto dann Tfirfa^-^^i^c 
princeps pai tis (|uaitae oder cjuadrantis bedeuten. Andere mil: 
T«Tg» aiufia(nriitrngesetz.te Worte uuifassen iiunier ein aus vier 
Tqeilen zusainmen bestcbendes Gauzes, wie rsr^uyvovc; eine 
Figur, die vier Ecken (njcbt nur Eine von vieren) hat. Das 
in vier TUeile sicb theilende I^and der Galater batte zwOlf 
Tetrarchen, die vermdge einer gemUfsi^ten Aristokratie 
mit gewis^en lUcbtern ^erifi^ere Streitigkeiten , Verbrecbea 
aber nur vereint und mit einer za DrynMinetos (in einem £ichen« 
hayn?) susainmenkominenden Landratbs -Versammlung voa' 
4reihundert JVJftnnern ?u entscbeiden batten. Strabo XII* a. 
Wernsdorf de Republ. Galatar. c. 6. §. 23. 24. 

iPJaph. 243. rletb in der iVIitte des Jabres 66 (3er Hob«« 
pries ter Anaqua (Bejl. Jud, 2» 17^) die Aufbebung der OpFer 
fikr fi^amde, aucb ftir die Kaiaer, ObneZweifel nftherten sich 
die ^einij}ibandelten Juden erst allmfiblig diesetn flufserst an^ 
a|d(stgea £qticblu(!ii. Man aiehty dOnkt micb, warum Paul'ua 
um aQ mebr das Beten fOr die rdmiachen Obrigkeiten aeinen 
Ghrl^tenaynagogen empfabU 1 Tiniotb. 2 , 2. 

Mil TerguUEen begleitetf Hec den ungenannteii Vf, durch 
dialVeibe seiner £rl9uterungei^. Unser Baum eriaabt dies nicbt 
b^iNo, 3. und 3. ) wobl aber die gegrUndete Veraicberung , dad . 
dieae beide Scbrif'ten unter das l)este gebSren, waa atir Er* 
kl^rung desjereraiaszu Ijenutzcti ist. Nach der Vorrede 
will Hr. G. rait dern bebriii&cben Sprachscbatz m6g- 
- Uclist ausieichen. Das beifst obne Zweifel ; Man darf nicbt 
bios ao zufallig, wie alUu oi't gescbah , aus den yerschwister-* 
le^i Dialecten zur Nothhillte VV ortberieutimgen berUberholen, 
Dennoch beatebt der bebr^iiiche Sprachschatz nicbt mit Siclier- 
beit in dem , was Rabbinen und sinnerratliende Versionen tlher 
die Wortbedeutu ngeri 7.ur Tradition gemacht hahen. Ein aua« 
ser Uebung gekoramener teutscber Dialekt zmn Beispiel ist 
unr aus Vergieicbung der verwandten mit Zuversicbt au er- 
kjiiren. Allerdings aber inQssen Deductionen der gesammten 
Bed^uiungen etnes Wuraelwprta durcbgefobrt, nicbt bios 
einzelqe ^elleo einige ini arabischen oder syriscben angegebeoje^ 
oft selbst unerweisHcbe ^ebenbedeaCuqgen auin notbdCkrf'tigeil 
4mi^unf(an|i(lal verwende^ werden. 

' H« £. G. PaaUa» 



uiyiiiz^ed by Google 



Uii Cathol.EcUcdfj^ue <ur ia Coarers, an Clirisuaaisiiio eraug. "9 

» , 
GQn9»rsion ds Famil I e s C athdliq ubS' Homatne s Jam 

le Grand^Duci^d de Bt^dB au Chris t tan is m e Evatt" 

geliqUt* J^enement 9»p0ie' 0t aecompagnc i^e Considerations par 

U Doc tear T»tchirn0rf' Prof* en Theologie et Saperinfit^ 

d^tU k Laipiifik* Omrage traduit dt tjUemaad €t michi di 

M9t -par mn Caih^li^uo %cl99tl<^u€, '(^Eprouoeti 

iomtis choses f tippromo0% e§ ^iil ettt ban. Si, PauL) Lihgt p 

fAas J« Zhso9ff Im^imntr^UhrmirSm i8S5* ti$ Sm In 3* 

Der Uebersetzer wCmscht, daf* alle GemOther von clem 
Geiste der Miilsigung Jteseelt seyn mogen , ([ui conduisait la 
plume de rEcrivaia ( des Ifrii. Dr. Tzschiraei ), et doiit la 
I rociiure fait foi pour tjtiiconqujO la lit sans preaention, Er iln* 
iet darin cette charite evan gelique ^ depit del persecu* 

teurS| iera tou jours le charactere des vrais disciples de Jesus Christ* 
St. Jean iS^ 15. Bei dieaer Gesionung beruft er sicb aui; 
Worte von Hrn. Vernes, in dessen r, Catechisme de toutes Jet 
Communions chretiennes^ (wdclien ReC. timber ^il k«nnen wiinsch*^ 
te!). Die Worte sind: JLa plus certaine, couiine U pluM /k* 
Ml t< des heresies f c'eat le maiK^e de charite, VintoUrance et la 
Jfrsectttion, Quelle* aCfOCites cette barbare be'resie n'a-t««Ue 
tiifont^'ea. <^uand ««c ce (|u*eUe inaplrctra generalemeot touto 
l*liorreur ^ qu'elle merite, 

Kec. bekennt auirichtifi , <!afs ibm die fortdaiiernde Auf- 
merksatnkeit aui das Urber^^eben vom roeniscb-pubstlicljen Ka- 
tbolicismua sum Kvangeliscben Frotestaiitismusy das ist, zu 
<ler Ueberseuguiig , daia Jeaus Cbristns von Untervrerfung mi- 
ter einefa^t universal-souverSne pabstlicbe Kirchengewalt und 
von einem durcb prieaterliche GonciUen vorgetcbriebenen 
Xircbenglaub«i| nichta ^elebrt bat, immer aehr erfreultcb 
bleibt Nicbt etwa um irgend einer FrQaelytenmacberei oder 
lUiVarmehrung dea Kircbentbuma fkberhaupt willen , oder wia 
^tnn er in deui ^vangeliach^protestantiscben Kirchentbuin 
Aitei URverbeaaerlichf Nichta nocb erangeliacber zu wtlntchen 
^^tViff f!Siide« Yielmebr gerade deawegen , weil in dem evan^ 
(vliii^eQ ProMatantiimua 4ie der Zeit eentftfae Verbeaaerun- 
gen nach deaaen pberatem Orutidaats und aucfa nacb dem We^ 
'eatli^hen der befttebenden Einrichtu ngen weit teicbter 
lusauAbren pindy ala da^ wb die Vorauiaetsung do^makiacb 
ttod praktiscb geworden tst , dafs Allea von der Kircbe su 
^tper eewissen Zeit festgeaetste h\r alle Zeiten das beste, daa 
imperfect i Lie ^ Liciben mOsse, und dais so selten vyie indglich 
iiirch Yerbdiaerungea die Notbwendigkeit dei VerbesserTicb* 



uiyiiized by Google 



to Uu CatUol. Ecleoti^ae lur la GooTers. auChrisUaBiime eTitugel. ^ 

keit eingestanden werden ddrfe, Hierin Itegt unstreitiu 
We^entlichste Unterscheidung. 

Frage sicb duel) jeder gutdenkende selbst: wo iind warm 
«ind voft der pabstiicben Behorde ana Verbesserungen geroacht, 
wo nicbt die von den Laien und von der mittleren, unterricli* 
^et«ren Ge^stlichkeit verauchteft gehindert worden? Fxflgt 
man auch nicht rinmal nach ao einilufsreicben Functen , wia 
die Auifhebung des kirchlicben (unbibliachen, ja antibibliscben) 
Vcrrbots der £be d«r Geistlichen wSre; fr9gt man nur: Oh 
denn nicbt alle Jcatbolifcbe Christen endlich wieder den nur 
Ton der Kirch und erst im dunkein Mittel^lter , zurtickge- 
baltenen sacramentlicben Kelcb im Ahendmabl nacb Jeau und 
der Apoatel Anordnang erhalten foDen ? ob denn jenet : Ntn 
obstante*} dea Conitanzer Conctla von 15. Jun. i4t6. evrtg 
liindendaey? Ja, frMgt man nurs Sollen die Teutachen 
nicbt endlich weni^stena eine teutaebe Meaae bdren dDrfep ? 
•ollen die meiaten imtner niir in lateiniacber Spracbe daa Sacra* 
nient benedicirfc bdren txnd nicbt verateben^ ungeacbtet dieaa 
Todeafeier Jeau jm frdberen Cbriltenthum naSx allgeineineff 
Tradition In den JLandessprachen (griecbiscb, syrisch , ara« 
bisch u, 8. w.) verstSndlich celebrirt wurde? Die hierarchi* 
sche Antwort aul: alle solcbe Fra^en, ungeachtet die denkend^ 
atcn find gewissenhaftesten in der katbolucljen Kirche selbst, 
wenn sie mehr Eklektiscbals Ekklesiastiscb seyn zu 
aollen einieben , ganze LeJiensalter bindurch an der Besserung, 
oft nur eines einzigen solclien FLinfits, gearbeitet haben , ist 
immer ; Nein ! — - Und wanrm ? WeiJ, vver im Namen dec 
infalliblen Kirche zu aprechen Jiebt, nicbt durcb \ erbesse-* 
rungen zu erkennen gehen mag, dais etwas bef^eutendes besser 
zu macben sey, dafs es also nicht iinmer gut gt?nt?g gemacht 
war, Und deswe^en muls, aovielKec. einseben kann^ jedeSf 
ma] ein rubi^ t^ntacbloisenes Ausgeben aus einem Zustand , wq 
alle Verbeiierungen , besondera von den rdmiscben Oberbehdr<i 
den berab, ao unabsebbar eracbwert werden und wp, wie 

tun Tage iat, bundeK Attdcei<britt« (in 3panien i Ff«nkrexdi 

J 

9 I II I .1 " ' W 

jPQr jenen aBtibtttsitlsabenBeiehlufs wahltaman diemakr aUbarte 
Formal ; licet in primthm eecUem reeiperetur hoe taaramanttfm « 
fidelihus sub afrMgaa ipetU$ tamen poilta a'Cenliaieiit^iis (Saeeiit 
dot«) wb utraque ipaefe ai a ImeU tantmnmodo sab apceie pania 
auaaipiatur* So wanig nabm man vor dor Evangeliseheti Refor<f 
IDatioh Aastand f daa Urahriitenthiim nod das jfoste^ der ittrelie 
WHdriekUoit $%tn ciaandef fn QegemSiie steUea^ 



uiyiiiz-ed by 



Ud CadioU Eol0ed9[ne inx U ConTers. ■« Chrlitianbme eraogel. 1 1 

u, I. w.) Bis zn Erneiierung des Jesuitiamus , ja his an die 
Kirchen-Inquisition unci die Antodates bin - - weit eli er , als 
eine einzige Verliesserung oder Krhaltiing des Ver])t-si.r j ten 
jur Wirklichkeit kodunen, auf jciienrjll dem Unbelangtfniten 
als tin Uebergang zuni Bessi^rn sich erfreiilicb darstelleii, be- 
sonders wenn ei so wob]geordnet uud unter deiii Scbutz einec 
gegeii kein Kirchentbuin partbeiiscben Staatsregteruog in die 
Voilsiebung tritt, und tnit stiller Bescbeideiibeit a«in Gedei« 
ben von der Zeit und der wacb««nden Ueberseugung idr das 
Reinere erwartet. Und dafs diesea allea^ um gegen to acbnell 
gewagte Rflckschritto «um Vorbessern aufzuf'ordern« von de* 
Wtt gesagt werdey did davon als Nicbtgebundene von AoiU* 
vegan reden dflrfen und aolltfn, sollte diet nicbc aelbat den 
GeSundeneren Heb und ein HpBFiiung strand seyn? Der ' 
Protestantiamua erkennt es gewtis dankbar^ wenn acbfcbare 
BeoUcbter von der andern Seite^ nicbt aua polem lacker t aon« 
4<rn beaaeroder Geainnung, ebeo ao eu aeiner Bericbtigung 
aitvrirken. 

So acbtbar dem Ree« daa aucb in der katboltscben Ktrcbo 
wirklicbe und tndgtiche Gute ist, so kann er stcb dennocb 

aicht untersngen, dabei oft eben so zu denken, wie dieselbe 
von der orientalisch - und ruisisch - griech iscben Kircbe sicU 
auszudriicken pfl<»gt. Seit d orenr. niiin- 

hcli pflegt man zu Rom berlachtsam zu sa-j^en ; Die griechiscbe 
Cbristenbeit ist nicht i m Scbisma, aber ein Schi&ma ist 
in ihr, Ist nun nicbt in dem Theile der Cbristenbeit , wo 
diclntjuisitionsgerichte von der Gftistlichkejt aui^eiiraclit war- 
den und immer nocb gebegt werden ^ wo sle nicht, oder iiur 
durch die L<aien aufgehoben sind , wo sie immer nocb die un- 
widerrufene Sanction des IV. Lateranischen Generalconciliums 
von Innocenz IIL 1215. fCU aicb bab^n! ferner: wo all^Nicbu 
^etaiiftei aelbat die Kinder, nacb dem Fiorentiner Universal- 
concilium vqh 14«^9« et;vig in di^ Hdlle yerwieaen sind { WQ 
dieBullen In lacra Coena^ (Jnigenitut m* a« w. und das De» 
aatale.; Unam aanctam etc. nicbt diircb die geistlicbe Hierar- 
cbie, aondern nur durcb die weiter sehenden L(aieo unacbXd* 
lich gemacht warden 1 wo die allzu leicbte SOndenvergebung 
durch Heiligenverdienate tind Ablafa eine dogqiatiacbe Bulle 
l^eo dea X* Von t^i8 ftir aicb bat J (a, dea IVec. geachicbtlicbo 
uttd rechtliche Prdfaii^ des Jubeljabrablasaea. l8l5»xS« 110 — 
U4.) u« a* w, — r iat nicbt in einem aolcben Tbeile der Ghriaten« 
mandiea unbibliacbe^ nicbtcbriatlicbe ao auffalleiid, dafa 
^ Auageliex^ 4dV.<^<* VBi cinen fQr Yerlieaaerungen ofie^ercn 



Digitized by Google 



13 Mejrer liUu legum iDarItlmaniiii» 

Kirchenzuktand sii befdrdern lind zum guten suIeiUn Gewitf- 
sen8)>flicht mrd? ^ . 

Unter den Zu^absn der frahsdsttcben Uebmatsuirg ist 
die merkwtardigste 105 124« Deveiopp^mant du Prineips 
VfOfsttmtej aU etner/oi raifoim/e (p. 116.) ^kmisut^^ «^ue les 
•ciencea^ qui facilttent ]*inte)1igence dea Saintea*£critarea jae-* 
ront port^ea k leur perfection ^ on verra diaparoitre dea SjBXh^ 
men ae$ prejug^a et dea'opiniona erroneea« (p; 1190* » L*In^ 
faillibilite n^apparitent pas au mortel; donc nulla autorit^ bumaind 
ne doit m'imposer une obeisiance contraire aux droita impr^- 
aci'iptib]es , qui me sont acrordes par ma raison et par la reli- - 
gion de Jesus-rChrist <* (p. 1l8.). Wer erfreut sich nicht, dafa 
die Niederl^ndische Kcin. Kegieiung g^i jde jetat dei fieivvis- 
aenscliai tlichen Geistesbilrlung ]> n tbeilose Unterrichtsanstalteii 
offnef, Aher wer fra^^t nicht aucb zugleich: Wer, urn ste zu 
bhiderni alle Kriiite aufhiete ? Wessen jt»suitische Missionen 
die Staatsi eo iernn^ auf alien Seiten al)zuba1c<-n geiiothi^t sev ? 
Wer, wie fin UniversaUoiiveiain der Gt^vvisseii, bierin inehr 
als der XjandessQuverain gelten wolle, nur um die alte U*ivei:« 
be«*erlichkeit kirchentliunilich festzuhalten? 

Neu war deai Rec. Hie Notiz S l33. ans der Ktoile 26'* 
Oct. 1824) dali e« ein Mr. Ker n , ProEesseur a Goet- 
tingue^ aey-y welcber gegen den Hrn. von Lang i'ilr di<i 
Jaauitenmorftl geacbri^ben babe« 

» A £. G. Pauluu 



Jh histona Ugum nmrldmarum medii aeoi e^hhemmarum , Dissert^ 

iUigur^ ^torlfio • jwrUha , qwm 0te^ senptk' Elardut AfeyBrf 

Wat Literatur fiber die Sufaere Geacbtcbte dedP 

Seerecbta dea Mittelaltera bisber bat aufweisen kdnnen, ist, 
to fern man Ausfttbrlicberes und GrQndlicheres sucbt, zer- 
atreut bei den Herausgebern der einzelnen Gesetzsammlungen 
und andern Scbriftstellern Spaniscber, Italieniscber , i i anici- 
aischer, Englischei , HolISndiscber u, a. Zungen, Eine z*u- 
iiammenbUngeiicld Darstellung liefern zwar £inige, die iiber 
das Seerecbt iiberhaupt geschrieben haben , z, B. L'^stoeq 
Auszugder Historie des allgeineinen und P reus- 
itscben SeerecbtSy Martens Grundrifs des Han- 
delsrechts, — aber nur in bocbst diirftigen mid wenig 

gepcOiuu Isiotuan. Da£$ di«;aain MoJigel tiix die iiecbu- uud 



Digitized by Google 



Mjejer i4ut« le^um aarUimarum* 1 3 

Haoddtgeschicbted^fsMlttelnlters, wenigstens dem Haupttheik 
]iacb| durch die vorliegenrle Abbandlung AMiOlFegescbebe^ be« 
recbtigt una ibr Titel und die aiisdrOcklicbe Erkliirung det Vf* 
saerwarten, der sicb $.5« dabin ^iufseit: nba^c dissertatio in 
tnmtigatioiKi notisslmarnm madii aevi legum maritiinaranif 
€oasuetudifiom f sciL Burcinoiiae (vulgo Coii8|i)atua mai-is)^ 
leguQi Oleronenatani ec VVUbyensium subsittct^ et, at Geri 
potest, quomodOf ubi et quatido bae Ugea ortatt iint, quo in 
confttent* «t qtiain auctoritatem adbac apud nos bab<ranl, 
ducere conabittir.^ In der (Tbat erwtrbt dieee tOcbtige Arbeit 
sowohl darch fleifsige Za8ainnienste]lung aoafobrlicberer Nacb* 
fichten von den genannten Quellen^ ala aucb durcb die «ige« 
nen tebr Hankenswertben Unteraucbiingen dem Nainen dea Vf« 
inspruch auf einen ehrenvollen Flats in diesem Fache.der Li- . 
teratur. Zur BeslHtigung htevon , und urn zum Lesen der 
Dissertation liist auf2;uluniern , lafst Rti. Iiier eine Inhalts* 
iiiiuheilung seiii Ilauptgescbait sc^yn; wohei er die eigentliihn- ' 
lichen Verdienste sowubl, als iiiii und vvieder Schwiichen we- 
nlger abztjwagen, a\$ nur anzufleute?i gedenkt, Eiiier voii- 
standigeii liem theilung mufsllef. sicU eotiiallen , weii ibm dio 
biezu erforflerlichen (^uelien nicht znn^inglich sinri, 

Zuerst miter den genannten Gesetzen handelt (]er Vf, von 
dem Consolato del mare S. 12 — 42. Nach einem kurzen Ue- 
Berblick des iai MittelaUer auf hluhenden Ilandtls acii MitteU 
landiscben IVIeere f'olgen Notixeii aus der GescbicUte von Bar* 
cejona und d«8 Handels und Seewesena in Katalonien, Welcbtf 
durchaua mit Hinblick aui den Hauptg^genatand gegeben sind^ 
und bei der Untersucbung t\her das Rechtsbucb aelbat benutst 
Warden* Die £bre des Vaterlandea su dieaem, welcba fdr 
Barcelona, Fiaa und Valencia in Anaprucb genommen worden 
bt| apricbt der Verf. mit Qberzeugenden Grfinden der zuerat 

Sanannten Stadt su, mit den meiaten ^cbriftatellern. Die far ' 
ie beiden andern angeftthrten Grttnde aind augenacheinlicb ao 
uiihaltbarf dafa «a «iner Widerle^ung Icaum noch bedurfte^ 
Iq Hinaicbt dea Altera iat man aeit den Unteraucbungen dea 
Gapmany y doMonpalau einig, ea in die Mitte dea dreiaebn* 
tan Jabrhunderta an aetsen, und swar vor 1266. Hr. Meyer 
hfjt binsu nocb daa Jabr 1227 ala die andere ZeitgrSiize^ 
Weit in mehreren Stellen bereits die SchilFfabrt der Barceloni* 
•then Bttrger nacb Syrien , Alexandrien und andern Gegenden 
in den sogenannten liberseeischen Lilndern vorausgesetzc wer- 
de , uiid diesen erst 1227 von Jacob I. die Navigation dort« 
tin eroffnet worden sey durch ein Privilegium, wonach Bar- 
<^^loniscbe Giiter nur aui: Barcelonischen Scbiifen donbin ver- 



Digitized by Google 



14 



Mejer hist, legum matitimarum* 



fill) 1 1 weiden dnrtten. Sollte sich aber hieraus wolil mehr £ol» 
geinlassen, als dafs von flieser Zeit an die Barcelonische Schiif*— 
fahrt iiach den Ubje;r8eeiscben G^genden sehr emporgekoinfnen 
seyn weide ? — S. 34 — 42 folgen Ercirterungeii Ober die 
Urbeber, die innere Beschaffenbeit , das verbreitete Anaehen 
Und eiii Verzeicbnift der Ausgaben des Com. d» M. 

Ueber dat OJeronensUcbe Seerecbt verbreitet der VerF. 
«ich S. 43 — ^ i54* £in nicbt uneibeblicbei Beitrag^ den durch. 
diese Untersucbung^die Sufaere iVecbtsgeschichte gewinnt^ i«C 
die Uotericheiduns y wonach von den von Clairac faerausge* 
gebenen 47 Artikein nur die 24 ^rsten den Namen dea OJero* 
nenaitcben Seerecbta verdlenen f und die felgenden eine da von 
uraprttnelicb vertcbiedene Sammlung sind* Die Ricbtigkeit 
dieaer Aotbeilung erbellet tbeiU aua einer Vergleicbung <deii 
Inhalts beider AbacCinitre^ wovon nur der eralere aur das 
eigentliche ScbilFfabrtsgewerbe sich beziebt, zu dessen Beatem 
den Bewohnern von OJeron diese Gesetze gegeben sind^ wSh- 
rend die iulgenden Artikel undere Nutxuiigen der See und die 
Ktistenpolizei betrefFen, und zum Tbeil blofs die Giuiidherren 
angeheii, mitbin ofFenbar nicbt filr die Oleront^nsischen Scbitf- 
fahrer bestimmt gewesen seyn konnen; tbeils i echtfertiget 
jeiie Unterscheidung sicb aus dem Umstande, dafs in die liol— 
ISrrdiscben und Wishyscben See^^esetze, welcbe die Oleronen— 
siscben Gesetze auigenommen haben^ nur die 24 ersteii ArCiiiffl 
gekommeii sind. 

In dem alten^ biaher unenucbiedenen S(reite dber die 

Autoracbaf't zu diesen Gesetsen zwiacben Frankreicb und Eng* 

land vereinigt der Vf. gewisserinafsen die Anspi'Ocbe beid«r 

Tbeile : Heinrtch II. von England und Eleonore^ aeine Ge* 

inablin, baben gemeinacbaftlicb^ jedocb letztere, als frCibero 

EigehtbOmerin von Oleron^ mit grdfaerem Antbetl^ dieae Ge^ 

aetae verfaasen las sen* AHein weiin vrit ea aui^b ala notbwen* 

dig zugeben wollteui die beid^^raeitigen Ansprflcbe auf die 

frttbesten Zeiten aurdckaufinbren | ao w6fden wir docb dadurcb ^ 

BU der von dem Vf. aufgestellUn Annahme nocb nicbt betecb« 

tigt. Auch wenn Heinricbi oder Eleonoref nocb iror ibret 

Vermltblang mit ibm f allein diese Gesetze eriassen bUtte^ 

dQrften scbon die altf sten Seerecbtsschriftsteller unter den 

Fran/.osen Ui sache gefu nden baben , sie von L i an 7.6sischem , 

und unter den Englandern ^ sie von Engliscbeui Ursprunge 

bei 7iilelten J war docb d^r Konig von England zugleicb Fran- 

z6sischer Vasall , und die Inse! Oleron seit Eleonorens V«r* 

roSblung mit Heinrich zur Englischen Krone gehorig. Nicbt 

, auverlliaaiger iai die ao gar genaue Zeitb^atimmung der Ah* 
« 

ff 

\ • 
\ 



Digitized by Google 



Meyer faiit. l$gam mMiita«niiib ' 15 

fuitql^, H^ddM Hr« Meyer smtcfaen ilSSy wo Eleonore 
FOoLudwig VII. geicbieden wurde, und Il54t "vro Heinrith 
d«n £og]iscb«a Tbron betting, stellt. Scbwerlicfa dttrfen wir 
danui, Jta£i nacb unaer^i Eniietfen die 'Englische Nation euf 
dieie Geseti(j9 keia to gar groftet Gewicbc geie^t babe« und 
daft tich dieselben unter dtn kOniglicben Verordndngeti jener 
Zeit nicht mitbegriffen Bnden , jetzt den Sclilufs ziehen, daft 
«ie noch vor Heinrichs Tin onbesteigiing verfafst seyn inilssen. 
Und in der TLat sind sie doch von den Knglanderji liocb^chaU 
ten, vvie sich sowoUl aus ilirem verLiiHihclitrn Anitelitin in den 
Enoliachen Seegerichten , als aus deiii Streite flbcr ihrt-n Ui- 
sprung ej giht. — Der Vf. ISist sicb hier aiich auf die Nachi 
weisung der Handschrittcn ein S. 50 tf. > deren ti liitif zShlt^ 
jedoch so, dafs er, auiser der von Clairac herau&^e^ehenen, 
die als die filteste anoenommen vvird^ den andern nur die Ei* 
genschaft von Abschiiiten verschiedener iVI jnuscripte beilegt, 
vun deren Daseyn selbst sich nichts sagen liiist; aucb aui die 
Exiitena dieaer Copfen wird zum Theil nur aua den Ueber^ 
Mtsungen der Oleronenaucben Gesetze in andere Spracben 
geicbloisen. Hiemach eruiifit sicb leicfat der kritiscbe Werth 
der von unseroi Yfu aufgestellten und nach dein Alter claiM«» 
Hcirten AnzabI vdn io vie] verscbiedenen Handtcbrif'ten. ^ 
Ueber daa Alter dea ^weiten Abscbnitts des sogenannlen Ole* 
ronensiscben Seerecbta erklMrt sicb der Vf» mit Kecht aebr u»» 
bestlniinty indem er ibn nacb 1170 und etwa in die Milte dee 
dreiaeknien Jabrbtinderia aetat. £s mufa nocb dabin ^eatellt 
UetbeQi ob dieae Artikel alle uraprClngltcb susammen gebdreOi 
oder erat nacb und nacb auaammengetragen aind. 

Der gelungenate und ftUr die Wia^enscbaft eintrSglicbate 
Abidinitt dieaer Abbandlung ist der den Wiabyacberf See- 
gfiieizen gevi^idmete, S. 55 — 76$ flbet deren Ursprung bier 
•«hr wichtige Aufscblflsse gegeben Werden. Dicse Saaitiilung 
«t aus drei Bcstaiidtheilen eiwachsen, den achten Oleronen- 
Jischen Gesetzen, nach dei ileniaclion , die sie in deni See- 
rechte der Holiandischen Stadc Datum erbalten baben , aua 
Amsterdam ischen Seegesetzen^ und aus seerecbtlichen Artikelrt 
des Ltilfischen Keclits, die sich in den iilreren Ahfassungen 

letzteren noch nicht linden. Diesc jieimicii zwar in den 
Handschriften dis vollstSndigen Wisbyschen Secrecbts die 
crste Stflle ein, sind aber am splitesten hi nzugekonimen , und 
bociist wabrscbeinlicb die Zutbat eines Llibischen Abscbrei« 
^^fs. Danach bericbti-ot sich die Annabme des Alters des 
>*isbyschen Seerecbts , welche hicbt^ wie bisber aligemein 
ie»diab| in daa aiwdl|te oder dreiaebntei aoadern erat in da* 



xj by Google 



t6 Wejer ^ist. legum mariiimaruai^ 

« 

iunfzehnte Jahrbundert zu setzeii ist, ^ Ans der BeschafFen- 
^ heit der Handschriften und Aiisgaben und aus verschie denen 
lii^torischen Momenten fithrt der Vf. den gan» lUiei zengenden 
Beweis seiner neuen DarftteiluDg der GeAcbichte dUmKecbu* 
•auimlung. 

Di«sen von dem Yf. selbat, als eigentlicheni Gegenstande 
derDifl8ertatioo«.l>ez«iGhneten Unteraucbungen iind noch swei 
andere Erorterungen einleitungsweise vorausgeschickt , fiber 
den eigenthtiinlicben Character der Seegeaetze Qberbaupt, und 
fiber die Kbodischen Seegesetze* 

Als eiiia aui'Fallende Erscheinung an den Seegesetzen der 
verse)) iedenen Ynlker bebc der Vf. thre gro£ie l^))ereuiatib|* 
mung bervor. DerBeti jeb der Sj^egewerbe nSmlicb erzeuge 
^mtef denVdikern etne Geneigtbeit^ aicb in einander su fflgen 
und ^aicb allgemeineren R^cbMregeln, alt ibren ursprOnglich 
einbeimiacbeny zu unterwerfen, wie dtea bet derXiebenaweisa 
der Bewobiier dea inneren Landea bei weitem nicbt der Fall 
gej, Dergleicben allgenieine Bemerkun^en aind bier durcbaus 
an ibrerSteUe^ und werden aucb in der Abbandlung selbat .oft 
Lenulzt. Der Vorwnrf der Mt&asigkeit kann siedaber^ wie 
> aonat so gewdhnlich die Einleitungsbetracbtungen , gar nicht 
treffen. Aber ein anderer Mangel derselben darf eben des Ge* 
wichts wegen , welches der Vf. ufter aul sielegt, nicht unbe«» 
nierkt Lleilfen. Ks f'ehic an hiitoi iscber BegrOnilm^g , und eben 
darum auch an Anschaulicbkeit. £s hatte jene Eischeiiiung an 
den Seerecbten thatsUcblich in Beispielen vor Augen gtlegt , 
und zugleich die Ei^entluiuilichkeit hievon dadurcb erhoben 
•werden milssen, dais sicli in andern gleichnamigen Zweigen 
vti scljledeiier positiver lleclite, z. B, in den L«ebeni ecliten ^ 
eine so auifallende Uebereinstimmung gar nicht finde, Dann 
hatte der Vf. die Gi I'inde hievon in Facten aus dem Lehen See- 
bandlung treibender Vdjker, oder a^ich in Vermuthungen dar* 
legen mcigen, Ware so die Tliats iche selbst a u fs er Zweifel ge* 
steiit worden, so batte der Vt. sich mit Kecht darauf in der 
Folge berufen dOrfen, um z, B, die Scbwierigkeit der Unter« 
aucbung tiber daa Vaterland einer Seerecbtsquelle (S. 25.) dar« 
Zutbun. StaU deasen aber werden die auffallende Uebereinstim** 
mung der Seerecbte und dieOrtlnde hievon bios auf^u ten Glaub^n 
bingegeben ; und docb liefsen sicb bedeutende Zweifel gegen 
beides erhehen : ao g^g^n die Behauptung , daXsdieSeegew«rbtt 
treibenden Ydlker yorzugavrelae geneigt seyen, v^n ibrem eigen* 
tbflmlicben Kecbte zum Beaten anderer Valker aacbaulaaaan j 
daa Beispiel der EnglSnder* 

(Der B*S9htufM foigt.) 



uiyiiized by GoogI 



J 



N. 2. 1826. 

Heidelbe r g e r 

* 

Jahrbucher der Liter atur. 



' Meyer historia legum maritimaruni« . . 

Ueher die Beziehting der §§. von den Rhoditchen Geaets^n 
zum Hauptgegenstande erklSrt tWM der V«rf. bi«r Bich nicbt|. 
allein &us dem 42. ISlst sich entnelimen , dafs er tie darum 
cingeflochten bat, weil nacb seiner Ansicht das Rbudiscbe See* ' 
recht Grundlage der Seegesetse det Mr A., insbesond^re des 
Consolato d. JVI. geworden ist. Ats eigeiith(\m]icb ist zii he« 
merken die Meinun^, dafs das Hbodiscbe Seerecbt nie in der 
Getultetries geschriehenenRechts existtrt^ sondern seinName 
nur fiberbaupc Seegewofanbeiten heseicbnet babe, dte ala ein 
jm universale' anerkannt worden seyen (S; lO.)* • 6esl;jEltst 
wird di^se Annabine auf das Schweigen der Rdmer voh ge« 
ichriebenen Rfaodiscben Seegesetsen , cH« ibnen au merkwClr* 
batten sevn mflssen, um niebt'viel daVob ea reden^ na<*' 
Qtentlicb auf das Schweigen i^on Cicero ^und J alius Cssar^ die 
in Rbodus ISngere Zeit anfbielten % und dann anf die 
Aeafferniiig von Antoninus in ]. 9. D, de Lege Rhodia^ 
WOrin er auF das Kliodische lleclit als ein sulisidiiii^es in Scc- 
ladien verweise, und es deni liomUchen Recht entgegensetze ; 
Warees g' schrieben gewesen , so btltte er es ja nui aJs IVouii- 
sclies Kecht zu puhltciren gebraucUt, Erst die Romischen Jli- 
Tiitenj welche einzelne der Kbodischen Seegehrauche unter 
dem Titel de lege Rhodia erlSuterten , batten flie alJncmeine 
Meinung veraniaist, dafs hierunter ein geschriehen es Recht * 
2U denken sey. Haben afier Romische J iirlsten wobl jemals 
i*lofse Gewobnheiten lex i^enannt? um der anderii Bedenken 
g^gen jene Ansicbt zu gescbvvelgen. Dais man aber im Mit. 
^«lalter Sf^erecbt ilberbaiipt Rhodiscbes Recht genannt hStte, 
^'^re der Art, wie mdJi dumals daa AndenJien alter Gesetz- 
gebiingen anvi^andte, gans angemessen. Interessant ist in die« 
Hinsicht die Notiz aus dem Preussischen Chronisten Simon 
^UQSQ^ 'WeldrtrdasSerandrecbt dttsrSeh^lklreobt Rhediatiennt.'- 
ZlX^Jabrg. ,i«Hell^ 2 



id by Google 



l8 fiupfeld Ezerelutiones Aethiopicae. 



Die Form dieser Ahhandlung betre£Fend| so hat man mit 
diner schvvieri^en Latinitiit oft zu k^inpf'en; 

Bei den l*reuildei1 der Geachiclite des Hahdels uiul di 
Seerechts uhd des Mittelalters Uberhaiipt wird Hr. M^yiMr 
4urch diese D|toertatibn sich iiitbt iiur wabren Dank yerdie* 
nen, sondein aucb den Wunacb erregt$h, dais er in dieser Far- 
aich zu waitei^eh Untersuchungen entscbliefseli .ttidchtet 
wozu er sicb so wobl liusgestattet aelgt. Mit GrQiidlichkeit 
: und Sorafiailt im t>etail verkniipft t^i Aiiitrabeii liacb h.dhe« 
ren^ uimaieiide^en GeAichtaj^utiktton, Hi^dui-tbr'eigttet ar aieh 
durcfaaua su det so ansi«heiiden An&uchUng clet S^dsn , die 
i^ disiA dunkeleti Lebe^ dei Mlttetaltars die Vdikar unter ein« 
liiider Tel>]tn{lpften ala clei*en (sineh Hh Meyer das Sjeegewerbe 
gan^ riisbtig in^a Auge getaTat su h'ab^n^ nnd gefade deahalb 
^ daVoai angeiogeil wbrdao au aayn ichdint. 

M o g g e. 



Jam tatttinem gramakaHea4 S^Hikhao 9p9«dme» jfrimum, Scripsit 
D, Hermannus Uup/etdy theologlaa in academia IVIarbur^ 
' geiui Professor cxtraordinariut* Lip^iae 1825, 4. 46 

^ . " Es ist eine allgemein anerkannte Wahrheit , dafs in cJeni 
verbSltnifsmiifsi^ geringen Vonathe hebriiiscber Denkmale 
7)iclit alle Wurzelvvdrter vorkommen konnen, und diese Spi ache 
daber vieiieicht armer scbeint, als sie wiiklicb gewesen. IVIan 
bat also mit Recht bei den benachbarten Mimdai ten Hulfe ge- 
sucbt, aber bei weitetn nocb nicht diese (^>uelien erscbopit. 
Am mehresten bat mgn die arabiscbe Sprache seit ScbtUtena 
verglicben , etwas aucb die athiopische, die koptiscbe dagegen 
fast gar nocb nicbt. Letztere bat man nicht benutzt, theils 
wail man sie nicbt verstand , tbeils weil ein yprurtheil 
bifrrscbte^ dafa.sia gar nicbts mit der bebriiischen gemein habe 
Daber die twei sicb ganz widersprecbenden Artikel in der. 
neuen Halliscben EncyclopMdie, unter welcben der If^tste von 
HugJn Freiburg wobl die ricbtigere Ansicbt giebt, 

Zur Kenntnifs der fltbiopisenen Spracba bat Xjudolf nacbt 
ixnr die Babn gebrocbefl>9 aondern aucb alles getban , was da* 
nials Bu tbun mdglicb war. . Ibm wird ew|g dieaer Kiiboft 
hleiben. Denii waa aucb nocb sur Erweiterung und Bericb<« 
tigun <^ jener Kenntnifa gtifcbiabrf Wjf&rde nicbt geachehen kdn* 
niBitti wenn er nicbt W8ra», AUein da aller i^li&n^ 



uiyiiiz^ed by Google 




\ 

SHff«U JMNnnueiAm AithioioMle. 19 

•cliirtr itt| io kofiiittfliiiflolf auch irrm , 4ind mufste eiy^ weil 
bite eitigreifoDden Wiftenschafun noch nicht auf der H5lia 
iUnden^ auf der aie jetat ateben* £a war <laher nicht genug^ 
iiiB bie uod da iti deo habr^liftcben WdrterbUebem auiaii« 
icbreib€ti| iond^rn nan bfitta tich wirJtltcb auf die£rler* 
aunc diasar Spracha leg^n mflsten, um aina Reviaion von 
LttdolPs Arbaiten yomehmen lu kdnnen, Und lalateraa achaint 
jetit die Absicht des Verf. zu seyn. 

Uerr Hupfeld theilt seine Arbeit in zwei Tbeile: der 
mte, welcher nun vorliegt, ist der Verbesaerung der iitbio- 
pischen GiarniiKitik gewidiiicL. Dtr zweite, den wir ki\nftig , 
?Lier\varteii habeii, «oII dieAnwendung auf die andern Mund« 
arten entbalten, Jener bandelt also j«tzt iin ersten Ruche da 
elementis von der Buchstaben Gestalt, Namen und Totenz, 
wobei der Vt i f. slcb beisonders (\ber die V ocale ausgelassen ^ 
bat; im zweiten Euche de paitibus oiationis von den Piono- 
loinibuS) Verbis iind Nominilius, Uin Ijudolt betjuem ver* 
sleirhen zu kdnnen, wird sein VVerk })ei jedeni dariiber ban- 
ueinden HauptstOcke aogezogen , so dafs man diesen 2'heil ala 
Nachtrag und fiaricbtigUQg yoa LudoU^a Grainmatik anseben 
uod mit grofaem Nutzan gabraucben kann. Mochten dock 
nebfera junga Tbaologati diesem lobaiuwOrdigen Beispiala 
£oig«iiy und, wenn sie etwas Mehreres kisten w oil en und 
kisten zu konnen glaubeq, aU dar grofsa Hauien tbut^ aben« 
egese barClcksicbtigan. Dann nur dle^e kann noch 
ta etwat ' Waiterani |fibren; nur diaae greift auch in andere n 
Wiii^mdiaftan ain i und^ hat alio anfaar dar Tbaologle noch 
(iun basodderan ^Yanh• , . 

Uahaif voriiageffiU ,Arhait» baltan rwir una tkberaeugt, 
warden auch Sprathktindi^a ein vortheilhaftaa Urtbeil Allan. 
Uatcraaichiiatar Hat bagreiflich an dam grapbUcban Thail dan 
inehreitan Anthbil genomman, und'wirdp wann ar darainst 
^ie in den Bildern und Scbriften antworFenen ersten Linien 
d«r temitischen Palaographie weiter ausiiiiuen sollte, mehrere 
▼oni Verf. iiber die atliiopische Scbritt gemachtt; scLiiubaie 
Anmerkungen griiudlich, vvie sie es verdienen j zu priifen Ge- 
l«genheit haben, vrozu bier der Raum fehlt, Nur das nocbf 
Weil es aligemeiner ist, glaubt er bier aiifuhren zu dtirfen. 
I^ei Hr. Prof, nimmt nicbt nur (S, 2.) die Neuheit der he- 
l>r3iscLen Quadratschrift , welcbe an der Gestalt der Scbrift- 
zeichen selhst Ref. ziierst gezeigt bat, an, sondern auch daa 
^"priingliche Daseyn seiiiitlscher Vocalbucbstaben in so v^eit, 
aU er iijjer dia bisberige K-riickenlebre (S, 9.) sagt ^monstrum 
^anm tfrnuuntiam**^ Ala B.e£. abar baida Puncte in den 



Digitized by Google 



20 Hupfeld Exarciiaiiones AetUiopiea«« 

^»>Bildani und Schriftenu seine g^gen die Alte Lebmt "lietse- 
rische Anstcht laut verthei<ii|>te , bi»k er sicb swar Oberseugt^ 
dais die Wahrbeit einst aij^emein anerkannt w«Hen w<irde| 
er glaubt« aber tiicbl den An/fan*^ daroo aelbst nocb su er« 
febetivy well die gegehwdrtige Generation daa in den Schulen 
eingepfcigte Yoturth^il sobwerlfcb so. bald wQrde ablegen' JtOn* 
n^n. Gerecbur mufste er aber scbon da fiber a«in« Zeitg6« 
nofsen urtfoeilen, aU selbst der ehrWOrdigste Veteran in der 
Wissenacbaft, Eicbho^h In G0ttingen| diet vom Ref. Vorge* 
zeichnete AblettOng der bebVfiticben Quadratscbi'ift ia die 
neueste Auflage si^iner Einleitung in das ahe Testament mit 
auf'nahm. Seitdem tl\h]t Ref. scnoii ni chit re Gclebrte, die 
obige Meinung mit ihiri theiJeii. Da ibin jedoch in den dar- 
tiber erbaltenen Ziiscbriften aucb Zweifel eroffnet worden 
sind, <lie zum Tbeil ganz sonderbar klingen, zum Tbeil aber 
wob! der Erdrtenm^ vvertb scbeinen ; so sey es t i laubt , hei 
dieser Gelegenheit einige zu beantworten. Unter ei sCere ge- 
boit ein EinWuff g«*gen die Neubeit der behrfiiscben yuadiat- 
acbrift, welcber so lantet: ^Die Folge und Kette in den 
^Scbriftzeicben der Tafel (Bilder u.s. w. Tb. 2. S« 157.) kdnne 
nftwar Niemand iMugnen^ wobl aber den Anfang und dasEnde 
a^umdreben, wodurch denn die bebrSischa Quadratscbrift 
»9grKde die Ulteste werden wCrde.<< — Hat man aber wobl dai* 
hei bedacbtf dafs alsdann die babyloniscbe aucb fOr dioi neue* 
at<9 mflsse gehalten werden? Doch wir wojlan einnial den 
2iege]stein9 aaf wekbem aie iteht^ unter die neueateii Denk*» 
male eSfalani aoll denn die palmyreniscbe Scbrift mit Zeit« ' 
angaben nach Cbrtsti Geburt alter aeynfi,. alt die auf jadiacben 
Seckaln, welcbe Jabrbundelrto T or Cbri^ti Geburt gescblagen 
worden? £rnstlicb^f itt der Einwurf gegen daa urspriing* 
Ticbe Dateyn aemittscber- Vocalbucbstaben statt.der Haocbe: 
^, Da nSmlicb In den pbdnicischen Ihs€hri£ten weniger Vocale ; 
„gefunden wDrden, als in neueren, so folge daraus , dais an- 
j^iangHcb gar keine voibaiukn gevvesen«, Iliergegen bittet 
roan folgendes zu bedenken: Vom Nichtgebraucbe emer ^acbe 
kanii man auf das Nicbtdaseyn derselben nie sicber scblielsen. 
Gesetzt, wir scbrieben > wie es wobl der Abkiirzung wegen ' 
zuweilen geschiebt, ^Prfssr n Mrbrg", folgt darans, dafs ; 
tvir in unserer Scbrift kein o, e, i, a, u, baben f Niemand 
- iweifelt daratr, dafs die Ktruiier wirkliche Vocalbucbstaben 
batten, und docb liest man in ibren Steinscbriften MNKFAf 
PRESNTS, AF1.V, AFLS, PEXKNI, RNTHI,E u, a. w. i 
Der Araber bat Vocale (Piinote)^ und docb laf«t er sie irt sei- . 
^ ' nen Scbriften oh gttnalicb aut. • Griachen and Admar baben ; 



Digitized by Gopgle 



I 



inibren naueren Schriften Wortabtbeilung und Interpunctioa. 
In alteren fehlt Leides mehrere Jahrhunderte hindurcb. Wie 
iaisch wiiide man aber schliei§en ; j U a hat ten sic si e ur-« 
sprHpgUcb iiicbt"i Denn glOcklicher Weise Uabeu sicb vqu 
ihnen Denkmale erhalten , denen in Aiisehung dea Alters keiii 
phOnicisches an die gAStttzt weiden kann, in welchen 

cine qoch d.^su sehr gebSufte Interpunction sicbtbar iat» 
BciJe EinvvLii te ivuniieu also Kef. nicbt wanken inuchen. Denri 
er g^ieug von deni aus der Natur der Sprache bergt-Ieiteteu 
Grundjatze aus, dafi Vocaltone fVtUicr da waren aU Cousunant- 
iaiite, wie jeder scbon am Kinde hemerken kann ; dais hel^ 
Fests^tziing eines AJpbabeU jene aliQ gewifs nicbl ikbergan* 
gen wurden, dafs mail aber, ^^s man benierkt«|i di« Vocalei 
Kbivani^Un in deal Munde fast jadaa £in%aliien| den an ui^d 
f^r sich richtigan Gedanken fa(ti(e, die Conaonanten haupU 
sSchiicli seyen walcUe dt« Spracbe festbalteiit da(s man da^ ■ 
Int d^e. Vocale aUt wegliefs , und ciaan Ja4^n na.ch seiner Aus^ 
spracbe hinzudenken liefs. petm weQH dey tOrkUcha Jnde 
in dem nSmUchan Worta A lijlreq lUat, in w^e^chem der po,U 
iiilche Q auMprickt, ao llndart daatn darBade^tung dea Wof^n 
tes g^r'nicbu. — AHeia , vira« Qocb niehr itt* maD aiabi aotgap 
ia den pbdioi.ciacben Inaciirtfteii wivUtcha Vacalhucbatabep , . 
l>«fQndera I und iat aber in 4er. Maaorethan Scblendr^au aA 
T«rliebc » dafaman, wo ain H ^ ataM^ aa aur ainan Hauch 
gdtealasaan wiUf um nach Beliabaix ainaa Vocal btaei^tegt^" » 
<4ar nach dem eigenda daau arfundeoe-n l^lcbarlicbeti Kunau 
iufdrucke darin quiesciren lassen zu kdnnen! Dei|iBucb«« 
•tab selbst , der dach nicbt vernicbtet werden konnte, gab 
man nun den albernen Namen KrCicke. Ware J-^ kein Vocdl, 
. *Q kcinnte der Syrer nicbt Ji^^'^'^ scbieihen statt Jsj^p^-' u, s. w. 
^V^e kqnnte man vvobl d^n lvabbir\en jeoe Tboi beiten ^lauben? 
^Vje konnte man sie Jabrbunder(e J^indui:<;i\ ia alUa Ciramui<4n 
tiien wiederbolen ? 

Wir seben mit Verlangen dem zvveiteu Specimen der 
VOrliegenden Aethiopicarum , welches in ander© Sprachen ein- 
firelfen wird, und nacb der Aeufseiung des Hrn. ^roii> Oftcll 

Und na^b maiu^kaa ^ttvracha. ac^balUo. hat« ant^egeo^ . 



f s 

f 



uiyiiized by Google 



il« Sauerldader* 10 Bdndchen in 12. * ' 

' ' • ' Treis till 24 Thle. auf ord. Pap. 12 fl. 

' • •* .* ■ r weils „ 16 fl- 

Die Gescbaftigkeit des Bnchbanrlels und das Verlangen 
derLesewelt n;u:h etwas Probehaltigen> und Classisclieju weii- 
det sich gegenwartig auf das Samineln der Werke von Schrift- 
stellern , in welchen die Zek eine gediegen« innere Haltbar- 
keity vranigstens einefifr langere Fortdauer Kmd Wirkaamkeic 
hinreichende Lebenskraft erkannt hat. ' ' 

Die sichersten AnsprQche auf dieses muster ^afte, Fort wir- 
ken werden die Schriften baben , welche bleibend ansiabende^. 
immer neuer BetrachtungwillTdigeMaterteriiii'emiBr geschmack* 
▼oUen Form dem Lieser vorbaketi.' Daa tieacbm^ck voile be* 
atebt dartii , dafa airier Materia eine aoIcb<j'Art von Eracbeinung 
gc eben Wird » 'durcb wekbe aia dene'n Garsteavermd^eii , voa 
deqen M aufzqfaaaisn' iat y *iti b'dberem Grade annebtnlicb wird^ 
so dafs aie» wenn wir ad aageii ddrfoi, gertie Eekpstet war* 
data katin; weil ate fiDr ilk Empfanglicfakeit der Siane oAe^ dea 
Geiatea ui|d Gemfitbs gleicbsam ^ woblschmeckend^* zubereitet 
«Wurdeo. Die Form derErscheinung wird deswegen bei iinn- 
licheren StofFen darauf berechnet , dafs sie d u i c h s i h nl ich e 
Kaipfindung (Sdlien, HSren und anderes sinnlicUes Affici*. 
ren) die Einhildiingskraft reize und erwecke; wobei es 
genug ist, wenn sie den Verstand durch ZweckmSfsigkeit be- 
ftriedigt. Wenigstens dari sie dicstni nicht durch das Gesren- 
theil zurilckstofsend lind unangenehm werden, Ein andennal 
aber ist die Form der Erscheimtng eines zu betracbLeiiden Ge- 
genstands , seiner Natur nach, darauf zu berecbnen, dafs sie 
vornehmlicb durch den Ve r 5 1 a nd au fd i e E i n b i 1« 
dungskraft wirke,' damit sie als wabr oder wahrschein- 
licb leicbt au faasen sey , und das interessat?te der Materia um 
80 erkennbarer werde, Je voUendeter dann die Form od^r 
£inkleidung des den Ver stand, und die Mitempfindung an« 
aprechendei^'Inhalts aatbat rat, lind je barmoniscber Form und 
Sto£F mit einander v^erbnndan aind* deato fbirldauernder wird 
die Wirkang seyn, verachiedene Zeitalter hindufch Geiat und 
GemQtb sur Anfmerksamkeit f sum willigen Annabmen und 
Betracb ten zu reizen. 

Eine bewundernde und erfreuHcha Batracbtung dar Form^ 
wenn sie tre£F]icb ist, kann fortdauern, aucb wenn die Ma« 
terie nicht mehr als wabr interesstrt; wie das , was von irgend ' 
einer Mydiologie sdiun dargestelk ist odtr darstellbar Wiire* 



•Digitized by Google 



4 

Micht abmr die Miittfria't ihrer ffatu^ pach ^ auf Glattbea fi^ 
fbr Wahrteyn Antpruch , und itc iie doch dem Verstanda sa« 

rDckttofsetid oder mit iBm unvertrSgHch geworden , to katiir 
lelbst aine an sich vorzu i^liclie Form und Gestql^ung ein solclie* 
Kunstwerk nicbt lange ictten, Ks kann nicht als allgeniehi 
■annelimbar iortwirkeii; iiur deiierii wclche die Form voin5toft' 
lobtiiei uiUer&cheiden , bleibt eine solche Fprm (iocli noch' 
zur Bewunderung geeignet, wShit-nd sie ttbrigens das Ver- 
schwenden an tine unlialthare Materie l)eklagen ; wie lucvun 
die Mt^ssiade ein warnendes Beii^pie] gle!)t , woriihcr lumi 
nicbi reden ina^ , aber a(ilUcUweii;eiid utid factisqh oifenbar 
einverstandeii ist. 

Die Z AC b o kkescben Scbrift«n beliandelr^ meist Mate- 
rien, welche aebr lanse die A't^mtirksamkeit anziehen werden. 
Ihre Form iat , durcb unverkdiitteUei lichte, lebbaf'te Dar^ ^ 
itellung der Wabrfa(ettgraitde sich d«r Terft^ndigen Paa^uiigi|r 

anneboibar su macben , obne aie, wie Deipons^rationen, 
iufaundihigen« £ine Samnilung der^elb^^. w'\rd also lange 
fortwirken ; und aii wQnscben ia^ diefea , weil die bejbiandelte. ' 
Materien vielaeitis m das Interease det JMenscliheit eingrei-'- 
feoy una daber eiu All^enieinwerden Itlarer , ricbtiger Einajtcb- * 
ten darOfoer iinabweialicb ndthig^ist. Rec. freqt aicb, acbdn' 
tebn BSndcbcn dieaer interesaancen*8aiiiai]utig vor sicb zu ha* ' 
wtrldfae* aucb gefallig iji der'GestaJt und iin Abdruek^ 
%n mchem Genu6 dea Nachdenkena uild IVfitempfindena eln« 

Die psycbologUc^ interesj^ante Frage , wif' dem Vf. diesit " 
Vielteittgkeit , dies praktiscbe und pragmatische Urtbeily 
diese volbstbhmliche Eiiidringlichkeit und Gewatidtheit mog- 
lich geworden sey , biist sicii zum Theil a us dea voiangeatell- 
ten „ LeLensgescbichllichen Uairis^en" I, 5 — 62. beaiitwor- 
ten, denen seiii fiilddifs vorangebt. Einer ung^ewSbnlicben ■ 
Vielempfanglichkeit seines GeisteS kam durch einen eigen- 
thfimlicben Xrieb^ sicb vielseitig />u l)esch.'iftigeo uud in s L»e- 
len sicU zu versetJsen , eine unge vvobnliche iVIenge iiufstirer 
Veranlassungen zutn Denken und Handeln, ztir wissenscbaft- 
lichen und ani»ewaiHlten VVirksamkeit entjiejien. S. 51. bat 

vi^ namentlicL Hrn. H.N. SauerlMnder und „d€H lif/- ■ 
ben, allemanniscben S^Lnger^ Hebel«<, als ^re^^|de. b^i d<in 
bohesten Tage seines JLiebens ausge^eicbne^, ^ Die Ertn^ 
nerungen aus Akatien^ und der ^BOrgerkrieg der itajL^jni** ' 
«chen Scbweiz<« gehoren aucb zu dieser Lfebensgescbicht0f da 

Vf. ttberail lebendig darste)]t,L >vi« ^n dem D/Mnnen die 
2eit Jbaaaemden Antheil za nebmen alrebte* £b^ndabio eew 



a 

f ■ . 

uiyiuzed by Google 



* 



toreti vofh zweiten B^inclrhen die drei " ersten Gemuldt : di« 
Aufruhr (der AuUtand) von Stans und der Urcintone im J 
1799 ; aladann Friedr. Casar La ha r p e, nach 17^ i K. Alexan* 
decft Lt«iirf r I «in Mann, den das Patriciat von Bern llclit«te« 
dw -aber den im Arcbiv vergrabenen Tractat von Lausanno 
vam J. 1565 wieder zur Wyrkung brachte , docb den Grund* 
aatS'^rllf tiger Einheit fOr dieScbweia niqbt durchaatsen konn* 
te; zuletst Nikol. Fri^dn von v>feiger, dar KepublikBarn ■ 
Schultheifs. (Etnen Anhang machen die Ics- nawastbenSkiaaan,-. 
TOO. liar Iiabanstb&tigkeit der aeltanan JManner, Scbwars, 
von Sonnatiburg, dea Evangalischan Apoatala Ost^pdiens , uud 
Liiid w. BurJifliard von Basel »^ des Beraliera d«# Inoarn voit 
AlVika.) Sabr untarballand.. Und -wackend aind dia vialen 
''WinJca dar Klio iia dritten B^pdcban, Im viarten sia<| 
ala „5orgen (und Batorgnissa) der adleran Manicbhait fflr die 
ErbaUuag ibrar Wfirda.**- viala Notiaan der nauasten Zeirge* ^ 
acbiahta aiisammcngaste])t« Anregungen f<lr allgemeinan Fria« . 
^ dan bii au# Massacbutet. Befreiiing der Neger, Sorge fdr Var^ 
baftete. Neben der Pariser Geseil^chaft f(ir christitche Moral, 
auch(S. 78.) eine Traci :Uclien8-Gesellschaft, die aber nicht fi 6m- 
melnden Aiier^laulien und iVIeinungseiier , nicbt Sectjierei^ 
fiuiidern das 9 was alle Christen erbauen kann, veilneiieu will. 
Verhieitung der gegenseitigen ( selbstthStii^eii ) Unterrichts- 
inethoden (das Mittcl, welches Sudamei ika jjald von Pfafferei 
und r^acbsprecherei fVeier machen wild). Die BibeigeselU 
schaften (der Uebergang bis duhin, dais man Usen und etwaa 
ausanunenhangendes iiberall verstehen lerne) bis aut flie Bulla 
Pius VII. nach Gnesen (welche das Encyclische Scbreilien Leo 
des XI, zum Erstaunen aller hesser unterricbteten leider hei^^, 
stimmend, fiir Scbt erklSrt bat, da zu gleicber Zeit der Cha<« ' 
liphe oder Vicariua Oei zu Gonatantinope] aucb ein Bib«lver« 
hot durcb Muhis und Mollahs verbrei(an liefa), fiierauf be^ 
ginnen gr^Ccare bistoriscb-politiscbe Scbilderungen : Grdfsa 
und Untergang des Freistaats Venedi^ (auch einer Republik 
obne I\epubiikaner)« Hollanda Scbicksal (wo die jetzige 
B.e||ierung wobl au varstaben acbaint, dafs nurracbtlicbe Frei^ 
bait mit &eiiteabildung soloba Moorlftodar bawohot arbaltaa 
und gewarbreich macban kann)» * 

Fdnftaa BSndchen*.. Ausbrettung des Cbriatantbuma (in' 
seiner Vialgastaltigkcit) S. 267 —275^ Von der Jaauitiscban 
Tbeokratie, oder dem Frtasterreicb am Uraga^, (Das jetat 
streiti^ gevrordene Chiqaito gebdrta aucb dabin.) S, 3]4», 
Scbieksala der Freimaurerei in £uropa , vornebiiilicb dar fran« 
sdsiscban. (Entartungen, wia iu allam Monicblicbam JLber 

I 



uiyiiiz^ed by Google 



AusgewaMte Schriftea von H. Zichokke. ^ 25 

zernichten denn diese auch dio Anljpen r.nni Wnrdi^^reir ? 
Uiei'ol^en, welclje aus einem engeieii, ireiwilll^^n Bin le (lei 
Vertrauens zvvischen aWt-n Si'dndvn entstelieii , wiiiirend der 
allgeuieiiicf E^oisinui universtfiidt Miifttrautfn iiUvr i^*'^vn alls 
herrschend iiucht ? ) . . , 

Sechstes B^ndchen. Kampf iind Untergarig der scbwui* 
seriicben Btfrg* und VValdcantone. ( D«r gesuiide Meiiscbtfti- 
verstaiid gab nach S, 3t. den VValdsiiitten vur /wingli und 
Lutber einen « Pfaffenhriet** , dal'i iiher Scliwt^ixn Itili gL-r keia 
Fremder ein« Juriadictioii babe, jeder Gttistliditf die Latulf s- 
iuflagen mitentricbte , weltlicbs Obrigk«it sie Cftii* und ub« 
iftst. Sind die £pkd indeft ein«icbtig^r gtrword^n^ a]« di« 
Torvlter?) Ufnrifs der Gescbicbte des Aar|^au, S. 33 7» 
nAargau fand in d«r Gunst von KaUern und Kdnigen das 
GlQck twiner Freibeik und SelbsUtflndi^keit gew8bileitt«t , 
welcbes ibin von Einxelnen in der Eidgeiiosiensciiaft mifsgonnt 
worden war.« x 

Siebentes B.'inrlcben. ]\T e i n u n o s k a m p f iin teutscheii 
Volke zu Anfaniz des n^'iin&eiinten Jain h n iidei ts. (Sehi iin- 
piirtbeiisch und uje»ischenkundig.) Brittisclies Besit^^neUiijeii 
der Insel Gu t as a a o. iiiOO. Fremulesworttt iii»er v. S c 
tegroll. Aucb ibm wurde scbwer gentig gematlit die Aiis- 
I'lbung der grofsen Woctt» jLucaiU (s>* ub^st* die ^c&tiai* 

iaujig 2cbt«r M«ii&cben « , 

uroarB modam f Jintmqut tetwrB f 
N^turmmqm^ sequi, patriaequB impendBfB vires, 
I9om toll Mtbiy sed genitum sjf credMre muodo* 

ht commune bonus 

„Unter was ii\r Geyer und Raben«*, fchrioh Scld. l8l2. an 
^scbokkey „ ist luaine Taubennatur geratbtin.^* LJnd docb, 
^ie sick aucb Hue* ana teinea £rfabrungeii mit Fr«udeii zu- 
iQckerinoarty war es ketneswegi di« Kegierungy keineswegs 
die bdberen MitgUeder derselben, die «inen solcher* Au8ru£ 
je ?«ranlassen mocbUn I VVie edel stillte (S. 280.) Maximilian 
ioMph 1810 di^ bit an Napoleon gebrachttf antiprotestantiacUe 
l^iNMciatioaen daa Naidea, der aacb nur in d«r Hauptatadt 
ttodourbei yFenigen Machtgierigen aicb seigte. Von Ja« 
^obt(Dacl| Gotba ^urtlclv^e^an^ in) acbriab ocb]« (5. 271^*). in 
J* I8ti: »der'(Jn«raetslicb« gebt rtiir tSglich ab, ala Freund« 
«h,4kademiker , bU Gebalfe an Baierns Fortbildung » Von 
^* 294. folgon intaretaahte Stellen aua Briefen. £a ist » da in 
^\H9n Tagen Baiern a»i aeinea Maxiwiltana Sarga dankvoHe 
^brlacQwaint^ um to gewi«8«;r nicht Sobmeicbelai ^ daft aucb 

.J. 



Digitizaj by Google 



IX^Q, von S. 3i7, die VVarte auazeicbnet ; ^Einer der wohl- 
wollendsten Kdnjge , did jt$ teller Men^chen regiert hahen! £r 
hat Stand |^ebalteii bWj mahcbefn Andringen , dafs tjuch i^r std* 
rend in dai eni^reIftf|i*aolUe/^aA der Ze\} gemSfi eingeleitet 
*iind in Gani; pebracht Vopden' war« ' So jgeliebt su' irerdeii • 
aollen alle •Ucsben.fc . 

^c^tet tind neuntes BSndchen. Des Spbweizevlandes Ge- 
acbicbffe fiX^ das SpHweizervolk. (Die Schweiz hat keinen 
AutwSrtig'en / <)er seine Aufnabiqe in ibr — die-' 

•en Mneiuenawerthen republikunisctien Adelsbrief— scbvirei* 
seriicber rechtier^igte.V * ' 

pie ganze Sanimliing wtrd durcb nocb viersehn BSndcben 
complet wc^rden. £in Register dea viellachen Inl^alu ,' wenig« 
atena ein Naihensre^ister , ''<la nacb den Nauien auch die Sacben 
leicbt au fail find en wflren. ist jedemB&udcbent oder damijan* 
sen au wttnacuen* 

* . * £. G. Paulus. 



Uirichi de Hutten^ Equitis Germani, Opera quae exstant ^ 
Oinnia, ColUi;:^it^ edulit j annotationibus iliustravit Ein, Jo-* 
seph* Hermann jVIunchf Philos. Dr. et in Jlma Universitate ^41" 
berto-Ludoviciana^ quae est Friburgi Viritgoiorum-^ P^'of* P. £x- 
traord. Tomus y. {Motto: Ejrig u icderhallt ein >yrofses fVort ^ 
Und die grojse That schajjt ewi^ JortI) Uerolmi^ sumt. G, 
licifMri. 182^ 646 S^m a« " 2 Tblr« 12 Gr. 

Auch unter dem tauta^en Titel : 

Des teutschen Hitters^ Ulrich von Huttettf sdmmtlic7i9 
PT' t rke, Gesammelt ^ und mk den erjorderlichen Einleitun»cn% 
jiamorkun»en und Zuseiti.cti lurauss^ vgn'^ Milnch — : 

Heransg^ber und V^rlager verdienen ebrenden Dank, 
Uuttana ^wabrea Monument, seine Geiatea war k e ^ 
sum neuen Ganvfa , aur neuen Fort\yirkung , aua der durclt 
daa Seltenwerden der einzelnen alten AbdrClcke entstahdeneii 
Vergessenheit wieder in das d£FentUche Lieben , in das D<^n* 
ken und Woilen der Gleicbgestimmten , eingefdbrt au haben, 
nacbdeni so oft vonMindernnterhebmenden Vergebllch au einer 
aolcban mabsamen und kostspieligen Uirternahmung und Ana* 
atattuns Hoffnungen gemacbt waren. 

Unsere £uropSiache Geisteserbabune begiont euarst tnit 
den Satbotiacfacn « - aladann mit den philoloeiacb'bistoriscbaa 



uiyiiiz-CQ by Google 



lod phiIoso{>hiscbffn VorberottutigaQ der Kirchenr«f(pjrfiii|tiot|^ 
•biM wekbe^iman fich den finttern ^ g«wi|ittbltt{^en Vorurthfi* 
len, del pl^ffischen Mitt«]a]ter9 iiicfaf «i|tvruf|den li|tte« j^ai| 
berdft «icb iiinfoiiit '^ul Diinfe^ 'P«Cr«tai'u. w* ilt QenMiif 
die'der Kirj{b0ngl9u)ie'|iuf|^«r«gt'bi|b««* *4"^<^r<^ tiicht| s(U to, 
daft m den MU'Bb>(|uclieii*4i;ark widpr»pr«ebeji , and dat'fir de^ 
Hierarcbte gar nicbt genebni wareiit Di« endli^'Ue, g<^isti|»e 
KircbWreformation sellisc wufda tiut dem TodeMcblalf der Un* 
wititfitheit und df.r alles duldeqden Hingebung an herrachiDqh* 
lige iVlitinenschen , ohne deren Ceremouienvvesen und Abl^iM 
mail iiicht seelig wer*le<i zu kuniien vviibiite, diircU (\\e unerr 
tiiiolichsten Ucijertieihungen der iVIirsijriiuclie tist. nur zura 
negative n Liehen, zuia Bezweifeln mai V dwf rfen der 
handgreifliclisten Irrirteinungoii aufgere<^t, naclidem diej^rolsen 
Conciiien zu Constanz und Basel auF die Not U vvendigUcit eine^ 
Kirchtnrelovuiation in Hjupt uijd Glifd«-rn laiit iind aHi>emein 
autiuerksam , aber anch klar gemacUt h.uteii , dais freilii h von 
der Sittenverdorl)enlieit selfist iiiciit eintiiai *u iLuiieven Ve^- 
iiesserungen Einwilligung zu lioifen sey. 

Ueberhaupt ist IClr alle Zeiten wichtig, einziiselien , 
dafs eine tuchtige Verbesstrung der Mifslirliucbe, -aU der Fui« 
geQund Frilcbte , nicbt andera ali dtircb Besaerung der Lebr- 
•intiebtan^ iiainlicb dea BauinSy 'auf welcben die HUrarcbie 
lOriel unjgttttlicbes eingeinipft batte, zu bewirken war.' Da* 
m war iieue ^ntwickielufi^ der Xebenskrat't , die Erregung 
det Selbardeiikens durcb die Beispiele der Ahen, ])esondera 
^ griecbiacben 9 durob Eoipftndung ftir daaScbdnei WttrdI- 
ge| Erbabene suai Wabmn geleiteten Muater dea Oeacb macks 
und der UrtbeiJskvaft no^hvirendig. Und wie gar oft in 
der Menacben^acbicfa^e d$a acbliinoi gemeinte tmerwarfe( f'Ur 
daa beaaere mUwirkt — ^erade jenea Concilium su Florensy 
Wodurcb die Curie, die gutea Wtrkungen der meiat vom ge*' 
bildetereii MiUelatand gejeiteten Kircbenveraammlung zuBaael 
snlabnen traobtete^ fnhrte — * swar nicbceiae baltbare Union 
But der Dogmatik und dem Frimat von Rom, abes die 
geistigere Union herbtfi, daf* unterricbtetere Griecben 
die Voibilder stranger For.scli un^ski aft und gotteswHrdiger 
iflealitdt, Aristoteles und Tlato , mul die lualten iMnster des 
^esciiiuacks , " neben welcbem die tilaschtjnden rriestersvo i ui- 
tHeile als lacherlich niclit hestehen kdnnen, dahin, wo man es 
am meisten bedLufte, nacli Ttalien, aus der turkiscUen Ver- 
vviistung immer uiehr beriibei ^li\cll^e ten , und bald, beson- 
ders auch bia in das fUr eraate VYabibeiten ao empi'HugUcbe 

TeutMbland^ verbreiteien.' 
1 . ' 



uiyiiiz^ed by Google 



Ulr* d« HuUen Optra cd. Muook* 



Dort also , wo das neue, durcL Zertheilung in so vielo 
•elbstst^udige Staaten alliiiMblig der rdmiMhen Tendeiis nacb 
Universalberrscbah entwachseiide Europa sum Auf'scbwong 
der G«Uc<rr durcb die ewigen Musterwerk« d«« AiterKhutns 
wieder erregt worden ist, lollte , dQnkt unt imiiier» aucli 
haupullchHcb das allgemeinere Studitim der iKMieren Geistet* 
bildung sicb d«n Hauptpunct tetzen. Allea inuacermal'sige 
aus dein hObcren Altcfrtbum wurde dort erntfuert und darauf 
fortgebaut. W^r aicb von dortan init d«ai Ausge««icbnet;ea 
]i«scba£tigt , wird aucb su d«ni Goiatigbesten dw Vorzeit su-^ 
rQckgeiiinbrCy und erkennt ziigleicb^ wle *ia» darcb spACereEr* 
£ibruiigen und Denkanstrengnn^en verniebrtf verbesaertf wie 
dort das Vi«lfacba iiii VVearntlicben veroinigt, gel&utert und< 
aur^Uduog dev j«tzig«ii VYeit-verwendet wurde. So vie* 
lerlei AnbaiigseJ aber^ von denen docb keine balthare Aus* 
lieute vorauazuteben iat, mdcbten, wie aie ea damala waren^ 
.der Vergesseiibeit oder etwa nur deiieiiy welcbesurGelabtlbeic 
verdamiDt find , tibeilassen Meiben. 

Die gewohnliche jVIctliode, 'immer wieder ab ovo anzu* 
fangen , utidalles, das eini] uislose wie das foi td^j liernd wlcb- 
tige , jd jeiits sogar oft nielir wie dieses, Scluiit iiit Scln iLC 
mitnebmen zu wollen, ist die Ui'sache , waruin die Meisteri 
bis zu dem, was unsie Zeit und ganze Bilduiig viel tialier aii- 
gebt, niclit vorzugsweise binicoina»en. Will man erst in 
den Steppcn des vieiteii, fClnf'ten bis fii nfzebnteii Jalirbundexts 
alle Seiten wege der Psfmdoplatonik , des Augustinisums uud dec 
ZLigleicb daraus entsprossenen Mystik tind Scbolastik durchge'^ 
spOrt haben, wie kann man nocb zu recbter Zeit, in der kr^f tigeii ^ 
Iriscbe des Liebens 9 die zeitgemiHsen Geisteserregungen auf- 
fassen , die uiis in Aestbetik, Fbilosopbie und Keligionslebre 
die VViederhersteller dieser WissenscbaFten im vierzebuten him 
secbsaehiitea Jabrbundert vorbereitet batten, Oeswegen, 
dunkt una^ wSren Gbreaiomatbien ^ d. i« maooberlei Aualeaeti 
des gelatig nfitslieben, also dea wabrent ^uteOf acbonen, in 
SteUen , wo es gut geiagt uild begrilndet ist , aus den Beaten 
jener Zeiten viel wdnacbeniiwertber , ale die fleifaigate Be- 
•cbfiftigungen mit so mancben ScbriFtstellarn y die, wenn aio 
tuia're ^^itgenoaaen wSrenf der Acbtung, welcbe ibre jeteige 
Bearbeiter an aicb verdienen, nicbt w fir dig aeyn w€lr4eu. 
Leerea Strob gedroacben bleil^t immer leerea Strob» iQreim man 
aucb nocb ao lorgfl^ttg driacbt und worfek, Scbade um jedlciiv 
aebdnen Augenbltck , um den rttbmlicben und' der frucbtbar* 
ateii 4nweoduQg wdrdigen Pleifa , wenn er an DartteJlung 
von Cbavaktecen uad au Meioaogea micbvir«n4«t wird^ diey 



uiyiiizcd by Googl 



. 29 



wefiR lie iiicbt g«weten wlrtn, war nkht cu y^rmiMen bSr* 
ten. p«rt« Jooatua et in r« terrMtri 9 cerne! iJteinwich* 
tiger Kath ethes aktrii Z«itb«obacbteri* Wobl uni , dala wir 
mcb der griacbUcben und der rdmucben Cttlturepocbftp niHl 
nach dem grofsen Inttfrmesfto einea durcb weltlicbe und r^li- 
gi4fe WiJlkabrberrscbaft veruraacbun Zarfalla d«r CuUur und 
desStaaten wobla 9 den drittenfirofaen Umichwung deauittnacb* 
lieben Geiafcea , die Vereinbarkeit der griecbiacbeo und rdmi* 
Khan Geacbmaeka- und VeratMideabildung mil der lebtcbriau 
lichen Vernuoftbildung , erlebt baben. Lit$$et tins wardig 
fortscbreiten auf dieser Bahn der mdndig gewordenen Se]bst« 
tbStigkeity ohne die iVIeinnng, als oh die Gclehrsuiiikeit des 
neunsf hnten Jahrhnndtii t& anders nicht, oh in den ausgett ete- 
nen Schnhen derjenigen Zeitalter gehen iiiiiiste, die innii docli 
eittijicli aligeiiiein als die Zeiten dea Sinkens und Fallens der 
VVissensciiaiten und der Staaten, auch als die Zeiten der Aus« 
ariQng des Urchristenthitms selhst, anei kennr. 

^Vie viele lehli;if!:e Erregnngen eincr ^eistvollen FreithS- 
tlgkeit erneuern sich nun nicht dnrch die ^liicklicli ii^esarnmel* 
ten fdn F B a n d e des ritterlichen Feindes ailer Verdun kluitgs- 
aucbt und VYillkQbrgevvalt, Bei ibm wecUseJn immer Enist 
und Spott. Seine Kaastische Satyre, ibren Inhalt yon d«r 
Wahrbeit und den schreiendsten Zeiterbibrungen borgendf 
geitselt bald lustig bald sOrnend dns verwerflicbe, dieSchlech*. 
tigkeit der durch Eigennutz Verktfbrten and die nnerti Sgliche 
XrSgbeit der alles duldenden Beaatrenf namentUcb der niUu 
giitaifitbigen Teutscben, 

Der letzte Theil entbllt lauter teutache oder von Hutten 
^bat verteutacbte Scbrifcen. . Unpartbeiiaeb gesprocben iat 
^ biar in der Spracbgewandtbeit bei weitem nicbC ao Mei- 
wie im lateiniacben. Auch irerleitelen die teutacben 
Acime au inancber flberflflaaigen und ungeordneten Zeile, 
<«lbttin der ^ Klag und Vermabnung gf*gen unchriatHche G«« 
Walt dea Babatea su Aom und der ungeiatlicben Geistlicben 
welche docb zur Zeit grofae Wirkung getban bat, Rec. erin« 
nartsicb, wie richtig der Verfasser der teutacben Geacbicbte, 
$cbmtdt| darauf auhnerksam inacht, dafs uin die Zeit der 
Xircbenrefoi (nation in alien 1 acl)ern aiichts IclSi^liclier ist, aU 
Ringen urn den Ausdrnck, auch da, vvo'inan den lichli* 
g"n Gedanken hatte. Duller das endluse Geschreibe. Sie 
Miilen in alien , auch Staatsau isiUzen , Worte aufc VVorte , Wfil 
*»e das rechte Wort niclir finden, Man )ese z. B. jVInll«*rf 
Sammlung der Aden wt- rrn Entstohuns des Prorestnnti-iinus 
<iatr dea £roteatire4is grg^a Entschetduug dujcb otimmen* 



Digitized by Google 



30 Utr« de Uuttea Opera ed. Muneli* 

nehrbek und Mocht in Sacheii geistiger Uebei'aeugung, Wie 
viel hat nur bier in Luthers Kraftj^priicbtt und das btrebsii^ 
selbitstSndig gedachtes ebeti*%t «^t9pr%chcfil su kdnnen^ ^ur 
Geistesbildutig i>eigetrag&n ! 

Noch f(ir unsre Zeit und Ifingdir mdtbteti VOOi ¥. Tb. dU 
wichtigiten Auhtttee Hutbii« Beyni IV/. wie di«Bab»t 
alluregCKh wider die i^utseben Kayaer geweTst*. 
Auf da» Ktirkeit «ua alleii Gbrdnicken gezogen^ 
Iterti^ dafi die Ka^^ael: aUvtregen 6ei;iralt» die Bllbat 
auf* und aba U sets eii gl^^abt (liQcb) ^eiigoifs aua der 
Babatcbrdfitcka : i • nhhht deir BUbst^ Sataun^ ver* 
gitcben III it der Lehre Christi S. 103 — 14 8. Aucb 
das Gesprachbiichlfein ^ das erite und das a 11 d e r e Fie- 
h ci j^f naiint , 5. 167 — 2l4j kann seineh Zweck nicbt ver-» 
^ fehlen, £ben so das Gespriichhiichlein : dieAnscbauen- 
den, S. 330 — 365, welches, ddnkt mich , den Vadiscus 
weit iihertrifFr. Unter dem 4 was Hutttn von Andern an's 
Licht forderte, mdclite (aufser der lateiniscben Kiitik des 
Valla de Donatione Constantini M.) das einer .Erneuerung 
wiirdigste seyn (6. 370.) aaErmanung, dafs ein jeder bei de<u 
a) ten christUcben Glauben IHeiben mfJrhte, voii Herrn Con- 
rad Z^rrtlih in 76 Artikel verfafst (Bamberg 1521.)' 
Gedanke 9 auf das UcbtJ^ibliscbe we^entHche Urcbrlaten* 
tbuin zurQcksufUbren j ist iinmer einer der wiabtigsten und 
sicb vonselbst empFehienden. (DiekieineScHriftaelbat lit bier^ 
ala frenide Arbeit| hitbt aufgenofnmen iihd aebr lelten* Auch 
.Ket. aab sie iibtb nicbt.) . Unter dem til}rigeii Vbrralb ist der 
NaU^Kairatbana« ein Oes|»rScii awiichen eiitem sumJRjeiter 
gewdrdeneti j^aiier..und Frana von . Sickiiigtiri vortrefElicli, 
(Durch das viele Werben au ' liahaknecHteil $ Rnappen und 
HeiteH hattd di^ Baueracbaft.endlicb Fehde 'ftLfar^n gelernt.) 
Irrt Ret; nicbt sebr, so ist Flan utid Ausffibirung im ^arat* 
bans V"iel gedrdrieter , der Ton, so tief eindringend er ist, 
viei rubiger, als in irgend einer Schrift Huttens. Mag es 
imnier, wie llec. hieraus schliefsen niufs, nicbt von iluttea 
«eyn, Es ist seiner Stelle und Erneixerung sehr werth. IXr. 
3VI. sieht darin einen fri'iheren Plan vori Verhindung des Adela 
iTiit der Baiierscbarc , uin rechliichere Freilieiten zu erhaiten , 
ohne den naciimaligen tollen Mdrdhrennei tumult (S. 453.), 
welcber entstimd , als die Bauerscbaft, nur durcb Knappeii* 
und Keiterdienste an VVaJffen gewohnt, ohne Leiter oder viel« 
jn.ebr durcb mystische ScbwSrmer v^Ieitet, alle^n losbrncb« 
L^eber jener Zeit Sitten und Notb linden sicb bier (S* 604* 
605« IF.) seltene Winker Fraoa y. S. boffte 5. 471 1 »Kaiaer 



Digitized by Google 



Ulr« de HuUen Opera oii. Muucii. 3l 

Karl solire anbeben , und flanh wollten sie alle dazu dien**!!"^. 
Ja wohl! wenn es dtni juiigeii Spaniel nicbt uin absokites 
Hmschen i\hev Alies zu tliun gewesen w^(e* (S» 4^2* 
l30Aitikel, statt 30» ein Dmckfehb r.) 

Mit VergnGgen kndpit sich bier die Erwartung an, bald 
aucb tiber F.ran s v. Sicking en durch Hrn. M. ejiie schOutt 
SanmUing von Thatsachen und Aufschltissen 2ii erhalten. 

Ueherbaupt ist Urn. Prof* Ml) nebs Jiterariache ThStig* 
kfit^ausgeaeicfinet, Aulaer der Kedaction seines hiatori* 
icben StuaeumS) WO mehtere^ eigene Aufafitaa von ihm, 
wieder^ aucb besondera abgeojruckte Beitrag sur 
Literatur und Kritik der Quellen des kanoniscben Rechta und 
icr Kirchangeacbicb^e: Uebbt' dib Schankung Con«i 
ttantina (Freiburg 1824* 102 S. in 8.) — ilk w^cdtgar Ge- 
idkchaft eracbeineVi , baben wir vor una 

DieHearaage dea cbriat]teben Europa wider 
• dieOamanen Vom ersten Eracbeinen der Oamanenmacbt ^ . 

bis sum Aufatand dea Hellenenvolks 1821* I. II* HI. Tb« 

Basely bei Scbweigbftuaar. l822 und*i823. 220* 263.*u« 

300 S. in 8, 

Dann scbliefst sicb an , ^Is Fortsetzung , oder auch als tceiin« 
b«r«s Wei k : 

Cesciiicbte des Aufstandes der IT e i 1 e n i s c li e ii 
Nation von der Ermordung des Patriarcben 
. . . bis auf unsre Tage. Nacb den ziiverliissigsten Be» 
richten gescbildert. I. Th. Die BegeJ)enheiten des J, 
1821. Basel, b. ScbweiMluiuser. l825. 271 S. in 8. Der ' 
II. Th. Die Begebenbeiten der 1. l822. 2,^. und 24. ifit 
«o eben erscbienen , und wird mit der .iahrzabl i826 aus- 
gegeben. 329 S. in 8. Mit einer Zueignung an den Vi- . 
couite Chateaubriand, ala X'hilhtflltinen und , einac . 
Keise nacb Griechenland u. s. w. 
Des Vfs. Erzahlungston ist kurz, klar und belebt. Im Inbalt 
WaltetForacbang nacb den besten Quellen und die IdealitSt 
cines Freundes aufbellender Geistesbildung, I^ie Dedication 
"cheint in einer fast verzweifelnden Stunde entworfen. „Dec 
wicdeigebomen Hellas Tod ist der Tod des moraliscben Cre^ 
dits unsers Welttbeila* Den Griecben selbst aber befrait da« 
4(irch das Scbickaal von der 'Gemeinacbafc^mit Zeitgenoaaen ^ 
^ie an Selbatentebrung alle flbrige Geacblftbtalter .tlbertrolFen 
kaben.«^ « Wenn im Falle dea Untergangs die Frage ergebt : 
Durch wen aind die cbristlicben* Griecben gefaHenV ao wtrd 
jjlja Geschicbta ein bin trotbea BlaU (UitbClllan | darauf die Worta : 
Durch Cbriaten!» 



uiyiuzed by Google 



32 Parthenii Amatoriae NarradooM ^ed. Fassow, 

liattet ant vielmehr das Bassere liofF<*n , utld nicbt nur 
boffen, sonddrn^daftir jederzeit und in alien Beziehungen thuny 
.was di^ Pflicbt suni Recbt macbr* 

5. Di^C. 1825. Dr. Pauiuu 



Parthtnii NicaBonsis Ammto'riaB Karraiion6s» jtd Jtdm 
co^fiio* ' Pidadni rge^nswt Franeiteus Patsowm ^Beets&runt 
Dio gents jintonii H Jdmhliehi Excerpta^ (jiueh unter 
dem TUbIi Corpks Seriptorm Erotleorum Orofconim, Edidit Fr» 
Passom Vol, /.) lApsiap ^ tumiibus et typis B, O* TB^hneri^ 
MDQCC^XIF. in Gomm* A F. Hartnuuud: iP^ m, 84 S. 8.' 

' or d. Tap, a Gi». gut Pap. 14 Gr, 

Diese Ausgabe des P a r t b e n i n s nls erster Band des Cnr^ 
pus Scriptoruvi T.rtn'icortmi Oraecorum bildet eigentlich eiuen Theil 
der Aiiswahl Gi lecbischer Autoren , welclje hei dem thiitigen 
,BuchdrucIver T e n b n e r in Leipzig erscheinen , imd die dern 
Publicum aus einigen von denGebriidern D i n d o r f besorgteii 
Ausgaben bekannt sind. Homer, Xenophon, Thucy- 
'dideg und AeAcbines sind aui:'di<>se Weise beieiu mcbie* 
pen , und die and«ren tvicbtigeren Griecbiscben Aiitoren lollen 
alsbaJd d,ujrcb den dafClr tbStigen Verein gelebrterMilhner nacb* 
i'olgen. £s zeicbnen sicb die genannten Ausgaben durcb netten 
Druck, sauberea Papier , friscbe Liettem, die das Auge nicbt 
. ao a«far b«]eidigen und docb dabei an Baum i»raparen, itiabe* 
aondere aber durch grofae.Correctbeit aua, waa wir leider von 
manchen dcr in den letzten Jabren erscbienenen Taucbniaiacben 
Handausgaben nicbt rfibmen kdnnen , ao wichtig diea docb iat^ 
und ao aebr dies aticb von solcben Athsgaben billigerweise ibre^ 
Gebraucbes auf Scbblen willen geforder^ warden fcann^ Recbnet 
man'dasu d^n billigen Praia « den der Herausgeber dafOr an* 
geseazi faat| ao wird tean kein Bedenken finden, dtese Ana* 
gaben namentJicb dem Gebrauch auf Schulen anauempieblen 
wo beaondfirs ein kritisch gereinigter, aber auch von Drttek* 
feblern gesMubertei itxt vonnothen ist. Beides aber lief'era 
aicber die oben genannten Ausgaben, wenn aiicb gleich die 
kuhzen beigefcigten Jviitischen Bemeikungen nicbt von dem 
Uinfange sind, als die vorliegender Ausgabe des Partbenius 
von I?rn. Passow beiffeiii«iten ; von weJcher Asisaabe wir 
ziiiJicbst eineu kui.zen B«;ricbt unserii Lesern erstatten. 
w o i l en. , ■ * 

» 



uiyiiiz^ed by Google 



N. a 1826, 

■ 

Ueidelberger 

lahrbiicher der Literatur. 



FiQ*tfaeuii Amatoriae Narrationed ed. Fraac. Passotr; 

\ 

(^Beschl ttfs,y 

W as zunachst den Plan flieser Gesamtntausgabe der Grie- 
cbischen Erotiker betriifc, und di^ Folge , in welcher die ein- 
zelnen Theile dieser Saminlunc^ nach einander erscbeinen sol- 
itOf so ist aucb bier derselbe ^ligemeine. Gesicbtspunkt fe<C« 
zuhalcen, wdrnacb die Ubrlgen bei Ilrn. Teubner erftchienVnen 
Attfgaben pearbeitet word«n siiid, d. b. einen reinen , febler* 
freien, mit kritischen Anmerlhingen vera«benen Text, der 
durcb aneenehmeft Aeufsere eben «o sebr , wie dmcb billigen 
hm ftiGb empfebltf y zu liefern* In Absicbt auf die Fulge bat 
der Herausgeber mit Recht die cbronplogiscbe vofgeso^en, 
>oda{s die eiaselnen GriecbUcbeii £rotiker lu'cjit in der Orel* 
Hung auf einander folgen , die etwa ihr Umtang pder ihr In- 
bit Oder ibr ianerer (jebalt ibnen anweiaen wQcde , aondern 
in derjeoigen , die ibnen der Zeit nacb zukdiutnCy Sq erbalten 
*v hier suersE die Erotica dea fartbenius, dei bekannten 
Lehrers dea Virgiliua 9 welchei wenn ale aucb in ibreml tir- 
tprunge nar zur Mittbeifung an den Freund^ und nicbc fttr 
dUNacbwelt bescimmt waren, docb diirch raannigfache.£rtt« 
dition und eine angenehine , nicht zu selir ins Breite gehende 
*Jer gedebiue £rxUliluni»swciSe slch ernp[*ehlen. Aui Tar- 
^i*en i u s soil zunachst folgen X e n o p h o n K p ii tj s i n s , danii 
B g u s , II e 1 i o d o r u s , Achilles T a t i u s , C h a r i t o , 
-Alcip brO| Aristaenetuft mit den Rriefen des A el i a n u s , 
wo moglicb , auch noch die sjj.lteren : Eumathius, 
Tbeodorus Prodromus, Nicetas Euiiejiiaiins, 
^Ou s ta n t i n u s Man ass e. Fast alle die genannteii Eroti» 
«r Waren so gUlcklich , gelelirtu BearLeitcr zii lin<leii, die 
m Absiclit auf Reinheit des Textes , wie auf Erklilrung 
fl€sselhen, in sacliliclier wie spraclilicher Tlliisicbc weniger z\x 
^vQnscben Qbrig gelassen babeiiu Von raithenlus koantfju 
birdies biaher nicbc rabmeb; Wi^ vi^M^m jede# leicbt .^iii* 



uiyiiiz^ed by Google 



34^ Pactiieilii AAa^riae^arrationct cd. Pastow. 

leuchtety wenn er nur einen filick in die wnl^en, in Jieier 
■ Afickaicbt nur aioigertnalaen bedeut«nden Auagaben ilietet 
Autora wirft, von welcben alle die anderen bioiae, dtirch 
Dmckftfbler mebr oder minder «ntste]lt« Abdrficke sind. Um 
*so niebr dUifen wir.tina frauen, dafs die kritiscbe fiearbeltung 
dieses Autors in die H3nde eines so scharfsinni^tn Kritikers 
und feinen Kenners der Griechischen Spuclie geratbeii ist, 
von dtsseii gliicklichen Verbesseruiigen man wohl aui jeder 
Seite die Proben leicht entdeckt. Unter aeinen VorgSngern 
' bat eigentlicb bJos Bast fiii den Parthenias etwas geleistet ; 
aeine Collation des in der Editio princeps von Cornarius 
(Basel 153l) noch fehlervollen , nachher von Thomas Gale 
(Paris 1675) einigermafsen , wnd elien s^o iiach Inngem Zwi- 
scbenianrn von L»« g r a n d (Gottingen 1798) in Ktwas gebes- 
aeiten Tcxtes mit der damais nacli Paris gevvanderten , jetat 
in seine urspi ttnglicbe Heiinatb wieder zurtlckgekebrten Pffil- 
zlscben Handscbriit, mutbaiarslicb aus dem sebnten Jahrhan- 
dart (so vi^ia dieae Collation rait fiaat'a eigenen Anmerkungen 
in seiner bekannten Lettre criti(jue abgedruckt ist), bat da* 
ber Hi, Pas so w mit Kecbt zii Grunde dieaar Ausgabe gelegt^ 
dia ihp aelber jedocb yielfacbe Verbeaserun^en und Bereicbe- 
rungen verdankt. Auiserdem henutsto er einige bandscbrift- 
licbe BemerkuDgen von J« Scbneideran dem Aande einea 
Exemplara' der Gdtti nger A u sgabe beige^cbrieban. Daa Wicb* 
tieere davdn erwJibnte Hr/i'aaaow m dieaer Auagabe« So 
folgt nun. der correcte Abdruck daa Textea Sit der oben he» 
ecbriebenen Wei'aeVon i ^ 28* und dazu die Janotatio cri* 
tua von S* 49 — 75* in engem ^ aber doeb leabarem » die Augen 
minder angreifjindem Drucke, Man wird in ibnen denaelben 
krittacben Takt^ dieaelbe feine Kenneracfaaft der GrietJbischen 
Spracbe entdecken, die der Herausgeber in anderen Werken 
sattsam bewShrt bat, und wir konnten in so icrn uberboben 
seyn, die einzelnen BeUge dctiiir duich AusheLung der Stellen 
und Darlegung der kritiscben Falle beizubringen , was ohne- 
bin leicht die Gr2inzen des uns bier gesteckten iiatinies iiber- 
ficbi eiten w(irde. Doch diirfte es dienlich seyn , auch auf ein- 
kelne grainmatisrhe und sprachliche Bemerkiingen autmerksam 
zii inachen, die dem Herausgeber gelegentlich sicK darboten. 
Hier sowobly wie in den rein kritiscben Bemerkungen , hat 
sicli derselhe Oberall einer gedrangten Kilr7:e beflissen, wie 
solches iiberhaupt in dem Plane dieser Ausgaben iiegt; jedocb 
sOf dais seibst eine kurae erkl^rende Bemerkung nicbt ausge- 
•cbloaaen Llieb. Aucb sind an jeder Stella die abweicbenden 

X^'aarten dei' oben beinerk|anAusgabea genau angefQbrt* Kei*. 

* < 



uiyiiiz^ed by Google 



rartbeuii Aiuiitori^e NarraUoaes ed. Fassow, 



36 



litbt BUT Eintgei da\ron aua. Gap. T. wird fxacr^j^d; r« ksi a^w« 
«yrtt(|^Aou( Ka5;J^Kfy' mtt Keclit vertbeidigt diiich Hliivveisung 
aufden Gebraucb von aAAo^y der sclion in Ilomerifcben Stellen 
begrfindet «rftGbeii|ty und selbst hei den KOmern nacbgebild«t 
wonien ist; «b«n so gleicb darauf dai nach der Frflposition |y 
mogescbobena U in iv hi auroti AtS^ov* I. $• 4« scbrelbt d«r 
Htrauigeber nacb dam Zeugnifa d<sr Griacbischan Grammatikisr 
tfben $0 mit Racht : ^i^yo; itatt daa ^awdhnltcban ^va$yoi* 
III| 3« ov fijri w»k&vxf9vciy f aTK^ff^j^ti olne £ewi£i ua« 
eewdbniicba, auffallenda Conttruction , die durcb daa von 
Hrn. Fattow vorgeacbhigene d'xn^^ylffS>ij init Leicbttekait ga« 
boben wird. — IV", 3. billigeu wir es sebr, dais Hr. P, 
gegen Jakobs unveriindeit ^«'las«en Trra;; — dnia^rat rs alrov 
jt^; — xot)^(TijTai» Gliicklicli. r welse i?t man jetzt von der Sucht, 
den Conjunctiv in allun <liciva und alinlicheii Stelieii nacli des 
Ddiwesius Kanoii in das Futin 7u vei vvandelii , zietnlicb zuriick- 
gekommeii, weil docU zulctzt dfs Verbesserns kein Knde 
^eweseu, und die AutoritMt dtr Lesten Ilaiidscbriiteii gUiia- 
lich bei 5eite LUtte gtjsetzt vverdcn iniUsen. V, 3» otoat-voq 
jam drakXu^atT^at tZ-^; vcVsu ist wieder ala ursprilnglicbe Liesart 
hergestellt, welcbe die Iferausgeber aus Unkunde des Sprach« 
gebrauchs in ein axaAAa^«tf£ar verwandeJt batten. Eben so Vf 
3. ^a;^^ny9 von Legrand unndthig in ^d ^wy 5u^wy varwaa* 
jenes hewaiit der Verf. mit einl^an Boiapialen^ dereti 
iicb nocb andere aui Xenopbon nacbwaisan lassen. 3« Bu. 

»fo«5of««»d5 o;t<; jJv scbreibt Hr» Faaiow : ^^oiiifnifos nach 
XV, 4. aV a-jT^v icvra it^oihefUyti* Ftlr die Sltere JLeiart (ob- 
gleicb dieae Form nirgends , weder bei M^ttbiM nocb sontli 
MgelQbrt vrird) spricbt dugegen v-ieMfMw; in Mbnlicber Bedeu* 
tung bei Hutarcb. Flamin. Xl. init* und ir^o«i3pf«cvo$ bai Tbeo^ 
phrast. Cbaraot. XXII t 2^ £ban to wlrd im hex. Folybianum. 
M. 627. angefabrt viM/3fr5a« ; unl daa .Homariachen ^m^uet^ 
aioht su gadankan* Oder solicit man in dlaten Stallan flbarall 
Mtfm? Ref. findat dies dpch atwas badanklicbf - aumal da 
jtia Uandscbriftan ClbaraU die Vulgata bastStigan^ VI, 2. roil; 

fiV/XsAo/Vff y das Legrand aus Unkunda in ain ivi\%\otfru 
Terjivandelt batte, XIV , 7. s. die Bemerknng fiber deu Ge* 
biaacb von SxAAw und SaAAt'cu, XVII, 3. (Uju-r Afc'vfirj, Cap. 
XXni, hat der Herausgeber XsiXwvi'So; und nacbher X«/« 
Xo3v,'5a belassen. In der ParalleJstelie bei Plutarcb, Vit. Pvrrb, 
XXVI. XXV II. und XXV iXI. stebt in den Ausgaben von Corai 
jetat das ricbtige X i kiBo -j i b a ^ so win der voni 
Herausgeber auch angeft'ihrte Ti>up ad Scbol. Tbeocrit. IV, 12. 
Weiu veibesseite. XXUI} 3, Hai aAAoj d« ouk d^<7///f^vo£ ru; 



56 



Fanheuii Amatoriao Ifarrationes Passow* 



Aayi9kufA0-jht; ^'i>89iv, schikben Gale un4 Legrand cScMVy so 
wie s^B, -hei Flutarcb Fyrrb. XXVI. ivT^^^0fjt»tiotf voti Atmrn- 
wmU tlitvtvf wo auch dia Wbrte: o* W KXawvy/Jto; f*«V ^y^vouf 

£5 fieri V su sprecheii sr.h«inen, Hr. Paaaow at^tzt auch deahalb 
hinzu : (fuodforUuis recipero dehthamt yj^vf si tervamus smuU 9j$d9S, 
oonsuetae eao nsu Homerieo, Letztere Bedeutung ballen wtr 

bier iiU* minder passend, obgleicb wir wis8<j'n, dafs der ur- 
sprttnglich Jonische Gebrauch von ^Bi^ in diesem Sinne selbst 
bie und da hei Attisclien rrosaikern, z. B. bei Ai isLutcieii Uiui 
PbiloStratus , vorkomme (s. G, J. BeJvker Specimen in Philo- 
atrat. Vit. Apollon. Heidelbergae MDCCCX Vlll. p. 30, 3l ). 
Allein eben ao Aommt docb bin wiederum auch ^'5>j in deia 
Sinne von popuU inoies ^ instituta civilia , vor, wie die von Bek- 
ker a. a. O. p. 12. angefuhrten Stellen beweisen ; wodurch (He 
,Von Urn. Tassow beibehaltene Vulgata aber in dem zuletzt be- 
merkten Sinne vollkommen gerecbtiertigt wird. Cap. XXI W 
erhalten wir eine scb^itzbare Bemerkung tiber den Gebraucb 
des Bweiten Aoriats vom Verbtini ayytkXeiv im Activ , wie im 
FaaaiVf d^n man bisber Lies auf die Scbriftateller des Augu« 
ateiscben und des spSteren Zeitalters eingescbr^nkt wias«n 
wo]Ue| wSlbreod derselbe acbon irtiber bei Jlerodotua und 
£aripide8f dagegen bei den ilheren Attiichen Froaaikern nicbc 
vorkofiiilitf und erat in dem Zeitalter nach Xenopbon httuHgc r 
su werderi anfMngt. Docb seigt sicb auch bier darch eine Ver- 
gleichung der veracbiedanen Stellen » dafa der zweite Aori&t 
Sn Actilr ungleich aeltener ist, ala der im Faaaiv, und auCaer 
dem Ihdicativ nur im Conjunctive uiid aelbat dann nur in der 
zweiten und dritten Feraoi^ Sineulatia und in der dritten Fhi« 
ralis vorkomme. Eben so ist XXIII. die Lesart der Hand- 
scbrii'ten wiedei hergestellt : avrCj v a^uriZ yyj [xaa-^ai^ und aus 
dem Gebrauche des VVortts yifij,a<r$at, dare in matrimonium sc. 
se oder suos <f ei klart: de gemtore ^ qui fUiam suam sibimet ipsi ^ 
• WTttJ, matrimonio est juncturus wie Iliad. IX , 394« 

Angebangt sind dem Tartlienius noch dieExceipte, wel- 
cbe bei Photias Cod. XCIV und GLXVI Bihliothec. aus den 
erotiscbeii Weiken des Antonius Diogenes und Jara- 
blichus. sicb iinden. S. 29. 'Avrtuv/M Atoyivwi tc^v BcCXy/j 
airt&roiv Xoyoi 3 nai k und *Ia/x/3Afxou B^afAartvicVf auf gleicbe Weise 
wie Partbenius mit kritiscben Anmerkungen begleitet, worin 
die sahlreicben Verbesserungen nacbgewiesen sind, d;e der 
Heraiugeber gemacbt bat«, Docb ei kiMrt derselbe in der Vor- 
rede dafa er. die meiaten dieaer Verbesserungen jd^r.haupt« 



Digitized by Google 



J 



i 



GtUff Chiraktwislik d«l Hwckli* 3? 

sScbHcb nadi einer Venetlaner Handtchrift vtrlraiiertan ^ vom 
Frof. Im. Bekker betorgten Auagabe d«t Vbottua verdanke, 
woFonibm die etnaelneii Blitt^r noch mitgetheilt 

warden (vercl. unsere Anseige SittM rnotitiv in diesen BHit-- 
lern l825. ^o, 6 ). Dem Jainhlichus fOgte Hi. Tassow audi 
noch die hei Suidas erhaltenen Fraginente Lei, weil (vhar- 
don de la Rochette's .S.Jiiunlung dei selhen nicht Alles um- 
falste, und selbst dem, was sie enthalt , nicht Immer die 
rtfchte Stelle vom Herausgeher angewiescfi vvot den iat ; was 
frellicb hei einem verloren gegangenen VV#?rke keine gerln^en 
Sclnvie? i Mkeiten hat, wenii auch scbon die Hoffniine einerVVie-. 
derauiiu^duDg wenig^tUni noch i^icbt gans entschwuiiden istt * 



D« Pk. G 6 i (f r y Pro/, der Cameralivissenschaft zu T'T^iirzhurg y V^r* 
such einer Charakteristik des H and els • oder : Darstellunz der 
harrschenden Ansichten von der Natur des Handels und von den 
9weckmdfsigst9tt MUteln 9» ssiiwr BeUhung* fiVUrzburg , £«/t/i- 
ger, ia2&« 234 ^.9, 1 30 kt. 

Der diirch tnabrm Schrlften ▼ortheilhaft Lekanntci Veif^ 
giebt uns in dieser gut geftcbrtebanen « aowohl von aufgebcei- 
teter Belc^senheit , alt von genauer Kenntnifs des Gegenstan- 
det and selbatstMndigeoi Denken &eugenden Schriic eiDe £nt« 
wicklong der Natur dea Handels, wobei erdiaaes, far did 
GtfselUcbaft vtelfacb wicbtige Gemrbe votn drei Sei(eii ba« 
traebtet, 1) in .aeinem VerbSltnifii ,,«ur gesammten MeiitGb«i 
b<it im StaatsVereine^i 2) nacb aeinein VerbUltoifs su deia 
Kauimnne, 3) im Verbfiltnifa aur Aegierung« — Daa Ztt« 
ttmineniaa^en^ dieaer verschiedenen Gesicbtapancte| dea pri^ 
vac und ataatswirlbtfcbaltlichen , so wie des itllEeniain-aUUita* 
Wtssenscbafilicb^n f isc obne Zweifel verdienatlicbf und ge- 
wlbrt; eine Vollstlndigkeit , welcfae Jedem, der nur yon der 
einea oder anderen Seite sich mit dem Handel bekannt ge* 
Jpacbt bat, den Weg zur gi (indlicheren Beur! heilung babnen 
mufs. Es ist gut, wenii der ^taatsma^nn die Bestiebungeu 
und die Einsicbt des Kaufmanns achten lernt; aher nicbt min« 
der ntitzHcb ist es , wenn der letztere belthrt wird ftber die 
BeleLitLU) ij seines Ge^rbiihes in der Gesammtbeit menscbb'cher 

Rec. wiirde I'^brigens die zvveite Abtbeihm^r 
*'^ber zur ersten gomacht babep, indem liei dem Gewerlie 
die An&icbt desjenigen, dci dasselJie des Gcvyinnes willeii be- 

Ueibt| dfts. ^jiicbs(9 iM» Mf^Y^,". ¥^4^ Betracb* 



uiyuiz^ed by Google 



38 



Qfier, Cliank^rutik d«i Htoaeli. 



tung der hoheren Beziehungen (ibergehen kaim ; er wurcle fer» 
ner die dritte Abtheilung als den prakti.schen Theil ])ezeiclinet 
haben , da er die Anweijdung derjenicen S.lrze enth'i It , vvelche 
die Sullung des Haodela im Organisuuus der GesdiscUaf't er«» 
drum. 

Foigen wir dem Gange des Verf, , so finden wir in dem 
ersten Abschnitt der ersten Abtheilung zunUcbst die wirth- 
fcbaftlicbe Besiebung des Handels zur iVienschbeit dargeste]lt^ 
mit den «frftteii Fortscbritten der Kiinst in den Arheiten dec 
Ydlker entstekt der Tausch , der sodann durch die Einfilbrung 
eiilea allgetneinen Tauscbmittels , des GeMea^ und das Auftre- 
ten einesv ausscbliefslich der fiesorgung der Tauscbgescbifte 
•icK widmenden Standes um Vieles erleicbtert wird, Rec. 
stimmt darin gana mit >dem Verf, tlberein , dais das Wesen 
des Handels als Gewerbes gerade in dieser Ahsonderung dea 
Tauscbgescb Bftes gesucbt werden mufs ^ wodurcb dasselbe etnen' 
eigentbilmltcben Zweck^ nUmlicb den Gewinn beiin Tauscbe^ 
erualt; hur ist ntcbt au flbersehen, ^dafs man, da einaelne 
Tau^cbgescbUfte filr andere Zwecke , und zwar fOr den Absatz 
der Eizeugnisse oder die Erljngung des Bedarfes , von alien 
Biirgern getiielien werden, in u))jfctiveni Sinne , wenu uiaii 
Bios aiif die durcb Tauscb in UiaJaut* beim liichen Giiter re- 
flektirt, iinter dem Ilande] auch die Gesammtheit der Tauscb- 
gescbiifte vcrstebt. So spricbt man vom WoUen- und Getreide- 
handel, ohne dabei bios an die Unternebmungen dw eigent- 
licben VVollen - und Gctreiflehnruner zii d^nken , und in gleichem 

, Sinne beiechnet der Statistiker den Uinfang des Handels, ohne 
dabei zu unterscbeiden , welcbe GUtermassen von den Kaui:. 
]eiit^n und w^Jche dagegen-blos in dem anmiuelbaren Verkebre 
der Zebrer und Erzenger umgesetzt worden seyen ; vielieicht 
kdnnte man, um diesen Doppelsinn 8u vermeiden, den wei. 
teren, objectiven BeorilF mit dern Ausdruck Ta u scb ve r k eb r 
bezeicbnen. — Bei der Auseinandersetsung der Vortbeile, 
welcbe der Handel d^m Woblstande der Vdlker leistet , kann 
Rec. der Ktlrae wiUen nUr bet einer Stella verweilen ; »Der 
inl^ndtsche Handel hesebflftigt, wie jeder andere^ awei Ca« 
pi tale 9. welcbe aber beide dem Inlande sa gut kommen<« S« 3<k 
lliebei ist su bemerken, dafs nicbt gerade jeder einaelne Kauf. 

.mann immer awei Waaren fttr einander gtebt und^ empfitn^t, 
aondern nicbt selten Handelaunternebmuiigen sich auf eine ein-. 
zige VVaare bescbrSnken, die man mit Geld einkauft und fOr 
Geld vvieder bingielit, so dais man nui iui AlJgemoinen sagen 
kann^ die im inlandischeji Ifaridel an^ftlegten Capit.ilc beschUf* 
tigen wenigstens doppelt so vieJe Capitale der iniandiscben 



Digitized by Google 



Get«r f Charakteristik dc» UaacUls* ^ 39 

£rd- und Gewerlcsarbeit, aU im anslSndiscfain. £i giebt so^ 
gar Handelszweige, nor keine betrilchtlicheny die unmittelbar 
gar nicht auf die Production wirken, and mttbin keine GapU 
tale in ThStfgkeic aetzen, z.B. der Handel mit achon gebrauch- 
tenKleidern^ GetAthen , BOtbern. — Der V erf, kommt auf 
die fielbesprocbene Frage, ob der Handel productiv aa7t> 
undentscheidet sich fflr die bejahende Antwort , indem er den 
von Graf B a qruoy, Murhard und dem Aec. aufgeatellten 
Grfiaden bteipflicbtet; Untera* besiebt aich hiebei aof daf f. 
waa irr an einer anderen S telle in di«aen Jabrbflcbern auage« 
tprocbenbat (tS23* No. 640» billigt es,^ dafa der Verf* 
die ganse Frage fi&r minder wicbtig erklftrt , alt aie b^Awellen 
MDommen worden iat. Im aweiten Abacbnitt kommtderEin* 
flulitdea Handela auf allseltige Entwicklung der Menacbbeit in 
ErwSgung ; mit Recbt wird'eraU Gulturmittel gescbildert ^ nbd 
gegen die VorwOrf'e, die ihm biaweilen gemacht worden aind, 
in Schutz genommen, obschon bei n»anclien der ihm von dem 
\erf. zui2,<e:5clw ifcbenen VVii k ini^en aixlere miteingreifende Ur* 
sachen etvvas zu wenig gevvunligt seyn tndcbteii. Was die 
alte Klage iiher den in kalte Selbstsiicht ansgearteten Handels* 
geist hetrifft, so vviirde bei der Bemerkimg dea Verf., man 
diirfe das mercantilische Sul^ject satnmt seinen Tnthlhnern und 
Leidenschaiten nicht njitdetn Handel selbst verwech»e]n, iminer 
nocu der Ein wand fibrig bleiben ^ der Handel babe so oft eine 
solche Wirkiinfr bervoi jielrracht , dais man dieselbe wohl ala 
in seinem We^en liegeud betracbten diirfe; man raufs aher 
kleine, ganz auf den Handel gewendete Staaten von den groXse^ 
ren unttrrscbeiden , in denen es vielerlei Intereaaen giebc, und 
(iiegenaue Durcbdringung veracbiedener Meinungen , Grund* 
. <2tze und Geftihle das Herrortreten eines so starren Egoismiit^ 
der Handclnden verhindert. — Die zweite Abtbeilun^ zeigt^ 
Waszum Betriebe dea Handela erforderlich aey, n^mUch ver- 
tchiedene Capitale und peraOnJicbe Eigenacbaften dea Kauf* 
manns; ate vergleicbt aodanji die Vortbeile und Nachtbeiia 
des Handela fOr den, der ibn a1« Gewerbe treibt, mit einan^ 
^er. ^ Dritte Abtbeilung. Verbaltnifa dea Handela snr Re- 
gierung^ jind swar t) in Ana^ung der Finamsen. Da der 
^Ibttbetrieb von HandelsgescbSften auf Rechnung dea. Staatea 
^urcbauf vervrerfiich iat, ao bleibt nur die Einnabme voit 
Zdllen Qbrigy welcbe der Verf., ib ao iPerne aie mSfaig aind^ 
•usfinanziellen GrOnden in Scliutz nimmt. 2) In Anaebutig 
^tVorsorge der Regierung fiU den Handel. Hier beschSftigt 
•ith der Veif. zueist mit einer Darstellung rind Widerlegung 
'ieiMercantil systems I diet der Gegenstand aucb schon 



1 < > « 



40 Cceier^ Gluirakteristik des Handels. 

zut Spracbe gekommen ist, docb ihr Verdienstllcbes bar, in. 
dem sie manche neue von den AnhMngern jenes 'Systems an ge« 
fQhrte GrOnde berOcksichtigt^ und neue GegengtQnde wider 
8ie aufFQbrt. Die Anfbebuug alW Zdlle wird fiir vvtinschetia* 
Werth. und ibr Ersats durcb directe Steuern ffir l«icbt su be* 
werksteUigeii erklSrt ; Kec; glaubt^ dafs man^ bei der Ab« 
scbaffung der Zdlle , wofern ^^icbt a'ucb die iniieren Gonaum* 
tionaauflagen gans umgeMndert wGrden, nicbf: umbin kdnnte^ ' 
eineh Tbeii der ersteren durcb cine in der Form der letatereh 
sii erb^beiide Steuer sso ersetzen, tbeils um, wenn tnlilndiache 
Waaren dersetben Art eiher Accise unterliegen, die Erzeuger 
derselben nlcbt gt'gen den anslSlndiscben Producenten zu ver- 
kthzen, tbeils um nicbt aui eine Besteuning des Luxus zu 
\ er?:ichten , die be! rl jr unvermeidlicben Ungonau i^^keit der 
Kii)kommen.ssteuern nicht fiiglich erit}>eliie« ist. — Ilier- 
auf werden die Malsregf In , wejche zurForderung des Ilandels 
mit gutem Erfolge getrofFHti vverrlen, durcbgegangen ; sie be- 
zlelun sicb'J.) auf I'reilieiL des iJaiiflcIs, 2) aux Sicheilieit (leS-» 
seiben, 3) ai^f erleicbternrle und besclilennigende Anstalten, 
Bei 1^ wircl trifrig filr die Freilieit des inneren und aufsieren 
Handels ge&tiitten, womit im Ganzen Rec. einverstanden ist; 
nur scbeint es ibm , als oh besondere VerbUhnisse eines Lan- 
des, die das pldtzlicbe Abgeben \ron einem lange Zeit betre* 
.tenen Wege unratblicb macben konn^n, mehr Bfri iicksicbtigung 
verdient biitten. Unter 3) werden aucb die Grttnde fur und 
wider die Messen abgebandelt, woraus der Verfl das Ergebnils 
siebt , es wSire tboricbt| .neue MesSen stif'ten zu wollen, die 
vbrbandenen aber solle man nicbt stdre'n, sondern fortdauernd 
{legunstigen , und es der Zeit tlberlassen, oB sie vbn selbst 
autb6ren« Hiebet bStte aus Vincens der g§nzlicbe Ver^sll 
der eHedem bertibmten Messe von Noyi, der Untergang der 
yier Lyoner Messen und das Sinken der Messe'Von Beaacaire 
angefdhtt werden kOnnen; jene Rege! aber ist Volikommen 
zii billigen. MSrkte fClr besondere Arten vbn Waaren , z. B. 
Seiden-, WoUen-, Pferde- M3rkte u. s. w, , dilrfen mit den 
eigentiicuen Messen nicht veriiiLngt werden, indem sie weit 
Weniger gegen sich haben , als diese ; England bat keine Mes^ 
sen f aber viele solcbe Miirkte. * ' - ' : 



# 

_ r 



Digitized by Google 



Sebwen Aoleihitig sum pralLtisehty Aokerbra.. 41 



Anlelt un g sum pr aktisehen jickerhau^ won Johann Ne» 

p 0 Tn n c k von S c h IV e r z ^ Director der Kdn, Pl^iirtemhergischsii 
J trsuchs ' und Unl^rrrichnanstaltjur den J.andbau. Erster Band 
mitiS I'uhooraphiri ii Vajela^ Stuttgart und TuLi ^en^ bet Cotta, 
1829. XXU u. 673 6 il. 

Ton dem ])eriUimtcn Vf?rf. der okononiiscli - stat i8ti«5tlif>n 
^Verke iiher die JLandvvi rthschatt in Bel^ ien , in d^r z lum 
imElsals, von dem Director einer landwirthschaf tlichen Liehr- 
anstait, einer Versucha • und Muster wirtbachaft, dm fte man 
wold etwas Gediegenea erwarten , wcnn «r les einnial fUr g«« 
rathen balten sollte, aicb Uber das Gaifse des Ackerbaues zu 
verlueiten. Diese Erwai tung ist in dem vorJiegenden Werke 
nicbt unbef-riedigt gebjieben^ und der Leser wird um so mebr 
angesogen , je grtlndlicher er daa fiacb studirt. £a verdient^ 
Wenn die folgendcn Tbeile dem ersten gleicben, eine ausga- 
zeicbiteta Stelle in der teuUcben landwirtbacbafLlichen Liite- 
ratar, wie. sich aaa nacbatebenden Bemerkungen , durch 
welcbe wir bios den Inbalt kurz darzulegen aucben , ergeben 
wird, . 

Er8t« Abtheilung. Oima und Boden. In ge* 
^Irlngtery fafalicb^r Ktlrse findet bier der Leaer Allea^ wor* 
fiber er in andern landwirtbacbaftlidien Scbriften Hnnderte 
von Seiten durchlaufen mufs. Die Beatandtheile des Bodens 

weiden angegeben , die verscbiedenen Bodenarten — Kfllk-, 
Thon-, Sand-, iimnoser Boden — werrlen charakterisiit , 
ohne dafs sich der Verf. , wie so Vielo thnn, in das clieiniscbe 
D^ail verliert, was aulser den Gi iinzen wenigstens" des prak- 
tischen Ackerhancs , welchem dieses Work gewidmet ist, 
Itegt. S. 3*J. schlieist er sich mit Keclit an B ni ger an, und 
meint, dais es unniitzsey, die Classification des Bodens aut 
file mechanische oder chemisclie Scheidung der Bt-standtheile 
<Jesselben zu grilnden, dafs man vielmehr 7;ti\^erldssiger ver- 
iahre, wenn man der Eintheilung des Bodens den sichtlirh 
grdfseren oder kletneren Zusammenhang , der sicli beim 
gen und Eggen im halbtrocknen Zustande zeige, so wie seine 
Wasserbaltende und anbSngende Kraft zu Grunde lege. 

Zwcite Abtheilung. Dangmittel, Nach der 
AufsteJlung des fiegri£Fes von DOnger Oherbaupt iinterscbei* 
det der Verf. atmospbSrische, animaHscbe, vegetahilische, 
vegetabilischoanimalische^ flOakige, gemengte und minerali- 
tcbe DOngmitteL Bei den atiiioapb3riM;ben UQngmitteln wird 
<Ur wicbt^ge Einflufs unaeres liuftkreiaes auf die Ve^etsition 
<l«>i?getban, und geseig^t, wie der Land wtrth diese wbbitbStige 



« 



42 Schwm AnldlOfig rain praktischea Aektrhm. 

Einwirkung henntzeii und zn s-inem Vortheile Iciten kflnne, 
Zu den animal ischen DHngmitteln rechnet der Verf. alle thie* 
risclien Al'iiille aiis der JIauswii thschat't , aus Scblachthausem, 
tecij iiischen Weikstatten u. s. w» Dazu gehuren aucb die 
Kjiochen. Hrer trefFen wir oher auf Beinei kungen , mit wel- 
clien wir nichc ganz eiiiverslanden seyn kunnen. Der Verf. 
sagt n^miich einmal, dais die Knochen durch die allrnHblige 
Zersetxiing ihres Fettes und der Gallerte vermltteUt des KalK* 
tttoiFes y den tfie entbalten, eiiie ammoniakaliscbe SeiFe bilden, 
wf'Iche d«r wirksainste Theil des Di1iig«rs tey. Das andere- 
fha) »berf nacbdem er bemerktbat, dafft man in £flgland die 
Knocben erat anatiede^ um daa Fett sur Bareitung d^r B.ad- 
acbmiere zu verwendeo, ist «r der Meinung, ea lasse aich 
von dem Gebraucfae der Knocben in dieaenri Zuatande kaum 
«^twaa mehr ala votn KaJke erwarten^ da aolcbe ibrer Fetttbetle 
heraubte Knocben kaum etwas inebr aia Kalktbelle enthalten* 
Ref« eriaubt aicb die Frage;. fileibi nacb dem Ausaieden dea 
Fettea nicbt nocb dleGallert^ olit der Khocbenerde verbunden? 
lat die Gallek-te nicbt in grofser Masse in den Kno<fben vor- 
banden I und giebt sie bei ibrer Faulnifa im Boden kekie 
Fflansennabrung ? Ist die Kalkerde isolii t in den Knocben, 
ist sie nicht mit Koblensaui e luui rhospLoi siiure verbunden ? 

Ueber die vegetaliilischen Diingmittel, Unkraut, Ilasen, 
grilne Dttngung , Stoppeln, Scbeunenabf3lle, Laub und Na- 
debi, Wasserpflanzen , Torf und Scbl nnm , Abtalle aus tech- 
nisrhen VV erkst iitten , Asche u. s. w. verbreitet sich der Verf, 
sell! vveitlauflg, und ]iefert interessante Belege fiir seine Be- 
bauptungen aus der belgiscben Land wirtbscbaft , die er so 
genau kennt. Eben so grUndlicb ist er bei den vegetabilisch- 
animaliscben l^iingmitteln (die grofstentbeils aua dem aoge* 
nannten StalldOnger hesteben), und er widmet sogar .einen 
eigenen Altscbnitt den Streumittein , die den Dung auffasseny 
und zum Theil aeibst dllngen. -r- Unter der Rubrik ^fl^aaige 
Diingmittehc Jebrt er dieBereitung der Gfillei .welcbe bekannt- 
licb in der Scbweis auf eine aebr voUkommene, Weise betrie- 
hen wird , und im aiebenten AbacbnXtt dieaer sweiten Abtbet* 
lung zeigt er^ wie die blaber eeoa'nnten Dan^erarten beban* 
delt und verwendet werden aolJen. ^Die Bereitung dea Com* 
postea und die Einricbtung der Mtstatatte kommen hler aur 
Spracbep und ea werdan mebrere Gontroveraen beleacbtet, 
tther weldie die landwirtbscbaftlicben Tbeoretiker und Frak« 
tiker Biaber nocb nicbt einig werden konnten, z. B. die Frage, 
ob man den Mist im kurzen, verrotteten, oder im strobigen, 
friacb«n Zu&unde auf das Feld ^chaEen aolle. Der Vf« apricbc 




Digitized by Google 



Seltwen ibileimog turn praktfieheii AtkerbaQ* 43 

sicii fi'ir die Melnung deijenlgen aus, welche dio Anwendiin^ 
iiiitiien Mistes voi/.iehen, und Jjeritit sicli auf (iie jie- 
Unnten Versiicl)e von Gazzeri. Einverstanden mit der 
bohen Wjchligkeit dieses Gegeiistandes , glauht ilef. die fiii- 
her sclion g<»macbtH Bt-mei knng vvieHtrholen zu rnussen, d.ila 
die Gn7.7.ei I'sclien Versucbe uur im Laboraturium angestellt 
WOiden 5ind , und noch vieler Modificationen htdinteii, urn 
m psaktisch - landwirtlischaftlichen Beti iejie AiiwendiiDg zu 
linden, — Im achten und It'tsten Ahschnitte wird von den 
mineralischen oder erdigen Dtingmitteln, vom Kalk, Mtigei, 
Gyps, den Salzabf£[llen und dem Erdefahren, wie es im Alien* 
hurgischen Ublich ist, gosproch«n« Vom Gyps wird ange* 
fobrt, dais er mrklicb nabte, denn sonst konute seine £in« 
wirkung auf die Vegetatioo durch hlofses Ueherstreuen der 
fiiStter nicht so aufFallend grofs seyt|| daTs sie nianchmal einec 
voilst^ndigen Dftngung gleich komme. Diese nlibrende Elgen- 
icbaft scbeine der Gyps vorzOglicb Sfinem Gvhulte an Schwe- 
f«l au verdanken* Gleicb im Anfange scbreibt aber der Verf. 
such den andern mineralischen DOngmijttelo )«3hrende Ejg<fft- 
tcbafleo au, £r sagt, sie wirken nicbc bios aufldsend i'dr die 
organischenOdngmitte] und anaiebend fOr die atmosphllriscben 
Su»ffe, sondern als nfth^rend lagern sie einen Tbeil ibrer 
eigenen Spbstanz im Organismut der Pflanzen al)y befdrdern 
deren Zunahmey und tragen dadurch unmitteUiar zur Vegeta« 
Ution bei. — Die letztere Behauptung, die man neuerdinga 
such in Cbaptal's Agricnlturchemie voigetragen findet, ist dvr 
neueren I'ilanzenpliysiolo ie nicht addquat. Die^e Benierkung 
kann ubrig^ns Kef. nicUt ablialten, diese gni^.e Diingeilehre 
als eine sehr vollstUndige und gi iuidlicbe Abhandlun*^ anzu- 
erkennen, der, wenn man Burger's L<eljiJ)iirh ausnmifnt, iu 
der neuesten Liiu l atur nicbt leicbt eine abniicbe an die 6eite 
gesetzt werden kann. 

" Dritte Abtheilnng. Grasbau. Der Verf. wlirdigt 
(lie Wiesen sehr richtig, gesteht die iNothvvendigkeit dei seU 
J^en in mancben Wirtbscbaften eiu, bemerkt aber, dais gerade 
in jenen Gegenden, wo der Ackerbaju am hocbsten cestiegen 
*ey, derWiesenbau nicht am vollkonimensten betrieben wer« 
'Je, wie im Altenburgiscben , in der P(aJs, im Elsafs, in Bel- 
g'en, Norfolk u, a. w. , tind spricbt dann als Grundsata auS : 
wcbt mebr Wieaen, als^durchaus not hwendig sind^ aber diese 
7o1IIcommensren Zuatande I ; Zur besseren Deutlicbkeit- 
selner Oarstellung unterscbeidet er natfirliche und kClnst« 
iiche Wieafin. Ohne aicbUi ein unfrucbtbarea botaoiscbea 
^taO tn Torliaren^ gi^^t die beaten , ao wi« die acb&d* 



L 



44 Seliwert Aali^itnng sutn prklSllsdieii Aflkcrbaa. 

^lichiffii Wiesenpflanstn ianV i^^igt, wte djB natflrUch«n 
Wie$cn unterhalten, die IJrsachen ihres Verderbeni wegge- 
rHumt, und wie sie andauemd verhessert werden k5nnen. Zu 

den Verbesserun^snictlioden rechnet er l) das Einiinpfen, 
2) das Erhohen iiioorlger und versiniipfter Stellen , 3) das 
Verjilngeii durch Erde-Autiiihre» nach Pohl. Daian schheist 
, sich an iljs Diingen der Wieserii welches der Verf. nach den 
wichtigsten dazu vervvendeten Materialien heschreiht, und 
selbst in den Controversen ilher die Enthehrlichkt^it oHer Un- 
ei)tl>ehrlichkeit, t\l)er dpn Werth oHer Nachtheil desselhen bti- 
ii'uchtet. Unter ktinstlicheo Wiesen versteht er nicht 
das, was die Franzosen prairies artiticielles nennen, niimlich 
Klee- Luzerne- und Esparsettefelder — also Futterfelder , 
hondern eigentliche, mit Hnlfe der Kunst geschalFene Gras- 
iSnder. Diese kOnnen vorkonunen, wo die Gegend nicbt so 
viel natOriicben Graswuchs darhietet, dafs man im Stande 
wSIre^ davori das fOr d«n Acker und sonstigen Bedarf ndtbi^e 
Futter erzielen^ oder wo die^odenart selbst ein zeitwei- 
liges Eindreiscben mit Gras verlangt, oder wo der Boden 
sich besser lohnt , wenn man ihn pnriodisch dem Pfluge un* 
tervvlrft, und wieder zu Gras niederlegt. Der VerF. stellt bier 
di« Kegeln fOr ein solches Niederlegen* — auf dem Wege der 
Kunst — mit einer FrScision und X/msicIit auf, welcba nichta 
%a* wQnschen dhrig iMfst. 

Die £wei letsten Haupt^tQcke dieser drltten Abtheilung 
S. 409 — 660. entbalt'en die Lfebre von der Wiesenwdsse- 
runCf und sind im Grunde der am sorgfaltigsten bearbeitete 
Theii des Hansen Buches. Der Verf. erkUrt sich deutHch 
fiber den Vvertb der Wflsserungswiesen , und spricfat sich da- 
bin aus , dafs keine Benutsung des Bodens mit dem Pfluge, 
von welcher Art sie aucb fifeyn inoge, auf die Daner der Be- 
nutzung der VViisserungs wiesen dlt^ Waage halten kdnne. Er 
erwahnt kurz der zuiallig bewasserteu Wiesen, die aber 
den kOnstlich hevviisserten in der Kegel nacbstelien , indem 
das Wasser auch zur Unzeit die Wiesenfliiche hedecken kann , 
und beschreibt weitliinfli; die Bebandluug der k u n s t I i c h beu 
wasserten Wiesen, rlie er, wie man es tiberbaupt thiui mufsj^ 
in fiberrieselte und iiberstauete unterscheidet. Er 
geht so weit, die bol der Kunsl wSsser ung )i5tbif];en ^Verk• 
zeuge genrni zu lieschrciben , und durch heigefCigtc Zeiclmnn- 
gen zu versinnlichon , und verbreitet sich besonders iiher dia 
Grabenarbeit , seibst fiber die Handgriffe derselben, wodurch 
die Darstellung in jeder Hinsicht grundlicb und ihren Gegen« 
^fand erscbdpi'end geworden ist, Fttr dif CraboiMjrbeit and 



uiyiiized'by Google 



ScUwerY Aalejiuog turn praktiicbext Ackrrbau* 46^ 

■ 

die BewSsserung QbeThaapt mufs die VViqsn die gehong a1>- 
hSiigige Flache habeii^ tbnila der Zulfcitung, theiia dea Ab* 
flosses dea Waaaera wegen. Sie bat dieseib« aber entw^d^r 
schon von Natur aua^ und dann kdmnit as darauf an , aie ga» 
hdrig zu benutstfo, und bdchst^na die natdrlicbe Ijagej wo ea 
sicbleicbt tbun lUfst, auf dam klirsaaten Wege au verbeasern; 
oderman mu£a aie ex$t au dieaem Zwecke kOnatlicb. berricb* 
ten, im eigentlicben Sinna dea Wortea bau en* Dlea i$t nun 
ilerFunkty wo^ wie der Verf. ae]bat sagt , die Kanat aicb tiber 
dssHandwerk erbebt^ und wo der Verf, die Gelegenheit ge* 
liabt und benutst bat, ae^ine tiefen praktiachen Kenntnisse im 
Wietenbau an dan Tag su ]egen« Bei den fiberrif aelten Wie« 
ten anterscbeidet er den HangbaU| wo alle Watsergrabeit 
in der Abdacbung nach Einer Kichtung bin ibren Abflufs ba« 
ben, und den Riicken bau, wo die W icsciilljche in inehieie 
Beete, nacL Ai L der Ackei Leetc , ^elegt lit. Das VVusser wird 
liljcr den lUicken derselben bint^f leitet , ergiefst sich iiber die 
beiden Wande der Beete ^ und w ii d in den Jangs den Seiteii 
hinlaufenden Furcben wieder auigejangen. — Audi die Uel)er- 
stauungs wieseji Jasien sicb durch Bauen kiiastiicb berstellen. 
Der Bau nuifs nl)er nacb ibrer Natur so geleitet vverden J dais 
man ihre ganze Fiache scbnell unter W^asser set/.en , eine be- 
liebigeZeit bedeckt lassen , und nacb VViJlkiibr witrder trocken 
legen kann. Die Kegeln, weicbe der VeiJt. d«sbaib aufstellt, 
sind mit sauberen und deutlicben Zeicbnnngen ani den Taiein 
belegt, und eben dadurcb fUr die, unmitteibare Anwendung ioi 
Leben vorbereitec. 

Wirft man einen Blick auf das Ganze aurfickf ao mufs 
man deixi VerF. Dank wissen , dafs er die Hesultate seiner 
vieljahrigen Versucbe und Beubacbtungen fiber so wicbtige 
Tbeile des landwirtbscbaitlicben Betriebes dem Publikum mit* 
getbeik bat. Sie bilden ein Repertoriuoi nicbe bios ffir den 
Verf. selbat und fibnlicbe Lebrer was fibrigens in aeinem 
2wecke lag — , aondern aucb fUr andere Landwirtbe, welcbts 
ihre Forscbungea .an die aeinigen anknfipfen wollen, Beson* 
^rs lobenawertb I at aber die Arty wie er es getban bat. Ala 
«in Scbter, bescbeidoner Meiater in aetner Runst^ bat er <tn 
aicht verschmSbetf aucb die Terdienste anderer deutscher, 
(raazdsiscber und engltscber Landwirthe zu wtirdigen und zu 
ehren, und selbst interessante Stellen aus ibren Scbi iften in 
semen Vortiag zu verwclien, Dieser bat dadurcb eine l^eb- 
hsftigkeit und Manni^faltigkeit gewonnen, weicbe man in aii- 
deren Scbriften dieses Faches, deren Darstellung so leicbt in 

Trockeoe iHllt^ vergebens.tiucbt. D<?x Vert", bdt sie nuidi 

^ i 



DigitizcQ Dy Google 



46 



Tliilo SammluDg geometrischer Aufgabeii. 



dadurch erhdhet^ dafft et hie und da Bemerkungen mit einge* 
ttreut hat, die swar zur Oarstellung der Sache nicht geradezu 
nothweiidig wSren, die aber, indem sle die Phaptatie in An* 
aprucb iiehmen, dem latter lebenHigere Bilder vor Augen 
stelleiu Dies alles^ l&jTat una wQnicben, dais die ifolgenden 
BSnde, welche dem ersten nicht nachstehen werden, recbt 
bald in die H&nde d«a landwirtbscbafdicben Publikums »e- 

Jun^en mo^en^ - ' 



Sammlung geometrischer Aufgah$n und LahrsUtzt^ mil syntttsUfchsa 
Aufld$ung09 und Bnosisen^ alt Material des Unterrichtt in' der 
EUmentar' Geometru « pen Dr, tt a dw ig Thilo. Ersier Band * 
enthaltend^ als Einleitungi eine jthhandlung Uber geometriseke 
ZshtsHtzB und Aufoahen Uberhaupt f und dui der Planimetrie die 
- jiufgaben und LehrtMt%e^ welehe die Congruenz und Gleichhmit 
der Figuren hetreffen. Mit 8 Kupjertafeln, Frankfurt am JVlaiu^ 
hei Sauerldnder. 1824* 

Aucb unter dembesonderen Titel: 

JMaterialiifn f&r den Unterrieht in der ^ementar^Geometrie f von J)r* 
Ludwig Thilo % Professor der Mathematik und PHysik am 
Gymnasium set Frankfurt a, Erster Theil, Sammlung geo^ 

metrischer Aufgahen und Lehrsdt;ie mit synthetischeu Ai^fLosungeit 
und Beweisen. Erstet Band. 3 ii. 45 . 

Zweiter B(Uid% enthahend aus der Planimrlrie di^ Aufgahen und Leht* 
siUzef welche die Jlehnltchkeit der Figuren und den. KreUt be^ 
treffea* ♦ ' ^ 

Aucb unter dem beaonderen Titel : 

JliSUuerialien u. s, Erster Titeil ^ waiter Bat^d* Frankfurt am- 

24aia 1825. • 4 fi« 30 kr. 

\ 

4 

Ea iat dem Hrn. Verf. sum Verdienate su recbnen ^ dafa 
et einen beaonderen Wertb auf daa geometriscbe Studiam 
dBerbaupt, und die Construction geomecriacber Aufgaben ina* 
beaondere 9 in den SAulen dea VaterJandea legt. Dea jQne* 
lings matbematiscber ,Sinn wird durcb kein Studium ao aebr 
gebildet, ala daa geometriacbe, keine OiacipUn reicbt so 
zweckosftfaig^ly den jugend]icben Geiat so^aebr anaprecbende 
Materialien dar, ala die 'Geometrie, CJod rieler Lehrer Dank 
verdient der Ur. Verf., dais er aus dein reichen Schatxe der 
Scbi'ifteii dlUi und nt^uer Zc^it^ wciiciie er kannte, eine groi^e 



uiyiiiz^ed by Google 



1 



Tbilo Scmmluog g(foin«trisoker Au%abca 47 

Meoge von LehrtStzen tind Aufgabeiif nach eSgener Verarbei- 
tung, als Materialien fOr einen anregend«ii lJnt«rricht in d'er > 
£iefii«iitar-G«onietrie mittheike. 

D^r era(« Band be»cbrlinkr. sicb auf geometriscbe Aufga* 
hen , welcbe die Congruens und Gleichheic betre£F«n. In aer 
einieheoden Abhandlung erklflrl atcb der Verf. in awei Ab* 
adhnitteny nacb daa B^c^ GefiabJ^ oiitau vielen Worteiti ttbar 
den Gegenataod der^Samiuiung und den Gebraucb d^raelbea^ 
und erdffnet dteaelbe mit einer Zufainmenatellung dea Weni- 
gen, waa man Qber £udidea ala Lebrer wniUi handelc darauf 
TOtt den reracbiedenen Arfcen von SfiUen, welcbe in derGeo*. 
metrie vorkommen^ und demjenigen ^ waa nacb der AelaCton 
von Froclus su einem vollatSndig bebandelten Satse nach dem 
Begriffe der Alten gebflrt habe, und spricbt sicb euletzt iiber 
das \ tt iialtnils des L«ehiSci tzts iiud der Auliiahe ztim S^-^tcme 
der Geouietiie, und iibei die darauft sicb eigeiieude i'uiai idr 
beide aus. 

AufBillend ist cs , dais bier unter vielem woiil und griind- 
Hcb Gedacbten sich eiu Intfium eingescblichen bat, welcher 
den Hrn. Verf, zu vieleii iiberflflssigen Worten und iirigen 
Bebatiptimgen veranlalste. Tndem er n?ia)lic}i a is I'loclus ali 
die Bestandtbeile eines geoinetriscben Satzes auhi'ibrt die Fro- 
position, die Exposition , die Determination, die Construction, 
die Demonatration und die Conclusion, ist ea ihm nicbt ge- 
lungen, den rtc&tigen BegriiF der Determination aufKufasseiu 
Urn zu erlSutem^ waa unter Determination and den iibrigen 
Tbeilen eines Satsea su verateben aey, giebt er pag, 62« ioU 
gendea Beispiel : 

i^Propoaition. In jedem Dreieck Hegt der grdfaeren Seite der 

grdfiere Winkel gegenflber. 
^Exposition, Daa Dreieck aey aBG, welcbea die Seite AG 

grdfaer, ala die AB babe. 
»Deteraiioation« So aage icb , dafa aucb der Winkel ABC grda- 

aer, ala der Winkel BGA iat« 
»Gonatriictioo4 Denn da die AG girSfaer* ala die AB i*t, ao 

werde der AB gleicb die XD auf die AG gelegt, und die 

BD gezogeu, » 
^^Demonstration. Da der Winkel ADB aufserbalb desDreiecka 

BDC ist , so ist er grufser , als der innere gegentiberstebende 
DCB. Es ist aber der ADB dem ABD gleicb , da auch die 
Seite AB der AD gleicb ist. Also ist auch der ABD gi ol'ser, 
alsder ACB. Also noch inebr der ABC grofser, als der ACI>. 
i^CoJKliision. Jnjedpin Di t^ieck lieot: also der grcifseren Seite der 



uiyiiiz^ed by Google 



48 TLila SammlaDg geomeuischer Aufgabeo* 

/ • 
Abgeseben dfivon, dafs Rec in den Scbriften d«r Alt'in 
Aiemals etwas unter Construction aufgefcthrt gefanden hat , was 
oben unter dieser Rubrik steht, so ist dei Begii^ der Deter- 
mination gSnzlich verfehlt. 

Die Determination ist nichts andeies, als die Eestiin- 
mung der GrMnzen , innerluUj derer die gegebenen Stiickt? 
einer AuFgabe sich halten mUssen , damit sie mSglich lileibe, 
Hatte der Hr. Verf, die Scbritten dt s Apollonius vonPerga, in 
welchen er hesoiiders von geometrisclien Aufgaben handelr, ge- 
lesen , z, E. die de secti<;n • dLterminata, de inclinationibus , 
desectione rationis, bearheitet von Diesterweg, u. s. w. , so 
wiirde ev sich flberzeugt baben , dais nur jeue Granzbestiiu- 
mung den BegrifF dtr Determination bildet. Dais er dieses 
nicbt wulste, veranlalste ibn nun zu mancherlei irrigen Be« 
bauptungen, z. B. fiir die Aufgaben lasse sich die Unterschei- 
duiPg jener Tbeile schwerlich durcbfuhrea (Kec. halt daf^lr, 
siegelte, wo nicbt ausscblieisend , wenigstens votBUgswetsa 
fdr die Aufgaben) , die Determination kOnne oft gans wog« 
bleiben (Rvf. hUlt sie filr etwas ganz wesentlicbes, und jede 
Aufgabe fQr hocbst unvoHkommen auigelost, in vvelcher sie 
feblty wenn eine'dazU' gebdrt), sie lasse, sich bei jeder Auf* 
gabe leicht aussprecben (Rec. bebauptet^ manche Auijgabeii 
baben gar keine y weil sie unter alUn UmstSfided> mdglicb 
aind, bei denen aber, zu welcben eine solcb^e gebdrtf ist sie 
oh das allerscbwerste). Aucb streitet er von diesem Gesicbts* 
punkte aufi ganz mit IJnrecbt gegen eine Behauptung Hat^bers , 
welcber sebr gut weifs, was unter Determination zu yerstehen 
ist^ und dessen Chrestooiatbia geometrica fibrigens mit gebClb* 
rendem Lobe angefttbrt wird. Eben so veranlafst ibn jener 
Irrtbiim, bei den Aufgaben; weJcbe nacbber folgen, nach 
deni Beweise, in einer Anmerkung von den Fallen zu sprechen, 
in weklicn die Aii]^j])e nnmop^licn wird j gerai^e als uh , wcnn 
in dein Eevveise aia Wirkluhkeit der Atiflosung dargthan 
ist, nacliiiti iioch von der Moglicbkeit zu sprechen ware. 
Die Determination geh5rt nothwenfli^ vor denBeweis. Nur 
innerhall) der GrSnzen , vv^elche sie vorschreilit , bat der Beweis 
seine ganze Kraft, DieAlten piiegten .sie vor die ( 'onstruction zu 
Stellen, Weil oit sebr sch wer ist, sie vor derbeiben zu finden, 
und es in der Kegel leicbter ist, sie aus der Construction berzu^ 
leiten , so lassen sie die Neueren der Construction gewohnlich 
folgen, wenn sie dieselba nicbt wegen der Scbwiengk* it ganz 
we^Iassen^ welches von vielen freilich ganz mit Unrecht ge- 
scbiehty namentlich in der oft belobtdn geometriscbea Analyaia 
yon Leslie f flbersetzt von Grtisoifi* 



N.4 



U eidelberger 



1 

Jalirbiicher der Literatur, 



Thilo Sammlung gcbmetrischer Aufgabeni 

» 

Was der lAr, Verf. p. ill. iSher anillytiictitt und tyhthe^ 
tiiche Beweise sagt, befrli»diget AeC. nicht. Analytische 
keweise kennt iri der Mathemattk er nicht. Was die AUen 
in der Geometric Analysis nannfcen, war nur die ZurDckFOh- 

rung der AuilosuniT einei Aiif^jahe, oder des Beweises ei»es 

Ltjiifiatzes anf die iiiiher oder eiitfernter licgenden iiediii^un, 

gen, von welchen die Aullosung der Aufgahe, oder der Be- 

weis Hvs Lelirsatzes ahhing. ius wurde diibei als wahr gefuri- 

tie n oder wahr angenommeii , was erst {^esucht oder bewiesen 

Wtrden sollte. Die Aii.ilysis war also kein Beweis. Sie ist 

nur eiue AietHotle, wtlclie ziir Kenntnils des Unbekannteri 

fiibreu sollte. Die Alten fiiehen sie ab'^r iiiv etwa« selir wich- 

^'ges. Ihneti gait eine Autgabe iiSr autgel5st, ein Beweis 

eiiies Lehrsatzes filr getunden, wenn die Analysis gertiacht 

War. Und mit Aecht. Sie lit auch jetzt nocb (fcwas sehr 

wichtigea; In 30 weit liberhaupt eine Anleitung gegcban wer* 

(len kaiin, eine AaFgabe telbst aufzuldsehi den fieweia dinea 

^briatzes selbit zn findeR| giebt sie diese Anleitung. Kec; 

kann es deshalb aucb nicht billlgen, dais der Hr. Ver^' scboii 

auf dem Titel nur synthetisches Yerfabren arikflndtgt,' und die 

Analyiis der Aufgaben weglSI'st; ' Sie gerade acbeint ihm bei 

^ji^t^aben das aJierwichtigste^ und lieber eiitbehrt.ar allea 

Qbrige^ aU aie. $oIl die Behaibdiung geometriacber Aiifgaberi 

for deji SchQler einen .Wertb Haben^ ao Ut e^ tiicbt genug, 
daft 

nan ihm die Aufl5ating gebe , odet ihn,' wli» ea tinter den 
SchttUrn Peatdozzi'a der Fall warj aichaelb^, und deiii .uii* 
gerfgthesuij Nachdenken ,uhd b'lihdeni Heramtappen Qber* 
sondern' ea wird erfordert^* data er an fieiaptelen g|elebrt 
Werde^ YOiA deiiijenigen , i^aa' geleutet wefden aoll^ zn den 
Wbgungen aufzuiteigeri , wovon da^ zu Ij^sistende abhangt, 
iiaddaa so weft zu verfolgen,' bis er aiif bekannte SUtze ge- 



uiyiiiz^ed by Google 



50 Tililo Sammluog geometru^ec Anfgabmi. 

kommen ist. Soiche Uebung gewShrt die g^omctrlscbe Ana* 
]ysis, Ibre Anwendung ka nn darum nicbt genug eingescharft 
werdeiiy und nlcbtft ist beiBeUandlung geometrischer Aufgaben 
in der Scbuie dem analytischen Gange zu vergleicben. 

Wat der Hr^ V«rf. am End e der langen und wortreicban 
Eioleitiing fiber die Wicbttgkeit acbriniicb* matbematiscber 
Arbeiten der ScbRler sa^t , wie dieselben Einsicbt in das We- 
•en der Begrundang twiner matbematiscben Wabrbeit, Uebung 
im griindlicben und metbodiscben Denketi gewSbteny wie lie 
etne sweckmafsige Wiederbolung der Hauptsfitae berheiffib- 
reii, dem Lebrer eine genaue Controlle Ober die Fortscbritte 
der sammtlichen Schiiler einer Classe gestatten; was cr iiber 
die vielseitlge A nwendharkeit eiiier Satnnilnng von Aufgabeii 
uijfi I^i li : satzeii J wie cr sie zii geben LeaKsichtigt , als i\{ate- 
riale tiir den Unterricht hi ii/Aiiiigt , wie sic dein L.ehrer Stoff 
tiir An weiuliiiig der Ha uptsatze ant Begi uu dung anderer Wahr- 
heiten^ Stoff zu socratis jrenden "\'ortr3gen und heLiristischen 
I>eijuiigen darhieten, findet Ixec. scbr Jesenswertb , nmis es 
aber auch hier tadeln, dafs er hei den heuristischen Uebungen 
des analytischen VVeges nicbc gedenkt^ wtilcUer det ein^ige 
emptehlens w ei the ist. 

In der Sammlung selbst hatte Rec. nur sokbe Lehrsiltze 
vnd Auf'gaben erwartet« vvelcbe iiber den gewdbnlicben$€bul* 
vortrag des ersteh geometrischen Curses binausreicben. £s 
Rndet aicb aber eine grofse Menge der allereinlacbaten und in 
jedem geometriscben l^eitfaden gewifs vorkomuienden SSfze« 
wie folgende: der Sufsere Winkel einer Dreiecks ist groTserf 
als jeder innere , nicbt an ibm liegende, die Winkel an .der 
Grundlinie eines gleicbacbenkeligen Dreiecka sind eipander 
gleicb^ dem grdfseren Winkel eines Dreiecks atebt diegrofsere 
6eite ge^enfiber* swei 5«iten einei Dreiecks aind susauiaien* 
genommen grdfser , als die dritte , u. s, w. Sfttae, welcbe hier 
init yielen andereh bStten weggelassen wer^den kdnnen* 

Dagegen ist die Attswabl der flbrigen SStze und Aufgabeit' 
fiber Dreiecka , Farallelogiamme, Paralleltrapeaien) Vier^ und 
Fflnfecke fiberbaupt sehr zweckmSfsig , und vtele Lebrer wer^ 
den den besten Gebrauch von diesen inatinicbfaltigen Mittbei^ 
lungtrn , deren UrbtJjer iiheiall gtuaiint werden , inacben kdn«» 
nen. ils wiirde Uiiiecljt styii und zu weit iiihien, iiber Kin»f 
feints »i»it dem Hrn. Verf. zu rechten, da des \ u£ z,i*fglicbea 
sebr vir], und des zu Tad^lnden vvenig ist. Rcc. bt-gi.iigt 
sicb desbalh mit obigen allgtiUL-inen Bemer ktjn<2,en und *»in»i'ri 
al.'gern men £(npFebiung. Anijeliangt i^t d^ in ersten Bainie 
eine aigebraiscbeBtbandiung der £ebn ersten^atse d.s zweiteq 



Digitized by Googfe 



Tfailo Ssmmliuig f^eooietHsehcr Aufgabeo. 51 

Bttcliesder Euctidtlscben EI«Diefito« Et iit wabr; dafs diese 
SStseaich leichter algebraisch darthtm lafsen^ alt geometrisch. 
Aber der Verf. wiUde die Elementa des Euclides ibrer slIjoii- 
stenZierde berauben, vvenii et i hndii dies z vveite Biicli und die 
herrliche geouitu isclie Datstellung jener Satze mit dem ganxerr 
iuicbthum iluer An vvendungi-n uiibeii wollte. Sciiliel'slich 
folgt eine iuteressaiite AMiaiidluiig iiber den Pyt^aooieiscben 
Lehrsatz und yerwaniltc Satze. 

DfT zweite Band 1st inelir nocii, als der erste, relcb an 
mannichfahigen iiitt- 1 easanteii gt^oiiiel rischen Ijehi siltzeii und 
Aiif^sben, welcbe der Ilr. Vert, aus vielen hedeutenderen 
geonietrischen Scliri ftt.'ii der IriUieren und spateien Zeit mit 
iiorgtak zusammengestellt und mit Sacbkenntniis verarbeitet 
hat, Oline Zweilel wird der8<jlbi» vielen Lebrern zur Erwei- 
terung und V^rvolUUndigun^ des geometriscben Unterricbts 
und ziu: Ahwendung des Geiebrten dienen^ auch wegen de$ 
Heich'thums der Mitibeilungen mancbes seltene Buch entbebr* . 
licb macben. Er entb.'ilt viele im gewdbnitcben Vortrag^e nicbt 
vorkommende Lebrsatze und^. Aufgaben Tiber gerade Linlen , 
Dreiecke und Viereckey den KreiS| Hber Maxima und Mini- 
mal virelcbe hei geometriscben Figuren vorkommen ^ behan* 
<)elt mehrere der Aul^aben » welcbe ApoUoniua von Ferga in, 
tier Schr if t iiber* die oerUhrungnn a iFgeldst batte^ in der yon 
Vieta angegebenen Weise, tiagt Lehrsfitse tiber den sose* 
nannten Arbelus, den sogenannten Felecoides und dieLuniuat 
des Htppocrafes vor u. s. w, 

Waa das Einzelne betrifft^ so iat der verfeblte Begriff der 
I^etermlnation, welcher im eraten fiande aufgestellt wurde^ 
Wbcbalien , und der einentliclie Ge^enstand der Determina- 
tioti vern.jcLIassi^t. So z. B, wird p-^g. 53. die Auigabe auf- 
gflOsl : ein Di tie^k zu t uustruiren , voii welchem ein WinkeJ, 
<iid diii Sinnuien <ler Gegenseitc und jedcr der anliegenden ge- 
geben seyen. Der Hr. Verf. setzt ilaijei die Mtiglicbkeit de^ 
Construction unter alien Uinstaiiden voraus , wiiluend es docb 
tfiner gen?iuen Uiitersuchung bedarf , ob unter alien Umst^n- 

von deni in der Figur mit 11 bezeicliueten Funkte aus 
^'ne Linie III s FE an die Linie FI gezogen werden konne , 

o]j die verlangerte Dl der lainie AE unter alien Umstan- 
den begegna. In der pag, 66- bebandflten Aufgabe: „ein 
nDreieck zu ver^eicbn^n} in welcbeiii die Grundiinie, das Ver« 
sbaltoifa der Summe der (ibrigen Seiten zu der Differena der- 
nselhen , und ein Winkei an der GrundJinie gegeben seyen*', 
^»rd das Zusa-m^nentrelTffii eines aus F als MitteJpunkt mit 
<iQeia Aadiur A FD bcacbii(*benen Kreisea inir der I^tiiie AB 

. 4 ♦ 



Digitized by Google 



6% 



Thilo Sammtvog geosaetrUcber Aufgaben^ 



vprautgeietety WSbrend dasaelbe wirklich gar nicht statt findet^ 
wann oas VarbSUniis der Suinme der Schenkel zur DifFerena der- 
Mben Ueiner ist, als das Vethaltnifs tang* (45 % A )^ : 
Aucb wird wegen VernachlSssigufng der dabih gehori^en Un« 
terSMcbung das 7.\Veite in dtfii meisten Fallen statt iLudeaJd 
X)reieck gut* niclit gef'unden. 

Eine ahnliche Bemerkung gilt von der Aufgabe pag. 95 § 
ein Dreitick zu beschreiben , in welchem die von den Winkel* 
ipit^en aut die gegen(iber liegenden Seiten gefSlltea Perpen- 
dikel gegebenen geraden Liinien gleich seyen. £s v/ird dabei 
'^orauilge^fctzt , vi^as nui* unter beschriinkenden Btidi»gungeH 
atatt hndet , dafs daft in der Figur -mit ABF bezeicbnete DreU 
^ck imaier cdnatruirt werden kdnne. 

In der pag. 10^. bebaiidelten Aufgilbe: „durcb etnen in- 
nerbalb einea gegebenen Winkels gegebenen Punkt eine gerade 
liinie su l^gen, ^elcbe mit den 5cbenkeln des Winkeis eiit 
IDreietk voin gegebenem Fl^cbeninbalte bilde**, foblt der Hrl 
Verf.^wohl, dais die Aufgabe nicbt^immer mOglicb sey. Er 
fOgt desbalb am Ende binrAi , die AnF^abe sey uumoglicb, 
wenn DK KI vvt'ude. Aber daaiit ist uicht viel gesagt, Er 
bUtte die Griinze fur den gegebenen llauni angeben miUsen, 
damit ein demselben gleicbea Dreieck auf die angegebene Art 
bescbrieben werden kcinne. An anderen 5telien Wiirden sich 
lihnlicbe Bemerkungen ankniipfen lasseri. 

Die Aufldsung cier pag« 60. gegebenen Aufgabe: „eineit 
Punitt in der £bene dreicr gegebenen geraden Linien zufinden, 
SO dafs die von demselben auf die Linien geisillten Ferpendikel 
in gegebenen Verbaltnissen steben**, ist nicbb erscbdpfend, 
weiT sicb niebr als ein Fuhkt niit den gegebenen EigenschaFten 
finden iSfst. Eben lo lebrt die Construction der pag. 5u auf* 
geldsten Aufgabe: ^^einen Punkt Snden, so dafs die von dem* 
aalben au drei gegebenen iPunkten g^aogenen geraden Linien 
in gegebenen V«*rlikltnissen stehen«^ nur einen P^nkt finden » 
wlbrend es deren awei giebt* 

Der uijtt r Art, 23^. 'aiifgestellte Lebrsatz batte er- 
afcbdpfender ausgedri'ickt Werden konnen, wie folg^: Wenii 
SWei Seiten eines Dreiecks zweien Seiten eines dnddren 
^roportionirt) und zwei Winkel gleicb sind, weicbe 2weten 
CorreSpondirenden dieser Seiten gegeniiber ]ieg«>n, aucU von 
den Ubrigen denselben g^genC&ber liegenden Winkeln ent« 
weder der eine cinrechter, oder jeder IKiner, oder nicht 
.kleineri als <jn retbter 8ind| so sivd die Dreiecke dnander 
kbnltcbi 



Digitized by Google 



itr9himede« We'ke iibtrs. yon jNiiie» 55 

Der Hr. Verf. glaubt, dafs Euclides den 26* SatS' d«$ 
aechiten Bucbea der Elemente nicht gebraucbe, Wfthrend «r 
icbon iai27«Sat£« df uelben Bucbea aaiooAiiwi^iiduQg fiadal. 



47f&ii9#4'^ von Syraiftts vorhandenf^ ff^srko^ Aus dem Gri»f 
e&tf«&eii Uh9rt0t»t nnd mit ErlautSfsmgen und krhischen Anmtr* 
httugtn h^^Uktt van Ern$t Niz%0, Mk IS ITtfjff/ii in Stein" 

' Rec. bUlt es f(lr ainan FprUchritt* ^dar yi^lin^l^P 
finen Rflckscbrritt sum Besseren in der matbemati^cben Li« 

teratur, dafs man bet der ticbtharlicb zunehmenden N«3igun^ 
tarn Studium der Analysis Her Neueren, l)ei der fleifsigen Ba- 
iiutzung fler ^lilnr.enden FoiLschrUte, welcbe dieselbe heson"* 
ders voii Fraiikreicli aus gema^ht hat, und bei dciii eifrigen 
Bemiihen, dieselhe iiljerall, wo sle angevvendet werden kann| 
^tlbjt in geometrischen Di^igen , vorzugsvveise oder aussclil leii* 
lich anzLiwenden , der Alten nicht ver^ilst , und dais mitten in 
jener bohen Verebrung des iSeuen ne-ite Ausgaben und Bear- 
beitungen der Schriften der Alteii ersclielnen, und JLeser un(| 
Tbeilnehiner fiiiden. Was kann £ur das mathematische Studiurr^ 
erspi iefslicber , ja kann etvvas anderes iiir dasselbe wabrhaft 
erspriefslicb seyn , als wenn die geometriscbe M^Jthode dei;- 
Aken mit der anaiytiscbefi der Neueren Hand in Hand gebet, 
die eine die. ander<^ begJeitet , erlSutert, erg3n74.t und vervoil- 
«tandigt? \V as kann mail dam Anf&nger.cte* mathematiscben 
Studiums hep3€t:€s ratben^ als 2su^rst den G^ist der alten Geo- 
melrie duiTcb das StudiuiQ der Schriftea df?r griechischep Geo-. 
^jtiit kann^en zu lan^en-} die darln herrscbecid.^ Metboda. sich 
•nzueignen , se^ne etgenen Krkfte durcl^ Anwendung der von • - 
iht dargebojteiien Qcklf^ittel zvt Obent i^dann zu den, erleich* 
lernden uod allgemdirieren Kuristgri^en djer neueren Analyaia 
flberEiigeben.f u^d ficb all^r der Vorth^ilc %u bemScbtigen, 
Wclcbe ate darbiatat» und wodprcb aie djen JVlatliemattk^r ^att( 
tlber die Grenaen der alten Gaometria binausfCkbrt» 

Mit wabrar Fret^da J^iebt Eeg. untar den 'Ewugnis^at^ 
neueren' matbernatischen Literatur eine yebersetautig 
l^iaitlicber ai;if ani gekoinmenen Schriften dea Fdrsteii dev 
•lien geometer, des^ Archimedes, welcher wohl veciJirundert 
ttebei^ wiirde,. wenn er die Fortscbritte der neueren Mathe* 
Wik sSbe, welcher aber von jedem neueren Mathematikeij 
Vit nocb. grulser^r Ytfriyuij.de)ruiig^ ttbejr «eine LeiiJ^uo^en ini(; 



uiyiiized by Google 



54 Arclumedes Wetke uh^ers^ tod Nissa. 

fieinen Hulfsmittelii angeschen zu werden verdient. Wie viele 

der eminenten Geister liihrt \'^^ohl die Wfclt«iescliichte auf, 

o . ^ 

\ve]cbe mit eiiiem £0 kleineii Voriatbe von Hulisuiittela 60 
vie) leisteten I als Archimedes leistete ^ 

Seitdem J, C, Sturm iai Jahre 1670 zu NHrnberg „des 
unvergleicblicb«n Archimedes Kunfttbilcber" sehr gli'tckiich 
fibersetzt berausgegeben batte^ waren in Oeiit3chlaiid zvirar 
^iDzelne Theile der Arcbimedeiscben Scbriften in UeLiersetzun* 
gen undBearbeittingen crschienen, unterwelchen sicb Arcbi- 
meds zwei fitlcher fiber Kugel und Cylinder ^ ebendesselben 
Kreismesfung, vonHauber«, auszeicbnen. Ab<»r eine Ueber- 
cetsun^ des gansen Archimedes febhe. Und billtg war es, dafs 
die Deutschen nicbt binter den Fransosen aurtkckbJiebeni welch • 
•ebon 1917 in Feyrafd einen Uebersetser ianden« 

Der Verf* der vorliegenden Uebersetsiing ricbtete, wie 
Recbt ist, aein Augenmerk vorzOglich daranf^ den Inhalt deut» 
lich darsu]€>gen , welcbes bei' matheniatischen Scbriften selbst 
in solchen Stellen , in denen der Text einer kritischen Bevich* 
tigung hediiifen niochte , m [^licli ist, und an alle Stellen, 
dei Cii iitii dera genialeii Aitlnmedes vit/le voi kommcu , in wel« 
chen eine rascli ilbcrsehene Schlufsrcihe mit iiberspi ungenea 
IVIittelgliedern darf^elegt ist, einen begleitenden Coininentar 
anzukuiipien , ohne jedoch in (lemselben uiehr gobt-n zu vvol- 
len , als zum vollen Vei standnirs der Stellen erfoi (ierlich schien, 
IDafs die Vojarheiten anderer Comnientatoren (iabei benutzt 
warden, versteht sicb von selbst. In der Uebersetzu ng so- 
wob), als in dem Gommentar cbarakterisirt sich ilr. !Nizze als 
einen Gelehrten, welcber eine vertraute Bekanntschaft mit den 
Scbriften der alten Geometer und dem darin vvaltenden Geiate 
besitst, and selbst die Anordnung des Oruckes giebt das su 
erkenne^. Ueberall zeigt sicb Ktirze und fiClndigktfit des Aus- 
druckiy Grtlndlichkeit der Entwickelung und systematiacbe 
Anordnung, Den Sinn det Originals Rec* fiberall, wo er 
die Ueb^rsetsung mit dem Originale, oder auch mit der im 
Gansen sebr glUcklicheii Sturm'schen Ueberaetznng vergHch^ 
treii und genau wiedergegeben , ^nd fdrdie Anmerkungen wird 
der Leaer dem Hrn. Verf. Dank wissen. « 

Die erategedruckteAusgabe der Scbriften des Archimedes 
erscbien hekanrttlich im Jahre 1544 su Basel. NatOrlich be- 
durfte der Text derselhen nocb mancher Berichti2ui)"en • welche 
theilu tlse linn ;incb zu Tlieil vvmden. .Die zvveite vollstSn* 
digt», seit j' lier Zeit erscbienene Ansgabe ist die von Torellj , 
Oxlord 1792, welcbe aber bei allerSorgb»h des Herausg ebers ^ 
yvv^en d«r Nacblassigkeit des Correctors, liU diy l^il^i^ de» 



Digitized by Google 



I 



Krelbi ]alciniseh« Scliul^raminaiik. 55 

Textes 80 vie] als Nicbts leistet. £$ ])]ieb deslwlb dem ntU9H 

Uehei aether in uiintlichen Schriften des Arcbimedet^ dit 

iiber die Kt eisniessung uud die Sandrechnung ausgenommen, 
welcbe von VVailis eine scliiitzhare Verbesserung des Ttxtei 
erhalten batten, nocb Vieles zu bericbtigen iiluig , incleiii 
ohne die ALsiciit des ITrn. Verf, , eliie neue Ausgibc dta* Tcx- 
t*'S zu vei aiistalttn , die lUirkslcbt auf eine mdoUchst vollen- 
fietc Uebersetzung zu t'mvi iviiuscben Beleucbtiing vieler Stel- 
JendesTextes autforderte. Hr. Nl/.7.e ibtilt ia eiiietu Anbange 
diejenigen kritiscben Beinerkungfii inir, vvozu ibn die Ueber- 
setzung veranlalste* Er wi'msthr, dais dicselben von den, 
freilich selteneri, Frennden dieses Zvueiges der altei tbiimllcben 
Lileratur BerQcksicbtigung unci Beiicbtigung finden niogen. 
Hecwanaciit das glekbtajia, um so inebr, da der Hr. Verf. 
eine, fieilich nocb eut£er|ite ,'Aassicbt e\nev neuen Ausgabt 
d«5 Textes ei ofFiiet- 

Mdgen die Scbrift^n des Fii'rsten der alten Geometer im* 
mer aiehr Leser upd grOndlicbe Beat belter Undent IVJdga d^9^ 
Encheinung dteser gelungenen Uebersetzung dazu beitrageiij^ " 
dafs das Studtum der alten Geometries Areloies obne Sibadeo 
far die Wissenscbaft nic^it yeri^acblMssig^t wer4«P darf , ii^.m^^ 
sllgemein^r . werde I 



lateinisch^, S eh^lgrammatik zum Qabra^hsfflr tilU QIohbh.^^ 
^9on Johann Philipp Kr^h s^ Doctor der Philo^opkU und Pro* 
fessor der atten hiteratur am ^GrofsherzogUchen Oymnasiuift zm 
We 'dh ur'T. Zweit'e Aasgahe nach ganz niu9r BfiarkeUung, Ciefsen^ 
1824. btL G. fr, Hdyer. % ft. 4o Kr. 

Aucb Krelis , sclion durcb seine Anlf itung zum La- 
teiniscb- S cb I t.' 1 b en sehr voitheilbaft bekannt , verdient 
Vnter den neneren Gr ammaiikei n , deren sebr verdienstlicbes 
Bestreben. dabin git^ng i die lateiiiiscbe Grammatik zu demsel* 
ten Rarxge zu erbeben, den die grieciriscbe selt geraiimer Zeit , 
<lurcb die Forschungen eines Buttinann, Mattbia, Tbierscbij 
Host t^nd Ande^ar bebauptet, ein^ liibmlicbe S^elle. Zwar 
{eben seiner Qrammatik die gelebrten Ausstattungen ab, wel- 
cbe ein Ramsb or n ^ Zumpt u. A. duccb tief'ere etymologiscbe 
und philqsopbi^cb? Sprachforschungen, durcb Vergleicbungea 
nit den Slteren Spi^acbfornien , aus denei;i stcb die spatereti 
ttacb und iiacb herausentwickelt baben » <o wie mit andereo 
Sfra^hcin, i^efQiidat* 4«^S*^»«?^•9^^^^ H* den ibrigen, 



uiyiiiz-CQ Dy VjOOQle 



56 



Erebs latemuch^ Schulgrammatik ^ 



gegeben haben; aber eben dadurcb gewann sle an Brancbbar- 
keit fiir den niederern , nber gemeinnOtzlicheren Zvveck des 
ScbuJi^ehraLicbs — besoriders aucb dutch den unglejch wohl* 
^eileren Freis , als Folge bievon — , wahrend sicli jene mehr 
fiir das gereiftere Alter der Studirenden und der Lehrer eig» 
nen, Docb bat auch Krebs sebr zweckmSfsig ricbtige Spracb- 
bemerkungen in iieueren Ausgaben rdmiscberCIassiker beuutzt^ 
wiewobl nur nebenbei imd ipit etwas karger Auswabl. 

So kam es, dafs das ersteCapitel det Ortbo^pie bei ibm 
sebr kurz ausdel, indem er nur daa VVicbtigste ausbebt. 
pebrigens wird bie und da etwas'mebr Genauigkeit und Voll* 
atHndigkeit vermifst. Z, B. p. 4. §. 9. ist hemerkt, dafs £i« 
nige vitiuai/^(Gen. plur. von.vitrs) wie ti, nicbt vtrie zl aus« 
aprecben. War urn ist nicbt* auch Htium von Us beigesetzt 
worden? Ti, beifst es, wurde und wird noch vor einein 
Vocal wie zi ausgesprocben. Hier b'Stte noch hemerkt warden 
agllen : und bei C)ontractionen ^ z. B. {lorati. Auch verinifat 
• eine Eintbeilung der Consonanten nacb den Sprticborga* 
neri, und eine genaneie nacli ibrem Laut&, z. B. d;er stumWien 
in aspiralas, meilius, tennes, der Semlvucalen in liq'uiflas nnd 
seiiiiliqiiidas ; die Jjebre von dem Accent oder der iietonung 
der Vocale, von den Verii nclf-ru ngen , welcbe zusamnientieF- 
fende Consonanten I ibrer Natur gemal's erleiden, AVeglassung 
derselben, Vtnnehrungea und Vernnnderimnen der Syliien , 
u. dergl., was allesy wie es in der griecliischen Grainmatik 
gescbiebt, scbon dem Anlanger beigebracht weiden kann und 
soil; ferner den so wicbtigen etymologistlien Tlieil , oder die 
Jjehre von den £iedeutungen <^er Wdrter nacb ihrer Form, in 
SO fern sie eine analoeeCla-ssificirung sulassen, so wi^ die von 
jien etymologischen Figureif. 

Nacb der Liefa re von der Scbrift und Aussprache kommt 
die For/kienlebre, welcbe so ziemlich Alles ndtbige und wicb^ 
tige kur^'und deutlicb darsteilt. Unter die mancherlei Aua* 
ateliungen jedocb » die Rec. su machen sicb kaum erwebreh 
Icann, gebdrt erstens derMannel ,/dafs den lateimscben Kunst« 
ausdrdcken dia.teutschen nicbt beigesets^t sind, damit sich der 
Schtiler gelegenheitlicb auch mit diesen. bekannt inabhe^ s« B. 
Lei Nomen (substantivum, adjectivuni« appellativumi pro« 
prium u«s'. f.) y Fronomen , Yerbum, .Casus ^ den einaelnoh 
Casus , und so c^urchaus in der Forinenlehre. '^Zweitens Aug- 
drucksweisen , die nicbt genau entsprechend zu seyn Scheinen: 
IB. B. §. 14. 1 3 0. A . ,3 d a s V e r h u uj g 1 e b t e i n e n Z u s t and 
an<<. Das Wort Zustand wird wolil nur im Jeidendlicben 
$inne oebraucbt. dem des sicb Vei bait ens. § 16. 

w < % . . . . ; .. .. » V* 




Digitized by Google 



4 



8tt])Stanti yen beseicbnen tbeilt sinnlich§j theila 
ahersinnliehe GegeintSnde (nomina concreta, abstracta), 
alio Uhende odar l9htoi9 Wesen, die aicb den 
Sinnen darbieteii, oder Eigensehaftsn^ die man 
Dur an i-bnen wabrninmity s. B, canif aapientia , for* 
ma,,ce]eritas.<« Siiid die letatereh, au denen man noch eine 
Menge recbiien kann , a. B. rubor, bilaritaa, u. dergl. ttber- 
•innlich? Und docb aind aie abstract! Also welrbe Einthei- 
lung, vrelcber Ausdruck! Drittens Un vollstandigkeit: io 
febfen in der Lehre von der Bildung 'der Steiaerungsstufen un- 
ter denjenlgen Adjectiveni welcbe keine Comparationaform 
zulassen, die Composita mit prae , per, ex, sub (etwas): 
praedives, percarus, edentulus, suhaiuarus; da die von verbis 
ibre gradus liahen ; fcrner die anf icuS, ivus, inus, imuSf 
ster, und viele aiidere uiil weniiif ii Aasnahinen. 

Sell! voilstaiidig und geuau auid hingegen dieLebren voa 
den Zahlwiirtern , i'ronotninen , und in Uci Lehre voiii Ver- 
hum jbesonders die Uiitetscheid ung der einzehieu ZeitverhSlt- 
nisse und die abvveichende Bildung einxelner Verben , z. B. 
der mit rriipositionen zasaniiiiengeselztea , wiihrend die ah- 
Weichenden Foi iiiatlonen der temporum jbesonders des Vev^ 
fects) 2u kurz al geiertigt wurden. Noch weit mehr triift 
der Vorwurf der UnvoUstandigkeit die Lehre von dem Adver- * y 
tium, in welcher auf die verschieidenen Arten der Adveibien 
nach.ihrer Bedeutung (qualitatis , limitandi , affirmandi , ne- 
gaiidi, loci, temporis u. dergl.) keine Rlicksicht -genorninen , 
ja nicht einmal die Verlcbiedenheit derselben nach der Ab- 
stammung vollatflndig angegehen ist« fehlen z.B. die mit 
(rSpositibncn ausammengesetaten, interdiu , pridie, denuo 
i. a,, nnd die von Verbis abatammenden, Andere z. B. Ac- 
cuiative (bier batte. bemerkt werden aollen : auch Ablative^ 
TOD Substantiven aind nur angedeutet, atatt dafa aie bUtten 
auFgesBblc werden aollen. . VollstHndiff und besonders wegen 
der'beigesel^aten, die Bedeutung anacoaulicb nuacbenden Bei* 
«piele aebr aweckmafsig einoericbteC iat die Lehte von daa 
IrMposittonen. t)ocb teblen die auaammengestellten Prfipo- 
sitionen B« exante, exadveraun; ,' ferner die adv^rbialo • 
palam, procul, siniul (a/^a), clam/ .Wenn bei andern der grie- 
chische Ursprung angegeben wurde,. warum nicbt aucb bei 
am, amh , dis ? In der Lehre von den Conjunctionen, welcbe 
nach ibrer Natur und Bedeutung batten eingetbeilt und auf- 
^tidiilt werden sollen , witd aui die Synlax vervfiesen, WO 
tie sicli docb nur zerstreut iinden. . 



uiyiiiz^ed by Google 



J 

58 Kr«bs lateiniseh* Sehulgrammitlk- \ 

In der Syntax, dem gelungeneren Theil der Graminatik , 
fiel uns sogleicli etvvas auf, wodurcb sicli diese Grainmatik 
vur andeni sfhr voi tlieilliaft anszeichnet , dais iiatnlich did 
Beispiele, wekhe mir aii*-in die Anvvendung der ilegel voc 
Angen stellen , so i^ew ah It ^ind, dais der Sch Oler sie veisteheii 
und iibersetzen kann, obne an solchen graminatischen Fallen 
anzustofsen, die erst in der Folge erurtert werden 9 und also 
tlur mechaniscb niit Hiilfe des Lehrers von dem allmablig im 
granimatiscben und Spracbstudium fortscbreitenden Scbttler 
iXhetBetzt werden kSnnen. Nur sind fiir den AnHinger niei- 
stens zu weni<^ Beispiele aufgeiCtbrt. Manchoiffl wihischte Rec. 
gramrnatische FSlle, besonders scbeinhare Ausnabmen tbeils 
logUcben GrGnden, tlieils ala in der griecbiscben Kede* 
weise hegrfindet ji ti<rfer erfafst zu wissen^'a. B, detiAccusatir 
bei Intra nsitiven §..292 9 so wle den sogenannten griechischen 
(wtewpbl jener out gleichem Recbt diesen' Naman filbren 
dOrfte) A<;cu8ativ hei dem Farticipiuin perf» pastiv* §• 3o3« 
£> bfitte der aus dem iirsprtinglicbei^Gebraucbe des Accusativa 
zttr Beaeichn^ng des Objects liind swar des n&heren bervor- 
gebende a]]ge,meinere Gebrauch dUses Casus aur i^Sberen Be« 
atiidmung des allgemeinen Verbal - oder Qbei'baupt Fr9dicats« 
begriffs, so wia der ursprOngliche doppelte G|brauch der.Pas- 
aivform inreinpassiver und medialer (deponentialer) Bede^tung 
besonders nacb dem Vorgange der Griechen nachgewxeaen 
werddii sollen. Tadelnsvverth findetRec, lials §, 474' cjuum 
in der Bedeutung' da, vv e i ] , obgleicb aU unLedingt den 
Coiijunctiv eriordernd angegeLen, und nicbt darauf aufmerk- 
sam geinacht vvorden ist, dafs es sicli aucii mit dem Indicativ 
als dem modus des Gegebenen construirt Hnde 9 wenn ein ob- 
jectiver Grund, d. h. eine Ursacbe mit factiscber Brstimmt- 
Leit 9 oft mit Hinweisung auf einen bestimmten Zeitpunct 
lebbaft angegeben vviid, wobei mehr das Resultat des iogi- 
acben Denkacts , als dieser selbst hervortritt, Alsdann steht 
^uum statt quando9 quando(£uidem , c£uoniam9 welches selbst 
als aaa ^uum jam entstanden iUr den Indicativ des causalea. 
^itum in gewtssen Fallen spricbt, Z. B. Cic. Cat. I9t 9* Se« 
nex 9 ne quod speret quidem, babet. At est eo meliore con* 
ditione, quam adolescens 9 cjuum id , quod ille sperat9 bic jam 
consecutus est. £pist, ad div, (ed. Bengel) 7» 32, 8. Tu, et 
quum instituisti^ et mibi vides esse gratum^ sciibe ad m$ 

•quam aaepissima* 11^ 2. Quae profecto^ quum istum aniv 
mum babes 9 in optimam partem accipies. 169 129 3> C^uani 
mibi facullatem cum b^^ casus provtnciaeriptiit, tamen magno* 

Npere a te peto. tS^ i4>,5« ("^ convepiresj^ quum non 



uiyiiiz^ed by Google 



« 



K.rebf lateiiiuobe ^chulgrammaiik. 69 

accidit, utemur bono literarum. 16 ♦ 12, 4. Tu quum ea 
tempore mecum esse non potuitti,^ cave festines. De orat. 2f 
46. Cinn alienUsioiOB defeiidimus — * tamen* 5aUust. Cat. 20* 
Cum tabulas etnunt «— taineiiy und in vielen andern StelUn* 
Oefters \B[it ^eB sich als das oratorische we«n faisen , was 
aher in so fern nichu in der Sacbe andert| aU aeine logiscbe 
Bedeutung dennocb eitie cautale bleiht* 

$*476« wird der Umatand, dafs quuoi als das Imperf* 
unj f lus^uamperf. Conjunctivi bei sich babe, wenn tm Haupt- 
istze «in JPerfecCum (oder historisches PrSsens) folge^ daraiia 
erklirt) idafs c^uum bier nicbt ei^cntlicbe Zeitparttkel aey, 
sohdern auch den Grund und die vorangebende Veranlaaaung 
angebe, Rec, kann dieser Ansicbt um so weniger beipflicb- 
ten, als unendltcb vtele Fillle dagegen sprechen, WO qaum 
Uot sur Zeitbestimniung dient, nfimlicb solcb0: fuittempus, 
quum rura colerent homines. Jam turn, (^iium bello fugitivo- 
rnoi tota Italia arderet, C Norbanus in summo o.tio fuit; uh4 
i8tvifclm<?hr dt r iVIeiniiiig , dafs dieser Gebi a'.ich des Conjuuctivs 
sichaut eine andere m oilu Je Ji tdeut inig dei Imperfects undrins- 
^uamperfects Cunjuiutivi liiimde. Unstreitig vertreten diese 
tempuia des ConjinK ti v.s *lie Stelle des griechischeii Optativs, 
als Begleiters del instoi ischen teinpormn. Daher koinint es 
lienaaiich, dafs (Jljuiii .temporale das Iinperf. und Plusffnain* 
pert Lull cativi I'^^i sich hat, weiui dasseihe tempus itii Ilaupt- 
Jatze steht. Doch genug hievon. Die so wichtige Syntaxis 
ornata ist mebr, als zu wiinschen war, verkiirzt worden. — • 
Den Scblufs inachen die A hbreviatiiren und die Ortbographie , 
welcbeCapLtel eben so grCiudlicb und ricbtigy als Aweckmafsig 
abgthandelt sind. 

Gleicbsann als Anbang zu dieser Grammatik sind 1325 er« 
<cbienen Anfangsgriinde der Frosodik und Metrik' 
von demselben Gelehrten bearbeitet* Diese enthalteii AUes 
notbwendige in gedrfingter Tvtlrae. Nicht billigen kann es 
<^brigens Kec. 9 wenn der Verf« es hte und da an besttnlititer 
Genauigkeit feblen liefs: B, wenn er $. 10* mutam cum li« 
<{ui4a absolut ffir unbestimmt erkMrt, da in der Kegel die ■ 
Uno«des vonNatur kursen Vocalldocb wohl nur dann statt 
findet, wenn der rhytbihiscbe Accent darauf fSlIt; §. 20. Bei 

(Itm lanaen a der Imperative die Ansnabme puta nicbt anfiibrt, 
in der Bedeutung namlicb; ferner die iiideclinabeln ZabU 

wdrter unter den Jan^en auf a aulf'()brty statt unter den unbe* 
itiatmtfen^ so wie uoter den Adverbiien der sweiten Dedina- 

«on mitkurzerEndsylbe apprime, longe, clare, temere, interne 

/■ 

uiyiiLed by Coogle 



« 

60 ReiolieDbaeli grieoh* ^uUebti Worterbuch. 

* 

♦ 

wegltlfst, da er doch sonst Ausnahmen Lei den 2lteren und 
Bpateren DicliCern aniiibrt* 12* das ei der fiiniten Declina- 
tion nach einem Contonanten unbestimmt nennt| da fid«i, rei 
doch nur. Ausnahmen sind^ und alt alte Fo^men («tgentlich 
fideii, reu) stch nur bei JCnnius und JLucrez finden; §• 28. 
unter den kursen £ndsylben ein* und mehrsylbiger Wdirter, 
tiiin, sum, sint, amefn„ tuiim u. dergl. auC&Mhlt, obne su he* 
tnerken, daft dies nur in den scltanen Ausnahmen vorkooiine^ 
wo die Ekthlipsls ver.nachlftssigt ist; §. 29. unter den LSiigen 
auf t die dritte Person Singularis niche nennt, wenn der Ictas 
darauE fSlIt^ meistens in der CSsur. Gut angebracht ist der 
Absclinitt von den Dicbterfreiheiten. Nur febJl nach der Dia- 
resls die Synaresis, die Episynalopbe , und nach derC>rasis, 
weiohe ei milder Syiuzesis fiir gleicbbedeuteiid halt, die 
Tmesis. Nach dem vollstandigen Verzeicbnisse der einzelnen 
Versfiii'se und der Lfchre von den Tacten und C^suren folgt 
die giiindllche und in sehr guter Ordnung ausgeii'ihrte ijelu e 
von den w Iclit igsten , durcb teutsche nnd n i sc he B/ispiele 
anschaulich gemjchteii , Versarten, der dactyii.schen , in wel- 
cher die Natur der Hexameter besonders genau gezeichnet ist, 
churiambiscben y trocbiiischen , jambiscben, ajc«iiscben, oder 
xnit andern Worten, der dactylischen uiid Horaziscben , auf 
welcbe sich der Verf. als fur seinen Zweck genOgend mitReclit 
beschrSnkte. Ueber die Art der Anordnung u« dergb, z% fi* 
vrarum er mit dem dactylischen Grundrhythmus beginne und 
nicht mit dem cboriambiscben , erklMrt sich der Verf. nicht; 
auch konnte er mit Fug und Recht dergletchen gelehrte Unter* 
auchtlngen als aufser und fiber seinem PJane gelegen seyn lasaeh* 



^ . - 

Ala J oh, Friedr. Jakoh R^i.c henhachs ^ Conrectors an dar St^ 
Thomassehule zu Leipzig, allgemeines G r itifhis qh •^Deut ^ 
seh9$ Handw'dr terbuehm' Zweit^^ ganz umgearbeitete j per* 
mehrte und verhesserte jiusgabe, Erster Band ^ A — K.^ LAtp^ 
jtigf 1825. Verlag von Johann Ambrojiui ^artk, IV und 9S0 
gr. S, Zweiur Band. Ebd^ B96 S. 6 Xhk* 12 Or. 

(Die erste'Auflage kp.&^ete 4 Thbr, 12 Gr.) 

Hr. R. hatte in den Jahren iSOl und i802 dieses !Werk 
herausgegeben , obne d'afs es eben besonderes Aufseben g«« 
macht hfttte* Man batte dam.als dta erste, freilieb nqch aehr 
mangelhafte und dOrftige, Auflage von Schneiders auF den 
du^cUschossenen Erne&ti'sch^n Hede^i^l^ gepfropftem^ Worter* 



Digitized by Google 



Incbe, es kam Laid desstn zweite^ dann Riemer, und diesd 
Werke, obwohl fiii' Studireude angelegt , cloch aucb iilr Ge- 
lehite vvichtig , mnfsten ein Biich in Schatten steljen , das » 
obne Gitate und Aiitoritateii , ohne alien geltln ten ApparaC 
und Schein desselhen, weiter 'nicbts als fin 7,itfinlich volUtiln* 
(iiges Vocahularium fiir Schulen, etwas Ijesser als Vollberfi , 
war, und das, wer weiter kam, bei Seite stellte, uiii eiu ^e- 
Icbrteres Werk zu gebrancben. Der Veile^er mocbte noch 
sine zieinlicbd An7.abl von Exempiaren voir.ithig babeti, als 
iin Jabre l8l5 5teins zieiiiHcb oder vielmehr «ebr inan^i^elbaltea 
Deutsche Griechiscbes Wcirterbuch erscbien, und iin Jabro 
l8l7 das Ro5t*scbe , gleicbFalls DeuUcb • Griecbiscbe. Da e|it« 
scblofs jiich Hr. lleicb«nbacb, seinem Griecbiscb - Deutscbeni 
fast rergessenen W^t terbuche einen Deutscb - Griecbiscbeny 
jeoes aufs Neue empfcblenden und bei dem f ublitlim eintdb* 
tenden BegUiter nacbzusendeii und niitzugeben, tmd dies ge* 
lang; deiin aeit dtv Erscbeinang dieses fiegleiters (l8i8» 
2Thb*.t2 Gr«) hat sich das erite VV^rk .vollends vergriffen « 
tttid es ist eine neue Atisgahe notbig gesvordea. .An jenem 
Dentsch^Grlecbischen VVoi terbncbe^. lobte die Kritik zwar 
Wortreicbtfa|Uiji>9 woran ea. nicht nur idaa magere Stein'ache^ 
iondern aucb das woblbeleibte Rost'acbe Werk dbertraf ; zog 
ibtr ^ocb-daa l\ost*scba vor , da jener Keicbthum. dea Reicban- 
Wb*schen vor jenem votziiglicb in zusammengesetzten oder 
setigebildeten oder dem Alter tbum gans Fremden Begi i£Fen be« 
tube, die man am besten umachreihe^ Host dagegen mebr 
Aedensarten gebe, viel genauer in Unterscbeidung der Syno* 
nymen und in der Auswabl der Worter nach der Spracbe der 
mtlen Attikei say. Seitdein ist das Host sclje vieltucb ge- 
bnucht , aucb un Kunigreicb ^V^rtefnberg nacbgedruckt wor« 
^en, welclier Nacbdi ick lauter als alles Zeitirligslob fiir seinen 
Wertb spracb , aber von Urn. Host eben nicbt imt Dank und 
Freude, sondern mit zicmlicbein Unwillen begiiilst wurde. 
Nun spricbt aucb Hr. Reicbenbacb von einer zvveiten Au.s^abo 
seines Deutscb - Giiecbiscben VVorterluicbes , iiher <ieren Er- 
scheiaung er sicb in Kurzem umstandliclier werde vernehmen 
lajsen. Beacbtet er l)ei derselben die gerecbten A usstell n ngen 
Kritik, Irifst er iui Deutscb- Grlechiscben Tbeile das Rost*« 
&clie VVorterbucb so vveit binter sicb zurU9k, wie in dem vor^ 
li^genden Griecbiscb - Deutscbea Tbeile, so mag er sicb turn 
voiaus eine freundlicbe Aufnabme versprecben* Docb zu un- 
vorliegenden Werke. 

Hr. I^eicbenbacb giebt in der kurzen Vorrede zur sv^eiteti 
Auflage aeinen eigentltcben Zweck uud. Flan ktiralicb ao an t 



uiyiiized by Google 



I 

62 Keichenbach gciech. deutscUes VVurieriiuc]i« , 



„Den nrsprunglichen Plan, mpin VVorrerlnich als keift gros- 
ses, krltisches , oiit Beweisstellen ausgestattetes , und dadurck 
unnotbig im VoUimen gesteigei tes , sondern als ein Handwcir- 
terbuch ii)r den Schulliedaii; sowohl, aU fQr jeden Lieijliaber 
d«r*griechif»chen 5prache , auf'treten zu lassen , babe icb un- 
TerrOckt im Auge hehalten, obne dach irgend etwas auszu* 
fchlitflseni was den Gebrauch auch nur einigei^marsen veritiin- 
dern kdnnt«- (Die letstere Pbrasis klingt wunderlicb. Kef* 
«rwartete: was die Braucbbarkeit dosselben norr 
einlgerm^l sen vermebren kdnnte.) Den analyti* 
acben'Tbeil, der in der eraten Ausgabe einen eigehen Anbar^^ 
bildete , babe icb in der jetsigen bineingearbeitetf und ao^ 
nur eine bequeme alphabetische Ordnung bergestellt; van 
der aebr bedeutenden^ 8<^boii dnrch die weit sparaamere 
Druckeinricbtung in die Augen spri'ugenden Ver mebrung 
und Ver voHstSnd igu n g will ich weiter nicht sprecben^ 
versichere aber, dafs gerade im PuncLe des VVoitf eicbtbums , 
ungea-cbtet icb die Worter eiiicr strcngen Piiifnng unterwarf , 
uiui tLiher mancbeai in den ersten Bogfii aufgenoiiimenen jetzC 
scbwerlicb mebr einen Plat35 vergonnen wOrde, mein VVorter- 
})uch inebr als a]le bestebenden entbLilt. Die logiscbt> x\ n - 
ordnung der Begiiite ist durcbgebernls an Is stiengste 
geprtift, und, nacb Maafsgabe d'er Umstande, geiindert. wor- 
den; von der B e r i c b t i g u n g der W o r t h e d e u t u n g e ii 
gilt das Gleicbe; die prosod'iscben Bezeicbnungen^ 
die Aufnabme scbwieriger und seltener Dialect* 
forinen, die Bereicberung der^ tiberall wo es notbig war^ 
beigefilgten Constructionen, die Vermebrung d«r He • 
densarten (Grucismen) 9 niacben eine ganz neue Zugabe 
der ]et2igen Bearbeitung aus; die Ausstattang <Jes natur« 
hi ator iscb eii Facba ist insonderbeic vielleicbt mancbem 
diese Branchen cultivirenden Gelebrten' -willkommen. Die 

* 

durcbgangig iinterlassene AnfCibrung der Auctori^&ten wird 
niemand vermisaen; siegebdren , meinea Bedflnkens^ in kein 
Handwdrterbucb 9 filr so wicbtig icb aie aucb in einem kritw 
achen WSrterbucbe acbte ^ waa (we]cbea) auf atrj-kce Beatim^ 
mung der Zeit und der Spracbart su seben bat.** 

Wir baben absicbilich diese Ste]le aus der, (Sbrlgens sebr 
knrzen , Vorrede aiisgeboben, damit sich klar ergehe, was 
der Veil, babe leisten vvoll^n , und vvie er 6eiiien Zweck er— 
rticben zn nuissen g«-glanbt bat. Der gerecbttste IMaaisstab 
der \^'iirdigUJig eines V\ cikts ist immer der, den der Vertas- 
»er di sstlben std bat nn<: iebt. Eine anrlere Fra^e ist freilich 
die, ob sicb gewi^se Gatnbinatiouen von Zwecken wirklicli 



Digitized by Google 



Rclehetibaeb griecti. deaNehei Wortnbaeh» ' 63 



mit einander vereiiiigen lasseii , und ob die von demselben ztl 
dem End e fttr nothig gebalteiien Miitel auch wirklich au dem 
vorgesteckten Ziele liiliren. So ist z. B. der gedoppejte 
Zweck , ein liandbuch fiir den S ch u 1 bed a i f /u lielfju und 
2ii|jleich iiir jeden Liebbaber der Grieclu;>LiK'n Spraclie 
(hier sind vvahi scbeinlicb theils die Dilettanten geineiiit, theils , 
ditjenigen, die Benifshulber oft in den lall kommen, Grie«- 
chiscbe Ausdrllcke und Stellen versteben zti iniissen , ohne 
Pliilologeri zu seyn). Diese beiden Zwecke sind von der Art^ 
dafs der eine mancbes erfordert^ was der andere bei*Seite 
ien diirfte. Und eben so li^fse sicb auch sagen, dafs diejeni. 
gen Mittel , die ein Wdrterbuch fttr Dileltanten seiner V'oll. 
tooimenbeit nSber hringen| nicht immer auch ein SchuUvdr- 
terhuch seinem Ideale nSbern, Docb davon ni ig spSCerbin dia 
Rede seyn; jetzt hetrachten wir 9 ob der Vf, geleistet hat^ 
wai er leialen woUte. Ein Handwdrterbach fOr den ScbnU 
Ledarf soil ea steyni nicht mit B«wetiitel!«n ausgestattet. Das 
bt es aucb , wie das Aost'acbe , aber ein aolcbea , das weit 
leltener, als d^s Rost'scbe, ja fast nie, deit ScbQier ratbloa 
ISfst, das nicbt bedeutende VVdrter der gelesensten Scbrift« 
iteller auslSfst^ das die Abstammungen der Wdrter fast immer , 
and rich tig akigiebt, und, ohne d'urcb Hineinarbeiten der ^ 
Grammafik in das Lexikun, diejenigen gramniatiscben Scbvrie- 
rigkeiten Id^t, die man von einem VVorterbuche g<^ldst verlan* 
gen darf. * Noch mebr berficksicbtic^t lit die zweiteKlasse der- 
jenigen , lih die dieses VV uMci hucIi bestinitnt ist. Diese niag 
inshe.-vondere dem Verf. fiir die grolse VolUtaudigkeit und iiir 
die Autnahme einer grofsen Alenge VVoi ter danken , die der 
Scliiiler nie vennissen wfirde', weii er nie in den FaJI kommt, 
sie aufzusucben . ofler die der reoejmalsiri Studirende imd 
oietborliscb Unterriclitete duicli die Analo<j^ie versteht, qline 
siejetnals autschlagen ?a\ jniissen, Diese Vermebning ist wirk- 
lich von tier Art, dafs das Buch in Aiisebung der Worterinass© 
von keinein {ihniichen tihertrofFen , oder aucb nur erreight 
wird. , Ref, bat in dem Augenblicke sechs neuere Worter- 
biicher vor sicb , 11 i e m e r (18 19) > Pas s o w (16 1^) , S c b n ei« 
der (1819) ♦Host (1621) » P 1 a n c b e (^Dictionnaire Grec'FrAH" 
foil, compost sur Vouvrage intitule Thesaurus Linguae Graecme^ ds 
Hfttit EtieniUf ok st trouvent ious Ifii rhots des differens dges de la 
Ungue Grecqtte, leur e'tymohgie^ leur i§ns proprtt st JigH^e'f 0t leurs 
^0r$es accsptionSf justifidts par des exemptes. Par J, P lane he, 
P'ijclSFr. Paris ^ le Normant y imprimeur'lihrMre ^ l809* X und 
1463 S. 8. jede Seite 211 ^ Cobimnen. Ein sehr scbiitabjres, ^ 
in Deuttchlaud wanig b«kaontefr-| VVerk^ das vfeJe AebnlicL- * 

I 

I 

* ' uiyiiiz^ed by Google 



04 ReUhtobaeb gvieeb* d«iittebes Worterbadi« 



Iceit mit dem Reichenbach'sclien hat, zunachst fttr Scbulen be* 
stiinint ist, wo aber aucb dui'ch Aufnahine der Kunstausdi Qcke 



nun, bios iiuiserlich die Worterzahl beti achtend , aiidreiSteU 
len die Artikel gezahlt, und z. R. von A his a /3at bei Keicben- 
bach ^efunden: 20 mebr als bei Schneider, 22 inebr als bei 
Hieoier, 32 mebr als bei Passow, 32 mebr als bei Host und 
l6 mebr als bei Plancbe. Ferner .von Z bis Zt * 4 mebr all 
bei Schneider , 2 mebr als bei Riemer 9 6 mebr aU beiFlancbe, 
30 mebr aU bei ivost, eben so viele als bei Fassow. Endlich 
von SI bit XIku i 6 mebr als bei Schneider, 8 mebr als bei Rie* 
meff 3 mebr als b'ei FassoWy eben so yiel<$-alr bei Flancbe 
und So mebr als bei JE^ost. Im Ganzen mag etwa Rust beilflu- 
fig balb so viele Wdrter baben aJs Reicbenbach. Fragen wir 
siacb der QualitSt der Warter, die Riiicbenbach .voraiift bat, 
so finden wir in den zahlreicben Verinehrungen frtrilicb man- 
cbes ^ortf das vieneicht gar nicbt aus Scbriftstellern, son* 
dern x>ur aus einem Li^xikon odtfr ein.em Grammatiker^ wo es 
einmal vOrkommty genommen seyn mag, Wdrter,'. die der 
Studirende auf (einen Fall vermissen wltrde, uiid die aiicb 
Andern, fUr welche das Werk bestimmt ist, wobl scbwerlich 
vorkommen dihften; manche vielleicbt auch , die in die Kate- 
guiie derjeni^en geburen, welcbe der V orl:, obne ganz strenj^o 
Friifung aufge-noaunen bat , und die zu verwerUii seyn niocli- 
ten j welcbes ibm nicbt nur in den ersten Bogen pass.rt ist. 
Eine Fiobe letzterer Art mag aus dfiu Bucbstaben tu das Wort 
txibvjv.w ^ icb bin gescbwollen, styu, Es bat nie ein sol- 
cbes Verbum gegeben , sondern IManche bat ganz richti(T : o^hy^-^a 
■parj^ act* ^* n'Siaj, wb-^KUMri Dor. pour wdyjV.aa-i' Ein Wort der ersteril 
Art ist das Wort Zar^w'K/ov» wo vveiter nicbts steht, als: Das 
Scbacbspiel, Dieses Wort bat Me ur si us in seinem GIGS'- 
.$arium Gratco ' Barharum ^ mit der Bemerkung: Ludi genus: hino 
^ar(^^ty.f^£iv. Videtur autemfuisse tile ludus ^ qui vulgo Scacchia af 
ftullatur. Es ist ein ofFe^^barneugriechiscbes Wort: dae<i indessen 
in einem Scboliasten eines Klassikers (Scbol.Tbeocr. 6. 18.) vor- 
kommt, so bat es auch F. W. V. Schmidt dem Hrn. Scbneidet 
'nebst 999 andern sur Yermehrung seines Worterbucbs prSsen* 
tirt,' obneeberi^ wietnan weifs, viel Dank daf'Qr von demBe^' 
schenkten 7.11 erddten. DieConsequenz erfordtrte die'Aufnabme, 
denn dergleichen Scht>l asten^drtet iind GlossatienwOrCer sU« 
ben bei Scimeider vieJ^. ^ % 





V 



Digitized Google 



Heidelberger 

Jalubiicher der Literatur, 

" " " • • 

Reiclieiibach Giiechiscli-Deulsches Worlerbuch.* 

Wir woUen aber nun docH di«jeni*gen Artikel^ die von i 
^i* o/Sor geheiiji genauer betrachten , der Kfirse wegen abe^ 
nar uns^r vorliegetidei Werk mit Pastow yergtetcben, denSi 
vir unbedingt den Freis unter deir i^r Studireii^e gescbtiebe. 
Veft WOrterba^herh zngeateb^ti, Unter cradro^ bat P« die Be« 
^euiung utiverletallch in einerh doppelten Sinne; R; aber 
^oebeti als gleicbbedeiitend ilf<2ro;> und nocb die Bedeutungeii } 
untrfiglifiby unschldjicb sebr Acbadlich, tet^ 
derblicb, fttfcbtbar (aber die CJnticberbeit del* Bedeu^ 
tittfg aoicher mit dem sdgenannten intensivum AuAaiiirtiengeii 
lettten WOrter sprrtht P. unter A,), ehdiich f«r u>^to; ii n e r - 
iese BedeutuDg bat P. aucli nicht luUur i^ro,-); 
I^ann fehlt bei P. da/iaATOi; oder dajSwro^ df3Xd,aJI(;; a^^j. I^ak; 
^•i"5fi/a; dahk'jvj y Sch weinemist • aaat'cu » Eckel hal)en , beunm- 
j^'gen; aa3>j5 Dbr. f. «,,a>;;; aaSr^ra; f. aS/xro?; aa/.r^;, Ultzer- 





erderblich; aa<rKco 

ig ; daroAtf^, unerfiillbar; aaruXo;, unschScilicb j 
oiru, t^uscben; a/dayi^fftf^^ aart ; a/3et7i>ov9 Hose; a;3a(o^, stumrn ; 

zart;^ ifii^yuaraf NaacbyTerk. Alle die«e Wdr^er, 
^^iro; und crircu ausgenolmmen , ateben scbdn in dent biirkaiinieii 
'^^sler Lexicon septemvirale « freilicb fatC durchaus bhne 
Auctoritat, ainige zieikilicb VerdScbtig, z, B. dfiiyiitfof una 
andere bios ailil^ Grammatikem , ^ie daiiwf oder h\6i 
^ut Oialekteir , in denen kein gescbrieb'en^i' BuCb vorbatidlfii 
|<^ vi^ie das' BdlHiaebe daiMacedoni^cbe S^yvdv.. Eini^e 
ii^jessen atnrd dbch ton d^r Art, dafs man ate lii gang^are, iSr 
^tudhrende b^stiiniAte WffrterbOiGhet Aafgenomnieii. wdntcbt#> 



Beabsicbtlgt aher Hr« R, einen SpracbtcbaU , glelchsam einen 
TbMurut in f|D«#« in w«1c|iem sicH aQe wirklicfa eiiiiDal im 
Gebrauebe gewesenen oder dah\r gef'ormtep Worte befinden^ 
nicbt blo8 splcbei dia sicb nocb . hei ScbrifuteiUrn fifrdesf 
sondern aucb bloa Glo'saarian aufbcfwabtte , damit daraua, 
duich eine tminer vollstUndipere Induction ^ die tinendlicba 
Bildsamkeit der Griechiscben Spiache vollkommen in die Aageit 
5pringe| und audi bei dtfii Dilettanteh Slatmen errege ; so 
kann er sein VVuiterbuch noch sehr vergrdl'sern* Uin ^ne 
Prdbe davon zu geben, zablen wir ibiti gleich, aus eirtemdet' 
kleinsteii Biichstahen , urn den Raum zu scfionen, fiber dreii'sig 
Worter auf, die in keinetn der secbs genannten WorterbHcber, 
aucb nicht iin Septeinvirale iind ini Scapula steben , und uber- 
bavipt in keinem gannl.aren Wurterbuche ^ und dcnnocb ge- 
fcraucht worden siud, nnd nieist sicbtbar der Analo^ie gemals 
g^bildet erscbeinen. Es sind folgtrtdet ply.Xtc^j^ bacilium (aucb 
in dea Meursius oben genannteiu Glossar. Graeco-Barbarum)^ 

6in 'Geia£a» fi9fiaioifia$ ^kkqvoSJiiiL*! , NadtflbDcbse , ^s^tkkcy^fo^o;, 

(aolj *iuwii«etteajii beiJCsen . welqbtfs ^licbts i*t : 
SViabrac^ainlicb ist es, wije daa vorbefgeb^nde , aiis der Latei- 
nisitWn $prac.be in der sp^teren Eamerseit .i^Q^die Griecbi«cbe 
fibergegangen , aua vBrutttm)% fi^iMwum^ •pruM% 0i^9^o4f vtrsiiut 
(Maursias I.e. bat jSi^eS^f^f veredarius) , /3//3a^.fiyr^«» ctiariut 
(aucb bei Meuraiua)| fiiwan vUia (aucb Meursius) , fiidM(,{T-^f$ 
cwsor^ fiXoKfatjaetatiOf pXa;.o{ und ^Aa^.ct/x<M (wabfscbeinUcb eiua 
andere Scbreibung und Antspracba ifir <pXua$^$ und ^kva^oZfMu^ 
dcnn.^ie Worte sind durch insulstts und insults — nugor — er* 
klUrt), 

turn (aucb bei Meuraius), fi^a^nj^, vannuSf fi^sflUv. i*0^ oratrm 
beilsen, aber Meursius bat woblRecht^ welcher aagt: fi^ 
j3/oV. Bteve, Scribitur ^^j: Tc: apud Eusebiutn tiisiOK hscl^t^ Uhm X« 
cap. yi. In Clossariu Crarco-Laiino Ic^nur (i^iSic^j. Oratrix. puoloco 
inulligi dthet enchiridion p tecum ^ Brehiai iuui) , c/iTCx;5k;i> pluvialU$ 
fi^>ox''(^i /iJ^f/^o, /Spcor^^;, edax , fi-iBi&i^. -nicrsio, fi'^As; (Soil uac* 
beilsen, wird aber wohl phocae gemeiiit st } u ; denn es stebt 
dabei tyB^i;. In den VVoi terliiichern koinmt /3w£ , ^la'i^ eine 
Fiscbgattung,, vor: vielleicbt ist es ttberbaupt diiss^lhej VVoit 
,inil iptoK*;), i3tuXco-r,.oVoi^> /BwiXiffy.a^.ioi^ y altare, Diese Woi ter und 
nocb viele Hundert andeie unlienCUxtr st ben in elneiu zvvar 
a^ltenen , aber docb nicbt ganz versi hwundeuen Rucbe , das 
H^aA StepkaHtti seiner Comment, de jitticae hn^uae seu diaU-ctl idio- 
JB«*if VOrausgescbickt bat, nUmlicb: Glossaria duo e situ vetustw 

"^^^mp Vmu 1673. Daa JUateimacb-Griecbiscbe 369,f daa 



uiyiiiz^ed by Gdogle 



Gtiidilach-Lauiniiebe 30t Golunm^n. Will Hr, AeielMnbieh 
noeh ein Dutend su demielbirn B^ichataben j so nehme er 
Jet R<ff. A 

diMen J«hrhhchern l8l9* Febr. No. t3| wo wtr aubh dl4 
BeJe^e udd BttW«lsftUllen dasu gegeben baben. Aucb kann er 
iaim«rbin ndcb /SXi^^^i^Sfxs; und /3(u;o9-r^.o(p«u> votl Fastowr aufliehi 
men. Schneider bat uhiiedieft aucb in seinen 2us8tzeh alle nti^ 

«ere und so vieler Anrfern zahlieiciie fieitr.'J^e, die ibm darge* 
l)Oteii wurden , aui eiiic luir rliircb sein AJter zu entschuldi* 
oeuiie W^^ise verscbmalit. Dcnh das ist eine Jeere Ausflucbt^ 
dafs , was er nicht auf^eiiommen , nicbt luaucbbar fur ibn ge- 
vvesei) sey 9 da er d^^n Gehrancb ded Wni tfi ])ncl»es auf klas« 
sische und FrofanscrilftMiten bal»e einsclii ankcii wollen. Denri 
Prstlich hat er sell»st dit-se Beschi it iiksing nie gehalten , und 
dann hat er vifle aus den. gelesensten klassiscben und Frofan* 
scbrihstellern ibm dargubotentr VVorter nicbt angcnomrhen. — ^ 
Betrachten wit weitejr, wai Hr« K. in der Vorrede geleistet 
KU bahen Verspricbt , so kommeii wir auf die logi^cbe An- 
prdnung der fiegriffe* Spricbt man davon in eineni 
Wdrterbucbe, so mul's man sicb btiten^ ddrunteir daf ver« 
itehen^ daia man unter den Bedeutangeti die abstracteatii yo^^ 
aaietsen und die concreten folj^en laaaeii inQsiet 
ittincben WOVterbQchern verscbiedener. Spracben die^ Fall iat* 
£ineso]c1ie Verirrung wftre, wenh mUn s.B. d^m WorU It'^c^ 
lis Aauptbedeutung ratio untertegte, danri aagte/ ea bedeute 
auek jede Aeurseriing der ration sey alao betdnders initere An- 
lehauting, Denkvermdgen und Spracbvermdgen , wieder spe- 
cicller djb Veruiogen, BegrilFc, Urtbeile una Scblusse zu bil* 
^en, \iu,l iiii.ie dann immer so recht ]o<ilsch einthellend fort^ 
man eudlit aucb auf die VerstaiKlLSoperalioii ties Kecbn^^nS 
unH auf die ^iavon abgeleitete tropisclie Redeutung der Recben* 
icbaft kaiTie; scliritte man dann auf der andein Scite auf die 
£ntwickelung der iai Spracbvermogen entbaltenen BegtiiFej 
*0 konnte es nicht feblen , dais man am Schlusse eines so ph:« 
losopbiscb ausgearbeiteten ArtiktJs, nacbdem man jede Bedeu* 
^^ng mit Beispielen aus Pbilosopben belegt, endlich aucb auf 
eigentlipbe und eratafiedeutung^ Wort^ kSme^ und zuni 
B«scbiuaae aa^te : Icurz, aucb alles, wa^ durcb Gedanken oder 
Worte gescbi^ht und abgetban wird. Ist nun gleich dies^i 
Beispiel fingirt, so aoUte ea una docb aebf leichc werdeii^ autf 
niflen WOrtel'bClcbern mebrerer Spracben Beiapiele in Meuge 
nachzuweiaen 1 WO man , obhe alle BerOcksichtigung d«r Vy ur^ 
aal dea Wortea unci ibrea uraprQngficb ainnlicben Begrimes; 

1 1 aUo ttrkenrtcn Weg eingescblageni una 

i ♦ 



^ Digitized by Go s' 



68 \ RfielicDbaeli gtieeti* denUehci- WSrterBiieli. 

. - ► . 

sich in Divisionen und Snbdivisionen gar sebr gefallen hat. 
Hr. R. hat sich diesen MifsgrifF iiicht zu Schnlden kommeu 
lassen , sondern aiis dem recbt erkannten und meistens atich 
an^egelienen VVbrtstatmne audi Hen ersten, si niiliclien , Be- 
griff auigestellt, und rhmn , grofstentht-ils in outer Ordnung ^ 
die abgeleiteten , die ai)stracten und die Neht-nhenrilFe nebst 
ifteiii katachrestischen Gebrauche, wo er stattfindet, angege- 
Ben. Betrachten ^ir in di<}fler Hinsicht den Artikel A/yo^ an 
Hrn, Hs, Werke^ so kdnnen wir im Gnnsen wohl arit ibiti 2U« 
frttfden seyiii ulid wer nicbts als die Bedeutungen des Wortes 
siemHch'Wohlgeordnet ^ ynd noch obenein dit» ndutestam^nt- 
licben desselbtn, ketinen Urnen will « dem kann er gen&gen^ 
4enn er'giebt das Aechte, giebt es gut| und giebt genug. 
After liun lese man denfielb^n Artikdl Dei Fassovr* Wie be* 
lehrend wird er ntcbt gerade durch das« was Hr« H. in aeinem 
Wofterbnche weglassen «u dClrfen Oder zu mfissen geglaabt 
bat, Um Rauin tOr seihe VolUtandigkeit zu l ehalten, und e» 
doch niclit zu dick anzuscbwellen , wir iijeiuen, durch die 
Nachweisung des Spracbgebi auchs dieses VVortes durch dio 
Schriftsteller hindurch worn Homer an, |j^]eicbsani auf bistori- 
achetn Wegel Wie stehen bier aucb Schneider und Riem^r^ 
und mehr noch alle Andtm zurfick! Sulcbe Artikel von Stu* 
direridett gelesen und studirt sind eine Quelle der Belehrung ^ 
^ili JVIittel der GeisteSentwickelung, das beFmcht^nder ist, als 
ao vieles Andere^' das ftiit Pomp und hescbidnktem StoUe iHa 
aoIcheS allein angepriesen wird. — Indessen, wie gesagt, wif 
wollen Hrn. K, Jogiscbe Anordnung der'fiedeutungen in sei* 
iiein Werke nicht absprecben^ una kdnhen es nicbt^ Mrenn 
^ir gerecht seyh wollen* Abet dies bindart uns nidlt sur be<« 
bauptan « dafsdennoch ttian^beBedeutung an eiuer Stelle stehe^ 
wo die Logik aie eben nicht binauthun gehietet. Z. B. Wehn 
es unter a^/w ganz richtig heifst : ich f(lhre,leite, brin* 
ge, eigentlich von le})endigen, da nn auch von 
ieblosen Din gen; ich filbre an; Med. ich hole m i t * 
u, «. vv und unter Nr. 6. ich tegiere, erziebe, unter- 
r ic h te} so lolgt unter Nr. 7. ich t r e i b e das V i e b. Dies 
gehc$rte voran, ufid es bStte oben uncb bridge fortgpfabreri 
Werden sollen: treihe, jage (welches Wort Frisch in sei- 
nem unscbStzbaren deutsch - lateihischen Wdrterbucbe ttiit 
Hecbt von aym ableitet^i und dann soilte folgpn : eigent* 
lich von lebendigen (Menschen und Thieren)^ 
dann von leblo^en Dingen. Geordnet ist Indessen die* 
Set Artikel bei weitam beaser%* ala bei Schneider | der aber 
die Badeatui^g wiegeii vor Hrii. A« voraas hat* ~. Was di«r 



Digitized by Google 



Berichttgung der Wortbedeu tungen litftritfts so hft( 
Hr. R. 8,ucU biflrin aUerdings viel geleutet, hesond^i;! in VeM 
gleicbung inic spin^r er»ten Auflage^ jedocb aucb an ticb be* 
traciitet. Bet einec so eodlofen Zabl vpn EiiiBelheiten wkd 
indessen Niemand erwarteti ^ da(s e|n Leicicogi i^ichts mvht 
tu wflnacben flbrig lasten sollte. Daft diet aucb bier der Fall 
ist| wolieii war our an einigen Betapielen seigen, mebr^ unf 
ansudeuten , yon vf elcber Art die^e Desiderien aind ^ al« uin 
dafWerk oder einenTlieil deaselben durchzugehen ^ WQsuana 
in dieaen Bl3ttern der Raum nicbt vet ^oiint werden konnte., 
'SlKCaXc; wircl von cuhu; und ukKofj^M hergeleitet , und ihmdie Be* 
deutuii^ sciinell apringend zugesclirieben : dann von cukuj 
uiiii uA, der Bedeutung s c b n e 1 1 s e e 1 n d. Aber Passow 

batte. 

nie i^edacbt wenieii sollen. Bei •<^'jyif fehlen die Bedeutungen : 
a h 1^ e s c h i e d e u e r G e i s t und : G e i s t , L i g e n t b iWn 1 i c b -r 
leitein^a Scbriftstellers, dagegen batllr. R. die Bedeu- 
tung daaMark in denFrHchten vor den Andern yqra^u%%j 
£(^1 ^^aytjuyoi duiTte die Bedeutiing: die a bgeacb i ed e n e n^ 
SeeJeo durcb Opfer u. dergl. versobnend, heaUnf-, 
tigend nicbt feb)en. Bei a,3^oje^ mufate J^aaaows beri^bti^ ' 
^endc Bcmerl^uiig, dafa die B<?deututig menac ben leer aebr 
zweifelbait aey, betOckaicbtigt werden* Bei ri uyaBa iat'wia, 
bei Allen » aui'aer bei Scbneider « die Bedeutung ^utej^ig^n^ 
acbaften atis^ laaaen^ ytfo Scbneider daa i^areiniacbe Bonn. 
(bei Cia ad Fan^in^ IV* 3.)» in deuiaelben Sin^, yeigleicbea 
Konme. ynvollst^ndig ist der Artikel dyo^i, denn ea febit, 
wie bei Hoat, die Bedeutung Redegabe. *Ay;.a-:hx: Da^ai 
Feat der Agraulos oder AglauLOS zu A then,, eL« 
»er T o c h t e r d e a C e c r o p s und d e i N y m p li e A g 1 a u 
ris, Li im] Tiiesterin der Minerva, dalier dyXaxj^- 1 b 
(bit) 4 i e in i b r e m T e m p e 1 d i e n e n d e n T r i e s t e i i n - 
lien. So Hr. R., der diesen Artikel ganz allein hat. Abec 
Juui koin.ut weiter vorne der Artikel 'AYAau^.'S?,- , und da UtfifsC 
cs: zu A then die P a r 2 e n. Wie hanponirt das? Das 
Letztere ist aus dein mebrrnala genannteo Baaler Les^ikon ^ wcx^ 
wartlicby aber pbne Beiveaa atebt; M Afh^f^'^^u dicuntMr/ata^. 
parcaa, ^&7^.a<. Dai8 iat wohl eine Yerw«cb$elung der drei 
Schicksais'scbw^atern mit den drei Si:by<fe9^eri\ Agr^uloa, Her^^t 
wnd Pandroaaa, fiber 4«r«n Bedpu^ung t. Qreuzera Symb, un4. 
Myth. 11. p. 729 ff. — Van Hpug/a^^^ k^onnta Ifr, JV- die ricbt" 
tigere I^rklllrung he\ Faataw $nden, ^otto^oj: iat nacb dem, 
liyas Sc^itieider und Fa^tow (vprafigjiqb A^ch Qrqd^^cH % Be^ - 

MBdttiger) geaagt l\^hn^ 4o<;h unvriUtiiiiij^ ' Wepigex. 



* Digitized by Go ^ ^v,.^ 



* 



pclitlg bat Hr. irtffa^avri^^*^ f a I i c h g e ttt u f t e r Faisowf 
|Pallch«r Getaufter oder Scbneider uoSchter Cliri«.t, 
'Mitder ^ufnahme fcbwierig^r und J«lten«r Dia* 
|ekti:'qriit«n in die A<*ibenfolg« der Artii^el «ind wir einver* 
ftandrti, und haben a1]e Ursacfae damit sufricdi-n su seyn* 
(Jtfher dai Mehr ^der finder woUeo wir nicbt ioa £inz«lno 
und Klefnticbe geben. Denn wSbrend Einer fragen mdcbte^ 
warum denn ni^rfat das Lakpniscbe 'ya/3«.7o; filr ut^yc;f unddocb 
daf Arl^adiacl^e ^it-s^^ov iiir ^a'^a$^cv aufgenomin^n sey, konnte 
ein Anderer fragen , warum denn bei dem auf'gtnommenen 
tytvTo Hie spUtere Theokritisrbe Bt deutung syavfro anarhronist isr h 
ZiieiSt, und die Hoinerisciie iiir tXiro zuletzt gest-tzt sey ? 
Doch m^clite Hr. 11. auf beiderlei Fragen ziemlicli geiuigend 
aiJtwurten koiinen. Bei andei n FUlK «i viellficlit weiiiiier : 
Z. B, waruui er depn unter gVi Mos auiuhre, dafs es 3. plur. 
jlraes. Dor. fOr sey (vvelclnrs ireilich wain l^,t : Thcucr. IV. 
52. )» und nicht auch , djls e.s 3. sin^. prues. Dor. iOr ^Vrl sey, 
Wtflches el)en «o wahr ist , und zuerst stelien sollte: s Tlieocr. 
I. 17. « V T / 5a ir/ytj.*;. — Die ^rosodischen Bezeicbnun* 
^en sind in neueren Zeiten init ilecht als e|nein Ltezikon un« 
f ntbabrlicb und unerlafslich erfcl^irt worden , und nacb Rie* 
|ner, fV^st iiiid Faasow bat aucb Hr. K lobenswertben FJeifa 
daraiif verwendet. Aber keiner hat nqpb den ioblbaren Man^ 
gel eines proiod^schen VV6rterhucb«s ganz genClgend er^tts^^ 
Wiewohl Pdssow in diesem Funkte am wenigsten'su wtlnscbeii 
V Ql^'ig <^tda8Sen %kt, Dafs bei Hrn, II. ^ ao viel eip aucb ]eifttet| 
docb iiocb eine grofse ^facblese zu baUen 'aey, wtU'de icbon 
^ vermutben seyn^ wanq wir auch nur aagteu^ dais eins dec 
filler^an'gbaraten' WOrter, v.ak^qf uiibeaeicbnet gebJieben iai:* 
Wir wolleii nicbt die kritlacb^ Ganaui^keit Passows (uiiter d. 
W.) verlangeni der Zetten und Scbriftstelkr nan unter^ 
sCbeidet , aber gar kelne Besei^bnung ist su weni^. Natfir* 
Hchf d^fa dann auch Bemerkangeh feblen^ wie die, dafs X/x^^c^ 
einma) (bei Eurip. Here. fur. 84 1. ed. JVfatlh.) kurz-vor- 
komint, dais a'^./uuv bei den Epikern lang, bei den Attikerr^ 
kuiz, «ey, u, dergl. Feblen solcbt^ Saclieu docb aucb bei Hie* 
mer. — Ancb das Uebrioe, was Hr. II. von seinetn Worter- 
bucbe riUimt J Aufnalnne der noth wendi<^en Constructio- 
nen, der G rS c i s m en , der n a t u r b i s t o r i s c b en Artikel 
finden wir (um kurr, zu scyn) grdfstenilieila belFalls wOrrliij ge» 
leiatL t^ Dais nQcb Manches zu thun int , zei<^*; der Mangel 
der i^edensarten tu;w«^ fi^^t wie er g'f"g i^m^l stand, ircScffu 
^^ev was ibre Fafse Veriuacbten. Aber wie viei tiberbaupt; 
«W AfMI^4ftc» wig J i>rgieb| iicb, vrana wAn ^^vyilg*! 



Digitized by Google 



I 

dais dieser bei Hi n, R. 19 ^eilen , bei Passow 5 Columneq 
eiitbalt. Die natui liistorischen Aitikel lasseti sicli nocli aus 
den ZiiSdtzen zu Sclinr^iilf r sehr er^aosen. Wir sclilugen av- 
»jffoyaut, und vvurdfii auf ^v>j<Tiv vtrwiesen; da steht : waf 
avjS:v, Dill. Aber (TvjBov i»t Druckttlil^r lur uvyj$iv, und fin- 
del sich tiatLirlicb«gar iiicbt. Wie wir iiber die durcli|^iingi^e 
L'nterlas s ung 'de A nfU h r u n g der A n c t o r i t H t e n 
d«nken, haben unsere Leser scbon l)timerkt. Wir halten sie 
fOrzul^ssig in eint;ni Scbullt'xikon fOr A«ifiiiiger| wiedasl\u«l% 
sche ist ; wir balten sie atich fUr aulUssig in eineni VVdrter- 
bQcb« fAr die ^(ublreicbe KJaase von Liiebhabern der Gt iecbi« 
lch«n Sptael^e, ^ie^ ohne tiefer (n die S|)rache und die Grie* 
cbiscbe Litteratur eindvin^en ' wollen , ein Grie^hischet 
Wdrterbach braucben. Dlesen leistet Hrn. Rs, W«rk durcb 
leinen Reichtbuip Oienste, wie kem anderes, und etnpfteblc 
ficbd^bei^ bei gii tern itnd sehr correct em Pruck und ^uteid 
Fapier, durcb fteinen gewifs billigen Preis; und yiriv f^iQssefi 
C!rkl3ren , dais fir. R. , was er in der Vorrede versprocheq 
hat, ijiit riihiiiJicLiti Ausilauer peleisiet^ und billi^en Forde* 
rungeii alleidiii^s Genrtge gelluii babe. Von den drei vor 
uns lie^ende-n , in der aLil'sL-ieu I'^ocm und Unterlassung dtfS Ci- 
tH'-Mis und llaisonnirens slcli lileiciieiMieu , Woi terbOcnern yon 
Plaiiciie, Rost und Reiclienbacb gei)en wir dein Reiclienbach'- 
»cbe{i unbedingt den Vorzug, woiiei dem Rosf/schcn , wobl- 
feilern und die Spitzner'sche Zugabe nebst dt'in Deutscli-Grie- 
' chischen Tbeile jetzt noch vor der Hand yorausbabenden 
Werke iinmer nocb Kiiufer genug bleiben konnen, Zur Ver« 
(leicbung th( ikn wir bier fiopb A^Ukel ^ixktft aus ^en drei 
^eoaonteii Werjcen fnit^ 

, ' . PJanch^, ^ 

^Uwf fn fiaikS% P' fii^kijyut^ QOr. Hflak^t p» moy, (nacb alter 
Wri»e, dasPerf. ]V{edii} fi^fioXay J^ter^ lanetr^ Contre quelqu'un 
qltaqu^r quelquun, 9V*tC trdits , etc, f rapper jetant', Mejr* 
Mr, mttindrf' .|(aAAu;, jeter^ sans diriger cont^e per80i)|i<^ ^ 
f{u*oii |ett0 — jetter ^ Us ^ei\x — rtf/vanJr^, des lariiies — 
ntttr$f dans sa tete, dans Son esprit. Dans cette derni^re sig- 
nification on emploie plus sou vent fixXXcfjai' ^ukka^jDai b^^' fau- 
eiod. roiilcr Juns sa icic ^ dans son esprit. 

BaXXw, f. ^aXtv Mnd /3akk^<ru) ^ 9 or. *^/BaXo^ und l^IXXyyfa^ J)f. 
^/>iv.a, wtifen, sch'^'iulern , bespiHievs das Gescbol's, daber 
•chitfsen , trejffen , verwunden, erlegeo^ bewegen, treiben» 

3. t)es{»rit48ii, i«ft|ir«l)gea | 4)«^U«He<M 4* ^^^^ jlasaea, ver- 



^2 Eelebenbach griech* (}eut»c)ie; Worterbucli, 

lieren, 5. Ifg^" « anl<'g('n, anfii«^en : ablf gen , Ljnoi niegen. 
filkXetv Tt rm ivi 5u/xu > 1-inem etwas in das iJerz legen, einge- 
Jben , anrathen. Med. fiaXatrBai in (p^.so-J , etwas zii Heizea 
nehmeni Qberlegen/ fidXk^v .(^klnfraf i^reundscbafc Jra£lp£en. 
6. fallen, •tDrsen, reone^n. 

Keicbenbach. 

BaXX^f ffktfffVf ttberhaupt: icb bewege voq einem Qrte sum 
9nd«rii; icb yvetie^ stofse, acbiefse, schlauderey giefse; 2) ich 
l^erObre, treffe, verwande;' rtmt Kara rfv^* etnen; tivI r/va 
pder t!;9 cV: rtv^ 71 f einen isit ; 3) icb lasse fallen * 4) ich v^erte 
iiieder; 5) icb stellei lege an ; 6) metapb. ich fibergebe, ver- 
traue an; rm ri, einem etwas; 7) st; r>iv ku^^ccj.: rr.oq, und gy 
^a^.iiai; rl oder t) ri'/t evl ^u/jtf , ich lege einem etwas an's Herz, 
d. i. ich rathe ihm etwas ; Med. fiixXouaf n a"; vcvv oder 8vi (p^gy), 
icb nebme zu Heizeiii ich iiberlege etwas , beschlielse etwa^ 
tbuii *), 

Zu tadeln ist , dafs belde Deutsche das Verbum fallen^ 
^as, wie fallen, Eines Statnmes init dem Griecbischen ist, 
nicht genann^ und aufgeiobrt baben^ dafs ttberbaupt heida auf 
lite Staminas verwandtscbaft heider Spracben nicht nur niclit 
bingedeutet baben , sondern gar nicbt geachtet zu baben scbet* 
nefti. Freilich i^bsicbtlicb ^ wie ea acbeint : denn Schneider 
Rjeiner und Fafsow baben oft genug die Spracben verglicben* 
Aber bundt^rtmal bStte nureiti Wort, oft nur gesperrter Druck 
des entsprechenden Deufscben genOgt, das i|un geiade bftufi^ 
feblt ^ fi, hei (QaXXo;, Pfahl, bei o-ncfro;, Sc bat ten. Keh 
weifs aiis vieljahriger und tausendfaltiger EifabruDg, wie 
frucbtbar eine solclie SpracbvergleicLung , nach festen Grund- 
sat7.t n uiul in den gefiSrigen Scbranken (nicht h la Kanne nut 
Ucbei treiliung , nicht a la Frenzel mit Seithtigkeit) geuht, 
fOr die Einsicht in den inneren Ban der Spracben ist, heson* 
ders wenn man' dabei die Lateinische Spraclie auch herein- 
ziebt, deren Yergleichung aich ebeu ao oh und ungeauch^ dar« 
^^etet. 

Splle^ w^r aber aageiii w^lcbea Griecbische Wdrterbucb 
^ir nicbt ScbOlern, aondern Studirenden empfeblen^ 
Welcbe in den Geist der Spracbe eindringen, und sich entwe- 
iter zu Fbilologen bilden, oder, aicb vorbereitend auf eine 
Facultfltawistenacbaft , diesem Studium eine feste pbilologiscbe. 



^} Sjoe grilse Mevga der bedeut^defii Artikel ist lei ReiebaDbaoli 
' nieht Mot in dlesen VerbSttnirsy toadern bal 'wcittm aiufBli^: 
j|ohcr« all bei den beidea Aadtro. 



Digitized by Google 



Eclelicnbadh ^f{«ob« dtntAeUm WiSrttrbn4ib. 



73 



fiaiii tmterl^gen wo?!en, wekbe in dem WArterBuch WinW 
turn Forscben, Hindeutung auf daa , worauf vorzOnllcIi xu 
ifbfn ist, offene Erklariing tlher das noch iiiclit voiUlaiiflig 
Ertorschtt* « A ndeut u ng des Standpu net ts , atif dem g«^^f ti \\ li 1 1 
(he Spracliioi icli li sll- Ul , Uiitt- rsclieidung <lts Spi aclig»'!;i duths 
iiach den vtfrschiedenen Formen der Scliicihai t , imd nach dfii 
Zeitaltern, endlich Hinvveisiing auF Scbrif tsttfUer iilteici und 
neiierer Zeit , und die liesten Ei kl3rer dei selben , eigenthfWn- 
jiche Ansichtfn und Cr!Ktnfllungsweise zn {imlrn umi n schf n j 
solcbe koiinen wir an kt-ins der diei gfnanntt'ii W t-i kt- \; i^^eii: 
und walirend wIr das Schneidersche VVeik als df^m L'iiiioiogen 
iilierlianpt ii nent i)ehrlich | das Rlemersclie (so sehr uns ott sein 
Ton rnilsiallt) wegfn Originalitiit und geistreicher Behandlung,' 
wegen ^prachvergleicbung und sehr virler hochst wichtiger 
Bemerkungen Studirenden wie Studirten (welche^ wenn sie 
recbterArt ftind, stets Studirende bl«ihen^ als vorsOglicb In* 
terntant und' wiclitig bezeichnen mflssen ; kdnnen wir fCr 
die, welcbe ascb den oben genannten Eigenscbaften und Ijei« 
stungen fragen« einzig und allein das Paatow'scbe Wdrter* 
bucb als solchen Zwecken vorzOglich enUprecbend empfeblen. 
Micbr, als oh ntcbt Schneider und Ri«iner sum Theil Aebn« 
licbei leisteten , oder ats ob wtr glaubten, Pftsaovr leiste scbon 
AUet (das glaubt der trefflicbe rbilolog wobi seHut nicbt): 
aucb yerkennen wir nicEt die Ungleicbbeit der Bearbettung^ 
die swiscben seine m erst en and sweit^n Theilo statt findet, 
Denn das gleicbFdrmiger bearbeitete Aeicbenbacb*scbe Wdr- 
terbucbbat von A bis K 930 Doppel-Columnen,* Passoiv bis 
•ben dahm 927: dagegen jener von A bis su Ende 896, dieser 
1134.' Aber die Friiclitbarkeit und das Erregende dieses Wer- 
kes hat kein snderes, und Ilef-, der taglich Gelegenheit bat, 
die Wiikiing und den EinfluTs sehr. verscbiedener Wtii tei-' 
tucher in den Hilnden von Studirenden genau zu beobachten, 
Ji'idet Sein eben aiisgesprochenes Uilheil tSglicb bestatint. — 
Duch auch von Hrn. 1\. scheiden wir mit der vollen, aeinem 
Fleifse und seiner Sorgf.jlt. gebiiln enden Achtuiig, und sind 
iiberzeugt , dais m liesonders in dem von uns angedeuteten 
Kreise seit^ verdientes Jfublicum| uiid bei dieftem Scbfttsung 
Und Dank iinden wild. 



I 



uiyiiized by Google 



74 



Amaltlie* ?oa Bouigor* 



jimaf theaf oder Museum der Kunstmythologh und hxldlichen jUter- 
ihvniskunde. Jnt therein mit mehreren Freunden des ^Itert/iums 
heraus^eigeb»n 90n E. A» B dtti ger , Oberaufseher der Kdnigl, 
jintikemnuseen in Dresden^ Drifter Dandy Mit 7 Kupfertajeln 
und einem Stgindruch* Lcipsi^f hfii Q, J* G^ichen. 1B25. XLf^ 
, tmdw ^. $. 3 Tblr. bGr. 

Die sweijabrige Verspatimg rlleses BaricTes wird reicbllcb 
verg()c^t durch den gewichtigeii Inbalt dea««]benf und der 
ver<lien«tvoile Herautgt*ber bStte das entscb.uldigend« Vorwort 
In 80 fern spiren kdiiuen, zumal da der langsame Oruck bitf 
und da den Gewinn trtrfflicber iSusStse und ielbst in der aus- 
Abrlicben VQriede nocb mancber willkominenen NacbtrHge 
gebracbt bat« Da diese ZusStze, die Anmerkungen und die 
Vorrede mancbe reife £pikri$it der bier gelifferten AufsSize 
cntbaltt'n, worin der Heransgeber, als Altmeister cJer ArcbSo- 
logie , ifine jctsigen Ausicliten ausspiicht, so kann sich eine 
Relation odtT audi llecenaiou nur aut nncbti ,'igliche Beint»r- 
kuii^en ersti tcken, iind icli IiegnOge imcli dalier , einzelne 
Gjbtrii rli»-ses reicheii FCi 1 1 h o r ii s liei aitsztiliehen , zu })t; tiacbte n , 
und djliei {iuiiiie uniiials^eMiclif n ]\ f i n u n en hesonders ul)«C 
einen und andt'i n Bt-it!'a|^ des IJeraiiSi^ciiers sellist zii aiiisern, 

Scbon der Vorbeiiciit luiiigt eine vvOnsclite Et ^iinzu ng 
SU deip gelebrten Aufsatz des Heirn G. H. Nob den in Lon» 
don iU)er den M e ni n o n (a* den zweiten Band) mic einer U^bq* 

trapbiscben Abbildung der au£ der RHckseite des fiildes sicb 
efindenden Uieroglypben. VVenn der Herausgebef biebei^ 
so wie an niebreren Orten dieses BandeS| 6ber die neuesten 
Vei^aucbe^ die altif^yptiacben Scbriitarten zu entrHtiiseln , sicb 
in einem verscbiedenen 5inne Sufsert^ so will Hei'erent 
dies als W{nk und AuH'orderung »uni eigenen Scbweln^ t n 
benut^en , indem ebeit diese Vrrscbied«»nheit der Urtbeila 
eioes und desMbien grofsen Gelebrten in ihm die U^l^^rseu- 

f^ng bestSrkt, wie inifslicbea eur Zeit notb sey, bei dieaen 
aum erOffineten Acten mit eigener M«^innng da^wischen su 
treten. Den Band selbst eroffnet eine Abbandliing (\ b e r den 
Torso derKichaiondiach en Venus imBiittiscIien 
2VI u 8 e u ra von O. G. II. IS o h d e n , Antselier der Antiken 
desselben Museum, Der Verfasser bevvulu t in dieser, so \vie 
in andern arcbiiologiscben Arbeiten , aufs entscluedenste den 
Beruf, einem so reicben Museum vorxnstehen , und litftit 
einen neuen sprecbenden Beweis; wie sv\\i ti mUer den Ge- 
lebrten JElnglands unserru deutschen Vaterlande £hre inacht, 

mi4 di« aof ibn ge£alieiie W#bl d^r Grpjsb^itUni^^b^o Ji«^ia« 



Digitized by Go s' 



Ama!(b«f TOO Bolllgtr. 7$ 

rung rechtfertigt , wie splir er aher audi und mlr welchetn er^ 

wiiuschten Erfolg er beuiiiiit ist, die seither groiientlieiU unlie- 

Lnntt;n Kunst£chilt2e clicser an Aiitikni so i fichtrii Insrl seincn 

deucscbrn Liandsleuten l*ekannt<:r und niitzi)arer zu inachen, 

— Hicrzu f iiie fVin autgviitbrte Kupi'ertiifel , die dieses Kleinod 

des firictischen Museuii}, $0 Weit es in solcbem Format ino^« 

lich ist, genCigend darstellt, ^ £• fuJgt eine Reilie von Aui'» 

•itseii flber die Tripoden, zweiur Abschniu; 0b#r 

rier uoedirte und virenig hekannte Monumfnta 

des alten odi^r hieratiscben .Styls von O* M(ll« 

ier, l*rof. in Gdttingeni ][nit vier KupfertaMn, In. dieser 

Fartietsung d^r erfteren Abbandlung werd«n wieder interos* 

iiante Gegeiist&ndf* zut Spracbe ^ebracbti welch« aucb dem 

Herausgeher im Vorberiche cu'verjcbtedenen NacbtrSgen An* 

lafs penebfen. Uehifr tsimiic Pmikte wflra f»rdfs«r« Atisfdbr* 

licbfttit vrfinscnens wertn , z. 1$, i\ber die jtoAA-jjc/; aii^^cu, zu- 

linaldi dl i^ilich Rainslioin, Haiisinann und an (ler« Gelehrte 

^ieSjcfie m verschiedenein Sinne gefalst. O^s VVeitere muii 

<it;r kflnfti <» fn Furtsetztins Her Gommentatt. HeiO(luLt. vorhe- 
III- • 

bs.tfi; Jileihen. Atich die Bt-zeichnunn y^.uo-ou c/Vfe'vp£)sj , Wflclies 
nui iiijeisetzt wild reines Gold, sa ije .iieici ent ^ern niilier 
bestiniint, da ilim niclit u^ibrkannt ist, was dariibery kei« 
neswfgs ObereinsrirnaH nd , von Leinpe, Eckhel, Matthiti, 
^Vnrm, Kaonl-Kochette und Andern bt^inerkt word^*?!, und er 
wiirde zu den gedachten Coinmf ntationen diese Btfibiilfe daitk* 
|W erkannt baben. In BetreflF des von llrn._ MKller beschi ie* 
jknen Saind thracischen lleiiefs nimmt es micb Wunder, 
^ie der aut Alles aufinerksatne Heransgeber im Vorbericbc 
|(pag. XX f.) zu bf^merken vergafs^ dai'ft dieses svlbige^ viel- 
Iviclit ^iiteste Relief aucb von Hrn« Dottor Scbor^n im neue« 
(tea Heft des Tiscbbeiiits^en Homer mitgetbeilt and erlSu^ert 
wordeoy VT^orQber icb Sflbst in diesen JabrbClcbern^dasNdtbige 
^eaierkt. Der sum Mallertschen Aufsats (p. 34 ) beigeiuat^e 
^mrifa mufs obnebin» weil er an sicb nicbt genO^t ^ mtt oen 
triden KupFerq bei Schorn'und Millin^tn veii^^Uciien werden* 
pi«Betrachtung dieser iebr alten Sculptnrwerke gibt nun stt 
tt*ncben Eroi ttiungwn Anluis, wckiie fiir die ^auae Kunst- 
fpichichte bedeutend sind. Der ert^ihrene Herausgeber sagt 
Bezltbinig daraut im Vorbericbt; „Niir tilier den Slyl (je- 
Oes Ilelirfs) scheinen fieide (IVlilIing#*n und MuUei ) nicht der- 
einun<' zu scyn. Sflir j)estiinmt Jiezeiclinet dei Dtfut- 
*cue den hier berxschenden Kunststyl als den Mltesten audi da- 
'^Jfch, dafs^die dario vorberrscbende Einfalt und Rube sicb 
iu(;bnQ€l| ill tinigeo and^rti GriecbiacbeaSasreUefi vorfindent 



Digitized by Go 



7d AmaltUea too l^uiu'i^er* 

die (Icr altesten Kunst sugelidren, und daCs erst in einer nacti- 
i'olgenden Feriode jenes <lbertni!r$ige Strffben nacb leidenschafu 
lichem Auadruck , grofter'Bevireniing iind Aiigabe der,G«lenk« 
iind Miiskiflii eingetreten aey^ worOber er denn niit Hein* 
richMeyery der aowohl tnaetiien Annierkungen su Wiiickel* 
maniiy als in aeinet zuletst erscbienenen Kunstgescbicbte jene 
Uebrrresttf der alten Kunst mit dem g«waltigen Ausdruck und 
Muskelspiel fflr den ftlt«sten Kunsutyl erfclUrt, und in der* 
selbenBesiebung aucb mit den Kunatepochen , dieFriedricb 
Tbierscb in seiner ersten Voilesung annimmty sich au ver^ 
jiehmeii babeii wird. Ich gestche , duls icli bis j^^tzt aus vuMcr 
Ueiierzeiiguii^ die Ansicbten melnes Wei mdi ischeii Freundes 
geCbeilc babe. Docii wrr kami sagcn , vvt-lche neue Fi ucht 
uns der niorgende Tag tiocb immer s '1en G.'h ten dir Hespe* 
rlden bringeii vvird?<* — Im Tt-xte scll st foigt: Ueber dia 
1 II s c li r i 1 1 d e s O 1 y m p i s c b e n II e i ni s. E i n S e n d - 
schreiben des H e i r ii von Br6n*ted, Kon. Dani- 
scben GeschHitstrHger s in iiom, an den HerauS* 
geber — eine strenge Kritik cines ,fr(iheren Auf'satzes im 
zweiten Bande der Asnattbeaf womic man die nachtriiglicben 
Bemerkungen des Ileraiisgebers S. 400. dieses dritten Banded 
und S. XXJII. des Vorberichts verbinden mufs, wo aucb auf 
Bockb's Corpus Inscriptt. Graecc. I, U n. I6.'pag» 34 s^. mit 
Aecbt binge wies en ist. Herr Hitter von Bi'onsted liefert 
Kugleicb einen scbdtsbaren Beitrag zum Text d^s FausanUs 
in einer Anr*abl vOn Lesarten aus einer Handscbrift der fiiblio* 
tbeca Angelica* Vou demselben gflebrten Kritiker baben 
wir nun nSrbstens ein grbfies Betsewerk ^ber Griecbenlan^ 
in einer DeuUcben und einer Fransdiiscben Ausgabe su er* 
warten. Referent, welcber einige I'toben der dazu gebSrigen 
Kupfertafeln geseben, kann im V'oraus die Veisichf rung gct^ 
fcen, dais bierin L ogeineines geleUttL worden. Dais vofi 
JJeirn von Br 6 ns ted t selbst nichts Genieines zu erwarter^. 
ist, braucht wohl nicbt ausdriicklicb bemerkt zu werden, —4 
Der vieite Absclinitt (liescA Bandes , zur Architektur der! 
Alten iiberscbrieben , rutbalt l) e i ne Abliaiailuiig iiber die 
Bearbeitung arcbitektonlscher For men des Al*i 
terthuuis auf der Drelibank, 2) Versucb einef; 
Darsteliung der arcbi tektoniscben Vereine, zwt'£ 
Vorlesungen , vont Kdn. Baieriscben Hof'bauintendantei 
und Oberbauratb Herrn yon Klenae in M(\ncben. Zur er" 
Stan Vorlesungy die einen nocb wenig bekannten Funkt de^ 
alten arcbitektoniscfaen Technik (ns lacbt setst , gab die Ter* 
anla»suiig : s,eiti «abr gut c^rbaltanrr :» ia fiist t|iiTttrfehrtfr P9 



Digitized by Go .^.v 



I 
I 

Amalthta ton Budiger. 

* 

»nicher Knauf , von einer d«r Siiu]tii des Fronaos aut ism 
»Teiiip«l det Zeus Fanb«llehios auf der Intel Aegina ^enom* 
^men y und ah Eigetitlium Sr.Kdniglicheii Huheit det. 
„Kronprinaen von Baiern (des jetzigen Kdnigs 
.MajestUt) jthigst aus Athen in. die QlyptutU«k nach iVl£&n* 
„chen gebracbt.cc Der Verfasaer geht dabei von der Jcriti- 
icben Behandlung eitiiger Stellen des PItnius (H. N. XXXVf. 
19. VII. 56.) aiis, und gelangt zu ErgeLnissen , woraut allein 
einioe ratiiselh te Ersctieiiinni' eji an den Uebf rt te. n der an- 
tiken BjukmisL erkla i bar werden, — Die andci e Vorltrsu jig 
fiber die Bauvereine des Alterthums gewiihit ein nocU 
ailgeiiieineres Tnteres^e, und erg.Mnr.t rHckwaits die iol^en- 
reicljen Uuttr^ ucb n ni^eri , die iiei i Dr. S u J p i z Roisseree 
Tieulicb fiber die Bauvereine des Mittelalters in dem ersteii 
Bdnde Seined unsterblichen Domwerks angestellt hat. Auf 
dem Wege jener Uiitersuchting liegen aber gleich vorn herein 
tliezumTheil hdchst dunkeln my tbiftchen^agen von den Tei- 
chinen, Kabiren, Korybanten, Cydopen, FeJasgern, Tyrrbe« 
i^ern, tyrsenischen Felasgern , und es gereicbt gewifs der 
3ache zum grdfsesten Vortbeile , dais bier einm^l ein tbeore.* 
tiscb und prakrisch bewfihrter Kenner df^r Arcbitektur diese 
GegenstSnde mit der Fackel der Kritik beleucbtet. Da der 
Vorbericbt (S. XXy.) uns die ang^ni^bme Hoffiiung gibt, der 
I Verfaiser virerde diese und andfsra seiner AbbandKmpen zn 
, «in^Qi grdfseren Werke umarbeite'n , so wird derselbe nun 
ohne Zweifel in den neueren^ UntersOchungen von Wetcker, 
I RaouURocbette und Andern mannicbf^ltigen Anlafs eu neueu 
und eirwdnscbten ErOrterungen finden. — Die Vorlesungj 
! Apel las und A nt i p h i 1 n s von Herrn Prof. To 1 k e ii in Ber- 
I )in, die sich an die Klcnxischen anreibt^ ist , vvie aucb der 
Rerausgeber im Yuibericht (pag. XXV L) bemerkt, ein will- . 
koinmener Beitrag r.urKritik der Gri^-clii ?»clien Ku nstgeschicbte, 
Esistwolii k< inem kritischen Geschichtsforscber unbekannt^ 
dafs die Geschichte der alten Kunst von den alten B i ichl- 
trstattern selbst mit manchen Fabeln verbraint uns iiberliefeit 
worden , und Sichtung tDut bier vor Allern Noth. Wardi« 
S'lng der GewabrsmSnner, wie bier des Ltuclan, mufs die 
Grundlage bilden« Obne diese Bemerkung auf die TdlkenV ' 
sche Erdrterung attwendeti zu wollen , mufs Jleferent doch 
i^tkennen, cjafs neueflicb aucb bierin GrundsStze bie und da 
adoptirt vvorden sindf die zu einer Alles bezvireifelnden Skepsts* 
^ilbren mdcbteq. Cr mocbre selbst nicbt alle Ansicbten dea 
wftrdigeii Herausgebera (p. XXVL) au' den seinigon niachen» 
^ Vnter dar Rubrik ArcbHologiscba Baitrfige folgen 



Digitized by Go -v,i^ 



78 Amalihcft ron BSttieerj- 

nun Euvorderst drei sehr gehaitreiche vom TTeraiisgel^er selbst^ 
I. Ueber die soi^piiaunten Karyatiden am Pandro- 
« f II m in A t h e I) n n d ii b e r den iVl i Is I> r a u c l» d e r B e- 
nennungi Karyatident If. Zw^iantike Silenus* 
la nip en. Nehst einem sp.i'teren ZuBjitz. (Hi«rzu die 
Kupterui'el Vlf.} IIU AFrikanisclie Aniilopen au'f 
alten Denkmalen. Nehst Auszug eines Briefes 
von Prof. Licbtetistein in Berlin. Von E. A. B o t» 
tiger. Aufserd«ni eiitbfilt dieselbe. Abthttilung dieses Band«s 
IV. r^ortsetsung der Be me.r k an gen ^Uii er a^t ik.e 
Den km ale von Marmor tincf Rrz in der ^forenti- 
niftcben Galerie ( bis zu r CLL Kupfertafel der' Galeriii di 
Firenze), voin H ofra tb Hei n ricb iVIey er inWeiman 
Die erste Abbandlu ng von Herrn Hofratb Bdttiger erdffnerf 
•ebr uhterbaltende Nacbricbten von den geretteteii Ban - and 
Sculptiirvrerken aiif der Burg zu Athen, von d^r maleriscben 
Wirlfung, die diesell)en noch jetz,t auf deii Bcschauer inachen, 
und votj dein Scliicksal lueliierer jener SOgenannten Kaiyati- 
den , wohei dt-mi anch das jetzt al!geint-in Jiekanute; „(^)uod 
non fect^rant Gothi, fecerunt Scoticc vorkomint. Nur dafs 
jetzt mancliein Leser dagegen einfallt-n wird : (Jtiid vero id- 
cient Tlji cae ? nMtiilicli wenn sie Athens wieder Mcister wer- 
den solJtfn ( was Gott verluU«) , und vj^enn sie niclit alle so 
sind) wiedffrEine, von dem hier geschrieben steht. — Aber 
ebeii weil ea gescbfiieb^n st^^ht , bebt sicb leider das ietztere 
wenn von seTber auf. Die Untersncbung .selbst w(irdi»t miC 
Kfcht die von Lessing scbon angezweifeke uiiihrcbenbahe Cr» 
zSiilnng yon dan geFangenen Rarerinnen^ und fiibrt zu dein 
klaren Erg^bnils: Ers^sind Kanepboren. Den Gang did« 
ser mil eben so vie] Scbarfsinn a)s fiele^enbdtt dttrchgt-Ulbrten 
K'rdrteriTng kon'nen einsiebtige Leser scbon aus folgenden we* 
nigen Worten Vermutben : „£s isc aus der Hauptstelle beiiit 
Fausanias (IfT. ]0. 8*) tur GenQge bekanntf dafs die La* 
t'ed 8 m o ntscb e n. J u ngf ra uen threr gro'fsen Licht- 
uTnd Naturgdttin^ der lUf.Doriscben jSgerin 
u m g estal t eten A'rtemlsf au KilryS alljSbrlich 
einmal den alten asiatiscbeh Ui^rodulentanz in 
einen elgenthumlichen Nationaltanz umgestal- 
t e t a u f z u f iUi r e n p fl eg t e n. In dem spiiteren Na ch- 
trag z II in obi gen Aufsatze gebt der Heransgeber von 
einer durch den gelefirten fTHrrn M fine eke in Danzig treH"- 
licb bebandelten Ste]le des ELi} horion (Fragm. XLII. ^^ActXo- 
Ka//e/fir/ A'jfjtarva/;) aus, zel^t , wie dieser Gelehrte in Bctretf 

jenar M<idcbeoitatuea au Atben mic ibm aelbex £kbateinstifl[ia&# 



Digitizedby Go ^s'^ 



(„Bei dieser Veranlassimg eriieljt aucli er — IVTelnecke — • di« 
voliwicbtigsten Ziveifcl ge^^^'n den allgemein angt'iiommenen 
Sprachnelu a iicli , die filimten Kjufphoren am Pandi oseMtm 
in del Akropolis Karvatiden zu nennen, mit der feiiien iiu- 
meikiing, dais die gauze Tracht und Gt-Staltung dieser iinv^r- 
gleichlichen wei hliclien Figiireii ganz dem attischfiij aher nicht 
dem doriscben Costume eijtsprechen **) ^ und fiigt t^ine R«rihe 
gelehrterBemerkungen tiber diesen unci verwandte Ge&«nAtfinde 
hiri2u. — Im folgenden Am^satzet die Silenusiainpeh^ 
£wei antiko fi ronzen (wohei eine KupFertafel) , hringt 
der Herausge&er auf die lehi reichste imd anziehendste Weise 
mehrere Gegenstande zur 6pracbe, z. B. die Tecbnologie und 
den Kunsthandel der Al(en (\vobei der Wunscb eines Werks 
Abet diesen Gegenatahd gettufsert Virird)^ die den Alten he* 
kannten BeJeucbtungsarten oiit Vergleicbu ng der neueren^ die 
hkthfgti io verscbieden nacb Material f noch viel verscbiede^. 
n«r und mannicbfalttger in den Forineti ^ ^ mit einem Blick auf 
die darftber vorbafid«nen Werke and mit dem VVunache eines 
iieuen ) geli6rig gesicfateten und geordnet^ (fine anttke 
LycbnoJogie inoclite ich sie nennen), und kritisch • piiii* 
fologisch'^ Bcriuerkuugen tther die Namen der Beleuchtungs- 
gefalse bei den Alten, ul)tfr die anllke Behandlnngs- und Be- 
wahrungs w eise des Weines und andtM ei FlOssigkeiten ii. s. w. 
In flerii Z II s a t Z Werd'en (iher die Doppcl nat (ir def Silenns- 
nsvlhe VV in ke gt^gehen , iilit-r die lioch eruste und hiiiwie'ltr 
uber die scherzhaite Seite uieses Mytlius. ^All^'in" (lifilst es 
p. l83 f.) ^so wie er ((lieser Alytbus) von Phiygien und Ly- 
aidienbery wober die orgiastisch^ Dionysoai^^eier nach Thra^ 
n^ien lind ilher die Inteln nach Bootien boinmt, ist aucb der 
sSwreiten Darsteliungi der Triiik- und Genufslust^ die erste 
vAnregung geceben. Als PUdagog (er War ja im Sinne der 
»e}ng»:liornen Griechen ein Bdrhar) dt^s Bacchus auF d^m fabeU 
nbatten vorderasiatiscben Nysa^ als Feldherr bei seinem Zug 
a»ns€b Indian (eigentlich umgekebrt Von Indien 
»ber, von Rinterasien nacb Vorderaaien und 
nKleinasien), tritt er suerat auF, ujid dies wird der Ver«> 
»«inigtmg8punkt beider Voratellungen, Nup gibt.es in der 
i>DicbtuiYg sowobi.als in der bildenden Kunst keine Lillcber«» 
• «lichkeit , keinen Mutbwillen, der nicht mit dem alten Tran« 
\»kenbo1de getri^^en wOrde. Hiehei nun nocb eine, nach 
del VerFassers Meinimg nucb nicht gelcisere Aufgabe: „0h In 
df'm asiatiscb - plnygiscben Silenus- und Marsiasuiy tb us nuch 
*chon ein Keim von der Jacbei licbeai Darstelliing , vvio sie 
^er lebenslustige Hellene auf^riffy aicbtr nacbauweiien Utg 



Digitizedby Go 



80 



Analthea Ton Buuig^r. 



,Wob<i die Zeic genau angegeben werden mtlS$t9^ wo.dieaitea 
CithyrambenaSnger und Lyriker flberhaupt den St]en aii ttntt 
acherzbaf(en Maake untbildeten.c^ — So weit der Vcfrfilssen 
.Die Fr age i^ach dem Mkomiacben Keiin*' dea Silenenmy* 
tbua beantwort^t aicb^ nitiinea Eracbtens, einem Jed«n. von 
aelbst, der zum Grundgedankeii der ganzen Dlonysischen B.e« 
ligion hinduicbgedrungen *). War nSmlich Dionysos dia 
v<^il>-ui pel le ^e-staltenreiche Natnr , die hunte Sinnenwelt | so 
war (laiiiit ursprilnglich uiui uolhwendig der pliysiscbe Ge- 
g e n s a t z selber ge^ehen, und mit deia Gegensatz die hervoi- 
treteiide Dichotomie des gottlich- und heroisch - Tiagiscben 
und des menscblich- und hallitlueriscb -» Komisclien ; ist ferner 
Silen, wie er ist, niclits anders als der Bildungstrieb dt^s 
5toifes in nocb unvdllendetam Bestrebeiiy eine sclione Stnneii« 
wc'Ic hervorzubringen , so mula das Ungeschlachte im biaarren- 
^ Lieln mic dein Gci)ildeten, das Hal'sliche iin widersprecben- 
den Bunde mit dem Schont- n , daa Geiatreicb«; mit dem Geist-. 
los«fn und Dumpfen des Silenus ursprttnglicber BegrifF und 
.aein eigenstea Weaen seyn, und.iiicbt etwa erst der aaiatiscb* 
pbrygiacb« Silenua, aond«rn der oberasiatiscbe , ja der 
Silen von Anbegiim und flberbaupt mufste gerade den pby- 
siscben Gegen^atz unter der ^orm dea plumpen' 
unil zugleicli geistreichen Dionysuseiziebers 
aussprecbei) ; er muistc tnit eineui VV^oi te aladei aiCcalu £irou 
der Welt auftreten. 

I 

Docb nicbt um rlieser mystischen Gefianken willen babci 
xcb jene allgemeinen Siitze des Verfasstrs hervorgeboben und 
beleucbtet, sondern um dainit eini^e kritiscba Beinerkungen 
fiber die im Aufsatz,ae]bst aufgenteJlte Erklllrung der beideni 
bronaenen Silenslampen vorzubereiten ^ besondera der eineii) 
worauf p» eigentlicb anlidmint* ' I 



*) Welches aber ▼ernUiiftiger Weise bei chri'tHcheiT Gelahrten oi^ht! 
heifst ; dei; aa diese heidnitohe Religion glaubt* 

' ' . - ' 

(Dar BBsehluJs folgu) ' i 



Digitized by Google ' 



Jahrbilcher der Literatur* 



Amaitbea v<ia E. A; Bottiger; 



tt^teii wir d«n beredUh Au^deuter selbst: 
frandsats (p* 172 f.) der antikeii Kuhsti datf GemeinhQtsHcfae 
b'eengandeii KreUe dei Bedflrfriittet eu ehtitehttfi^n j uifd 

ilurch veredelndere Gestdltung zu einem wahreh Kunst'wetke 
' in stei^ern. So tiitt auch iin vorliegenden Falle die Lampe 
iii em hlolses Nutzgerflth vdllig zurrtck. Sie witd zU 
<^ineiTi alten, aber ndcli immer lUu&keHesteri 
Glatzkopf mitvorragenderStim lind aufgesttllp- 
\ ter Nase, m'lt einem \'V'' drtfe, zit jienein steti dur- 
Uigen^ steis bezechten Gefahrcen und Pflege- 
Vatet des Bacchus, zu eineni leibhaften Silen; 
I £r ruht auSy oder hat sich vielmehr niedergekauert, lind hale 
Ti!in die zwiichen seinen Scbenkeln hisrvOrtrekende Lampe mit 
Hind en uhd Fbfsen fest umklaminert; Sein halhgedfi^netdt,* 
lecbzender Muiid ruht auf der Gefftiung in der Mitte derl»aiit« 
(e, wb mail fla^ Oel elnn 

Idireibuh^ de^ Lampe. Nud die ^rkUriidg. (p. 173.) t » Abetf 
was hat denri taiiri dieaer khb Zthhdr mit der Oel " Lampd «tf 
^ufa$ Will ervlemifcht, jeh8 Ratteri dder MAutfe; die 

wir all irerrufefte Oel«Nflscher, scherzhaft auf mehrei'eh ilUetl 
lieucbteni und Liaiiiperi deni Oel i«achst<^]ien sehen ^ das Oel 
iulschlurferi ? Warum nicbtl Wiisen wir doch; dafi be- 
Jonders in Italien uhd Spanien, wo das Oel tiberall die Stella 
der Butter vertfittj ausgelernte Trinker, v^eriri sie berauscht 
tind, diirch eineri Schluck Gel die Ounste des Rausches nie- 
derzuschlagen sucberi, Ailein mein antiquairischet Gevirisseii 
gestattfet mi^ nicht j riiich mh dieser ErklMtiing zii begrittgen; 
jm iie gahz befriedlgend iu. ^ebeii, nttissen erat elhige JVlit-* 
•^Iglieder dazu gefunden Werden. S^kns unzeftfennliaier Ge* 
iifte ift der gefilllte NVeintchlafuth. . Und den Msi der Alte^ 
weaii^r eindbal abgezapfritt^ tachttg autlauleifi., Dieai Ide< 

^•hrg. i, Hc«; ft 



tt 




Digitized by Google 



03 ' * ' « AmaliUca ?oa jBJiiiger. t ' • * 

ergriiF die Plastik der Alten. Bacchus Aelbst vermShlte Mcb 
ja im ganzen Alterthum niit den Brunnennympben (d. b« man ' 
trank den Wein nur mit Wasser gemiscbt.). So rijefeii 
such dia hildenden Kans tl er wo sie F'ontai- 

nen scbuien, Springquellen aiis K'dliren her- 
ypjlaufen liefsen, 4asBild'des Silenus suHolfe. 
Die Springbruntienmdndung wurde sur MlQndung eines 
Schlaucbs , der vom beistebenden Silen in allerlei koinucbett 
Stellungen gedrdckt ttatt der sQfsen Baccbusgabe J^lare Nym- 
pliengabe berv6rscb^uiTien ISlst, wohl immer eine verdriefs- 
liche Verwfcchseliing fiir jeden , der mit Hoi az zur frabea 
Stuiide dem Wassei ti i iikeji alles Bose Jiacbsagt, Solcbu 
Brimnenfiguren mit auslaufendein Schlaucbe' 
heiisen daher im Alterthuni vofzugsweise Si-; 
lene, oder nach der doriscben Aus.spraclie Si- 
laoe.«< — (P* f.) i»t)ie Vei gleichung mehrerer 
LronaenenLampen — setzt die stu.fenweiseFort- 
bij d ang dea S i le n u ^ , der dieg«schn^be]teLanipe 
zwiscben den Fttfsen hat, aufser alt eh Zweifel^ 
So hat i\n bildendejp yklterthum jede Idee, in Bildwerken aus« 
gepr^gt , ihf^eti S^ainmhaum I — . £*benda«e]hst in der Note ; 
a^Jedea aaagefahrte^ Kunatwer Jt er hi'el t n'u bei 
der unglaublichen Bi]derlust und Freude an VeryieUtfltigung ^ 
auch eine verkleinerte^ abgekUrate Form; wir 
nijSchten es Kunstabbreviatur nennen* So' scbeint es 
nicht unwahrscbeinlich , dafs eine grofse Zabl nocli 
VorhandenerLiaiiipen in gehraniiLei Krde, wo das 
ganze Lampchen einen Silen uskopf darstellt^' 
dessen vveit gedffneter M u n d die JL a m p e n d i 1 1 e; 
bildet^ die Oeflnung zum O e 1 e i n t r Sui'e 1 n a her 
eben auf der Glatze angebracbt ist — auf dieae; 
W e i s e e n t s t a n d. " ^ ^ 

Difl^ wird gendgeni um dem Leser die Ausdefituiig des| 
^Yetfaaaera unfl dea Qang , den er daliei ^lenoipnien , deutlichj 
zu machen. Es ist unmdglichf mit grofserer Gelehraamkeit 
(woyon m den sahi^'eicben Noten die reifstexi Frdchte aufge-j 
hftuft aind}| otit tt^iperedi Witae und^ mit glQcklicfaerer Com* ; 
binatiqnsga^.e eine Sacbe zu fCkV^^f fl* ArcLsblo^ 
die aeinige aiich bl^er wieder gjBfbbr.t bi|t.^. Auch ist es gew iis 
eine waoria Benierknngv dale im bildenden , ATteftbum, jede^ 
(zumal 9 mdchte ich beifilgen, eine so p ft ausgeprSgte) Idee,, 
in Bildwerktn ausgept ii^t , ihren Staiiimbaum hat. Aher solltej 
diese Idee wohl die sen Stanitnljaum LaLtiii ? und sollte diese 
Deduction wo^^l nicht eine su kilnstliche seyn? Das Alter- 



Digitized by Google 



Am^UIiM Ton ^d'tifger 



thum ist, wie allei wai ts , so auch in dei EilJnerei tiefsmm'gf 
|;cistieichj alier auch eznfach. Hier aher werden einige 
iiifistliclie Alii te]i»lieder ein^jeiiijit , um die Genealoiiie zu vt r- 
Linden, GJieiier , von denen nictit Levviesen vvorden, dais sie 
oruanisch in diese Familic ^'ehorcn. Zuvoiderst ist icrie an- 
geuomnieae A h I) r e v i a t u r unwahrscheinlich. Bei weitein 
die grofseste Anzahl (nicht bios eine groise Anzabl) dieser 
Lampen sind hlofse Silenuskopfe, audi Lionzene. In 
einer Heidelberger kleinen Sammlung befiiidet sich eine solcbe 
aus dem Museum Nani. Und ist dies iiicbt das Einfacbste ? 
Fabrto nicht schon die durch den Zweick gehotetie Lampen* 
form darauf? Das £iafacbere pflegt aber dem Combinirtefi, 
dem ZusammengeSetztQiii wie die vdtn YerFasser beschrlelje. 
Iieii5il«nuslainpen sind^ vdrauszugehen ; nicht niiigekehrt ifam 
£u folg€in. — Sod an n raufs Weinschlauch sur V^rmitte* 
lung dienen^ um den Silen an Brunn(»n und all Xiampen erklftr* 
i»ar 8u macben. Scharfsinnig in der Ttiat^ und ich will sfi 
lueh Jieber A n d e r e fi anbeimstellen f oh sie jetxt noch den 
?isconti oiit seinen Fontonniers ^ utriculariis ; vrorabtot 
Schwartz scbon ifi den Miscellanei^ pdhtiorU humanttatis leh^ 
Tieles gesanimelt hat) in Schutz nehmen wollert, — Aber 
wie nun, %Tenn ein alJgemeiner pliysischer BegrifF, eine ganz 
natiii lichtJ mid nothwendige Sache uns fiir den iji unnen - 5ilen 
von selber eine Erkliirung bote, ohne dais wir erst nach dem 
Weinschlaiiche j der hier i>ogar zu einem Yexir vverkzeuge wird, 
die ETande aiiszus trecken InaLuliten — - eine ErklSrung, die . 
ebea so njht^ und auf demse]i)en Grand und Boden anzutreiFen 
Ware, wo die j e t z t allgeinein hekannte und allgemein ange- 
nommene Antwort auf die Frage gefunden wird: warum die 
Brunneniobren und die Dachrinnen seit den Sltesten Zeiten 
hii auf den heutigen Tag so bduiig Ldwenkdpfa habaii? -* 
eiae ErklSrung endlich, dia^ was der Verfasser So gescllickt . 
mit dem WeinscMauCh zu erreichen wufste, ilberfieideSi 
uber den Brunhen« wie fiber den Lampen - Silen ^ Aufscbluft 
gilbe. Ja nicht fiber Beides bloiif sondern noch Uber ein 
Drift es^ welches der amsichtine und gelehrte Verfasser bei 
•sioer Deduction ganz aufser Acnt gelassen, ii8mlichy da fa 
ss nocb eiheGattung von SilenslAidpen gegeb^n^ 
solche f die iiicbttf von Silen selber ani sicb tirugen , Sondetn 
deo Kopf deS ibirf bestSndig dienstbaren, getreuen £se]s: Sre 
loinnit in den* calendariscberi Monument der Villa Borghese, 
^0. 89. vor, und Jeder kann sie jetzt in seinem Millin (Ga» 
lerie ATythol. I. pi. LXXIX. no. 33l.) finden. Gegen den 
^lleiiidiisigen YerSucb^ aucLr diese 6tlenische Li.impe durch 

6* 



Digitized by G 



84 Aniiltlife von Botu'gtr. 

den Mittelbe^riff des Scblauclis erkJiiren eu wollen , wiirde 
der einsichtif^e Veifasser selbst sich gewiis durch die Einrede 
Verwahien : das beiise ja am £nde den Scblauch zura Ti3ger 
des niacben, Welches in die Verkelirte Welt, nicbt in 

die alte gebdre. Ebert deswegen nmls icb aber nocb eineo 
Punkt heiiihreti^ der eiiieh andern Sileniscben Mytbus an* 
gebt| und dessen der Verfasler nicbt su ged«nken brauchte* 
Der Satz: Silen ist des Dionysus PflegeVater ist ein ein- 
facher pbysiscberSatz, und entb^lt eine ganz riatfirliche Wabr* 

dieae; Lticbt^ W^rme und Nafs sind die notbwendigen ' 
Bedingungen zum Gedeiben des Weinstocks utid 2Ur Zeitigung 
des Weines. Der Sat^ bat aber aucb in einedi all^emeineren 
Sinne seinfe WabrbeitS Lichty Wftrme und Feucbtigkeh sind 
Hotbwendige'Bedingnngert alles na^rlicben Lebens « und diese 
scbdtiis Natut in Ibrer uppigen Ffilie ist <»^st durcb jene £le- 
mente geWbtdeli | Hvas sis Ist. Jene filementarstoffe und KtrSfte 
selber sind hoch nicbt die scbone^ wbblgedrdnete , Dionyst- 
scbe NatUtWelt sohdern sie sind Materialien und Anregun* 
gen dazu. Darum stebet cici sellit^r umgestaltcti^ Silt^iius dtin 
Dionysius voi ) leitet und liihlet ihn. JDai uin singt aiicb Si- 
jen 80 gern von der hatiit'licben Dinge Ursprung 
und wie sie allmkbligGestaltung gewonnen (Vii- 

fil. Eclog, VI» 3l ff.). Dieles vorausgesetzt und niit Beiie** 
ung anf die obigen Andeutnngen, ist nur Wehlges vort No- 
tben , um Z\i zeigen, wie Silen niit Wasiern lind Brunnen , 
init i-iicbt und Lampen in Verbindung gesetzt Wird. ZuVor- 
dersfc beil'st er ja selbst einerNympbe Sobtt (TbeOpoitip. 
ap. Aelian« V. H. lll« l8.)t und Was seine Verbindung mit 
Quellen und BScben tiocb nftbet beurkundet^ pI* wild Getoiabi 
der Najade (N^cilos ^kqiVo^^ Findalr. ap. Fausaii. Ill, 16. Fragmln. 
itocert. no. genannt. Beilfiufig bemerkt^ Wenn unset ge« 
lebrter Verfasser an deti Tropus erinnert / Bacchus Wi'rdt 
tnie den NympHen vetmfcblti So gehdrt dleit in eiue 
andere Ideenreihe^ die den Sileh unoiittelbat nitbts Angebt» 
wie inati scbon aus deir andeirn Formel siebtl deti raselndeti 
6ott durcb eldeti andern hdclitettieii liiit Gewalt 
jiur Besintiung bringen (flatd de Legg. VI. pag '773. 
p. 454. Bekket*. lind flutarcb. dn setii get*, respubb p. 793. B.); 
Iriiei sdll der We in durcb Wasser gebSndigt werden ^ aber 
Silen ist deswegen Hausberr der Wassernymphe und Nym- 
pbensohn , dajnit Wein vvacbseii koiiiie, Mit ein em 
Worte , sell oil kosmogonisch gebSrt Silen us deni Wasser- 
reicbe an, und das Gede beit der ganzen Vegetation ist an 
ieine feucbte Natur geknilpft* Darum bringt d«t Mytbus dj« 



Digitized by Go ^v,.^ 



AnuliLca T04 Bouig«r| * 8S 

Silene mit Foieidon in Verbindi^ngt . iiqd giebt ibnen den 
Scbvreifdee Neptum^en f bieree, dea Fferdei (Gerbard de^ 
dio Fauoo pag. 15.). — Und wo ^ndep wir den Silen^ wenn 
iba die Leute fangepi damft er ^e natQrlicben D^nge erkl|;i 
tea loll? yueljen, wie s. ^. 4^rt in Tbn|cien ^n dep 

nit Wein yermitqbt&n Quelle Inna (]^ion et Tbeoppmp, ap^ 
Athen. £p. II. 60« i>9 s^Uen'Naturgarten, 1^0 ii| 

tippigster Vegetatlqn l^oseii blflbeten^ Ulid die VYaftferquelleii 
Wein mit ficb FQbrten, ({. b. >yo die gebdrige peitcb^igkeit 
den VYeinstock n^hrte und gedeihen macbte, — Auf die^en^ 
Wege mufste Siltinus wohl gana natt^ilicb aquile^, a^um 
Wasserleiter und Brunnenmcister werden. Die KQnstler em^ 
pfingen ibn als solchen schon vom Mythus und vo\\ der VqlksT 
legende. Was sie nun aus ihm machten , waf ibre Sache, 
war Sache der freien Kunst, die eben, weil ^ie frei und vyeil 
sie Kunst ist» "Ut den empt^ngenen Gedanken genialiscb spie^ 
len darf; und so mag auch niancher spiite^e Kiinsller das V'exir^ 
spiel mit dem WeiQacblauch, der Waater giebt, bipterber 
sic)i erlaubt baben« — - Aber andenBrnnnen ist Silenus nicblj 
. vqm Scblaucbdi S9o4«r^ YQH dfri^neite x^i Y«« W«<li 

wie aber jiommt f^um L( jcht i^nd I9vl^aiqpe) Hie^ 
Vill icb daa £ntferntere zur Seite laaaenj wie ^w»B. dafs e^ de^ 
Uranqt,^d«s ApollQ, dea Fun Sohn geni^iint wtrd, d«(i|e^ n^it 
dlat'Olympua in Yefbindang ateht^ dafii pt a\it F^Ufiui ver^ 
Vvid^selt ward (Gerhard ai a. Q. p. 9 f.) > mit einem WqcIOa 
dafper mit bimmliachen lyiUchten und mtt J^icbtg^ttern. 
verwai\dt iat. Folgendet Ijegt ^cbon qSber, dafi er f ba^ton^ 
Qastj^rd beif^t (Mattb. Gefner de Sifenis p. 14 f.), wodurqb 
er i|a)b und balb einem Enkel des Sqnnengottes oder 
^hiieines PJaiietengottes wird* flaneten - undSternen-t 
fitter greifen durch die Sileniscb-Bacchisch^ 
abej durcb, Oer alte LaconischoLandesberos und Monds- 
dieper Astrobacus CAcr^^o/SiiKe?) ist eine^ aus dieser Sippscbaft 
— und vyie er Bacchus beifsti so bat er aucb dea Siienseselj 
«nd.Fahel und Name gesellen ihn deq Sternen »u (Symholil^ 
^^1* p< 210 f. not, 155.). Silen aber, das ist ein HauptsatZu 
^uscht yon Bac^bus den Namen eiq, und beiftt- fdber Bacn* 
chui (Gesner H. a» O. p. 14 f, Man f. jeta( nqcb djlt^ Etymolo- 
gicon Gudlanum p, 497, 1. 37, 3^.)i Er U% der ulte Qaccbun 
derlfrstoffe, dfr i|icb iiH bjabeqd aeb^qep Dlonyspt verj^^^ 

Ki vrird. So wie dieser abey feit|f eigene ^radplicbl^^H erv 
gt iipd >R Min^f Cfestaltung ^pUendef ittf tritt jje^^f t . 
tite mt(ii|eat||lteU| til G^genvtli ib« gegenftbert Je«W 



Digitized by Go. -^1^ 



fi& Amalthea ron BSttiger^ ' 

Stern- und EtelsdSmpn (nnd die aselli standen als StertibiH, 
• am Himmel) war nun in dem dorischen Mondsdien^t e|n wacW 
aanier Hausgenius , tind mi#detn Hausfeuer in eina natfirliche 

Verbindung geset«t. Es h^t keinen andern Sinn , wenn in 
eiuera Mytlms der Silenusesel die Ehre der Vesta rettet (Sym- 
bolik II. p. 634')' schicke dies deswegt n voraus, weil 

aich allein daraus etwas erklart, was aus des Veitassers Stand- 
punkt unerklart bieilit : warum die Hauslampen auch 
die Silenische Zuthat der Eselskopfe (wie die An- 
tikensaramlungen beweisen) an aicb tragen (Symbol. HI. 
p. 211. not, 166,), Aber diirch seine Glatze wird Silen dem 
Xiicht« und Lampenscbein noch flhnlichery als durcb seine Her-. 
kunft und durcb das ibn tragende aatronomische Tbier, £r 
ist ja der 'Ahnberr aller Glatakdpfe (er i|t der (;>aAaK^^$ oder , 
.was dasselbe ist, der <i)jAavj^es vioraugsweise), und der kable 
Socrates ward ja mic ibm nur verelichen. "SA^tikt^U wm 
(sagt 7orpIiyr. ^etm Etisebius P. £. III. 10. iron unserm Silen) 

Siiin'bilder der liimmelshewegiuig sind die Blumenliebe und 
das Glanzende seines Hauptes. (Btsser liest man vvobl rl fxtu 
(t)aAawSov H. r- A. »das Kable, Blanke und Glanzende s. H.«*- 
Das Wort gebSrt zu den vielen Ahkdmmlingen von (paw, ^al- 
vco , laceof wovon dann zunMchst q^aX*;, (pu)^ic; und selhst ^xXav 
5o5, d i. Aa/xx;J?, Afiuv.oV* glS n ze n d, w e i I s , ii nd das adjecti- 
vische ^aXyj^,tw<ra d. i. Awvtiy'. Daber aucb da^ vom PJato ange- 
zeigte Komikcbe im Anf'ang des Gastmabls ^ <paX%^sv; in deift 
Wort spiel mit Kablkopf ausucben ist. Daber aucb (paXav^^^o^ 
Vpm Enstatbius in Iliad, y, p. 424. erklart wird; 0 Ka^a(pafmgp 
ijTot XofMx^if wer einen blank en ScheiteJ hat. Daber auch ein 
Alter 9 yj^uivf heim Diogenes, La9rt« VIL 160. durcb (pa'Aavdo; 
J>e8eichnet wird;. s. Menage daselbst.) Wie voIksmSrs.ig und 
Wil^alt ^lese 3«?2^cbnungsart Bei den Griecben wart beweiat 
unwiderspr^cblicb die S^ttrede auf den kablkfipfigen Ulysses^ 
der uncd kannt in, seihem Hause den Lampenbesorger macbt. 
wo fiarymachus sagt (Odyss. XVUf. 354 f.l, von dessenKopf 
Scbeine ^in Glauz wie vou ciaer I'ackej auszugeben, Weil er 
gar keine Haare mehr hal)e ( — daiSwv aiXa; l)xixvjat avrcv vtai 
vB(pa>.-^(; K. r. A.)« welcher Stelle Synesins in der Liobrede 

cut die Kahlkopfigkeit den besten Coiumentar liefcrt. Dici 
Kahlkopfe, sagt er (p. 74. ed.Petay.), nenne man lieblich mil- 
der nd Monde ben (<r«Aijv/a), und wirklich seyen die Glatzeii 
<iem lyionde und des Monde^ Pbasc^p nicbt Idas gleicbnamig^ 
sondern auch gleicbgesta|.cig, denn yom Sicbelformigen durch 
ajle yerjindarung^en his aur runden Ikilopdasckeibe kdniie 



Digitized by Google 



die ?«ncbledenen Vi«rtd auf den Scheitein decKabUdpfe nacb? 
#eUeo. Die ab'er sum voUen Gldcke Gelangten , nUoilich flia 
^ans yoUmond ige kdniie min mill' volkm Reclite h^reitl 
6onnen nennen, weil sie nicbt meb'r zu verscbiedeifien Pbaaeii 
fibergehen^ aondern non' Kbon WstSndi'g mit vollkoaiin^nea^ 
2irk«]runde dea Himmelflkdrpern entgcgeiistrablen (dA^ ^ara* 

koiDtnt er auf die Stelle der Ody^see su aprecbtfiif wia doirt 

iie jangen i eichlj( lockten Freier den kablen Lampenbeaorgeif 

sseus (^kabl tiatte ihn durcli ihre Verwandlung Minerva ge* 
Biacht: Odyss. XIII. '431.) erinnerten, er kuiine sich diese 
-Mahe ersparen, wei! seiu k.iblea Haupt hinllinoliches Licht iirt 




^11. p. 167.) angedeiitel:. 

Ich wen^e mtch wl«der sum Silenischen Lampenbaltei: 
uniLabpeniL^rper , undaagenuna dieter fabl« und ka hi k5pfige 
($^axp9;* (t>aX4v50O Silentia iat mcljts anderea dla der pballeni* 
tebeDionysos, Oder jener alt e Bacchul^ voii doin wir bei'in 
huianiaa (X. 19- 2.) und bei*m Qenomaus (ap« Euaab. P. £. V. 
36. pag. 233/ ed. Colon,) leaen. Dia Metbymiiaer auf Leaboa 
bekonunen ein Orakel, ale aolUn 'dan Fballentacben Dlonysust 
bpfverebren' {(paXX>jviv niJjZfrt Aioiivrof^ hJ^^jjvcv) j wqfflr Pauaai« 
niaa den Kof f • Dionyaua (Ai/vuo-^v k%^u,\\r'a) nennt^ Scbon 
diVse letatere Bezeicbnung hStte die Altertbumaforacber WdX^ 
''^sollen, der ahgeschmackten VorstelUing del Tbaqdorefua 
(wiecc. Alltct. Cuiait. X. l4t.) keiii Gehor au ^^htXif der 
kier an den Phallns d(>nkt — eine Miisdeutung , die*acbQn 
Lieue in der Gotlia Nuinaria p. l07 stj. aehr <^\n J/eseitigt hat| 
wenn er gleich clarin irret, daTs er den Mi nti venUopi ai^if deii 
Mflnzen von Methymua fiir jenen Baccliu^kopf niimnt. JLetz- 
t«rer kommt fieilich auf Miinzen dieser Stadt vor, aber auf 
a^^lein ^Eckhel D.N. V. II. p. 502 ). PhaUeniscb heilst 
jWr Bacchuskopf von dem falben (fablen) Scbein des Holzea, 
^oraua er geniacbt war' (der geiaU^iche H i e m e r bat srbon 
in seinem griecbischen W^rtei buch die8ett.WQrtzu8ammenhang 
iwiachen Ff a bl und fahl, Holz und Scbein^ richtig n^cbge^ 
wieaen). Die Fiscber batten namlicb in ibrem NetZiQ a\ia deat 
Maera aineti Kopf von Oelbaumbolz beraufjgezpgen, .£r hS* 
We aicb eiyra^'dam GCIttHchen , doob 7 unleicb batte er etwaa 
^raaid|irtigga iind aq den Hel]e|kiacbeD QQUern nicbt i^^inerk* 
Wa, Aebniicli beifat ea vbm Silenua| ^Et wa^ unanaebn. 
a]s e^n Got^ ypn B^cbaffenlieit , dpct^ betfe^ Itla cm 



Digitized by Go 



1 

iscb** (Tb0opoin|». ap. Aelian. Y. A. III. ig.). DaL^f be^ 
merkt Oenomaus (a, a. O.) ; 95 Die StMdte bringen nicht nwp 

den holzernen Dionysuskopfen (^^a\Xyjvo7g Atowcou ku^^i^*. 
i^Oii), * sondern auch den steinei nen^ ehernen und gol- 
denen Opler und Weihunoren dar.« Jener hoiaei ne aber war 
VOin Oelhanme, wovon die N^hrun^ fur die JLampen kommt. 
^st doch aucli die Guttin d^s Oell)aums dem Liclite liesondera 
Jiold, Sie hatte ja nicht iiuf dem Ulysse^ und Teleinachus vor- 
geleuchtet (Od^&«« XJX. 33, J40« aondern auch auf der Burg 
Sit Atbeo dai c^iyig^e LIcht ( Pausaii. I. 26. 7. Meur^i Ce* 
crop. cap. und daher ist auch das Fallasbild auf Lampei^ 

nicut selteii — yvie apf einer thc^nefnen |n ^iner Ifeidelberger 
SaiPVilung. Aber auch 3accbu$ und Sn«i| sincl d«m Oelbauo| 
und setnem Emeugmts bpid^ und auch ein eherner Silenus* 
xopf iann wohl acbicklicb altLampeng^fftifi da^ Oel aul^ 
ne^inen. Strahlt alsdann die Flamine au| der vorderen Oe£&> 
uung auf ^ qnd; w\ih der fcahle eb^rne Scfaeitel den Schein SU'* 
rilck , dann kann man an Mehreres.denken : an den Phalleni- 
scbtn (hulieriien ^ falbcn) Bacchuskopi von Oelbaum, den das 
IVfee^* aus seineai Grunde den Lesbierp zu^" Verebiimg beraiif- 
gesendet — Mnd barb|iriscb von Anblick und Gestalt war und 
Llieb auch Silenus — an den kablen und schimmernden Schei- 
tel de$ alten Silen, der, Bastard des Phaeton, wie er 
heilst, niit seiner blanken Glatze den Schein der Pianeten in 
deicberem Scliimmer wi^der^trablt ; endlich an den Pflegevater 
les scboneo Dipnysu^ , der tiber Fevicbtigkeit , LicBt vind 
WMnne waltet . und durcb I^afs un^ Licbt daa G^deib^n.^^. 
Z)ionysIscbQn Scbdpfung vorbereitet. * 
So waren alao Ba cchiscb^Sil enische ILdpfe yoa^ 
Hplze de| Odbaums mit den dabei gedacbten nattlrlicben Din* 

Sen mythisch^berliefert| und ea lit nicht unwahrscheinlich , 
•ril ini^n den 6Uen (s:«iA)jv/,') unter ^nde.r|i au^h von ^^)^qi , 
Glanz^ Scbein. > eben dea\^egen (phwohj etymolpgiscb nicht 
richtig: Gesner a. a. O. p, li;) ableitete -rr und so Hegt ea 
yor Augen , wie die KCinstlei dazu kamen, zum Triiger 
d e s Li a ui p e n L) ] s und der L a m p e n f'l a m m e g e r a d e 
das kahle llau|}t eir^e^ barbariscb mifsgestalte^ 
ten alten Silen us zu, wUhlen, Mit dieser Idee und rait ' 
ihi:eni ^ilde war auch gleich aus Einer Wurzel die ernst^ 
bafte und die acherzhafte Anvvendung gewachsen. — -. 
Er nsthaJ^t angesehen, war ein solchei Silenusko^f das strah*' 
]|etMjj| Sternenhaupt des alten gottlichen Bildne^s, dei^ mit ^ei« ' 
nem Xiicht das ^aotische Duukel d^r telluriscben Schopfung 
trleuciitee . und deren DQuate mit aeiner Wfirma niedertchligc 




Digitized by Google 



^ komifch itellte sich der gtatzkcipHge Lampen-Silenus aU 
ein wahres ctXyjvuvf aU ein Mondcheni wie man solclia 
Leute nanut*^, dur , unci init St-iuer liizai tm (j»'}ilcl»t-.loriii war 
er eia Jtictirrlicher INIiiuu* dv.r Inininlistheii ^tci ue. — (jenug^ 
die einbclien Silenisclien L a m p e n k o p I e wart^n ^• vvils die 
iiitfcrfn, Weil die 6 1 1 e n u « «cb e i t e 1 Stilher den er»Un Ge. 
danken an *die Hapd g«?gt*l»fn. Dafg nun rf«?r Witz und dif 
SpieJlust der Kdnatler nicbt dabei atehen Mielien^ aonderti 
4urcb Zutbaten yon Lowenhflnteii uiid Trink^ff^rsen an die 
mythtadie Qeacbicbce des Ilalhgottes und an avina Zecbluat ar* 
innerten , war Raii« ^ieder iin Geiste der regtaioefi und erBn- 
derischen £^inbilaungskrai( darHelleneii gegrUndet. In Betre^ 
de^*der £in^Ur8un^s5^iiijn|z, MenSberteii Mund«a widtfratrebe 
icliiier wtt^igtfR Decitung yom Oeltrinken nicbt , erinnere jeW 
docb an die svyar^artt^e Cabirengeatalt auf dem berahmteni 
pretdoef CandelaberfuU (Anguateuin Ta^. V — VII.) , dia 
iQch den wecbaeind bartigen Mund Ober dem Gefiirsa bSlt; 
and icb atelle es ((em Vetfasser anbeiin , ob dabei nicbt an eiii 
kriftigtfs Haiicben zu denkt^n ist. Silen war wenigittens daa 
Slnnliiid der vom HjucIi und Odem ausgebenden Bewegung 
(ffCf*/i3cAsv Tvgj/Jtar^K^i nr^^'a-iiu; *, Porphyr. ap. Eu&uh. r. E. III. 
110, woljei scbon Casaiiiionus de satyr, potsi p. 62. ed. Hainh» 
das spiiitus intus alit des' Diclitt i s in F.rinnerung hracbte), 
— Wie man aber auch uher die hitr angeden tt-ttn .ill^euK^ine^ 
ren Vorstt J] u ngen vou jenern seltsamen Wt-seii , Silenns ge- 
nannt| denken niag — das bleibt f'erner nun wohl zwfifels- 
frei, ddis es t)ei den S,i 1 e p i ac ll e n Lam pen vor alien Din« 
gen auf den 5 i 1 e n s k o p f , und was die dritte Art deraelbei\ 
BtftrifFt, au4 d^a ibn| dienstbare Tbjer ankomme. 

Docb genug, und vielleicbt su viel Ober diaaa Silenufti 
l3mp(fn« Jci^ mu[$ micb i^tin baj dem Uebrigen, das dleser^ 
niche Band nocb darb^etet^ u.m so kCUser i'dssen, Es folgt 
Muieo^raphie^ und z'war I« (Jeb^r die K(fnigli€ti 
Freusiracl»«ii Denkmitler alter Kuiiat. l^rator 
Nachtrag von Dr. LeyeacTw in Berlin, worm' beaondert 
von den £rwerbMngeii au| den acbStsbaren Sammlancen daa 
Kdnig^l. Freuasischen H^rrn Generala von MinutoTi lehr« 
reicbe Notiaen ^fi^eben vyerden; II, Nachrtthten ttbec 
^inige Antikensamtnlungen in England. Aua den 
Tag e ii a cbern des Prpf. i^. Ottfr. Miiller in Gdt-' 
tin gen. Sodann lAaj^ fAuoKr/vos^ da^Kiiuzchen, der 
IVISusetddter. Eine ZiUgabtu Nebst ein em Umrils 
^^0. VJI, von BSttiger. Man rnuls es einigen geistreicben 

frcu^ei^ dea Y9?f?.Wf * P*ftl^ daft ^t^n^ W« 



Digitized by Go -v,i^ 



9ik AmaltliM TM B$ttige^ 

frOber Raphael Mengs seineii Freutid Wiuckejinann , in eine 
arcliaologuche Versucliung ^efiUirt. rterr Hofrath Botliaer 
hat sicli hinteiher meisterlirtlt .-eiaus:i -/.O'Ten , und riichet 
Sichy w le leiche un<l giofsinOthige IVlanner pflt^gt-n, diirch 
eiiie nicfit kiirglicbe Sp'-nde aus dem Schatze seiner grolsen 
autiquarisclieji Kenntnisse. £b«n deswegen leidet aber auch 
ditifle Abhandluiig, wie dw iiieisten dfS Verl'assers, keinen 
Auszug — und wir' wolIeiVaucb keine Eulen nach Atben tra- 
gen. — Aber diesen Belebningf»n nnch daif man nun nicbt 
itiehr, wenn von A'henischen Bild werken , MOnaen ^ * t^as«n' 
u. S. W. die Ilede isty von einer Pallas • lilule , sondcrn .von 
iem auF der dortigen Burg einbeimiscben Kauscb^n sprechen* 
— Dabei nun noch viel"e andere Aufklflru ngen der antiken 
Zoologie, Xjandwlrtbschafty Tecbnologie, Sculptur und CibVi« 
gen hiidendeii Kfiinste/. ; Bei Gelegenbeit der Dibta auf den 
Atbenifcben MOnzeh werden ancb g«]ebrte ErlSuteriingen (iher 
deii Attischen Oelbau^ aber die verfcbt'edenen Gefaite 'und 
fiber die Salben beret tang der Athener gegeben (wtfrOber, 
au^ser den Genannten, audi Spanheim zum C;illimachu» H. in 
Pallad. vs. 26. und Corsiui in den Fasti Auici I. p.ig. 29 s(£. 
nacbgelesen werden iniissen. Eine Atlienisclie X>jV.uSc;, wor- 
auf eine Salhungsscene, hisber im Besitz rles kii nst vei standi- 
gen Herrn Negocianten J. Da v. Weber in Venedig, welcher 
sie ki'ii/Jicb von Atbt-n erbalten hatte, befindet .sicli jetzt in 
einer HeHltdljei ger Saininlti ng , und es wird gtdrgentlich nahere 
Notiz davon gegeben werden.) DenGedanken at) d'.n Frosch- 
niiluslerkrieg bei der bekannt^n Homers- Apotbeose \ULst Re- 
ferent gern fallen^ kann'aber nicbt, so lange man noch in den 
neuesten Abbildungen, wie bei Hirt, iinter dem Fufascbepel 
keine ScbriftroHti, sondern dai'Qr einen Fr osch* neben' der 
Mans zu sehen bekon^mt. 

Die neutkte Nu miner entbSjl : BeitrSge zu einer kri- 
tischen Gescbicb te "der Griechiscben KOnstlei-y 
in i t besonderer Berficlca ichtjgu n g ' der in ^^r icd« 
X) igl ichen Bi blibtb.eic in Paris befindl icb en'Hand'« 
tcprift der Natu rgescbtc^te des. Flinius; aus 
einem Briefe an den mrausgeber der Amalthea yon Herrn 
Julaiis Sillig (jetzt Professor an der Kreuaschule in Dres* 
den), Der Verfasser ist derselbe, der scbon im vorhergehen- 
den Bdnde einen Beitrag geliclert, und sich aiicb bereits durcb 
eine vv^erthvolle Ausgabe des Catullus (s, Heidelbb. Jabrbb. 
1825, No. 74-) einen Platz unter den Philologen eiworben. 
Die hier gelieiuiten BeitrSge (wodurch auch, gelegentlich 
bemeri^t ^ einige 5teUen der treffiicben £p o cb « n ||f 5 .9 ^ 



Digitized by Go 



Amaltiiea tod Bottiger. 



91 



chiscben Kunst von Tbierich, dritte Abtbeilung , be« 
ricbtigt-werden kdnnen) berechcigeii su grofier Erwartung; 
und wir kdnnen dab(»i unMrn Letern die angenebme Nachricbt 
ertbeilen f dafs wir ntcbt nur die eigtfntiicben &un<tb(lcher 
dei HJiniui in einer neuen kritiaoben Autgabe von dem Ver« 
fetter au erwarten baben, aondern aucbf waa acbon lange ein 
nichtweniger dringendea Beddrfnifs vfBJ^f eine ganslkb uiM^ 

§ead)eiCet0 £dUion d^a Kflna tier var seicbniaaa a von 
ufliti|» Aucb beacbftftigt aicb deradba mit der» aum B«« 
buf einer neuen-Ausgabe veranstalteten , Sammlung der klei4 
nen Schriften-aeinea liebrera and Freiindt^a Bfltltger* — 
Diaunter Nummer X. angebUngte: Arch a o 1 og i ac h e*Cor- 
respondenz mnfs nicht fllr einen gevvo hnltcben Bri'efwetb* 
sel Ulier aicliaolo-^ische Ntiuigkf iten ^enommen werden.' Si«- 
enlhalt euie gi oise Fulle vou xVlittheilungeri ither manchen 
neuciiFiind, aher audi gehaltrt^icbe Erflrteriingen uu<l selbsC 
ileine Ahhaiuilungen — AlJes wieder init gel« hrten Noten 
undZusatzen Hes HerausgHljei s ausgestat tet , Icb inuis micl^. 
daher aut die A u sz<eirbniing von £ i n i g e m Jtesrluiinken : Def 
F u n d i n d e n T r ii m m e r n v o n S e i i n u n t (^in 1 1 fie n Nach- 
richten eines vom Kdnigl. Baieritchea Oherhaurath Herrn 
von Klen.2e su erwartenden wtcbtigen Siciliscben Keise* 
vrerks;; — Auaaug au a einani Brief a ua S toil i en 
(wo die Selinuntiscben Sculpturvrerke den Herauagebar 
8u eiii«;m Zusatz (iber. die Kerkopen veranlassen, woriit 
tach derjenige , der gerade nicbt alle* mytbologischen Ansi 
ten detielben gut beilaen mOcbte^ ihni fOr mannicbfache B»«^ 
lehruna Dank ^laien wird); — ' Nticlirtcb'tan aiift Nea- 
pel ttber die Ausgrabungen in Fompeji und d-ar- 
Aluieo Borbpnico, mit einem (gelehrten) £kourt 
^t Herausgeberi fiber die Mauericbrif t a n bei den 
Griacbeti und Rdmern; CJeber dea Hnupt*; 

ntiiDB Gqfo van Agyafalva neueitfes Werk: Wan* 
dcruTigen durcb fompeji, und einige fTtt-herO- 
W e r k e d 1 e s e r Art; — N a c h r i c li t e ii a u s Horn; 
Brief e des i'lp lessors Eduard Gerhard an den 
Herausgeber (biebei eine Nachschrift des lcti:te- 
ren flber die von den Herren Platner, B u n s e n uiid Ger- 
iiard unteriiommene Bescbreibung der Stadt Rom; 
^ Ueber des Baron Otto von Stackelberg neue-' 
»te U n t e r n e h in u n g en . ( nebst einer dem Referenten be- 
londers wiilkommenen Nachricbt^on den antiquarischen For- 
schungen des Kdnig], Hanndverscben Herrn JLegationaratbt^ 

^eit^er in Aoi^}; AuiiFrankreUk; — AutS^Jigv 



Digitized by G 



94 Am«It&M von BSltiger, 

land (mit kritischen Notizen des gelt^brten Herrn FroFessoji 
Ncihden ilb«r bedeutende antifjuarische Weike der F,ngl3n- 
der , und mit einem willkonrnenen Zusatz des 11 eraus- 
gebers: Ueher Richard Payne Knight); — AuS 
Holland (von Herrn Professor Re uven 8 in L»eyden , iiehst 
eineni Zusatz d«s li e r a u sg &b e r s ; yeb«r die zwei 
archaologischen Museen in Hi^ng uodX^eyden^—- 
IJiehei eine Beiperkung deg Herausgebers : — v^dikU wenigf 
scens aui keiner woblorganigirten Universitjit ein j^brUcb 
wiederkebrender Ciir«us, der ArcbSologie linger vei^iist 
verden soUte"*). Qa«u. aber itt die ZuricbCiiiig uo4 
Auaalatlung ainea eigenen An tiquariu ma^ d, 1|« 

''oinea. jutt .v erain n I i cbwnden Lehrml ttaln veree*^ 
hanen e ig en tbamlichen Hdraaali ehtf.n ap Unar«« 

^lAl^Uob, ein pbyaiacbir^ chemiacber und ana- 
aowiaclk^r Qdrfaal Alt den or f orderlicbe^ Ap^ 

^liaratan und Si^moilungen. Diege Wflngcbe atnd an 
maocben Univer«it|lten l»ereiu aufs acbdngte in ErfQUuing ge. 
gangen, w^brend a^^ an andern fromnie Wtinscbe Bleiben 
Werden, t— Aut^Kopenhagen: Auszug ana ein em 
Brie fe deg HerrnGierlev, i\h ci die Lage des aU 
ten Carthago, mit eiijcin Zusatz des llerausgcii 
hers, Zu den B r i e Fe n aus W i e n (mit Jiterai'ischen Zu- 
fiiitzen , narnentlicb auch des Ilerausgehers , unter andern 
fiber die A 1 e x a n d r i n i s c h e R h e t o r s t a t u e , mit einem 
Kupferstich Tab. VIII.}. — Den Beschlufs macht ein 
(vvichtigei) Nachtr^g zur M u s eog r a p h i e : Das Anti^ 
ken-Museum in Turin im Ju]i 1823. von Dr. Schorn in 
Stuttgart. — Ein d r e i facb es Aegis t er aber^lle drei 
jRaqde der Amalthea von Herrn Dr. Sillig in Drea« 
den erbabet den Wertb tind Nutaen dieger Sammlung, die 
jeder Fbilolog und Arcbflolog beaita^^ Ml^^t und der wir d^ 
liaataii wCLnacbeni . 

• 6 r-a n-a a |U ' 

Yon damaalban Harm Dr. und Frofeator Eduard Q^jn 
luirdi deaaen in yoranstebender Anseige einigema] gedacbfi. 
WurdOf ^ und der scbon vor mebreren Jahren durcb aine k'iti*. 

acbe Scbrift (^Lect'ion^s Jpollonianati scripsit Eduardus Gerbardus, 
Lipsiae 18 Ih.) unrl diirch seine Aus^abe des JMaximus xs^t 
>iaTafx^v » LIpiiae 4^20. sich eihen tUcbtigen un4 schaiisin- 
H4gen J.'bilologait j)ew^br( bat igt 4em fV^fere^tei^ ^aR^ 



Digitized by Go -v,i^ 



93 



iSiftlich atti Ijfeapel aine neue gehaltreicha Abliaiidlufig suge* 
koom^iiy dia yon alien MTthologen iind ArohSologan geleaan 
ftu m^erden verdientf und worQber eben detweg«n, auch ab« 
geftoben yon dem engen Raunta dieter Blftttati bier nur eiii 
fjun iuraar Bericbt beigefagc wird : 

Dsl Dio Fauno E Dt>' Suoi Sequaci. Osservazioni indirizzate all* 
cmatissimo Signore D, Gmjmre Selva^gi ^ membro drlla Heal 
Societa BorBonica ^ di Odoardo Gerhard, Kapoii ^ dalla 
Stamp0ria Rtalw, 1825. 8. ii mit dem AegUun 

8cbon die Selir reiclihaltige arcb^iologi ache Ali liancllung de« 
gelehrten Verf'assers iihev V e ii u s - P r o s e r p i ii a im Ktinst* 
Elatt machte deii Keferenten auF diese neue 6chiifc desst^lben 
aufinerksatn f und er fand sich in aeinen Erwartungen nicbt ge*^ 
tSuschr. Zwar ist ea nur aine Gclegenheitsscbrii'ty bei der 
Aufnabme dt^s Verfastera in die HerculaniscbeAkade^M 
fliia getcbrieben, aucb mufste far die ItaHenitchen Gelehr- 
tei), denen die neueren deutieben Foracbungen seit Mattb. 
Ge«n«r unb^annl; aind^ mit einer gewiisert Ausf'Qbrlicbkeit 
fiber itaancbe una nun scbon geUufige Vol'tt«llungen ger«d«c 
werden. Dennocb wird der aufrnf^rksanie Lefer durcb mancha 
netie Aufklkrung fiber einfeelne nlytbologtscb • arcibaologiscba 
Punkte Oberrascht werdenj Di« Hauptiache aber ist , dafsder 
Verfiitier , nun acbon aeit Jabren tin Vaterlande der Kcinste g€. 
Wiuermafaen eingebtlrgert^ mit deutscher Grflndlicbkeit diese 
gSnstige Lfitge benutzt, und wenn er auf der einen Seite ei||f 
cic!itl)<ner IV'^prasentant iinserer Pbilologie bei deti Itdlieneni 
ist, antiererseiu jede niythologische Irlee , jede Frucbt philo* 
loglsciier Forschiing mit den dort im Ueberflnlii vorbandenen 
Kunstwerken des AJterthums in Ver^lt icliung bringt, und so 
Eins durcb das Andere erUutert. Oiese Metbode verlcihec 
auch der vorliegenflLMi Ahhandlung tilr deutscbe Altertli ums- 
lorscher einen eigenthiimlichen Wertb. — Die Hauptsatze 
lauen sich itiit Wenig VVorten anzeigen. Zuvorderst, dafa 
Fanniis nichu anderes als der Fan der Grtecben ist; iodann| 
dafs die Fane oder Faune sicb nur durcb die ibnen eigentbtlmi 
licbeti Hdrncben'von dehSatirn unteracbeiden , d«n«n siegSnz* 
lick feblen. Diese Sat%e sind aber durcb aine Men ge einzelnetr 
Bemerkungen urid feiner BeobachtUngen mit pbilologisch^ 
archaologiscben AusCftbrungen ))esonders aucb in den inbaltn* 
volJenNoten^ vorbereitet und bekrdftigt; wobei denn aucH 
ib«ncba bisber nOcb nicbt gebdrig ber(lckstcbtigt<m Uiiter8cbei« 
dttngen gamacbt warden. Man hamerka £4 ttUr fiber dia 



Digitized by Go ^v,.^ 



a t 



94 Vdmel GedSeht&ifibueh dec lit. OrnnmitiJc« 

Silene folgende Rubi iken p. 17 sqq. // eamto Sileno (5:efX^vo5 tto- 
;^fc;^ ; 11 Sileno harhato C^fvi/tCv) *<, U imberbe Satiro (aYtvfi/o^) ; // 
Babbo- Sileno {^^itXY^Mo^-Kairizo^ ossia IJaTfTscgjXijvo?). Referent gla u L t 
den Vertasser gera«le hei diesen Auseinandersetznn|^en uni so 
mebr wdrdigen zu kdnnen, da er selb«l a ui: dies em weiclduf- 
ttgeDGet»iete der Dioityaiacben Religionen etnigemal geaibeitet 
hat.* Den fieiichl Lirs niiacheh scbMtsbare Register : iHdice L degli 
jfutori ptwutdati ed illustrad; Jndice IL de* monumer.ci illustraii* Ich 
ivttitscbe deto Verfa^aer Ge«andbeit und Mufse^ uin »ine 
wichtigen Arbeiten mit Lnst uild Liebe fortaetsen, und su*< 
•fichtt aeioe angekdndigten MoimtMuti ia§dlU Uefern zu kdnnen« 

' C r c u z e 



'^Qeddchtnijsbueh der lateinischtn Grammatik oonKarl 
VdmeL Frank] urt am JVIain^ Verlag der Hcrmanmchen BucJi ^ 
lung. 1825. FIJI und 208 S. kl, B. , 1 fl. 

Der Vf., ein j(\ngerer Bruder des verdientJ^ Rectors am 
Frankfurter Gyiunasiuin , Tbepdor Vomel, bietet hier Schul- 
niSnnern ein Htllfsmittel dar , fOr Welches er ihrea Dank er- 
wartetj der ihin aucb gewils vc^n Vielen werden wird. Manche 
W.ejrden swar etV7as Anderes erwai ten y und erscbrecken , wenn 
Wir ihnen sageil., ' dais die Regeln und Ausnabmen iiber dui 
^nus der SuJistantive fiber ein Drittbeil desBucbes, namlich 
94 S(?iten , fallen 9 dagegen die ganze Syntax auf tO Seit«n 
abgemacbt ist : aie werden den Kopf scbQtteln » wenn aia se- 
ben« dafs ein .Viertbeil dea Bucbea sodaan die Auanabinen der 
Caauiefidungen einnehmen ^ und endHcb zwei Ffinftbeile dea 
Ganaen mit Veraeicbntsseh von Verbis ausgefSallt sind. Setzen 
wir nun noch binzu^ (\a[§ in den beiden groTsten Abtbeilungen 
des Bnches eine Menge WSrter stebtn , die nicht nur deai 
Schiller fastnie, sondein Oberhaupt iast nieinals vurkoinmen ; 
so wird das Verdammungsurtbeil f'ertig seyn , und man wird 
sicb die Miihe genauerer Betracbtunj^ ersparen zu kiinnen glau- 
ben. Unfl deniiocb suid wir in vollern Eriiste gesonnen, das 
Buch aus [Jel>erzeugung loben und einpfeiilen, Unge- 
achtet man langst von den beirlen Extremen £ur(1ckgekommen 
isty dem Gedftchtiiisse zu vie], und dann wieder fast gar 
oichts auzutUMthen . so ist ducb in der lateinischen Grammatik 
iminer nocb zu Vieles , was reine Ged^chrniissacbe ist , dem 
aufiiiHgen BitlinUffri (iberlasien^ und Mancbes, was zur gram- 
matiicben ^enauigkeit iinantbebrlicb ist^ findet sicb bloi in 



Digitized by Google 



Vomal GeAadituir^abli d«r tat* Grammau;:. 95 



VVorterliOi hcni vereinzelt und unverbundeny so dafs es nicbt 
unter einen Ueberblick gebraclit ist, odtr es findet sich in 
Bilchern, die vveitliiufig, oder theuer, odt^r aiis andcrii Griin- 
den den Schiilfrn, ott aucb den Liehrcrn, nicht zu^an^lich 
lindt Da hat deini Hi. V. die Werke von K. 1^. ^Schneider, 
StruvOi Ruddiinann (Rudiman acbreil't er ) und And«rfi 
bcniitzt, uildy anstaU wie Andere, die dein Gedachtnisse su 
Ha)fe kommen wollteiiy nur das Gewdhnlicbe und Gebr^luch* 
lichite aufzunebmaiiy vtelmebr VoUatSndi^keit £u erreicben 
{»iucbt, und die ttiigdw6bn]icbaren und selten vorhommendeD 
Vrdrter am wenigsten weglassen su dOrfen geglaubt. Daa 
GedSchtnila wird fibrigena^ und wenn ea auch nocb ao gut 
iit, fticb gegen daa Lernen und BebaUfn ao yieler kin wirJc. 
fichen Gfrbraucha to a«lun vorkoWi mender EinaelnheUen, be« 
aondera in den Regain vom Genus, stark genug atrSubtrn; 
wai Hr. V. s el bat gffQblt bat, und weawegen er die Anmer« « 
kungen bloa ftir dieoberen Klassen, jedoch weniger auinatren- 
gen Auswendiglernen bestimtnt bat. Dies hindert jedoch 
nicht, dais das Bucli zu seinem Zvvecke wiiklich gebraiicbt 
Werde und tauglich say ^ und wit wilrden es neben jeder Gram- 
nidiik, da kfine Schiilgiaiiimatik das hier Cegebene so voll- 
BtSndig giebt , ziini ileifsIgHii GebraucLe em pf t^hlen , sollt© 
auch Mancher diest'S G t l.itht m fsluich nicht in sein Ged^lcht- 
nifs iaufnehinen , sondern nur statt des Gediiclitnisses brauchen 
Wolien, So viel Ref, aus dem bloi'sen Durchlesen des Baches^ 
obne dessen Anwendung in Scbulen aelbst gemachl oder ge« 
<eben zii baben, urtheiien kann^ ao iat die Anordnung wie 
die Auafahrung iin Ganaen zweckm&faig su nennen* Nctr dia 
Syntax wQrden wir entweder ganz weggelaaaen^ oder mehr, 
all hier geschehen ist^ berOcksichtigt wtinscben. BesonderS 
verdienatHcb acbeint una aber der yierte AbacbiAtt, Verb*^ 
Dieaer entbSlt i. Imperaonalia. ' 2* Intranaitiva in Anaebung 
ihres Ferfecta und Supinuma* 3. Verba obne Perfect und Su« 
pinum. 4* Vf^i'ba mit der Reduplication tin Perfect, 5, Ver- 
M nacb der 1 Gonjungation , welcbe ibr Perfect auf ui oder I 
tiiul das Supinum auf itum oder turn endigen. 6. Verba de'r 2 
Conjugation. 7. 8. Verba der 3 Conjugation 9. Verba der 
4 Conj igjiii on. 10. Gleichlauttnde Verba, Darauf folgt ein 
ilpiialjfcCiiiciies Vei zt ictiiuls 1. der Dfpuuentid uud Commtiniaj 
I'nd 2. aller in der Bildung des Perfects und Snpinums abwci- 
chenden Verben. Druck und Tapier siud stbr gut : um so 
fsitaler ist es , dais wegen Mangel der Quantit!!tszeicben in der 
I^ruckerei die Liangen durch d^n franzusiscben accent grave, 
die KUxaan dui^cb den accent aiguy und die mittekeiti^eii 

» 



■ 



Digitized by G 



96 Vomei GedaGbtaitibac]). doc Uu Graou&atik. 

Sylben 4urcb den accent ctrconfleta C) liftben bezttichnet wer^ 
, den mOssen. Bester noch w^re der letstere umgedrebt dasu 
su gehraucbeny wie z. Nodi in seinem Gradas Parnas. 
•uoi (Paria* I8i0* 8 ) gethahbat, der dieEfiireeti durcb 6, ^die 
^yll. an'cipites dun^b v beaieicbnet« Uni ntih dem Hrn. Verf, 
nocb einige Vel'befi.erutigen fllr die Itfilnftige Auflage bu ^ni« 
pfebUn, fOgeit wir uoserer An^eig^ nocb Folgendei bei* 
Eriliicb ist der deutscbe Autdruck der Vorrede nicbt iebr gut, 
zuwtfiien geradezu feblerhaf t : a. B. S. III. ^dai Gedilchtnirs 
erschvveren" fllr beschweren (man eracliwert das 
Behalten). Eheud. del GallicismuS : „Alles sollte — durch 
den Verstand geschehen . obne — einznsehen". Eben so 
S. IV. laAber es fehlt diesem Wenigen — die nothige VoUstan* 
digkeit — geleicet von dem Grunrlsatze | dais nur das Ge* 
Wubnliche — aufgenominen werden dOiFe", Woraut heziebt 
sicb nun geleitet? au£ dies.em VVenigen? auf Voll* 
-atMn digkei t ? Keinesweges! £s soil beifsent daman sicb 
von dein Grundiataeleiten liefs u.s.w. Unter den 
Beispi^en find ans unter andern folgende aufgefallcfn: S* 6* 
iit/aaM 4 #/a nctm^ ein begrabenee Mlldcben« S. 36, hwrhitus 
dr/ttJtetttif die. aufgebdr'te tiieter. S« 6*. d«&iM verbs ng. 
niUvolI. S. 64- stirfs rap to* der beraubte Stainm. S. 34. 
turctos iicca , der t r o c k e h.e B 8 r. 8. 1 12* soil iicb inhnteisiUnus 
'4urcb Feindcb en- geben lessen. Aucb DruckFehW finden 
etcby a. B. S. 9> Gammerad. S. 34. Ferpenticularlinie. S. 43. 
beweii'sc (f. beweist). S. 76. libertatus (f. bus), Freigelas- 
sener. S. 125. deribeo, Endlich vvurden wir niehr lateini« 
5cbe versus inemoriales ^ auch solche, deroleiclien in der 
ZumpL'scht-n Grainmatik stelien, und (lie dcm Gedaclitnisse 

selir helFen, iti ein Germcbtnilsbucb der lateinucUeA Gramma* 
tik au^enommea baben. 



Digitized by Gbogle 



iN. 7. .• .1826. 

H,eid6lb«rg6f 

Jahrbiicher der Literatur* 



Aendich^ Bemerkungen ^ vcranlafst durch eine Reiso in Deutschland 
mnd Frankreich im friihjahre und Sommer 1824. Von Dr. J bh^ 
Seinr* Kopp^ ehurfUrstl, hessischem Oherhof rathe ^ J)/ledicinat» 
lieferenl6h u. J, w, zu Hanau, Frankfurt am IHdin^ Vertag 
der Hvrmannischen Buchhandlung* td25» Vl Dedikat. und Var* 
M» tmd 256 ^. in 8i 2 £1, 24 kk 

orlivgende, ien Herr«n tSeii. RUthen Vtf n B 0 o n b a r 
iin<L«hr su Hatdelberg und Wiesbaden, iitid dam Herrb 
^r; AallmAnn zu Wiaabaden dedicirte Scbrift ist die Frucbk 
oilier Aeise, we|che der berabmte Verfaasert wie acboil deb 
Titelbesagty ionFrClbjabre uiid So iiliner 1^24 in der Abslcbjb 
iinternahniiy aetne | durisb eine tangwierige und scbmelfabaftb 
^nterleibtkrankheit serrflttete, durcb denGebraucb der Vfie^^ 
iadener Heilcfuellen aber gUlcklicb wieder bergeatellte Gc^ 
^ndheit iiocli weiterhln zu befestigeri. Die Reise g«bt durcb 
Rlieingau und die lUieiiipfalx ; cluich einen Tbell de^ 
Cfofsherzogthutns Baden ttbei* Strasburg nach Pari«, dditt 
^igenllichen Ziele der Reise. Denn ^viel v(-'i spi ccbend fOr 
^Visienscbaft und fur die vfTScbiedenen ilweige der iTeilkttJiSt 
*diien es nun (sngt der Verf. S. 4 )5 bei bergesteiiten KraF- 
ten und erwaclisender Tbatigkeit, Puns zu sebeii , mit deineti 
^^ieienanstalten Und dem Vereine grofser Gelebirten iil eine^* 
^tadt. Ert'reuiicb war dabei der Gedanke^ so mancbeh Arzt^ 
|>it dem iiib lange in Briefvtrecbael stand , pers^tilicb katlheii 
^ ^^rnen. Icb sSumte hicbt^ deri Flail auszufQbreri, und 
nschte mir apaterbin GlUck , dafs icb tbat^^'' Aef. bal6 
Wlberzeugt, dafs die^^^ Heise nicbt hur'stinScbit ftkir d^il 
Week des Vf. von ersprieraiicbeh Fblgen gewfiieii Sey-; i6n« 

dafs das getamoitfe itratUche FubUkuiti das Ergebhifi der= 

pen mir .... P... . . . , ...r 

f r lurch 




porgegangi , 

^f^Wirg und j. i'ranki spatef ribcf und^ ^le bekdnht; ii 
Weren Tagen , Scbweigger , Aridreei Weisse, Casper; Anii 
F uii4 Heyfdder ttber die saLlfeitli 



grulsereti und klet 



9ft Kopp Iridldie Bfinerkiingeii* 

neren Kranfcen*, Heil* und Verpflegungsanstalten der Haupt. 

< sUilt Frankreichs gelieFert hiii>eii , zu einer ao v ollstandigen 
Keniitiiils iiher dit-se wichtigen Gegenstiinde geljngt sind, 
dafs es uns heiiiabe ist, aU hatten vvir von Alleia selbit Ein- 
siclit oenomiiit^n , so bietet doch das mediciiiiscUe JLeben unA 
Treihen in jener groisen , in so mancher Hlnsicht ausgezelcb- 
neten Stadt so viel Mannicbfallig^s unrl IMerkwiirdiges , und 
man kann wohl sagen , nicht nur uiit }edem Jahre , sondern 
niit jedem Monate sich VerSnderndes dar, dais es einem neuen 
*Beobacbter an weiterem StoiF zu, wissenswerthen Mittbeilun- 
gen keineswegs fehlen kann; und gerne vernimmt dab«r ^er. 
jenige, w^lrbem der-Zustand seiner Kuntt 9 wie sicb sokbft 
l^ticb infremden L&ndern darstellt , nicht gteicbgOltig ist, Wft* 
nigstens den HaupUOgen nacb* von Zeit tu Zeit Kundti von 
einer eolcben gegenwftr(igen Gestakung derselben. W^i da* 
')ipr aucb bereits in den.'oben genannten, «iiai Tbeil aebr aut* 
filbrlicheh und gebaltreichen Schriften liber die naturwisfen* 
acbaftlicben und medictniscben Anstaiten Frankreicbif und 
insbesondere sefner Ha bpt stadt , za unserer KenntniCs gebngt 
ist ) Immer bl«tben uns n«ue Beiti a^e hierzu nicbt un^ill* 
kommen; und kommt insbesondere dazn, dafs sich der Beob* 
achter als ein Mann von vielseitiger Bildung, grscharher Ur- 
tbeilskratt und gereifter Erfahrung daistellt, wie solches btl 
unserein Verf. in vorzilglichem Maaise der Fall ist, so kann 
es nicht fehlen, daTs wii' ihm Mittheilungen verdanken, 
welche uns eben so wohl zur tinterhaltenden und ang<;neh- 
xntjt^, alft zur belehir(^hdtn uod nUtsUchen Lectilre dieoea 
Wffcen. 

^ine umfassende und detaillirte Beschreibung sSmmt- 
iicber^^ aiy NaturjWissenschaft und Hetlkunde gebdiiger An* 
a(atten, wie sie namentlicb Parte aufzuweiien bat, ]ag Qbri- 
gen/i' nicbt im Plan% des Verf'assere. £r a»woUte (S. V — VI 
oer Vorrede) nur aUi: das hinwreisen^ was ihn damala beson* 
jdere an^og, es ao ilarstemii/ ^ie es ibm vorkam, und Rc* 
fleacipnen damit vyei-Birideh | ku welcben tbn das Geieb«»< 
ittbrte.** Wir glauben« dais dem Verf. 9 ale eine'm unaeret 
Veteranen in der Araneikunde , vorsu&sifireise ein Urtfafeil ii 
diesem F^ache suatebe, und dafs aeine Seoierkungen tlbeif\dit 
veischiedenen, ibm in Paris aur Anfcbiiuung und UnterBuchun< 
gf-kommenen medicinischen GegenstSnde yOn besondereiifi Ge 
wichte st-yn werden* Anch hat der Vf. an veischiedenen Sie^ 
Jen del' Sclirift den Beohachtungen und Ui thtilen ii a 11 zusisclK 
j^erzte il her die hetrefFenden medicinischen Gegenstvlude sein 
eigeu^n Ansicbten undErfabrungeaCibdrdleselbeneingeschalte 



Digitized by Go -v,i^ 



ICopp ilrstUtfae HmtilniagiiiA 



99 



Das Werk «erfaUt In acht AhscbnittOi I\«f» wird tfacli* 
ten, dasjenige aus denstlhi^h in iiiO^lichster Kttrzif ii\r unAeie 
Leser an s uliehen , was ilnn det iVIi ttlieilung vorzugsweisa 
Werth scbeint, unci hie uiifi <ia seine Bemerkun L^*»n antii^en. 

I, Veranlassung 2ur IVt^ise. — Mi nelalfj leileii* Me* 
dicinalanstalteii in Bonny iVluinK und 6ttasbiirn. St 1 
ijer Veranlttssung sur H< ise >def Verki haben wir het eits er* 
wSbnt. Hauptftdchlich vtal* es der iiineiliche GebNiuch det 
Wiesbadenar Hfil^juelieti| welcbeti -dartelbe seilM Genetung 
mdankt<*, umi abw dieA#ai Geiirauche Bcbreibt er es teiuth eu| 
Varum diese Tbermdlfi , ^«lcb£» itii's^r ibret beti HchtUcbert 
VVarme aicb nobh htfsomlera duroh dta velrhHUtiiramfirsig ^ro£i0 
Menge fester BeataMilthtUe «uit«rcbfien ^ ge^enwfltttg tfelF* 
licbere Wirkuiigfn ge^e*!! liiJncb<»rl6i UnterleiblftieaGhwe^dloA * 
bervof briiYg4ffi ^ Ala ehctntfU | wo man Moh ihr^i hivk&mmt Uoi 
alt fia<l bedietitv. - Nacfa dtfin VMf< tl^etfllm ilUa« Quelleai an 
wift Qb«rbau]i^ Alle^ walebv atatl^eir'^fH>gnoatiachea YvrhllfeB 
niiHen ibir Daa«yn ^Tardanketi , durehr alhtfi)^ tief im Innaraii 
der Erde dutch eige^itbflmliche -G^irgav^ryiltnisste het vorge* 
bracbtrn^ galvaniscben PiOCffs eraeugtj tu welchem ein un** 
gebeurer Kraitaufwand (\ei iNaCiir gehcirt, \Ve]cher auch die 
Ursache iit, daf» scbon die bioise iTatutlicbe VVjirme^ die art 
einein solchen Walter Ver schieden adbMrirt | innigar mit ihin 
gerniscbt ist| und langsamer von ihui entweidbt, Huch dbne 
sonst l^fRonders b*-! voi stecbende physisch ^chemiscbe (^nalittl- 
ten, ihrn Heilkrair vtfrl*»iht, Daher hiilt der Verf. audi nicht 
viel auf ktinstiicb fabricirte Mineral wasstr , Weil nicht in der 
oft geringeft Menge. von Koble.nsSui'd, £i.<>enox)rd Oder anderit 
^jzen ^ sundet-n in d^r ron der Nalur auH bestitiiinte Weiad 
dargesteiUrn V^t-bindung der G^aammtbeit dar BiatandtheU^i 
ab «ineni g«8cb]bsaetiva^anB€ii9 die Wirllting vinea MinaraU 
wassera auf^ den belehtcin Oiganiamaa f Macht werdea mu£$§ 
die KtiMt Aim-^M aolcbif Ve^btodung tiicbt bertoriabfingen 
verniag. In Bdiid baaiiobte der ¥ fi dal Walth^r'adl6 
cbii'urttUcht KcKnikuiii;) in BSaint ^die rant Gebfiiiiettifiithe bei* . 
dig g^eitete' ItelMfiiimeiia«$ilttle, Qitd ef tbeilt 'beideA Lebtait^ 
$lmttt dfls aelttlfarabde L6b, ^ In Sbtfiburg^ deiteil atttodi^u 
tvische Fiittiktft g4»genWjlrti]g HWdlf Prdfea*dreil sSbitf die ill 
fransdAiscbfr Sprath^^ Vorlest/tTgen haltt^n^ obwohl itidrt etif 
die§<^f Hochschijle noch das benacbbarte Deutschland erkennt^ 
sab (Ifft Veif. aiif <iein^aiiatonii*cben Museum, das er insbcsOn- 
der# |aucb w^gen itfirter trelFlicb«n pstboldgiatthen PrfiparatiJ 
9]i vat iHgUch ii\h flit ^ deiT katids gewesenen SchHdel «inea Sy« 
fMlitiaohen 4S« 116.) a d^aleii angefteia^n* Sfellen hiit und 



Digitized by G 



100 Kopp ar^Oichc B^sutrkoogen* ^ 

I 

* I 

wied^r Queckiilbcrkfigdclien in den KnOtfbenselleii Aeigen , io 
wi^ er ddnn (a. a. O.) sum wetteren Beweif« .d«# suhstantiAi* 
Jen Ueberganges des Quecksilber« in den K^rjper die ihin ron 
Biett in Paris niitgetbetlte £rl:abrung von einem niit veraltet«r 
Lustseuche bebafteten Menscheu anRlhrt, der oft Mercurial- 
kuren bestanden, und welchein im waruien JBade i eguiinisches 
Quecksill)er aus den I'uicji dti AchseUidble drang« Im Ent* 
l)indungshause zu Stiasburg wendet Lobstein das Mutterkorn 

f als wehenbeiordernde Arziiei 8u einem balben Skrupel haJb- 
fiiilndlich oder alle Stunden mit Vortheil an. ^ Von Fodere% 
aus SavoyeH) ehedem Hospitalar2t in Marseille, gegenwUrtig 
Professor der gericbtlichen A rzneiwissensctiatt in ^trasburg^ 
und der Ei ste , der diese Wissenscbaf't in ibrer GasammtbeiC 

* in Frankreich einfllbrtey riibmt der Ver£ -leine nocb immer 
fortdauerode literariscbe TbMtigkeit 4n aobon vorgerticktem 
Alter* .Zu Gunsten des MagnetismuS erwflbnt der Yt der 
£rfjabrttn^ dea verdienten Dr. " Aetaseiasen in Strasburg von 
mebreren in aeiner Frazia ibm yorEekommenen FftUen yon 
6pontanein Somoambuliamua^ deren (Ufenllichefiekanntmacbuog 
- urn ao wfin^enawertber jvSra^ ala diaaelben obne Einacbrei- 
tung magnetiacber. Bebandlung verliefeiiy Keiaaeiaaen aelbat 
keinen .Gebraucb Vom Ma^netiamua in aeiner Fraxia mac&t^ 
tind er bei grofaeoi' Scbatfainne und GrOndlicbkeit unbefangea 
und fret iFon ScbwHrmer^i iat^ welcbe. gute Eigenacbafteny 
Tiacb d^a Hef. Ermeaaen^ bdi Magna tiaeu is um so mebr Aner^ 
keiinung verdienen^ je seltener ale bei ibnen angetroffen 
werden. ' * • ' 

n» Paris. — Aerzte, Wundarzte, GeburtsbeUer und 
andere Heilkiinstler. • — Academie royale de m^decine. — Apo* 
tbeker. — Mineralwasserverkauf. — Kliniscbe Anstalten, — 
Anatoinie. Prilfungenk — Ecole demedecine. — Kranken- 
und Versorgungsanstalten. S. 14 37. Bei einer Zahl von 
7l2|212 Seelen hat Paris 640 Aerzte und Geburtsbeli^er , 164 
Wundfirste) 6 Augenfirzte^ 45 ZahnMrzte, 57 Officiera de 
Sante% 3l Brucbscbneider .und BrucbbSnderverfertiget ^ und 
25 Tbierftrste. .Beaiteer von Apotbeken werden 206 gea&blt* 
Handlungen yon natlirlichen und ktinstlichen Mineralwaaftern 

. beateben l4. LetaCere Verkaufen beinabe alle Apotbeker. In, 
den 0£&citien der letsteren wird vorzagUch ailf eii) ge^lUgea 
tind einDebmendea AeuCi4»taf und . bei den Mittebft. niu<i,Ucbat 
auf Woblgeacbmack uad , Wi»blgerucb geaeben« . GebetinvBiittel 
werd^ jiron A^etbekern und..andeirn. ailallasigen trfeuten in 
Menge {eirgeboteiK Uoter jeae gebOrt inabelondere der 
Roob-antistypbtlitiqiie dea Laflaaieur » deaaen eigeiHliclier 



Digitized by Go ^v,.^ 



■ 

* 

Kopp IntUdit B«iiicfluDgen, 101 

« 

finder aber det x\i?A iioy veau seyn soil. Rcf. heilte htl seiiK^m 
Aufetithalle in Frankretcli zur Zeit der Occupation einen |um- 
geii Mann an der Lues con firmata buchstill)lich nach den Kust'- 
tchen Inunctioiisvoi sclii iiten und dn en ZuhehSr, tier v*ele 
Monate zuvor sein Gt-ld an dlti&en K(jol) nutzlos versclnvendet 
iiatte , und der V era vveillung iXU^t die verineinte Unbeilbar- 
keic seines Uebels nabe war, Derselbe lebt jetzt als glOck- 
licber Famili«nvat«r. — Far einen cbtrurgiscbenfietucb nimmt 
Dopuytren oft 300 Frankeiiy andere A«rst« von einem Hand- 
werker 30 Soat; die Einnabme des Erstern soil sicb jabrlicb 
auf $00)000 Fran ken belaufen. £in Pariser Arst, der einiger<- 
mafsen viele Kranka hat, w*cbftlt d«t Tags awei bis dreiMai 
mitfritcben r£«rden. — Die Acad^ie rqyale de oK^decine 
wurda l820 mic der Qeatimmung geaeiftetf auf Verlangen der 
Staatsverwahung Gutacbten fiber Gegem l&nde der Get undbeits- 
poliaei cd geben, — Insbetondere rllbat der Vevf. die lieicb* 
tigknity luic der man in Paris « WQ AlUt mebr dein dffent* 
Haien Nutsen gewidmet ist , zu aUen wiaaenscbaftlfchen An* 
Haken zugelassen wird nocb inehr aber die VovsilgHcbkeit 
der Admtnistrationsweisd dar Pariaer HospitHler, weicbe mit 
grofser Ordaang, Zweckmiiiiii^kei t und niu^l icljster Erspar- 
laia von L*euten und LfmstSnden gehandhabt wild , und vieleu 
Stdflteii z im Master dienen kdnnre. Im Alliiemeinen i&l die 
ai'ztUcbtf BehaiKllun:^ in ihnen ahwarteiid und untliatig, was 
Ref. , wenii es uiciit zit weit getiieben wild, nicht tadeln, 
kann, da er sicli oh iiberzeugt hat, wie viel eine strenge und 
zweckinalsige nittdiciniscb - poiizeiiiche Aufsicht in Ilospitil- 
lern, aucb ohne groTsHn Arzneiapparat , vermag, Aut die 
Kraiikenkost wird viel AuhuerkMunkeit verwendet, und dies 
findet Aei; gUicliFalls bdchst zweckgemUls, da der Arzt bei 
einem strengen diatetiscben Regime des Kranken in der Kegel 
viel leicbter und sicberer beilt , und sicb die Kranken viel diCt'V 
durcVs Zuviel, als Zuwenige in der DiSt Schaden suffigen. 
SSmmtlicbf dreiaebn dffentliobe Kranken* (Hdpitaux) und eilf 
ffffentliche Verpflegungahfiuser (Hospicea)) 90 wie daa GebSr* 
und Findelhaua* daf AmmenbOreau und andere Wobltbfttig- 
keitsan^tahen , atehen, aie mdgen durch den Regenten, den 
Staat oder durcb Pri vats tilt ung«n gegrflndet aeyn (mit alleini* 
ger Aasnabme jler IrrenanataU su Charenton^ dem K. Taub* 
fttummeninstitat und der K. Erztebungs* und Yerpflegungs^ 
anstait fttr ittnoere und Ultere Blinde^, unter einer einziiitn, 
au8 siehenz,eL»i Mitgliedern bestelieiiden , allgemeinen Aul» 
sicliis- und VerwaiiujJi^shehorde (welcber wieder andere aizt» 
licbtr und aduiiuisirative B«ii6(den unUrgeordnet aiiA4}t der^n 



* Digitized by Go ^si^ 



Mt Kopp SritUolie Bciiifrki»igfa» 

jSbrliche, von Ka^iitalzinten, Grundstflcken , Vermachtnis- 
• fien , Accisen, Vf rpachtuu^en u. s. w. herriilirtnde Einnahme 
und Au&gahe heilaufig zu 9 1/2 IVJillion Frankrii iieieclinet 
wir(J, Jejie oiTeiillichen Hospiialtr, unter deiien z. B. dai 
HOtel-Dieu jainiid) im DLUcliscljuitte 10,500, das H6pital' 
St, |LiOui« 9000, das Jiupita) de Id Cliarite 2753 Kranke auf* 
riinmt, gefc^n im Durchschriitte 35,000 Kranken (nut wenigen 
Audnabnien ) uneiUgeldiif^Ut^n Auienlbalt, Verkc>stigung und 
^rztUche Behandlungf iind aufser den 2w6lf AnstnUcn in dea 
9W<|li' St^dtbe^irken «u Mnentgeldlich<?r medicinischer und chi<- 
riirgUob^Bebandlung krankcr fj^usprmen (secours h domicile), 
der unentgeldlichen Verj(b«ilniig von Br ucbbllndern , der Be« 
handiui)^ d^t £i:t>ariiidftft f der Vaccination, finden jflbrltch 
noch etw« 5O1OQ f^r^oiK^n in d«a VersorgungsbSusern (Kaspi* 
c«s) gleichfallf ohne Bastthlimg Aufnahme und Urstlicbe und 
dUtemch«V«rppegung. VoUllotQm^n einversC«nd«n istR^f* mit 
deiD Vf.9 w«nR f^r Iftebauptet « duff ungeacbtet dot KeicbtbuM 
an KrankenbSuf ern in Paria der ^tudirende daaelbat docb wa<« 
lijger Ic^rne, als lo deutficben klitiiachen Anstalten^ wo der-r 
aeiDe m«br zur SelbstthSti'^keit veranlalst wirrl , und unter 
Anleitung und AuisicLt ties Lebrers entweder Kranke selbst 
zur Besorgung bekommt, oder wenigsieiis zu eigtiier Unter- 
sucbung deiseJhen specielle und praktische Anleitung ei Lult, 
Till der «ehr wahren Bemerkung de» Veii , dais die Passivitiit 
del Studirenden bei den Hospital 11 mean gen und den Veiuid» 
nun^Tfri des Lehrers wahrend dfrsellieii, erstere ge^i^en ge- 
vvobuliclie IVra^kheitifalia gleichij^iiltig mache, f iigt Ket. bi nzu, 
dafs sie dein ang«bend«n Ar^t allmMblig aucb nocb zu dem 
Dllnkel VeraHlaiiSung gbhan, als seyr dta Untersucbung und 
Bebaudlung der Kranken aucb fOr ibn <*ine eben so leichra 
Sacbe, wie fcU* den Lebrer^ welcber tSgiicb obne grgrseMub^ 
und ZejtatiiMI«nd Hu-miarte von Kranken su beaachen und «vi 
bab£^ndaln v^rmil^e; welcber Di^nkel daon unvenneidlicb sue 
Jndolens und zwa Scbtf^ndrian filbrt , und sum grofaen Scba- 
d«n daa kfloitigen Aralaa i|nd Kranken von einem eifrigen und 
gl^^iidlicben Sludiaoi der mediciniscben Wu^enscbaften nut 

tar KM lekb( entfernt hUlt. £a iat daber auah nicbk a«lten, 
afa )itnge A^vste^^ wenn tie die hobe Scbule verlaaaen baben , 
und nun, aicb $elbftl ftberlaaien, in einen prakttacben Wir« 
J(ungtl|rei« tr«tan, Vieles ganz anders und namentlicb achwe^ 
rer linden , al** sie sicli's aiil: der Akademie, woaelbat sie wct 
niger, als es baUe gescheben soUen , an die Selhsttbatigkeit 
am Kraukenbette gewobnt wurdei? , gecjacbt Laiten , und nua 
•»aLan(^ng«n laUsiuui clici Iicani^<»u duxcli eigene Augen &u 



Digitizedby Go -v,.^ 



Kopp ifttUdw Beaerknafail* iOi 

i«ti«iii da tie die ihmLielireri nun entbebren mfifftm* Ebei^ 
10 bill Kef. , gleich dem Ver£, dafar, dab «in tcbon gereifte* 
rer Arst aue dem Betucbe der vielen und groben Parif er Rren*. 
kenanstallen mehr Nutsen si<fhen werde ^ aU ein angebender » 
da die Masstf dessen, was sich Her Beobacbtung darbietet , fbr 
den Icr^.teren zu viel ist, als dali sein Geist sich solche assimi* 
liren kuiujte, und es vveiugei liaiuai zu than aeyu daif| viela 
Kranke mit leibliclien Augen anznschauen , als vielinehr Krauk- 
htiten zu Jbeubacbteii und sie grUndlich stiidiren und i>ehan- 
deln 7Ai lerneii . — Zu Ur-hujigen i lu Operiren ist in I'l i vat* 
Stunrien Gt'legenlieit , und die gruiie WohUt iUn 1 1 der jLeich- 
naine bcgilnstigt dasselbe unstreitig, L>etzttrer Uiiistand ist 
nacbRef. gewiis aucb eine Hauptursacl^e, waruoi das Scudium 
der praktischen Anatomie in Frankreich (besonders in neuerer 
Zeitt und seit Bicbat und Broussaif) io £eirsig betri^bea 
wird, obwohl der Scbwierigkeiten , Leicben zu erbaUeny 
uneracbtet, aucb in England die praktiscbe ^^ergliaderunas- 
l^nnst in unsern Tdgen iqiiDer mehr Aoaeben g^wiant^ und oet 
Medicin und Chirurgie voranleuciitet* 

ill, BrouaaaiA und aeine Lebre* 38 90« Wie e« 
fcbeint f««ein treuea, aiia-derNetur genommenea Bild di?* 
sei'Lebre, in der Nftbe entwor£enf und obne Xjeidenaebaft 
ddrgestellt, aber, trot< ibrer vielen A nbSngtr in Fraqkreich 
Had andern LiSndern aufserDeuUcblandf keineawega sum Vor* 
tbetl derselben! Die Gt-undzdge dieser Doctrin kennt der 
Lestfr ISngst, tbeils ans dt-m ])ekannten Examen dea doctrines 
aiedicalts , UieiJs ans dem Catecbistne de la medeciiie pUysiolo- 
gique, tbeils aus einer nicht geringen Anzabl anderer Scbrit- 
ten und B«?nrtheilungen , die selten zu Gunsten, viel bSufiger 
abei zLim Nachtlieil der genannten Doctrin gesprocheii haben J 
und Kef. hiilt es da bur ti\r uberiUissig , die GrundsMtze dersel- 
ken hier zu wiederbolen. Bedanern mufs fUi ripens Ref., dafa 
der VerF. , welcbem es bei der Darstellung dieses Broussais'* 
schen Systems olTenbar um Wabrbeit und Unpartbeilicbkeit 
zu ihun war, bei AnfQhrung der grofsen Mangel desselben, 
oicbt aucb das^ obacbon in einer Masse von Einseitigkeitea 
und IrrtbOmern versteckte, und wahrscbeinlicb nur durcb die 
aaertrl^giicbe Anmaisun^ 4^a5tiftera mebr in den Hintergrimd 
gekoiamene, und weniger anerkannte Gute derselb«n einet 
'ursen Au^erksamkeit wertb bielty und die Verdienaia 
Brouisaia tim die Lebre von den akuten und cbroniachen. Ua« 
^rleibsentaOndungen, den neuen Impulsy den er der patbo* 
^•chen Anatomie in Fraokreicb ewtheihey und der nicfatgam 
W Uaeecbt in atnan wdicerao Ua&nga da Iriabta voa ibm 



i04 Xbpp tntUehe BemerkuDgen, 

in ^nwandung g«l)racbjfcen Lebre von deii irrankbaften Syrnpa<« 
tbien und der Oertlichkeit fieberhafter Krankheiten (Gegen- 

atiinde, welche in manchein Betrachte mit einer unbefangenen 
Beobachtung der kranken I^atur tibereinsti mmen , so vvenig 
sie aucb in den gewohnlicbenLehren der^chule enihalten sind) 
nicbt aucb einige ErwMhnung tbat. Den Ref. , welcber in 
Tjeicben der verschiedensten Art sebr oft aucb Hie nn^.weid eu- 
^igsten IMerkmale von Entztindung im Verdauungskanale iand| 
pune dais er ibre Anwesenbeit im Litth zu vermuthen Ur« 
aafhe gehabt battey bedUnktea^ QrouaaaU aey to zur Grfin- 
dung aaine^ Lebre gekommen, dafs er bei sablreicben nnd 
genauen anatomisch-patbologiscben Untersucbungen den Ma<v 
gen und Ddnndarm swar aSerdings hflufig entzflndet fand, 
hie^aua nun aber yoreiliger und irriger Weiae acblofa^ daia 
ein aolcberZuatand it| den melaten, ja alien fieberbaftenKrank* 
heiten vorbanden sey, und p\xn einerteifS^ getrieben durch 
aeinea Hang sur Berfibnitbeit und den Kitael zn Reformatio* 
nen, ander^rseit^ aberdocb entblofst von grfindlicben und urn- 
fassenden oiediciniscben Kenntnisseni sicb veileiten liefs, au£ 
jene, in unsern Tagen zwar allerdings vernacblaasigte , von 
3lteren Aerzten aber, und insbesontiere von Morgagni gar 
wohl scbon gekannte JLebre von den verl oigenen Entzdnduii- 
grn im Verdauungskanale in anhaltenden I'lehern ein gauzes 
niedicinisches System zu grtinden , und solcbes, kostees, was 
eswolle, und koste es selbst Menscbenleben , nach seinen pby^ 
^iologischen 9 patbologiscbt^n und tberapeutischen Principien 
auf eine Jbis zur fixen idee eebende^ und mit der yerderblich- 
4ten Consequenz gefdbrt^ Weiaa zu vertbetdigen. Ref* bale 
•icb daber aucb fest flbersseugti dai'a Brotissai^s System sich 
we^er nacb aeiner tbeoretiacben nocb praktiacben Seite balten 
werde^ sich nicbt balten kOnne| dafaesnamentli^b'inDeutach^ 
land 9 woman «vrar allardings die Leistungen der Aualttnder 
pfc bVgieriger aufhimmt^ ata Me eaVerdienten , ihre Verdienate 
nicbt Heiten fiberschStzt, dasjenige aber, was sie un4 geben, 
in der Regel doch vorb<fr seinen Fundamenten nacb besonnen 
uiid giiUKiiicli priiit, the ein Urtbeil dariiher gefSUt, und von 
demselben praktiscber Gebraucb gemacht vvird, niemals Wur- 
zel fassen , ulier aucb das einzelne Gute dieser Doctrin b«i 
vorurtbeilsfreien und iiSr das Bes^ere emptMnglicben Aerzten 
nicbt verloren geben werde, und namentllch die in unsern Ta* 
gen vielfach Hbersebene Lebre von den akuten und cbroniscben 
KntzOndungen des- Verdauiujgskanals, we^cbe gewifs auch 
niclit obne'vortheiibalten Einnufs au£die specielle I^ebre der 
gaatriicben und galligteu Fieber Jbleiben wird, >durcb die^elb^ 



Digitized by Google 



4 



Kopp. 9c<4li«b« fitfinctknagoii* 105 

me und g^redite Anregimg empFangen babt» — * Im Ualingeii 
hatEefl mil wUm VergtiOgen cIm Ver£ Mittheilungeii .fiber 
Br,, dcB er aU eitien kraftvollett^ freundlicben Mann von 50 
Jahren , mit dent Auadrucke dea Mutfaea und der Entachloa* 
teoheiti aber aucb der Letdenschaftlidikeit und Scblaubeit 
bescbreibt, gelesen. Die Haupt^uge seinea Cbaraktera lind 
Ehrgeia und Ruhnibegierde. So tadelnswerth und wenig 
lebneich der Veit. Br.'s Klinik urn seiner niangelhaften dia» 
gnostiscben , atiologischen und therapeutiiiclien Untt- i&ucbung 
der Krankhtjiten wiilen fand , so besuchte er doch dies«»lbe zu 
wiederbolten Malen, und lernteBr., der aafser seinem lius- 
pitaldienste tine weitliUif'tige Praxis bat, auch bei Bt^sucbeii 
lU Haijse kennen. Br.'s mediciniscbe Klinik im Val-de-Grd.ce 
fand der Verf. iibrigens itnmer viel wemger besucbt, als die 
chirurgiscbe iilinik Dupuytren's im Hdtel.Dieu (was deal 
wvenn aucb Br/s Klinik besser beacbatfen wUre, als sie 
tiisc, leicbc erklMrlicb acbeint, da eine cbirurgiacbe Klinik^ 
in welcber alie Arten von bedeutenden, und zum Tbeil sebr 
leltena chirurgiacb« Faille vorkommenf und viele grofse Ope« 
ntionen geinacfat werdenf nicbt nur von wundftrztlicbeny 
•andern aucb vieJfach von Arstltcben ZdgTingen beaucht ea 
werden pHegt^^ und meiatena waren aeineZubdrer Leuta von 
einer weniger wtaaeiiatbaftlicben Auabildung, die mdglichat 
ichtteU und aufein^ weniger mObevoUen Wege gute Aerato 
Wvrdan wollten ^ und die fttr ibn begeiatert sind , wew^Ae^ 
iu Beasere nocb titcbt bennend , seme Feattgkeit upd Aua- 
dtuerim Vertbeidigen seiner Lebre und die Slcberbelt in aei- 
acm Handeln aucb unter den nHiihch&ten Ujnsianden gewab- 
Wn. Docb ei w^bnt der Verf. S,70, dais vvenn Br.'s Beband- 
Ittng eines Kranken keiaeii vortbeilbnften Eiiolg babe, er sich 
nicht selten binter den Obren kratze, indem er sagt; inaa 
mflsse Geduld baben, die Zeit bringe Linderung, gewohnlich 
aber dann auf seine alte Idee, die Gastro - Enteritis ssurflck* 
^oimne. Zu den vorzOglicbsten Anbhngern Br.'s in Paris ge- 
ijuren unter Andern Jadeioty Lierminier, Husson, Lallemand, 
Begin; einer aeiner acbonungslosesten Gegner iat Autbenac, 
ftein gediegenster Laennec. vVobl sehen die voraOglicberea 
Aerate in raris die Seicbtigkeit seines Systema ein, aber aia 
aehmen su viel Kiicksicbt auf aein Anseben , auf die i^eng# 
<I«r Seiner Farthei Zugetbanen^ auf den £inilu£if. den er ba< 
teits bat 9 und auf die beftigen AusfSlle , die er sich gegen 
leine Widersacber erlaubt. — Aufgebracbt war Br. ilber 
Marcua^ ala'ibn der Verf, mlt der Bebauptung daa letsteraq 
^akannt macbte, dal^ dem Typiiua eine Gabiruantatlndung su 



Digitized by Go ^v,i^ 



Grunde liege. Kef. bemrkt hiebei, dafs •ieh Bntmit MarGa» 
wahrscbeinlich wtttd«r auso esdfant baben wflrde^. wenn'.er vim 
leich erfabren bjltte^ dafs l«txterer fcbqn iSngat iii DtfuUcb- 
and die meisten gastri&cben f leber f'fir Miig«*iient2ilndung«n 
erklttrte. — VofsflgUcb acbadet nach unsi^rt V«rf, Anaicbt ' 
Br.'a V«rfabren durch Unterlassen , weniger durcb starkeaEin* 
gfeifen in dtr Anwendung von Mitteln; viele seiner Kranken 
erholen sicb nur la/igsam , die, aui die Weise dentscher Aei zte 
beljandelt, sich scijiielltr erholen wiirden, andere ^elien zu 
Grunde wegen Versantnni fs dt-s passenden Arzneigel>rauclis , : 
roch andere, weil sh- tmzeitig, unstatlhatt oder unzweck- 
mUlsig gt-schvvacht wurden. Unter den Aeizten von Val- 
de-Gra.Ctf, weiche unter sich ahwecbselnd den Dienst haber^^ 
sterben audi bei Br. verhSltnifsinliraig am meisten Kranke, 
Deinungeacbtet ist Br. iin Standey in der Ueberzeugung von 
der Wabrbeit aeiner neuen L«ebre zu. bebaupten, dais die Fa* 
tbologie YOr ibm »un cbaos, un amas infbrme de veritea at 
d' erreura«* war » uiid n^e grand Hippocrate^ a'il vivait encore, 
•e ferait unegloirey d'asaiater h mea coura^ pour a'pprendre 
aia doc€rine««* Wer erinnert aich nicbt biebei unwillkOhrlicb 
an die eben ao Ificberlicben ala Urgerlicben Frablereien des Fa* 
ra^elauafl 

IV. LSnnec. — Gehrancb des Brecbweinsteirfa Ufid an. 

derer Spit-isolate zmittel , so vvie der Iptkaknanba in Brust- 
krankbeiten und Hheumatismen. — Das Stetboskop. — ^ ' Du» 
puytren. — Boyer. — Das Hdtel*Dieu, — Das Ludwigs- 
bospical. — AJibert. — Biett. — DunstbUder. — Neuere 
pbarmakologl scbe Nomenklatur. — Die Charite. — Atisuk- 
kungstabigkeit der Dnngensncht. — Das Hospital der SyphI-. 
litiscben. — Siib]imat« — Speicheifiuis* — Folgen der vM- 
terlich' n Lustseucbe Hilt die Nacbko'timenscbaft. — Das Hof« 
pital f'ttr Kinder. ~ Liarrey. ^ Lr*Hdpi(al de la Garde royale« 
— Moxa. S, 91 — 139. 

Der Veif. rClhmt Li3nnec*a ricbtigen BHck und aeine Be*i 
•tioinitbeit in der Diagnoae der Brustkrankbeiten^ und die 
Anwendnng dea Stethoakopa zur Unterscbeidung der Lungen« 
und Heraf'ebler bSlt er in mebrfacbeiu Betrasbte fOr eine Be-' 
reichening unaerer Wissenscbaft. Es bedienen sicb auch des- 
Selben in Paris Heilkdnstlf r der verscbiedensten Meinuncea; 
undSysteme, so wie cs die S t ndirenderi waliitMtJ iljier Hospi- 
talbeSLicbe und die jneisten pruktiscben Aerzte in l\iiia> l>ei sicb 
tragen, HSufig sev es aber aucb, dafs die tranzoslsel)en Aerztai 
dadnrcb etwas melu zu hcren glaiibeii, als man in des Tbat 
mit geaundeii' Ubiea, aber uiibeiianganeiii Siaiaa borai^ uad 



Digitize by Google 



r 

Ref. Rigt aus ieineii Ei labrungen , die er bis jetst mlt ^itMitt 
Werkzeiigt geinacbt hat , hirizu, dais dasselbe Sfineii dia* 
gnostiscbcn Nutzeii vvobl li^-wii In f ii uinte, mij nur t-ini^er- 
maUea fOr die Zeit nnd Miihe zu ent.scli3(lig»'n , w^lclie man 
bedarf, uta«icbin senieai Gebraucb grundliclj eiiizuub<'U, und 
ficb weseritltcbe Voiilieile tur die DiJi^jiiosd uikI Tliri.ipie 
durcb dasselhe zu veiscbaffen, LiSnnec vvfiit|t-t dfii Bitch- 
Weiiiftl<itn nach Kasori und Tescbier in Tcripneuinonieen ujid 
Rbeutnatiiikaiui articuiaris von 6 bit laGran UHafig niit scbneli 
Jttt^in £rioig« any und nur tflten entstebt^ Lrbrecben, ineist 
aber Verstopfung darnarh. Ai»ch der Verl^« ina^bte die Er- 
&brung, dal'« Kranke nut entsQiidlicben Affectiunt^n derBrust^ 
nacb vorausge«ang<'nen AdeidSaien, d^n Goldschwefel sowobl^ 
di« Ipekakuanba in ungcfWdbnticb grofat^n Dosen ohne Ue* 
belikett oder Erbrvcbon ^rtragen kdnnen, wobei aicb Hef. 
bcBicfrken Wlauhty dafa «r dieaen Umstandy von w^icbem la 
UDsern Tagen oft die Rede iat» nicbt $o aebr auffallend findet» 
da nacb den G«aet9iei» daa Antagoniamua ica kraaken-Lebeiit 
beid«r AnvirtaenbvU ctincfr EnteOndnng in der BruttbdUe, ill 
der Kegel die sensible Stiniinung der EingeW^tida der BaciC^ 
li6hle vennindert ist, und *icli namentlich der Magt^n , bei 
Seiner dem ki aoken Oiganismus zugewandten , und dai'cb daS« 
selbe vecuiiiidei ten und veiiinderti n Tbiltii^keit , im Stadio 
criifliratis einer Tt t i pnenrnonie eine Zeit lang in <;;iner Ai t von 
Toipor beiiiidet , bei wt-lcliem nansrose , etnetiscbe .und pur- 
girenfip Arzneimittel ibre soiist gewobulicbe VVirkung aut 
tlen Kcirper entweder gar nicbt, oder nur in venul nderteni 
I^aal«e bervorsuhringt^n pflfg^n. Dieselbe Erscbfinung tern- 
jorSrer und rela(iver Uiieiiipiindlijsbkeit de^i Kdipers iiir ge- 
wisie, za andern Zeiten wieder andara wirkende R'jize imden 
Wiraucb in andern Krankhtfilen , 4enn diesolben Gahen nacb 
and nacb gerc.icbten Qiiecksilbers, welcbe im getunden » oder 
WenigatBiia'fieberloten Zu stands bai den maiaten Paraonan die 
itirkate Salivation harvorbriiigan wQrdan, veranlaaaan bievon 
Wakufen Fiabarn odar g^fwiatan. drtlioban BataQndungan in 
Kmemorhi kaineSpur, diaaelben Gaban Opium in krampf- 
hafien Krankbeilan oh kaina Minute Bafruhi^nr)^ odar Scbla^t 
dlia iai geaunden Kdrper oder in gevi^iaaan andarn Krankbaiia* 
^ataindan nicbt ntir alsbald dia aben ganannten £racbeinttn«> 
gen, sondern aelb&t die vollkommeaste Napkoais nacb aich 
Ziehen. Uin aber in diesf»in Bezuge Mos bei der Peripnaumo* 
nie stehen »<i blf>iben , so Ij it lleK zwar den Brech weinateill 
bisher- noch nie in den ihai vorgekoinmanea ! alien von Lun- 
le^entaUnduag in Gabraucb ^ezogeny uad er kauu daU^£ aua 



Digitized by Go s' 



JOB 



Kopp SrstUche Beiiit'rkuogeo« 



•igener £rfahrung bis jettt wei»t fiber den Nutsen di««es Me* 
dikaoients in der gen«nnfeen Krankheit flberbaupti^nocb fiber 
aeine positive oder nepative Wirkung auf den Verdauun^s^ 
kanal in deraelben ein Urtbeil Hlllen; aber ea beatStigt aicb 
ibm das eben genannte Geaets des Antagoniamua kranker Or- 
gane gegen einand«r docb auch bei der von ihm in Anweodung 
gebrachten Bebandlung der Feripnenmonie , indem er, wie 
Andere den Brecbweinstein , oljne Ki Li echen oder Durchfall 
zu erregen , in LungenetitzuiHiuiigen reicheii , eheu so audi 
(nacli vorangt'gangerien nnd gleichzeitigen , (lurch individuelle 
LtiistUnde zuweilen sehr reichlich gewordenen allgemeinen 
iind besonderen Bltitausleerungen) nicbt st^-lteu Tage lang in 
(It^r einen Stunde Salpeter vind in der anflein veisiiistes (^)ueck^ 
Siiifer mit Pulv. to), digital, purpur. (letzteres zuweilen au 
1 Gr. alle zwei Scundeii) nebst Goldschwefel reiclite, ohna 
audi nur ein einziges Mai deutlicbe U«he]keit , Erbrecben oder 
hSufige Stublg^nge im ^tadio ciuditaHa dieser Krankheit er* 
vegt au baben. Kef, glaubt, dafs et' in F4Uien reiner Fneii* 
monie in der Re^el auch gar nicht gut aejrn wflrde, wenn 
der Brechweinstein oder jene andern aban genannten Medikaw* 
inente Erbrecben oder Durcbfall erregen, und aomit ibre aonit 
gew6fan]ichen Wirkungen anf den verdauungskanal Suijern 
wQrdenf weil aonat wobl die giflcklicbe und voHkomuBena 
Zertbeilung der drtlichen EntaOndung dadurcb geatdrfc od^r 
gebindttrt.werden wQrde, und er bat in den t'Sllen des gfio« 
atigen Ausganges aelbat der befttgaten Peripneumonieen beobt 
acbtet; dais ea der Natur biebei nicht urn £rbrecben pder £r<« 
regung von Ourcbftllen su thun war, sondern daif aie ledig^ 
lich durch Scbweiise, reidilicben Bronchial- und Ltingen* 
. auswurf und Sedimente im Urin in der ]legel die Geiie*uiig 
einleitete uiid Lewerkstelligte, — Ein iilinlicher temporarer 
Torpor der Verdauungswerkzeuge findet dann aber auch ge- 
Wohnlich bei Siiuiern Statt, jedoch bei diesen offenbar aui 
Uel)eireiz, nnd es ist daher nichts Unge vvohnliches , wenn 
em solcher 1 1^2 Gr. Opium mit 4 Gr. Goldsdiwefel wie der 
Verh S, 96. ein Beispiel dieser Art aus eigener Eifahrung mit- 
tbeilt) auf einroal ohne merklicbe Aenderuog iin Husten, 
SchlMfrigkeit oder Uebelkeit nehmen konnte. Ref. erlaubt 
aich biebei in diaaer Beaiebung aucb an die grofsen Doaen 
Mohnsaft su arinnern, welcbe au weilen notliig aind , urn iai 
I^elirium tremens Bernhigung und Scblaf hervorzubringen , 
und bittet ilberbaupt au bedenken^ dafa die Arzneimittel in 
gewiaaem Sinne nicbt dem Kranken, sondern derKrankbeit 
geltan. ^ £inaii tiitareatapten ^ aelbat beobacbtaten Fall von 



Digitized by Go 



^ier Heilkraft dtr Ipekakuanba (mit Salmiak) im Bluthutten 

erzahit der Verfl S. y9. voii einern 22jiihrigen, bereits seit 
l3 r^lonateii an diesem Lebei leideadeii jL\ng]inoe, wclcher 
oil liifinen tiner Stuade 1 1/2 his 2 PfundBlut spie, und g<^gtiii 
dcs&en Uebel die sonst l)ewahrtestcn und anbaltend gereicLton 
Mittel iiichts oefrucljtet batten, — Niichst Liinnec's riiedici* 
nisciier Kiinik ^edciikt der Vert, mit ^loiaer Aiisaeichnung 
der chirurgischeii , von mehreren hundert Zuhfirern aus alien 
Weitgegeiiden besucbten Kiinik Dupuytren'i im llckel - Dieu , 
deoi groi'sun, in n^ueren Zeiten vie] verbes««rt«a l^ranken« 
baufD, und Dupuytren selbst scbildert er alneinen) in wis* 
senschaftlicber und tecbni9cb«r Hinsicbt gUicb voUend^tea 
Wundarzt. — £ines der anziebendsten , gerSumigsten un4 « 
woblhabenjdaten Hospitaler in Paris i#t daa Hdpita] Liouia^ 
ifeicbes grdfstentbeilii Hauskranke aller Art aufnimint, unter 
w«lcben der-Ver£. aucb einige FjUle VOQ bbtbyogis 8ebei» 
Gelegenlieit batte«i , AUb^rtf Biett und Atcber«nd wirkfln. in 
d«inselb«n , und nameotlicb eelgte sicb Biett als *in vit]$axtig 
gebi]d«Ur» ireSliidofr Fraktiker, d<iin auiob die JLetatungen d»r 
AuaUnder nicbt'Sreind alnd«. ' Geg<^n dt^n Herpes exadens wird 
dai Cofme'acb^ MiUel und innenich dat Oecoct. Ztttfnanni, 
gegen andere Flecbten das filasenpflaster und innerlicb nicbt 
ielten die Tr. cantharid, l}i& zu 2;> Gtt. ta^lu b einige Monate 
laag angewandt. Eben so wird der Arsenik iiuierlicb gt^gen 
vtiijcLicdene Hau tiiljel bauflg in Gebiaucb gezog»-n , und von 
den Franzosen sehr g<:rObnit, Hauptsiiohl icb auiigezeicbnet 
ist das Ludwigsspital durcb sainen groisen und kostspielig 
trrlchteten und unterbaltr-n e n Apparat von warinen Wasser- 
biidern , durch seine Daaipfbuder Ilh die ganze Hautobei (lacbe 
und einzelne Stellen derselben, die liege n douche, Scbwefel- 
dunstbSder (nacb Gales ; eigentlicb abf»r iat^Darcet: nacb 5. 115« 
der Eriinder der Dampfapparate , da er sie ISngst vor GaWa*a 
Bekanntipacbung yartertigen lieXs) und drtlicbe Mineraldunsir 
bSder, z. B. von Zinnober* odar $chwe{aldflji|pfen f'i\r dat 
Sesicbty obne dafs davon etwai in die L^ungen daa Kranken 
kommt, welcbar dup*^)|^ einei mit.einam Tricbter vefseba^a 
Adbra athmefc. Diese ainaige^ grofMrdga Badaanstalt Ver-* 
dienit, nacb da^ Verf f wegen del un^j^i bauern Umlan^et^ dar 
Maniiicbfaltigkail; Jbrar Tbaila un,d dar TrefflicbkeU ibrar 
laecbanitcben JElQlfa « und yaJrbindungioiittal » dat aahv ganaifa 
Beteben ainaa jadaa nacb Parit reitaJiden praktitcban AraCat. 
Jkl <Bebandlung dar Krilusa bediant man ticb vorsfigUcb dar 
Bsd^r aus Scbwefelkali ^ und nicbt nar die Hospital - ^ sondent 
•ucb viale tausend Kranke (\berhaupt| die in ibren H^use^u 



Digitizedby Go ^s'^ 



110 Kof( irfllld:e Bemerkuttgctt. 



wofanett^ undt torn Hospitale b«tMnd«lt Mrenf^n ^ erhslt^n ill 
l«ftst«reiii ihre Bsder. Un«er V«rf. h3lt, wie wir auch schoti 
au'A seinen Beobacbt. im Ot»b. der ai^sOb. Heilk. wissen, con- 
centrirte Scb wefelbSder gleichfalls f'i'ir d.is vsicherste umi be* 
t£ leinste Alatel, um die Heilung der Kratze in der Hegel 
ohne aile innerlicbe Arzneien zu eiz,ie]en, and Ref. versicbert, 
4-ircb das blolse, IVforgens und Al^ends u ntt-i nouunene warrne 
Wascilen des Kdrpers nutteist einer Anllusung des Scbwefel- 
IcaltumSy, ohne alien inneien Arzneigebrauch und obne (ibJe 
Folgen , eine grofse Anzali] Personen vort der Krnfze befreit 
2u baben^ wodiircb somit nicbt nur die Kosten iilr die Blider 
•rspart, sondern aucb die Behiindbin^ des Uebels um Vieles 
vereinf'acbt wurd#. ReE lUisC jedocb nicht die ganz^tiaut* 
olierf]3cbe auf etiiinal, sondern liur stf'llen • Oder giiederweis^ 
ihit jener Aufi6sung vTascben, und hille g«fiau darauf, da£i 
die Wa«chung«n swar 84!br wariu^ aber obne Itarke Reibung 
der Uaut geschebeil, .und dafs^von Zek sa Zeft mtt d«iMi$lb«il 
«inen Oder mebrenr Tage gana ausges'etst Werde,- wait ticli 
sanat leicbt an einse1n«n Stetlen der -Haut'^' besondera am £ll« 
bbgeng^Ienke , flecbteh9bnU«be' Kpusten hildfen > welche nicbt 
aehen die ^anzliche* Deiluttg veradgern und wiader eine be* 
aondere fluUere fiehandlung erferdern-, aticb die Natur aolcba 
Stelkn gerne benutzt, Um durcb aiel babittii^lld krankbafta 
Ausscbeidungen zu bt*grRriden. FOr eine wesentlicbe Bedin* 
gung Ziir gnin llicben lleilung und zu Verhiltung der Wi^der- 
kcbr der Ki iitzt* liUlt es Rt-f. sodann fcrner hfi dowser Behand« 
lung^ dafs im Verljnf'e d<*rselhen dirjenig^tt Kleidu ngs^tOcke j 
Welcbe walirenrl jener Hjutkrankheit ^i^etragfi'n wtncien, in 
Sei^enwasser oder Lauge gewasclien werdtti, voii ibnen 

ans die Kttltze, besou'lers an den Haiulg-l^ii k en , sich der 
Haul sonsl 1 irht wieder a ifs Neiie niittheilt. Aucb gf^gert 
allgemeine Kleien - urd Scbuppenflecbten wendet def Vert 
daa Scbwefelkali in Aufldiung llufderlicb und die Tinct. can* 
tharid. innerlicb bei'firwadbsehen tKgHcb 3 Ma*! zu 6 9 aUuiSb- 
1ig'«u Trorp(«n, also bis zu 72 dea 'l*ag9, 6 bis 6 WocbeA 
iangy hei ntagerer Dittty> Eatbaltung titfrt i^rhUiiandan GetrStt^ 
ken, tind ttiietst BSdem frtia Itobl^MureMi l^atrum an, wobei 
die Flecbten augltfich mtt Liquor calcen ok^^uriat. bedupft 
werdeftf wtnn ate Harcb di<» Scbw*«MI«be^ tHYOt rdl4h' uli4 
acbmerahaft gewotd^n wvtett^ DUaiAt SdMriniit^ Saasaparilltf^ 
•und ChinaWurftel bi?ICebende tm Hdpita) St. fiOdii ha u fig 
angewartdle Tirana dv Faitt fiiind det Yetti iH iinn^n Ark^ 
rungen ' gegen ernge^ilM«k* MfSthidtkHt Sypbilis gltU 
aabr btll{rmb« 



V. 



Digitized by Go ^v,.^ 



Kvpf fifttlt<li« BemefkiiDf«»* - ill 

An itr Charittf, ehier relnliclien AnsUlt^itoit bellSufig 
2300 Kranken b»td«r)ei Geschlechts (beeond^rs vielen Brust* 

kranken und Bleikoliken) , und elntr inedicini»ch-chiriirgi8cb«ii 
Klinik, wirketi Jioyer, Roux , Ijf-niiinier unci I'ouquitfr, 
welcber letztere die An&teckiingsiahigkeit der Lungfiisucbt 
ISugnet, lie un«er Verf. aber unter gewissen Uiiislanden in 
Sch lilz niriuiit y unci g?'gf»n deren Ansteckung skh iiie G^^SLind- - 
heitspolizf^ i nocb wenig. r Marksarn zu bevveiseii verinogt', als 
celbst g^gen die Fortpnanzimg der Liustseuche. KeF. , Welcber 
die Lungeniucbt , wie jeder andere Arzt aucb , leiderl sclion 
bSuHg gemig heobacbtetef will die Anttcckung durch dierselbe 
in einze]n«n Fallen und unter gewitten Bedingungen zw^r 
nicht ISugnen , und hekannt M e» ohnedi«a , dais diestfr 
Krankbeit in tddlicben Klitnaten^ Wte iittnentlicb in luli^n, 
cine deutlicher^und entscbiedenifr aiMtecktfnde Kraft zugii* 
schriebeti wird. AiWin hit jets t itfc ibiii''nocb kein^Fali von 
Uflhertragu ng dieflerKrankh«>it vorgekomoieo f und ew«r aelbat 
nicht in solchen Fflllen^ wo Feriionen mit otfcnb'arer^.entwo« 
d«r individutfUer ortS^r in der Familie begrttndtfter Aniage jaur 
Lungeitaebrung mit dem Liungensflcbligen durch einerUtibn 
von Medien in nabar' und bestAudiger. BerAbrung. standea , 
itets neben dema«iben icbliefen, au jeder Zeit mit ibm to 
4erie]ben AtmospbSre vefW^ilten , ja sogar , g'^g*'" die ana* 
drtlcklicbe und ott wiedei bolte Warnung dt s Kef., seibftt das 
durcb die scbiuelxenden Scli vv eiise des Scb w i n laiicbtigen dui cli- 
nalste BeCt mit ibm tbeilten. VViiie )e<lucij bei d«r AiinahiiMf 
einer entscbiedenen Ansteckimn sfah i . keit der Ldin" ensucbt 
voft wlrksamen gesundbeitspoli/.tnhcben iVi.ilsregi- 1 n ^ ' i^fi de- 
ten Ucbertiaguiig aut Andeje die l\ede, so fUiide ilet. eii» vm- 
faches , und wenn es gfborig beFolgt wird, gewifs iiicbt un- 
wirksames Verfabren darin, iIaCa es jedem Aiaste, welcber - 
eiuen Scb windsfikbtigen bebandelte, aur I'flicbt gemacbt wtir- 
()e, im Falie des Abiebens dea let&t^en der Obrigkeit sogl«icb 
die Anzeige davon su maoben, daihit die Angehdrigen dea 
Terstorbenen zu sorgfSltiger Liiftung und Keinigung deaZiilu 
ners, in welcbem sicb der ScbwiadaOcbtige auf'hieUy ao wie 
tur Aeinigong und ijafcung der vbn.jbio gebraucbten Klet- 
dUngsttOcke uiii dea Betfea angebalcen wOrden^ welcbea Ver* 
iAtti^^ so weit R«£ die Verbltltniase Jbennt, in der Siadt 
uftd aiif dem ljand«' wm ao leicbrer Eingang im Fublikum fin* 
^i^Q' wAHe, alt daatelbe obne gruUea Aafaebeo^ obne 
|ioiie Kosien und tiberhaupt obne einen fttblbaren fiingriff 
tn die Fceiheit dea BUrgers in Anwendung gebracbt wardili 



Digitized by Go ^v,.^ 



112 K.O|)p arzUiche Bcmerkuogeli* 

Im Hospital der Venerischen (aux Capucins)^ weldhes zu 
den itnreinHcbsten in JParift gebdrt, an welcbem ilbrigens Cui- 
lerier der Aeltere worthvoHe Vorle4ung«n iiber die veiierUcben 
Kraiikbeiten h^U| werden jabrlicb gegvn 3000 Sypbilitiscbe 
mit fast alien Formen undModiiicationen, und etwa 3500 Aus- 

/ Wlktige vom Hospital aus behand«lt« Das bier fast aliein ge- 
brStuchliche^ innerlicb gegebenv QueckailberprSparat isl d«r in 
We«ng«tst flutgeldste Sublimat als van Swieten'sobe Scrlution^ 
der Spei£faelflul*s wird for Jstwas Zu^llig«s^ i'Otr «in« Neben- 
aacba bei der Heilnng Vejieriacber gebafcen^ und so wie die 
6ymptome. der LiutUeucbe verscbwunden aind , erfolgt die 
Endassung derselben aus dem Krankenbause. Unser Vf. bftlt 
jedocb den Speichelflufs fur mt?hr als erne hlos zutaillge Er- 
scbeinung , ei ^ahlt die hekannten nacbtbeiJigen Fol^^en deS 

N ISngere Zeit fortgesetzten Siihliiiiatgebrauches j iF, und bitlt 
dah\r, dafs von denen, die aus dem Hospitaie der Venerischen 
entlassen werden, gtnug mit Nacbkrankheiten , die emeu ve- 
neriscben Cbarakter haben, befallen werden mogen. Ref. ist 
derselben Meinung, und er kann sicb daber nicbcgenug wun<- 
dern , daia dieaes Mercurialprilparal^ Weicbem nach seiner 
baiifigen, tind wie er glaubt , mit Genauigkett atigestellten 
Beobftcbtung nur eina aebr bedlngte Anwendung, aelbst io 
den secundUren Forman der Sypbilia sulEOmmt, ein gletcb ua- 
Jbedingter Gebraucb ^^^^en primiira sowobl ala tonaecutive ve« ; 
neriacba Zuf^Ile in einem Hoajpitale finden kann^ wo jSbrlicU 
. eine >aa grolse Anzabl Venenscbar bebandelt wird$ und es 
b>eb«i gar nicbt aoUte feblen kdnnen, dafa nicbt die Menge 
derery die durcb dieses Mitt el entvveder gUnzlicb ungebeilt oder 
nur scbeinbar geheilt, und dann bald wieder mit den aherma- 
ligen SymptoiJien der JLues, vielleicbt nur in andeier Gcstalt> 
in dai* Hospital zurflckkebien werden , die Aerzte desselben 
scboii laii^st hatte zii der rjeberzeugung bringen solle n , dais 
Clberhaupt nur diewenigsten syphilitiscben Krankt- n durcb deu 
Siibliinat grttndlicb gebeiJt werden , dafs man aber insbf soii- 
dere bei dem Gebraucbe dieses ArzneimitCeis gegen die pii- 
mSren Formen der Sypbilts, abgeseben von seiner oft so zer- 
atdrenden Wirkung auf. die aaairoilativefi und blutbereitendeit 
Organe, am allerwenigsten vor sypbiUtiscbaq Nacbkrankbei- 
ten gesiebert ist^ ja^ dafaaicb unter dem Gebraucbe desfi^lb^ii 
aacb'die <ionsecutiven ZtsMl^ der veneriseben Krankbbit (WOr 
gegen der ^ubiimat noeb.'.aiii ebesten 4ng4«eigt wftre) aebr oft 
lioch vertcblimmern , atatt atcb au beaierd oder giinilich ge* 
beilc «u werden« . . 

(Der Besihlu/s /ols^») 



Digitized by Google 



N. a 1826, 

IleidelLerger 

Jahrbiiclier der Literatur* 



Kopp arztliche Bemerkungeo* 

lUf< kdnnta dtWM durch eitia Relha iron fieUjiieieii 
Weisen ^ indem ifam FfllliB yorgekomiiittn aind , wo untar den 
Gebraacha dea SubK^ata dia Uvula bereita der Zerstdrung 
. dnreh das venariacbe Gift iiebr nabe war 9 und wo nur der 
leichlicbe Gebraucb des vertilfsten Quecksilbers das Gehilde 
uochrettete, wo ferner veneriscbt; Hantaiisschlage und nScbt* 
liche Knocheuschiijcrzen , venei ischtj A .isengeschwiire und Auf* 
treibungen des Stinibeines, gegen welche l)ereits langereZeil 
zuvor un ter steter Verschliminerung des Uebels der 5nblimat 
gebraucht ward, allein durcb die Anwendnng des versuisten 
V'Jecksilbers und den durcb dosselbe erre^ten Speicbelflufs 
e^uindlicb und fiir iinrner gelilij^t vviiidon, Hef. bat keinen 
Oiund, anzunebiuen , dais sicb's bierin in Frankreicb viel an* 
ders verbalten werde, als in DeuUcblandj da eine Verscbie- • 
(ienheit im Klima^ deaaen Temperatur^ der pbysiscben Be* 
iihaffenbeit und Lebensweise der Bewobner beider Lander^ 
nicbt indem Maafse statt (indet, dais bet gleicber UnbefaiW 
genheit und Genauigkeit in der Beobacbtuftg die BebandluAg 
'ier sypbilitiacben Uebel durcb den innerlichen SubUmatge* 
iiraucb in dam einen dieaer Under andere Kasult^te, als ii% 
^em andern barTorbrin^en werde » Kef^ be,merkt ferner, daXa, 
diejenigen Sypbilitiscben darum tipcb niabfe ioimer grUndltch^ 
|ebcilt aiad^ deren' Xiocalabel wftbrend der inneirHcbeti An^ 
veiidiuig dea Sublimati trerscbwunden ist (an wenig als der* 
jenige trot den. Folgen dea tollen Hui^d^bisses gasicbett ist , 
^issten fiifs wunden bald gehellt aind) , indem er solebi^ OrtliiShe 
^sbel schon oft nicbt ntir innerbalb wenigt-r Tage^ also z*(fl| 
•Uier Zeit sclion veisch vviiiden sab , wo von einer antisyijtii- 
litiicben Wirkung des (^uecksilbers noch garkeine IVode st-yii 
lonnte , sondern es aucb biiullu gescbieht^ dais vtneriscbe 
LotiiUuf^^le IB liutzem obne. alien tnnerlicken oder 2ui*ser« 



Digitized by Go 



114 Kopjp firztiiclia Beuterkangeij. 

lichen Quecktilbergebrauch lediglich iron telbst wieder TtN 

schwindeny unci soniit fiir einige Zeit geheilt zu seyn schei- 
nen, dann aber oft erst iiacli einer lleibe von IMonaten durch 
den iiunmebrigen Ausbrncb der Synjptome allgemeinei Ijues 
beweisen , dafs das cinst unLeacbtete , scbinerzlose 9 deni An- 
tcbeine nach ^anzlicb g^'j i"gfi^gig ^ewesene, veneriscbe Local* 
libel allniahlig im Staade war, seiner inneren Qualitiit rack 
«ich Qber den ganzen Korper zu verbreiten, und die ernstbaf- 
testen und bai tnacki gsten Folgen nach sicb zu zieben, Rei. 
kdnnte zum BeJege dieter Wabrheit (die bei der HMufigkeit 
dot Vj^neriscben Vergiftung und ibrem ofc so tiefen Eingreifeii 
In das pbysiscbe und moraliscbe Wobl der Menschen, und 
Vreii da und dort die bios locale Bebandlung friscber veneri- 
scbet Uebel und die UeberfiUssigkeit des innerlicben Queck* 
silbergobraucbs gecen dieselben gelebrt wird^ nicht h^uEgge* 
Slug gesagt und beherzigt werden kann, und daher niche nur 
in specie fAr den sypbilitischen Kranken und den ibn behan* 
delnden Atztf aondetn auc& fOr die . Geaundbeitapolisei im 
AUgemeinen von der ftrdrsten Wichtigkeit ist) eine Reibe 
aelbat beobacfaleter FMla mitthellen; ar will aber^ urn di« 
tirSnsen eIner Anaetge nicht noch mehr su llberaebreitan | 
statt aller nur anfttbren, dafs er gerade im gegenwMrtigen 
Augenblicke einen jungen Alenscben bebandelt, welcber be- 
reits vor zebn JVIonaten in Folge des Umgangs mit einer un- 
reinen Weibsperson ein kleines^ scbmerzloses Geschwilrchen 
an der Vorbaut Jiekatn , das er nicbt weiter beacbtete, und da- 
ber sich selbst iihediefs^ worauf es nach zebn bis zwcilf Ta- 
gen gelieilt zu seyn scbien. Zebn Mon:ite iang butte er nun 
einer ununterbrochenen Gesundheit genossen, als sicb ]etzt 
erst I obtie dafs er in jener Zeit einen neuen Umgang mit einer 
Weibsperson gepflogen^ die Zuf&Ua der allgeneinen Luea bei 
ihm enttwickelten ) und nun nach einander, innerhalb weniger 
Wochen, veneriscbe Halsschmer^eni Gaschwulst und Exul* 
ceration beider Mandeln^ Condylomata am After tind MitteU 
fletscbf dergleichen Auswfichse am Sctotutt^ dsm minnlichen 
CUede und der inneren 3eite beider Obersthenkel und selbst 
in den Zwischenraomen der Zehen des rechten Fulses f aich 
Mletst aphthdse^ warsenartige Erbabenbeiten und £xcoria« 
tionen selgten^ die o£Fenbar venerischer Natur waren, und 
den sorglosen Kranken tvH^tzt ndthigten 1 flrstliche Hfilfe su 
sucben. — In Rticksicbt der wichtigen Frage: ob der Spei* 
cbelQuia eine weseiitlicliL' oder unwesentlicbe Bedingung Bur 
grflndlicben Heilung sowobl primitrer als secimdajer veneri- 
scher Uebel sey | will Hef. bier nur noch kaiz , obwohl ge^tsn 



Digitized by Go -v,i^ 



11^ 



9 

iU AnitdiC det PtmoMttf fcrnmrkoi^ AJSi w dmelben in 

der Regel fOr eind Wesentlicbe Bedingutig za einer radicalen 
Heilung der urtliclien und allgemeinen I.uslseuche hfilt^ dalj 
es aber auch einzelne FUlle gjbe, wo die gruiidliche Heilung 
derselben ohne einen solcbenSpeichelflufs erfolge^ so wie auch 
zirweilen Fiille vorkornmen| wo schoii Salivation eintritt ; 
Jiocli ehe das venerisclie Gift getilgt ist. Ref. kaurt sich je- 
doch ti])er diesen Gegenstand hier nicbt wfelter einlassen, und 
behSit sich vor^ bei cincr andern Gelegeoheit Aeine Aati^hteil 
lUtdErf'abrungen biertiber mitzutbeilen^ 

Im Hospital far Jcranke Kinder , dat gewdtmlicb fQnfbun* 
dert Kranko van twei Ms Viersebn Jabren entbalt^ ein schd* 
jies Local ufid gute VerpOegung hat^ vrerden die Knaben von 
Jadelot^ dia Madcben von Guersent bebAndelti- det Verf^ b«* 
rtchtet nna aber nicbts Ausgezeicbnetes von dieser Anatalt* w 
Mtfbr f«rw«ilt dvrcelbe bet dem Hdpital de la Gttda M»)ral«f 
welcbem tMrey vorttehti de«ien Aabm tLbrtgdnt b«l unt 
gtdfcer itt| all in aeineni Vafterlaiide^ del* yott Niipolera 

{rofte AusseidiQilng genolt^ yon demaelben ^um Baran (Utlutm 
en und in selnem Teetamente badacbt wtirde « nun abat sia^ 
itickeesetst ist^ det Pirableiret uhd Uebertteibung von leliiea 
Landsleuten bescbuldlgt wird ^ uiid ahedem lyait besser ope- 
rirt haben soil, als jetzt, Unser Veri. scbildert ibn als einen 
iiulseist gutmiitbigen und gef'alligen Mann sovvolil gegenFrem- 
de, als g^gen seine Kranken und IJntergebenen ; meist wird 
sein Hospital aber nur von deutscben oder engliscben jungen 
Aer?5ten besucbt. Die Kranken leben in diesem Hospitale am 
Lesten. Der gedruckte lange Speisezeddel dieses Kranken* 
hajses enthiilt inehr Gericbte, als in den grSfstcn Gastbofen 
mancber Mittelstadt zu baben sind, was den Vi. um so mebr 
Wundert^ daJLarrey alsMilitMrarzt die Gevvdbnung derKriegs^ 
leuta an Ueppigkeit und Ueberflufs gewifs nicbt gut beifseii 
kann, Dar yielfacben Anwendung der Moza (vdn danen die 
Ueinera oder cbinesiscbe eine aus inabraren Pflanacnpulirarii 
bestebenda Paste ist, dia bei'm Abbrennen dia Haatnur obaiv 
flftcblicby dia grofie Sgyptischa odair Zylindermoxa aber^ au» 
Baunvyollaf dia Haut tiafat yaHatut^ wakba heidie Larrajr 
hit bei jadaill Spitalumganffa anwandet^ ja tuwailan aidant 
Krankan na^b ulidnacH SO&oitatf appliciran l&fst)» gedaiikl^ 
der Vf. auaftlbtHcb^ und bamarkt^ dais Larra^jr dadnrch* xiitbt- 
aelten in FSHan Ganesung bawirke^ tro dia Anwandaiig iloilat. 
earns ungewobnlicb erscbeine. Ref. bat aich der Moxa in dec 
Hospital - und Civilpraxis audi schon ^f'ter bald mit, bald ohne 
guUn Erfoig bedient^ und er ist ub^i^cu^i^ dais die Anwen* 



Digitizedby Go -v,.^ 



Xi6 tiP]^]f ar4tb(Ue BenefkuogeB* 

dung diem'kvlfilgen ^itteh in maocherlel cbronUchen , in- 
neiren utid Mufseren, KrankheitssufttSadta, gege«^ wielcbfi dio 
Ktuia^ 00'bft obn€ guten Eriioig Jci&inprt, von «iiig9seicbiietetti 
Nutze»ls«yii wQrde, wena nuc die betreffendon Kranken sich 
in der JEl«g«l nicht so iebr vor der -Application «det FevLWB, 
fdrcfate'ten^ nnd daber-.d«n Gebraiich deaael-b^ aaJtener su- 
IMstUp ala.efc wQi^acben w3re. Refi hediei|ta aicb Liabec 
etner sebr kunsdoBjonJMoxa , diis aber eben um ihrer Einfacbf 
heit und Wohlfeilbeit willen , iind weil mab sie fast tiberall 
Icicht habea kann, um so eliei Anvvendung verdient, audi in 
physiscb -.cbemischer Hinsicht eben dieselbe, ja viclicicht eine 
jiocli krilftigere \\ iikung leistet, als die kunstllchere I^arrey'- 
Bche JVIoxa , namlich der gewuhnlichen (pyramideiiiuiaiig ge- 
ataiteten) iiauclikeizcben (Candelulae fumales) der ApotLeken^ 
von denen er, iiach Umstanden , eines odei zwei aufsetzen, 
iind dann mit oder nelien einander his zun* letzten Funken 
abbrennen laist. Uiiter andern iiefs l\eL einst zwei derselben 
cioAOi juhgen Manne aufdem Haiipte abbrennen, der in Fo]g<9 
«iflea> von dumpi:! lift entstandenan Quartan&obera wasserafikch* 
tig geworden wat, und i)ei dem aich, wie a^ acbien, nack 
einer acbnall eingetretenen aerosen Exsudation swiachen den. 
Gahirsb^ten und in den Gebirnventrikaln , convulsiviiche 

apoplectiscbe ZufMlle eln^^tellt batten. Kaum batta dez 
Kranke die £iiiwirkung d«a Feuera krSftig ampfundan » ala «r 
sum Bawufataayn siirbckkehrtef die auvor atatt ^ebabta Fara- 
lyaa daa reiorbirenden Syatema^ welcbe fjrtljiiecbin daii wirk* 
aamateii ioneren Mituln wideratanden < batte, aicb* binneit 
otlicfaeit 'Tagen bob^ worauf in Kuraem vie). Urin abgieng, 
und der Kranka nun durcb dan ^ortgebraucb.roborirender und 
diuretiscber Arsneien allmablig sur gUnsIicben unddauerbaften 
Genesung gelangte* 

V. Esijiiirol, — Die Salpetriere, — Charenton, — Bir 
Cetre, Itard. — Die Maternite', — Ilebammenanstalt* 
Sciiaden durcb veneriscbeHebammen, — Findelbaus. — ZelU 
gewelis veihartung, — Xaubstummenanstall:, — Institute iu^ 
iSiiflde* — Veteriniiranstalt. §. 140 — 172. 

Die Salpetrit^re J Charenton und Bicetre, diese drei fiir 
die Heijung und Atifbewahrung Geisteskranker bestitumten 
Otte, geboren zu den merkwUrdigsten arzUicben Anstalten 
in i*aria« Die vor^tiglichste unter ibnen ist jaber in alien KQck* 
aicbten die Salpetri^re, die zugleicb Veraorgungaanstalt ist,, 
und iinter ibren 5000 weiblipben Bewobnern etWfi 8OO Fay* 
cbiacbkranke. nod 260 Epil^ptiscbe a^bU« An ibr allein wer« 
deoy. und ftwar von £squiroi| dem Arzte der Anstalt^ Ftnetl'a 



Digitized by Go -v,i^ 



1 



Kopp MutUob) BemcrkoDgeat 117 

Nftcfafolger, Vorlesungen itber psychische KranlvV.eiten gebal- 
ten, die 5^br stark b^sucbty imd durcb E^quirol's llumairitiit, 
Kenntnisse , EiFer und Tbatigkeit ungemeia ntkUltcb sind. 
Zugleich besitat dieser verdienstvolle Geli^brte aucb einef sebr 
liedeutend^ und wobl tingf^ricbtete Friratanitalt &Xt Geistes* 
|Serrattete. Innerltcbe Arnneien sieht man in dtn Fariser 
mooaiiitalten atrltaii gegen die Gemtttbtkrankbeiten gebrau- 
cben» dagegen wird jnebr Wertb auf die moral iscbe Beband* 
lungi' die Art der VerWabruirg, Lebensordnung, Bader^ den 
Gebraucb dea Glabeiaeni Im Nacketi^ und kalte Stursklider auf 
ien abgesoborenetfi Kopf wUhrend des warmen Bades gelegt. 
In Charenton, woselbst der Veil\ 300 gein(ith&fcranke Manner ' 
aad 200 Weiber , meist aus den hulieren Standen , sab, und 
Vosell)st file LiiiiicLtung vollkommener seyn kdnnte, ist 
Bbyer-Collard Arzt; am Bicctre, das gleicbfalls giofser Ver* 
Lesser ung bediitlrte, nur i'i\r jiiiinnliche, heitljare und unheil- 
bare, Irreii l^estimmt, ztialeich aber aucb \ erpjh im;'Sanstalt 

f.. 1 . ^ * ^ r. ' 

firalte Anne and Unlieilhare , so wie Aufhewabrun^sort tiir 

«chvvere iiiannliche Verbrecher ist, ist Tariset aiigesttllt, — 

Mit der IVIaternite (Maison d*accoucbement ) , einer groi^eu 

GebSranstalt , in welcber j&bilicb fiber 2000Schwangerf?, zuia 

Tbeil unerkannt, entbunden werden , und an welcber Dubois 

all Geburubelfer und Cbaussier als Arzt wirken, bestebt eine , 

Scbule f'iir angebende^ auf Kosten der Departements sicb un« 

terricbtende Hebammen , in welcber Junge Aerate keinen Zu<" 

tritr baben. Gegen den Gebraacb in Deuticbland warden in 

Frankreich me»8t uur funge Fersonen yon 15 bla 25 Jabren sti 

Httbammen gehildet, um f'fir daa von' den Gemeinden auf tie 

▼«twandte Geld lange nfltzen » und im mittleren Lebenaalter 

ichon erfabrene Hebammen warden cu kdnnen. Der Verf* 

tbtit bei dieaer Galegenbeit den gewtfs sehr beberztgungtwer- 

then Vorscblagy die Hebammen bei dem Unterrichte aucb mit 

<len Kenn2eich»*n der L#ustseuche, und dtn *ic var derselben 

schiUzenden IVIittcdn bekannt zu macben, ilaniit aie ])ei dec 

Etitbiudung veneriscber Personen d*as Gift nicbt auf geaunda 

Gebiirende und Kinder iiUertragen , wovon der Verf, sovvolil 

eigene, als fremde tranrige Beispiele erzSblt, — Im Findel- 

liaose , welciiem Bre&chet als VVmidarzt vorstelu , ist die 

^^ttrjjliclikeit we^^en der sehr verbr»8serten Jinirichtung weit 

geringer, als ehenials. Von den 5000 j3brlicb auf|jenomine- 

nen, verlassenen Kindern werden nur die kranken im Hause 

bebalten, die gesunden aber Ammen auf dem Lande zum Siiu. 

gt^n und aur FSega gegeben, was dem Institute eine jUbrlicbe 

Autlaga vo» |y400/KPO Franken verursacbt. Sebr.bftuiig wird 



Digitized by Go ^v,.^ 



119 Kopp taUidNi BemerlnngvD. ' r 

hier die ZeUgevvebsverhartun^ Leobachtet, von wekber unser 
Verf. nach eigener Ansicht bier ein deutliches Bild entwirf't, 
tind die lirankhelt fCir eine eigentbttmlicbe Modification ver« 
erbter liUStsepcbe ansiebt* worin ibm Kef. vollkommen bei- 
Stimmt, indem cr namentiiqh vor andertballi Jahren einen, 
von einem friiber'mit der Lustseucbe bebaftet gevvesenen Va- 
ter erzeugten SUugling an dieser Krankbeit sterben sab, von 
lessen frtihefec ftini: Oe^chvfistern Ref. aucb eines, aa einem 
entscbiedefi ^ypbiliti^cben t im bocbsten Gradis bdsartigen und 
todtlich geword^iifn ^uatc^lage hehandelte. Pas letsterseugte 
Km4 dieses Manner etafb vor einem haiben Jab re am fflnfteii 
Tage nacl^ <l®|r GeBuirt unter bestUndigem Wimmern an Ga- 
atramalaci09 wa* deil Ref* die Section }ebrte. — Am n(its« 
)acb«tei| findet man im Pariser Findelbause lyaiserjanKpfbftder 
ge^jen die ZeUgeweJ'flverhltrtung ; Kef. wOrde,^ wenn ibm 
Vieder Fjdle die#er Art vorkSmen , das ye.r||l£ite (^i^eckatlber 
In kletnen Posen mit Motcbus in Gebraucb sieben. — Itard 
\%X, Arzt dee K, Taub^tunimentnitituts , und austcblieftltcli nar 
mit der Bebandlung Gehdrkranker bcscbSftigt, worin er Ge» 
wandtbeit und nianches Eigeiithtlraliche bcsit^.t. Der Taub- 
stuuimen sind neunzig} und |br erster Lehier ist der Abbe 
Periez , die Lehrmetbpde die des AbhJ de TEpee, yom Abbe 
Siccard yeryollkommnet. Sie gescbiebt durcb die Zeichen* 
spiache, wodurcb die Taubstummen , aufser der Erlernung 
meclianischei: Ai heiten, lesen, schreiben und rechnen lernen , 
tind sich in mehreren Spracben , in der Geugraphie , Gescbicbte 
u. 8, w, Kenntnisse erwerben , wQiiiber sie jeden JVIonat zabl« 
^eicb besuqbte Priifungen erfabren. ^ Eine iibnlicbe £inrich« 
titng Endet aucb in der K. Ansfalt fOr junge Bljnde statt , die 
secbszigMadcben und dreifiig l^aben zSblt. Pie Bucbstaben 
ibT^r £(icber» die Grfin^en in den Landcbarten, die Nolen 
^* 8. w* tind erbaben^ und far <]as Geftlbl in den Fingerspitsen 
^eeignetf upd eben so aind aucb ibre Bticber eingericbtet, 
An der seit 1767 unte^ Botfrgelat'a Directioii f tebenden Vnter« 
ricl^taanatalt far Tbierarane}kunde im' ScbJo^ge Alfeft Bei Faria 
gebeii aieben Frpfea^or^n Upterricbt. Der Zwecjc dieaer An* 
atfdt isr, Thierflrate, gescbickte Hufacbmiede^ Landwirthe 
pnd ScbSfer an bilden| zu welpbem JJebufe 8ie tre|Fiicbe fJulfs* 
oiitfel befitat. 

VI^ Magnetismus in Frankreicb, -r- VarietSten, S. 173 
— 179. |lef. iat nicbt ganz der AnsicLt des Veri. , wenn er 
behauptet, dafs die FranzQsen, vi^eil sie nicbt GemUtb genug 
baben, sicb weder zum Magnetisiren , jiocb Magnetisirtwer- 
(}en eignen. ]\e£ ^rinuert uier nur daran ^ dais Mesater in 

4 

I 



Digitized by Go 



den ietcten Decttinicn d«t yerflossai^en Jabrhunderti mit gros« 

tern GlDcke und Aufsehen magnetiscbe Kuren in Paris verrich- 
tete, nachdem er kurz zuvoi wegen Anwendung dcrsejben in 
deutichea Stajteii Hindernisse und Verfolgiingen mancherjei 
Art zu Lestehen gebabt batte; dais sich su jenei Zeit, in 
Folge der Kmpi^nglichkeit der Franzosen f(lr den Magnetis- 
mvLS, nicbt nur in der Ilaiipt5t.uk, sondern aucb in mehrereri 
Stidten Franki t Iclis , ganze Gesellscbaften zu Qunsten des 
Magnetisnius gel)ildct batten, deren Verhandlangen , wenii 
sich Ref. nicbt iiit, einst diStentlicb bekannt geworden und 
trim Tbeil im Drucke ertchienen «ind ; und dafs lUngst vor der 
iUyoluticm, und noch bis zt| ^etea Ausbruphe bin, eineZeit 
sensihier oder nervdser Stimmung (w^nn ReF. sicb so 9tti« 
djracken daif) in Frunkreich herrschte, wftbrepd welcber )i7« 
steriscbe £rscbe|nungeny Vapeurs, Ekstasen, Helli(eben» un4 
wis die ^Suf^lle eiuer tbei)« i^atUrlich l^r^nlchafteo , tbejU er« 
kADite]ten Nervenyerstitnmttng wefter benai^nt warden 
geM> bis suT Be^chaulicbkelt frommer Inspiration ^ in^besQii* 
dere in baheren Ztri^eln y sebr blM% ^um Yor^cbein l^amen. 
Wobl gab dann das Emporkommen jenes, dem sqgenannteQ 
6eA!|blleben allerdings fremdent krHftigen Uscirpator^ ^ dpf 
auf einem Eilande des westlicben Oceans obnlUngst sein Lieben 
ichlois, der franzuslschen Nation eine gaiiz andere , dem in^ 
ncren nervenschvvacbtin Beschauungsleben fiemde, ja entge- 
gengesetzte Kicbtung, indeni nut den, durch gewaltsara her^ 
^eigeFflbrte politiscbe Ereignisse nun nacb a^fsen gedr^ngten 
Kr;itten den Bevvolnuin I'rankieichs weder mebr ^Seit noch 
Cieiegeii lieit iibrig biiei), zur eigenenBetrachtung in sich selliQC 
zurtickzukehren , und aucb der Geist des iriedlicher noch ani 
Heerde VVeilenden durcb die yielfacb sicb dr^ngender^ und 
wecbselnd^n Ereignisse fast jedes Tages sicl| ,\a eii^e ste^a 
SpaniNing und Regnng nach aufsen ver^atst sab. Ein^ ^olcfia 
Kicbtung des franzQsiscben Volkes war uii4 bUeb aba^ |iu(p 
eine vorCibergebende, und iceii^esweg^ <;ine dauerbaftef ttn4 
Aef, mOfste sebr irren, wenri qicbt mit der stufepw^laan 
KOckkebr eines £rie({licben VoU^eii aUan Gebr^uchen mi 
religi Osam Cultu^ etna, seiner f|neasti|maitei| l^nmr Wpb} jplcb^ 
fremda, aansibla Stfoiqiung} oaar« wanp pari liaba^ wUIt 
dasjenigeGaftlbnabaniiideniselbaii wiedarkebreid SQlltat W^lct^t 
ainer, im Uabrigen ]teinatw?gi baneidenswertben JplmpfSng- 
Itcbkeit {far dan JVlagnetisinu^ V^nd den ibm yerwc^nd^e^ 
•cheinuiigen Daseyn verleibt, n^ndererseits glau^t Ref., daft 
die Receptivitat der Deut^chen fOr den rviiignctisnuis un4 das^ 
Treibeii lierstlben in dieaem und ibm vervvandten QebieteHf 



Digitized by Go 



liO K^pp arztliciie BemerkuDgen* 

wi« wir ei $4it zehn od«r swdli' Jahren urn unl ber Jb«ohach» 
let hahen, unter Anderem aucb in einer, durcb polltiscbe £r- 
«igiiitse berbeigefuhrten , hold durcb Furcbt^ bald durcb Hoff- 
nung bervorgebrachten Sciminung der Gemfltber ibr« Dispo- 
ftition ^efunden babe, dais aber der Meridian einer solchen 
magnetiabben Stimmung unter den Deutscben bereiti . scbon 
wledef paisirt ftu aeyn acbeine. 

yil*. Gesandbeitspali^ei und gericbtlicbe Medicin in 
Frankreick — ROckUi^^ auf dai Becreiben beider Wlssen* 
•cbaften in DeutscUand« Nfitilicbe Anwendupg dea Cblo- 
rtnkalka in Faria und Marc'a Bericbt darCtber. S. i80 224* 
In Frankreicb bandelt man in mediciniscb - poHzeilicber Ruck* 
sicbt nur da, wo es aiigenscbei nlah iN'olli thut, in DeuLsch- 
land ist man abei aut flas andere Kxtiem gerathcii. Als Beweis 
hievon theilt der Vtit. von S. i8i — i89. eine ileibe ineclici* 
iiiscli - polizeilicber, von verschiedenen Aerzten gemacUten 
Voischla^u init, welche wir btieits kennen, und wobei Kef» 
hJos IjeriiLrkt, dafs mancbes der Auinierksamkeit der obersten 
Medicinalbeliorde werth ist, was deswegen docb nocli nicbt 
ajs allgemeine Mafsregel einzuiubren wiire, und dai's eine 
weise* Kegierung nie obne vorbergegangene umaicbtige Fr(l<* 
fun^ iirtbeileo uod bescblielaen werde, im Uebrigen b«lltaucb 
Ref, die Sorge einer Regierung fQr gute Besetzung unterer 
iVIedicinal^i inter filr die Basis jeder giuen Sanitatspuiizei und 
gericbtlicben Medicin. Btsonderen Dank vcrdient der Verf* 
fQr die auaffibrlicbeMIttbeilung det von ApotbekerJLiabarracpe 
iu Paris entdeckten Gebraucbs des Cblorkalciuins zur Tilgong 
des fiiulen Gerucbt bei Leicbnamen^ deasen Anwendun^ aicU 
aufser der Sicberbeit und Scbnelligkeit in der VVirkung inabe- 
sond^re aucb nocb durcb die Woblfeilbeit und- Leicbtigkeit 
aeiner Anwendung empEeblt^ Dr. Marc f ein Deutacber von 
Geburt, Leibarzt det Hersogs von .Orleans » und einey dier 
vorztiglicbsten gericbtlicben Aerzte Frankreicbs, bat eine 
Reihe von Versucben mit diesem Antisepticum , sowobl gegen 
den L<eicbengerucb in der RettLina,s- und Aus>rtll m i^saiistalt 
(i\r iinbekannte Unglilckliclie (inor«iui-), als zu VerhiUung des 
Gestaukes in Abtritten und UrinDebalLei u fiffentlicher Oile 
ange&tellt, die in bohem Grade zu Gimsten der Wirks^mkeit 
dieses Mittels sprechen , und sr-'me allgemeine Einfllbrung in 
d(jn geeignetfc!!] Fa]]en sehr wiinscliens werth inachcn. Unser 
Verf, wt'iidet das flCissige Cljlorkalciuni bei scbJafien, tiifc!- 
ripcbenden, cbroniscbeti Gest lnviiren m\t aufrallendem Nutzeii 
ai^, und glaubty dais dasselbe zur Zerstdrung der Contagien 

und Miasmen iq nyancben iiUcksicb^eii i^o^b VoriiQ^e vQr deu 



Digitizedby Go ^s'^ 



Kopp arztlicliw' Beiaerkuogcn* 12i 

G. Mor^eau's^^en und 6ai)rth'«cli«(i Murcju D^mplea hahun 
werde. 

Vlir. W^chaei des allgemelnen KranJiLeitscharaTvtert. 
Einflufi der WitUrung atif; die Entsteliung deEKrankheiten. — 
Die Lungensucht in epideinischer Bezielimig. S. 225 — 256. 
Aef, Obergebt die eintlringende £inpf'tthluiig des Veif. : d^n 
stationilren Kraiikbeitsclurakter una ajfinen VVecbsd, sum 
Heile der Tberapie, eii'rig su beobacbtenf ala ]>ekaunt, ao 
wie die Beitierkunge% ttbifr die Lungensucbt in epidemiacUirr 
Besiebung , insbeaondere fitir Hanau ^ ali dem Wobnorta dei* 
«elben, woaelbac an dieser Ki^nkbett baaondeis viele.aterb^n , 
und woTon die Ursache an tar and«rn bauptsftcUich in da? 
dttfcb die ]ocaIen Verb&ltnista d^r Stadt begrOndet«n , i tatio* 
oflren katarrbalitfchen Constitution und deien spiit^ren nach* 
theilig«n Folgen liU* die Kespirattonswerkzeuge liegt. Dage- 
gea erJaulit sicb lief, iiocli ctliclie Aug^•nblick^3 hei dei- Byliau]?- 
tiing des Verf. zu veivvtiiei!, tlals &icli der seit dein lieisscii 
Soimner 1^11 und der Anvvesenlieit des grofsen Kometen in 
jenem Jahre rein tfntzinidlicli gewesene alli;(. mrine Kraukheiti- 
charakter, in Folge des gleicUfalls mectoruiogiscli dt nk wl\i di- 
gen Jab res j8J4, ^Atm asth'tniscben neige; was uerstdlie 

au8 folgenden Erscbcinungen scblieisC : l) es gebe weniger 
Entzflndungen , bcsonders wenigerPneumonieen , als vor eiui* 
genjabren; 2} das Aderlassen sey jt t^t i>ei weitem nicbt so 
ott nOtbig, als fVOber; S) die Kranken vertragen jetzt welt 
eber Kftizmittel;- 4) nervosa F'ushtr mit dem Cbarakter dar 
ScbwSche aeyan jetzt bSuSgar, als vor mebraren Jabren , ja 
Soger bin und wieder acbon epidemiacb; 5) jnterinittirende 
Fieber kaman im Jabre i 8 24. bar aits Uttet vpr, ala in einar 
gansen Reibe vorbargaganganer Jabre. — B.ef. flbargibt dieaa 
wicbttgan Funkta f 4o wie die Baobacbtung dat YerC : dala 
^ur Zeitfeiicbtar Witterung wait weniger&ranka lich zaican^ 
a)santer dem £influfae der trockenen, aeinenLeaern aur Ver« 
gleicbun^ init ihren eigenen Beobacbtungen und Erfabrungen » 
vlaabt sich aber seine, auf eine gSnzIicb un)>efangene und 
partheilose Wabrnebmung sicli sUit^.tiinlc Stiinni« bescbeiden 
tlahia abzugeben , dais ibu in BetielF des let^ttJieji UiiistandeS 
namentlieb die Erfabrung des gegenwartigen Spiitjabres gerade 
fias Gegt^ntbeil gelebrt ljal)e, iiidem bei der, J»finabe dea 
j^anzen Ileibst und anfangeiulen Winter 1825 berrscberid gc* 
v. eseru ii feucbten , neblij^eii und gelindtin Witterung in tier 
^'geud und an dem Orte, wo lU'f. die Arzneiwissenscbaft 
};^g?nwiirtig atisObt, nicbt nur bilufiger als auvor fieberbalte 
WiiukUeitan uotar £rwachaatiaa auigal|[tttaa aindf aondern 



4' 

Digitized by Go -v,i^ 



i'Z2 Kopp fintlieli* Bemcilctiugen* 



stth zuglelch aucli unter den Kindern (und nicht felten audi 
bei Ervvachseuen ) <ier Keucbbusten unci das Scliarlachlieher 
entvvickeJt haben, von welcben das letztere in der Stadt rait 
Andauer jener Wiuerung wabrbaft epidemiscb geworden ist« 
In Kticksicbt der gegenw&rtigen Abnabme des enUQndlich^n 
epid em iscben Genius y dem seJtneren Vorkommdn vOnLungen* 
•ntstindungen als sonst^ der seltneren Notbwendigkeit de8 
Aderlasset in denseLben, und d^m leicbteren Vertragen von 
Reismitteln h^i Kranken t&berbanpt bAennt Kef. um der 
Wabtbett willen ^ dafs seine Beobacbtungen sur Zeit gleich* 
falls noeb nicbt mil denen des Verf. fiber einstimraen , indem 
der infiaaiipiatoriscbe Charakter der Krankbetten , nur zuwei* 
len mii dem ^iiJligten complicirt, in seiner Gegend in der Re- 
gel noch iromer vorwaket , insLicsondtre abci- audi Lungen- 
entzi'indungen und cntzilndlicbe Seitenstiche baufig auftreteii, 
alJgemeine und hesondere Blutentziebungen vor alien Dingen 
und ineiatens wiedei hoi t ei l oidert werden, und Nit nun in 
Kmulsion neben Caloin^'l die vorzOglicbsten Hnifsiiiittel slnd. 
Die Beschaffenheit des Tulses und des aus der Ader gelassenen 
Blutes, das in der Kegel eine sebr hedeutende Entzdndungs- 
baut zeigt, der gewdbnlicb scbnelle Anfang der Krankbelteny 
ihr im Gansen kuraer Verlauf , die BeschaSenheit der Secre- 
tionen, die Wege, durcb welche die Natur Krisen einleitet 
und vollendet, afles das spricbt in des Ref.Kreise in der Mebr- 
sabl fieberbafter Krankbetten und drtlicber Entsttndungen ffir 
einen gegenwSrtig nocb prSvalirendan entzCindlicben Genius 
epidemic us. Aei» findet daber aucb in der Regel Lei fieband* : 
lung derselben keine bSufige. Anseige zum Gebrauche von 
Keizmitteln 9 bSnfig dagegen zu solcben Hillfsmitteln , welcbe 
die Masse des Blutes verraindern j die Bewegung desselben 
ni^Isigen, und die iMischiing dieser 1' iUssigkeit veraiidern, 
wo dann meistens auf sebi* einiacbem Wege, bei e;eb6rigen4^ 
Verbalten des Kranken , die Genesnng berbeigefuhi t wird, 
Selbst das Alter des Kranken niacht in RC\cksicht der nocb 
lierrscbenden entziindlicben Diatbesis keinen wesentlicben Uii* 
terscbied, und Leurkundet nocb mebr die Allgemeinbeit ibrer 
Verbreitang. Ref, sabobnlftngst bei einem etlicb* und siebzig- 
jShrigeny an einer Fneumonie leidenden, hager und scbwficb* 
Jtcb auasebenden Manne, bei welchem eine dreimalige VenS- 
seclion und das Anlegen vpnBlutegeln an denXborax angezei§€ 
wareo^ dat aus der Ader gelassene Blut jedesmal von einer 
eben so entzflndlichen BescbafFanheit, als er es auf idieselbe 
VVeise wieder bei einem secbszebnjSbrigen Knaben niit der^ 
selben Eraukbeit iand| bei welcbem ein Bweima^jger Adarlab 



Digitized by Google 



Kopp aritUche Bemerkuugeo. . i23 

* ♦ 

neLen dem Gebrauche von Blutegeln in Anwendung gebracbt 
wurde) und Jbei dem die Na(ur in dranHchst daraut f'olgendeii 
Tagon doch noch auf demselb«n Wege, nUmlich durch wieder* 
boltei Natenbluten, aich mlt sehr gUnstigem £rfo]ge Erleich. 
terung und Genesung zu vertcba£Fen bemUht war. Zu gleicbec 
Zeit koamen dem Jtlef, gar nicbt aelten Personen yor, die 
nicbt eigentltch fiir krank gelten^ die umhei g< hea and ibrer 
GMcblhe selbat aufser demHause betreiben^ docb aber dftera 
fiber Mattigkeit nnd Beklemmung klagen^ und deren Blut bei 
daem Aderlasse sodanif eine aebr auilallende Grusta inflamma* 
toria zeigt. Wobl weifs Ref. t wie unendllch vertcbieden «iclt 
der Genius epidemicui an den irerscbiedenen ^Orten gestaltet, 
Wie vielfach d^rselbe durch die Lage und Temperatur des 
Orts, duich dds \eihaltnifs des Ictz-teien zum Boden, dem 
^^asser, der Luft, der Lebensvveise und dem Gevveibe dec 
Bewohner bestimmt wird, wie zuweilen nur im]]edeutend 
Scbeinende topographische Ahvveichungen in kUijien Entfer- 
nungen von eniaiider an dem einen Orte reiiier entzilndliche , 
an dem andern geiiiiscbte, an dem dritten wabrhafc nervosa 
Fieber endemisch und staiioniir macben , vvMbrend docb in 
grofseren Verbahnissen alle unter denselben. sideriicben und 
bsmiscben £infittssen stehen. Kef, will aber mit seinen Be* 
merkungen luir andeuten^ dafs die Erfabrung wenlgstens bis 
jetst nocb. nicbt (Iberall eine solcbe, von dem Veri. prfldicirta 
Hinneigung dea ailgemeinen Cbaiakters der Krankbeiten zum 
3stbenitcbea nachzuweiaen vermag^ dafs mitten unter den 
Heobachtungen berflbmter Aerate van einer aolcben Inclination 
der Krankheiten ea aucb Beobacbtungen gebe^ die aur Zeit 
nocb gerada daa Gegentbeil von dem ersteren fact is cb dartbun ^ 
dais fimer ein vorberfscbender entzttndlicber Gbarakter selbst 
M einer gelifidenf feucbten und nebligen Witterune doch 
f& line ere Zeit fort berrscbend beobacntet werden kOnne« 
uaddais) so wicbtic aucb die auf theorctiscbe Combination 
eine rationelle Erfabrung gesLiltzten Litlicile iiber die* 
Ver^nde lungen im allgemein berrscbenden Genius der Krank- 
lieiten sind, sie docb immer nur mit grofser Vorsicbt und mid 
*teier ROcksicbt und Vergleichung desjenigen , was die eigene 
^^fmerksaine Beoliachtun^ aiii Autentlialtsorte lelut, voii je- 
dem einzelnen Arzte aufgenommen weiden duifen, wenn sia 
^iirdie wicbtige, aber noch immer nocb grofser Aufbellungeii 
Mflrftige Ltebre vom epidemiscben Genius^ und somit fttr 
die Xheorie and Praxis de^ fiailkunst vpu vrahrbaft araprieXs* 
ItebeQ f olgen ae]rn aoIlm« 



Digitizedby Go ^s'^ 



124 



Tred|^ohi on tho iireu^tli of cast iioa. 



Hef, entscbuldigt die Weitliiuftigkeit der Anzeig6 dieset 
Werket mit dem IiiUreit^y we]cbe« ibitf dasselbe duKh die| 
Mann&cbfaltigkeit der in ibm vorJconiitienden wistfeoswflrcligen | 
GegenftSnde gewflbrte , so'wie mitderhobtn Acbtung* wewho^ 
er t'fir di« lit«rSLmcb«n Verdienste dos herObmt«n "Verf* begt, , 
Druck und Papier derScbrift maobanderVerlagtbandlunj^Ebrt, 
und die Correct ur iat mit wenigen Auanahmeo feblecfrei.' 



Practical essay on the Strength of cast iron « and other metals ; intett' - 
ded for tho assistance of Engineers , iron masters , architects $ 1 
millwrigJus J founders ^ and others engaged in the consLrnction of 
machines buildings etc. cofitaining practical rultis tables and axem- | 
jjles f founded on a series of Jieic Ex pfrimenls , with an extt>nsivf 
table of the properties of materials. The second edition, impro* i 
ved and enlarged. Illustrated by four engravings and several 
wood-cuts. By Thomas Tredgoldf civU engineer etc. Lon-' 

donid24. XIX und &QQ $» fr« l6.«Utl* 

Kef. bat den lang^n Titel dieser Sufserst gebaltreirben 
Scbrift deaviregen vollstfiadtg mitgetbeilt, well er allee dfti- 
jenige angieht, was man im Bucne zu iucben bat und aucb 
gewifs Unden wtrd. Untersucbungen tkber die abtolute^ rela- 
tive and rlickwirkende Festigkeit der veracbiedenen Korper 
aind aeit dem Wiederaufb]llben derMecbantk^ man darf anneh* 
men aeit Mariotte 9 bauptiUcblicb in Frankretcb, neuerdings 
sablreicber in England « in Menge angeatellty und aucb in 
Oeutacbland aind die Bemfibungen verschiedener Gelebrtea, 
VorzAglicb Eytelwein'a, allgemein hekannt, fnzwisdien 
haben alle jene beiiihmten Miinner , B. 31 a a ^ c h en h r o e k , 
Ciraid, Gautby, Rondelet, Duleau, iHavier, Per- 
ronet, Barlow, Smeaton, Brown, Beaufoy, Ren- 
nie II. a. ihre Versuche liaii])t.-iUch)ich nut auf die verschiedti- 
lien TIol7:arten und unier den Mc^tallen vorzupsweise aut 
Scbiiuedeeisen , dann Messing unri Kupfer aiisgedehnt. Eine 
umfassende Zu sauiaienstellu jii? der friiber erbaltenen llesiiltate 
in nacbster Bezieliung auf dasBauwesen gab neuerdiogs Tred« 
gold in aeinen 1820 eracbienenen : Elementary principles of car' 
•pentry u. 8. w.^ einem eben so grQndlicben aU scbonei^^ ilnt 
22 Kupf'ern gezierten W^i'ke in 4>9 deaaen bober. Frela von 
1 XiStl. 4 slstl«rlasae)be auiidem Continente aelten macht. In** 
iwiacben. bat man in den neueaten Zetten das Gufseisen to 
alfgemein zu den yer^ibiedeiisten Mascbindn und Vorricbtun* 



s 



Digitizedby Go ^s'^ 



Tredgold 00 t2i« i(r«Dgib of east iron. 



125 



gerihenutzt, und dif Anwendung defidbfci wirdnlcktUoi 
in £ittland , tond«rn ancb aaif d«m Coniiiienta «o ausEt^bmtotf 
ds£i dieset Material Torzug svffatao Vrttfunz rflckatcbtUcb 
leiner Goto und Feiitigk^it Terdtanl, um auf dar maen Saim 
Ii« kostbaren und auf grolaa Daaerbaftigkait berecbnaten 'Aq- 
bgeani^ht aubald Keparaturan ndtbig baban, auf dtran^ 
dera aber nicht dar Sicherbeit wegea dia etoaalaen Tbaila un« 
fdmllcb, Itberm^I'sig schwer und koftbar vorricbten zu laja^, 
Hieriiber vulUtandi^e und ganz eigcntlich practiscb Lraucbbare 
^orscbiittea zu geben, ist tier niichste Zvvt-ck der voi Uc^eii- 
deii Schrii't, Der grunsJlicb gelebrte , uwgewobniich bele-sene 
hud mil der giuisLen IVIenge der klassifchen Werke uber die 
von iliin b^arheiteten Gegetistiinde vertrauto T r e d g o I d bat 
daber nicbt bio* dasjenige bemttzt, was vor ibin namentiicU 
durch Bug ban an. Dun lop, Barlow, Banks, Ebbftls 
u, A. Qber die Festigkeit des Gurseisens aufgeFunddn ist, 
sondern aucb tbeils fi Uber, tbeils unrnitCelbar ii\r das vorlie* 
gende Werk.eina Menga .t;igener Versucbe ani^estellc^ uui die 
£igenscbaft«n und insbasoiidtirtf die Faati^ki^it dieaea bdcbat 
}^iUzlicben Matariala mil Sicberbeit k^aan su lernan. Din 
KeiuUate diaaar fremdeo Mtnd eigeq^D) geoau gap r (if ten und 
uoteifinaiidar vergliciMin^ , Veraucba kann mm aU dieHaapt* 
gnindlage jdieaer Scbrift. ^nfehan , wiaiai^ob dar Xitel aiigiabt, 
wobei jedocb die attderap* Metalla und aelbat aucb Hoiser^- 
&eiiia a« dargK keio^awegaa gans Hbergangan airid^ 

£a ]iegt acboa in dar Natur dei: Sacbe^ dafa ea zvireakwU 
dri|; jieyn w0rde, dan Inbalt dea Werkef nacb alien aeinen. 
Theilati einzehi aneugeben, und Ref. hegnllgt sicb dabar^ den. 
Cbarakter desselben iiur im Allgemeinen zu hezeicbnen, und 
<lie bebandelten Gegenslaude der Hauptsaclie nacb namhait 7.11 
«iachen. lui Ganzen hiilt sicb der Verf. wenig bei derTbeorie 
zeigt jedocb die allgemeinen Grunds.itze , wie sie durcb 
^^lilei, Mario tte, Euler, Coulomb u. A. aulgestellt 
sind, folgt in der Darsteilung selhst hanptsacblit Ij deni inEng- 
bn 1 hocljst geacbteten und wabrbaft geiebrten l b. Young, 
i^nd entwickelt nacb denselben die verscbiedenen Fonneln zur 
Berecbjiung des Widerstandes , welcben die Hdrper nacb dern 
Oracle ibrer Festigkeit eiaer auf die eii^ie oder andere VVeiie; 
S^g«n ale aasgei^bten Qev^alt entgegensetzen. Zur Bestioi.- 
>i>ung der Featigkeit der verscbiedenen Korper bat er dann die^ 
^^esultate der g?naiiesten Veraucbe , fCir Gufaeisen bauptsScb* 
jicli ^einpf eigene^l benutat^ linddie bieraus erbaltenen Wertb<^. 
in die Formeii} au,fgeiipmmen« fiekanntlicb hat man indeia 
^urcb die m^istun biu«b^r;g^'0 Veraucbe- die F«;s tigkeit dej^ XCOr- 



126 ^ TxGclgQld on tke tUta^tU of oait kon* 

i per Im Maximo zu Lestlmmen sicb bemOliet, d. b. roan hat 
dasjenige Gewicbt aufsuEnden geaucht, durch welches die 
Thoile wirklich getrennt werden, oder aber durch welche ein 
2«rreis8en , ein Zerbrechen derselhen bewirkt wird. Fdr die 
practtacbtt Anwendung pfl<^gt dann festgeaetzt zu warden, 
dafa man der Sicherheit wegen von dieser Grdfse nur ttWik 
ein Orittbeil nebman aoU«* Der Verf. dagegen befolgt eine 
far die Fraxia aicbar wait baaaero Metfaoda^ walcbe abrigent 
acbon durch Coulomb^ Young tuA. nahr odar went^er 
Baatimmt angegeben iat; £r ^ntaraaoht nStmlich die Faatig- 
heit dar Kdrper bloa bia ao weit, ala aie koine bleibende 
Aenderung ihrer Form annebmen (take a aet^ nach dem eng- 
jischen Ausdrucke), oder' nach weggenommener Last J8u ihrer 
lirsprdngliclieii Form vcillig wieffer zuiDckkelnen , indem ttiai) 
dretst annehmen dari^ dais sie bis so weit sich|;r beschvven 
werden duifen, ohne dais man ein Zerbrechen derselben zu 
beiurchten bat. Dahei berlient sich Tredgold einer durch 
Th, Young eingefilhrten Jiezeichnung, namlich Modulus 
der Ela»ticitSt, imd verstelit hierunter ei'ne Saule von 
der namlichen Substanz, welche fiihig ist, eliien Druck au 
die Unterlage hervorzubringen , und sich zu dem Gewichte» 
woduroh eine Zuaammondc&ckung dea Kdrpers hervorgebracbc 
wird« verbhlt, wie die LiSnge der suaammendrUckendenS^uk 
2u ihrer VerkUrsung, wobet vorausgesetzt vvird^ dais ein 
gleiches Gewicht dieaelbe um eine gleiche Grd£ae auadehnaii 
Wdrde* Obgleich es gi^t-iat^ bei der practischen Anwendung 
aicb gewisser alJgemeiner Bezeichnungen zu bedienen, ao 

flaubt Ref. docb nichtf dafa die bier mitgetbeilte ron grolaani 
futaen^seyn kdnne^ iat indela nicht Praktiker genng ^ umaus 
gentlgender £rfabrung aicb ein entacheidendeaUrtheil hierfibar 
ansumaiaen. Uebrigena bleibt Tredgold nicbt bet denall" 
gemeinen Beatiaamungen der Featigkeil der Kdrper atefaeni 
aondern seigt die bieraua folsenden Aegeln in beatimmten An- 
wendungen, z. B. atif die Construction der Balanciere, der 
Siliilen, Tragstangen, Wcilbiiuinej Radzuhne, hohler Fuls- 
Luden u. deigl, 

Indem das vorlie^ende Werk vorzugsweise fdr die prak- 
tische Anwendung liestiriimt ist | so Leginnt dasselbe nacb 
einer kurzen Elnkitung init Tabellen , deren man sich zur 
Ersparung der Eer echnung bei der Construction der verschie- 
denen Maschinen , der Tragbalken , S^Uilen und sonstiger Vor» 
richtungen bedienen kann , und verbindet hiermit dann eine 
Anweisung zum Gebrauche derselben. Zusammenbfingend 
biermit aind die in dot drittan und i^Mrtea Abtheiliuig cnthaJ- 



Digitizedby Go ^s'^ 



Tr83{oU on tbt atcragtli of e«il itov* 127 

tenen Untersuchungen tlber die Durchscliriitte von Balken^ 
welche den stSrksten Druck vermuge ihrer rdativeu Festigkeit 
aushalten konnen. Was man wohi nirht mit Unrecht als den 
Anfang macbend erwarten kotinte, folgt dann erst im filnfteri 
und sechsten Abschnitte ^ iiiimlich eine Priitung iiemdei' und 
eioe Erzlihlung der eigenen Versuche iiber die Festigkeit der 
T<rfchi«d«nen lldrper, welche schon oben ecwfthnt tiad, und 
wovon die fibar Gufseiften obne Widerrede unter die ausftlbr* 
lichsten und vorzClglichsten gebdren, welche bisher bekannt 

Semacht find. In den drei folgenden Abschnttten findat man 
ftijenige, was wo hi den grofsteii and allgetneinsCen Nutsen 
Iiat| namlich praktiscbe Formeln sur Berecbnung der Dtmen^ 
iioaen solcber Kdrper^ welche Liasten za, tragen edet einent 
Drucke Wideratanj su leisten beatinimt aind , und namentlicb 
wird im neunten von derjenigen Elasticitfit gehandelt^ ver- 
mOge deren die vertcbiedenen Substanzen einer Drebung um 
ibre LSngenaxe widenteben (resistance to torsion), wordbet 
irater alJen bei weitem die wenigsten Versuche vorhandeii 
iind, v/esvvcgen auch Ref. in diesem Augenblicke mit einer 
Reihe solciier Leschaftigt ist. Bci dei Angabe der Foriutjlii 
2ur Berechnung des Widerstandes, welchen die verschiedenen 
Kdrper nacb ihren ungleichen Dimensionen einer aufseien Ge- 
Walt ent^t'genziisetzen vennSgen , deren Anwendung iiieistLns 
an einem Beispltle praktisch gez«^igt wird, Lezieht sich dec 
Vf,' stets auf den Gebraucli der von ilini Jiei ccbneten Tftbellen^ 
Welche allerdings groise Beq[ueinlichkeit ii\r solche Praktikec 
liaben mdgenf deren Geschiitte zahlreichefierechnungen diesec 
Art verlangen , manche andere aber werden es su mflhsam iin« 
deo, far emzelne Ffllle sich in dense] ben ortentiren zu lernen. 
Iniaebnten Abschnitte endlich handelt der Yerf. von dem Wi* 
derstande^ welcben die verschiedenen StoiEe sowobl als klei« 
aereKdrperf als auch in Gestalt langer Sflulen einem Drucke 
tntgegeusetsen 9 also von der rfickwirkenden Festigkeit^ 
Weran im letzten Abschnitte nocb eine Untersucbung der 
Kraft ^ekntipft ist , mit welcber die einselnen Theile einer 
Maschine dem Stofse anderer bewegter Theile vermdge ibrer 
Quticatflt willersteben (resistance to impulsion). AngebUngt 
•ind dann eina alpbabetlscbe Ueberstcht der hauptsSchlicbsten , 
iBtt dem Inhahe des Werkes in nSherer Beziebung stehenden 
^genschaften der verschiedenen StolFe, ein Sachiei^ister, eine 
nichtvollsttindige) alphabetiscbe Zusammenstellung u. i beautii- 
ten Schrifcsteller und eine nShere ErklSrung der Kupfer. 

Diese kiirze Anzeige wird genilgen , um darznthnn , dal^ 
^U&es gehaitreiche Werk auf dem Contiuente eine gleiche 



Digitizedby Go 



1 i8 A^liyli Tragoediae , ed • Schu tx. 

\Aufmerksamkeit verdient| ah ibm ia Epgland zu Theil ge» 
wordeu isc, 

M » n 9 k 0» 



A9Schyli TragoedidB fnotf tupersunt mf deptrditarum FrdgmMa, 
ReconsiAt ae ^Commiinkdfh Ulustraoit Chr, God ofr* ' SehUt^l 
yhlm IVm Scholia O race a in septem Aetehyliy ^uaa esastanif 
tragoedias. UalM f in BibliopoUo OebaurianOf MDCCCXXI4 
' ' IV und 459 8. in gr^ 8. 

Es enthalt dleser vierte Band der Scbutzischen Ansgabe 
iei Aescliylos, womit iihrii^ens diese Ausgabe keineswe^^s ge- 
schlossen ist, den vollstiiadigen Abdruck der Griecli isclien 
Scbolieii in die sieben Tragodten de$ Aeschylos aus der Stan- 
leyschen Aiisgabe, ein Unternebmen , das um ao V(!r<litinstlicb«r 
anzuseben ist, als die Stanleyscbe Ausgabe in neuerer Zeic be- 
kanntlicb t6br selten und tbeuer gewordeh ist. Nur kdnnen 
wir bei Anzeigedieseafiandes die fiemerkuug nicbt unterlasseiii 
ob es nicht geratbener gewesen w^re, gleacb anfangs xu jedeui 
einzelnen StClcke entvireder unter den Text zu jeder Seite odtr 
am £nde jedes StQcka die Griecbiicben Scbolien im Abdruck 
l^eizufilgen; f'dr den Leter wQrde diese Sinricbtung gewifs 
niebr Beijuemlicbkeit: gehabt baben. In dieaeai neuen Abdruck 
der ScboHen sind naqb der Butler'scben Anordnung die Tx^Xta 
v^rara* HCraaa und r^ira durcb beigeiCigte Buchstaben (A* £. F.) 
untersqbiecfen* Jonst ist im Gansen wenig gcitndert, nicbts 
aus bisber unbenutztenllandscbriften binzug^-kommen. Unter 
dem Texte finden sicb liie und da Nacu vveisungen der in den 
Scbolien etwa citirten Stellen aus liomer, Pindar u. dergl., 
dann Verl)essei ungen felilerbaiter oder verdorl)ener Stelkn 
durcb Heath, i' a u vv , A b r es ch , so wie des II e r a u s ^ e - 
hers in kurzen Nuten. S. 452. scbliei'st sich an die Scbolien 
an* B;;; A(^yjAcu (die Berneikungen der Gtlehiten, die abwei- 
cbenrk-n Lesarten und Zusiitze der Ilobojrtellianiscben Ausgal e 
zu dieseuiLeben desAescbylos sol) der fiinfteBand entbalten); 
S. 456. fol gen '/'jtuara a!i AivxyJ^&v ^^^^ einigen kritiscben 

Bemerkungen ; S. 457 tf. KariXoyoi rwv AiWiJXov %af«iTi»v, naA 
croiyjtovf nebst den Zusiltzen von Butler. Ueber diese sMmnit* 
iicbeii StOcice des Aeschylos kann der £iXntte Band dieserAus* 
gabe VtShere Auskuniit geben ; da er Qberdies die Fragmenia 
ner verlorenen StQcke und Supplemeota Annotatiqnum XU dtH 
frtiberen Biinden enlba]e« 



Digitized by Go ^v,.^ 



Digitized by Google 



N . a . . 182a 

m 

• • • 

ileidelberger 

Jahrbucher der Literature 



Mafsdarie dfi cJiisadc. Scid H u 9 s e i tt^ M J)ruth$ilung oiMM fVinhtsli 

oder (hs d^mdbtn messenden Bogens, 

(Hierxn die anliegende 2eichiilui|^.) 

Nicht tmter dieaem Titel^ denn da»Buch Hat bdmen Titel^ 
aber wohl iiber diesen Gegenstand ist zu Gonstantinopcl im 
verllossenen Jahre eine lileine (nar 17 BlfiMr starke), aber 
^ur die Gescliiclite geometrischer Bemuhungen in der TUrkei 
^n^serst merklrurdlge Schrift im Drack erscliieiicfn^ wekhci 
luehts veniger ab den biaher Ton keinem Matfaematiker kcrge* 
itellten Beweia der Dreitkeilnng eines Wiiikels oder dei den- 
wlben messenden Bogens en Hefcm vorgil)t. 8ert der Griln- 
dung der Ingenieurschule zu Constantinopel , "welche zu Ende 
verllossenen Jahrliuiiderts unter Sultan Selinis III. Regic- 
ruiig in (ier Hafenvorstadt Chaiskui errichtet wardj ist dieses 
nach einem langen Zwischenraumc yon mehr als zwanzig Jah- 
rcn ^iuder das erste geometrische A\ erl{, womit die doptigej 
Ingenieurschuie in ganz neuem Glanj^e aufzutrcten Trahnt. Bin- 
Mn drei Jahren, namlich vom J. 1800 bis 1802, ersciiieneu 
'iicht weniger als sieben mathematische Schriften zii Constanti* 
^pel im Brack, namliok: 1) Telchi8aal<«8okkiaI d. i. die Lau- 
teningder Figuren von Hussein aus Taman, cine Abhand* 
iung liber Minen i. J. d.H. 1215 (1800); 2) Rissalet fil-bendesset 
i. geometriscke Abbandlong mit aieben Kdpfertafelp i. J.d.H;^ 
^^17 (18Q2)f 3) Xogdrithmentaleln^ okne Ort und Jakr des 
bracks j 4) Tafein fitr Bdmbardiere^ ebenfaUa okne Angab6 
^ Jakra und dea Dmckortes ; 5) 0isnfi Uendetset d, i Grand- 
sStse der Geometries ana 9em Englisciien Bonny Garde's yon 
^finwelben Hussein aus Taman ilbersetzt, ohne DriickoH; 
6) Medicbmuatul-mubendissin d, i. Sammlang der Geometer,' 
.ttn<J Anleitung zur praetis(;ben Geometrie yon demselben Ver-. 
fesser, ohne Angabe des Jaliresund Ortes des Druclis; 7) Im- 
tihanol-muhendiMin d. i; die Prufimj^ der Geometer, von dem- 
selben Yerfasser, f^ednicl^t zu SluUari i. J. d. H. 1517 (J802).; 
^^iese Elemental biiciier, tleren einigo mehrere Auflagcn crlebt 
liaben^ siad nur Ueberaeteungen aita Ciiiropai^iikeii geom^tri- 



Digitized by Go -v,i^ 



130 ' Stid BautUk$ Pceithtiluog einti WinUU. 

sd&en Compendieiif mi lielnes derselben gibt BSrgscIiaft £Ur 
clas Selbststadiom irgend. ernes Profesaors: der turkiscbeii Inge- 
jiieore. Im Gegentheile gibt sich der Verfasser der hier ange-* 
zcigten Schrift als ehieii u}>er seine bisherigen -Collegen, die 
Pi ofessoren iind Adjuncten der turkiscbenln^enieur-Academie, 
weit TOrragcndcn , seiner Wissenschalt liuiidigea und dieselht^ 
durch SelbslsiuJiuiu mit Liebe treibenden Geohieter zu erken- 
nen, wenn gleich sein vermeintlicher Beweis* von der Drei- 
theUung eincs Winl^els nicht stichhaltig , und dabei die gruislQ 
Selbsttadschung unteigelauicn ist. Dais aber 8cid Hus- 
sein, der Sobn des Scbiifszolleinnebmers (dieses ist die Be- 
.dentung yon MaCsdariedscbisade), nicbt iiiir sich and 
den Saltan sondem auch alle anderen Professoren und Ad- 
jtineten der iDgemeur^Acadenrie, in deren Gegenwart er yor 
dem Saltan seinen Beweis fdhrte, so weit tanscbc^n ktfnnte, 
daft dieselben das (S« 22 gegebene) Zeognifs ober die nnfehl- 
bare Beweisffihrung der Dreitheilnng eines Winbels oder des 
denselbcii niessenden Bogens ausstellten, ist "wulil das spre- 
cbendste Zeugnils fiir den Giad geometriscber Einsicht ])ei 
dem Personale der tiiikiscben Ingenieur-Academic. Da nacli 
dem islamitiscben bili gcrlichen Rechte ( wie yormals nacb dem 
romiscben) sieben Zen^^en die vollguiti^ste Zeugenscbait gc-j 
"vrabren) so ist aucb dieses geometiische Attestat yon sieben 
2<eagen, namlicb von den yier Cbodscbas oder Professo'ren 
und yon drei Cbalifen (gewobnlicb Cbalfa ausgeaprocben) d. i. 
Adjoncten unterfertigt Der yierte dicscr aof Chodscfaastellen 
AmrartMshafthabenden Ckaliftn (Naehfolger oder Stellyertre- 
ter) ist derVerfasser selbst, welcber natiirlidi sich nicht.selbst 
nnterscbreiben konnte. £r ereahlt in der Yorredcf, wie die 
Beweisfiibrung der Dreitbeilung eines Winbels oder des den- 
sclben messendcn Boj^ens biiher in der gioisen Encyclopadie 
als unstattbaft erldart, uiid in der tili kischen Uebersetzun^ Eu- 
clid's die Di eitlieilung selbst ia dem 23. Problem des 111. Bucbcs 
blofs pra( l isc]i alngegeben worden, nnd f ihrt dann S. 5* nul 
folgenden Worten bis ansEnde des Yorberichtes fort: 

»Lob und wieder Lobl Durcb die Gnade des allweisenf 
'^allmachtigen Gottes, durcb die PropbetenWunder pneeresi 
»Herm des Heilands beider W elten, liber welcben Gebet undj 
»Heil §Bfi and durcb* die Kraft des JugendgUlcbs und den £in- 
yflttOi derGerechtiglieitsfi'ucht des jetst denTbron schmiicken-, 
»den, die Welt mit Obhut begluckenden , und darck den' 
^Glanz seiner HerrscKaft entzuclienden Heifers der Diener, 
» die ibm angeboren , und Entwurzlers der liusen , Tvelcbe sich! 
9 wider ibn empurcu , Bcwabrers der walu*stea aller Bcligionen , , 



Digitized by Google 



SeU HButia'l DreiliieUiuift eines WiiiMf. iSl 

« 



» Behuters der Under, worin die IfodimeQ wolmen , der ge- 
ar segnet ist durch aUmachtige SegAung and geleitet wird durcK 
»g$ttlicbe Lekmig, dcs Soltant sweier Erdtheile, des Chalian^s 
9zweier Meere, dtes Dienert der l>«Ucn edlen HeUigthumor 
»(MeIi]u*s mid Helmet des Soltuity Saltans Sohiies and 
9SiilUiis finkeb^ Stthaas Malimiidcliaii Cliasis, Solmes Saltan 
» AbdnDianiiddkftn ttiasi s, des Solufes Sultan Aohmedehan Gba* 
9WL$y Gott yerllbigere sein Leben^ nnd wolle ihm glucliliclic 
^Herrschaft and durchdringende Befehlskraft geben (durch 
iGottes (jnadc, dcs l*ropLeten Wunderliraft und dcs Sultans 
a^Gliicli also), liat der ohnmachtigste , schwachste, unwiirdig- 
»ste und nickts yermogendste der Diencr, Mafsdariedgclii- 
>sade Seid Hussein, der erste Adjunct an der I^aiserlicHen 
» Iiigeuieur-Academie , die Lusung des Beweises der Drclthei- 
»lung cincs Winkeis oder des denselLen messenden Bogens, 
^welche seit dreissig Jabren in alien geometrischen Buchem 
9 els unanflosllch erklart worden, am 13. Schaaban (1^ Mai) 
»d» J. 1237 (1821) gllteblieh gefunden, nnd dasZeugnifs, idafs 
•er den Beweis day on geometriscb hergestellt babe, wurde 
»Ton alien Chodsclia's and ChaHfbii mit Unterscbrift nnd Siegel 
>betlatigt So ist dieses seit lander Zeit ah onmoglidi.xa be> * 
'S'Weiaen erbl&rte P^blem gluckhch 'an%el5st worden, nnd es 
»iiik]ar, dafs darans yiele andere bisher in der Geometrie for 
•»sehwierig eraditetePoncte geldset werden lidnaen, weshalb 
»das Ganze mit tausend Mangein und Feblern dem konigliclien 
» Throne vorgelegt worden, deim wcnii der gcrechie Monarch 
tdasselbe nur eincs balben Blickes wikdiget , so wird sich 
i)(Jariiber sonder Zweifel der Dom der Glorie wolben. Mcine 
» untertbanigste liofinung ist, dafs es dem boben gercchten 
»Wn]en Seiner Maiesifft ejefallen werde , den ganzen Vorfall 
^iu die Bcicbsgescbicbteu eintragen zu lassen, yvio dafs dieLo<> 
9 sung dieser Scb wierigkeit aus den gebeimsten Wissenscbaiten 
»zarZeitAUerhuGiistdero Regierung in der Ingenitoar^Academie 
»der hoben ottomanniscben Pforte aa%efanden worden ist^ 
^^damlt^ wenn die enropaiscben Geometer dasselbe znfallig in 
idle HSade bdunnmeni sie sidi mckt diese Crfindung aneig- 
^nen bonnen; daft dalier dieser Artikel besonders gedrackt in 
» der Biblio^ek der kdserlicben Ingemenr^Aeademie nndin alien 
9 anderen BibHotbellen bJnterlegt werde « 

' Moglicbster Kfirze willen wird Rec. dem Beweise Seid 
Hussein* s bis zur durchscliosseiicn I'ehlerhafYen Stelle gcnau 
folgen , dann aber , seine uunotbigen Weitlaufiglteiten verniei- 
dend , den Schlufs scbneller berbeiCiiliren. »Uin den Winkel 
» ifae f oder den ilun^umMaabe dieoeaden Bogcn br^c iix drei 

0 ♦ 



e 



Digitizedby Go ^s'^ 



gleiche Theile Rtt lli^en^ beschrcibe man aua ^einem Sclieitel 
YD a mit einem beliebigen Halbjuesser aij Jen Halbhreift bcdj 
3^ziehe aus c und r/, und r/y senbrecht aul iind aus <? 

» and dem Halbiimngspiincte ^ von cc, die gleichiauienden c/ 
s^und gh mit dem Durchmesser hd, Nun beschreibe man aus 

* y dem DTirchschnitte A der.geraden acund^A, der zugleicb 
vder Halbimngipiui^ TM ac mit dem^JbUUbmesser A a den 
s^UmfiEing a«c, und aus ^.Biit dem Halbmesser gh den Bogen 
» A15 Tereinwe < mit und am iim Durchschniite / der gera- 
»deii gh maic xaehe nMn'm^i senlirecht auf gh^ yerbindet 
sman mm i mit dem vntemBorchscIinktaponcte.^ der geradea 

'»ffMi imd des Um&nges a^c^ Terlangert diete Iiinie i>, Ik 
y>sie den Umfang aeexn.p schneidet, 80 wird, wenn man 

' y> zieht tind bis q yerlangert , und endlich a r gleichlaufend mit 
»ip fiihrt^ der Bogen Z»€ in die di'iii ^leicben Xbeile br^ rf 
» und q c getbeilt seyn-. « 

»Die Bicbtigbeit dieser Theilimg soli nun erwiescn wer*. 
>den. Zu dies em Eudc yereinii^e man den obern Durcbschnitts- 
spunct s tU i* geraden /nn und des Ijmfangs a c c mitdenPuncten 
)>cif a und /, und yerlangere cj, bis sie den yerlangertcu 
» J>urcbme6ser in e und g k in v schneidet Da g I mit e i pa*> 

*'»EaUel ist^ und et halbirt, so mufs ^^aach oi halbiren; demi- 
se nach sind die redbtwitikiigen Dreieclie cnl und Imi wegen 
3»der gleichen Hypolenusen c/, /t, und der gleichen Katheten 
^ /ai Tollkonmieii gleich, und es ist mi -zzz i»c ZZZ em. Be* 
» trachtet man nan die reebtwinkligen Dreieeke omi, jtne^ so 
3haibeA sie nebst den* Kathelen mi imd nc auch die Katheten 
» om nnd sh 'vei^ebweise i^leich, da namKch In zr: Im und 
senkrecht auf die Seluie so^ folglich Is — lo, und /it 
Is ni Im-^ lo oder #n out ist ; diese Dreieeke sind 
)>also Tuiiliommcn gleicb, folglich der Winbel moi—1 nsc 
^ o si> und oz ]iuLc /' gleichlaufend* Da ferner kv mit 
» gleichlaufend und c k die Halite von ca ist, so mufs auch 
»die HiilFtc von at seyn. Weil nun Af mit und ki 
t^mit't^r parallel is-t, so muis kv ZIZ if seyn; und da 
die IT a 1ft e Ton? ai ist, so muls auch 1/ die 
^Haifte Ton af, oder ii z~Z ai seyn. Weil csa ein 
»jrechtier Winkel^ und ik gleichlaufendmit ist, so milssen 
i^auch die Winbel bei u 90^ haben u|id .11^ baUnirt die Sehne 
Die reohtwii^kiigefi D>reieckc^ sni^ aui mA demnack 
wegen der gcmeineli.Kathete ui und. der. glisic^en Katheten 
tus^ ua roUkommen, ^leich,, und es ist a> six <f^<. Tereinigt 
% mail nun s mit p , so naben die Dreieeke pos^ ,kol den y[^» 
t kcLd ^cmoili> unddie Sc^iten , welche djesen Wiidiel in bteiden 



Digitized by Go -v,i^ 



SM Bniiein*!. Draidiailiiiig'eilidt. Wlnkclf. ' i£3 



»Ih*eiedteDeiiifldiliefr6ii, «md propoMcmlrlfi mftlilii^iadflieM 
i^Dreiecke ahnlicH, und /? j ist das do^pelte yo|i kl uhd ihtt ki 
» gleichlaufend, Wegen der SlmKckeo Dreiedie Ac I and act 

»ist ai auch das doppelte von kl; folgUch ist ps gleich und 
»glelchlaLil"eiui ]iuL ai^ uiid diegeiadca ap iind is mussen auch 
»gleich und gieichlaufend seyq. Es ist also ap z und da 
y>is cii ist, inids auch ap ai, also das iJrtiecli pai' 
»gleichschenlUigt seyn. Nun i$| der aufsercj NYiiikel pah ~i 
^api^^pia oder, wei] npiziZlpia ist, pah 1pia\ 
>^Tinfl wcil ar gleiclilautend mil ip gczogen worden ist, pah* 
»ZZ2^ar, mithin rab ZIZ qar. Der Winhel pa^ am TJm-» 
ȣinge and der Winkel p/cc ,am Ji(ittelpuocte riiAtai Anf dgoif* 

^ ^eii>qn Rftg^igi f | folglich is^c ^ odeii| V€at we* 

»gcn der ^kiclilaiifbndeii pki^ ra^ der 'Vfmt«^/'*«^ car 

tat, €apz:z, ~ par ~ taB^ii 

Bern Malliemati%er %ann' es nicht entgehen, dafa Sefd 

Hussein in der durchschossenen Stelie sagt, ki sey mit wt^ 
parallt'l. Vv setzt also liiei yoraus, dafs die Yerlangeruu^ dcr^ 
mit I't wiiklich gleichlaufenden geraden oi duroh den JVfitteK* 
puact X gehe. Zu diesem Glanben mag ihn die Zeiqhnung yer^ 
leitet habeii 5 denn wenn man seine Mciliud^ befplgt, so geht 
die Yerlangerimg o i durch den Mitlclpunct, Dieses ist aher 
nur scheinbar , uud riilirt hlos yon der Unmciglichkeit Tier , in 
der "ivir una befinden , xnathematiache Pancte ua4 Liniea 
siehtbar darzustellen* In der Geometrie ist daa ZeugnilH der 
Siimeungiiltig; wenn demnach Seid Hiisiiein auF d^iinhm| 
^eDreitbeilbng des Winhels gefunden habcn , einen ge(^r(iq« 
d^ten Ansprudli machen will, so beweise er, dafs dieYerlamgevaiig 
von o i dqrch k geh^ Kann er diese^ niclit , sp lafsl er Frage, 
irie er sie fand. Denn geht jB.B« d{e Yerlfingerupg von o i dnrcb 
k\ so ware nun ^ 1^9 «md da #y nicltt wie ^k gUi^ph d^ 

Haifte ran a< jiC^ SO ware fiack 14 nicbl gleicli ^« oA^r wchl ^ 

^leich a i ^ nnd der fernere Beweis des Tiirken berulit auf der 
^'leichlieit TOn ai und und auf der IJalhirung der Sehnei 
a J durch die senkrechte « / , vas n"^' so fern wahr ist, ^ 

mit ik i)hfix^pkomn% Qder diirpb den MiUelfune^ |^t« 

Nach S c i d H u s s e i n * $ Verfahrcn l(ann eigentlich hein 
anderer Winkel als der von 90® in drei gieiche Theilo tnalhe- 
matiflch genau gethetll werden , und sein Verfi^ren bescbriinkt 



» Digitized by Go .v,.^ 



6ich4^mtach aui; aa%el&te Aiil^«be« Hi«r int ^ec 
Jleweis dayon : 

lit der Winb^l eabzziw mUich in drei jj^leiche Thcile 

getheilt, Oder c a j ) so ist nach Yorigem p parallel mit 

. 2jr » 

aofserer Winliel sip^ oder, "weil ^ ^it ~ pkx 

a . a a - - . a.. 



- Zielit man nun A ce senkreclit auf gk und senlircclit anf 
Ifd) nennt a<ZIZ/J :zz 2; aezn: #0 ist aus den aha- 

' ***' '* * ft 

iiclieii Dreiedien caiS und i>sL svi ca i ud odw — : pi 

*^ * 2 

z:Z, ^ * ^ ^ ™^ ^ ^ Wegea der ToUkonunen gleichea 

Dx^eiecke ilk und ^ / ist / ~I ^ ^ ? nacli Vorigem ist aber auch 

Ba ferner) wie beliannt, die Producte der Secanten xp 

taA cpM ihre Sufseren Theile jr'o and sv gleieh sind, so bat 

man d?^,/* ~ c« • oder (urt^-t- C^'*' 4- 

' - • * ^ 

^kp ^7)1 und wena man « und./ mftibrt 4. js) ^ 



Eslst aker^trziS/f^'; mlthin 1st wegen der aKnlicliea 
Diciecke apk^ jpI^ auch a ^ ~ 2 . j ^ c/ : folelich 

«:il2/* — -jpf abo nach (1) . 
2^ = 2y^~^*od« 



uiyiii^ed by Google 



Nach Seid Hq taein*» Ver&3 ireii fet gh — gi^ uad ai 

Oder ai ~ f — j-* 2 4- — n» 

Wena niu dieses Yerfahren richtig ytUtOj %o mUAte nfs 

-J h 2 « -f- --j^ — »^ oline Rest theflbar seyn, 

oderder.WerthTOik ofiod^aGljeicIiung siibstituirt, derselben 



4 - 

SchafTt man die Wurzelzeichen aiis dieser Gleichung weg, 
80 erhait maa « * -f. 24 /» 6 A ^— *6 — 4 ^*/»ZZo J 

oaer wenn man a ziz — &eUt^ /-f-a4j^<>^6<c^<-*- i6tf^«-* 

■ Ist nan der eu theilende Winkel ^ t so ist n if nnd 
/~ 1 f daher ganz richti^ i^a4 — 5 — i5^4 0, 

Hat aber besagter Winbel 90^ ^ SQiBlnZZZO mi s ZZ' ^ i 
loan erbalt sodann 0 ZZl 0. 

Liegt endlicb der za theilende Winltel zwischen 0 and 
90®, 80 ibt /i <^ uiid s'^ 1 5 mitliiri nulls jel/.t: der ycriiciaende 
'liieil der Gleicluing, ^^uriii die Lulicren Poteazen von s Vor» 
liommen, giiifser als der bejaliende scyn, oder eiae yernei* 
aeode Zahl gleich null wcrden, -was uugcreimt ist 

Aus dieseiti fol^t , dafs nnr der Winl^cl yon 90° sich nach 
dem Yerfabrea des Tiirkeu mathematiscli genau in drei gleiche 
Tlicilc theilen lafst, was aber sebon die alteaten Geometer aof 

eiue weit eiofachere Art zw bewerlistdiigen iroAten. 



Anmerkung. Der nntenieieluiete Speoialredactor bat 
diese interessante and sehr gehaltreiche Recesfion kiige Zeit 



uiyiii^ed by Googlc 



onabeeAniclLt Ue^a laasen , woruber er ads gewinen Grundoi' 
•owaol dem Publicum, als insbesondere dem ibm nnbekanntea 
firn. YerbsBec mage Worte der EntBchnldigimg beifugen s« 
mussen glaubt* Bei dem Darcbleaen itihrten jiamlicb geradel 
Lei dem schwierigsten Tbeile derselben'-wiederholte Schreib-I 
fehler, namentlich die vielfache Yerweclisolung der Grulsc 
mit der Zahi 5, des Budistahciis d und a, in ein solches La-,| 
byrinthf dafs er bei iiberliauften Geschafleii die Miihe einer^l 
genauen Bevision seheiiete, welche bei der Kiirze der DarsleU^ 
lung nicht gering seyn koiinle, weil sie ein Tviederboltes Nach- 
rechnen erfbrderte. Endlicb hat eine sorgfiiltige Prufung und 
for^ebende Corrigirung der Scbreibfebler die Ueber^eiigung 
bervorgebracbt, oafs die liritische Beortheilung des yon dem 
Turbeii Geleisteten nicht bios dnrchaus richtig , sondern auch 
mit groftem Scfaarfiiim ond Torauglicber SadbkenntniTs abge- 
faftt ist 

Folgendes sey mir inde& erlaubt zumBeweise meiner Aot 

Tnerltsanuceit auf diese gcdiegene Arbeit binzuzufilgen, Nur 
e i n e n Ausdi uck babe icli mir dt3swegen abzuanderu erlaubt, 
^eil der gebrauchte mir weniger ilblich zii seyn schien. Durch 
Welches speeielle Verfahi en der gelebrte Hr. Verfasser seine 
lUiiptgleichujag yarn f unitea Grade geiuudeu hahe , weifs ich 

so ergiebt sick nacbher durch Substitution 

eine Gleichung der secbsten Ordnung; allein diese sowobl^ 
als die des Hrn. Yei'fassers ist docb eigentlich nur eine biqua* 
dratiscbe* Der Urostand aber, dafs der Hr. Yerfasser sie nioht 
bierauf ziirucbgefubrt| auch der let^ten Gleichung nicht die 
geW5bnIiche Form, nandich 

gegehen hat, obgleich unbedeutend an sich, schien mir eine 
lie v ision des Ganzeii iiotiiu t ndig zu machen, welche daun, 
durch die erwahnten SchreiLielilcr erschwert, die ailerdings 
einer Entschuldigung bediirfende Yer2^ugcruug des Abdruckes 
berbeifuhrte. 

M u c- k 



1 



Digitized by Google 



Logik uafib Twe&ten^ Si|;wart« .Tiefitnink uad £Mei^ 1,^7 

i) System der Logik von Dr. Wilh^lm Esssfk llh^rfeU^ 182S. 
Xmiymd M 1 TUr, 12 Gr« 

2} Handhuch zu Vorlesungen liber die Logik ^ von H. Xt« Sig» 
wart, Zweke vermehrU uad 9$rb9S4€rU jiuJLag9^ Tiihiagen^ 
1824* Xuad Ida ^. 1 fi. 20 kr. 

3) Di0 Loo^i'A) inshesonJere die Jnafytik^ dargestellt con A, D. Ch» 
Tuttiten^ SebUiwig, 1825. LIF und 8U4 ^ Tblr, 12 Gr« 

in rein-tleutschem Geivande ^ auch zum Sclhstuttter^ 
richt Jiir gebUdete Leser^ von J, H« Tisf trunk* Halle und 

Lsmigf 1825. XFl und 240 i Thlr. 6 Gr. 

Uoter alien pbilosopliischen DisripHncn ist die Logik in 
neueren Zeiteu am liauiit^.steu lieaibciiet vvuitlcii. Uennoch 
ist nian so^ar iiber Begriff und Bcbandlung dieser VVissenschaft 
i.einesvvegs zur Einstimmigkeit gelangt, vielmehr wird s'lHf 
VPie zu den Zciten der Griechen, nacli tleii von einander 
tlurchaus abweicheiKleil , wenn iiicht einander entgegengesetz- 
ten, Weisen des metapbysiscben , psycbologischen und ana* 
lytiscben Standpunctes f'ortwAhrend Jaebandelt, 

Der Verfasser von No, 1 ^ das sicb System der Logik 
nennty befand $ich^ laut Vorr, S. XIV. ^in der Nothwen- 
j^dirkeit, mehr aU zw«i Drittbeile der Logik 
Mielbar zu entiyickel n ^ ohne daft ihm durch die Scbrif- 
nten Anderer fiber diese Wiasenscbafc ein bade uteo der Dieoat 
»h8tte geleistet warden kdnnen • • • und da er (S. XV.) daa 
nineiite y was in dem Bucbe vorkommtf aicb felber hat ent« 
•Wickeln mClsseny ao ift er auffer Stands ]iterari»cbe Nach* 
i^ricbten darOber anzufohren.* — Die Verf. von No, 2. und 
3. beabsichtl <^en Leittudtii iui ihre Zuliorer, nebst Beitragen 
Zur Verv'olJkommnung der Logik zu lieieiji, und bezieUea 
•ich in Annieikungen und ErcJrteiungen niclit selten aui fiiihere 
Logiker, durch die sie, geradezu oder iiu Gegensatz , zu ihren 
Entwickeluugen veranlal'st wurden. No. 4. kCindi^t sich aU 
cinen MVersuch an, die Denklehre aui: eine der Ijem^io- 
afafsl i^hkei t zusagende Weise vorautragen.^^ 

£88 er giebt autiilbrliche, wenn nicEt weitacbweiflge , 
$$•1 und mocbte dem (icadetniscben Vortrag scbwerlicb etwas 
anderes ala Erliuterung durch fieispiele^ oder literarisiche 
Nacbweisungen^ uiid JErg^naungen^ Verbesserungen oder 
Widerlegun^en, dbrig lasfen^ letaterttireili^ iu nicht gerln- 
g8r Meiige* . Tief trunk berQcksicbtigt be^ Mil^l^ni 



uiyiii^ed by Google 



4 

Iiosik naoh Twest^u^ Sigwartf TiefiuntDk lind Bsser. 



dautlicben, doch keineswegs weitschweifigeu, Vortrage voi- 
^ug9vrei&6 das Bedilrfnils derer, welche sein Liehrbucii zum 
Seibstunterricht benutzen woUea. Die andern zwex 
Lehrbticber geben in gedrflngter KiXrze fowohl die Hesultato 
eigner Forschuogen , als was sie iron frdheren entlehnen« 
T wefttens Logik ist^ auch abge«eben yon den sieuen Unter- 
•ucfaungan und Entdeckungen , die eie in so reicb]iclien|Maa£se 
entbalt, als Muster derinr academtsche Ledrbficber sich eig« 
nenden, gedrUngten, einfachen ^ deutliclien * und genauen 
Scbreibarty in den wie in den Crlluterungen ^ hdchsC 
preiswUidig. 

Auch in Bezug auf Durcbfiibrun g des analytisch- 
Aristotelischen Standpunctes weichen diese vier Be- 
arbeitungen bedeutend von einander ab. Tieftrunk unter- 
nimnit zugleich, jedoch auf dem Wege der Analysis und Re- 
flection , eine Deduction der logischeii Grundsutze undGrund" 
formen: Twesten hMlt sicb mit ungemeiner ScbSrfe und 
Consequenz auf dem analytiscben Standpunctes SigwarC 
tiestrebt siqb gleicbfalls.i diesem Standpunct treu ssu bleiben ; 
fiaser^ nicbt im Klaren fiber seinen Z week 9 ergftnzt bHufig 
die analytiscbe Bebandlung durch psycbologiscbe und meta- 
pbysiscbe £xcurse«. 

' Sol] die Logik » nnabbJtngi'g von bdberen und scbmerige* 
ren metapbysiscben oder psycbologischea Untersucbungen, 
iiir sich aiisgebildet werden, so muls ibr ein solcber Begriff 
und ein so ijestijiiuites Piincip vorangestellt seyn , dais Wi* 
die Verdeutlichung beider, so die Ableitung der Wissenschaft 
dus dem Princip vor der Beendigung jener Untersucbungen 
unternonimen werden kann. Soli ferner dei Begriff der Aus- 
fiibrung entsprechen, und die Wissenschaft aus dein Princip 
oder den Principien abgeleitet seyn (und das beabsichtigeu 
diese wie alle flbrigen Bearbeiter d«r Dogik als Wissenscbaft)| 
so darf der Begriff weder zu eng nocb zu weit, tmd das Frin*i 
cip mufs.so bescbafFen und benutat seyn, dafs die besonderen 
Gesetae und Bestimmungen aus ibm sicb ergeben nicbt bios 
nit ibm Verlcntlpft werden. Nacb £sser ist liogik ndie; 
M Wissenschaft von den notbwendigen und unabftnderlichen 
^Gesetzep'derjenigen GeistestbSfcigkeit des Menschen, welcbs 
3, das Den ken beifst, sie soli mitbih das gesamrate Denk' 
„veiniogen des mepschlicben Geistes untersucben, erforicbctt 
„und zergliedern, um — abgeseben vpn der Erf'abrung — alls 
^Gesetze aufzufinden, welcbe auf jeden moglicben Fall des 
„menschlichen Denken^ bcrecbnet sind" u. s. w. Sie ist da* 

bar a»eiao Wiiaenscbaft voa dea aUgemeineA uund aottwenv 



Digitized by Google 



Logik wck Tw«f ten | SIgwut 9 Ti«£unmk uad Mmx. 139 

,^4>gfil Oesetzen det menscUicben Denkenf^ laiofern di«te 
«G«4tttse Dot die Form und nicht den Inbalt unsret Denkeni 
iilMtreffeD«> S. 3 uad 5> Sig warfe stellt eine Deduction 
to Begriffs Denken voran, nennt Logik die WiBten»clieft 
TOa den nothwendigen Beittinoiungei\ und Geeetsen de* Den* 
keni, und untericbeidet, je nacbdeoi dae Denken als Denken . 
allee Seyns^ oder abgesehen davon, daf» 6« Den* 
ken alles Seyns sey, hetiacbtet weiUe, speculative 
iind formale Logik, bandelt aber nur letztere ab, d. h. „die 
B Wissenscliaft v oji den Gesetzen, unter Jenen das Denken niit 
«8ich seliier ilbereinstimmt" (s, S, 14 ff.). Tieftrunk ver- 
luHgt von der Denklehre, dais sie die Thataacbe des Dcnkens 
eiitwickele, das Thun und Treiben desselben bis zu seinen 
ersten AnBiogen und Keioien verfolge, sein Veiiahren und die 
Ges6tM ftinea Verfabrene sur KI«rbettL bnnge , und zeige, 
wie wir von ihm den Leitstern baben^ UA auc Wabfb^it uad 
Wiiientcbaft au gelangen (s, 5, 1). 

Gegen Eaaer erinnert Hef. » daia aein Begriff von Loglk 
ftr sicb uaveralftndliali iat, und h'dbere Evdrterung Uber 
Deakf unction vorauifetat : gegen Sigwart^ dau die yon 
ikiQ vorangeateUte Deduction 9 welche mit der Behauptung Iie« 
glnnt, das mentchliche Icb fitide alch in aeinem Bewulatseytt 
Ittfendlicbe und unendliche Weise bestimmt, deaiBe** 
griff der Logik von Unteisucliuiigen abbSnf^ig zu macben 
icbeint, die in der Einleitung zu einer Elemental discipline 
wie die formale Logik , umnoi^lich mit genugender Scbiirfa 
undAusfiiiulichkeit gefiibrt werden konnten , und gewils nocLi 
nicht als Leendigt zu betrachten sind : gegen Tief trunk, 
der das Denken als eIne dem Icb inwohnende, vollig innere 
Wirksamkeit bescbreibty dem AnscbaueQ entgegenstelit , und 
voQ der Denklebre verlangt, dale tie die Gegeost^nde aufsec 
dem Denken ao weit berticksicbtige , wie weit die Denkkrafc, 
tur Bestimmung der Dinge y Begri£Fe aus sicb selber babe, iat 
subemerken, aaia, selbsc die Genugsamkeit seiner £rdrterun* 
gen fd)er dieDenkthfltigkeit augegebant keine^wegs alleBe- 
griffe, welche die Denkkraft aur Beatimwun^ der Dinge aua 
•Uibfelfaer bat, in eeiner Denklebre bearbeitet werden 9 na« 
ttentlicb die Begrifie von Krafts Zweck u. a* w« unberUck- 
tichtigt bleiben. Zugleicb ist gegen alle drei^ wie gegen den 
grdlseren Tbeil der iriiheren Logiker iiberbaupt, zq bemer- 
ken , dafs ihre ErklUrun^eti urn, vielt^s zu weit und unbestimmt 
sind, da sie docb vvobl keineswegs unternebmen , die Gesetze 
yoIlstSndig auf'zustellen, nacb welcben entweder das Denken 
Aligeaeinejiy oder eine i^eatimmte Art dea Denkena, wie 



Digitized by Google 



140 Lps^c iiadi !rirett<ii , Sigwart , Tidbwik 9n2 Biiir* 

clas matliematische , metapbyslscbe u. s. w. foi tscbreiteinl «iA 
entwickelc, vielmehr, gleich wie die fibrigen, die die JLo«^ik 
tiicht metaphysisch oder psycHologisch Jieaibeitet wissen wol- 
len, auf Ableitung methodisclier llegeln und Gesetze, und 
zwar zunacbst auf Ausmittehirirr der Kormen und Gesetze fast 
ganzlich sich bescbranken , nach denen niclit etwa neue Ge- 
danken erzeugt^ sondern tcbon vorhandene so entwickelt wer* 
den, dafs explicice in ibnen herrorgeboben wirdf was sich 
ioplicite in ibnen scbon fand, und nur beil&ufig von den Ge« 
setzen und Metboden des fortfchmtenden , neues erzeugenden 
Denkcns bandeln (vergl. Tw eaten s Vorrede S. IX.). Durcll 
die fietchrflnkung der Deqklebre auf die Form dee Denlcenff 
wie tie fich bei £eaer und Sigwart findet^ wird diese 
I>itcipUn im Gaaeen nicht ausfahrberer^ da^ abgeeehen da- 
voHy da£i der Gegensats des Fdrmalen und Materialen itch 
flherbaupt nicbt atreng durcbffibren lUfst (s. TweatenaVor* 
rede S. Xl.), was Sigwart speculative Logik nennt^ eben« 
falls nur von Formen des Denkuns zii handeln bat, von den- 
jenigen Formen uiiadich, vermitteJst deren wir das Sey^i al« 
aolcbes denken : so dafs also immer eine niihere Bestimmung 
binzukommen m(U'ste. Eine solche niihere Bestimnmng ist 
nun auch in Si[^ warts Behauptung, dafs „die JLogik die 

issenschatt von den Gesetzen sey , unter denen das Den- 
33 ken mit sicb selber tibereinstimmtc*, nicbt zu verkennen: 
l»b«r werden dadurch die Gesetse der ursprtinglicben Erzeu- 
gung im Denken f sey es auf dem matbematiscben oder pbiie« 
aopmscben Gebiete, wobl ausgescblossen ? und docb ist von. 
diesen Gesetzen der ursprQnglicben Erzeugiing iai Denken bei 
Sigwart, wie bei dea fibrigen Xjogikera dieaer lUditua^' 
kfkum die Rede. 

T w e a t e n behaaptet y die Logik bandle von der Ueber^ 
seuguttg dea Veratandea, in wie fern deraelbe auf dem klaren 
Bewufstaeyn berube, ^^dafs dasjenige, wovon man tiberseugt 
n werden solle, in dernjenigen , wovon man tlberzetigt sey, 
^bcreits liege, oder damit auf eine solche Weise zu&au-unen- 
^b§nge, dafs es nicbt gelMugnet werden kann , obne uns in 
^Widersptucbe zu verwickeln , oder, „sieseydie Theorie 
^von der Anwendung der Grundsatxu der Identitiit und def 
3> Widersprucbs (§. 6.). Vergleichen wir T we s tens Erkla- 
zung nun mit dem, was in seiner, wie in den Aristoteliscb- 
analytiacben Logiken tiberbaupt, wirklicb geleistet wird , be- 
denken wir^ ^dafs die Loaik uraprfinglioh von Begrlffen und 
ssUrtbeilen gar nicbt urn ibrer aelbat^ aondern ntir urn ibres 
^Gebraudia wiUea jEbf aina andara JDenkoperatioh (dat 



uiyiii^ed by Google 



■ 

Lo£t)L naQh Tw0tt«D« Sigwui, Xi«fuiiok ami £js«r* l4i 



^SohlitlMii) lMia<i«lt«*, m.'^U eigantlkbe Km d«f Ari«to« 
«telUcb?ii Logik dU SjUpfiittik.wt, Begriff^ ui|d UrtbsiU 
nfHt tie nur aXi E^amenta £^1 ScbloiM*- da sind^^ (a« Vorreda 
S, IX f.) ; ao aat odF^nbary dafs aiii solcher Bagriff nicbt nuc 
ditfar baaondaran Ba^arbaituiig dar I^ogik genau antsprecbe, 
sondern sich auch binorUch volikomman rechtfertigen lasse, 
indem er Lestimmt ausspricht, was die I-/Ogiker dieser lUcli- 
tung zuniichst und voizu^licli Ledljsichtigeii , wenn sie die 
Logik als die Wissenscha^t von den Gesetzen des iunn ilea 
Denkens dergl. bezeichnen, Dieser Be^rifF hat aulsfideia 
den Vorzug, dais er, an sich deutlich , keiner psyciioiof>i« 
tchen oder nietaphysischen Vorbereitung bedurf , da die Wahr- 
lk«it der Satze der Identitiit und des VYidersprucbs an sich als 
evidendjbetiracbutf ^ihre Wi^btigkeit aber leicbt so weit in'a 
nLicht gesetzt werdenkann, als kiar ndthig ist (s. Vorreda 
S. XXV.}. fiodlicb wird durch d«n so gefaUcen BegriiF aacb 
Baarbeitung der Logik ibra SalbaUUndigkeic geaicbavt^ 
indam ap tbaUs ibra Gr^ilsan bastimait » tbaiii Abieitting d«r 
Oisciplin aut ainam an aicb dautlicbao Princip einleitat. .Nur 
diejenigan Regein und Gaiataa daa varmittalndan Jpankana 
gebdran ibr an^ dia aua den GrundsSuaii dar Idaotitdt und 
del Widaraprucba alt batondera Anwandimgen abgeleitet wer« 
den kdnnen. Sie verF^hrt mithin rein analytisch, da jene 
Giuiidsatzti nur Anvveisung geben , ai;s schon vorhandenen 
Vorsteilungen das in ihnen Entliakcne zu entwickelii, Wenn 
aber die analytische Logik oder Jogische Analytik auf 
diese Weise darauf verzichten muTs, von der Entstehuiig der 
Erkenntnisse, ihren Quellen und der Art und Weise zu han- 
deln , sie aus denselhen im Zusammenhang und mit Vollst^n- 
digkeit zur Deutlicbkeit des Bewufstseyns zu erbebau, ao 
dacf -^otbvrandigkeit aben dtesar Unteriucbungan darum 
keinaavrags verkannt werden. Nur mufa bestimmt anarkannt 
warden, dala dia X^ogik , insofern sie solcbe Untersucbungan 
zu fdhran untai^niffiinty d. b. dia Logik als allgemaina 
Matbodologiaf andarar Grundstttza bedarf, aU dar der 
Idanlilflc und daa Widarsprucba^^undy wanigstana fair jettt« 
biar iaicbc mit gleicber Sicbarbait wia in der Analytik ^arfab* 
»n kann. Dau die Logik als allgemaine Metbodologia ntcbt 
mit den zuletzt genannten GrundsStzen ausreicbe, nat man 
auch durch die That anerkannt , insofern man ihnen das 
Princip des zureichenden Gruiides hinzuzidugen 
pflegt. Indem man aber dieses Princip , wie jene, nur an die 
Spitze steilte , obne aus ihnen die iogisciien Regein und Be- 
fttixoixiungea daduciraa | .bat mf^n im anal) tiscba/i Theile 



uiyiiized by Google 



V 



t4it Lo^ik naflli Twesten , Slgwart f - TinAroBk nad Stier. 

det^ Logik Ii9iifig dtn Sats yom %tlrefali«ttden Oraada zu Bolfo 
genommen, ohne seiner «u bedflrfeny und* dagegen euf die 
Sfttse der IdentitSt und det^Wid^rsprucfat niche aaalytische 

Betttrmmungen eurOckftthreti su kdnnen geglaubt, die sich 
durchaus nicht aus ihnen ableiten lassen« Auch kann sich uns 
nicht verbergen, dais die Untersucbungeii der nicht anaiyti- 
scben Logifc , obwohl gemeiniglicb verraiscbt mit den "analy- 
tisclien Besliimnungen , sich von dlesen diirch Unbestimmt- 
heit, Unsichei heit und Willktihrliclikeit seljr nierklich tmter- 
acheiden, Wie sehr viel weiter ist z. B, die Lehre von der 
ttnmitcelbaren Ableitung eines neuen Urtheils aua einer gege- 
Iienen^ oder von den tinmtttelbaren ScblQasen (urn der Lebce 
Ton den mittelbaren Schldssen. nicht zu gedenken), fortge« 
schritten , als die liehre' von der aynthetitchen fiegrijSis- uad 
Urtfaeilabildung ? * * 

Durch ' scbarfla und beatimmte Sonderung Beider Thelle 
oder vielmehr Diaciplinen der Logik hat Twesten eine Wis* 
aehachaftlichere Behandlung de§ einen wie des anderen einge* 
leitet, und selber, wie wir seben werden , sehr bedeutend 
gefordert. ' nlm Gegensatz mit der analytischen Logik oder 
3, Aiialytik sagt er S« XXVI, „kann inan alsdann did Theo- 
s^rie von der methodischen Anwendimg der iibrigen Grund- 
^satze des Denkens und Wissens die synthetisch e Logik 
^nennen , in wie fern man als hochste und gemeinschaftlicbe 
aiAu^abe derselben die Bildung (Synthesis) auch solcher Be« 
Mgriaef Urtheile und £rkenntm$8tt betrachtet, die nicht al^ 
u^chdn gegeben vorausgesetat werden*** Jedocb hat Twa* 
5 ten die Analytik ale den eigentlicben Gegenstand seiner 
parsteDting bebandelt, and nur einen Jcursen Entwurf'der 
ayntbelSscben Logik hiHsugefn^t. 

Die £intheilung der Liogik in Analytik und 
Syntbetik iat eine io natfiirlicbe und nbtbwendige^ da(s 
aie tchon frfifaaeitig in der Behandlung dieser Disciplin mehr 
oderweniger bestiinmt berticksicbtigt worden, aber, weil bis* 
ber nicht auf ihren wabreti Grand z mCickgeiiilirt , schwankend 
mid ohne bedeutenden Einflufs auf vvissenschaftliche Strenge 
geblieben ist. Sollten n'imlich Elementar- und Methodeii- 
Jehre auf eine geni'tgende und forderliche Weise von einander 
gesondert werden, so mi\fste erstere auf Analytik, ietztere 
auf Synthetik ziirflckgefdhrt werden. Eine rein analytiachd 
Betrachtiing der Denkfunctionen wird nSmlich allerdings in* 
nerbalb der Grenzen einer Elementarlebre sich halten: einfl 
grClndlich durcbgefohrte Methodenlehre dagegei» Unteraucbun" 
gen fiber ursprilngUche £r«engung der £rkenntnisse, mithtn 

• 

0 



Digitized by Google 



h9pk akb TvMttn » 8igwatt $ Titftsank oad Sit «Ki 143 

^ern alt ibra Torn^biiitte Aufgabe b«traclit«n mflsaen. Anth 
enthSlt des Aristoteles zweite Analytik, die den spateien J\Ie- 
thodenlehi en zu Grunde Uept, dei llauptsacbe nach ,^inen ' 
Entwurf zur Synthetik. Wenn freiUch die Elementarlehre 
dieeinzelnen Functionen des Denkens, die Metbodenlehra 
dai Denken in seiner wissenschahlichen J'e/idenz betrachten 
loll (s. Sigwart §, 35 ), so ist letztere gleiclifalls so weit 
analyti«ch , in wie weit aucb die Wissenschaft in ibren Me« 
tboden aich sum Theil auf Verdeutlicbung scbon vorbandaner 
Erkanntnisaa baacbrftnkt, unterscbeidet sich dann aber auch 
Ton ersterer wadar dan Friiicipien nocb dar Babandlung nacb 
biolftnglicb , urn der Eleoiantarlebra ala baaondarar und glaicb* 
Jlegender Tbail baigaordnat su wardan* Dia aogenanrita an* 
eewandte XiOgiJc £noat allardings , ao farn in ihr das- tnen$ch* 
Scba Dankan nacb sainan allgamainan und notbwandigen Ba« 
achrinkungan batracbtat wardan aoll, fiiclh aban patacriidec in 
der Syntbatik ala^in dar Analytik Ibren Platz, kanii aber auch, 
in 80 weit sie nicht Anweisung zur Vei vol] kornmnung der Er-» 
Jieiintnisse entbalt, und als solche der Synthetik angehuit, 
mit Recbt der Paycbologie zugewiesen werden; und ohiie 
Nachtbeil bat Esser sie ausgelassen (s, seine Grunde l3.)f 
Tief trunk in seinem zweiten Theile nur gelegentlich dio 
Scbranken des mcnscliHchen Erkennens beriicksicbtigt. 

£ei 5igwart zeriUllt die Logik in zwei Haupt- 
tbaila^ deren ersterer von dan Bestim m u ngen und Ga* 
satsan des Denkans^ dar zweita von der Beaiehung 
dieser Bestimmungen und Gesetze auf die wir k« 
licbe TbS ti^keit daa D9nkenB bande]n soU| dar sweita ' 
Haupttbail wird in raina und angawandta Jjoglk, und dio 
rainaXiOgik in Elamantar* undMatbodanlabra getbaik. Auch 
Easar sondart dia Erdrtarung der Grundgesetza dea Dankana 
von dar Elamantar • nnd Metbodenlabra 9 tbeilt dieXiOgik in 
drei Tbeile, tind bandelt iai zweiten Tbeile von dan al1gamei« 
nen Gesetzen des IDenkens . die jedem besonderen Denken zul 
Grunde liegen , und im dritcen Tbeile von den Ge^eCZien dea 
Denkens in der Wissenschaft. 

Tief trunk erortert im ersten Tbeile seiner Denklelire 
das W^esen des Denkens an sicli selbst, zerlegt es in seine 
ThUtigkeiten und entnimmt die Gasetze desselben (a. S. 20.) s 
lietracht^t in dem sebr kurzen zweiten Theile (von S. 227 — 
240O diasa Gesatza ala Kegeln und VVegweiaar zur denkricb- 
tigen Anwendung unsres ErkenntnifsvrnndJgens , berdcksich- 
tigt hiecbai dia ocbrankan dea inenacbiicben Erkannans^ und 



Ijiyiii^ea by Google 



l44 Lo|lk Hft^ TwMiica » Slgwurt « Zi«fumak iumI Jiumu 

faftiiMt Ton dtr yairollkoiitiDiittiig unirinr ErieenntniMe; * Aen 
ertten Tbetl. aber serfAllet er , scharbinnig and seinar Behand- 

lungs weise vdllig gcm^s, in swet Hauptatfldke , vonderdenk- 
gem^en Betracntung der Dinge, tind von der denkgemiirsen 
Bestimmuiig dtr Dinge, indem er, als awieiaclie Thatigkeit 
der Denkkrafc, das VermOgeri der Regeln und das Vermdgen 
dt'i Bes tiiniiuuig durch diese llegein, oder das Vetmogan Be- 
grifie von Gegenstiinden durch Beachtung zu gewinnen , und 
daa Vermogen Gegenstande durch diese Begnife zu bestim- 
men, yon einander sondert (s. 5. ji25£E.)* zweiten Haupt* 
atUcke aiaht er dann ^aerst die in der Denkkraft aelbst ge- 
wurzelten Begriffe zur denkgemifsen Bestlminung der Dinge 
durch's Urtheil in Betracht (S. 106 ff.)* handelt dem- 

nftcbst (S. 1^7 v6n den Kegeln , denen die Urtheilskraft in 
ibrem Zersetsungs* und AufldaungigaadiAft zu folgen babe* 

. Jedem dieser Etntbeilungaveriucba wird der billiga Beur* 
tbeiler gem zugestdben, dafa er nicbt uncrfaeblicbe GrOnde -fflr 
sich anzufabren babe, * und geeignet aey, den logischen Stoff ■ 
einigerraaTsen zweckmSfsig anzuordnen , solange keine 3treng« 
wissenscliaitliclie Ableitung aus ober&ten Grundsiitzen heab- , 
sichtigt wird; keiner aber lafst sich den librigen entschieden 
und in alien Stilcken vorziehen , weil keiner derselben durch ' 
BegrifF und Princip derLogik nothwendig bedingt wird, und 
keiner so genau und nach so festen Grundsiitzen sondert, dafs 
dorch Verfletzang einzelner LiehrstUcke die ConatrucUon des : 
Ganzen wesentli€h gef^hrdet werden wilrde. 

Indem Twesten denBegri£Fder Analytikgenaubegrenzte i 
und aie aus den GrundsStzen der Identitlit und dea Wider- < 
sprucbs in der That abauleiten unternabm, mufsteer mitder . 
£rdrtarung dieser Grundafttae die Anatytik beginnen ; er konnte i 
aie nicbt der Analytik und Syntbetik als gesandert ron beiden 
voranstellen 9 da aie nur Grundafttae der Analytik, picbt der ! 
Synthetik aind; ferner aber mu^ite er fttr die aus diesen I 
GrundsUtzen ahgeleitete Analytik eine von den bisherigea 
durchaus verichiedene Eintlieilnng auffiiiden, uai alle beson- 
dere Regeln aus jenen Gesetzen in der Ordnung und auf diti 
Weise abzuleiten, dafs sowohi ihre iNothweii(Jigkeit als ibf 
Yethdltniis zu j^nen GeseUen daraas klar werd^^ (s. 20>)* 

« 

I 
I 



Digitized by Google 



« 

I H e i 4 el ^ «.r.g e c . , ' " . 

Jahrbiicher der Liteirfttur* 




iogik nach Twest^n, Sigwart,^ Ticftruok uad Ssscr* 

J. . or sun^.) 

Schr zu bddchten sind l^westens Erdrtet'Ungdn thiit 
2weck, Art und VVeise des Stadiums der analytiachi^o I#(t^ik»' 
0. §. 14 ff. vergl. Vorf. S. XII L)^ welche in derBeg.t:ensus}g^, . 
iR der ftie In sein^ Bahandlung genommen wird^ wje ^neil 
bdberen Grad d^r wUteiiScbattlichea Voll«iidttng erreichen.^ 
soaucli dem Liernendeti mehr Au«beute„]UO.d iiam«litlich niabt' 

logischen Sicbftrheit gew^hren mut$f jsli.da^ 
wo lie durch yielartigen fremdell Stoff slph erffinzt» 

Die vielverheifsenden Erdrterungen ip f ssert fooI«i««. 
tung aber die Quelle der Logik und d|ie Metbode ibr«r B»« 
^odlung (S. 20— »45.) uiiternehoitti dea fieweis, daOi ditt 
Nothwendigkeit , a o* s a d e n fi e n / die Notbwendigkeit i a 
^^rwahr zu halt en, nkht einsthliefse, mithin das Oen^ 
kctt uhd seine Gesetze ftir den Menscben keine absolute 
Zumliissigkeit haben (auch nicht filr*s Denken?), dais dabe^ 
4ie Logik kein allgemeines sicberes Kriterium der Wabrbeife 
fluFstelle, und zwar nlclit nur kein materiales, sondern aucl|^ 
tein formales Kriterium der Wabrbeit; dafs sie aber ebeil 
diJrum keine pbilosopliische Disciplin sey, weil die Pbiloso* 
pble von deln notbwendigen GesetzeQ jies Filrwirklicbbaltenil 
2ii handeln babe. T>ies6 £r6rterungen aindi gleicb wie die 
tibrrgeri dieser Abtbeilung^ tbeils zu sebr auf det OberQUcb^ 
geschdpft, tbeils der Logik erdfaeiitbeils fremd. Eine grCitid*. 
lichd Prtifung derselben mulste aiif ibre Quelle ^ Hermes 
Hinieitung In ^die^cbristkatholiache Tbeoldgie^. ' 
zurQckgeheti,, I Wll tebr vi^V Vol island igera liild grAilda . 
lidiere Untetsuofauiigen gewidittet $inii 

, T)i6, Gef ette def IdenMtilt Uiti ieg Wi40^^ 
i^rtttbe werde^..bevTv<^eitett 0. 2^£) in Fdrmeliijkiihr . 
gedrlickt^ uiid sebt Ibestimmt \md genOgend da<iurch yon einf*> 

Mejp uhterscbieden 1^ ^{^^.^^ ^'^^L.if^Hl, positive n# 



Uiyiiized 



^o^k oaioli TwMten^ filgwm, Tiefuuak nod Bukty ^ , 

dieser anf den fiegatiren*Au^dr.ttpk.der Einer* 

leibeit zurack^efiihi t wird, so dafs die'AbleUung det einen 
vom anderen sicli als ehen so unmo^lich' er^eben n^u^'f 
die AW^itung der Bejabuiig, vou der V^i^j^^nMi^^ odtv Xifa* 
g«k?ebrt Tfiese von jener ist.'^ Die bdir^e Deduction dieser, 
80 weit es zu ihrer Entwickelung ndtbig ist , deutlichen Ge- 
s«^Sf*5FWt mit Kecbt_dcr Transcendentalphilosophie oder der 
Metapbyiik tiberla»*en, deren Untersucbungen die Logik vor- 
arbeit^n,,. nicbt vorgrolfon soli (vergl. Vorrede S. XXIV.). 
, Ibra-^itw Erbrter vth^ aber ergi'ebt f icb aui der Analjrrik 
stlber^ tndem alio Formen und Gesetze deraelben aua ibneDy 
ab Formen ibrer Anw^3uMg f abgeleitet werden. 

Vom Princip der IdentitSt wird der^Satz der E;in- 
atikmtili^ ihiWsiibieden, insofef n >r ^ItiYibl:, mh iT andere. 
Vorstellttngert *u veAhiaynV die m W&fc^^ifV 
ni^^bt eben a-sihd. ^' ' ' ' ' " * ^ 

o Yotn Satze des ausgescliloss en en D'ri t ten wiri 
cine zvviefacbe Form , eine ufsprtingUdit; und eine abgeleitete, ^ 
arigegeberi;'^on diesem Orurtdsdtze abet wie vom Satze rl,eif . 
EihstimmutiCT oczeio^t, dafs sie den rrincipien der Ide«titit 
und des Widerspruclis untergeordnet uad gjeicu .Wie ftiese 
atiksbhTi^fflidi analy^tiscbe SStze sind« ' 

- Vom Satze dee z u r eicbeiiden Grundes bingegen 
retcbt^'eil kin, *zu e^linierii, dafs er der Anajj^ti'k nicnt aja-; 
gdlfGue. 'Die schon von'^aCo b i eingeleitete jUntersucbupgf, 
iir*Wie -weiC rferiSarz'Vpm zuteichendtjft'tjrunde aiif das Prin- 
Ci>b^i^i^ntitlt^icb «ui1ickfabren lasse, bat (jie Lpgik wedet; 
BMf tiocb Mittel ^l^b'gend' 8i^;ffibrenr«u^^^^^^^ 
e^'^daft^ildcb Metapbysik fii^a Itranaci^ndentar^Ulosopbiie .fi^, 
uitoth-iffen^ tfaiaa»%ri'i>ir%6fa/ .-,»i<-.; — ' .j 

^•>«J«i^walPt iftltftniitfmt gleicbfdhs liiiS mIt Recbt Reine^ 
eigentlicue Deduction der logischen Grundgesetze , bestinimt 
ab^r Jedea derselbeh acbon bier vqrl^ufig uaber , weil er nipbc 
wie Twesten diis logiscben Gesetze und Regeln als vei- 
achiedene Fbrmen dersehben aus ibnen abl^itet, und i^i^gt^da^ 
GBSetz de5 G run do 8 binzu, fddem ef, glelcLwle d'le 
frttberen Ijogiker , das analytiscbe un(^ syn.t|^etLScbe Verfabrea- 
nicbt genau sbndert. 'Defa'Gesetz def tdentitiit Wlrd von i^i'" 
ala daa Gesetz der A^jabctH^ uhd Uebel'tfiHatim/nun^^ 
tety also der Gmndsatz der Eins^icnmung 'mi'f einp^H^en ; 
der Grund'satz dea Wideraprucbs als '^^esetp de^f Verui^iniing 
untlti'e# Widersprutlls ; dfcr Qriindsatz cfei aVisgescbros^enei* 
IMmn Hb dfo SphUt9 de^'Datikformen bescHlIe^end und' 
graiti^ttd^'iiidain^^l>eitiiiiinb»» 'diUa'fi^ Uk'm'&f^Sa'Vi^l 



Digitized by Google 



Logik DSMk Twesteoi Sigwuttf 'iic^LtMok und £sser« • 147 



IdentitSt und det WiderspnidiA ^(SgebeAeti ^ und all einand'^r 
aanchJiAXteod Lsreiti |ete€St«ki f ormtti dl« •intig adgltchea 

Dio Mott«nte ^ir (^ualitXt itnd das Integorisehe Urtlreil 
fHhrt Sig^vr «r t adf-dl^ Grtindiitatr d«r latitat und iie» Wi« 
deripracba, die" ^MidiMttii^ d«r C^irallCitit - und te* dii« 
juncdre Urtheil'tttf deti Orftti<ftMtir d«t auigetfdildaMifayrOritM 
tea, dM Bett4teii&iiiy||eh' dei- -Rtfllitioii' M^ d«lf ModaUtlt^ •tf' 
wia dit FifriH* d«f Btfdingtbeit^ ailf dct OMM -dM Orunde* 
zorficky urid -h^hdirpeet ^ dAO Ivtsttfrt • ditf OiiMib deir Ideki* 
tltSt, dei Widetspruchs uhd aii«g*§ch1osfenei» Dritten f jr nut 
' d.tie, vuraas^ietae, Ohgleich nun tbeiis das Geaetz des Grun* 
des wobl noch andere ali die genannten analytijehen Grund* 
$jtze vorat^ssetzen inOclrt^*, und aut jtden Fall der hiet vdratis- 
^esetzte rein analytische Chirf^kter deJs^lhen nicbt nacbgewie* 
sttiwfrd^' theili^ wie Twesterj ditrch die TliaC gezeigp bat,- 
diVBestimlfTiitrtgeh fftt die b)-pothetistb« Form voUB^Hndig auf 
den<irund»dtten 'd«^ Identitlltj und d'^s NVi'ders^racba -ab&ul«i« 
ten, niftKin nielit dai Prinbip dea Orutidca V •t) wAil 
tichvbn di«k«^hi uMdl'^eb.dd^t «6fQdic^filln^^il lind; o)>gkh:ir 
fctnel di# Ab]*^ttuiSg d4r i^^aill^ktftib^atmlmung^iiitd'des dit« 

lenmad^te, dlT elM i^/f)ch'<»i' SbrnMra^ deH tlirttrgvblNtnatisitf 

prindpi? ex^lusi tt^^fif v6m Hefh' 6r(MldsMeVi -d^ii» Idi^ntifW ttilS 

' del Wider^pruchs selber , ao habbh 'dbch S igvf at-ta ErditcM 
r.uaen der loifisdliiJh- Grrtndsiitafe in Bezufr auf Bestimmtheit 
ioi Ausdruck diesen Tlieil dtff .LcFgik west^ntlich g^ftlrdert, 
und bizao^'d^ra iklsche Bettrminungen frUherer Lrogiker 

Eg set" wflrde aeine fiberaua w«itMuftige Er5rtcfung 
^oU bedeutend abg«ktirzt und mancbe Fehler in Auadrucic 
und Beiititimi'urtg atch erspatt htfberi, w^rtn fer den icBbn in 
ier'ehttn AftAgabd vort Sig ta-Logifc enthalterisn £rdr- 
teruvig^d tlb^f lUe ii^ifeeh^rt Oi^Ufidgi^mila'reiflieli hfttta nach^' 
<ieQken wb}Wii:' ''''8*^'Mtdl[^ok ftrdM G^aW det Idaittitit 
(>*S.5l;yt";^tdier dsi mtiiy 'riiot!i#e<liidig au aliiaiiiOtfdahiaii' 
»t«rbttndad Varden; Wds mifc fldh a«)l]^t aiua^ odar trAi W^^- 
»9mtlicfakr B^MftdtBdl 'ainJi d«lialban OadimlMi lat«^' 
hiditftnit <f^«8^1b« anf den SaHi^'dar 'fiinalfibiriung',' tiWAdlhr 
O Il5tbst unbe^timmt I odef i^t ^tv^* ftn *ich deutlicb , vraJl' 
■^HeiltlicbBr Beltatidtbeil eiriei; und desselljcn Oedankens «ef ?- 
yi^f ge«tiu«r, b6j*ftinWrt'^nd iiir jeden^ da* den 



Digitized by Google 



148 h9f^ mk Twn^u^Sigw.^niXif^f»v'^^^ toer, 

Begriff der m&thematUclien Glckbheit kennt, ist tlot^U die alta 
Formel A ;2 A. Aucb dei Ausdruck fOr den Grundsatz des 
Widerspruchs (jjin unsrein Deiikcn nicbts sich selhst vvi(lei- 
,9 spreChendeA zu setzen , weil widei^pi ecliejide Meikiiule 
,i,nicht zu eiaem und deinsclljen Bewurstsey ii v eieini|^t werden 
g^kdnnen''} ist eine «ehr unbestimuue uud luigenaue Ueber- 
Mtsung der Formel: A non est non* A; und eben no theils 
ungenQgendy theils schi^f gestellt die weitlauftige Beweis- 
fdhrunff I »da£s, wenn auch daa Qeaets d^a W^derspruchs aug 
^dem der £wiirUibeit ge^bJgert werden kdnne, die Ueber* 
j^seugung von der Nothwendigkeit desselbea sich docb vor- 
MsOglich auf die im unmittelbareti BewuXata^yn deatlicb ^^go* 
,«b«n9 Unmdglicbkeic graiidey wideraprechende yjpi«teUuogeit 
^sa «iner Total voratauting su vereinig«n*f X^* 67«)« Gefol* | 

Sert wardMi* ksQA nSmlich daa Gaaeta daa Wideraprucba auf 
em dbr £UerleibeirachlediUrdings nicht, W^nn^aa GesaU 
des sureiGheiidon Gnindta.aoagedrackt wird „allea , was bt, 
95mufs einen (xureichenden) Grund seines Seyns haben«* 
(S. 73.) > ao wild es theils roit dem Grundsatze dei Cauialitiit 
verwechselt, theils dieser wiederum unrichtig auf'gefafst, da ' 
nicht fflr das Seyn, sondern fur das Werden die Ursacbe 

fesucht wild. AuIsei den vier logischen Gesetzen, auf die 
ier gleic^ialls die Formen des k Jtegorischen , disjunctiven ' 
und bypothetiscben Urtheiis, und zwar als die einzig md^« 
lichen Formen des Urtheila, durch einige vfrenig geniigende | 
£rdrterungen (S. 82 if.) £iirtickgeft\hrt werden, sind von £s» 
aer noch die IPrincipe der Gleichartigkeit,^ Yfr^chiedenartig- 
keit und da/ Veirvrandtaphaft als solcbe Gc^etze schon an dieses ; 
SteJle erdrteity wouach die Einheit unserer Erkei^nt^oisse — i 
vnd bier unaepor Begti£Fe — etosig und aljein jtije,i(^^)gebracbt 
Virerde ($• 67*)« £ntfre beiden aacbt er dann als wirklicba ; 
DenkgeaetHOf da» ^hto «U leiteodei Pirineip nadiftitW«i««A 

. W^nn Tiottrunk in der swetten Abtbeilung des swei« 
ten Haoptatfleka den Sats d ea Widerspruchs („kein Ur- 
theil darf dem andern widersprechen ") a]s Grundregel aller i 
Zersetzungs - und Auflosungs - Urihtiile voranstellt (S. l94ff«)» 
und daraus als unmittelbai e , durch blolse Verdeuilicbung sick 
ergebende Folgerung den Grundsatz der Ausachlie»- 
fiung eine* MittJeren und den Grundsatz der £i- 
nerleiheit ^bleitet, so findet gegen diese Ableitung tbeils 
diie obige Beinerkung ihre Anwendung, theils mu£s erinneit 
mrerdenf dafs der Ausdruck iCir den Sata des Wid^jpapruchs 
woU Mfk uod dio DodnOion upgeoOgen^ •ejrn jpdcbtei 



Uiyiii^ea by Google 



insofern «ie von den GrunflbegrlfTen der Elnitimnuuig unci (le« 
Widerstreits nbsirlit , die im ersten HauptsKlck als z we iter 
Ansatz der Denkkrait xur i^etrachCun^ d^r JUinga crarUct 
werden (5. 45.}. 

£tser und Sigwart fo]gen in ihren Elementarlehren 
der gewdhnlicb gewordentn Anordsung nadi Verschiedanheit 
derForni) in der die VortteUun^en g<;|»<»beii werdeii, iondem 
daber dia I^ehren von den fiegriffan, Urtbeilan und 
Schlflasan. Diete Anofdnung empfiahh ticb nun awar^ ifi 
ao iern ein Forttclirattan Yom Lieichtaren «uin' Sdiwcraren 
bet ibr atattsiindet; al^ g^nfl^t abar »icbt| thaila wail die 
VWbiedenbeit dieaar Formen flbarbaupt nur eina ralatira 
und fOr die analytUcba Betrtfchtimg bia zu ainam gawiaaan 
Grade <^Ieicbg(iltig ist, theili weil in der Lcbre von den Be* 
griffen maiicbes eist aus dt-v L<ebre voiu Urtbeil und sogar aus 
dcf 5y llogistik seine Aiif klnrunw erbiilt, In ersterer iViicksicht 
ist durch sukli*^ A Dordiauig dte ricbtige Geltung dieier For- 
men verd iiikelc vvorden , in z waiter ufVcfcsicbt bat wobl be- 
sonders durcb diese Ai)ordniing die Logik sicb den Vorwurf 
'i^ezogen, dafs ibre Begiiffe und VVabrbeiten, weit ent- 
ieititf uacU ibrer eignen Forderung aua Frincipien ab^eleitet 
8u aeyn, ^in Rncksicbt eines inneren» notbwendigen Zusam* 
»nienbanga nicbtandera neban einnnder sr'lnden, ala in einam 
pRegister" (Hegel Witaeiiacbai<:d,Logik XXU, f,Tw*« 
nana Vorr. XXX.> 

AuCb Tiaf trunk verii^btat anf die EintbaMung del 
Denkvermdgana in daaVarntdgan der Beer iff^a (Varatand)| Var* 
mdgeii der Urlbetle (Urtbei)akrafl> und yermdgen der ScblQ<l« 
(Vernunft — • S« 32.) , und 8onder( die Lebre yon dan Ba« 
griffen^ Urtbetlen und Schltltsen mir Into fern, inwiafern 
Sat erste Hauptfitikk des ersten Tbejla zwnacbst von der Be* 
griffsbildn ng , und dai zv\'eite von den LIrtheilen , und 2i war 
ill uninlttelbarer und niitttslharer l olgerung, bandelt, 

T west en entwitkelt die Foi men der Anwendung der 
Geset7,e der Identitiit und dea Wider spi qcbs, indem er die 
ah/.iilelcenden analytiscben Gesetze imd Formeln als andera 
nur erweiterte Ausdrucke dergelben betracbtet, und a!s ge- 
ineinsame Form aller analytiscben Gaaatae den Gruqdsatj; vor- 
anttcUt: .^wann Du a gesetat bast, mufatDu b aetzen , weil 
»a;s a laty oder weil a sonst nicbt a a^yn wtirdec* (§. 26*}. 

Da nnn die Terscbiedenbtfit der analytiscben Gesetze nur 
in der Vieracbledenbek des ^egebenen ibren Grubd baben 
ban 9 ao wardett — im Fortscbrelten vom etiifacb^n sum au« 
Mouiangeaatatait dtavaradtiadaiien^ mdglichenFfilla^ untar 



/ 

r 

uiyiii^ca by Google 



% 



^0 W«?f^».%»w!>,Ti^ft«n*.l»* 9^ 

f ihva eii]Cwjpfc^,we^9^ t^Qtt^t^odig aufgeftlhrt, Der 

.^r^tt; Fall, dem ssurolge d^s gegebene als .«in fiegri^F gesetst 
wird, leitet auf Behauptungen Tiber das VerhSltnifs seiner 
j)/lerkmale 2f}i dem Begriiie fe^b.^^ Uiid zu einander, dabertheils 
2U notbw^ndigen ixi^d ^Hgen^eineip, tbeils zu besondeien und 
inoglicbeu Urtbeilen, Bei'm :^weiten Falle, „ea seyen 
UVi^t?! JBegriffe gegeb^n« ( §. 36 if.), wird tbeils auf tine neu« 
yyei^e^ ti^^il« scbilritire Bestimiimngen berbeifiibrend gezeigt, 
jffifi l)u« 4en yerb^ltni^fe^ ^ea, Inb^lM ^f^^ Umtangs , und 
iu{j^p^^t di«^e au8 jeneq^ $|cb iieBtjaimeq lessen, und, wie 
|rjf}f #^f.i|f^lyliil|pem Wege ^usgexniitelt y^etdnjfi, kiiqae, ob 
gffifkeWIP j^lgv;^^ ,4^ fi5«:?i»Sern ^eigelegt 
abg^iiprqcb^ii^ ^^(Jen mClsse. Da.nvin auch die au» 
E^i7,icKflpi?g fifti cygeb^nd^i? VerbaluiUie 

XJrjlie|i]e «ioa^ ,v^ird ^u^a;i Ai^bangft d^n beiden er«tea 
. f «ua.aipiqebg.«f9ft ,ufi9 wciiteir ^usgefttb^t j| waa b^h«r 
y^n ]pfit]^fiu^e^^9 ^od fs^ar pa^b ibreir EnMtubung , daher 
vflilUg* auf 3 A^^iie gebradxt w{^r. IVein anaiytUcb yjtix^ biei 
d^^ IJrtUeil ^Is Subs.uiption von Begriffen tinter G«* 
fcbl^JCbt^.- gder Aitbegrif'fe betracluet, und nur von 
den cjuaUtativ.^n y C£,aantitativen und inodalen Bestimmunaen, 
und ^wsiT in letzttJier Ri^cksicbt Mo& von den ui 6 g lichen 
^nd ootbwendigen Urtbeilen gehaiulelt, da einerseits 
die Wirklicbkeit, aTs ein nicht analytisch erkennliares Verhalt* 
.^jifsy von dieser ^etra9Ji^tuaig aasge^cblossen bieibt, andrer- 
%fiijt^ dje gewobnlicb ^uf. (jle^i Veibiiltnisse dei: Vrtheile zum 
Bewutmi^yin abg^]|eitc^aii ^^\^^t$^^%timm ^^ j^ a d der 
yr.|be^]je,. f robl.ei^iatU/f Ji,er , a'sji ertQrjscber und 
epoajijgtiscber Urtbeile^. <^cl)jt aU psycbologiscbei 
ni^cbll .^^lyti^cba y^jrbUltnUse, ^u^ |d[ar analyd^cb^o Lo^ik 
ejDt^i^jrdt .^er^an* Vbn ^ar Ulian ab^v konnta ^rat bei'm 
ctrifctan iFaUe, „e8 s^y ^iii ^frAail gegeba^if? {f 63 
]B.ada ^ffi^ ■ P}^^^ ^^'^^^^ unterscbeidejt sich yon den 
ScfA^xeif, sel^ vi^^a(QntIi(pb dffjlurcb, dafi i^ il^ii^ da^ Urtbail 
i)ipb|: blq/l andytif^c^ y v^i,e ji? dar frt^bera^y aQijd^rii aMG}i syn" 
tb.a^ifc^ (}fyn kf^il^^J| ofl^r yt^1(f)ebr seyr^ muft , so wait ar sa 
neaen , in vprigen nipbt ^cbon entbaltenen Betiacbtungen fiib- 
ren soil. Da nun die lategqrischen Urtbeile, wenn aucb syn* 
tbetiscb, docb put^precb^nflen analytiscben ifi Bezug auf die 
logi^cbeBetrapbtung gleicbsind, so wird in diesem Al)scbnitte 
nur yon den tibrig^n IVfouienten der Rejation , V0f\ dem bypO" 
tbetiscben und cHsjunctjven Urtbeile g^ba_n^p)|t, Vyiewohl 



uiyiiized by Google 



«o iiitt£i 4m ma i^im*. aiiiil> tUph s^' f ^iwMtln^f M^Pc^^iohOn 
ioiplicke in ibm entWiten a(;yn ; ^al^ar aufh .dje I^bro 

von den bypoLhetiscU^ii und disjunct jveu Urtheil^n ^uf.chai^s 
diialytisch jjehandeJt , d. h. aiis liuu Gri^ndaStsjen der,Id«ntitSC 
und dts Widersprucbs ab^^Ui^et vvird, Nacbdeip 4^^n &ebr 
iuiz, aber mit g^nUgender VollstUndLgkeit^ di« durcb «igei|a 
UntersucbuD^en ergUnzten Lebrun iiiiher^ Logiker, ^lament* 
Ucb H e rb e 1 1 von den vejfcbiedenen Ai'tei^ dier bypotbe* 
tiscben und di^jupctlvei^ Urtbeije, und irpa(i(?n aua Vorkql^pfan^ 
del diajunc^vii^^ Urtbflili^ miic d«m, k^^fg^iscben.un^ jjyipotb^* 

zelgt, wie aus flin^m tgegel^enen Urtbei)9 ^Mtl^ilii|.j9^^iff 
(f. 75 ffO* «nd«rea Urch^j^t .MJ|i»VIW.ttii\#ritdf^^^ 

fiMrmeU ($. 77 JF.) oci#r mafttie]^ ($r ^% S^yyQn dem gegdheneii 
T«ra(;U»deii<^f y^UieU, Jibgfleiut w«r4«W' , Dmev- Aba^bniU 

ScllQaaen In tich, die ab^r der Yfirfaascr yi4f««bi«u^g9llr* 
itn Gtfleg«nbf|U findet, indem er nicbt; .D\ir vo9 dr^ti^FllllBn 

bandelc, wo durcb ver^adeiie QuantitSt (Scbltiflse der Sul^ 
aUernalive) oderQualitat (ScbUlss? der Opposition oder Aeqtil* 
poUeiiz), und duicb UiusteUung (Conversion und Contrappsi* 
tion)^ sondern audi diejenigen berUcicsicbtigt , wo durcb vt?r- 
anderte llelation (§. Qo.) und ModaUtUt (§. 83.) ays einem 
Ijegebenen Urtbeile ein neuea abgeleitet wird, und augleic^h 
iheili die Opposition und Aequipollenz aucb disjunctir^r Ur- 
tbeile , tbeils einige Arten der Combination unn^ittclbarf c 
SchlOase erwagt (§. 90.). Aucb die Betrachtung. 4w unmit- 
telbarun Scblusse ala analytiacber' Uftb&ik (^&i9i:0 "^^rid d,ie 
Lebr« von der Ableitimg materiel! v«racbitii4e)iar VrAbailtf ami 
einem gegebipnen (§. 92. 93.) i»t nc!vi« und besbndi^rf in ao 
wicUti^, in wW.^ra die Cr«Mea;4tCienal7tiadieii i^ebandlmig 
(ladurcn von neaem. tckecf h'a%ti^et ,w.erd^b^ ,sf£h^*i yi^r^ 
Fail (}. 94 1^^} ,»fi^Araucht» . ^.wi«'au# awei go^ba^iaiir fiJrtbei« 
^lea, .die. in jkeinem Verbak^Ks analytiadiec ^Abb&ngial^Ht 
'„VQp.eina9di»r ateben, ^beila ^in*^tuei Urtbeile deis^n*W4bf* 
vbeitau* keineni von ibnen far aicb alletn flfhelk;f .i^eil^ijfip 
,sVOn beiden gemeinscbaitlicb abbangiger Begri£F «bg<sl^itet 
»werde.« StUnden nSmlicb di« gt^gtbeiien zwei Urtbeile 4n 
eiaem ^nalytiscb erkennbi^reii Verlial::iusse, so wiirden aitb 
keine von den im vorigen Abacbnitte aacb>^<^w.ies€nQn vetscbie- 
dene Reaultate ergeben, Dieser vierte Abscbnitl bandelt da- 
ber, von den in i tte 1 b a r e n , Scblii ssen* In Bez-ug au£ 
dieL'L^bre voa den eiuf^ien l^ft^egorlscb^n Sjcblilasen ^maicbt 
^i^l^wi^sf^^miAm^if'^vfmuk^M.w iiidenen.die'MQtkw^il« 



Diyiiized by 



mck TwMitntSlswartt Tidunmk mid Stm.' 

105* IQ7« 109.111. 114* 116*) iMcbgewieten wtrd. In .der 
]j«br» ^on den bypothetlicben Schlflueo ($. 121 ff.) warden 
theilt die verschi^denen mdgHcfaen Fftlle berDoksicfati^t , wo 
entweder heide FrSmissen und der Schlufssatz, oder eine 
PrSmiAse und der Schlufssatz von hypothetischer Form sind, 
tbeilfl wird vOm Verbilltnifs der hypothetischen Scliliisse zu 
den k^tegorlschen , nachHerherta Vor^ang, ausfiQfarlich gei- 
Landelt C§. 127 flF.), Eben so ist die Lehi e von den disjuncti- 
ven ScbitUsen (§. l3l ff ) vervollstandigt worden, — Auch 
in der Zuruckfiihrung der ipittelbaren Schldsse aui: analytisch 
hypothetiscbe Urtbeile (§. l39 tritt der rein analytiscbe 
Cbarakter dieser Bearbeitung derLtOgik tebr bestimmt bervor. 
Die ^dnf^e Abtheilung, in der aut mebr all swei Urtbeilen 
gefolgert wird (§. 144 ^*}f bandelt frttherer Logik^, wie 
Friee 'und Caiker^ TmOglich aber Lambe^rt'i uqdHer- 
l>e^rt'i UntertQcbangeq sorgfflldg benutaend , und maneb- 
faltie*verbeiseri<d lind er^fltfiend — von den suaamaiengeeeti* 
ten SeblOsien rait einer Auifdhrlicbkeit, die tbeils dadarck 
'hinlSnglicb gerecbtfertigt wird 9 »da£i et eine eben so- notb* 
>w;^dlge Attfgabe der Analydk ist^ die analytiscben Ver« 
'W^nflpfungen der Gedanken , als einer wiitenscbaftlieb en-Gram* 
v^matikf die Verbindun«^en der VVorte und SStze erschSpfend 
^,ab«uleiten«« (s. Vonede S. XXXil.) i tlieils daduicbj dafs 
•Grund, Wegen und Gesetze liSufitj vorkoniniender nnd noth- 
Wendjger Vcrkniipfungen der Gedanken jetat riclitiger uijd 
geniigender slch erkennen lassen, aU es vur dieser ausfilhr- 
'licben Entwickelung der Lehre von den zusarnmeiioesetztea 
•Schlilssen mdlglicb war. Die dem Verfasser eigentntlmliche 
'Ktirse und Beitimmtbeit {in Ausdruck bat es ibm mugUcb ge« 
itt&cbty die Kesuhate dieser autffibrlicben £nlwickelangen auf 
'etwa x^nsig Blttttem ausaromenzufassen, 

' Tweften unterscbeidet drei Hau^tarten dar vu* 
^'aammeTigosetzten ScbrOese^ da entweder mebrere ge» 
gebene- Urtbeile bei gleicber analytiacber Form nnd gleleben 
SubjectliV und Frftdieaubegriffent oder glelcben Vorder* tind 
Naehettsettt an awei auaamoiengetetaten Satsen ao verban« 
•den warden kdnnan, dafu ein ain&cber Seblafeiata ana ibiien 
'Cbl^t (Umwege im Scblieften, nacb I»ambere); oder'Mb- 
tera T^lnrlaien wegen verschiedener Forni oder Maf^i^e awet 
^ffcbt anf ausamnieiigesetzte SvUzo gebracht werden, aber 
docb su cinem gemeinscbaftlicheu Scliluissatz fiihrcn konnen, 
oder endjich dieae Leiden Hauptarten aicb jbu einer dritten ver- 
liinden kiasen. Die beiden ei6ten Arten vt^rden intt s^orgfll* 



uiyiii^ed by Google 



Iio^k aaeh Twetteo* Si$wdzt^ Xiefmiiik nod Esser. 153 

tiger Berttcidiichtfgtiiig sowobl d«r disjunctiven als der kate« 
goriachen und hypotbelttchMi Form abgehandelt, und fUr die 
«rtte Art suMiiiiii«nge8et«t«r ScblAtte in kategoriseh^r Form 
Lamberts in unverdiente Vergeiienbeit geratbene ateben 
modi derariben aufgafllbrt l4B.)« uitd von neuem belebt, 
iadem die leoimatiaehen oder gebdrnten ScLldaie auf die modi , 
in Diprepe^ Ferdipe und Diprese, die InductiohaichlClsae auf 
diamodi Caspide und Serpide, dio conjuncttven und Inductiona* 
schlQise auf den modus Saccapa zuriickgefHhrt werden (§. 150 
— 152.). Die Behandlung tier xweiten Art (§. 153 ff-) bat 
Lesonders durch Subsumtion der kategorischen Kettenschlusse 
unter die Figuren der einfachen Schliisse, und durcb sorgfiil- 
tige BerClcksidhtigung der polysyllogistischen Scliliisse gewon- 
nen, Eei der dritten oder gemischten At t werdcn wiedernm 
Lamb e r t s Urjtersucbungen iiber die sogenanntenentfernteren 
Umwege; des Scbliefsens in Erinnerung gebracbt. 

. Voa Esser ist die logiscbe Analysis dieser Formen im 
Ganzen sehr dtlrftig und obne grOndlicbe Kenntnifs der vor« 
kandenen Vorarbeiten, aelbst der logtscbenScbriften des Ari- 
atoteles und Lambert, hebandelt worden. Wenn docU 
nut stt der Leiobtfafalicbkeit des Auadrutka Beatimmtbeit und 
Genaulgkeit binsukSmen. Die DOrftigkeit einer analytiacben 
Daratellung scbeint£arer durcb Betracbtungen ergSnsen sa 
wollen fiber die Vervollltommnung unaererBegriffe (§• 129ff«)» 
tbeila an aicb^ tbeila in ao fern aie Objecten entaprecben. 
Dieae Betracbtungen entbahen nun «war veracbiedeile briutb* 
bare , sogar zuweilen , namentlich ttber den Wertb der indi* 
recten oder analogen Begriffe und die sprachlicbe Bezeicbnun^y 
neue Bemerkungen, verfeblen aber ibren Zweck, wenn sie 
sich als Tichren von der BegrifFsbildung geltend macben wol* 
len. Obiie nam]ich aits Principien abr.uieiten , obne den ana* 
Jvtischen und syntlietischen Gesiclitspu net irgendwie zu unter- 
scheiden , und uline auf die letzten Queilen der Begriife zu- 
rQckzugeben, wdrden aie selbst dann nur vorlMuHge, apbo* 
ristiscbe Bemerkangen su dej Lebre von der Begriffsbildung « 
nicbt diese Lebre selber enthalten, wenn aicb in ibnen aucb 
Weit mebr ricbtiger Blick im £inee]nen , natiirlicber Sinn fdr 
Anordnung tiberbanpt| urid mebr Scbarfairin fAnde. SolGb6 
voriaufige Bemerkungen aber *kOnnen nur dann- nUtsUcb wer* 
dan i'. wenta ale entweder die Keime au tieferen Unteriuebun* 
en in aieb entbaTten, oder wen igs tens auf dial Notbwendlg« 
eit dtoaelben btnweiaen ; leiateia aie wedef daa eine nocb daa 
imderafy ao geU^dbnen ate; -bia sum Grunde vordririgende Vn'' • 
tetsucbuBgen zuumgeben^ atatt sie vorz^uLereiteti. • * 



Digitized by Google 



|54 h9glk «m1i Tn^fMit %wiMt 7ii^fxMi4 MAfl jUw* 



Sehr dankenswertb y und kelneswegs obhe wissenscbaft* 
llche Ausbeute, sin l dage^en S ig war t Beiailhungen um dia 
Analytik der Begnife, Urtiaeile und ScblOsse. lu der BegrifFs- 
lebre wild besonders umstandlicb voii den VerbSltnissen der 
Ueberein&timmung und des VViderstreitf ^gebaadttU {§,35 S.), 
Auch la Sigwarti jU^K'lf' dej;i ,Urth^«lli. «fkeont JLei; 
5cbariaipn und Gonse^uens. in Purcbftlhrting des Einielnen 
s«br gem as, wiewiQl^l ex die su Grunde I^intbeilung 
file unricbttg balten ipudlf. . Die U«cl^e»|(9 .Wtfi^den nSmlich i|i 
kaiegoriscbe und 4i8|ui)f tiiff 9 Htid in Miittrtorisch-kate* 
goriicbd und liypatjbeti)ichriLate!goriidi«» di0.$pw aisertoriMb* 
fliajunctiy^. und li7potb^ti*cb*4iqii|^(ivi» gvtheilt; /dU bypo* 
thatlschan' darum iiticte yd^ |Maond«Nre Art dan kategoriscb^a 
und disjunctiFen baigaordnat-, wail daa Varbftltnira daa Grun* 
daa ^^t Folge im disiunctiven und kategoriscban UribtOe 
nicbt minder als im hypolht^tischen statt Rnde, und die kate* 
goriscben und disjunctiven Urtheile sicb auch bypotbetisch 
ausdiiicki^n lielsen (§. HO &,), Wenn nun aber die Zurfick* 
fubrung des hypothetischen IJrthells ant' den Satx fle8 Grunde* 
unnOthig, und die Gesetze und llegeln fur das iiy po tlKtische 
Urtheil «icb, gleicb wie die h\r das kate^i^oriscbe und dis- 
junctive, aus den analytiscben Grunds^Uen der Identit^t und 
dcs Widersprucba ablaitan )assen (wia Twaatan sie voll- 
st&ndig und mit wissenscbaftlicber Strenga daraus abgaleitet 
)iat), «o ftUt zugleich mit .der Anticbt, dar sicb Sig wart 
widaraetzt, «ein Hauptgrund gegen dia Eintbeilung der Vr* 
theile in bypotbatMcbe , kategoriacba und disjunctive wag; 
und es &agt sicb ntMp ob der Untericbiad awiachan 'iew.iiypo- 
theti«c|ian Urtheile •IneraeiUp und dam ka(egori#ch«n und 
diajuiM!t«7a|i. i|ndr«raeiti:i vo« der Art Hey, daff ar aiotc 
Nal^enprdnuttug barecbtiglf , ' Bebauptet nan im AUgemelnen, 
4ai4. dia UrtiailifQraien auf ainandar fturOcl^efahrt wardea 
Jcdnnapty so ist minde«tens eben go wenig Gru^d vorbandeni 
die disjunctive der katugoi isLbe..^ als htiden die hyputbeti- 
sche Form nabenzuordiicn ; viehr.ihr behauptct Twesten 
mit Recbt (S. 49*) •, 5^c; rs das Gisjunctive Urtheil dein bate- 
sjgorischen und hypotbetischeji nicht auf dieselb© Weise ent- 
Mgegenj^csetzt sey, wie die^e unter einander, weii es mit 
^beiden i'orrnen verbunden werden k6nne.« In der That 
lassan s^t^b a.her die drei Urthoilsu>rmen nur zum Tlieil auf 
einander i^urilckfakran ^nd nicht so, daii dia JMjeb«nordnung 
ftufaeboben warden dOrfte , da §|cb jade na^b ^igentbdml^cben 
•l)li9l)!^#cban Kegeln entwickalt ; selbst waao wir dayon ab« 
•eben woU^t 44j|.di(iff JQr^itbeitu^g aich gans alag^ 



uiyiii^ed by Google 



togik naoh Twe^M^ ,%wi^9 Zi«(kni9k vfid Btafl> i6# 

mflchte (s, Tvfe.ftans sebr beacbt^otwerlh* Benictkuiigen 

Aucb hat Sigwart durcbaut nUbt gaaejgt, daft, waa 
wir gtfwdhnlich bypothetitchea Urtheil ntfnn«in« tbetU ainea 

iategorischen y tbeiU einen disjunctiven Cbarakter habe , und 
als Unterabtbeilung Hes kategorischen unci disjunctivtn Ur» 
ilieils iitiiracbtet vverden indsse ; vielmebr isC selbsL da, wa 
ludu die bypothetifcbe und kategorische Form mit einander 
vertauschen kann , die VerLnidtm^ eine sebr verscbiedene. 
Wie soiite doch aucb die hypotheiische Form in der Syllo* 
gistik eine von der kategoriscben und disjunctiven verscbie- 
iane teyn raOssen (Sigwart selber aber iUfst sie aU aolcba 
gelten), wenn dar Grund dieaer Yerscbiedenhait aiab nicht 
icbon in der Form dea UrtbeiU fUnde ? Dagegen kaan daa 
disjunctive Urtbeil eben so wobl bypotbatiach aia katagortacb 
aiffoi dennucb mu£i vom kategoriacb^diajunctivaii (oder nacb 
Sigwart y aaaartoriacb^diajunptiveD) und bjrpotbaliacb • dia« 
juncttreD. daa rain disjunctiva untaracbiadan werdan (a.Twa* 
iten §. 65.) ; to dafa aucb dia ZwaUbailun^ dar Urtbaila m 
kategoriacbe und bypotbetiacba nicbt au billigao aayn wtlrda, 
— Beaondera amfabrlicb bat Sigwart von der Vergleicbupg 
der Urtbeile, oder von den unmittcdbaren Scbliissen gehati* 
delt, und aul nieljierd Lisber vernacbliissigte Formen die Au£- 
inerksamkeit gejenkt , mancbe aber aucb «i ortert, deren Er* 
Oiterung tbeils duich kurze AndeutuDgea^ tbeils durcb ROck^ 
Weisungen bStte erspart werden kSnnen, TniUm er nUmlich 
einerseils je eine seiner vier Artea dvs Ui Lheils mit den iibri* 
gen in Beziebung auf Quantitut, (^ualit^t und v)tellung dev 
^griife verglektiCf andraraeita Mh nipht auf die F^H^ be« 
idbr^okt^ itK denao f|ua ainam gagebanen Urtbaila ain aader^^ 
unmittelbar abgeleita^ wdrdaii kann, aondarn zwei zu Tar* 
llaichaiide Urtbeile vorauaaatat 9 wird ac zu Wiaderbaliingen 
und zu Verglakbungan von Urtbailan veranlafstf daran vn* 
teifcbiad und wiadar aabr t^nweaantlkb ut* T^raatan 
iitifn Sit#nde gewaaaii^ Wiadarbolungen usd Ubwaaantliobaa 
%VL vermeidaii $ daber dieselba Labra mit noch mabr yoHatln* 
digkeit fcfiraar suaammenaufaaaati « indam ar aeigt, wia aua 
^i^em gegebeTi^n Urtbeile tbeils ein nur formall verachiadanaa 
d^urcb VerMnderung der llelation, Quantitsit, ModalitSt^ 
Qualitat und duich Umstollung, tbeilt ^in materieli verscbie- 
denes abgeleitet wer<le|n kann. Die Veranderung dec 
IVIodalit^t MP^ 4^. JVIattrie ist von Sigwart, wie VOa 

4^ w4!P?n.,fti»iivejlttA<tfiftfil^«W^ av»f«rl gei»M«¥* — 



uigiii^ed by Google 



Stgwarts Lebre yon den SthllTtten seicbnet sich 
durch grflndlicbet Eingehen in ifas Eiriuelne von den neuerea 
Dartteilungen sehr rortbeilhatt au«, obgleich der Verf. auch 
bier^ besdnders dui^cb Verrrieidiung mit Twestens meister- 
■ bafter Bearbeitungder Syllogistik, Gelf'genheit zu Erganzun- 
g^ri und Verbcsserungen iinrlen, unci f(ir eine dritte Ausgabe 
aeities Lebibuchs geu iij gt?rn benutzen vvird. In Beziebung 
aut Sii^warts Zui LickfTibrung der drei Gattimgen der Schlfisse 
auf di« Sixtze des Grundes, der JdentitSt, dts Widerapruchf 
und des ausgescblossenen Dritten wiederbolt Ref. das frflher 
bemerkte, dafs niiinHch die Kegeln filr die hypotbetiscben 
I'ornien «icb aus den analytitcben Geaetzen drr IrfentitHt, 
des Widersprucbs und ^uageacbloasenen Dritten irolJsiandig 
ableiten lassen. Pei der Behaiiptung, die Eintheilnng der 
6chl(|«a« in einfache und eulanimengesetzte «ey nicbt wesent- 
lich, nnd besiebe aicfa nur auf dfe sprachlicbe Darstelbjng 
§. t99.)f ist doch wobl nbersehen worden , dais der 
ScbJttUsatB in' dtfti ziisammengesctzien ScblHssen immer aus 
inehr ala aWei gegebenen Urtheilen hervorgc-bt. Sigwart 
ateJIt die hypotheiischen Scbliisse voran , obne jedocb far 
diete Anordnung H e rb e r t ' s BeinerJcung gel tend su macben, 
dais die hypotbetiscben Scblllsse nur zwei Termini baben; 
«o wi6«r ancb (^brigens Herbert's ^cbarfsinnige Entwicke- 
Jung der^Lehre von den bypotbetlscben Scbltissen (a. seia 
i-^ehrbocb zur Einleitnng in die Phiioaophie S, 59 ff.) aufatrr 
Acht ^elassen zn baben scbeint, - ' 

rrw .7 '^^^^""'^ »«n mXen Haxiptatflrbe dea ersten 

Tbeils seiner Denklebre die Aufgabe , die Urweis^n oder 
Grundiormen der Betracbtung der Dinge, die zugleich Ur- 
weisen der Beatimmang seyn soUen, aL.tVairmdeii , bebt als 
•Olcbe die drei Begriffspaare der Einerleiheibeit und Veiscbie- 

• denbeit, derEinhelligkeiC und des Widersueits , des Inneren 
und Aeufseren hervor, leitet aus dem dritu n die Begriffe des 

. Selbstseyenden Und der Bestimmung. des Begriiadenden und 
Begrundeten , oder der Ursacbe und Wirkung , und den Be 
grilf der wecbsel^eitigen Bestimmung durcb einander, oder 
der Wechselwirknng, ab, kntipft darJn die Regain derGleicb- 
artigkeit MancbfaJtigkeit und Verwandtachaft (der bocb- 
fiten, niedrigsten nnd Zw^iacbenbegriffe)» und beacMie&t diea 
Hauptstackmitkuraei^Erdrterungricbtiger, und WtderWunrr 
unricbtiger Weiaen,* die Beatimmungen der Begriffe einzu- 
theilen. Dieaea Hauptsttlck geht grofaentbeils weit f\ber die 
AnaJytiaehe Logik binaua in Transcen^^entalphilosoplue. Ref. 
ncbtet die Aufineitaamkeit aut dieseibeii als auf Veraiiche, 



I 



^kjui^.o i.y Google 



die Kan t i 8 cli e Deduction der Kategorien zu erganzen und 
zu berichtigen, theiU erJaubt er sich eini^e Bumeikuii£en, 
la der Ablettung der Kat«gon«»a d<;r Relation aus den 
A«cti0o«begrifi«n det Inneren und Aeufserei) v^riailst Ref, 
aicbt mlndsr den BeweU, dafs den fiegrifi'en von Substanz^ 
Uriacbe u. s. w, die des Inneren und Aeufteren in der Xbac 
zu Grunde liegen, als Kechtfertiguog und genaua Be^fciminang, 
iu Bej^rifii der Wecbselwirkung , gegen deiaeu Denkbarkeir 
ntucrlicb aebr arheblicbe Zweifel erhohen worden lind* Gans 
•taferitaoden in d^gegen Kef, mit Beteitigui^g der £inthei« 
lung der Begtiffain hejahandai varjieinanda und aintjChr3n« 
l»nde» einselna, beaondera und allgemein^ u, ••,w« (5. 95 ff.). 
Dm sweite Haupt8l;ack (S. 106 ii.) heginnt mit einer ver* 
gleichenden Eiorterung der ver«chiedenen ErklSrungen voiii 
urtheil, in deneii alleii der Vf. mehr oder wenjger bestiaimte. 
Hinwtis ling auf die Grundthlitigkeit des Denkeiis iindet, d, b. 
auf die Handlung, GegenstUnde durch Merkmale zu hestim* 
men; sucht daniii Kur ii,rganzung der im eistt ji Ilauptstuck 
entbalteneii Deduction., die BegriiFe der Einlieit, Vitlheif; 
and AUbeity ,der Sacbbeit, des Mangels und der Einscbran* 
JLiing, aU >ni Denken selber entbaltene Merkmale oder Weiseii 
de« Urtbeile ns y die fiegciffe des SelbsUeyend^n und der Be-. 
'Stimmungf dee Grundea und der Folge, ,ao,wie der Wecbe^^M^ 
virkuiigy die vorber als Orundweisen der Betracbtiiiig, erOr« 
tertw^ftren^ zugleicb als Regeln des Urtbeils nacbzuw^isen^ 
ohpe jad^tj^. dan Bfgrj[ff;dar Wacbselwirkung durcb d^e fir^ ' 
Uflrting ,»dafa der Vmtaud sicb Dinge in .duiseren Verhalu 
»iiiiien denk«» deran Aaa£sei;]icbbetl: nicbt durcfi OertKclikeic 
•bfdi ngt sey^ (S. 1^2,) f dankbarer sa m^qben. Ableituiig 
der Begri£Fe dea Mdglicben, Wirklichen und Notbwendigen , 
sis der VerbclltntrsLestimmungen der Gegenstilnde zu unsereui 
Erkenntnifsvei iiiugeii , aus dei Sonderung des Anscbauens und 
I^enkens in uns, bescbliefst die eisCe Abtheilun^ dieses Ilaupt* 
stilcks, und leitet zu dem zweiten, d. li. xur ErSrterung dec 
verscbiedeoen durch das l)]oise W^esen des Urtbeilens bestunm-. 
ten Urtheilsweisen , in der die Fragen des Ijetraclitenden Dea- 
dens als eben so viele A^£gaben des bestiiumenden Deokena. 
angeseUen werden,, ,.Mit Recbt wird, vp*^ <ler Grdfaa.-, oder 
U^ivigsbaati^muilg das Urtbeils (Bestiipjaiung der (^uantitSt) 
dassogenannte uf^^.attaiai ta Urtheil au&ge&cb^^OASan (S^^f,^&)f^ 
>ber die ^ooderung des cln^elnen Urtbeils vom allgemeinegpL 
Wabl Bf^werlicb 4urc;b dia Bemerkun^ binlHi^glich gerecbtf^r- 
tigt',..daJb »di«. Frugaj^ jWi^ vie}?, i^icb^ bloa , auf daji » Wfta^ 
nuntar aanam BegriS'? gfdiVfbt w<9(df /(ifuf ^i^^ubj^cte),^ son- 



uiyiii^ed by Google 



tfi to^kitmh twesteir f ^gwarf^ Tieftruuk luri 2mti- 

„derii aucb auf die BegrifFe gehe, durch welch« das Unter'g«- 
rtdicht werde" (auf die Tradicate; S. 170). Ebenso mdcfetdtl 
sich aus der angeblichen Notbwendigkeit : yssowohl die be« 
^jahlichen als die verneinlicbenBeitinimutigen bis sur vOlHgen 
^Ertcbapfuiig de^seh , vVaa einem Gegenatande zu- (xier ab* 
^getpttfditn Irerd^n kOnrfe, zii treihdil'*^ Wob) nicbt die itM 
gSt^itilteii ttti'e ndlicbenUrtbeile genBgentf ableitieti las^eti 
174.)* VerbSltniisbeitimtaung (ReMion) nacb thMt 

der Verif. il7 tf.\ die'Urtheile in nicbt b6diiigeildW<(ia«fi 
goris9he).und >M'i>edingende, und let^tere ln'eiiYaeitig:lMdiiK 
gende UndVechseh^hig bedingende (disjuifctiTe) eih.- - . 
- * " Die Lebre-vofi^ *3ebr*uiimztcelbdren and mictelbareil Firtge* 
tinged Oder SblildMieii * adcbt TUfttiiii'ft*:'itthr M'vereii^ 
facbeiT, bal'lf'di^^^in der ersten Figur 4tatt' fihdelide Ordnuni 
des Scblufsrerfahrens fflV die einzig reirte , und die St«]lungen 
in den drei anderen Figuren tiVr Entstellungen , die aua ver- 
slellter Einmischung inirtnittelbarer Scblttise in die Stellung det 
mittelbaren entsfifndfert u. 's. W, (S. 203 ff.) ; Wogegen lief, 
namentlich durcb La nvb e rt ' s , Herbe^rt'a und T v^^es ten** 
Untersuchungen iXh^r ZW^ck und Be(\euUtn^ der verschiedenen 
Scblursfigiiren, die Heinbeit utid' UrspfOfhglttbkdt d^erselbeit 
for erwieseh bblt^H miifs. Der Iet2it^'AbsehhiU'die^e»Ha>ufti- 
Mcka (»voh d^m' Verfabr^n der Detikk<raft um' GrundtfXtze 
M«a'eriteugeii, oder voVi dfer Vemutift" S:'217.) b^ndehth^il* 
TOi) den aiif dbib 'Wegi^ der £rfabriiiic dtifrcb IlfidijetiM Und 
Ahdlo^ie adg«str)^b^fjh''ik%eUidlnett' WAbr!feire|]^' uM^ GIrwult* 
stfzeni: tbeila vd^''deHiiVib^ri'<l^hihifc4rl^^ 

^U^ichMt die D^hftleb^9 W9«ili'fiegtiff Ue^'id^dter'AbiMlti 
Uiibedi^gteti'leit^;* ^" 'r. *♦ • i 

• '-'Itn zw^iten /tbeBe d^f rein^n' DfeykJehr* handefe' Si|*t 
wart sovvohl wie TieftV^unk, nin* uhVer V^rscbiedeiien iJe** 
Berscbrift^n , urtd i?r5tefer ausftthrlicbier at« letzterer ron d^i* 
Verdeiitlichung der BegrifJ^ (ErklSrung)^ Von ihrer E^'nthei^ 
luhg" tind vom Beweise. Es&ei' scliickc diesen Lehr €?rt« iitf 
zWeiten Abschnitt «ein^s ■ driiten TlJieilfe -eirie Untersuchung 
tlber die Gesetze v^oTan , nacb der^en za vtfffahren sey, uoi'die 
zii einer Wisseiiscbaft g^bi^trigen ^tkej^titnissd zu Rndkiii Ai^t 
iK^ail^tiscben Frineij^i^ii' ^biw i^d vtrkiiti^, AUfi inA^tk GtuniU 
fftti&eYi' abgeleitt^te und' aebr Idse iret^\iti&4n^ BeMthtUfi^it^ 
3Wit imverhaltnifsmafsiger Aaatt^fKebkek, ohwe' abfet'* aucfr 
filer die Keneln i r ^eirdWie^in^iaien^tr^U^ ^^ttlei«^n> Met ah 
dlnand^ir bediikg^^d ;hmmt^9r^ 



Diyiiized by Google 



't^esten, indem er auch fn selnem zweiten wnd bitten 
ALschnitt dieBeatirtiinungen aus den an.ilytischen Denkgesetxen 
ableitet, hat nicht n'ur Lehri n lilr die Analytik ^,ewonnen| 
die gewuhnlicb , wenigstens zum Tbeil, voa uicijt analytic 
scben 5tahdpunct€rn hebandeltf oder am nicbc analytisch^n 
GrutldsUt^en at)geleitet werden , sondern dieselben zugleieh 
?ie]fBcb iirwei^ert und erganst« Wiewohl aher d4t ¥f. auch 
in dresen Abfcbnitten streng analytiscb verfMhit, und dett 
Standjpuhct der analytischen Sebandlung aberall iyMsh' Vtf f ielri«« 
daiUeit det ztx^bilMiidel ttd^n Stoffes genau bmicfabn (tretgl; 

ItO, m; 2216. 22U22!t» 232.), so bonnte «r ^ocb^nl«bt« 
wif im er«tefi Afischtahfe, die bier ftu' bebatidetnd^Hi Fdl'nkua 
fll^ tentebfed^rie FohaI^Iit der obersten andfytivcben GraiidttAM 
b^tracbten, 'tondern mufftte afch begnligen, im cweiteH ilb* 
itoitte die Gegenstaride der Anwendtlng dieser afialytiscben ' 
Formeln (zunaciist Lei'm wissenschaftliclieii Denkefi) , im drit- 
ten abef die Btedingiii'igiMJ dieser Anvveiidung, dtuchlVeiiectiort 
■ und Combinaliion mcSglichst voIlstUndfg anszumitteln', umi 
, demn§cfist die BestininvLingen fiber die eiaen wie tiie^ andem 
j aiis den Priricipren der Anaiytik abzuleitetrl Beide numlich, 
I jene Gegenst^nde'wie diese Bedingungen , geboren dem Dea- 
i I:en flb^rb'au]^ty 'also dem syntbetSschen wle dem fidtalytiscben^ 
; nicli^ktzteren^'ilQSScbfierslicb an , k5iiD^ daber ^war keineaf* 
I i^tnr'deta alhalytiscben^ Grund^fifczeik vblUtfliMlig ^^eleiMt^ 
i wdtfla^er auavcbiielditb yom Standj^cee der«elMitf Jmracb*^ 

I>l'e AnNMe^ifdb^g, deir ana'TyiEiicben Getet^o 
I iniira rn if«fefiVbUk^' tf^ den ZWetk omree Deitketit^^ti «id# ,^ 
I positive, negatiVe/ijfnd geniiscbte' ^elfDeiH^ innerbaH) der pn^ 

en die' Aiiwertdittig zdm Flridea von det zum Be^rfilnden * 
; ttlf|l*Er\veiseh nnterschieden ; jene sowohl in Bezug auf das 
progressive als regressive und inittlerey in Fragen und Aufga* 
ien sich zeigende Verfahren, nur so weit der analytiscbe^e* 
«icht8purtct es verstartel , erwogpn (§.172 — i77.)yit^"Be^ 
auf die Aiiwetulung zur Begriindung des Wahren znerst 
Allacmeinen Von den Tbeilen des Beoveises und seinen 
Arten, nacb Verscbiedenbeit di;r Form und nacb dii^ni GrsHl^ 
der Gewifjibeit, getiarndeiti uiid dt^rsdbe vdn def 'ErdrUruilg 
nnterschieden (§. l82^>j' daiin abet*. Wertlen die lietk^en 'VOn 
derPrOiung desBev^eises, so wie von der ErBndung undI3ar«* 
stellang, isit ausg^ssicI^t^V Scbftf^^ubd VolltU^^ vor- 
getragen, und in ersterer der suletzt erwSbnten^Abtbeilun- 
§«n, die man wobl «Is einen Entwurf su neuen elenchis so* 
P^ttcts baaeicbaen kdnnte, dia Fabler desBenreises in Basug 



uiyiii^ed by Google 



fMik 9^ 7wfmt»f Slgwi^ Tifffr^ aad Sim* 

•owoU auf 4t« ArgooMntef alt auEdui .Zbatii ond d«o 

svviftchen ihim nacfasuweu^d^n ZuMmmenlsap^ , genaiigei^ 

^ondf^rt; in letzterer AbhandTung endltch die GrundzQge 
au eiiier neuen analytisclien Topik gelietiert, die, 
wie zuerst u»d vorzii<^licU ati sicli^ &o auch uia Ihohea dtt 
Wiederbelebung und Verbesserung alter vergessener Bestim- 
mun^en, in hohera Grade bemei Jvtuswerth siad. Schon Ari- 
atoteles nMmlich batte das Bedurfnifs getuhlt, fiir seine 
rhetoriiche oder dialectische Topik eine analyciscli -iogisclie 
Qruodlage nacbzuweisen , und in seiner ersten Analyttk (Ana), 
prior tf 427* 26. ad*£uhk) gezeigt , dafs, um Beweise zu 
] iindaAt man daijanige, dam das Objecjt oder der Begriff zu« 
komme (ukoX^^) $ tbeils was i h m aiU^omoiay thaila was 4hm 
wldarHralla* aufgefunden haban ma^se. 

Twraatan Uitet aine neue Bearbaituipg der ll^optfc wta 
im Allgamainan, ao aum Bahuf )iaaond<;rer Wisaanac)>afUDf 
die ar gawirs mit Eac]^( for katnaawaga lumCKtB bSll^ dadufjch 
ein , dafs ar saigt, wia dia Framissan fteraioa g«>gebane 1^he« 
sis um so leicbter gefunden wQrdan , je mebr man im BesitM 
der antecedentia , consequentia und repugnantia der Begrifie 
und Siitze sey , da (aui welche Weise und in vvelcber SchluiV 
art — oh in kategoriscber oder bypothetiscber oder disjuncti- 
ve! , ob durch eintacbe oder zusammengesetzte ScblOsse — 
der Beweis gefiibrt werden solle) der gesuchte Mittelbe- 
grifF oder was ibm entspi lcht, nur durcii umfassende KeHnt- 
nil's der antecedentia, cousequentia oder repugnantia gegebener 
Bcgriffe sicb finden lasse. Was also Aristoteles mia vor« 
ftQgU<<b«K: iiiicksicht auf ein£acbe kategoriscbe ScbU\8se auf- 
aprtcbti arwaitert umi baatimmt T w e a te.ir au£ aolcba Weise 
Vifthar, dafs es zur allgemefngCiltigen Grundlaga ainer aiial/fi*, 
ac\iaii Topik wird. Im Abscbnitt.^ ttber dia i^agativa An- 
wandung der, analytifcban Geaetaa und Fpi^man w^rdan 
Cvandtftraa dar logiaahan KritUc, d, b. daf Ausmittalung del 
Uirvrabren Tarmittalft das .Wider spruaba to wobl in .Bcfzug 
auf die bdbei^ aU dia. niadare Kritilc , a^s den anai^rtt^cben 
Gesetzen abgel^tet, ii^dem geeelgt wird, wie diese dia Ad* 
weisung enthalten, ajg^rade diejenigen Vorstellungen zusam* 
j^men aubringen,. die moglichei Weise im \V idersj^iucb stehen 
«iJ^9a|)eii.'\4.^. basondeis ^, 207. u. folgr). .] 

• ■ ■ • . I r ' . - . .J . ' 



ijiyiiized by Google 



N. It 1826* 

* * ■ 

.Heidel]>erg6r. 

Jahrbucher der Literatxir* 



Loglk nacli Twcsten, Sigvvart| Tiefuuuk uud Esser 

CB^sehlu/s,) 

. Die (iritte Abthellung dieses Ahschnittal seigt, wie welt 
vie analytiscbeo Grundsiiue und Formen eine gemischfe An* 
lirepd^ng sulaisen^^d, h« liWie sich aus der UonidgHchkeit der • 
iiiieg$tiven Anwendung dev Analytik auf aui* positir4ift AetuU 
tiMt| die VValirheit^ A^hlterMii Uud^f ; wl« dat der gemisch*^ 
ten Anwandung eigentbOmliche Princip ( »4urcbgUngige liar« 
moilie in Kritari^m dat WaiirbaiKu) volUUndig nur Vooi 
gthsen Geschlacht i nidht rom Itidmduo^ durcbgeftihrt^ dan* 
QOchabei* in einzelnenFiillen , wo die iiUchsten Voraussetsun* 
gen und Folg^n einer Vo»ausset3ung sich vollstSndig abz^$h1eTi 
Ijssen , aucli iu den wisseiiscUui'dichen BesU eiamiien des Jua-* 
telnen, namentlicli hci der Priimng der Hypothese^ mil i:*r- 
foJg angevvandt werden konoe* 

Dei- dritte Absclinitt der AiKjIytilc dieses Lehrbuchs (vdtl 
den Btidingungen der Anwendung der Gesetze der Identitiit 
tind des VViderspruchs) entspricht dem HauptUieile der ana- 
^ytiscben iVIetbodenlebre in den gawdbnlicben Handbiicherii 
der Logtk, rarheifst aber nicb( wie dl«$se eine volUtilndige, 
Aateitvng «ur Verdeutlicbung daa Inbalts Und Umfangt dar 
Btgr^ffe^ und sur £rreicbung das systematiaoban Zuaammeii*'. 
toga allet: Srk^ntniatfa (tolcba yarhaiianngaii niQfien der 
Aoali^tik fremd aeyi^i ^Wann sie ihra Qtanaail karint)^ iQiidarii 
l>etrjic)^tac Qautlicfakfiit x^nd Zaaam men bang aja dja iiothwaii«\ 
<tig9DBfdtngJ4ngen deir Anwandung dar ana}ytiacban.Gatataaj. 
SantUcbkait •4ea Inbalta urtd'CJmfangs darBegriffa abat ^at<^. 
din sunftcbat ajs fiedingungen Ei|r Adffindung der.antecedajtA^, 
till, conseq-uentia und repugnantia unsrer BegrifFe und Ur- 
tiieile,. systematiicber Zusammenhang aller Erkenntnisse al^ 
Bedinguhg der negativen und gemischten AnWefidung der Ana- 
i/uk nacbgawie^en, ao da£i d^r^dj^ftte Abschnitl mit daitf. 



Digitized by Google 



l62 Logiknaeh Twesten f Sigwart» Tieftrunk und Esser* 

le^eiten auf dai engsta verkn()pft ist, uqcl zugleich die Ton 
ordnung dea a^eiten aich binlilnuHch recbtfertigt (s* bason* 
dars 222«)* ^^h' heachten ist .2* B. die Lenkiing der 
Aofmarktfamlcait auf eina Topik f0r AufEndung der Jlilarkmala 
(§. 225.) 9^dia ZurQckfttbfunc der versebiadeheti'VerknOpfungs. 
arten dar Markmala aurEinbatt^ auf die Kategorien (§. 229 )f 
die Atigabe der varsehiadenen mdglicben Formen der Erklft- 
luiigen (§. 231.) und der Eiiltbeiliingen (§. 245 ff )? eben so, 
Was ttbei- das VerbaJtnifs der 1 -rklar un^r unci Kintheilung zum 
Beweise (§. 237. 251.) und der Eintheilung 2^iir ErklUrung 
(§. 2560 wild. Am wenigsten StofF zur analytischen 

Betrachtung bietet die — dieForderuogcn rier Deutlichkeit des 
Inhalts II nd CJmfangs erganzende — Bedin^itng des systemati* 
scben Zusammenhangs der Erkenntnisse dar. Inz wischen entbalt 
attch diese Abtbeilung bedeutende Winke tiber Verkntipfung 
dea Mancbfaltigenf verbitidende Einhelt (die roit Recbt vom 
Mcbsten Frincip unterachieden wird §. 267*) und Enti^icke*. 
lung der Vitflbeit aua, odat Subaumtioik daratdbaft unter die 
Binneit^ 

Natf ala Anbang kUndigen slch dia 6ifundlittien der 
Syntbetik aikt und aind allerdinaa in gerinserem Maafve 
ausgefBbrty ata dia Analytik^ abar ottenbar das fteauttat «ines 
aebr reifllcban und eindriiiganddn Nacbdefikem ^ *enthaltan sta 
ilberaud hedeutenda Kailike su bdberen speculativen Eat* 
wickelungen, 

Twesten beabslclitigt eJne an die Analytik sicli mog- 
llclist eng anscblieisende propSdeutiscbe Darstellung der Re- 
geln und Methoden des wissenscbaftlichen Verfabrens, und 
Ikberlafst die tietere I^egriindung tratisceiidentalen oder meta- 
Jjibysischen Untetsucbungen, Inzwischen wilrde auch^ wef 
die Synthetik als Mittelglied zwischen Logik und Metapby* 
aik 2SU bebandeln beabsicbtigte (aine Bebandlung^ Mvie sie fdr 
atadamiscbe VortrSga beaonders geeignet seyii mdcbte) , in 
dle^en Orundlinien eifien rorzflglicben Lieitfadefn finden^ nabst 
jbadeutenden Wtnkan fiber tiefere Begtttudung. Wann def 
erata Abacbnitt^ dar iron' iien Quallan uAd der Besrtlndiing 
der Crkenfitnisaa banddt^ daajeniga gtihig lot Simia der 
Synthetik betrachtetf ' waa ni^sht aufgehdben wardeii kaiiny 
bbne daa fiewufstaeyn delbar au&iibeban ^ ala die yon ihm un*' 
abtrannUehen Of odificatSdnen dea Be^ufsvseyiis aber, d. b. als 
<^ael!en' allar unserer Erkenntnisse 9 Anschauung, Gefobl lind 
Reflexion, und a]s das in diesen Quellen gegebeue theil* Stuff, 
tbeils Form, tiieils ursprtinglicbe Vareinigungbeidet anniramt^ 



/ 



uiyiii^ed by Google 



Lflgik nieh Tiretfciif Sigwait, Tiefirunk oad £Mer« 163 

10 tndchte ea nicbt ftchwei^ ^«70^ dia Notbwendigk«it diesei 
Annahmen durcb tiefer« BtfgrQodun^ ndchsuweisen. D«r 
sweite Abschnitt untetiiiiniiit zueni die allgeoleiiieri Erfdrde^^* 
nisM d«r ErseugUDg urid VervoIIkominhung der Erkedntntsitt 
aus dem uraprilriglicb Gegebeneil ; in tie&ug auf fiegrxBabiU 
dang, Bildung der Urtheiltf, der wiiaenacbaftlicheh Anslch- 
ten, Theorien und Systeme nachzu weisen ^ demnMcbst aber 
die bestiinmtcre ilat vvickel li tlidier Erfordernisse in Beiie* 
hung aui die diei verscbiedene Aiten der Erkenntiiisse liin2iLU 
zufUgen , oiilbin von der Erxeugung und Vervolikoaiuuniiig 
der einpiriscben, plii losophiscben und inatberaatiscben Erkeniit-. 
nisse zu handeln : und zwar von der euiptriscben Erkenntnifa 
ausfObrlicil ^ von der pbiiosophiscbea aebr kurz und propu- 
deutiscb. In der ersten Abtbeilung , von der einpiriscbeh 
E.kenntnifsy wtrd Anweiiung gegebeily suerst ibren StofF 
tbeils aua der Wabrnebmung^ tbeiii aus dem Berichte mittel* 
bflrer <;tder unoiittelbarer Zeugeil iu schdpferi (s. vorziigltcb die 
Bemerkungen liber die Scb^tzung der Zeugnisse 293 f,)j 
deamScbat den StaS durcb Aufaucbuiig des Zuadmmanbainga^ 
I der GrCinde und Gesetse (aU deren l^tste Quelle die niatbe* 
I aiatiftcb-pbiJoacrpbiacbe ErkcAnntnifa betracdttft wirdjf anf in^ 
nere Weiae dtircb Induction.^ Analogie und veriaii^telst 4ev 

H) rpotheaen| su verknflpferi. Dii^ AbtHeiluhg der pbilosb pbi« 
schen Erkeiintnifs be^cbrankt sicb aitf Sdnderdiig dieiier von 
der eiiipiriscbeii und matheinatischen , so wie auf Lfnte<*ficbei« 
dang der Zergliederung philosopbi^cher Begriiie uiid der lle- 
flexionen und systematischea Bearbuitung. Ani rigentbiim* 
lichsten ist der dritte Aliscluiitt^ der, indein er von dem Ziele 
des Strei)t;n8 nach Erkenntnifs ba'ndelt , die Wabrbeic als lie- 
Lereinstinimung einer Erkenntniis niit iliren Gegehstandeir , 
und did B^dingungen dieser Uebereiiistitnmung nacbweist^ 
den Irrthum, d. b. die Verwecbaelunfg dessen ^ vi^as in wabrer 
Vorstellung bloe subjectiv i^t,- rhit deni Objectiven, hicbt 
<owobl aus gesetswidriger Wirksamkeit^ als vielmebraus Vn* 
WirkaamJceit der GeisCeatb^ttgkeit ableitet^ ibn vom Nicbt* 
wUsejf und deni Scbeihe cenau ediidert^ und 2Lu£ eine hdcUat 

, JbeiD^rkehavirertbtf VTeitfe Wttfaen urid Glauberi liicbt idem.Gre^ 
i^i adnderh der Art uiild der Q^uelle nacH tiriteracbeidet ^1 ii^ldemt 
dt Gewifsbeit dea Wisaeria du4 der Ariai>bitudiirg« 4d|ie .de4 
Gta'dbeha a\x4 deni Gefable ab<^eleibt liild Mt dieae Art gvktH 

I) esti[n[i[nten Bewufttate^rt fti^hobeTi vrird , waa ^MSInnei- wf«f 
Lessing und F. H. Jacob i un Sinrie gebabt zu Kaberi SctifeT- 
nen^ Bei der itMu^i^ dit^sei wicbtigen BegrilT^Auiiticiuii^ 



uiyiiized by Google 



i64 I'Ogik Meh TwciUii) SIswaYl^ Tieftnank and Biier* 



miifste theils untersucht werJen, in wie fern tie ticb'tiii 
Sprachgeln auch nach alien semen Ricbtunjjjen iiachweisen lasse^ 
theils uiid vorzOgUch , ob sie eine an sich nothvveudige, aui" 
einer zwiefachen vvesentliclien Modification der Ueberzeugung 
gegrttndete sey. In eisteier RCicksicht liebt der Veria^ser l)e- 
sonders bervor, dais das Bewulstseyn der Gewifs- 
lieit, als untnittelbaresBewiifstfteyn votn eignen 
Zustande, welcbes docb wobl fur ein Gefiibl gebalten 
werden mufsy durch den Ausdruck , Giauben heseichnet 
werde f md^e nun dieses Gefiibl nur ein secundSres , di« an« 
•chaulicbe'Einiicht hegleitendes, oder ein nrsprClnglicbes , dai 
Ftirwabrbalten -selber unmiuelbar und an aicb idit aicb. fi&bren- 
desKyn* Und aHerdings begreift sicb auf diese Weiae* wie 
in Fsl'len 5 WO genflgende Einsicbt nar auf Ansehaaung oder 
cTiUpiechender Reflexion beruben kann, der Glaube als 
das subjective Gciiibl ein en ^eringeren Grad 
der Gewifsbeitbezeicbne, da aber, wo die Ueber- 
zeugung aus keiner Anscbauung oder Reflexion 
hervorgeht, und dennocb nnabweisbar ist, der 
► Glaube von gleicbern Grade der Gewilsbeit wie 
daa Wiesen seyn mftsse^ In zweiter Riicksicbt mochie 
sicb wobl nicbt bios zeigen^lAssenf dafs es in der Tbat vdl* 
lig gewl'see Ueberzeagungen gebe, die w.eder 
aua Anacbauung noob aus Reflexion abgeleitejt 
w 6 Y d e n k d n n en ^ tondern aacfa » daft als (Quelle einer so)" 
eben Gewifsbeit ein unni ittelLarea, .ungegenat&nd- 
licbes, in und mit dem Selbstbewufs tteyn ge* 
gebenes Bewufstseyn gesetzt und GefUhl ge- 
nannt werden musse. Diese Begi iiiibestimmung aber 
ist um so wicbtiger, je mebr sie eiueiseits die Zusaujmen- 
gehoria,keit von Glauben und Wissen anerkennt, in so tern 
sie niimlicb fur jeJes (pritnat e) is sen ein (secundiires) Glau- 
ben , d, b* ein die anscbauliche Gewrifsbeit begleitendes Ge- 
fiibl der Ueberzeugung f und far jedes (primMre) Glauben eiu 
(secnndiires) Wissen setat, -d» b* die Yeranschaullchung untl 
denkgemilfse Vermitteluiig der 'urspriinglicb im GefUbie ru- 
hend^h Gewifebeitj andl*erseitt versebiedene Entwickelung^- 
metboden fflr'die gewisae Ueberzeui^nn^ anerkennt, je nacb* 
dem sie unmittelbar als Wisaen oder ala Glauben gegeben i*^ 
Die weitere Durcbfdhrnhg dtesea^'Unteracbieda ^ . und r die 
Nacbweiaung^ wie das die Gewifsbeit mil aicb fiUbrende Ce- 
fiihl, durch die wissenscbaftlicbe ReEexion vdraiittelr, unJ 
in wie weic es nacli dea Geseuen der Ans^bamiog.eaCwickeU 



kjui^L^o i.y Google 



Logik aach Xwestea, Sigvva^ty TUftruok uad Kjfer. 165 

werden kfinne, wie weit nLcbt, wflrde ein li icbst wichtiger 
Beitrag zu einer uintassendeii pbilosopbiscUeti iVIetbodik , vor<« 
sOgUcb in Beftug auf die fiebandlung der Religionspbilosopbie 
seyoy und gas tefar geeignet, tbeils der leidenacbaiilicb«ii 
Verunglimpfting der Scbleiermacbep'»chen Lebre ton einetn 
anmittelbaren GefUble der AbbSngigkeit Bul)egegneOy tfeeiU 
die Unmittelbarkait d«a GefCkbla | ala einer yom £ckenaea und 
Woliao veracbtadenen BiodiEcaiioa d«« BewufaUayna au «r«i 

Naofa >dem biilxer Dargelegten bat die Aristotelt«cb.anal7« 
tiicb^ Babandlung der Logik nm so m^br Ausbeute cu gew&b« 

f«n und zu yerbeiifien , je inehr ste sich innerbalb der Grenaan 
ihres StandpuncCes halt. Und wiire dciui Ausmittelung aller 
allgemeineri und notluveiuiigen Forinen des vermitttrlnden 
Deiikoiis , so weit es sich diirauf heschriinkt, unaere Erkennt* 
tiisse duicb richtine anulvtisclie Ahleituna aiis einander und 
^cikiiuphing untcr einander zu vcrvollkoaiiiinen , — wuro 
eine solche Ausmittelting etw& von geringereni wissenscbaft-^ 
lichen Wertby als die Untarsucbung Uber die allgemeinen und 
noihwetidigen Spracbformen ? £H« wiaaenacbatdicba Wicb-* 
tigkeit der Sprachlehre aber, gana abgaaeban yoo ibrem £ln« 
flui's auf die Fartigkait in baaondaran Spracban, pflegt doch 
nichtin Anaprucb ganommen su werdaiii obwobl as ibr noch 
keineawegs gelingen win, ibra Forman mit einig^ YoUstSn-i 
dtgkeit und aua eiaem oberatea Grululaata abauleiten* Dia 
'Wiuanacbaft van dan Forman dea aoalytiacben Dankana 
Wttrda wicbtig seyai , aucb wenn wader andara Wisaanacbaften 
lie vorauaaetaten , noab die Fertigkeit in einem woblgeordna- 
ten) siusammenhflnganden Denken dureh ale gefdrdert wQrde | 
wichtig , in so f#irn jede wissenscbaiiliche Erforscbung der 
Geset?^^' irgendeiner Geistesrichtung wichtlg seya muls. Nun 
aber vvird sie in der That voa andern Wissenschaften , deren 
Nothwendigkeit anerkauiit ist, vorausg«^s0tzt ! oder sollten 
etwa Uiitersuchun^tii t\her die Quellen unserer Eikenntnissa, 
AO wit^ iibeu die GrundbegrifFe der KrFahrung, und (iher dia 
Begriife, vennittelst deren wir das Ueborsinnliche denken, 
durcb grttndiiche Kenntnifs der Foraiftn der analytiscben Ver- ' 
miualung im Denken nicbt um so mehr gefordert warden, jo 
waiter der Kreis der Gedanken ist, i\i)er den jena Unter^ 
suchungen deutliche und beatimnnte Ueber&icbt au gewinnan, 
in dem aia Uebereinslioiinung nach alien Kichtmigen su ver^ 
laittaln und nachsuweisen baban ? Sia i«t ierner der Ferti'g-t 
J^eit in eineiB wobl^eordnelan Denken gar aehr fdrderli^h 



uiyiii^ed by Google 



|§6 Logik oath TwMttHf S%watl| Tttftrank und BiMf« 

(vergl Tfr€«tent Yorrefl^ 8. XII ff.)« Et bletbt abo nut 

die Frage, ob tie, unabhSngig von nietapbysiscben oder 
transcendentalen Uiitersuchungep ^ zu Stande Jcommen kdnne 
oder nicht. d'ese Frage ist yeineint woideii, Ltsoiidcrs seic 
man sicli Uberzeugt hat, dafs aus den logisch-analytischen 
Formen des Urtheiis keineswegs die Urbegriffe und rrincipien 
der Erkenntnifs, vielmelir jene aus diesen abgeleitet werden 
jnOssen. JZine rhilosophie, die au8 den Formen und Gesctzeri 
tier Liolsen Vermittelun^ die Gtunds'dtz^ und Grundbegriiie 
der ursprilngUcben Auflassung abzuleiten unternimint, be* 
trachtet auch in der That das mittelbare als Quelle dee iinmiu 
telbaren* Ja eine analyttecba Liogiby d^a nur einroal ibra 
aignen Grundffttia und Fornifn^ geschwajga denn aile Grundy 
slitaa und Formen des Deokena und firkennena^ bis su ibrer, 
lalatan Wu^ael varfolgen au kdnnan gbubta, wSra einer Geo<i 
metria vargleicbbar^ ,die« weil aia adf untrQglicba Waise dia 
Verbs V-i^sa dar rSuddJiaban Grdfeen ariiiaasen im Standa 
lit, nun aurb das Waean dea lVanmaa and der Grdfsa aelbec 
yoHkoninian begriffen zu baben wSbnte. Aber bUtte die Geo* 
metrie sich ibrer Constructionen etwa enthalten soUen, bis 
die IVIetaphysik die Qntei suchnng iiber jene Grundl)egrifre 
fi\r geschlossen za erklllren im Stande geweiiei) Und doch 
verlangen eben das in Bezug auf die Logik, die iLr den vor 
Jabrtausenden wohlerworbenen Besitz enLiei'Ssen mochten, 
und sie auffordern, statt auf ihm fortzubauen, clen Grund der 
Grtinde auszuaiitteja , um von dem aus einen diirchaus neuea 
Bau aufzufubren, Gerade als wenn unsere Hiluser ibre^ Gruii* 
des ermangelten , bis wir zum Kei'n der £rda yorgedrui^gan* 
Wollta frejiicb ^ie logiscbe AnaJytik alia fafnaran und tieferen 
Untef^ucbungen filr iiberilOssig balten^ ao bandelte sia abaa 
ao unverstSndigf wie der 3auberrf wenn er die Forscbuogen 
dar Geologen bespdttelte^ w^i] er ibrer nicbt bedarf , um fClr 
ai<;b einen aicbaran 0f und *u findan. filaibt abar dia Analytik 
auf ibram Qrund und Bodan^ und antw|cka]t aich nach 
i b r 6 n Gesetzan ^ ao wird ih^ Gabfiuda bal^eben ^ auch wenn 
der letata Grund ihras Grundea gefundet^ aeyn ^ird ; gleich 
wie eriacbispbe Tempel und gothischa J^irchen bawundernda 
Anerkennung finden werden, selbst wenn unser Wissen bis 
zum Kern der Erde voidringen soUte. Jveine andere phiJoso- 
pbische Disciplin erf^eut sicb in gleicbem Maafse, wie die 
analytisclie Logik, des Vorziigs, ein 90 genau abgrenzendes 
pebict so selbstst.I rjd Ig aiibauen, aus so einfjichen, an sicb 
gftwissei^ Grunds£l^enso 6Uc^)g9icbai({eit«n.a^ku Hilun 



uiyiiized by Google 



LogU^ Twmtmp Sigimt^ Ti^fittwak pad Zmn* 



wir lint dothf GMpsbeitimmiingen au£iuli«b«nt dteto Wob} 
Jftegrflndet stqd Gren«b«f timantngen , die iminer ndtbiger 

Zwei VorvirClrf^ bat mangelhaf'Ce Bearbehung der analytU < 
«cben Logik oft geniig veranlafst : zueiat, dai^ sle den Weg 
zu deii tieferen, u.]\d allerdings aucb wichtigei en , Unter* 
tucbungen der JVJctapbysik oder Transcenclentalpbilosopbieg 
wenn nicht versperre, docb keineswegs eroifne; und dann, 
dali sie durch alleriei aufserliche Betrachtungen die logischeri 
Opcrationen aid' r[uantitative Bestimmungeii uder aulserlicha 
Unterscbiede uqd begriff^loses C»alculirea zurUcktUbre. Bei« 
den Vorwdrfen entsteht aie sicbf wenn fie mit >yi«seiischa('t« 
liefer Strenge au4 den ibr eigentbajnUcben Frindpien ableitet| 
und eben auf diese Weise das ibrige, und %W$T recht vieleSy 
beitrSgty die Metapby«tlc in den Stand zu setzeq, ibre bocbtt 
fcbwierigen Foriichungen mit mdgUcbst umfatfendev XJaber« 
sicht una atreng lyttematitcher Arcbitektonik fort^^uaetsati, 
Soli aber etwa der aweita diaaer Yorvrilrfa gegen die Yer^ 
kndpfung find Trannung im varmittalndati DenJcen | nach dan 
GiundtScaan der Identitilt ond dea Widersprucbs, tlberhaupl; 
gcvicbtet aeyn, so darf er uns In unaam analytifcben Unter^ ' 
ittcbungen nicht irren , bis man uns belebi t baben wird , wie 
aian einer solchen Vermi ttelung^ iai Dexiken entrathen ktlinne, 
obne auf Gesetze der Verknlipt'ung fttr unsere Erkenntnissa 
und auf Verstandi^ung zu yerzicbten. Ref. gestebt, von dev 
Unentbebiiicbkeit und Nothwendigkeit der Principieii d^P 
Analytik nocb eben so (tlTerzeugt zu seyn , %vie es Aristotelea 
War, und btilt €s nicbt iiir iiberflussig, die bei diesein grofsen 
Logiker und Metaphysiker sicb iindende Deduction (Metaph, 
IV, 3 £F,) wieder in firipnerung su Lringen. Ilef* bat d\9 
bekaqnte Bebauptung, 9,dl6 Formen der JLogik seyen beretta 
»tti|tergegangen ; und mQ(ften eine vdHig yerSnderte Gestalt 
n&ewinnen^S Heber uobertlcksicbtigt gelassen, aU dutcb ^in** 
s^ae JBemerkangen ainer genaueti r^Ofung der yaracbiadenen 
Veriuabe^ %i^ rom 8tandpunc(e d<|r Speculation ana ydlHg 
aeu «u gestalten / vorgreifen wo]]en; wQnacbt aber lebbaft^ 

eine aolche Prtlf^ngs grQndU^lmiid leidana^baftlQf | racb^ 
bdd unternommen werden moge, 

Nacb den bisberigen Untersucbungen und Betracbtungea 
lit es kaum ndtbig binzuzufiigen , dafs Ref, Twestens Lq* 

gik ffiv eine Arlieit h<>]t, wie wir ilirei' ia Bezug aui Stienga 
d«r Ableitung und GUedtjiung , SQ wie «kaf iVJauchWtigkeit 




uiyiii^ed by Google 



i6§ . Ifi^ nwik Xwesleu^ Sgwasi,^ Ti«luuiik uod JBiset. 



4 

f 



£iitd#Qkt|ageii9 teit Ariftoteles auf dem analyUs<abeii Gtm 
biete tiur.iehr wenige «rbait«n habea. Daber d«iin auch der 
lebhofte Wunschf man indg0 die von tieuem «rftffnete und.ge* 
reinigt« Bahn fortan nicbt wieder verlatsen, die fi^pnderttiig 
von Analytik tmd Syntbetik anerkeniieii ^ stigleicb aber die 
VKichtigen Besiehungen der einen zur andern nicht rerkenn^iiy 
uud iiu letztere nach und nacb Siciiei beit der Methode , iind 
(lalier Stetigkeit im I or tschreiten gewinnen , wie erstere sich 
ihrer erfreut. Die Syntbetik weiiigsteos vor der Hand nach 
abgesondert von Metaphysik zu Learbeiten , halt Kef. fur 
wtinschenswerth , wiewobl er keineswegs verkennt , dais 
aie sehr vie) mehr, als did' Jknalytik^ von der hochsten 
der pbiloaopbi^^ben pi«cipl^ieo abl^ftngig ist und lUeiben 
mrdt 

XJebrigent iat^Ref. W9it entfernti die bedentenden Yer-* 
^ienatef wie anderer neuer Logikeni ao der 5igvirart*« 
acben und Tieftrunk* 4cben jjk^beiteh au verkennen f dereit 
erstere 9' wenn aucb von T west en fibertroJffen an andyti* 
scber Gonseq^tienz , wissenscbaftlicber Strenge und Eigao- 
tbilmlichkeit dei UnterBuchungen , docb als wichtige Vof^ 
albeit ibren Rang Lebaupteii wird , letztere voizilgHch 
fichStabar ist als Versucb , fOr die logiscb • analytischen i or- 
men y auf dem GeLiete der Heflexion , einen sicberen Grund 
zu gewinnen, und auf diese Wei*e die Untersuchungen der 
Kantischen Kritik zu erganzen ein Versuch, welchem 

aucb diejenigen ihre Acbtung und Animerksamkeit nicbc ver« 
sagen dClrfen, die, wie Ref,^ ilberzeugt sind* dafs auf solcbe 
Weise jene Untersucbungen nur eingeleitet, nicbt jbeendigc 
werdeil k6nnen«^ fieaerwfirde weni^er verheifsen und mebr 
fieleia^ bahen « wepn erdie Vorarbeiten auf dieaem Gebiete 
Eeaaar su wllrdigen gewufst bStte; da er aber erfinden wolltei 
obne beatimmt su wissea* waa enthebrt werde 9 ohne fibee 
Zweck und Umfang der-Liagik im Klaren zu seyn, und obne 
die Strenge ihrer Methode und die Nothwendigkeit dieter 
Strenge reiflich erwugen zu baben , bat seiii uaieiigbare^ 
^fljei^C Y^^4^u^49bung «ehr geriugjs Fri^bt getragei;!* 



kjui^L^o i.y Google 



4 



Dtmoctlienes Reden, 169 

r 

1} Des Demosthenes V hi I i p p i s c Jl e Re de n, Ueherselzt y er» 
Idutert und mit eimgen Ahlmndlun^en bagUiteC von Dr, Albert 
G erhard Becker, Neuer Bearbeitung «r«r^ Theil Halle f 
hei J. Chr. iUnd§l und Sohn^ gr. S* LXIJ uud 

^ ^ms. 1 ThJr. 

J) AyuoG-Btvov^ Xoyot fiKXtxro/* J)9mosth$nis selector 
oratiantts, Ad Codues Ms$* T0c€n^uks T*xtHm$ S€holiasten^ 
et V arsionem^ plurinut in locU^ vastigavit f notis insuper illustra-^ 
vU ^ic h ar dus Nlo unteney ^ College Regah apud Cantabrim 
gitnses hau4 im .pridem ( 7 ) <p«Mf« PraefigurUwr Ohtenfotipn^s 
in CommttntmriQs vulga Ulpiantos% >t Tubuln nntUfnnt Grmwia^ 
Demosth^ni aef^ttt^^ata, AdjUkur etiam Indsx locupUtissimuSm 
EdUtQ detima tmrtUit unandador «£ qnctio^ t^nd* mp*,S» Cm 

' •t J. I^vingloih MDCCCXX, gr.B. XL und W S. ^ 

i) Harangues pdlUiqws de D^mosthine, Reoneil contjnant' Us 
trots Olynthienn^Sf Iss quatrs Philippiquss f I94 
dissours sur la paix st sur Va Chsrsonnissf pMW 
n^e uns introduction i des Commsntaires et une Carts de la OrecSp 
par Rl Toe pffer^ Geneve ^ chs9k A* Chsrhulis** iM. gr»B, 
VH. XL mid 316 

4) Oeuvrss- eompUtst de Ddmosthhne et df E'sdhinSf en Greo ■ 
et en Pranfaism Tradaetion de l^ Abb/ Auger, de V Aeai^ 
dsnde des /• et B', £. de P« Nouvelle Edition , revue et eorng^e 
var J» Planehei Frof^deRhetorlque au College roy ate de Btmr* 
OOn, Orne& d^Un portrait de Demos thene grave d* apres V antique 
p. M Mecou^' Ti' cfc, «/ auTCj roD B*j(>i'c\j ctxvjKCSiTai etc, Par^ 
chez FerdUre etc, 1S19 — 1821, 10 Bands, S, ' ^ 

i) ^%t^n Pastor's Dr. Alb. Gerfa. Becker^s Ueber* 

• etsun^ d«s D«ffl08thenes, 

Die erste, ]3ngst; vergri£Fene Auflage dieses Buches «r* 
•chien unter dem Titel : Auserlesene Reden des Demosthenes 
'ind AescLiutjs. Au^ dem Griecliisciien Obersetzt und imt dea 
*^^thigen Einleitungeu und Erl3uterungen versehen. Erst© 
Halite. Halle, 17^7, and entljielt Phil. I, Die Olyntli iscUen 
iii der vgn Diony*iu8 ilal, aiii^t-^ebenen Folge. ThiU II. Do 
Cherson. Philippi Epist. und Ofat, in Phil, Epist. Die ge- 
genwSrtige entbak uur : riutarch's Lebensbtscbreibung des 
De{QostheneS| TbiU I, die drei Olyot/fiUcben in der gewdbn* 
licfaen Folge,- und de p^ce. Aber mit weic gelehrterea £in^ 



uiyiii^ed by Google 



170 * Demosthenes Redeiu 



ist bestimmter : Alle Plillippischen Reclen fFes Demosthenes 
xiacb dem Kanon des Diony&iua^ iolgiich auch die darunter 
hegviSenen unacbten, anch die in D«uUcblaod noch nicht 
voiUtiindig Uberie^a^U f bil* ly*^ in Einer Sammlungy mitBe* 
nuUung alief de^nen^ was seitl^ar zur £rkidrung dioaerWerke 
erscbieqen jst^ un4 tail eigneti Untertucbungen susammen- 
stlfas^en. Qb Hef, mit Reebt dem sW'eiten Bande ungedaldig 
•ntgegensiebfy wird der Leser au* folgenden jkndeutungen 
•eUiit beurtbeilen* 

Die Einleitunt^en und die Antnerknnrren geben bSstorische 
und antitjuaiische £i orterungen , ]>ei ichligen sehr oft die Er- 
kliirongen d«r Vorganger, theilen bin und wieder die Kuiist- 
iirtheilt; der alten Grammatlker mit, so dafs der Leser voll* 
kornineii in dt-n rechteu 5tand gesetzt wird, den lledner und 
seine Zeit zu verstehen, Es sind dabei die neueren Forschun- 
gen , namentlicb die yon Bockb undScbdmann, sum ersttnmal 
I)ei Deinostbenes benutzt, Denn aucb der neueate deutscbd 
Herausgeber einiger Philipplschen Keden batte fie flbersehen, 
und ScbMfer will bei der iieiskiscben Ausgabe, mit acbatz. 
liaren SpracbbemerJ^Ufigen | nipht aii( ^ac^erklflrun^en eio* 
geben. 

In den Anmerkungen «u Plutareh*fl Blograpbie , welcbee 
die Seitenzabl der Frankfurter Ausgabe beigedrud^t ist| itti 
der Verfasser von I iPempstbenes als IVedper und als Staats* 
jnanii" vie] kilrzer, als in den Anmerkungen zu jeder Rede; 
wer mehr wissen will, wird jene Schrift nicht ohne grolse 
2ui"riedeiibeit nachsehen, Doch ist auch hier alles NOthige ' 

fesagt; i^ndeutlich istjnanchem nur die Streitsache mItOropus 
• XVlIty welche aucb de pace p. 61. 1. 5. Keisk. nicht ausein- 
ander gesetzt wird. Vergl, Wessel, ad Diod. L, XV. 76. 
T. yi. £ip. Die Geacbicbte mit dea Harpalm Becber» durch 
welcben Demostbenes bestocben worden seyn soil, batten wit 
gerne beleucbtet geaelien , da aonat Qberall die Quelien i sus 
welcben einige Lllsterungen gegen tinsern Hedn^r floa^eni alsj 
imlnuter nacbgewiesen aidd. Will man den , w«l€li«r ttbevaU 
gegen Besftecbungen eifert, mit Lust lesen, so mufs er leUwt 
von diesem Febler rein seyn. Er war es aucb; wie sicb daan 
das Maliicheu selbst als seiches darstellt: Ilarpalus soil deal I 
Demosthenes einen kostbaren Becher in der ISacht geschickl 
babeii) und den andern Morgen sollen es scbon die Ijeute in 
der yolksversammlung, die bekanntlich sehr friih anging, ge* 
wufst baben 1 Wer von beiden batte wohl einen VortbeiU 
ibnen za verratben, Demostbenes oder Harpalus? — Darum, 
glaubte man die Sa^ht scbon tm Altertbume niobt; timdariU)e^ 



kjui^L^o i.y Google 



D«mottliexiei Eedea 



171 



nicht negative Be vveise ansufuhren,. vergleiche man nur Lu- 
cian. ]aus Demosth. c. S3 ^ 36« T« IX« Bip. Hdrt man aber 
gar dieselbe Bestechung nicht nur Tom Harpalus, sonderre 
aucb von Milesiscben Gtfiandten orsfthUn bei A. Gellius L. XT. 
c. 9. *o ist man ••br geneigt su glauben , dafs irgend 
eine Verwecbselunc vorgegangen, ^twa mit Demades^ wo- 
su Dinarchus die Yeranlasaung mag gegeben baben^ adv* Ari- 
itogit. pag. 79« und pag. 64. A* id, c Demostb, init. cf* 
Hauptm^ de Demad. c. V. p. 251' A« Barton* ad FluC« De* 
north, c. 25. p. 733. sqq. H. 

Nach dieaer Biograpbio folgt die Einleitung zur ertten 
Fbilippiscben Rede, worin sacbgem^fs die liierher gebdrigen 
tistorischen Data, namentlicb iiher i'hilippus, z usammenge- 
«tellt und belegt werden. Unter Pbillpp's BiogiapLien isC 
Valckenaer's Kede de Pbilippo M. , weiclien Ilr, B. vveiter 
unten S. 15. selbst citirt, Leiand life of Thilipp, und Diu- 
laann's Veisuch etc. vergessen, Aucb fuhrt der ge]elirte Ilr. 
Becks. 3l2. der Anltitung zur Weltgescbicbte (der aiteren 
Auflage^ da bekanntlicb die neuere leider nicbt bii zu diesem 
Tbeile gekommeii} nQ6|| an ; Hiatoire de f biiippe par de B u c y* 
I'ar. 1760. 4. 

Was Hr. fiber die Glaubwardlgkeit der Kedner tUt 
'^le pulitiscbe Geacbicbte aagt, fanden wir aebr wabr; warum 
, aber die Aeda ^tfi cwri^wi^ einem Zeitgenoasen deat l)e- 
mosthenea herrdbren aoUy Jconnten wir nicnt etnseben. . £a 
koQint una vielmehr mancbmal 7or , ala babe etn Gramoiati* 
W leinen Scbfllern aufge^eben , aaa eiiu'gen Keden dea De« 
iQOitbenes sur Uebu'ng eine Zutammenaetaung , ,aC'^a^ivf zu 
BMcben, woraus dieser cento entstanden sey. 

AIs Probe ejpuer Forschunoca uiid dcica Mittlieilun nreii 
Wt die gewcihnliciie Foige der Olynthischen B-edeii 
Vertheidigt, nicbt allein in einer eignen Abhandlung (S. 103 
"*"l3l.), sondern aucb zerstreut in den Ainnerkangen. Vergl, 
^iese Jabrb. v. J. l822, Nrq. 75. S. 1185 — 1191. Kef. bat 
^urch die von Ilrn. B. vorgetragenen Ansichten und sehr fleis- 
*'§en Zusammenstellungen veranlalit die Sacbe von neuem 
^rwogen^ bat aicb aber iiicht Uberzeugt, dafs die gewdbnlicbe 
I^olge die ricbtlge sey. Hdren wir die Grfinde und die i?egeii- 
grtintie in Folgeiidem zusammengedr.'lngt : 

pie Anordnung nacb Dionyiius berubt auf der ErzSblung 
^ei {bilocbprus (worauf aber Dionyiius aelbst kein Gewicbt 
l^gen soil): dafs eine dretmalige GesandUcbaft der Olynthier 
tnAttien.uoi Beij^tand geflebt^ 'und die Atbeniena^r dreimal 
^iQlfe geleiatet baben. Diea kann aber nicbt aeyn, denn ' 



uiijiii^ed by Google 



17 Z Demosthenes Reden. 

^en Reden flndet iich keine Spur davon , und in der Rede de 
f. leg. stelh Demosthenes dio bacho gan& aoders yoi* So 
Hr, B. ^ 

Der Gegner wtirde darauf erwiedern: An den Olyntbi* 
•chen Keden ist keine Spur davon; aber der gleichzeitige Ge* 
acbichtschreiber sagt ei. Und Demosthenes selbst bestUtigt 
de f. i; das Factum I und ttellt die HtllfsMstung-dort fttr seinen 
Zweck als grafs und in randen Summen dar ; was tbut ds«? 
er komiht mit Pbilocbords mebr* flberein , als auf den etsten 
Augenblick scbeinen soUte ; 

* Nacb Pbilocborus betrtig die Nacb Demostbenea 1, c . p. 
HOlfsleistung 4<36. R. 

Triremen: 65, 60 Trirempn. 

SSldner: 6450 und die aoOOO 6uidner, 

Schiffsmannschaft, 
Bfl r p e r : 2000} wahrscbem- 4^00 Bilrger» 

lieu aulser denen, welche 

in der ersten Expedition 

inltgingen. » ' 

SoUten diese Anstrengungen auf Etna Expedition vemendet 
"worden seyn, wie Hr. B. anzunebmen scheinty der docb auf 
derselben (95) Seite 2000 Mann und 30 Triremen eine gl&u- 
sende Expedition nennt ? 

Die Reden selbst iiefern vOn der Ricbttgkeit der gew5bn» 
Hcben-Fojge den Beweis^ argumentirt Hr« B« waiter. Dean 
die erste (vulgo) Rede mufs glelcb -nacb dem Beginn der 
Feindseligkeiten gegen Olyntb gehalten worden seyn, weil 
darin Demostbenes die Von den Olyntbiscben Getandten be- 
^ebrte Hfilfe fordert, 

Der Gegner: Haben niclit beide Reden, die rulgo ersts 
iind die vulgo zweite, das gleiche Theiria: es mOsse HCilfe 
geleistet wtrden? so dais man hieraas fftr die Steiiuug jar 
uicbts bewcisen kann. Man ver^leiche nur beider 
, fropositio 

Olyntbiacae L t)]yntbiacae II, 

P. 10. *'E<rT/ ^yj rd sV^i 5o* P. 21. ^y^fxt 3»j 5«Tv ujtxa; 
uovvraf ^nf^iva^Bat fiiv ^hj rijtf rotifi,h*Okw^totifioi;BtlvfMiio'ie«i 

Wiederbolt nun Demostbenes » wte er denn den Haupt* 
gedanken |;erne wiederbolt, um ibn deiki ZabOrer an*a Hers 
su legen, an der ersten Stelfe 8* i^i ^^^^i ^ ^xi^t^'i'^ 



uiyiiized by Google 



Denotlheoes Reden. 173 

TOf>«TcyTa; cryur.^roi; fcKTi:'|XT«jv ' yiat rw tj^v fixsi'vou ^cw^>av Ka/.uJi xc<€7'J 
fii7.iJi^57i v,rSi CTi^arrlrai; irt\.oi; — SO lafst sich aus diesein Vor- 
schla^ eher ilaiuvii ichlielsfcii, rials diesc Jlcde spat«r gehalten 
ist, Weil er grOisere Aiistiengungen veilangt, man iiiiU.ite 
denn mit clem 6choliasten (Ulpian) glauben, dafs Demosthenes 
das Doppelte verlangt, mn die flUlft*-, zu erhalteii ; warum abtii: 
fordert er in der anderen luir die ifaltte? 

Hr. B. fiihit fort-, die Veitheifligung aus den RerTen 
sdbst zu f'iihren. S. i>7. sagt er, dais die vulgo zweite Rede 
darum oicht die erste seyn kcinno, weil darin fteht^ dafs dia 
Athenienser init den Oiynthiern das Bttndnifft gescbloaseit 
batten. 

Gegner : Die Olyntbier werden in der sweiten Rede aU 
lerdinga Bundesjgenoi^en der -Athenienser genannt^ allein datf 
waren tt« scbon yor alUn drei Olyntbiscben Reden geworden^ 
unter d«r Verabredung, dafs sie mit Fhilipp Krie^ anfingeiiy 
4aDo sollten die Athenienser belfen. ' Nicht von einem fiOnd* 
nifs, sortdern von der ErfOlIung der beduiigenen Haifa ist dia 
Ae^e^ wieaiis derersten p. 10. extr. s(£. und der dritten p. 32. 
extr. Liban. Arg. p. 7. bervorgeht. 

Hr. B. beziebt sich S. 97. «>ocIj auf die Stelle der zweiten 
Rede p. 25. »Ihr zaudert in's Feld zu ri'icken , und scbit.ht es 
binaus Geld zusatDmeuzuhringen.cc Also waren noch ktine 
Truppen geschickt. 

Allein ehen darum balten wir diese R\v die erste. 

Die dritte^ sagt Hr, B. , babe zum Jnhalt, den Ueber* 
mutb des Volkes wegen einiger Siege des Cbares I'iber Tbilip* 
pus zu mSilsigfln , worsui: Theopomp. ap. A then. L. XII. p. 632. 
V. d. bezogen wird. 

Da^egen hesiebt ScbweigbSuser dIese Stelle auf die erste 
Expedition; wir glauben, mit Recbt / denn Allea pafst. Nach 
der vulgo ' Bweiten, das heifst nach ider era ten « Rede vtrird 
Cbares abgeschidttf er gewinnt eini^en Vortbeil jlber Fbi« 
JipPi kehrt nach Ilaasei opfert den -Cjrdttern nnd speist das 
Volk. Theopomp. I.e. -Das Volk wird fibermtSthig; dies 
Teranlafst, Libanius sagC ausdrUcklich : 

^ie folgende Rede, vulgo dritte, worin Demosthenes audi 
Jiamentlich auf des Cliaies fiot^c-i anspielt p. 37. ci. Dionys, ad 
Amm. c. VIlI. extr. Es bleibt also nur die erste Rede iibrig, 
^velche demnach die ]etzte s«;yn mufs. - Wolite man Lei deui 
Allen^ aller historischer Autoritiit zli wider , doch nur Eine 
Expedition der Athenienser , Olyntb zu beifen, annebmen, 
80 gecittha man auf unauiloshaie Widerspruche^ und Ufiisa 



uiyiii^ed by Google 



174 tiemoBtliftnei Reden. 

alle Fragen ulibeantvvortet, welche sich hinter einander auf- 
driingten; bei welchen indefs eben so wenig fttr die Sacbe ge» 
wonnen wilide, als Lei dea Ansicbten, Eindriicken , Gefuh- 
len , nach denen man aus einigen Stellen der Reden ilireFolga 
lieweisen wollte. Hr. B. haC dies in den Anoierkungen zm 
jenen StelUn recbt gut geseigt^ indem ef die Gegner, wenn 
sie auf diese Art argument! ren , widerlegt. Wenn z. B. H, 
Haucbenstein ausp, 9* 1* 1. die Folge nacb DiOnyaius beweisr, 
80 beweist Hr, Becker aus derselben Stella die gewdhnlicb«*| 
Bleiben wir daher auf historischem Grund UhdBoden atebeni 
wie aucb Hr. B., von hieraus das Hauptargutnent fflbrt : 

^die Grammatiker citiren d}e Olyntbiscberi Redeil ein< 
„ stimmig nach der gewohnlichen Ordnung." 
(Die Grammatiker weideji mit interessanten Literamotizeii' 
xiacligewiesen.) Allein bedenken wir vorer&tj dafs die Gram- 
inatiker gewohnlicb nur citiren A^ixocr$Bv>}; oder nur init dem 
Beisatz ro7; ^ih->nrty,o7;9 wozu Lekanntlich die Olynthisclien 
oft von ihnen geziibk werden, so bleiben nur wenige Stellea' 
librigy . worin die Olynthiscben mit A* B* r* oder iv rw x^>wt»' 
u. s. w. angefiihrt sind. Sodann aber citiren sie nicbt cbr^^i 
nologiSCD. Man s^be doch nut den Index Scriptorum zu; 
Harpocration a. v. Ai]iio<rBiv>j4 9 wo die OJyntbischen Kedenj 
vor die Pbil. I, welcbe als Hra^ros <tthrvtKls citirt wird, undl 
welche unumstdfflich die erste aller dieser Staatsreden ist, 2u 
steben kommen* Man wird sehen , dafs «ben dieselben Oram* 
iiiatiker, welcbe bier als AutoritSt angenommen werden , eben 
denselben riuJocliortis , dessen Zeugniis veivvurfen wecdeil 
soil, als ibren Gewiiiirsmanii anfiibren, 

Wenden wir tins fetzt der Uetierset sun g ^ so kauri! 
vpn Keiske keineAede seyn; dessen Art an parapbraairen mag 
aUs folgender Vergleichung binUffiglich ersehsn Weti^A : 

Demosth. Ph. I, p. 43. Reiske T. L p. 72.- 

IIoV oiv, vofa a xC'>7 '^(?a^fTs. „ Wann wollt ihr denn nunj 
ixuBciv vyj At* dva,yKij ni ^. — endlich einmal euch zu regeii| 
wA/Y«ra/ Ko/vovJ** — ^ „T*'J&v>|H« anfangen ? Wann wollt ihr 
^lAfinro;^' oJ A/a* * denn aniangen^^ an Auadbung 

euerer Scbuldiakeit an den ken? Werin'sgescbebenaeym w'ird;** 
»Je was denn ^fta, bal kommt's da beraiui; Das waci 
doehnocb einWort^ Das l^lsset sich bdren.^c ^ MBrudec»| 
waa giebt'a neires?' «-> lat FbiUppua tcidt? lob dachtef was; 
mich iiiase. Der ^eufeJf Wtrdf ihh nicbt gleic& holen*. «• 

Wdrdiger wird die Vergleichung dcr Ueberset^UDg vori 
Jakabf» mil deif dea Urn, B. aeyii i 



^kjui^.o i.y Google 



175 



Jaiobi* 

Wanii I vann wwi^t ihr thm^ 
wamathtgist? WekhenZeit- 

punkt trrwartet ilu noch ? liis 
euch die dringende Noth 
zwingt? — Oder vvollt ihr 
lieber aut demMarkte umber- 
gehen und fragen , was man 
Neufcs erzahit? Was Jvann es 
wohl iVeuere« gehen , all dafs 
ein Makedonier AthenMer hei 
^riege, und u nter Gritfcbcfn den 
Herra apielt ? « — „Tst Pbi- 
iippotge«torben?^M ^ lieider 
nock nicbt. 



BeeKar. 

Wanii alto ^ wann werdet ibr 

tbun , was gescbeben roufs ? 
iSuii:i](I eivvas aicb ereignet hat? 
Sobald beitn Zeus!' cfineNoth 
uns treibt? — Oder wollt ibr^ 
sagetan, umherwandelnd aut* 
demMarkte, einander befra- 
gen:„Giebt's nichts Neues'^" 
Kann es wob] etwas Neuerea 
geben, als dafs ein makedonU 
scherMann Athenaer im Kam« 
pf'e tlberwindety hellenische 
Angelegenbeiten entscbeidet ? 
— ,>Ist fhiiippoa.todt?« — 
Naiity bfiim Zeus* 
Die UeberaetBung das Hni« B. bftlt <ich treuer an daa Ori- 
ginal. Aufge£a1ien aind dem Ra£ S* XIX. «» Demoatbanet lag 

igan — Diaaerbattft 
mit den aJFentJichen S claven Bekanntscbaft — Die £ifer« 
•ucbt (des Knaben , g^jyAujo-g) aut den Kuhm des IMannes.** 

Die A n m e r k LI n g e n bieten reiche Ausbeute^ und ver« 
dienen alle Aufmerksamkeit, 

S. 62. zu Phil. I. p. 42. stebt eine gelelirte Bemerknng 
liljer die Verse, welche sicli Jiei Uemosthenes biiulig linden. 
Auch der i)chol. ad Hermog. p. 386. extr. Laur, iiiacbc darauf 
auimerksam^ bin^nsttzend : sie seyen aber nicbt metriscb g«« 
'piochen wordan ; und fahrt aua Oiynfcb. 1. p. 10* an: 
JfAov yaf ♦oiV *(3ilm!^ioif » « n 

^ifin (Fragm. Ill, $.4.} beatfttigt daaaalbe* bebanptandt 
*icieyen tron dem in gespannter Aufnterbsamkeit gebalCenen 
Zubdrer nicbt bemerkt veorden ; und fobrt unter andern eioe 
^on seitien Heriiuagebern nicbt nacbgewieaene p aber aua Olyntb. 
^ p. 294 entnonfiHene Scelle an ; 

'^"grofser Men^e sind Verse aas den griechiscben tind aus den 
Winischen Frosaikem , auch aus dem JNeuen Testamentef 
gesanunelt in Fabr. Bibl. latin. T. il, pag. 389. fi<I<I. ed. Ern. 
fJen daselbst citirten Schriften. . 

Schone kritiscbe und Prammatikaliscbe Bemerkungen ent- 
"alt der Coinmentar; 2. B. zu p. 10. I 9. wird Valckenner's 
'Ufiderung rw yag sivai mit entscbeidcnden Griinden verworien. 
'^'U Olyntb. i, p» 12* 1* 4. witd gegen Hoogeireen und Pinzgec 



- / 

uiyiiized by Google 



17§ DciBOsUieiMs RMlta* 

. rtv ToAtfMv auf dah Amphip olitanischen Krieg beiogen , wie 
jkuch Weitke 4« hyperbole 1/ p. 38.* aui mebreren otellen det 

- Kedner, welcbe aber nicht alia bawaiMiida Kraft baben^ ge« 
Jseagt bat« Uebar ret Kar«S«y i. q» ri itar» wird auf Lobeck ad 
f hrynicb. p. 128. verwiaaan. 

Am bedeutendsten find die SacberklSrungen. Zu Olyntb; 
!• p. l3. 1, 1. werden Gersohleptes, Btjrisade« (nicht Bere«ia- 
des, wi^ in eint^^m iieueren Coaimentar steht) und Amadocus 
entschieden B ruder genannt, da doch des Amadocus Solui, 

1 der auch Amadocus hieis , zu Philippus gellohen war, Der 
Vater Amadocus war vielleicht 55chon ermordet. S. (aufserden 
von Hrn. B. Citirten) DiucJoi. 5ic. L. XVI. c, 34. Deraostb, 
Aristocr. p. 623, sq. Harpocr. u. Suid. s. vv. Kotj;, Ka^co^Xir* 
T>7^. Theopoinp. ap, IJarpocr, s. v. *A/ju5»ko;» und Barbeyrac 
Histoira dea Traitez T. I. Art. CCXL,II. p. 213. aqq^ Die 
Bemerkung ttber die Treulosigkeic der Thessalier zu 01yn(^* 
I, pag. 15* 1« 15. iat^ obgleicb in drei.Zetleti susammenge- 
drSngt, aucb fUr den^ der mebr wiaaeo willt durcb die voU^ 
atflndigen und doch ausgewftbltanNacbwelaangan vollkomaKin 
btnreicbend. Die Beaierkang darOber, wobin Demoathenfli 
Gesandte wolle gescbickt baben, ift au p« 16. 1« 7. gana rkln 
tig I aber die Citate aind unrtcbtig, wiediet noch etnigemal 
der Fall ist. S. 112. n. 8. steht Ulpian. p. 268- B. Vol^ V. ed. 
Hier. Wolfii, was wir *weder in dessen gangbarer Ausgabe 
"V; l604f noch in der letzten v. f642 fanden; soli es vielleicht 
beifsen': p. 26. B, Vol. V. Woli. ib fj V Djun pal'st aber die 
Stelie nicht ganz. So wird Ijoh^ijuis uoch nacb JVIorus, Fa- 
bricli Bil)l. gr, ohne x\ngahe der Aus^ahe citiit, S, 195. u^^ff 
die veriinderte Gesinnung der Athener gegen die Thebanei' 
ateht Wolt ad Leptin. p. 228. statt der von Wolf daaelbst an- 
gefahrten Stelie Demoath. Cor* p. 29l. 1. 4f wozu noch Plut. 
f elop. c« 6« T. II. p. ^Z6* und Diodor, JU XIV. e. %i 

bfttte kommen kdnneo. • 

Wir mfirsten aua dan Satbbemerkiingen vielea^ waa noeb 
in keinem Commentar au Demoatheiiea atand^ und docb sehr 
notb^nrendtg zuf £rk)ftrung deaaelben Ht, rQbtnend anfahreii; 
ea wird aber Hen. Becker fuad dem Leaer Ueber aeyn , wtnd 
wireiniges , welcfaeiveraiiratwurde, nacbsutragen veraucbeii^ 
woritt wir bei der a we it en Olyathischen anfangen woUefl^. 
da alles Obige aus PhiL L und Olyutb. I. genommca ist. 



uiyiii^ed by Google 



Heidelberger 

Jahrbiicher der Li^eratur, 



BBS 



Demo^theaes Iledea* 

Vermissen wird mancbery da£i der literariiche ZaMtom ^ 
i&enbang det Daxnosthenes mit selnen Vorgiing/erii und iMineii 
Nacbahmern, wodurch doch dU Liectflre einen elgenen Reiz . 
^f^Slt, nirgends nacbgAwieaen wurde. Aucb mit siobs selbst 
l^atto Ddmoathenea an mancbeli Stellan varglicben <W6idet|i 

Gltfich im Frodiniain der sweiten Olynthischan .spricht 
I)eiiioftthenes vom Woblwollen der Gdttar r w^^* so gerna * 
^but S.in dertelben Rede 2>. 24* und FbiU I, p. 53. -Daoiit 
Cicero Catil. III. c. 8 u. 9, S. 22. Wenn eine Ver- 
))iiidung geschlossen wird aus WoblwollenJ . 
^^8e SeiiLenz ist vieliacli von aiidern SchriititeJIern benutzt i 
Worden. S. Wyttenb. zu Julian, p. 47. C. p. 74. Lips. VergJ/. 
Cic.de Off, L. II. c. 6. S(£C[. Ehiend. Ein Ungerechtec 
Und ein JVIeineidiger k a n 11 keine d a a e r li a i I e . 
Macht besitzen] Mit dieser Sentenz konnte Demoslhe- 
^^i Coron. p. 303. und Euripides als oiFenbarer Yorgiiiif^er 
^'^rgUchen werden; dafs aber Euripides hier VorgSnger wai;^. 
^vird man acbon an den zufSlligen AusdrUcken, wie dv^^crai 
^•s- w.i seben, in der Electra V. 9iS, Aucb Faalm XVIII. 
^•43. (vii]g.) wtirde nicbt obne Interease damit ztiaamnunge*- 
^^ellt. Die Vergleicbung rbn dem festen Grutid eii^ea Hausea 
^ommt im AlCertbum oft vor« S. Jleiske und Schafer su die* 
ser Stelle pag. 21* uiid Walaaus zvt Mattb, €. VJX v. ~ 
£bend. Worta ohne Tbateh ai^d #tal.] Yargi. Thu« 
^(iidea^ den Jjiabltngaacbriftataller vnaerea Rednera,. IL 

^^oitbenea Flaton turn Lebrer hatte, Cyrip. L. VI. e* 4* 
§• 3. (§. 5. Schn.) (Cicer.) Declam. in Sallust. c. 4* — Ebend; 

DemosLhenes Lei aller Kiiiz.e Syiionyma- liebt, hemerkt 
^remi zu iUucbenstein Thil, 41. i. Eben so Thucydides^ 

XIX, Jahfg. 2. Heft; , 12 



uiyiiized by Google 



198 Demo^Uiei^fS Redeo* 

]}it auf dieaelben AuAdrflcko. Demoitbenet iagt ]p« 81 : v^XXif 

cydidea aagte Ii.II. c. 48 ; tica^nfi lAtrafioXyj q ig ri fitrt^* 
tfTyjtrat ef. VI. c. 20*' Daber d«r nacbabmende Julian Or, in 
Const, pag. 20, Cj, uTa\>Ta ixsrajSciXcvra yua! jx^^r a<Travra» — ^ 
25. scheint slqIi Demosthenes zu widersprechen , denn bier 
Sagt er: toXj yjo (^aov ty^ovrag Q^vXdrr&iV >j an^craaSai , und 01. I. 

jiuils aber zu jener 6tellc r:7; crcj^^^ccrt erganzenj wie der Zu- 
fiammenhanj^ ^eigt, und wie man norh deutlicher aus Xeno- 
phoo siehc Cyrip. L». VII* c. 5. §. 26. Cf. Sallustius, wekher 
' in aeinen Reden den Demosthenes in ganaen StUcken Ciber* 
aetzt, Gatil. C. 51. S. 23. lafst: sich a AAcu$ nur aus der Plato* 
xiischen PhiIosopb(d arklitren^ da§ Hr. durcb iferner,'Ja* 
koba durcb daber libersetat* Demoatb^nea* iagt : Pbilippua 
jnae In aeinem vertrauten Um^ange keinen Kriegserfeibrnen^ ^ 
tiitd keinan Beionnenen: «; &r r/; rrwip^wv >j iUcuoi 1 AAoig « r)]* 
v,aQ* yj ixiqav ay^qofftav tcZ fitcv ov Buva/xfvtf; (psf exv. Hierin .Hegt * 
wenn jemand aus irgend einem andern Grunde als aus Beson« 
nenheit rechtscbaiFeji ist u. s. vv. Denn nacli I'lato ist der 
wahre Grund derilechtschafFenlieit die Besonnenheit : de Legg. 
U III. pag. 696. C, T. VIII. Bip. rc Sfy.c.c V 
-foC (ttu^^cy^Tv. Dafs aber aXXuc; diese Bedeutung hat, aus 
florist irgend einem andern {ais dem wahren) Grunde , lehrten 
vns Valcken. za Herod* Xj. IV* C» 77* p* 3i6» und Aubnk« aa 
Tikn. p. 198. s(j.' ibi^. dtt. 

* Die Uebereinstimmudg des Demosthenes mit Thucydidei 
- inmancban Stellen ist oit so groXs^ dafs aicb Varwecbselungea 

iindM t Olytitb, II. pa^. 83. extr* acbralbt dar Rbetor Seneca 
(Dedam* XXIV« ibiq; ochott*) dem Tbucydidea su, C£ Sal* 
luat..Orat. Lepidi drca fin. Fragm. Hist. L. I. 

•^Zu diesen Bemerfctingen fast nut bei Einer Seite wollen 
tvir doch noch die nUch&tt fiich daibielende Vergl^icbung au^ 
Plato selbst iUgen: 

Demosth. OJ, p. 24. rc? oko9 Plat. Legg, L.IV. p.709. 1>. 
i ^fK^ *av/ iffrl ta dv* i^x^ tlyat^aXs^ov etxavra ra dv* 

Vefg]. Nicostratus afib Atben* li. XV* p. 693. a. Stob. EcU 
L.i. c. 8. p.212.8C[q[. Heer. Lennep. ad Phalar.Ep. p. 182. sq;. 
Tntefprr. ad €ic« OiOF, L. II« c. 6. $• 19* • Muret. ad Ci0. Cati). 
X* c. p. 621. Bqq. ed« Graev. 

• -Wit scbliefsen dieae Anaelge noit aofiricbtigam Dank for 
die wabre Bereicberang | walcha una Hr. B. mit aiaaeiB Werk» 
gemacbt hat* 



^kjui^.o i.y Google 



Dtnpilheaci Reden* 179 \ 

i den folgehdea BMrbiitungen kdiiil Rec, akb klirser 

Diese Auagabe von Mounteney scheint, nach der Zahl 

ihrer Auflagen za schliefsen, die gangbarste zii seyn. Reiske 
hat sie nicht geLiaucht. S. desseii Fraef, a<i Deuiostii, §. if, 
p. XXXXIX, p. XLVI. Schaef., obgleich Mounteney Hand- 
schriften benutzt hat (FiaeF. p. IX.). Desto inehr ist diese 
Ausgahe von andern Herausgeheru tinzeliier Redei/gebraucht 
denn sie ist in der That sehr ])eiruein und vHrstamiijr eitvfie- 
richtet. Unter dem Text, welcher die erste Philippische und 
die drai Oljrntbiscben Keden in cbronologiscber Ordnung nach 
Dionysiui Von Halicarnals, in Capttel abgetbeilt^ ulid dU 
itoBiastg des Libanius, nach der Wollifchen Kecensiaitf giebti 
stehefi die Scholien (deaUJpian) in geapaltenen Cohimnen ziem- 
lieh volUtilndig. Hinter dem Text und den Scholieit « voil 
5* ill* an y kamoien die Noten au beiden; sie beeteheh'grdfa* 
tenttieiU aus den lateinilch Obersetsten Anmerkungen' de^ seU 
ten ge\^orden^n Tourreily aue den Wolfischen Noten ^ ducb 
denen , welche Aeiske und neuerltcfa auch SchSfer mit Unrecbt 
Weggelassen baben^ und aiis eigeiten jetzt sum Tbetl veralte^ 
ten Bemerkungen, Alle sind hefftiem geordnet, Nach deni 
Coramentar kommt die lateinisclie Leb( r sttzung von Lihanius , 
i'*cS«r/; und von Tourreils Einleitung vor der hie und da ver« 
anderten Wolfischen Uebersetzung jeder der yierlleden. Art- 
gehHngt ist ein mechanisch vecfertigtes , aher sehr vollstSndi- 
ges VVortverzeich iiifs , und ein 5clilechtei vun einer abgenutz- 
ten Kupferplatte genonimenei: Abdruck einer Charte von Grie^ 
chenland. Desto achdn^r ist Druck und Papier des Bucbes. 

Was aber dieae Ausgabe acbStzbar macbt, sind die vor« 
aoigescbAckten Observationei in Cormmentarioe v'ulgo tJIpia* 
aeot| TOtt J. C. d. i, von Johannes Chapman, o, Fraefat^ 
p^UL Iff, und Harles. ad Fabric. Bibl. gr« Vol. II* p. 828^ aq^ 
tuidin der Ihtrdd. Hist. ling. gr. T. II. l. p. 23& 

3) Demo ethanes ed« Xoepi'fer. 

t>iecef ibret BeetimcBung ^obl. #ntsprecbend(e Aulgat)^ 
bt weiter nicbts 'ds ein sebdner Abdruck eides TaUcbnitsi« ' 

^ben Abdruckes y mit wenigen Varianteri aus Auger'i Aus* 

gabe (Vol.L 4 ) und mit Noten au5 Tourreil , iuweilen aul 
Auger's Uebersetzung^ welcber aiber auch au^ rourreil feht* 
Jebnt hat (z. B. p. 206. aj.)/ und eini^en des lirni, Herauige^ 
ijers folgendet Jitti ' - 



uiyiii^ed by Google 



i6C^ DemMthenes JSledeo. 

S. 249. 9»K«f fA^^, sous^entendes ^rw^f et rapportes tt^oak* 
B^vra ^ x^aYfAorat autst SOUS «n ten du,** S. 207 cu , depuis 
• qu«9 tous-entendes y^igcvev* S» 197. ravray pour aiorii $ les 
m^mes clioses« ZiiweiUn wird auf Mattbi&'s Grammatik ver* 
VfieBen^ oder Barthelemy Anacharsis benCltst; mancbmal auch 
ein^ Farallelsulle aus einem lateiniachen Classiker bei^^esetzt* 
meUt aber nur die acbwierigereStelle in*a Lateintscbe und Id's 
Fraiizdsiscbe flbersetat. 

Diese Noten zu den auf dem Titel angegebenen Beden 
sind von vej^chiedeneu verfal'st, nUmlich : von Ih n^ i'roi. h, 
Vaucher zu Olynth I. If, und de pace; von llin. Prof. J. 
. Humbert zu Olynth. Ill, und Phil. I.; von Urn Prof, K, 
Topfter zu rhil. II. III. IV, und de Cherson. 

Die jBlinleitunor hinter welcher noch eine kleine cbrono- 
logische Tarel nacb Dionysiua Hal. stebt, Ut ein Aua&ug auf 
Auger's erstem Bande su dessen Ueberaetaung, aua wekbam 
aocn der kfirsere geograpbiscbe Anbang genommen zu seyn 
tfcbeintf denn andere Nacbweisungen wird der Xj^aer bei 
einem solcben nur f£lr die fransdsiscna Schuljugend berecbne* 
' tenBucbe billi^ nicht erwarten. AngebSngt sind noch dieAb* 
weicbangen dieses Abdruckea iron J. Bekker's Ausgaba dei^ 
Pbilippicae, mit der grofsen Bekkerscben Ausgabe ist er nicht 
vergUchen worden. Die grolseren Ansgaben , meint Hr.Topf- 
f'er , gehorten nur in die jBibiiotheken der GeUhiten, und die 
der einzelnen Reden , vrelche gewohnlich auf Scliulen gelesen 
wilrden , seyen ohne Conimentar y und darum nicht zu brauchen. 
Did in der Vorrede versprocbene geograpbiscbe Gbarte feblt. 

4 4 

4) Demottfaenes von T» ]P)anche« 

So bfindereich dieia Ausgabe ist, so kura kdnnen wir 
tie anseigen ; denn sie giebt nicbt einmal so viel £i genes 9 
ala die von Hrn» Topffer, * Aef* cbarakterisirt sie wobl am 
besten, wenn ersagt: esist eine neue Ausgabe von Augei^s 
Uebersetsung d4s Demostbenes und Aescbines ; samt dessen 
£in1eitungen , und Itleinen Noten, welcbe aber weit unbeque* 
mer als in den bisiieiigen Ausgahen, wo sie gleicb unter der 
Uehersetzung am gehorigen Ui te standen, hinter jede Rede 
gediuckt sind; nur ist der griechische Text, aber ohne alien 
Kritischen Wertli , der Uebersetzung gegeniiber gedruckt. 
Weg^eiassen ist Auger's erster Band, welcher eine allgemeine 
Einlt^itung entbRit, und aus dem letaten die Tables des ma« 
tihre$^ Zugegeben ist dagegen dreimal eine aweite Ueber- 
•etfungi weicha der Attger*scben angebUngt iyrird; nftmiic^ 




kjui^L^o i.y Google 



Omilfft Buvkftrd* Bin* Melfestiofaxift von Dr. Daitf. l8l ^ 

von La Harpe de Gfa^raoii. unci rom Hrn. Herauigeber Phi« 

jipp. ni. und IV. Da8 Kiipfer ist eln scli6ner Stich nach der 
bekannten Antike , wuiiiijer V\ lukeioiaiiu T. II, S, 275« etl, 
Meyer. 

So ehen erhalten wir noch <1en filnften Band der von Hrn. 
Scb;ifer sorgteii Aiisgahe des DfMiKvsthenes , London l825» 
wekher (iie notas varioL unr i)et£uem g<iOi:daet uod ant bucUat 
schUtabbareu Zuaatsen veraehen hat. 



Franz Burkard aus Weimar , 9h»rf. o, horzogU Sachsischer Cans* 
hr %ur Zeit der Reformation, Von Dr. J. Tr. Lehr, 
0itn»f GrofsherzogL Sdehs, Geh, Comittar* Rathf find ordenti^ 
Prof, der TheologU zu Jena, 'Weimar^ h$i Hqfnuum, 1825. 
Xii und 000 in 8. 16 Gt. 

Zud«m so beralich und durobbleibend wobltbStigeAnatfteit 
gefeienen Jnbelfeat einea Regenten^ deaaen Huld und 

bocbgehildetem Bledersitm aucb Rec. in den krSfcigaten Jabfea 
seines Lebens die eimunterndsre I'reibeit und UntcrrstQtSUng 
ffir forscbeiitle Selhsll)ildung und an verkumtnerte Gedankenmit- 
theilungen voii 1789 bis lbo3 zu danken batte , und so lan^e 
er denken Icann , dnnk.-n wird , bat sicli der Vi'. in der merk- 
Wiirdigen Leiieus^eschiclitc eines fi'jr die SScbsischen Hiiuser 
in der schweren Zeit der Kii cljenreformation wichtig gewor- 
denen Staatsmanns ein intei essantes Thema gpwtihlt. Kec« 
nioiint an dicsem Weimariscben Canzler, welcber von prag- 
matiach-pbilalogiaobenSuidien zur grunderforachenden Juria* 
pcudenz (nicbt zu einer blofsea GeaeUanwenduiiga*Kanda) 
nnter Melancbtbons Leitung ttbergegangan war, um ao inni- 
ger Antbeily weil deraelbe, aucb Fursorger fOr dia damala 
lieue^ boffentlicbnie veralternda, Univeraitflt Jena gavrorden^ 
ihn lebbaft an ainan ftbnlich verdienatvollan Mann^ an d^n 
Taratorbeoan Gebaimen Ratb ron Voigt arinnart* walcber 
abanfalla durcb Gaachmack an varat3ndig bildaodar FbiloIogU 
vorbaraitat ^ daa Stadium dag Rachtan fibar dar Racbtakunda 
siicbt vergeaaan batta, und dann, ausgefundan yon dam traf* 
fend w8hlenden Scbarfblick des Ftirsten , von Slufe zu Stufa 
7A\m vei traulen Ratbgeber und unennii leten , vielumfassendca 
GcacliiiFtleiter erboben wurde, wo er ebenfalls, nicht bios aua 
Staatsraison ^ son'lern zugleicb Sixis Liebe zu freisinniger ^ 
geistig mScbtiger VYissenschafti immerbin als sorgsamei He* 



uiyiii^ed by Google 



ymrsttSt, |a il« tachkitndiset Freund aller ibrer tbatigen Lieli- 
rer stcb erprobte, und daber auch in menem DanJcge^Ohl uii* 
T«rgeljbar fortlebt« 

Frans Burkard, geb. d, 3» Jul. i504f war ain Jabr 
jflngvr ala Cburftlrat, JoEaan Friedricb, dat Gro&mtltbige^ 
deaaao Staatadiencr er wnrde. AcbtsabnjSbrig batte ar acbon 
su dan Untyersitltaitudiea in daa^danMls ao ▼olltbStiga Wit* 
teherg neben dan classtscben Spracben aucb Uebung im Fran- 
zuiiscben und Englischen mitgebracht. Wie B. als Melancb- 
thons Hans - Tisch - und Studiengenosse dm ch dfe von unseia 
\orurtheilen f reieren Classiker^ durcii diese Jtfbenskti ndige Men- 
fichen- II nd jatskenner , weg von jener am ileclite mecha* 
-yiisch kiinstclnden Juiisterei, iiher welche Lutlier und Me- 
Jancbtlion ott so bedenklich jammern, zur acbten Kenntnifs' 
der aus notbwendigen Filiciiteinsicbten folgenden llechte und 
SU aiaeoi welthfirgerlicben Uabarblick der Suaukunst gelangC 
war 9 strhen wir zunllcbst aus dem Brlefe, in weicbein dttt 
•anfta, kluge, nicht bJos stubengelabrta Melancblbon ibn» 
der so eban in die 5taattge5cbSfte garufen war 9 auf dia rilbai<* 
. licb begonnana gelebrta Laufbabn surQcksublicken veran** 
Jaffta. Der Jurista^ B.urkard^ war aeil 1533* Frofeator dar 
sriecbiacben Spracbe geweaan^ und erklirta wiadatbok den 
Heaiodusy den Aratut u* a. w. vot ZubGrern^- wia darDicbter 
Job* Stigel war; als nacb dem Tode Jobanna dea BeatSndigen, 
Jobann Friedricb in Person licb die UniversitSt Witteberg 
buldigen liefs , und iu iiiiu, dem danijli<^en designirten Rector, 
einen Mann keiinen lerntei der — auch aufser dein Kathedei 
braucbbar ware. Als ihn nun 1535. dieser Fiirst zum Aoits* 
gebdlfen des Canzlers Kluge nacb VVeimar rief , er aber das, 
was er leisten konnte, seiner Melanchtbon ischen GeUtesIjil- 
dung schuldig zu seyn nicbt yergafs , antwortete der recbtsin- 
»ig© Scbwabe ibm zum Theil in folgenden SUtzen : ^Ua^s Da 
j>inigenWertbauf meinemilndlicbe IVliubeilungen (iber wicbtige 
Angelegenbeiten des Staats, der Wisienacbait und ttberbaupt 
aller Iiabana7erb3ltni8aa lagatf daa gewabrt mir, wie icb 
nicbt bergen wtll^ ein gana beaonderes VergnOgen. Denn 
ao gewifa daa Vertrauan^ daa icb Dir dadurcb erwiaay ain 
Zaicben meiner grofaen und wabreo Liebe bu Dir war; abeit 
ao gewifa bin icb flberseugt» dafa Oa aua dieaan Unterradun* 
gen , wekba Dir mem ganaea innerea Leban unTarbQlh vor 
Angan legten , weit mebr Schte Gelehraanikeit gewonnan baat, 
fila aua den Bdcheracb^tzen der Recbragelebrten/ Icb kaon 
dies obne Anmai'sung aagen, vveil icb mein Wissen nicbt ien 
^ii^^ern alJein , sou4eru 4u^ch rtleiiicbtjiibeubucbtuiig aucb 



Digitized by Google 



Caoxler B u r k a r d. EiaQ JubelfcsUohrlft to]| Dr. Pani , l8$ 



dern Lehen verdanke, welches mich zii den wichtlgsten Ver« 
bandlungen der Zeit^ in Yerkehr mit den geistreicb&ten, unci 
in SUeit mit den rUnkevoIIsten JVJenschen un&erer Tage gefOhrt 
hat . • • Wie oft habe ich mir die £rei|;nisse der alten Welt 
nit den Begebenbeiten der Gegenwart ▼erglicbent entwedei* 
um mir den muthmafslichen Auagang derselben klar macben 
Oder Mittel dafftr aufeufinden « ; • Oft, wie Da Dicb wobl 
erinnerat, habe ich die Zukunft ricbti^ varher rerkdiidigt. 
Ujid ich darf hoffen , da(s Du durch aolcba Mittheiluiigen ulv 
allerlei Ahgelegenheiten dea Lebena eine Vorbereitun^ erhaU 
ten bait, iiicbc nur ala ricbtige Anaicht von der R«« 
lig'ion, von Kflnaten und W iaaenachaftetif aondem 
auch von der Form und dem GebSude dea Staa^ 
tes, welche Haltung man in wicbtigen Angele^enLeiten haben 
solle, und was Manner von Herz und £hre niemaW 
aus ibrem Gesichtspunct verlieren dOrfen«« . , , . 
So und nocb melir der hekanntlicb so Lescheidene Melantli- 
thon , del' zwar seinem I'leunde (S, 20 ) bemerlcnch m icliLe, 
(lafs er einetii Herrn, welcher eigenvvillig , argwghrliscb , iin 
Tadelo 4jnaanftt Geacbilfce wie Gewitterwqlken ungern heran* 
ziebeti sehe, su dienen baben werde; der aber aucb, waa 
•einem Heraen gewifs sebr wobl tbatf binzufOgte ; dennoch 
ieyJohannFriedricb von grofser und edler GemCltbaart, 
lind offenbar am ganzen Hofe der beste und 'menscbenliebend^ 
ate Mann { ynteV den'Ubrtgen babe S« Neider und Nacbatell<>r 
zubeaorgen, ao nfitbi^ ea auch wSre, dif$« wenn aiv in die 
beilig genannte fieratbung ^eben , alle Jenea Wort dea Diouie^ 
dea bedfichten ; Wp avre^ eiiitrllcbtig za einem Geacbifte 
cehen, aieht das Faar immer mebr', a]s der Einzelne. . • ^ 
Bauptg^chlicb die Kircbe verlange, ala ein ki'^nk^lnder Kdr^ 
yer, saiilte Mittel i alle lieftige seyen ihr verderhlich u. s. w. . 

Schon als bald darauf B. mit seiiiem CbuiitUsten von der 
«ndlicli heraus negoziirten Belebnung aua Prag zurttckkam, 
stund der von der Griicitut in die Diplomatik libergt gangrene itt 
deoi Iliif , welchen Stigel , aU Dicbter, so ansdruckte ; ' 

EtTu, Cura J)ucum^ Franciscel gr0iia ^9^um% 

Cui Jluic eloquii dulcls ab ore sonus, * 

Wie der tlberbaupt sebr bocbgebaltene Canzler, Georg 
SrQck (Fontanus) i'tlr den beiteu teutscben Staataredner galt^ 
00 hlefs B. it der fein&tn Orator in I^atein^ als omnaeiner Zeit 
^in Germanien ba])en moge. ^ Oifenbar aber lUuCite, nach 
dieaer Charakteristi]i;i fi* aicb icbou ala den redlicb ein^eb« 
mendea Mann bewieaen haben, wie ihu* nacb vi^i^n anderin 
Frckbeui «eiU9 I^elch^nr^d^ (^«7fi<770 iipbi)dert« ^ Hi^ Sm9 



uiyiii^ca by 



^^'94 . Oqisli? Barkard. £iae Jiibelfeitsclinft too Br. Paor. 

I 

Afitwortf welcha haUd nachbar auf ainem Coovant zvl SmalU^ 
den B« dtom franzdsUchea Gesandten^ ^(Ib. du Ballai^ su ge« 
• i)en batta, wirdy ala Jiis^er un^adrucktji ^. 93 ~ 98* 

tekannt gemacht. 

(Scbade, denkt Rec, bier Leiliiuiig, dafs eine s o 1 c Ii e 
lateiniscbe Spracbe ill diesen Dinger! der 1 ranzcisischen weichen 
niulste. B. spracb bier wahrbatc urban, und doch unumwun- 
dener , ruiider imi klai ei , als es in derSpracbe gewobniich 
geschiehtj welcher scbon deswegen das partheilosei,e, univer- 
ac^Uere, fL&irtere Latein vorgezogen hlitt^ hieiben mogen, 
waihea mtt der Islationalehre der iibrigen Staaten nicbt au 

, liarmonireD scbeint, wenn sie die Spracbe eines einaelnea 
IV^icbs fiber sicb dominirend werden ]assen ; weil ferner einer 

^ aplchen Partif ulfir • Spracba Gahrauch im Utitarbandeln dam 9 

^ dessan Mutterspracbe aia- uti immar alnigen Yortbeil fiber 
die, welcbe sie ariarnen , geben mulji; und cfndlich wail ffir 

[ die Ufiterbandlungan feibflt es oft nicl^t yortbailhaft seyn kann, 
wenn sie -in einer Spracbe geffthrt werden, die der auflaueritde 
Laquai qdax irgeiid eine Intiiguantin ebentalls versttiheii. Die 
Erfabiung scbeint zu sagen, dufs seit tben der Zeit, wo die 
franzosische Spracbe in der Diplotnatik ein so giolsej Ueber- 
gewicbt erbalten bat, die iilirigen Natlonei) ineistenthpils ge- 
gen Frankreicb im iNacbtheil waren. Das Uebergewicbt der 
6pracha ki|nn al^ar dings nicbt Hauptursacbadieseriransdaischen 

,/PrapotenE gewesen seyn. Aber zum wenig8ten ist sie ein 
Zeicben , ein bedenklicbea Zeicben davoh , und ein mitwirken- 
4ea Mittel. IV(an erinnare aicb an das Gotbescbe Xenion! ) 

Zu B^merken ist | wie aelbst diese Soialkadiacbe Vet* 
handliingeni wSbV^nd die protestantiscbieii Ffirsten von papi« 
4tischer Gewdlt.und List gedrUngc waranj in dem mitgetbeil** 
ten Actenstfick beweisen, wie gev^ifs der lebbaft ergriifena 
Protestantismus derselben sie dennocb nicbts revobitionSrei, 
jaicbts reicbsvei iassuiigsvvidriges bicU erlauLen zu vvoilen ver- 
anla.fste. Frankreicb batte ibnen Cg^g^" nacb Alleinberr* 
scbaft strebenden K« Carl V. und seine Dynastie ) , unter der 
Gestalt eines Concordlenstiftfrs , niacbtige Unterstiitzung an- 
geboten. Vergb Sleidanus II, 57. Oilenbar hStten sie um 
so eber in ibver gerechten Opposition trotzig werden l^dnnen. 
ibre Antwort aber durcb B. war (S. 97 ), se nemini opitula* 
turosease, quaqi suae (Aegis Franc iae) ^ajestati t> ii> r#6«<f 
auao noil ^pertu^nlt ad invunisfimum Imperator^m ao rqmanvm Imperium, 
Denn ibnep ley e$ f ^i^ sie in ConyentibM« Au^ustanis das 
Bei^enntnils abgelegt, UQi Absti»llung dex gotteswidrigen Mei« 

^'i^'SS?/(i'°ft«« WVV.ePff^J'! ^^r^elig^ft «tun^ <iua« 



^ t I 

' ^kjui^.o i.y Google 



Caniler Btttkasd« £iae JuijeUesUoiirift yon Br* Dam. $$5 

I 

. tBmen indocti et mali mordicus tenent, propter avaritiam et 
ambition em. Der Kdnig mOcbte aicb also durcb die VerfoU 
gungisucbt dteser Unwtssenden, ^qui sine discrimina in bo* 
not et maloa aaaviunt . « acerbiaiimia bdtia atudent plos recte 
Mntientea opprimerey circumvantoa falaia criminibua at variia 
artificiis ^agum animoa incendunt* • « nicbt bewegen laaaen , 
die za vardarben , walcba veteres ahttsus rede reprebendunt* 
NurindieaemSinn bettunddieprotaatantische Ant^ort (S«95*) 
9n{derlsh$rtas Principum et Potentatum ( Poteatatum ? odar Po- 
tentataum ?) Gennaniae, ipiormn sanguine parta, Nicbt auf ' 
6ie, soiiJeiii aui die Gegner idila die Scluild der discordia, 
DeLebant enim credere veilio Dei, Deiiulij etiam ptjiict ic« 
stitui cotico I (11a , • . sed ainl)itio et avaiitia turn 1' on till cum 
tjitialioruuj iiacteoLis prolabuit) ^uo miouft p'la •t libera Sjnodiis 
(aulstir It alien) baberi potuerit. 

Aucb voa Heinricb VIII, aus Englaud waren Gesandte zii 
Smalkalden ^ewwn^ welcba unter der Badingung von Heli- 
gioQaainhei t (man varwecbselte gar su lange ileligton ojit 
den ererbten kircblicben und kirchenviiterlicben Aualegungenl^ 
I aui: VerbQndung mit den £vange]iscban binzielten. Dies und 
die Verinflblung dar Anna von Clava veranlafste fi. mebrmala^ 
; undnocb kurs vor aainam Toda^ zu Gesandtacbat'taraiaen su 
dem aondarbaren Kdn. Rircbanraibrinator , dar dan Melanch* 
tbonticben GascbSftamann » wia den Melancbtbon aelbat, in 
nmbeniy z. B. in Aufbabung del prtetterHcban Colibata, Lai 
tichgeUen liefs. ImGanzen war ea abar docb^ wiaMykoniua 
Hittoria Reformation is gerade heraussagt, meist niir darum 
aulbun, „Konig lleintzen PahiL seyn zu lassen , von deoi 
' *ich offenbarte , dafs es nur urn's geistige Einkoiiimeii fur seine 
Coiiectio Augmentatoriirn zu tbun war" S. 103. 

Mit wic mancherlei Sorgen iurStaats- und Kirchonfrei- 
lieit sicli der protestantiscbe Staatsmann , wiihrend die VVill- 
liibrrnacht des Kaisers und die Veiluste der Hierarchie cinen 
Kriegsausbrticb imtner unvaroieidlicber macbten, aui lieicbs* 
tagen, Conranten, IleHgionsgesprScben , Conciliumsvorberei- 
tungen ii. a. w. umtreiben la^aan mufate , ampfeblen wir in 
d«r Schrift selbst nachzulesen. S. 104 — 106. giebt eine un* 
gedruckta Halation Burkarda an Candler Brflck dd. 14> J^n* 
i54t. £in andarea Scbreiban Von Cruciger (S. 1090 4agt aehr 
Aufricbtig ; Caeaari^ volimtatem apparet esae optimamt ut , • B^t 
mmdati^ omnjaun ahu$uum* Sad • • de doctriiia non , aatia in- 
strnctua eat, Malancbtbo^ und Amadorf lyrur^an bei ibm ver- 
ISumderiacli denunctirt. (Die Nach welt kennt aie besaer. Die 
^^ejK^uncia^^tea aind mit de| Tagsgas€bigbt| dabingegangep I ) 



uiyiii^ed by Google 



I 



186 Canzlex Bar^sr^ Erne JubelfesUchxiri Ton Dt'Duuu 

Jede Zusammenkanft vertagte iieh atif eto* nlcbftttblgeoda, 
nad das 8prlidi«rorC entotand : GerflHUii semper conmiunt 
et mniquam conveniunt. 

Ansiehender filr die tpStereFoIseceit und uiiTtrgelflffcbcf 
ist^ was B« aus dent unmittelbarenFantelirath noch eilf Jabie 
lang {Qr die Wittebergische CJoireraitftt und deren tittltdid 
Gefltaltung (S. 35.) , aacbher aber 1548- 68.) ftr das so 
scbwieri^e Hervoigt^hen der UntversitSt Jena aus demdortigea 
Gymnasium gevirirkt hat. Auf den Geist gepfropfte Fflanzun- 
gen tra^eii un verwelkliche FrOchte, auch dcs iNacliruhms, der 
von fast allcii aiuiern Bestrebiingen nach dem Jcurzen GJanze 
der Gegenwart so leiclit verganghch ist, Canzler Bi iick selbst 
Wurde jetzt noch (S. 69-) l^tbier. Buikard biieb am Hofe 
Unci Jjesetzte die Universitat init Melanchthonianern , iinter 
denen \ ictorin Strigel $ein Tochtermann wurde. Den kliig- 
lichen Meinungseifer der Flacianer g^g^n die gerollsigteste 
dieser exegetisch-praktischea Scbule knufste er noch erleheo, 
Nach der Kiickkebr von einer englischen Gesandtschafureiss 
durch welcbe er die Vermablung Herzog Jobann VVilbelail 
mit der Kdnigin Elisabeth einleiten sollte , starb der Tieiver* 
•U€bte Mann den 15* Jan. 1560. Aus seines Tocbtermsnai, 
Matth. Wesenbeck*s Papinianus p. 150 sq^q. wird einege- 
scbicbdicbe y beider Manner wfirdige Parentation nacfagewie* 
sen , und durcb AusaOge emeuert. Aucb sein Brustbild (eine 
]>edacfasame, sorglich umsicbttge Pbysiognomie) ist bier, der 
wOrdigen Jubelfettschrift 9 beij^efilgt. ^ 

Mochte doch Hr. Dr. Danz recLt vieles auserlesene und 
minder Lekaiuue aus den an Reformationsurkunden reichen 
Archiven zu Weimar und Gotha , deren Li]}eralitat Er rflhrnt, 
an den Tag bringen. Europa's Erhcbnng zur urdnenden 
w)elbstst3ndigkeit im Regier ungswesen dalirt sich ja doch fflr 
Regenten und Kegieite von der grofsen Geistesepoche des 
secbszehnten Jabrhundcrts. Erst seitdem sind aus der iVIenge von 
L^ndern^ die im Rdmertbum und daher auch noch im J^ittel« 
alter nur wie Frorinzen waren, Staaten und Reicbe geiyorden, 
die, nacbdem sie der weltlichen Universalmonarchie entwacbMO 
sind, innerbalb welcher allein die geisdiche sich ilber alles aus- 
debnen konntei nun unfehlbar auch der voUen Unabb^ngigkeit 
von dem Ueberrest der geistlichen Universal monarcbie eotgegen 
reifen 9 da offenbar in keinem souveratnen Staata svrei Sduys* 
raine (neben dem recbtmSrsigen einbeimiscbe'n anch noch eio 
fremdartiger) in die Ltto^e anerkejiobar bjelben k6ttnen« 

. U. E. G, Pautuu 



uiyiiized by Google 



Des Faut«a m JH^** Woiio aus dsm Buoke das fiilotier* 1^7 

ffcrte aus i$m Buch§ ier BBekeTf oi^r Uber fV^h- ant 
MmutknM^mf m$^g0schri§h§n pom FUrtt^n 90n N***^ 
Urmig^oonDr. Aug* With. Tapp^f Prpfusor^ RUi9r d^M 
^^ Jwun^OrdmiSf mdbr. GuMnilu MUgU Dreidtn « M 
Jntold. ai6 ^. Sji a. * 1 Tblr. 

Der Voi nehme, welcher d'lese Maximen mit Empfinflnng 
lie(?acbt unil nach ihnen gebaiidelc hat, ist gewiis em Muisersc 
aihtun^swerthei Mann. Unfehlbar bat Fr auch dadurcli so 
viel iniiere 5elbstbesee]igung sich erworben, als in dem Ge- 
misch yon Bdsem und Gutem auf dieser Erdenvrelt erreicbbar 
ist. Seine SprOcbe erfQllen oft, was S. 48. 3)Die Bitte des 
Verfassers" wtinscht. Dat Bucb der Bucher ist ibin we- 
deiaUein das Bibliscbe, nocb allein das Nu litlnldische* Al« 
let. was der einzeineMenschengeitt auf derBatracbtung 8<*iner 
telbtt und der ibm mt^glicben Aulkern und innern £rfabjrungefi 
altmdglichy wirklich und ndtbig 9 als daSf was ist, was say n 
iina und was seyn soil, in seinam Nachdankan arfassan kann^ 
ittibm sain Bach dar fiQcbar^ aain labandigar und labenstbi* 
tiger Untarricht. Wir heben aua dem vielen acbfltabaran^ 
wat die Rel i g i o n betrifft , einige Stellen aus : ^DieRa* 
ligioa und ibre Foiiiien. Religion und Kuchentbuin 
vermengen , beiist : Wesen und Sache mit Form und Zeicbeii 
verwecbaeln. Reines Gold und reine Liebe, obne Zusatz, 
Lleib en immer was sie sind, und wenn audi ibre aufsereForm 
in unendiicber Gestalt erscbiene, Mit Religion und Kirchen- 
tlmm verbiilt es sich eben so. — Die reine Tugendlebre des 
[;ottlichen Su£tara unserer Religion ist allgemein -menscblicb, 
uiid desbalb ewig; sie erw^rmt und belebt alle edlen Filansaa 
im Keicbe der Geister, und erragt in ihnan Wacbstbum und 
irohlicbes Gedeiben. Pfleget sie also, diese berrlicbe Gottas« 
iebre , mit Einsicbt und mit trauer Xjiabe I Scba£Et Gutes , 
wiesia as gebietety im weitastan Sinna des Worts, und dia 
wahra Religion wird aucb erfirauen; und ain belebendas und 
HmmHscbes Licbt wird aucb leucbtan bis in aina bdbera Ord«. 
aung der Dinge!" — Sactengeist. Was ist aine 

&cte? Gewobnlicb ist es eine Anzabl Betrdgender un<fBa- 
trogener, angefuhrt und gepUlndert von Unredlicben oder Be- 
*^S8enen, Mit llttht bat also jedei IMenscb von Kopt und 
Herz einen innigen Widei wilJen gegen alien Sectengeist." — 
sjDie Gestirne des Ijebens. Denken und Arbeiten; und 
^ann: ]\lutb| Geduld [Ausdauer "^^J und Yertrauen auf 



^) Dia dfuucben Worte ; Geduld uiidpemutbi ala bii^llseba 



uiyiiized by Google 



l88 Det FdntcD Ton N*** Woxto wu deni Bqclw f er tSchor. 

Gott . • . das sind die leucbtenden Gestlrne in der dunklen 
Nacht des Erdlebens , die unsern Tfad erhellen zum wahren 
Leben im Osten der Ewigkeit," — „DieGotteseikennt- 
nifs. Erwirb Dir Gotteserkenntnisse durcb hohere An- 
scbauuiig Deines Geistes." So ist es. Wer kann Gott 
denken , wenn er nicbt sicb selhst als Geist, als denkend und 
*Woll«ndes Selbstbewufstseyn zu hetracbtaii gewobnt ist. Die 
meisten Keligionen und Keligionstbeorien bal ten sicb die Gott* 
hett niir vor als Intelligenz und als Macbt, das intelligirte ztk 
verwirk]icbe»i. Deswegen sind die meisten Keligioaen nut 
Verstandessache* Nur wenn der Geist auck das VVoUeiisollea 
])edenkt, und dann die Uebereinstiminung deg Wollens mit 
dem Sdllen als die bdcbste Vollkommenheit erkennt, kommt | 
' er dtircb hdfaere Anschauang dessen , was er selbsc seyn sollte, 
sum voll«n Idea) der Gottheit| als heiliger, woUendvoUkom* 
jnener Geistigkeir. 

Zu dem ersten Satz von Keligion und Kircben- 
tbum erlaubt sicb Kec, eine Bemerkung« Kircbentbum Ut 
allerdings die Uufsere Form und Gestalt, unter welcber die 
IleligtoAitUt einer Gesellscbaft erscbeint. So lange die Fora 
der Materie Gelegenbeit giebt, krilftig in die Erscbeinung, 
in das Xieben dberzugeben , ist sie gut, Aber bei solcber Mi* 
achuDg des Aeufsern mit dem Innern kann leicbt auch der un« 
reinen Beimiscbung (Legirung) so viel seyn, dafs das reine 
Gold gar schwer zu finden f nocb weniger zu benutzeti wSre« 
Gar nicbt gleicbgilltig ist*s deswegen , unter welcber 
Porm und Bezeicbnung uns das Wesen der Religion vorgebal* 
ten wird. Lessings drci Ringe baben viel Mifsverstand 
V^raolaTst. Sie set^^ea vuiaus^ dieFassung &ey h^i den dieiea 



^ufgaben hSttfig irie ^erboll ^ Teranlasten Tiele UifsTeniSndnlsie.* 
Soil man deon alio alles nnr dulden, nur den Moth uod die 
SebSttang desieo 9 was man io Wahrhelt'is r » n i e d e r d r S b'k en 1 

Ist das ,)ZnweDJg'' nioht eben so ungerecht, als das Zuriel ? Man 
begeht nur einen MiffgrifF in denWorten. Aber die Worte ver- 
kehren dauii such It^Iclit die Sache* 'Txcfx^vs^v, vvofXGvy^ i^t 
Bleiben, Beharren, Ausdauero, auch Tiahrend man unteT 
einem Uebel ist. TaxptvcC^^ocruvij ist im bibll clicn Sprachgebraiich 
nicht NIedrigkeit der Gesinnung (JMt dertrachtigkeit) , sondern Ge* 
sionuiig , Achtuog audi filr das IS icdere, al^o ^ei|;eci^le Schiitztfog 
^uob dessenn was siol) sdok^ selbst t% 



uiyiii^ed by Google 



Cfiocro d« Repnblioa •H* Lducf* l89 

,logleich gewesen, dafs man sie nicht unterscbeiden konnte* 
In der Wirklichkeit ist's nicht also. Nicht allzu ichwer vvird 
es, bei jedem Kircijciitlium zu sagen : dieses hindert tnehr, 
jenes fordert hcsser das VV e s f_' n 1 1 i ch e der Ileligiosi- 
t2t — die Erweckiinj^ des WillL-ns zur tUiitigen Gesiunung , 
dais Gott nur durch W ahrhaitigkeit des Geistes (welches die 
Kechtschaffenheit ist) zu rerehren sey (Job. 4, 23. Mattb. 6, 
33.). Wer sich nicht selbit tSuschen will^ oder nicht zuin 
iNichtdenken dartlber frdbe gttwObnt i$t, empfindet tief, daft 
kein Sufseref Geberdenmacbttn^ tondttrn allein die Entschlos- 
senheiC| imiDer das Recbta su wollen , dem GeUte Wabrbeit 
itt« Welches Kirchentbuai nicbt imitier dabin treibt, daria 

, vi«bii«br weichundnschgiebig isty daa bat dw Legirung zu vi«]* 

H. £• G» Paul us. 



X* Tutlti Ci00ronis H« Puhiiea quae su-pertwnu 

Vanstatem lectionis ex editions prima sumptam subjeeit f no^ulai 

Maji aliorumque sclectas nec non (?) suas cum Indies nommunt 
Jfro-prwruni addidit ^ tmendaye aliquot loca Lentavit J O. Frid, 
Carol us Leh tier J Gymn. Reg. IVlonac Professor* Accedunt 
variae Itctiones in Somniurn Scinionis nondum vulgatae, Solis^ 
iaci, apud J. C. da Seidel. MDCQCXXIV. Xil uiid 164 
ir. 8. 36 kr* 

EIne sebr braucbbare und dabel sebr wohlFeile Ausgabel 
^f'Li aucb durch seine Ausgabe des secbsten Buches des Fo- 
lybius ror(beilbafi: und rUhmlich bekannt^ so widfrttbsr durcb. 
seine von uns in diesen Jahrhiichern angezeigtd Philologica Cura 
(Monacb. 4*)$ fand 'sicb «ben durcb das secbste Bucb des 

^oJybiug und di« Aebnlichkeit der darin vorkommenden A«us« 
^^rungen mit denen des Scipio in diesem Ciceroniscben Werke, 

von A. Majus man<;bnial flberseben worden sind^ veran« 
diesen Fragmenten des Cicero eine grdfsere Auftnerk- 
'^tnkeit zu widmen , und sie endlicb berauszugeben, ungeacb* 
teterdazu eben nur wenig Mufse hatte. Was er nun dabei 
g«tban und thun vvolltc, sehen unseie JLeser ara besten aus 
wlgendem StOcke aus der Vorrede, welche sie zugleicU als 
Cine Probe der Schreibart des Hrn. L, hinnehmen mogen : 
M'..;ata i^itur orthographia ^ srihjecta varietatd lecUOnis ^ capitunxque 
^^^mariit Go»Jlat.ii$ notulas pastim addidif quibuspaHimteti^ 



lyiii^ed by Google 



rofiti imI 0iliarum scriptis qttmt mpim essentj afferr&m'^ partim mtm^ 
dandi rationem proponerem, ^uue tamen notae , 

fuissent^ quamquam non temcre jacias ^ quasi irrepsisse putes velim, 
lllud enim consecuturus Jui^ ut editio haccce et miner is quam 
princeps ematur^ neque tails sit^ quae nihil nisi integrum edidoms 
principis contextum exhibeut ^ quaque nulla magis esse incommoda 
mihi vidcatur \_qua — Mciur vvolJte er wobl schrt*il)en? Doch 
der Leser stalst wohl noch otter an diesem Bruchstiicke der 
Vorrede anj. TuUm emm eui aptam esse censeas ?■ Philologi nimi- 
ram quuBrmtt^ tfuid eodUU sit^ quid Miui, In eo namqu9 pec9ant 
MaiuSf quod sua Us quae codicis sutUp ffotsim inumdscuitm Tumst 
varOf nse non 00s $ qui res potissimvm eurantf oportet oxspectare y do- 
nec nuUtorum opera in his /ragmentis consumpia vunus mendoso all 
€Ont0xtn liceat. 

Die EinrichtQiig der Autgabe i$t nun folgende* Jedes 
■ Kapitel bat eine Ueberacbrift ntit Inbaltaangabe^ wo seltia- 
intfr Weise bti jedem Kapitel die Kapitelsabl sweimal steht, 
jiMmlicb vor der Jnbalt^angabe ond nach derselben; am innern 
Bande ist daf Kapitel in Paragrapben abgetbeilt, am flufiecn 
ateben die Seitenzablen des Manuscripta aua der Mai'scben 
Ausgabe. Unter deoi Texte ganz kuize Noten , welche zuia 
Theil die verschiedene Sclircibung der Ilandschriit , zum 
Theil die Sprache, zura Theil die Sache betreffen. Benutxt 
hat er , aulser der Ed. Princ. selhst, die Creuzersche llecen- 
aion des Werkes in diesen JahrLiichern l823« No. 4 u"d 61 
urid eine in der Jpnaischen Literaturzeitnng, Der Text ist 
bier und da verbessei t , itnd die Interpunctioii hSufig herich- 
tigt, auch ist nicbt Alles, was A. M. aus dein Augustinus 
11, A* swiacben den Text aufgenommen bat, von Hrn. Xi. auf- 
genommen worden^ s, £• 1. 25. am Scbluase, wo er sagt: 

oquidem purgandum Ciceronis contextum non sine causa censui. So la* 
Iconiscb aind gewdbnlicb aeine Bemerkungen. Ueber die Ver- 
. 'd&cbtigung dea Sonm. Scip. durcb einen geviriaaen Hyperkriti- 
kery wo nicbt Afterkritiker o^^r Kritikastir in Seebode'l 
kfitiacher Bibliotbek aagt er kein Wortf es wSre aber aucb in 
dieser Auagabe nicbt an aeiner Stelle geweaen. Eine aai« 
fObrlicbe Widerle^ung verdient jenea Geacbreiba aelbat in 
einer grOfseren kritiscben Ausgabe nicbt, sondern Viur eiaa 
kurze Abfertigung, Nach }enen dort Leiolgten Gi undsatzeft 
getraut;n wir uns deni Cicero z, B. einen grolsen Theil def 
Werkes de Natura Deorum , ja manchem iebenden Schrift- 
atelier aein von ihin aelbst herauagegebenea Werk^ ais mil 

f 

I ■ . 



Digitized by Google 



seinen Tibrigen nicht gans barmonirend 9 als unScht nnd ihm 
untergeschoben zu erweisen. Doch zuriick /.u unserer Aus* 
gabe, aus Her wir noch einige Stellen ausheben und init un- 
sern Bemet kunoren Legleiteii wolleii, da sie fiebr hfiaclitet und 
^erQcks^chtip t zu werden verdient, und Studirenden beson- 
(lerg auch scbon ibres woblfeilen Preiaea wegen su empteblen 
ist. L.I. 2. 6* ^aas stt 0uim istorum oratio torn '09oquUUam 
Das ist die allc in ricbtige Lieaart dea Codex von der swelten 
Hand, die A. in den Add. aelbat billigt, ungeacbtet iin 
Text da» acblecbte ^om stsnim ittarutn «tc« ateht* Hr« Ij« aagt 
von dem leurern: fiioa Ucth eui jfottpoMttdm^ mhU vUU haieu 
Coaft Liv* XX3« 39* Otium '0t»nim ex Mortp eapia es^inetpia 
. • • « • corpora ffarw movehant^ Wenn Hr, L* weiter nii;fats 
wollte, ala beweis«n, dafa eietdm an der sweiten Stelle atebea 
teflne^ so konnte er dieBewelae n3ber baben, und braucbte 
oicbt bis zum Livius zu geben. Cicero Or. pro Coelto III. 

*3gtJ sunt eteniin ista maledict a pervulgcUa in omnes, Aber CL* 
zeigeuns eimual eioeu solchen 1' ragesatz , wie das quae t'tt-n'mt 
etc. ware, nnd zwar nicbt etwa bei Cicero 5 sondern, weiiii 
er einen iiiidet , aucb aus t;inein spatei en Scbriftsteller. I. 38. 
p. 99» ed. prinC et illud vide re jf, in animis hominum resale si ^ 
imnemwi 5U» Uier haben £.inige wohl allzu begierig eineii 
lieleg zu Hnden geglaubt^ dais aucb Cicero est vi<UrOf nacli 
dem Griecbischen sVrrt' <3fi7vf wie Gellius, gesagt babe, Aber 
; A.M« giebt aelbst an, dafs die Handscbritt babe widest in ani» 
welcbea er in den Add* init Recbt in oide si Verwandebi^ 
uoddann das apStere si wegatreicben b^fat, wie aucb Ilein. 
ridi und SchOta getban baben, und in dem scbdnen Heldel« 
^«i'ger Abdrucke (bet Groos 1823* 12*) « «U«*i andern 
Uoiien Textesabdrflcken yorsusiebeu iat, nicbt vergessen 
viirde. Hr, 1», scbreibt Ulmd vUs^ in mumiM — rsgtdo si tin-« 
V«nmsit^ I. 4i« bat der Codecs : peetora dia tenei desi» 
^•riamj sicut ait Ennius p post optimi regis obitum ^ simul inter 
*t?, Im Text giebt A. M. die VVorte slcut — oliium vor 
ptctora; und diese Wortsttllung bebSlt Hr. JL. iin Texte, po- 
l^misirt aber gegen den Gelebrten, der dem Hrn, A. M. dies 
*u thun geratben bat, Lieber batte er die Wortstellung der 
Handschrift geradezu hersteiien sollen, wie A. M. in den 
Verbeaserinigen S. 336. ausdrf^cklicb tbun beiist, was Hr. L. 
^if'erseben bat. II. 11, ist eine kleine Verwiirung. A. M. 
I^t^lu : set a vita hominum ahhorrentem et a morib us p sagt aber 
der kritiscben Note^ der Codex babe von der ersten Hand 
**^»ioribmif voa der sweiten marihui oboe l^jrKpoaition. 

% 



Digitized by Google 



193 ' Cic. do Republica ed. Lehner^ 

Hr. L. aber glebt an, der Codex habe von der ersten Hand 
wie die Ed. princ. a mo rib us. Dies ist lalsch, Aber recht 
ist, dafs er, wie Heinrich, das a weglai'st. TLI. 28. hat 
Hr. L, aiizugeben vergessen, dafs die SteJle Cujus etiam focum 
etc. aus dem Nonius Marcellus v. apud ist. V. 5. giebt A.M. 
larum Jamiliarum nacli der Handschritt, sagt aber in der kriti- 
schen Note nisi mavis familiar ium. Das letztere nimrat Hr. L,, 
wie billig, aiit*, sagt aber in einer Parenthese in der Note 
dazuy oppos. deorumj welcber rarenthese Sinn schwer ab- 
zuseben ist. V. 7, sagt er , das Fragment aus Nonius voc, 
contemtus babe er in der Ernestiscben Ausgabe nicbt gefun- 
den. Allein es stebt in den Fragmenten des ersten Buches 
l)ag. 1149. ed. min. VI. 12. Die berilbmte Stelle imSomn.i 
Scip, , wo die alten Codd, baben et parum rebus, audita cetera^ 
die neueien et pax sit rebus ^ audite cetera baben, giebt Hr. L, 
mit A. M. nacb Boubier : et parumper audite cetera, Einfach ist 
diese Emendation, und giebt einen leichten Sinn, immer 
Lesser, alswenn man nacb parum rebus e'lne Aposioi^ese statuirt, 
supplirend animum advertite ; besser aucb , als das so vielfacli 
emptoblene pax sit rebus ^ wo erstlicb das sit rebus anstcifst und 
niir mit Miibe nacb dem Beschwicbtigungsrut'e pax erklarti 
werden kann ; zweitens aber das pax selbst nacb der Bitte: 
quaeso, ne me ex somno excitetis ^ seltsam auffallt , und man eher 
erwarten sollte : leniter arridens Scipio 9 Paxy inquit, ne me e 
somno excite tis. Was Cicero gescbrieben bat, mcicbte scbwer 
auszumitteln seyn. Scbwerlicb hat Heinricb das Wahre 
getrofFen, wenn er scb*reibt et rumpatis visum; dasBeste 
aber bat er gewifs. 

VVir brecben bier iinsere Bemerkungen ab, und setzen 
nur nocb binzu, dafs wir mebrere recht gute Anmeikangen 
und Vorscbliige, mit denen wir ttbereinstimmen , ilbergingen 
hab en, um nnsere Anzeige dieser sebr empfeblungswerthen j 
Ausgabe nicbt zu sebr auszudebnen. 



♦1 » • * ■ 



M M.Q i d 6,1 b e r g e r 



Jahrbiicher der Literatur* 



1} Memoir^ $ur ia vie §t hi (tpmUms i$ tjtti^Ts9U ^ Philosophy 
Chiaou du Vl» tiecle avant ndtr^ lf«f ' ifui ii professd hi cpitthnk 
tommune'm^nt attrihueas a PythaptfB'f U Phuoh ttt h Iw^i iUt^ 

ihii* ' '«4 ^. In 4. ' ' ' 



'd»$ notes M tifi JehSrchMenitM , prnt JV^' jih^t ^ As.mM9m^ 
Bocteur en meMmf d$ U FwniU PmfU^ th V^dmdmU^ Bs^ 
' yah dt$ ItucrtptUmt M Bdhi Lewr^tf h$mmr Royal et Pnt/wi^ 
ttar d» C^jflofr H Ih T«n«rti Mandichoa* ma College Roytd do 

w ^. wi 8^ • . . 

■ 

Wir hoffan^ diajfa keiQam Aet Leser iieher Axizeiga iet 
Name dea beriihoiten VeVfaaaara dieaer Abhandlangen uiibei* 
^annt aeyn wird* £r gehdrt, dbiie dab darfiber ein Zweifal 
obwalten kdnnte , nicbt bloa den gelebrteataa Orientaltatelk 
tiaierer Zeit ^ aondern aucb au den geistreicbatan (jeacbicfat^ 
forscbern f ein^a Vatarlandea* i!)a aa ibmV jedem '<cht«ii 
Cdehrtedy inioie^ urn die ^acbe^ nie lim das bios ZufSlllige, 
Was herunaliegt, au thun ist, so wells er den anscbeineiid 
^rockcnen und weniger ergiebigen Gegenstcinden dert Geist zu 
g«^ljen^ der in ibm selbst ist ^ uhd dessen die Sache am £nde 
lie erinangelt, wehn man ibn nur in ibr au'finden Wfeifs. 
Wenn wir aus der Masse der Scbrllten, durch welcln- ^^er 
^eriUimte Verfasser eine Zierde dcv Akcidcniie ist, zu d *t er 
gflicirt^ die obigen aiwei vorliiurig herausbeben, so geschieblr 
der et^enten beaaeren Vertrautbeit mi€ dem Gegenstande 
^alber^ nicbt » weil.aie etwa and^reii^ d^neii gleichea Lob iau^ 
koaiint| den VortBng atreiti^ macben, 

I. Der Verfaaaer aagt tm £ingaiigef dafa $6 hSuiig twi^ 
schen Gedanken^ dia tm Oi^ente vork6miiieji^ iind ^olcbeh^ 
^aaicb dev Occident afa ihm gebdrig vincfictrt, aiiia Ueb<»r- 
^iottimmung gefuiideii wardat die Hicht damblbfaan ZufnUa 



uiyiii^ed by Google 



* 

Aieser schlecbtesteiii , ErkMtotigsweiie , zu8ii«cbreiben sey. 
£indat flicb aolcbes vor^ iO niuft die Mulsere Kritik zunftchst 
darsir.gebei}^- und Qrsprung, Alter und Autbe^ticitiit lihter* 
eucbam £a tae^dah^isarbirftrtab inlildiefi hlidObthaoft-W 
gegnat^ dafa ain &u(aaraa Xnaammantratfen nit Satsungaa 
drialHcbar'Do^matik, dder eturopftUcbar PUloaopbiaj qbne 
dafs die gewaltige Kluft dea Uateracbiedea featgabaften wurde, 
zu gevvagten Voraussttziingen ftibrte, Diese Missioparien 
baben sicb| vvenn von der chinesischen Gedankenwelt die 
Hede war , zu sebr an die Scbriften des Confucius und seiuec 
Scbiiler gehalten , und so kam es , daft der Philosoph , von 
dem bier die Rede ist, , weniger bekannt gewuiden. Lii-eul 
oder gewohnlicbar Lao-tseu lebte im Anfang des sechsten 
Jabrbuhderts- voir der cbriatlicben Aera^. -ximl.wird nocb bame 
•Is Erzvater uiid A^fdrmator dar. Sacte Tao-s^a fngeseben ^ zu 
Hr^lcbar AUa gebdtan^' die wedar .alll Q^l**))^'^ Confucius 
noch'aonat an die. an* HiJidoatan atMnmende Aeligibn dea 
Budd^ia aicb anacbUaraaiu Iiao»t aea iat nicbt bl^a. ein vod 
Coirfuciua aalbat ^aur Aatba gaosoganer ^Fbilpaopb , er iat eine 
der Manifestationen der bdcbsten Vernunft , welcbe dieTao-ase 
rdttlich verehren. Dieser duppelte Character umgiebt sein 
«eben mit einigem Dankel, indem die Gelehrten ihm eiii blos 
gewdhnliches Schxcksal , mit niclit herausznbebenden Particu- 
laritJiten veileilien, die eigene Secte dagegen von ilim in wuii- 
derbarer Weise spricht* Dafs seine Existenz bistoriscb un« 
« liaawaifelt iat, bezeugt, aufser aeinen Vcrtbfiltnissen su Con- 
jpucius, dar S'se-ki des Ssa«mattii'a'Ay der der Harodot 
Cbina's geworden« Nacb diesem wutde Lao-tseu gegao 
2aa£nde dea aiabenteh Jabrhundarta ' vbr Cbriati Gaburt ae- 
liorent und awar im Flacken Li , einam Orte dritter Claaaa. 
Sain Familianiiaiqe war JUiy aain par>dnlicbar . Nanfe Suly 
' aain Ehrannama^a-yang, und adn Tital naeh dam Tode 
Tan. Am Hofa der Tcheou bekleidete er das Amt eincs 
Historiographen, Confucius befiagte ihn urn Ceremonien, 
jenem Lebensprincip der Chinesen , und Lao-tseu scbeint 
ihm Strafredeh wegen seiner iibertriebenen Anbiinglichkeit an 
das Alte gehalten zu haben, Er beschaftigte sich viel mit; 
selnem Werke tiber die Vernunft und Tugend, und aucbte 
a4cb ao viel als mdglich verborgen an balteh. Docb am igrirte 
-er aua den Staaten der Tcbeou^ und pablidrte awai TbeiU 
aeines Warlcea in«mebr als ficbttausend Worten, warauf ei 
gSnzlicb varacbwand. Diea aind die einkig faiatoriachan 
Kacbriebten a^ar ibn. Daa Fabalhaften ^tabt ea da^egee 
rnabt* $eiiie ASut^^f sqU ibn eia und aahtaig Jahre in ibreiE 



^ kjui^ .o i.y Google 



AM Roantftt flUr eiAigt tliioeiiitlt^ W«iib4 t95 

I 

Mioofsa get^ftgeti haben, weswegen er Iiao«tt«^u^ dat greUe 

Kind, genannt wird. Nach anderem soll-er, derhierToai- 
cli a n g - Li a o , k i u 11 , oder der alte sehi erbabeneFQrst j heifst, 
viele ^Uenschwerduhgen eif'ahren haben. Er exiatirte^ heifst 
es, von Anfang ati , war aber noch nicht durch deh Weg der 
Gehurten gef^angen; es ist kein Jahrhundert, in dem er sich 
nicht gezeigt hatj iind zeigeu wird, Nach deiselhen Tradi- 
tion wird er zuletzt^ nachdem er die Barharen bekehrt bat^ 
Buddha, utid ea iat a«hr wahrscheinlich^ dafs die Tao^aae^' 
die indiachtf Voratallungeo aufnahmotiy ale nicht besser zu deti 
ibrigen tnaelleii 'kotlnten, ala indi»iii aie den Buddha in eine 
der Incai-nationen ibrea Ijao-tieu Verwandeltcli. Vialleicbt 
aind aacb jedeamal, W^nn aeitie Labra^ in China Dau aufiabM 
add dcfavrung arbiale^ dia Hkuptar 4ar Sacta ala eir aalbat aii« 
geteben itrordan 4 ao dafa at am £nd« mit datti gaosan Raic^^ 
thum aeiner Nachfolgat angetban aracbtaaKi 

Yon dem Bucbe dea Lao-tiea fiber Vatriunft utldTiigand 
lind tWei Atlsgahen auf der Kdniglichan Bibliotbek au Faria } 
die erste ist von 1627, in zvvei Biinden, mit deii Noten und 
tleiu Comjtientar des Kad - choii - tseu von Sou -men; die an- 
dtre Ausgabe iat in dt^r Sammlung der Tseu ^ das heifst der 
Pbilosophen^ die vor der grofSen BUcherverbrennung lebten. 
Aurserdein enthiilc das 2 lite Buch der Bibliotbek des Ma- 
tuan-lin eine genaue Notit Oher neimzehn Ausgabeii diesea 
Bucbes^ das zu den Kinga oder classischen Grundbilchern ge« 
bdrt (es beiiat Ta 0- t^-kin g); £s ist nicht aasgemacbt^ 
&ber wabracbeinlicb ^ da£i der Tab«te«king deni Sdbickaal 
terbrattht tu vrerdeh antgifigf. indem Kaiser Cbi»brang«tt 
selbst au den I'ao-^ae gehdrte. Das VYort Tao^ daa in dem 
. Bucbe eina a6 tirlcbtige Aolie apielt, heifac aiii Wag» elnVarii 
bindungamittai , abgeleitet daberi Wdrt, VarnuAit^ Kdpf# 
Anfang, t)te Secta fad-aaa gebriuaht daa Wdrt abet tm 
Stnne det Ur^arnunftl weli^e die Walt geachaffen bat und 
ausamniefibSlt. t)ahet darName l*ao«asei Secia daa Tao. 
Ueber die verschiedeftartige Bedeutung deS Tao sagt Lfaa*tSect 
im Eingahge seines Buclies : „Die ursprilngUche Verriunft 
kann der Vernunft uhterworfen seyn, und dutch Woi tc aus* 
gedriSckt werd^n ^ aber sie Ideibt erne tibernaturiiche Ver- 
nunft. Man kann ihr einen Namen gehen, aber er iSt uriailS- 
sprechbar. Ohne Namen ist sie das Princip deS Himmcls und 
derErde^ lUit einem Namen ist sie die Mutter des Univer^ 
ftums. Man mufa laid^nscbaftslos aeyh^ utn ibre YortreSli^* 
l^ait aiisuacbauafii iuit Laidenacbaften behaf^et , wflrda ntan 
&ur ilaen wantgartdUltoiiifiialiaii Zuatand batracbten«« tiarr 



uiyiii^ed by Google 



id$ Abel Eemum iibec Vmi^ oiunesix^lM Wef ii^ 



AaoRMt glatdbty idaft diese Uebersetsang nicbt gans surei- 
•cband aey 9 er fflgt claawegan eina lateinjach^ Version biazo, 
indem 0t maint , die eriechtacba sey vielleicht die einzige 
Spracbe^ die ffir die Ueberaetaung genOgen kdnna, ..Tao 
entsprecha uMmlicb gan« dem griecbischen Aoyo^j dem 4e« 
PJaton oder des Johannes, so vvic dem allur andt^ieu griechU 
achen Piiilo&ophen. Dafs der Tao zugleicb einen Namen babe 
und keinen , finde sich auch in der Philosophie der riatoni- 
Jter, je vor oder nach ErscbafFung des Universums in den 
h^lden Damiurgen vor, uud lasse sicU mit den beidun Welten 

• irargletcbeoy welche die Pbilosophie der Barbaren nacb C!e- 
nens ron Alexandria (Scromata 1. V. ad. Potter, p. 702, 7o3«) 
anerkannte. Die Leidenacbaftslosigkeit^ welche man nach 
'Fytbagoraa baban mulatay um die Harmonie des. Universums 

' genftelaan , treffa aacb. mit .der leidantcbaftaloaan Batracb- 
tung daa Tao susaisaian. £ioe andere Stella dea Tao-kio{ 
ist nacb dem YerCUsar gans mit Platoniacban Vorstellungen 
tlbereinstimmend* Ea ist folgende : ^Vor dem Chaos, dai 
^der Geburt des Himmels und der Erde voranging, war ein 
•^einaiges unendliches und verscb wiegenes Wesen, unbeweg- 
„lich und imnier bandeJnd, ohne sich zu verandern. Man 
^kann es als die iVIulter des Univ ersums Letrachten ; ich weils 
^den r>jainen nicht, aber ich bezeichne es durcb den Namen 
s^Vernunft, Gendthigt ihm einen Namen au geben, aanne ich 

-^aa-Grdrse, Progression, Entfernung, Gegen- 
^aatz. £s giebt in der Welt vier Grofsen : die Vernimftt' 
^dar Himmelf die Erde, der Kdnig. Der Mensch bat sstn 
^Muatar an der Erde, die Erde am Himmal^ der Himmel an 
,,der Yarndaft, die Yernunft inaicb aelbat.«< , Herr Remusat 
geataht, dad die Hinsufugung dea HSniga eine Originall chi^ 
nesiscbe iey, wlis-^^icb auco vielleicbt noch von Anderem aagw 
iMfst. Der Satz des Tao -king : „Die Vernunft hat eins her-i 
vorgebracbt, eins zwei, xwai drei, und drei alle Dinge", 
l'A[st sich allerdings auf die Lehre des Pythagoras zuriickiulj- 
ren. Die Zahlenlebre ist bei Lao-tseu eine einfache 8yrabo-l 
lik gevvesen, die erst spiiUrbia in unendiicba Subtilit&tea 

•Umgestaltet worden ist, 

Eiaa andara Vergleichuns biatat folgende Stalle des Lac 
tseu dar: tsDer, weichen ibr anscbaut, aber nicbt sebet, 
haiist If der 9 den ibr hdrety aber nicbt \reratebet, heifstHif 
der, dan euro Hand sucbt^ aber nicbt fassen kann, heif&cl 

. Wei. Ea sind drei Weaan^ die man nicbt beeraift^ and diej 
im Grunde imr aina sind. «« Herr Kemuaat auiSt mit dem ibdl 
ganz eigentbiimlicban Scbar&iiiii an idigaii.| daJa daf trigranf 



I 



» 



fhatischd Name I-bi-wet der in so vielen Verwaacllungm 
wiederkommei^de jildische sey. 

VVie aber ist dteae den Meiaungen occidentalischer Phi* 
loiopben und vordentsintiicher Religionen verwandte Lehra. 
su dieser VerwandtschaFt gekomaien Diea ist die Frage^ 
<!ie Herr Remusat am Eiide auiWirft. Die Reiie d«s Xiao-ts«a , 
i^ilt spacer , ah die Vollendung seines WerJkii; ober tollte M 
nicht denQpch etn Bowels seyn, dafs Lao-tseu .gerad« sein* 
Aleinungen aas den weatHohen Gegehden hatte , und dafa w 
ipltar nur dieaie Aeile-' untern^boij ua ifare QuelU waiter su 
ireyfolgen (S. 48.)« * Auch dieae Aelaan, auch dia Yarwand* 
hmgen , ron daneo dia Sacta dar Tao-aaa aprtchti geban* ilun 
fine Aehnlicbkait mit Fy tbagoraa , daaaan Zaitgandaaa ar obn^- 
bin nacb allgamatnar Annabiaa- Mr. * HUr kdnnlv- man frai* 
ikb den hescbeidenen Einwurf macben, daCs das^ was dia 
Philosophie iiberhaupt unterscheidet , nur die Form derselben 
ist, dais man also iui Grun4« "icht dasselbe in zweien I'bilo- 
SOphien ocfuncieu hat, wenn man einen anscheinend gleichen 
Inhalt sieht. Dieser Inhalt vrird durch seinfc I'oi iii seTbst eia 
anderer ; man braucht hier woh) nur an die indische Trimurti 
und an die cbristliche Dreieinigkeit zu erinnern. Doch ist ea- 
eia grolsea Y<i(^i^<^*^t ^i^f^be in Yai:4cbi«cl«aQq[i d^vt^'* 
auweisen. 

11, Aucb dieses Werk gfbdrt der Secta der Tao-sse an. 
Toran gebt eine Vo^teda dea Katsera Gbun^tcbiy die eigenU 
^c^ ffir eine ganae Sammlimg von, inoraliscben Bllchern be« 
sU4im( ist, wa]cbe aber die Seetirer dieaem speclell TOraeta^ 
tate): und eine andere dea cbinesiscben Herausgebera* ' Dt« 
Sitri^en nnd Belobnungen atnd wie der Scbatten « der demkdr« 
per folgt, und daber gana identiicb mit tbm ist, Drei Dienes 
aSUen die Sttnden oben , aufiier dehen, die Im Kopla dea 
Henachen selbsfc^sirid ; ein grober FeWer Jcostet zwolf Lebens^ 
lahre, ein kleinei uur Imndeit Tage (S, 22.)» Um ein Un« 
sterhiicber des Himmels zu seyn, mufs man dreitausend gute 
Handlungen begangen haben , um ein Unsterblicber der Erde 
zu seyn, nur dreihundert. Es gehdrt zu dea Lias tern , nacb 
Norden zu Tin spucivcn, sich zu schneiitzen, zu pisf en , oder 
2u scbirnpfen. Darin bestebt vielleicbt das Unterscbeidende 
^er cbinesiscben Moral und jeder andero. Diejdnigen , die 
Mora) und Religion atets far eins balten, die im Cbriatentbuni 
nichts Hdberes kennen als' seine Moral, kdnnen aua diesem 
Bucbe lernen^ dais die cbinesiscbe MoralitUt nicbt sebr uhteiw- 
^eordnat Ut^ und daTs daber der Voraug dea Gbristenthuma 
wobl in atwaa Anderein Kegen muA. Man kann bekanptant v 



uiyiiized by Google 



ohiie paradox zu seyn y die MQralit|lt ist aherall 4i^^^l^^* la 
China ist alles moralUcb. * 

Jtiemusat gebiihrc das eminente Verdienst, dafs er 
liicht) wie frCihere Geiehrte, im Geheimnifs der chine- 
fiscben Sprache zii seyn vorgiebt^ unci daher aui: die fast un- 
indglicbe Erlernung derselhen gar hescbeidentlicb aufmerksam 
nacht^ aondern dais er in Scbrift und Wqtt bebauptet, dieses 
Vorg«b«h aey Cb^irlaUnerie und Unwissenbeiti und yUlmebr 
9ei£t» wia iri«| letcbter aich an diese Spracbe and LUttratury 

nat fin <|]Ie anderen prientaliscbjin berangeheii laaae. 
rattet dadiiccb die W<ird« *4ea Gegenalatideaf deoi er. aeja hfi* 
kan nit groCier Hipgabung gewidinat lial; dann w«9 ain our 
Wentgen •nahOUbarea Qabamnila i|t , varliart dap Cbfirac^er 
4ea WiafaiiacI^(li9t)?iQ und VVi4aanfVfart)ie^» 

4 

JJlispuCationas Ueracliteae, Partieula prlma^ de doctrinae 

racliteae principuij qua ad solcmnia gynmtuii Crucenacensis ceU- 
ftranda — invitat Theod, Lt^d, Eic hhoj/t gymn^ii coil&^(^ 

Mit Hinweisung auf Scbleiermacber's geschatzte Unter- 
tuchungeil fibar . diesen Gegen$tand (s. Wolf's Museum der 
^ItertbumswistaQScbaft Bd. I.) erkl|[rt der Vf.9 ar baba aicb 
nicbt befreunden kOnnen mi( dar Anaicbt; nach welcher dec 
fiaraditiflcha Hauptgedanke von dam bestMndigen Fliefseii 
•dar der immarw^braodan Bawagung der Dinga vbrnebmlicll 
dwrdb dia Anacbauupg dar Natur^ und aua 4aA/wahrgenoffi« 
nanaii yar^ndarunean dar J^uftenwelt alcb aoUa antwickjelc 
hahanj und qiaiat dagegen in dan ontologischen Abatractionan 
davEla^ttkar dai| wahran Anknfipfungspunkt gefunden su ba* 
ben flQr dia Baurtbellung der Lehre HeracHt's, ;ndeni er daa 
allerscbdpfende} die Verneinung oder das Gegentbeil desSeyna 
aussclill elsende , jede niiheie Bestimmung seines Wesens als 
eine iiinschrankung der Realit^t entfernende £ins des XenO* 
pbanes als die negative Grundlage derselbf^n hetrachten will* 
Zur Verdeutlicbung der Lehrsatze desk, Xenophanes fligt Er 
denselben einige dem Inhalte nach ihnen entspi echende Verse 
des Scbdiers jenes |:'hi}ojiqpben f des. li^annenides , bei, welcht^r 
den Begriff ^cb Eineii verlasn^nd , unoiittelbaf von dam Ee- 
gri|Fa daa Scyanden auageht « und hui wa)chaai der trennenda 
GagenaaU dea Seyna und Nicb|aeyna nQch acbarfer und be* 
atiimi|t«r ^% ifl^m l>a?Tprtrilt^ {ifniarl^t fi^ar ?uglcipb, 



uiyiiized by Uoogle 



Sleliboff Dliiliiltti<»iiei H«r«dltciw* 199 

vr!e dl« B«faaiiptungen dei Ptrmenidei von Tlato wtdtrlegt 
wordert seyea. : ..Ui».die««s l<^»tdre gisfiauet za Detgfp^t . bftfic 

Er die Stellvn au& tlato's Sophisten au« , wo in der Parmeni* 
deischen £inbeit ({t^s Alls da& YerbSknirs eines Ganzen zu. 
seinen Theilen nachgewiesen , und wo vermittelst einer Ana* 
lyse des Bt^gritfi.der Verschiedenheit g^^gen i^ariupnid*?s darge- 
tban vvird , wie au<?h dem ^icbtseyenden (namlicb den nega- 
dven Eigen«chaiten der Dihg«) .ein .S<iyn 9ukomaie y und dem 
&;yeaden ttin Nichueyn i(iMgiittva Bi^stimmungen) ; erinnert; 
-iodann an die^ daiiiitflibereinscimaMiidt Dialektik in 4aiii Go-* 
ipftcba fi^aiMiidetf nnd lifst aii ^ aich widerapracbeadaii 
FolgeruBgoa ^ sntt wclchen dieMt Geimr^li tticht«ao lyobl 
'Snoii gabrtt* ids abgidirochan istf die- ycriiitttGlii»|^. u»d Aq^ 
gleichung dift Wideripruchi sick anreiliatt dutch die (von einem 
^iter liegendefi Scandpankleiaiia.gefafite) Idee dea Seyen^ 
den, iu wekber aich alia Gegenifltuildarchdringea und ainU 
gen, Hiea^it, g]aulit Hr. sey die Hichtun^ der Specula* 
tion angedtfutet, durch welcb« aicU aus jenem Emen und Seyn 
der Eleratiker der demselbeti ejitgegengesetzteliegriff entwickelt 
habe, so dais aus diesem die voilondete Idee dea SeyiiS , das 
onrj; dei I'lato , babe bervo rgelicn konnen. (Aus diesem ? 
etwa (lein BegriJtfe dts iS ichtseyns fur sicb gedaclit 1 Der Sina 
ist wobl vieluiehr : ans diesem, indem er init jenem znsani^ 
men^efdfst wurde; ratlliste denn vermage eioei^ unwiliktibr-, 
lichcii Scibrep tion. ^w-as v^n den^l^ehcs&taen der neuesten Pbl« 
loiophie^ WeMie daa Abaolute aua. dem Nichtt becrorgahen 
iifat, bier ein^eflosaen aeyn.) u «fiben dieae von Plato wissen* 
tcbaftlich evkpunte Wabrlieia.^mn^' 'aag^ derVemL: wiedereia« 
lenkend Vei»]4av dM Spltera vmusaebtetmdeiii Digreaaiim 
fiber die altoftbKge AuabHdnng uiid- V^orltandun^ der Lm^ Ton 
deM'tn die^-Ubbaii; der bikbstsn 'Idee* sich aufldaradan fiegeiii» 
•llUen,' «^wjbeii dieke'-Wabrbeit-eey acbon frflber V0f»-deai 
^kfaiftnigen-'HetaoHt aufgefaf^t , und in einer conoveteHf .oft 

4l|id]icben Sptacbe angedeutet worden. ^ 
' " ' Da der Verf. hiei die I fauptautgabe der PJatoniscben Dia«» 
lektik, wenn ancb nur im Vorbeigeheny berdbren wolite, so 
bUtte Er nicbt'tinterlassen sollen, das Verknapfungsverbaltnils 
der Ideen d^s Seyns und des Nicbts^yna etvvas scbaiier zu be- 
Itimmeny die Beziebungen in ibnen kenntlicb au macben^ 
durch welcbe der Einigungspunkt fUr eie gegeben iat| was in 
wenigen W^rten bHtte geacbeben lUlnnen, flato uateracbet^ 
de( namliob in dem Soi^itten , wo er gewiaae B^tiCi mit: der 
'Idee dea Sey en den, ider dea Vetaobiedeiken u, s. Wi ausam* 
"MiMlf^ «k#rali $9}ikt genau vote de«i^e9eatUcb&ina u«d daf« 



Digitized by Google 



§9^ SMilMff PiipvuiioiiM HmflUttae* 

«dlfeeiM7^ liiit *einer Ides das blofae Tbttlha^ea (Mfr^«v) m 

ein^t Idee ; und weit entforrtt^ ein unbestimintes lneinand«r« 
aufgelien der GegensMtze zu b^absichtigen , denkt er sich viel- 
jnehr die negativ^e Seibe der Dinge dadnrchy dais er auch sic 
ala real aneikennt , als vorr dem Urgrunde-alks Seyns a]»han- 
^'g (als theilbul)end an der^Id^^ des Stfynfif)^ ohn« iii^ngens das 
Daseyn d«r&elben , deii ribr «iiJBoiii«i^[uieii;:J3baraktec d^r 
W i rk 1 i c h k e i c th 1 1 i b r . t *« 1 b 8 1 oHer tbr^m :W le • e n sin 
V^^Wecbseln. (Es lieft^ sicb biermit in l$«rbiiid<ing set^M^i 
wai 6ir <lb«r daa^ p4^t» blo£i»e V«En«iTi.ung des bestioiilitcii 
Beyti^i' tttid aU das inateliaUfjEriiicip acb^iot gdehxt 
l)en ; ' •/ >dl«' Ant«ige der ii'eueU»ii UDt«rsudntngen Ten Braiir 
*dis in diieaen JabrbllclMP« 1^24. No. 53 ). . 

Dafr Hevaclit von den LehrsMtEeti i^d^ Xetsopbam 
wohl Kenntnifs gebabt haben ruiUse , wird^S. 11, aus d«r Ail, 
wie er seiner erwSlbnt, gefolgert (s. daa Fragpi. bei Diogen, 
Laert. 1. JX. c. 1. 'Kohifiat^ivi voov ou ^bla-vtu. JL>ieses , setzt er 
hinsu, bewUbre sIch an Pythagoras, Xenopbanes u. a.), s Die 
Worta ^bilo'a (q[uu rer. div. baer.), Sv tc dfji(patv ra'j 

^votft/Aryf *eJ'r/*jf0^i>To; , yitoj ^ tjjt^ t^ ipavrf a 9 wejcbe hack 4«a#e» 
gabe d«ii HAup«sa^ dcr'f bUosopbie HaraeUt*s nu*macben sol- 
len, warden aodans <b«sondera bei'auageboben / und nit <ler 

'StM4 mtidifuas eJjUi k* <r* A.- (ib«i*Stobftua, ^1. pb78«^ l« p« 690. 
Ha«r«ni. ondbal Arktbtvlvi') ^maaaaiiimtgdbibcm Oas. Woit 
a3X0$ wivd Ton dem«yf* ricbtiA. undldeaLiZafsammeobange ge« 

•anSis , mil Rflektkbt auiriSe(xt. Eanpjr; adv. Ma^an. - IX , 337f 

•dtfrch fnf#ff«r, Yofui erfclMrt , uind' die w«niger paaaende , aus 
dem Homeiiachen Gebraiiche fiir okooi geacndplte. Anslegunga- 
art beseitigt. Die von Scbletermacber elTei>ddselbst als eiae 
andere Heraclltiscba Stella odar ein spalterer Zusatz au8g«* 
scbiedencii Worte j -ravTajv "v ^m) ivo;'va-jTa betrachtet Hf. 
£. als einen iat«grireoden Xbeil des Brncbatiicka; allei^ 'sia 
kdnneo nicbt i'Q^licb von^uvi^^meti abbSngen , und man sielit 
leidbli dala tie durcb die ihaen Foratebende oEarUkel mw al« 
eitx zweltea Allegat an die vorber angofftbrte ainnverwandta 
Sttilt blols angeknepft aind.. Uebrigens wells' ^or Vf. die we- 
nigssx 'Zeiignisse und Frpgrniente gescbid^ sur veitbiiiden f <i<^ 

. wmoben von dem^Sii die.Ae4e 11^ ^ wiewobl dle'i^js^uesi^ep Aus- 
leges . d'^nelben diesen '£KeatfiSoh - dialekliscb^ t • * •spicers 
$Gbukeiminologie erinnerkidea-Auadriick nicbl Air tden .V9A> 
Heraclit aelbat gebrauchten wollen gelten lass^n, - Ai|^lS*ngat4li 
verweilt Er bei dm' liieUer geh3rencl-n Stelle Flat09» lO(V»^'^* 

ft 18? I W9 Ery^iw^Pbus S9gU :iH y4s ^{^"UpMm^ 



^kjui^.o i.y Google 



EiclUioJOC Dispuutiones Horacliteae* 



101 



WO £r 4m liesw^iielUi tv g^gen ^cQTeiennacber und Ast ia 
Schutx niipmt. ,>Luce clariora** mdchte Kef. cllese Worte lie* 
raclu'i aucb nacb <Uiii AutieEun^sverauch dc» Hrn* £• achoa 
d«w(igen nicht nenneo ^ weii bet don Bo&ea das uuendi et r^r 
XuMrt oder der wiotus in cfnumoi fmrt»4 wo£i our mil ^oth eiii 
soldiet Verbftltnifi btrvorbrtngty wekbe« man eine Harmonis 
secnen mdchte* Hr. £. Obersetzt die Stelle durch: mnnm^ 0 

is ipso dissident in concordiam redire ut harnionigim etc. Das Eina^ 
bo eikl.ut Er diesen Gedaukca , das Eias muls sicii erit nut 
aicli iciiiSt fciiLi weien, nach eiitgegengtsetzten Ilichtungen bin 
(aleicbsam\ auseinandercf hen , damit ^odanu deai Streite di^ 
\crioliriung loigen , und Haimonie entstehen koane. xJXSk 
de(o<Linwurfe, dais die Verbiudung der Wdcter Sy und 
^(crBcu einen tautologiscben Sats hervorbringe, su begegneiiy 
beseichaet er das 'in aU daa in dieser Theorie dem Eluatischea 
Einen am meisteQ entiprechenda Eina (umtm, f ^iiod f/MtiaorHNs 
^eaiVf welcbea voo dem 9t)|«<|>i^/fiiii0iif dem aui der VcrsdlinM>^ 
^den £nt^t^<^eii^esetj5.ten entstandeneii Einen ^ wohl s>t ufitej:!* 
uiteideo aejr. Daa ly der Eleatiker an und Far aicb n^eni^tEr 
ein lebloses Abatractum (exanime) , und berOWt bier eine Aeu9« 
•eruijg Heraclit*s (Simplic. in Aiistot. Praedic f, 104. b.), ill 
Welclicr er den Gcdanken aiisgedi iickt lindet , dafs, wenn die» 
ses — das yv, wie es von den Eleatikein ♦^^f^dacht w.ud — • 
wirklicb wiire (wenti die Zvvieiraclic aufiiuite, sa^^t flera- 
dit init Beziehung auf > einen lluineriscben Vers), Alit^s zu 
Urunde gebeo war4<ai* ,.An die Stelle jenes ttngenOgenden Be- 
griSa rou dem Einen nun aoll Heraclit den yerwandcen ricb^ 
tige^ea gesetzt baben , nacb welcbem es wesentlicb eine £in« 
httit Tou Tbeilen f mithin derOegenaatz in ibm scbon gegeben 
sef I ^ua. welcbem aicb der Streit oder di« Zwietracht eoU 
wjckeli> kdnne. . Der Ver£» b«rttbrt bteraiif nocb einige Zeug* 
aiise der Alten, die una lum Tbeil erkennen oder eriatben 
kss^n, in welcbem Sinne Heraclit die fdee. des Streita'und 
der aus ihm entapiingenden Ilarnionie zum Grund*!;esetze der 
Katur gemaciit, und wie er auch in dem IMensclien Jasselbige 
Gesetz vviedergefuudeii U^be. Doch die ausluhrlichere Erar- 
terung der Lehre von der Harn:)Onie der x^dtur wird folgenden 
Ahlmndiungen vorbebalten^ — wo denn freilich die bier vor- 
ersi nur surUckgeacbobenen Zeugnisse^^ die der gan^en onto- 
logiaif^enden Ansicbt und l^etraclitnngai^eise dea Hrn. £. ain 
weoiga^en gpnsug ain4« . Ibm zun!icbst wilder entgegentreten 

vraroaiit tfftbin geb<»i:ai) Yoro^bmlicb die Uis^ttn uuif unawel^ 



. Eichhoff Dlspotatianes Heraditeae. 

deutigen Stellen Platonischer Dialogen » welche uns d«f: h 

iieavra y^tu^si ytai ouSbv //6vs' « Idee dei absolaten Wefdiin-t, alt 
den Grundgedanken cler ileraclitischen riiilosopliie betracbten 
lehren. S. CratyL p. 402. (dafs es dcm Vf. nicht leicht seyn 
^erde, mit dieser Stelle aiis dem Streit zum Friedeii zu iom* 
xnen, lafst uns der Nothbelielf vermutben , zu welchem difl 
20. di^rch auszeicbnende X^ettern hetvorgehohenen Worte: 
Bwjirifouv^OaijfflS 'iZjifiavoy u, s. w. acheinen die Hand bieten zu 
i^tyllen.) Fernet Theaetet, 160, wa der Heraclitische SaU| 
^afs Alles aicli wie im Strotne hewege, mit der Behauptungj 
iSaXa did Erkerintii^fs htchta anderet aJa VTahrn^hni ung sey, 
tBuaAmniidligeatelhy'.und dieae Behauptung ala eine Folge dei« 
k«Uie'n betracbtet.Vird, w DerSatSf dafa ^Aljes sey uod 
kueh ntcht aey«^ (^rweof. \7krtffap;i. III. c. l'. cf. c. i. und 4.)> 
silt wohl' eines von jenen rSthselhaften Sprt\chle5n, wrfcW 
die Schfller Heraclit's, vvenn man sie etvvas iraote , gleicbiaui| 
Aus clem Kficher hervorzuziehen und abzuschiefsen pflegtenj 
(s. Vlat, Theact. pag. l80.), und ISfst sich mit der T^ehre voi^ 
dem rjie stillatehenden EntwicJcelungsprocesse der Natur, wo- 
l}ei die verschiedtjnen Gestaltungen der Dinge doch sammtliili 
als vpn der eraten Grundgestalc nach undnach ansgegangei^ 
und in ^teta erneuertem IvTeialatife -wieder auf diesslbe zn- 
Mckft)hrend vorgeatellt werden , ganz gut vereinigeii, Hr. £^ 
ab^rscheint etwas weit Hdberea /-^ die beliebte Ijebre von 
d[er IndiiBFerena der GregensStae ^ in dem Slnne, wie aia obenj 
Von Ibm dem Plato celiehen wurde In dteaen Wortea Aut-j 
gedra<;kt su findeh , well sie Ihn au dem Aiisspruche veranb^<| 
Iten^ ' aach das Erbabenste sey dem nattirlicben ScharfWicke: 
Herac]it*8 nicbt unerrciclibar gewesen, — Fin die Erinnwongj 
an Sext, Empir. adv. Math, 1. X. pag. 669. Fab 

ya^ a^Tov (nicbt aurou) roZ ovro; yaf rov t^/Wtou q-wjxaro;^ ist R^f* 

dem Vi, dankbar, kann aber die von Ibm beigefOgte £riJ3* 
^ung; „Tempua non dliFerre a prima' et summa corporiim /or- 
^tna^ nicbt gaiiz treffend finden^ 'wjinn der Heraclitische Ge- 
danke dadurcb sublimirti und ibm' Wbr ala eine aebr etitfernte 
"Vferwandtscbaft mit de m « waa Nipa^re (tber die IdealitSt dec 
Zeitgedacbt und etl^annt baben « '^o/g^icbrieben werden soU 
Wfirde nicbt . did Auffassting der Ze» ala Form diN'' KOrper 
"dine Sonderung der Begriffe voraussetzen , nacb wefch^Hf 
'^eit zuvOrderst als ein vom Karper selbat VerschiedeAWi' «w 
KjyJ/xarov, miifste gedacbt seyn ? Und wie weit ist nicht ron 

dt^r YorateUung e^inei U^kOrp edicbea iU^erhduut nocb entfern'i 



■-- kjui^ .' uy Google 



wer die Qu^^USten der SetU nach Gr^de ibret Antheilf. 
an dem trockeneo Dunste btrstimmt ! — Vy.enii bei Heraclic 
dieZeit mit dam ariteoK^rpar in£tna Vorstellung zusammen- 
flie&ty 80 iasiabt. tick diea«9 wohl darauFi dafs in aetner pby« 
siscbtfn Yarvfandlun^itbeorie das Yargehen and die Wied«r« 
erxeu^ung dea Feuera die beiden Durchgangspunkte aindy 
aacb welcaen 9ich der ganse Cyclua der' Natcirverftnderungeri 
bestimmt| und die Dauec ihrer regelm^isigen Scufenfolga aich 
abmiist und begriinat, 

Der Unterzeichnete bat bei Gelegenlieit der ibm aul^etra- 
genen Anzeige dieser kleinen Schritt eine rait dem Zeitge* 
schmacke und mpdeiuen Schulmein migen in Berflbrung sto-» 
bende fahcbe Rjcbtung der philosapTiisclien AiterthuiiisFor- 
schung hdstimmt cbarakterisirea zu mUssen geglaubt, ist al ec 
nicbuaaatQVlFeiiigar dherzeugt^ dafs Hr. E. durcb iortge»etztd 
Bemttbungen. zur 4Rfi^ung des dunkeln Her^clit luancbea 
wird btitragen kdnnen , wenn £r dabei yon anderen Grund« . 
be^dffen ausgehan^ und durcb eine allseitigere Auffaasjip^ 
seines Ge^enstandet daa su betbfltigen sucben \vird| yf%B Aer- 
Hn9 krititche Takt tetnea Vora .in^era als die Gabe^ a»aua ab« 
gwiMenen,. Theilen aicb daa Qud ainaa Oansan suaammea^u^ 
f9tseii«| besai^bnat hat;. 



Uuruspic s i* Scripsit Dr, Petras Ffandsen^ Danutt B$rolhii^ 
MDQQCXXIIL la librariaMaureriana, XJl u, S9 8. 8 Gi. 

Hinter dem nicht sebr Lateinischen Titel dieser Scbrift 
folgteine aiich nicht «ehr Lateinische , aher gute Abbandlung 
^iber einen Gegenstand, den selbst dje ntucsien Ileiausgelier 
^es Cic. de Legg. filr nocb uneiuschieden erklart haben. Die 
S^che scheint durch die BemObun^ dea Hrn, J'r. der Entacbei* 
^ung n^her gebracbt, ao)lte aucb nicbt jede einzelne Erklflrun^ 
^billigt werden l(5ni^en» Einigea aueb zur volligen Erscbopfun^ 
6» Qegepatandes vermifst werdeii, — r Die ProUgomena enthal- 
^^aauer^t eine Definition der Ilaruspieina^ $ie aey^ beiftt es^ 
^ angern und ursprQngHcben Sinne « tictknarum Mis futtu^ 
'ogttMgnJU ars f Im Weitern umfaste aie yrodiporam quoque ^ fuU 
S^^um hUMrpretatigwm ntqua prawaiiaMnu , Waa man aonat nocbi 
fiazu gerecbnat babe 9 berube auf keinem flcbern Grande. £r^ 
»a^t 4er yf, , Jifib« in 4ea VQI^Mndenea lieb^bacbera 4?i: RS- 



d by Google 



904 



Frandseu Harusplcci. 



mlscben Alterthamer oder In den Abhandlungen fiber sle nut 
ungesichtete MaterJallen und Verwirrung gefunden, und sich 
deswegen an die Quellen aelbst gemacht; eirie nicht geringe 
JVliihe, da Icein kleinerer ZeitraUm alf >oh Enniua bis auf 
Theodosius zu durchlaufeo geweaen aejr, Im erst^ Buche 
haiidelt er nun de ortu et drigine hamtpiiwae^ im EWeiten, f«o- 
tnodo ea Romao et quando adhibita sU^ 

Voraus gehen Beinerkungeh fiber die Allgemeilitieit der 
Divination bei alien Vdlkem, eiiie uDmlttelbare Fofge derAll- 
gemeinheit der Reiigioh, und dea aich ao' gtfrn an aia aa- 
achlielsenden Aberglaubens. Dan n fiber die VerbreitUng der 
Eingeweidebeacbauung beiOpFern (extispicium) aucb im Orient; 
eanzltars. ' Ein auafflhrliches Capitel darfiher hat Teucerus 
Comm. d& prm^cipuU D'winationum ^eueribus (Serve^itae 1591, 8* 
479 foil.) tpl. 203 bis 227. Vorziigliche Ausbildung der Ha- 
rusjncina in Etrurien, woher sieauch hei den Romern y^ar ^^oyh 
^.trusca disciplina hiels, aus dem Nationalcliarakter des VoikJs, 
#eincr ! cudalverfassung und seiner Mischung aus Orientali- 
acbeai und Griechi^chem Element hergeleitet, jedoch mebr an- 
gedeutet, als erkiart. Eigene Bildungsscbulen fOr die Sdhne 
der hdberen StSnde, damit die ahe Cultur und die geheimea 
Wissenschaften nicbt untergehen, vei j^licben mit den Propbe- 
tenscbulen der Juden, und den Druidenachulen der Gallier. 
< Ueber die letzteren sind dieQuelleU nacbgfswieaen in J, G. 
F r i c k i i Diss, de DrmdU OcddentaUmn pbpulorum PhUosophisi 4. 
XJbn.^i73l.) — Tagea f ala von den.Etruriern angegebeaer 
Erfinder dieser Kun«t und der BScber, , in derien »ie entbidcea 
var» Did libri haruspicini t fulgurahs et rUualesZ wovon die 
letzteren wabracbeinUcb vorztiglich pro^^fornm 
iendorum , procurandorumque artem entbalten baben. ErwUhnt 
ip^erden auXiierdeni Etrurisclie lihn jaiuUs, libri Tarauitianit Hbri 
JtehemiUtetf wenn der letztt^i t Name nicht etwa Aruntid h^ii^txi 

* ^ et 

«inuls, von Aruns^ einem Etruriachen nouien proprium, vvie 
Tarquitiani von Tanjuhius, Beides bat viel fur sicu, und wif 
Wagtn ktine Entscli< uiung, — Ueber den Namen und dessen 
Schreibung, Aruspices oder Haruspices\ fUr jenes sprecbe ein 
alter Scholiast (den Hi. Fr, weiter .nicht angiebt), der depNa- 
inea von ara , Altar, berzuleiten scheine, da er ibn ^c»/«o^^«9s 
tibersetze , propterea quod hostiam in ar^ in^icfsrM* Dieaea Grie- 
chische Wort, sagt Hr. Fr. , babe er nirgencis und niemala 

feleaen\ Da* Wort ateht freilicb weder bei Schneider, nocb 
ei seinen Yermebrern und Excerptoren : aber in dem an 
Bear, Sieph, Thesmr. lAag^ Gr. gehdrenden WerJte: Chumk 



uiyiii^ed by Google 



Vfiniben*Birnsp!oeff« 805 

dao 9 iita oetustmtis ernta^ ad utriusquo Lingtta9 cognuionem et locu» 
fUtation»m perutilia, iol. Paris. Anno 1673. excuJebat Henr* Staphs 
[S. dai iiber Brunei Manuel du lAbmire V, StrjyJuinus ^ und Ca- 
saubon, ad Theophrast, Charact. p. 43 ed. Needh.im. , "wo sia 
nuaquam satis laudatus liber gftnannt werden.J Da Stebt S.,2«}« 
{hlicU iftt Uber der Columne 19*) jiruspieUp'fini/kSfHoirMf Jirw» 
tpexf fioi[io<rnoTo;9 ^^nji, S. 106* Hariolu$% /SotfMweiroc « ^otfitrvfi 
(welches Schneider iia Xjexid <^o«)Si^ri|$ gelesen wi&sen will.) 
Ebend. ab«r: Hompext Svnffit if^07xQir«(; endllch S. 322. stebt 
het Barmsp$99 tfrAo^yooiumc, Ver|^l. aucb E^cbenbacb* Diss. 
Kadd, p. 554. Wxr wollen 0brigens auf die fitymoloete von 
ara.nicbt dringctiy aondern balten dia Scbraibung dea Wortai 
mit H fdr besaer, und dia Ablaitung von i^m/ra; fQr sehr 
wabrtchelnlich. — So Vie] tlber dan araten Tbeil der Scbrift, 
wdcbar aufter der EinscbrSnkung der haruspicina in den ihr 
gebdrigen Wirk 

odcr Tiei'geschdpftes enthalt, Jene Einsrl)rilnkLin<5 
anf exta, Jul^ura und ostenta giebt Cicero selbst an die Hand 
<iei)ivin. II. 18. pre. II. 22. pre. 

Es foljit der z vvf ite , ansfnhrlicliere und hedeutendere 
Toeu der Schrift. Zuerst von der engen Verblndung des 
politischen Liebens der Romer mit der Religion. FrOber £in« 
gang, den Etruriscbe Cultur und Sittan in Rom geFunden* 

colUgrimn haruspicum des Romulua auf ain Zaugnifs bei 
Bionysiua von Halikarnafs bin ausunebmen, ist nicbt rSth- 
lick* Unter dan Kaisern freilicb existirte eini: aber die AeU 
teren und Nauaran haban bfiufig dia Zaitan vermiscbt, £ins 
itC man darttbar % dafa dia Harusjneina aina Etrdrischa Kunat 
dafa aie in £trunacban fi&cbarn antbalten gevtrasan f und 
in gawiaaan Familian doct fortgapflanst wordan aey. Aber 
ob dia Etrurier allain, odar aucb Rdmiacha Bi&rger 
la Rom dieae Kunst verstanden und get\bt baben , das ist die 
Hauptfrage und der Gegenstand des Stieites. Das L.GLzte[e 
gait ian^e iur ausgemacht, und wurde immer mit Stellen aus 
Cicero, Valerius Maximua und Livius bewiesen ; das Erstere 
iehauptet Hr. Fr. , und sucht von S. 17. an darzuthim: 
Omnes haruspicot 9 de quorum origine aliquid e ffici potest , Etruscgs 
fuisse* Wir treten seinem Resultat bei , ohne alle seine Be- 
weise 2u billigen. Zuvdrderst mufs aber erwiihnt werden, 
^afs scbon Gdrenz zum Cicero da Lagg. II* 9. ariilllrl: bat,> 
dais die genannta Stelle dufchaus nur Etruriscbe Ilariispicaa 
neina (^EtrurUtaqme jmneipU disciplinam docento')j nicbt abar von 

Aftnaradhiita (uii mlaarat aatst Hr, G« an aainam wu^der* 

'"t 



uiyiii^ea by Google 



206 ^xand&en HaruspioM, 

licbi^h Notenlatein Unsu^ naddstatuum) ditf^Rede sey, 'DUh 
unbewiesen hingewoifene Bemerkuitg. macbte 'dem firn. Fr* 
, iVIutb^ den fieweis fQr. einen S«tt aufouaucb«n, desaeft Wahr* 
Keit jst abnete, '^dem je^ocb klare Zeugnine der Alted «tt 
Widersprecben Bcbienen< . Dais Ubrigelis nur Etrurier^ und 
Iceln Aamifcber 'B(irg«r, Harutpicea ge^esen, diesen Slitt 
'bat scb'on gegen Mieupoort der Sehr grf&nd)iche uiid nicht 
feeriug bekannte Haymann in seinen Anmerkungen fiber 
rvieupoorts HandLiich der Rdmischea Alterthumer (Dresden 
1786. 8.) St 79. Lestimoit behauptet, welcher aucb zcigt, 
ssdaTs sie aus Etrurian verlangt wurden, wenn man sie 
^brauclite, bis man sie eiullich zii Rom stets vorriitbig 
„hatte.« Doch wir kehren Urn, Fr. zurfick^ welcher die 
"VVabrheit auf folgendem Wege suchte. £r untersucbte die 
Namen der Manner, welcbe in der Oescbicbte Boms als Ha* 
r u spices' vorkofDmen J und fand^ daft keinet una ndtblge, be^ 
stiinmt in ibm einen Rdmernamen und gebornen Kduil^bea 
Barker au erkennen* £r fand bei Dtodor, Sie. 40. das 
best I mm ta Zeugm'Is^ dais die n^tMomm intgrpretes** tmoisr 
aus Etrurten seyen gebolt wordeh. £r liest bet Cicerd de 
liegg. II. 9. Etfuse<^s Hanufneti (^Or IkruiM 9t Hamspie^i) mit 
MuretuS) Davisius^ Gdrena^ Scbflta und den neuesten Hef« 
aasgebern. Darauf kommt er auf die Stelle Cic. de Divin. 
41. zu sprechen J „«t de prirtcipum Jiliit s»x singulis Etruriae po- 
in disciplinam traderenCur^* — VCigl. mit Valer. iMux. I. li 
i^ut e Jlorentissima tuni et opulentissima civitdte decern principum fdii 
^ySenatui Consulto siiigulis Etruriae populis percipiendae sacrorurA 
^disciplinae gratia trade reniur»^^ Nach eiuigen Erdrterungen 
tlber die nicht zutreiFenden Zablen vvlif't er die Frage auf, 
wer denn die principum fdii gewcsen seyen. Er Will durcbauJ 
Etrurier hahen , und drebt an der 6telle so lange^ bis er fln« 
det y dafs singulis Etruriae papuUs der Datipus GtMtcus ist fQc « 
singulis Etruria» populis i und dann bringt er zum Be^Veisa eine 
Anaabl Stelien aus Cicero TOr, wie tolgende 2 ffoaestm Semi 
viris f nan occulta ^uasruiuur^' Da iiel una das franadsiscbs 
Sprilcbwort ein: il 'est au tout do son LsAin , Welches biet abet 
bucbstftbltch au versteben ist* £s ist ibm avirar selbst ntcbt 
recbt wobl bei seiner Vermutbung , dehn er sagt t eaompluni 
vpeohuli irodoro inpromptu quidem non huheo* Aber der Muth 
kommt ibm gleicb wieder, denn erfUbrt fdrt: atqui nulla mihi 
ineessit libido nodum in scirpo quaerendi, Und doch war Bedenk* 
licbkeit hier gerade an der rechten Stclle. Nicht nut nicbt 

In ' 'omptu ist eiu Btiisjf iQlf WO Cicero .^a^^M mit dem Dativ 

I 

uiyiii^ed by Google 



fiaadien BanuplM* 207 

. « « a 

stfttt Hi 0ag«MUt hAtfay sondern ei gar kelns^' und jumii 
kiuB.gabBu^ i Denn dertelbe GkerQi der Tuacul. III. 1. 2* 
nu^«r£# tmitfiri •'Mm ge89gt hat 9 uad in Verr. II. |. 45. 
115. tdoUnmiM #1 (Oa(,) m ifttd/y/m^m ir^^y der«e]|i«. dei;di0 
XIatbett det Aiaadrucki 90 «4ihr liabt^ uad d«r Unldarneit Vj^od 
dam Doppektiui to ahhold Ut^ kann nicht sagen ut Etmri^ 
fiOfuUs in dUciplmmn tradw^tuur tiXt EtrmrUu -j^opulis^ X^te 
5t«]1a lUftt aich durch blo£ia lotarpretation ntcht mit det 
Wahrheit in Harmonic bringen, Ref, wird sich in seiner 
bald erschcint iiden JBearbeitung der' Biicher de JDiv iuatioue 
uinstiin(ihcber hierQber erklaren, Mlt Hrn« Frs. Urtheil flber 
den Valerius Maximiif , dais iiimlich dieaer den Cicero nuU-« 
verstanden habe, konnen wir uns nicht recbt Ijeireanden, 
ob wir l3ugncfi wollten , dais ein iioiner den an- 
derny und ware er auch fa»t dessen Zeitgenosse (da Valerius 
Maxiuiua unter dem Tiberius, lebte), mifiveratehit/a ktane: 
sehen wir docb tSglicb , wie sera Zeitgenossen einander 
aui.allarlei Ursacben mifsverstehen. ilber daa scbeiiit una 
seltsam, dafa dem Valeriua Maxim ut^ gasetatf er h&tca auch 
den Qcero 'mirivaratandan ^ diaSache aalbat, waa iie 
•ich wirklich vavbialt odar yarbaltan batte , aollte utabekanut 
gewaiao aayn* D«ti fiawraia^ dati man ftar Rdm^che Haru« 
•pices ioiLiWua (IX. 36.) bat findan wbllen^ baaattigi: Hr. 
Fr* dadurcb , dafs er sagt^ Etruscis Uteris eruditus mUase man 
yx nicbt notbwendig von der Ilaruspicina versteben, Und 
<«arin geben wir ibm iVecht; su wie auch in dem Puncte, dafs 
nian selbst zugeben konne, dafs Koaier, niimlicb Einzelne, 
^iese Kunst gelernt und verstanden baben, obne dafs daraus 
iol;^e, dafs sie dieselhe aucb auspeiiht baben, oder wirklicbo 
^iaruspices gewesen seyen. Nie also — und das ist ein 
Hauptsata des Verf. — baben zur Zeit der Jiepublik Kdmec 
^xe Uaruspicina ausgeabt, jedesmal wurden aief wenn matt 
•ia^raucbte, aus Etrurian nacb Rom berufen« Die Haruspi* 
CSS waren keina Friester. Mancbe Frodigia konntan die Fon- 
tificas deutan und (dies iac bakanntlicb der Kunstausdruck^ 
ffoatwi andarn Wurden die SibylHniacban Bttcber ein« 
Xeiehan; wo diea nicbt susureicben acbienf liefs man die 
Hsruspicaa bolent und swar ursprOnglicb immer nur fdr 5f« 
featlicbe Angeleaenheitan. Ibre Au^worten waran in der Ae« 
g«l scbriftlicb. 

Docb wir woUen den Gang des Lucbes nicbt vreiter rer« 

lolgen, da das Folgende zwar i^ut aiiagefCibrt ist, aber nicbt 
g«rada besondeiefi Neues eatbillr j wir aucb die 5cbciic nicht 



uiyiii^ed by Google 



2oa 



durqli einen Auszug en^^hrltch machei| woUen, Gut w!rd 
gesprochen 0b«r dim /i^gukatdr^ f das EooHtj^mm^'^tik^r di«iia» 
ruspices Uirter den Kalserti, den TerMI inret Kuntt und itnrfr 
^Avhtnv^, :thet Collegium Hm-aiplcum (Tac. Ann« XI. I6.)i 
un'd' etidlicli ihren'lTntergang durch daa ChrMtentfauai« KAnn- 
teiir wit ttur auch nocb den Styl und Vortrag del Verf. lobea; 
aber bier ist tfben nicbtf die gISnsende Seite' des Bnchleins. 
Kommen twar gleicb nicbt mehrere Stellen vor , vvie fol- 
^eiicle S. 49 i at studio for sit an aediji c andi templorum per* 
inotus ; so ist doch das Colorit des Styls im Ganzen und Ein- 
zelnen nichts weniger als Romisch. Da findet sich S. 48. das 
fatale nullibi, S. 55, die falsche Anvvendung des bekannten 
Sprlichworts /ama crescit eundo in der wunderlichen Redens- 
art: cujus generis contemtio serins oeius (^n nicht iiierber pas* 
»aender Horaziscber Lappen) crescit eundom ^» 64* permx' 
Hnu 45. scatuit copia, S» 54 animum adoertere md ha^ 
ruspiciuamm S, Vil, poc9d)ulum amhhu suo adstringkuTm ' S* YlUa 
oKrhtiorm^operam nmrar^m ' S. iX* homUfts Bonme frMgis* S« 5' ta 
mythieum gyrum ineidm^ "S, 6* dii^tnUr confrelnar» Wnrotm ■ Dai»' 
Twn pidsaiur fdt non v^idstur, 

' Scblrefsllcb mlltsen 'wf^ aucb nocH tadelnd erw8bn«ny 
dafi die Griecbiscben Stellen tn dieter Sebrtfit obne 'Accente 
gescbriebeli aind ; eine ' Nachldst igkeit , . die unaern Zeiten 
nicht mebr geziemen will. Die Scbrift selbst aber erapiehlen 
wir als einen achtungsweitlien Beitra^ dtu KOmiacheii 
Alcertb^mern, ^ 



uiyiiizea by Googlc 



N. 14 im 

Heideibetget 

Jahrbucher der Literatur. 



4 

Iffiue Judis che Briefe oder D ar s t e tl un g e n aus dem T.e» 
hsn Jesu, Von Th» Schuler^ Vjarrer hri der Kir die zu 
\ Set»Nicolai. Strajsburg ^ bei Schuler und PfcihUr. Leipzig y hei 
FUisfhcr* 1826* i. Mdnd^hcn 240 Sm U* BUndchen 241 

' EineScbrifty welcher Ilec, eine fast aligemein gute AulH 
n^bme und recht viele heilaamis Wirksamkeit yerspricht uiid 
^'fQnscbt. Di« Ilauptpersonen in der so wicbtigeii JLebent^ 
geschichte Jeiu hat der Vf, sebr iweckmiifsig'in einen unveir^ 
'iinstelteiiy lebrreicbeii, hUtorlscben Briefwecbsel hiit einatt^ 
f^ermbunden, worin jeda eiher ^ndarn gutgewelblten gewissil 
von ibr vornehinlicb' 8U erwartende ^a<£ricbten aut JeaU 
^hun uad Lebren meist niit den Haiiptwbrteii der EyahgeUeiify 
^ji^eicb mit uhtermiscbKen £mpfindungeh uhd deutenden Ah« 
•ictten iin verlraiili^chepy rflbrend begeisiernden Ton fiber* 
tchreibt. So wird^ fto Wei liber JesuA uni aufbewadrt ist^ 
ohne fremdartige B'eimiscbungen und doch in einer freyeren , 
•ichselbst veistandllclif r hingehenden Nacherialiluiig gu einem 
Wzerheberiden U e b e r Ij 1 i cii zusammen^efafst j welcher iuhrt| 
Weii Gei iibrte an Theilnehoiende Aich anssprecben. 

Auch der Schleier des Wnndersamen Lleibt, doch (s. 
119. von den Damoniscben) obne dirbter gemacbt werdeh/ 
iiber das Ganze verbreitet, Er wirkt also, seiner Bestiminung 
iiacb,' fort, nSmlicb um Aufmerksamkeit urld Wifsbegierde zu 
reizen und ahzuzleheri. Aber das an dich wabre^ yirelcbea 
^^^wegen durcb aicb selbst fQr alle EmpfSnglicbe gUiiblicb 
und bleibt, wird nicbt von dem Wunderbaren abbSngig 
gemacbt, jS^icbt auif das Uhbegteiflichef oder wenigstens Un« - 
frUKrte, - wird daa UnmittelHar-glauWttrdi^e gebaut* Diet 
'^t daa notbWendige urid unteracbeidehde zvnacoen der t)enk« 
glailbigkeit und deir Wunderglaubigkeit. Da^ ErkUren dee 
^^uirderbaren 9 das heifst^ daa 2urtickftthf^ri dei* iln aicli un« 
MQgbaren £rfo)ge duf den eben so wetiig ISugbaren^ immer- 
Wfcbtendeti Zusatnmenbang iwiicbeii Wirkungen und (oft- 

ilXjalirg. 3. Heft. ' 14 ' 



Digitizea by Google 



810 Til. Sdinleit Darttettuogcn ant Sun Lfhea! 

iange unerkannten J aBer niclit immer unerkennliaren) Ursaclien 
— dieses Anfkl3ren des Dunkeln ist nur fur die, welcbe klar 
werden vvollen , urn das Kiare desto tt^ster zu f^lauben. Eben 
deswegeii ist es nicht lur Jedermann und nicht Jedern ein Be- 
dtirfnii's. Aber dais nicht das an sich iNdthige auf das Dunide 
gebautwerde, dies ist urn Aller willen n6tbig« well daa DunJde 
nicht imnier ao bleibt. .Wo Ueberseugiing ailgemein werdea 
aoll, mufa das, waa Allen geltandaeyn undbiweisen kann, in 
dec e rift ten Heihe der fiewelsgrande at«hen« Wer durch di« 
Umwege dea Wundarbeweiaea gefttbrt za werden 9 ein 
eigentbftmHcbea BedilrfhiXa hat ^ mdge ea ^rftdlen , ao gut aU 
ea aeiner Indivtdualitftt zuaagt. Aber keiner soil dann docb 
den tibrigen alien zumuthen, anders nicht als durch eben diese 
gescbichtiiche IS e h e n u m s t ii n d a zur H a u p t s a ch e zu go 
langen. Nur wer den Wunderbevreis nirht vollstandig iiljcr- 
daCDt bat, kann ihn fiir den kdrz.eren Weg zur LJeberzeugung 
halten, Wer mi t einem sachkundigen Wegweiser und mi t der 
aidtbigen Umsicbt ihn zu durchwandeln versucht, wird wenig 
stenadiea, wia weitl&uf er seyn muls, bald bemerken; un 
diea achon deawegm, well der eigentliche auf den Inbalc 
gegrHndete Beweis als ein unentbehrUcher Beatandtheil del 
Wunderbeweiaea in dieaen aucb aui^genommen und flberaU mit<i 
cingeflochttfn seyn mura. Denn darflber aind aucb die Wua* 
derglaubigaten docb endUcb einig, dafa^ waa in aich unrtcbtig 
w8re, auch durch Wunderumgebungen nicbt zur Wabrheit 
werden konnte, da — alle popnlSre Religionen sich auf Wundci 
berufen, undauch die EntsteLungszcit des Urchristenthumsdi^ 
tSuscbendsten W^^lder])evve^se des Satans fur an sich falscheRff* 
lSgionsl)eh.iuptinigen als nioglich und wirklich angibt. 

Die ])undigsce, nicht von wandelharen Nehenumstandei 
abhangige Ueberzeugung aber entsteht injeder^acbe dadurcb| 
dafs der Nachdenkende auf den Jnhalt 9 auf das Wesentlicbi 
dea Gegenstands, geradezu alle seine Aufmerksamkeit fi^tet 
S. 201* iml. Tb, schreibt der LiebeajQnger Johannea «VMa 
ria 9 dafs mancbe riefen : Kann ein vom Satan beaeaaener aud 
der filinden Augen auftbun? Ihn aelbat aber Ifllat deryei| 
fainsuaetzen: Juu aiehat, Maria f aie denken bier an 
Heilung dea Blindgebornen. Ich aber bedarf kein^i 
Wunaer und Zetchen mehr. O, wie erbaben ist Det 
nea Sohnes Ijehre! Dieses Gleichnifs vom guten Hirteni 
•wie ist es so sclion uud vvahr, so riihrend und herzlicb, S 
dafs ich, von feme nnr, dem lieben Bilde gleichen mochte." 

Durch dergieichen Jeicbte Zusiitze der wahrscheinlicl'o; 

Mitempfindungen^ aucb durch einfacbe Verdc^utiicbungen de 



^kjui^.o i.y Google 



umitiiide wailii der V£ den Briafwedisdl um to aneiebendes 
itfid belebrender su machen^ ohne dafs £r durch geruclilose 
RedeLlumen, geschmacklose Empfindeleien und UIj(?i Ijiissi^e 
Verzierungen den Schcinredner macheji will , wie in eiuigen 
Shnlichen Darstellungen die xnyAtifcka ScUwarmerei aujcii eld* 
gant za vverden versucht hat. 

Selbst der Uuiiang dieser zwei Elinde zeigt , dafs der Vf, 
^icbt vielredneriftch seyn , vielmchr lieljer concentriien und 
' durch KiXrze daa Gute des Jnhalu steigem will. In der That 
fiind seine gedrfin^rce Daritellungen desto gebahreicher. Auck 
ut dieM £inkleidung scbon dadur<(h Jbalabrender^ weil ate gar 
unveraerkt^ wie wakr eine EmpHndung seyn 

kawii olme dafs siewie ein Dogma, wie ein hyperpbyaiicher 
LebrfatSy wie eine QbergeaebicbtHcha £iitdeckiMig ai^tgelegt 
warden maftle* So leaen wir s.B. 73« aucb wMtr vqa 
lobannea an JVIarift s jdMit dieaer bedeutenden Fra^e acblofa 
Jeiuaaeine tiefe^ ainmroUe Rede. O Maria ^ inlhm tat wabr« 
lich daa Wert 9 die Gotteaweiabeity die da war bei Gott und 
Eioa mit Gott, von Anfang an; durcb welcbe alle Din<^e ent* 
lttnd?n sind, und ohne welche nichts vorbanden wHie; in 
der das seelige Ijelien enthalten ist, das Leben, so in der Er» 
Jeuchtung der Menscben , iiii Xjichte^ bestehL Dieses cvvig'e 
liicbt scbeint nun in der Fins ternifs der Welt; aie aher he- 
greift es nicbt u. s. w. Das Gesetr, wohl ist uns durch Mose 
gt^geben. Krharmimg und Treue (Ue])erzeugungstreu<- ) jber 
«ind uns durch Jesus Christus gewurden, J£r aliein , <ler er- 
kohrne Sobn^ der in dea Vaters behoofs ist ^ der aiit Ih m 
innig Einige, sein Vertrauter and aein liiebiing, £r aliein 
bat una Got$ verkandet, den aonat niemand je gescbaut , ao- 
^ar und vollkomme'n erkannt bat.** Nacb dieser 
<dir anwendbaren Umaebreibung dea erbebenen Prologs .im 
loHMineaevangeliiini J&iat der V£ den acbreibenden* Jobannea 
te^blielaen: nTlef bewegt-endejcb bier neine lange Zuu» 
icbrift* Mit beilig freudiger Afibrung ergretft midi der Ge*. 
&nbe, dafa die Muter meinea Herm meine unendltdie, meina 
flberirdiscbe Empfindung faaaen und tbeilen wird.** Ueher* 
^nkt man jene Worte als ins X>eben bin ein, und nicht 
fcr eine Gelebrtenscbule , gesprocben, so vvird selbst der Sclio- 
^astiker, selhst der Katbedermann kaum meinen kunneii , die 
Muter Jesu werde sich die Gottesweisheit in ibrem Sobue 
etwaso, wie eineSubstanZ) wie eine von aeiuem Geiat untei • 
ficbiedene feradnUobkeit gedacbt baben. ' 



uiyiii^ed by Google 



gans* Da? ftallufig dea Vfi« Ut riel su ivtebr mid bat, 

mit llecht, viel zu wenig ifremdartiges , als tiafs sie, wiire es 
auch im })esten Verstand, ein Roman de» Lebens jesu j^cnannt 
•werden durftc, Sie Jcann eia gescbicbtlicbes Erbau- 
ungsbuch seyn ftir jeden Tbeilnebinenden. Das Wesent- 
liche ist herv o 1 ^eboben fur Einsicbt und Empfindung. Neben- 
umAtSnde sind 8o gebajteni dafs sie wedei das Glauben nocb 
das Foracben bescbr^nken. Einzelnes, was sicb nocb erbeU 
len laaaen mdcbte, wird d«r Verf. be! ferneren Auagaben TOfl|r 
aelbat bemerken. Bee. freilicb ist far sicb tinnier am meistea 

ieneigty das Glanbwtlrdige durch mdglicbst voile ErtieUnng 
aato elaublicbar 8U machen. Aber er waitfa recbt gut, daia 
dteae Sf ethodo ibre Einaaitigkeit baban mala. Sie tat ftlr dief 
welche bell aebeu kOnnen I und wollen I Daa a 1 1 g erne i n ar a 
Bedarftiira iat durch die Metbode dea Yb. aUgemetner za be- 

friedigen. ' 

6. -^^c. 1325. H» E. G. Pmutms. 



Thomas Tredgold^s GrundsStze der Damp pjeizang and der da* 
mit verhundenen Luftung alter Arten von Gebduden, Nach der 
tweiten englischen Origiaalauigabe fiir Deutschland hearheuet von 
M. O. B. Kaha,4t9m .L§ipBigf iaaS* JCU mid 208 S. 8. mk 
6 Knpfmutf^la, .1 TbJr. 42 (ir. 

Dafa wir dieiaa Werk ao bald aebon ansuselgen una bf- 
eilatiy bedarf wol^ -bei Sacbkennarn' keiner £ntacbuldiguri^. 
£a aind nttmUch, Oottlob, in alien Tbaihin der Induatrie aeit 
dem letzten balben Seculo aolcbe Fortscbritte gemacbt, dafi 

das allgemein verbreitete Geftlbl des dadurcb erzeugten 
bebagens unwidersteblich zur I'ortsetzung iibnlicber BeinOhun- 
gen auttordert, und so lange ein bieraus entspringendei 
hoherer Luxus dlircb geistige Anstren<i^ung ei woi ben werden 
mufs , nidit aber, wie ebeinal& in Horn , ant der Menge der 
durcb physiscbe Gewalt unterworf'enen und in Sclavenstand 
yersetzten Nationen berubet, so lange man auf gleicbe Weise 
auf die milit^riscbe StUrke der Staaten als auf die Beq;uemlich- 
keit und den Woblstand der Vdlker bedacbt iat, dkrf niemand 
f<U'cbteny dafa die bdhaee Cuhur sur Sittenlodskeit y Scbwel- 
serei und Ohnmacbt fQbf»4 Der roben Gewalt barbartacher 
Vdlker wird £uropa nacbt unterlte^en ; letcbter kdnnte diasei 
yielleicbt gescbeben durch etnen Sttllatand-dea Gewerbfleifaait 
eio Nacblassen in der bierau erforderlicben Anstrengung upd 



o i.y Google 



' Tndfdkd'^ d«0QiiSut Oil ^mffk^mm§^ lid. 

<hnh ZarfidiebMbao hhnUt uufbMmiian VAlktra % Wfkkm. 
sum Tiktil dinch Natur allerdingt vorxugswoift b^jflii^ 

Uhter die vorzQiilichsten Aufcaben zur Erhaltuna der Ge« 
iunabeit unci eiaec.grofseren Bequemliclikeit dc^ jLeben» ge-« 
bdrt aber unatceitig .die Sor^e fflr eine zweckmiiriige Eiwiir* 
inu)7g Ltiid Laftung -der VVohnLingen; die iiuiist und Wisien* 
sclv^iK verlangt Trockanstubeii und Treiiihfluser , und vor all«n 
Dingen fordert der tS^lich f tUd barer e Mangel an Brtinninateri^L 
2a Vorichlagen der Lrdparnil!! dieiejr Stoife aiif. Man bat 
ciaher &cbon lange die frQher ilbiichea.UDfdrmlichen und bQU« 
verschwandffndftn Oiii'en aufgo^btn und mi t spMrliober co niu^' 
iQirendeiifV^cjbauicbt^ laan bat aui Ti«l«f»iQTand9ii di«. il«ixaiig 
diArcb trwflrmttt Liidk «owobl ror^«MUageii als aucb autc** 
fflhrt, und nunoiebro trltt ein gvwMgter Sobrifutell^ mit der 
Sotpfeblung der uoUngat b«kapnteii:Het2ung«in«tbode durcb 
Waif f tdampf auf. ^Dia arstara dar nauao MathodanHSt in 
DiuUcbVuid voraflg^tch. dnrcb MaianarUliekafinta Scbrift (4i« 
B«uung mit aiwarmtar Lmh. Wian' id2l. aeue AufL a^and* 
1S2S.) in Anreflujkc jgafaladit, walcba Rac in diaaao 9Uuarn 
Jabrg. 1822* Mtuli S»> 5.9/beurth«Ut bat, die zweite benutzt 
aiinbit jet£t bauptsucblicb nur in England, aie ist aber auch 
ftr Deutscbliiud &icber der Beachtung. sebr werth , und dm 
Uebersbtziing einer vulUtandigen Ahhaadlung darilber W4i 
her obne Zwoifel ein aehr zweckniiirsiges Un ternebmen, 

Bei der Beurtbeilung der vorlieii^eudeji Scljrift bedauert 
s6br, dais er das ennliicbe Original gegcnwiirtig nicbt 
sur Hai^d bat, und sicb daber bios an die Uebersetsung balten^ 
»ufs, Der Yerfas^ar deaaalben iat der bekannte engliscbe In* 
genieur.Tradgo}dt dessen klaaaUcb^a VyarM on tbe 4trength 
^^aanirM K^a^ arat kQrzlicb angezeigt bat. Dabai wurda 
i«merkt, daradur iOltobI als Thaacialikf r als aucb rOcksicbtlich. 
^esTraktUfiiail uDtar die bedeutandntan M&nnar dat jataiigaii 
<^«it g^bdrtf dap maft.aUanfalla de^n bacflbrntan S ma a tan an 
4ie Seito aatsan I^npta; und abas, dahar findan aycb- acttnu. 
^riftan 'ia England ein io ausgebraiwas Publicum unA<«#b(l' 
^cboaOan AfaaaU, aa dafa bai dar Bakanntwardung daraalb^n 
^•dam Cdntinanta tcbon dia sweita Auflaga arscbianan su 
«eyn pflegt. Es l&fst aicb daber nicbt anders erwarten, alt. 

aucb das vorliegendo Werk zu den gebaltraichsten UterS** 
tuchen Producten gebtirt, welcbea namentlicb liu die prak- 
tiiche Anwendung ganz vorziiglicb eaipioblen werden kann, 
J*hen Lei diaser Celebritilt des V'erf. aber naufs die Kritik aoi 

^u^ngitaa.aayo, wail oicUu ao oacbibQiiig ia;, ^ala waw Xrr« 



uiyiii^ed by Google 



S14 Tro^goM'ii OnftiMiM Dnpfttisaag* 

thflmer difteb bedeotindt^'Autorltiten ttntmtfltet iBiUgemdiMf 
yerhreitet werden, und dieses um so mebr^ wenn der Gegen- 

st^mc^ zLir Anwendung fttr Fraktiker besti inmt isty von dcncQ 
eine genugende Tii^fung der Sache selbst auf keine Weise ge« 
foidert wtjrdeii kann. Um dieien Satz mit einem sehr aufbl- 
lenden Beweise zu belegen , will Rec. nur an die Abhandlung 
des Pariser Insti tates ilber die Blitzableiter erinnern, welche 
bios wegen ihrer gelehrten und mit Recht beriihinten Verfasser 
in zahlreicbe deutsche und sogar auch in einige englische Zeit- 
acbriften mit grofsen Lobpreiiangen flbergegangen istip oha^ 
geACbtet iieb selbst dM Zweckwidrijgk-cit; der dariA gtg^ 
Eeiren YorsclilSge aui 'anerkannten and imbMtmtbareii phy* 
•lka1is<;bfeiT GrundsStzen Icicht nachweisen ISfst^ und voa 
einem grandUchen SacbkennfT^ Ffaff in Kielf im GMet*' 
Acbeii Wftrterbucbe der Fbysik Th. I« S« 1076. wirklicb dw 

, getban tit. Yielleicbt i»t die AutoritSt jcner 'Gelebrteii y ftr 
^welcbe nocb obendrein die GelebritSt der Stadt Pari a und 

' des Kdn igl. InettttEtea en tscbeidet , grofa genUff ^ um au 
bewirken, dafs wir in Deutscblaitd um iiin^ig Jabre voll 
zalilreichei Erfahrungen rflckwarts gebend abermals anfangen, 
den Gewitterri diet Manner holie iLisenstangen entgegenzu- 
strecken , die Pulveraiagazine aber den Blitzsti'ablen recht 
eigcntllch blofszustellen, Rec. halt es daher f(ir seine Schiil- 
digkeit, den eigentlich zweckiDSfsigen und brancbbaren Tnhalt 
der vorliegenden gebaltraicben 6cbriic von dam minder ricbu« 
gen zu sondern. 

Im Allgemeinen sind alie diejenigen VorscblMge, Berecb- 
nungen und Angaben Uber die fiHiricbCung, GrAiae nnd das 
Materiale der Dampfbeizungsapparateund Ventilatoren^ welcbe 
der gelehrte Verf« mittbeilt^ in so weit vollkommms rich tig , 
ala man bei den verichiedenen mitwirkenden und annt Tbeil 
gans unbeatimmbarenBedingungenbierbeiQberhaupt su aiebe* 
ran Heaultaten gelangen kann* £in jeder weiie nlttlicb aua 
eigeher und iremder firfahrungf wte ao oft, aelbat aus gac 
nicbt genftgend auaaumitttlnden Uraachen « gewlate Ziomer 
ao warm su haUen 'aind » wfthrend andere sehr bald wie« 

' der erkalten, und auf gleiche Weise geheizt eine weit grofsere 
Menge von Bi ennmatei ial erfordern, Aai' den Einflufs der 
Windc und den Grad der StiirJce , womit sie die VVSnd^ ver^ 

^ scbiedener Zimmer treffen , oder iiber und unter ihnen einen 
kalten Luftstrom erz.eugen, liat der Verf. allerdings Rttcksicbt 
genommen , die Ableitung durcb die verschiedenartigen W3nde 
ist bei ibra aber zu weni« berftcksicbtjgt , indem er von der 
Voraaaaetaung auagebt^ dais dieae von Hols oder mebrentbaiie 



uiyur^ca by Googlc 



7re4^1d's GiundiHuo d«r DampflidniDg. 



215 



7011 Ziegelsteinen geinacht sind, vvelche fiir sclilcchte Wflrnie* 
ieiter gelten kunnen. Fiir Eni^l^ind und nanientlich fflr JLon* 
don mag dies allerdings passen, alleiii flir Deutscblaiid und die 
darin iiblicben Hiiuser von Brucbtteinen muls auf diete Ab« 
leituofr notbwendig Kdckslcbt genomioen w«rden. Dm Be* 
•timmung des hiermr erforderlicben grdfserdn Au^vrandes yon 
firenninaterial ist indefs Sufserft schwierig^ Weil dieie Steind > 
nacbdsr fieicbaff'enbeit ibrer Beslandtbeile, z. B, beigeinisch* 
ten ftalxMureii Kalkes u. der^U , die Feucbtigkeit mtar oder 
weniger ansiehea 9 und dietem gemflCi eioe ungleicbe Wftrme* 
leitang betitsen, Iitiwiscben wird et denooch nicht ndchig 
Sep, aus dieter IJraacbe die angeaebenen Beitiramungen 
luftndern , indem der Verf. den VvllrmeFerlust durcb Ventila* 
ttOQ etwas hocb anscblSgt , bei strengerer KSlte aber die 
Nothwendigkeit erfordert, dem diingendern B«(li\rfnisse der 
Erwiirmung das miiukr dijjigende einer fortwahrejulen Er«» 
ncuerung der I^iift aufzuopfern. Ohnebin nimmt der Verf, 
dieMenge der durch Hespirationi Hautausdiinstung und Was- - 
•erbildung der in den Zimraern sich aufhaltenden iVisonen - 
Verdorhenen I^uft viel zu ^rofs an. I'iir das blolse Athmeii 
nSmiich (5. 40.) bringt er (iXv einen erwacbseneu IVJenscbea 
800 engl. Cub, Z. in der Minute in Recbnung, da man kauo 
180 p. C. 2. hierfttr recbnen J^ann (1. Gmelin in Gebler I. 4920f 
itnd fur die Gesammtmenge der durcb ein Individ uum verdor* 
]>enen Ifuft 6184 & Z. Nun sind zwar die^durcb die Haut 
ausgettofaenen yerunrelnigeuden Stoffe scbiver su acbSCaen; 
allein wenn auf den er^eugten Wasaerdampfgebalt ao viel ge« 
ncbnet wird^ ao bertibet dieses auf einer unricbtigen Ansicbt 
?on der Scblfdlichkeit dieaer DSmpfe und der S&ttigun^ der 
Left mit dentelben , indem ea aebr frag] ich ist, ob ret net 
Wmerdampf flberbaupt nacbtbeilig auf die Gesundbeit wirkt^ 
Sttf alien Fall aber ergiebt sicb bald, dafs die Angabe des Vf, 
viel «u bucli ist, Jnsofern man indeis alJe7,eit in der prakti* 
schen Ausftibrung etwas mebr tbut, als die Tbeorie strenge 
lofdert, um auch unerwarteten Hindernissen zu begegneii, 
i«nd obntbin bei der Uanipfliei zimg die Kiwarmung und su- 
Jnit aucb die Consiimtion von Brenmnalei ial durcb starkere 
oder &cbwScbere Feuerung unter dem Dampfkessel sebr gut re* 
guliit werden kann^ man nebenbei aucb gegen den Einfluls 
kurze ^eit dauernder nngewdbnlicber KHlte gesicbert aeyn 
i&uls , 80 darf man nacb allem dieaem fficb fil|picb genau m 
die Vorscbriften des Verf. balten* 

£a wttrde offenbar aweckwidrig aeyn, dem Verf* in alien 
leinen An^aben su folgen, indem ea vielmehr nur darauf an* 



ed by Google 



« 



216 Tredgold's Graadsatze der DampflieizuDg. 

Icp|nmt| anzugeben^ was mqn in dlesem Buche findet. Ijetz- 
^eres begreiit die zwei Hauptaufgaben^ nUmlich erstlicb : auf 
welcbe Weise kann ein gegebener Raum, sey es ein Wohn- 
zimmer, eine Kirche, Theater, Hospital , Gefangnifs, Ge- 
wUchsbaus oder Trockenbaus , am bequemsten und sicbersten 
nacb seiner indiyiduellen Gruise und BescbaiFenbeit , nach der 
ZabI und Grofse ieiner Fenster and Thiiren , bei einer gege- 
l)enen iiufseren Temperatur vermittelst beifsen Wasserdamptes 
bleibend zu einer verlangten inneren erwarmt werde^; und 
2sweitens ; welcbes ist die erforderlicbe Grofse und die besta 
£inricbtung der Oeffnungen , wodurch in splcbe KHume nach 
der Zabl der darin wobnenden Menscben oder der Menge und 
Bescbafft^nbeit der darin befindficben Sacben friscbe Lutt von 
aufsen zugefiibrt und die verdorbene abgeftlbrt wird. Rflck- 
sicbtlicb des Ersteren sucbt der Verf, zuvorderst nacb fremden 
und eigenen Erfahrungen zu bestimmen, wie grofs die Quan- 
titat Liuft ist, welcbe nacb deni Verhaltnifs der Differenz der 
auisereq und inneren Temperatur durcb die unvermeidlicben 
Ritzen der Fenster und ThOren entweicbt oder durch die 
FlUcbe des Glase^ abgekilblt wird, Hierzu setzt er dann fer- 
iier die Menge derjenigen Luft, welcbe nach der Anzahl der 
Menscben oder der Menge und Feuchtigkeit der z. B. zu trock- 
nenden Sacben kUnstlich abgeleitet und von aulsen wieder zu- 
gelassen werden muf^. Indem bierdurch nacb dem Verbaltnift 
der specifiscben WarmecapacitSt der Luft und des Wasser- 
dampreSy dessen Temperatur in den Zuleitungsrobren er ztt 
75 R. anniinmt, die erforderlicbe Menge des letzteren gefun- 
den wird, so berecbnet er ferner bauptsachlicb nacb den Re- 
sultaten cigener scbUtzbarer Versucbe , wie viel WSrme voa 
e;ner gegebenen OberflScbe eiserner ^ kupferner, weifsbleche- 
T\er u. a. Rdbr«n in einer b^stimmten Zeit abgegeben wirdf 
und findet diesemnach die i'i\r jeden besonderen Full erforder- 
licbe Grofse dieser OberflScbe, Hieraus ergiebt sicb dann 
weiter, wie grofs die Quantit^t des in einer bestimmten Zeit 
eriforderlicben Wasserdampfes seyn mufs^ und somit kommt 
er dann fferner auf die GrSfse des bierzu nolbigen Dampfkcs- 
sels iind die Menge des zur Heizung desselben aufzuwenden- 
den Brennmaterials nacb der ei^enthiimlicben BescbaiFenbeit 
des letzteren, Fflr alles dieses sind leicbte und bequeme For* 
ineln zur Auffindung anderer, in lihnlicben Fiillen erforder^ 
licher, GrSfsen mitgetbeilt, wobei zugleich deutlicb nachge- 
\(rie^en ist, auf welchem Wege diese Formeln gefunden sind. 
. ^ ' Rec erinnert sicb nicbt sonst irgendwo eine so grClnd* 
Hpbe und prakti^ch i)r^u(:bbafe ^nv^ei^ung fUr diesen Gegen* 



v. 



y Google 



Trudgold'a GrimdiKue dex DampfkeUung. 217 

stand gclesen zu Laben, tfucfa pflegtn di« BaumeUter bekannt- 
lich nach dem bloCMn Augenmaafso unil nach Giudtinken die 
Heuapparato flen Kaumen^ welche dadurch ^rwttroK wwden 
lollen, anzupasf^n, bl«ib«ii alto Woa bw cinar rohcu Empirta 
itelian. Ntiii iit swar tehon obfn •rwUhttt^, und oUmaad 
#ud in Abfed« atallen^ daft bei det Aufgabe der ErwarmMng 
gegebener Aftume viel sti vicleBedingungan aubarttckaichtigoa 
sind, aU dais man glauben dttrfte, die Bertchnungan dea Vf. 
seyen so haarscbart ricbtig, dafs sie alleseity 'bis auf eiotil 
einzigen Grad ttwa, das veilan^te Resultat gaben mtifsCan* 
Etwas dieser Art zu verlangen , wilrde unvernOnftig seyn ; aU 
kin jeder Baumeister, welcher in den Fall kommt, sokbeAo* 
bgen zu macbtn , wird es dein Veil", herzlicli danken, duTck 
dieses Werk in den Stand gesetzt zu seyn , die ci iorderlichen 
Einrichtungen nacb einer sicbern Grundlage berstellen zu kon- 
D«o, ohne wie biaber ganalicb im Finstem zu tappen, und 
iiesemnach unganOgendv odev Obergrofse, unformlicbe und 
unndthige Kosten verursacbende Apparate aniertigen zu lassen. 
Zogleich aber geht auch ain voraOglicber Nutzen daraus bei- 
wr, dafa der Frakdkar nach den in diesem Werk6 entbaltene« 
Angaben den Koatenaufvrand , walchan die Herstellung und 
Anwendung der Dampfheiaangsai parate erfordart, in Vora^i* 
bereisbiieii und mir andern Heiaapporaten vargleichen kan«. 
Von dteser Seite jat alsQ dai FubUeuin dem g^lebrtan Vfc aua« 
aehmend verpfiichtet, 

Auf gleiche Weise vortrefflich siod swaitent die-Anwi^ 
sungen, welche bier mitgetheilt werden , um gegebene-BBuin* 
nach ihrer indi vi d atdlen Bestimiiiung darch Ventilatoran sa 
leiniiJen. Iin Allgemeinen findet man die auf ricbtige pnett« 
matische Grunr!s:U7.t? gegrnndeten Regeln liber die Grof«e ,un4 
Lage der anzulegenden OefTnungen zum AblOhren der verdor- 
Lenen Luft und ZatOhren der frischen, wobei namentlicli die 
zwei VorschlSge wobl zu berllcksicbtigen sind , zuerst, dais 
man Qberhaupt die unUren Luitldcher mil einem feiuen Drabt* 
sitter t&beraieben mflsse, i^m das Varatopfen derselben zu ver- 
ifltan^ (lauptaftcblicb aber um die cindringende Luit gleicb- 
ttwauapalten und ihre scharfeBawegung dadurch au miidern; 
BH^tena abef filr Krankenaimmer auch dattir au sorgen babe, 

ntcht aium Nacbtheile der Geaundbeit die kalte Luit unm 
inittelhar einstrdme, aondern ertt in einem andarn Raume ge^ 
hdrig erwSrmt werde » iim den Ufiteracbied ihrer Temperatur 
Wd derjenigen in den Zimmorn weniger aulihnand au macben^ 

Bei der Anweiaung sum Heiaen vermittalat Waaaerdampt 
InderVf, wici4t bloii he\ dea^ befeani^t^a VprsQhlage decDampt* 



uiyiii^ed by Google 



21d Tndgold*i OnmcUStse 4er Da«ipflf«isiiii^ 

rdliren «teben goblieb«a» toiidern er but aucjb and«ro ]^iiridi^ 

tVLngen angegeben , wie man namentlich solche RObran in ge« 
scbmachvoilen Formen als Urnen, Schiiinke, SSulen u. dergl. 
anbi iiigt, sie durcli die iMauern unci UQter den 1 uXsbudtJii fort- 
ieitet , an odei in den Wanden f'ortlaufen ISfst u. 8. w. Auch 
hierbei ist stets auf das bestimmte Bediiritnifs Riicksicht ge- 
nomrnen , je nacLdcui mjii dieseiben in V\ obiiziannern , Kran« 
kenstuljen, Opernhiiusern , Treibbiiiisern u, s. w. gebraucbt^ 
i-ine Einrichtung zur Hei^^ung aines Zimrners durcn Dampf, 
welcbe ehen so gescbmackvoll a]s bequem ist , luid vom Veif. 
im. Edinburgb pbilos, Journ. No* XXIIL gUich nach dem £r- 
acbeinen d«a Werkes bekannt gemacbt inrurde, findet sich bier 
leider nicbtf und ist obne Zweii'ei ar#t apStar von ibm aus« 

fadacbt, Scbade, dafs dar Uebarsetzer diesen Nacbtrag nicbt 
eotttat bat, da docb daa ganannta Ha/Ft der Zeitscbrik tcboa 
Im Januar 1826 auf dem Goottnanca wan Far Treibb^luser, 
Gawflcbsbftusar und Blumansimmer, welcba wiasanacbaftltcb^c 
Eifar fowobl da aacb JLuxus in England auf ainan bobenGra<l 
dar VoUkoaioienbeit gebracbt babanf findet man bier dia An** 
caben der Hdfae, Weite, Einricbtungt Hataung, und aucb 
VorscblHge zur Bewiisserung , ein Gegenstand , welcben B.e<;» 
genau zu bcui iheileu aulier Stande ist; allciti er mufs aus an- 
3ern Grttnden voraussetzen , dais bierin die theorctiscben 
Kenntnisse und praktiscben Erfabrungen des Y^ii. kamn etwas 
zu wi'mscben tibrig lassen, und wtUde ibnen daher benOtbig- 
ten Falls unbedingt folgen. Aufserdein findet sich noch ein 
Vorscblag austiibrJicb eiortert ttber die Anlegung von Raumeii 
in grdlserer oder geringerer Ausdebnung von stets gleich- 
jD^lsiger Temperatur fGr solcbe Krankat welcbe die Aerzte 
su glaicben Zwecken in sadlicbera Gegenden su senden pile* 
gan; VVenn man beruckticbtigt , wie bescbwerlicb oft die 
waiten Kaiaen in aolcbe Lilnder slnd^ wie wenig man im Gan* 
aan 4ort auf aina stata gleicbmSfsiga , dem Beiinden -aolchec 
UnglOcklicban.angeniaisenef Temperatur re<^nen kann^ wia 
garinga PBaga and wie te]ten geodriga ArstUcbe Btitbandlune 
aie dort su erwarten baben ^ und was f(Sr Kostan Reisa una 
Aufehtbalt dasalbst arTordern , ao mufa man dam Varf, bei« 
pfltcbten, wenn er bebanptet^ daft nicbt bloa Mitlaideoi 
sondern selbst aucb Speculationsgeist zu einer solcban Anlsga 
im Grofsen an solchcn Oi ten auUordein konnte, welcbe durch 
tiie Natur und ajiderweitige Bedingungen lucrza voiziLi^licb 
geeignet sind. Das Kinzige, was dagegen entscbeidet, ist 
der Uuistand, dais die meisten solcbcr Patienten von dea 
Aei'zten gcuistentbeils dviw^gen in slidlidits Gegenden ge$andt 



uiyiii^cd by Google 



TttigoWl GnndUSkie day DavpHMiittug, 219 



wertlen , weil sie alle Iloifiuing dabei aufgeben, und Jen 
Verwandten den Aiiblick des Jangsamen Abstei liens dersel})en 
ersparen wollen ; nnd so kojinte hieKhu cii ein solches auP* 
Beste eijigenclitete Hans Icicht Laid in Mifscredit kommen. 
Uebrigens sind die Vorschlage det Veit* iUr eiue Aoiche Aa&tait 
ia hoben Grade zweckmSisig. 

So weit hat Aec. das Gute und yorftOglich Braucbbare ia 
dem Warka aitt gebtibrendem Lobe angeseigt; et tit nun 
aberauch notlivraAdig, die Mangel desseiboo su beaeichnen, 
liaiiptilcblich- nor aus dem oJmr ^cbon ervrSbnten Grunde^ 
damh ea nicht ron Uakundigan | wekh« atch auf die Autorltflt 
iu berfihrnten Verf« verlaaaen , ala ctchtig and vOllig erwieaea 
indie Wiaaeatehaft cingefahi^t werda. Wir mQaaen bierher 
aaerit 4lie allgemeifien Aeufaerungen tkber daa Weaen md 
Verhallen der Warme flberbaupt recfanen. Der Vf.y wekher 
ittden sur Statik und Mecbanik gehSrigen Gesetzen derNatuc 
<iiirchaas klassifich ist und cint walii lufr. seltene Gelehrsam* 
keit Liad iielesenheit besitzt, bat sicli luer uut* die Tiieuiieen 
(iber das Wesen und das Verlialten der unwagbaren StofFe^ 
iitimentlich cier Wdi iiie, t;iin*elasseii , worin tniiider be* 
Wandert ist, und ohgleich er die vvichtigsten Unteisutbim^en 
der neuesteii Scbriitsteller bierilber kennj, so fehlt es iluu 
doch ail den gebdrigen Vorkenntnisaen 9 urn sicb in dieseni 
dunkelen Gebiete dberall mit Sicberbeit zu orientiren, VYeil 
«i sweckwidrig aeyn wdrde, bier jede einzelne Bebauptung 
tiker die atramende and die durcb Mittbeilung verbreitet« 
WSrme^ fiber die sum Scbmelzen des Rises erforderlicbe 
Wirme , die latente und sensibele des Dampfes , die S£ltti^ 
gung der liiiit mit Waaaerdanipf und den Niederaqblag dea 
. Ktatareii zu prfifen, wird es gent)gen, nur tm AH^^meinen 
Stt bemerken ^ dafa die Angaben theila unrichtig , theila nicht 
•chaff beattmmt aiiid. Filr den.Zweck dea Verf. irar 4ieae« 
xidaXa unnOtbig , indeoi diejenigen Bestiinmungen, deren er 
^»i«r vorzugsweise bedurfte, nMmlicb der Wttrmemenge, 
welcke d ie versciiiedencii zur Ileizung durch Dampf braucb^ 
Bsren StofFe in einer gegebenen Zeit ausstrahlen , dur ch ei- 
gene genaue Versuclie aufgefnnden sind , auf deren Zuveriiis- 
*'gkeit man bei der hekannten Gewandtheit des Verf, bauen 
«ann. Hieraus ergiebt sich , dais Eisenblech mit rostig 
l^rauner Obei ililche die meiste Warme abgiebt , demn^cbst 
^'senljlecli mit acbwarzer glatter Oberfiiicbe, am wenigsteu 
^Veifsblecb, ein Im Allgemeinen scbon dur<;b Ruraford be- 
^iesener Satz. Hieraus ergiebt aicbdann Earner ^ dalaHeisuDgs- 
'(^brea voo EiaeoUech vo»ugawetae fbr dieaen Zweck su 



220 Xredgol^f 0ninclsltM der Dttmpfliiifling, 

I 

empfehlen alnd, Bei alien den rielen Bemerkungen Hber die 
JNatur nnd das Verbalten der Wjirme, nebst der Verbreitung 
derseiheii durch StrahlunH und IVlittheilun , hat ttbri^ens der 
Verf. eine Hauptsache veigessen » welcho eben so wichtig ais 
der Mebrsahl der Leser gewilft hdcbir* inUressant gewesen 
VFSVe, und worilber Rec. auch aeinerteits gern TOti eintin i 
•olchen ^achkenneir^ als Tredgold in, Belehrung erhalten \ 
Adcbt«« Man kann nftmlich annebman^ daXa ea nur drei 
Ha uptartan der Zimmerhaizung giebt^ - durch mahr oder mio* 
dar vorthailha&eingerichtata Oaten,, durcfa arbitste Xiuft and : 
durcfa Dauapf y wana man dia maisfcana ungentlgenda und auf : 
allan Fall hdtifast kost^pielige Kamtnhaisung gana bai Seka : 
setat. Die eritere erwiihnt der Verf. , und empfieblt sie fflc 
Scliulzimmer , die zweite verbindet er mit der dritten in so 
, fern, als er veriani*t, dafs die z. B. in Krankenzimmer stro« , 
mende Luft vorher in eigenen RSumen diuch Dainpf erwarmt 
werde, ohne der namentlich durch Meianer empiuhienen : 
Methode beaonders zu gedenken, die dritte ist das eigenU ; 
licba Object aelner Untersuchung. £s wUre indeis wQn- i 
achenswertb gewcfen^ alJa drei rdckaichdich ibrer Vortbeild 
und Nacbtbeile prfifend su^vergleicban, und bier auf ain Ur- ! 
tbail su grttndan » Wakba von alien am, woblfeilstan , fiicber- 
atan. und i^aquamstai^ angewandt wardan kann. Rac* Ut.m* < 
. naraeits aabr entacbiadan ^&^t dia latstera ainganommanv Di« 
eratara nSmlich atabt dan Jiaidan folgaiidan nach* wail sta: 
jedes Zimmar ainen basondereh Ofen, also aucb naba abeaco ; 
▼iale Kamine und Scbornsteiiie oder Schornsteinscblote arfbf* i 
dert, aus dcjien eine unmUfsige Mengo Wiirme inibenutzt | 
cntweicht , und so das Brennmaterial im eigentliclien Siim» 
zersplittei t wird. Gegen die zweite lieizung mit heiisci* 
Luft lassen sich eine Menge Eiinvendiiri^en vorbringt;n, wel- 



cbe Kec. in seiner obeu erwiibnten iieurtbeilung der Meisner''* 
acben Scbrift nambaft gemacbt bat, worunter die wicbci^sten 
aind, daXit die Luft wegen ibrer verbSltnifsmlirsigan garing^i) 
Wflrmacapacitftt auf einan boben Grad der Temperatur ge* 
Inracbft wardan mufa , und dabar der durcb das Feuar glCibend 
gamacbtan Ltuft ao viel wanigar 

aia aalbat iat , worsu nocb dar Umstand kommt , dafa Bia bei 
atranger Klilta in grofse Ziamer &tt glBband aintratan maUt 
und also keine voile Sicherunrr gegen Feuersgefabr gawMb'^f 

abgerecbnet, dais die w.ume Luit aus deii Ziiiiinern urt W 
stiii ker entweicbt, je grolstii die Quantitiit der stets neu an- 
stromenden ist , obne dais man das gleicbzeitige Eindiiug^" 
dar ^uisareu i^aitau zu vefbiiten varmag* Die ileiaung ui*^ 



kj ui^^o I y Google 



Tiedgola'i Gruud^aUe der Dam|)faeiiung. 



22i 



. Dampf gewi&brt dalier den groisen Vortheil , dafs das Wasser 
' Bur wenig fiber H. erhttKt werAen kann, und daher der 
Mter dvin Ke«sel baii«treicbend«ii glabenden Lui'c des F^uers 
80 viel mebr W^rill« •■Ui«bt, und diese ditich die grofso 
Qinmtitit der latenUn nnd «eiMib«l«ii WXriii« det Dampfes 
, dor Zimmefluft mttthtilty obiM dab amn nn nllrkma Za« 
atrSnen kaltor Lufo ma crseygen ndlfaig bat, aU anderwaittga 
: Mingungen tinrernieidltch fordern. £a llftt fich dann fer« 
' ncrder Heisungsraitm to einrichten, daft durch dieaan wenig 
Warme verloren wird, und indem man da» abgekflhlle Waa« 
ser wieder in de« Siedeke&sel zui i^ckleitet , oder zu anderwei* 
tigen okonomiscben Zvvecken henutxt, »o daii man ganz ei- 
gentlich hebaupten, djls durch dieses Mittel die gesaininta 
Warmeprodtjction des verbraniiten Fenermater iales mit unbe- 
deutendam Veriuste zur Heieung der llSume vervvandt wird. 
^ Nimmt man binzu, dais diese Metbode unter alien am mei^ten 
gegen FeuersgeCahr alcb^rtf und nocb obendrein mit mancben 
cikononiiacben Gawerban y namantlicb dan- Deatiilationan , ala 
i N«benanatalt varbnndan wardan Unnta; ao kann man nicht 
I uabin ainsugaatabea , dafa aia untar allan dta grdfataa und 
enlsdkiadenatan Vortbaile gewftbrt* Aua allaan diaaam ar« 
gi«]it aicb abar genUgend ^ wia intaraatant aa filt Re£. gewa« 
' sen seyn wtirde, ain auf Berecbnungeit gestdtztaa UrtbaiJ daa 
^ «achverstandigen Verf, bieriiher mit seiiien ei^enen Anaichtan 
' Vergleicben zu korinen, Beilaufig mufs Ret. iiocli erwilhnen^ 
dafs der Verf. eine sehr zweckmalsige und eigentlich wohi 
nothvvendit^e Einrichtung grofser Dampfbeizungsapparate un» 
LerQhrt l^Ist, namlicb die Hiibno oder Kiappen, dnrcb deren 
Oeffnen oder Scblialian dar Dampfstrom regulirt, und den zu 
I erw&rmanden Zimmarn in ge5iaarar odar garingerer Menga 
Kugefiihrt, oder von ibnan ganz abgescblossen werden kann; 
fennciat des grofsen Vorthaiit 12d. nicbt gadacbt^ wakbar 
: diraas arwftcbaty dafs man d|is Waasar aua den Rdbren wia* 
dsr in dan Kaasal eurflckftebrt , indam dataalba biardureb atata 
rebarbaltaa wird, und keinan Ffannanatain abaatat, walcbar 
dioKasseln bdchst nacbtheilig iat^ und am.Oftares Rainigaa 
derselben nothwendio; macht. 

Auisei diesen allgememen Bemerkungen mufs Rec. nocli 
auf einige specielle GegenstSnde aufmerksam machen, welcho 
ihm bei'm liesen aut^Lfallen slnd, und den hlofsen Praktiker 
leicht irre tiibren kcinnten. Iiu §. 4- behauptet der Yerf. , man 
enipfiinde in einer 28 bis 30^ R. warmen Lu£'t kaum Warme, 
da docb ein bis 16^ warmes Ziromer scbon unaussteblicb 
beUa eracbaint. Waa dann Earner abandaaalbat abar dia Var- 



222 Ttedgold'i GmnUti^ <Ur D«ttplMn»g. 

dunsuing nasser Kleider gesagt wird, ist eben so unbaltbaTi 
da die Ternperatur derselben ohne scharfen Luftsug niir we» 
nig unter die der Suiseren Uingfhun^ herahgeht; tiberhaupt 
aber ist rilcksichtUch der EmpIiiidJichkeit gegen WUrme und 
ILillte in der ganzen Abhandlung anf den wesentlicben Um« 
Stand nicbt KUcksicbt gtnommen, .daia bei anbaltend^r Eio- 
wirkung ftufaerer WUrme auf den menscblicben Korper dia 
£ntwickelung' der thierlscben WSnne l>«deutend abnimmt^ 
woraus der unangenebme Eindruck dar ertten Kttltw im 
ter'^rklflrlicb wird. £in Auadruck 50. kdnnte bei getinge* 
rer Aufmerksamkait latcht su Milairmdiiidmaaftn fiahrea* £f 
heifst nSmlichy loan mQatt die Grdlae'der Oberflftche def er- 
fbrderlichen DanpfrdhrQii in Qaadratfiifaen dutffa i800 din* 
diren, um die QuantitflC Koblea^au fiod^n, wodurok diC 
Kaum auf 12^, 5 H. za erbidten tey, uml durcb 2100 und 
durcb 2620, um denselben auf 21^ oder ^0*^ R. bleibend zu 
ei'wiirmen 9 woraus zu folgen scheint, daJs fur eine bobere 
Ternperatur eine geringere (^uantita.t Brennstotf ndtbig sey, 
welcbes unmdglicb ist. Genau betracbtet wild man aber ila- 
deii , dafs in den letzteren beiden FUlien die Grofse der Ohet- 
liUche wiichst, und dadurch der Quotient gltncbfalls , ohn- 
geacbtet des groiseren Divisors. Kec. vefmilst ferner in die* 
aer Abbandlung , ibrer groDsen Vollst^ndigkeit ungeachtett 
eine wicbtige Vorricbtung, welcbe inabeaondere dann unant* 
liebrlicb ist , wenn das aus dem Dampfe condensirte Wasser 
wiader in den Kessel sarOckUuft , n^mlich ein Ventil, wal* 
chea die In den mit Dampf zu ftlUenden KSumen enthaltene 
Iiuft fonlBlat4 Solcbe ansabriugen iat notbwendig , wail 
Bonst die Liift nicbt entireicben , folglicb keine £rf(lUttng det 
Kflbren mit Dampf und keine Heiaong erfolgen kann « und 
nocb obendrein die Spannung der mit Dampl: gesSttigten Luft 
bei der Siedehitze mebr ala den doppelten Druck der Atmo* 
spbare betragen wOrde, worauf solcbe Apparate nicbt einge« 
richtet zu seyn pilegen, so dafs also das ^ ichui heitsventil ge- 
bo})en werden, und Luft, abei audi Dunpt entweichen 
wQrde. In der oben erwSbnten Abbandlung im Edinburgh 
Pbil. Journal gieht Tredgold an, dafs man solcbe Ventiia 
zum Entweichen der Luft dm ch Ausdehnung der Heizi obren 
mecbaniscb offnen und scblielsen iaist, wonacb sie also zu- 
gleicb bei'm Aufbdren der Heizung der JLuft daa ^indringen 
ventatten, Man kann tnd^fa dieae Vorricbtung dann entbek* 
, ren , wenn man daa condenairte Waaaer nacb dem auch andac^ 
weitig achon bekannten Vorscblage des Verf. durcb etnen nm* 
gekehrten.Heber ntcbt unmitrelbar in den Kcasely aondern 



^ ly i^.o Ly Google 



Tredgold < GntadsaUe der DampfUeixting* 



22a 



Torbtr in eine Cisterne bitetf aus welcher der Kessel getpei* 
set wird, einer atich in $a fern aweckmSfsige Einrichtung^ ab 
darch solcbe beberfOrniiae KOhreti hei'm Erkalten des Appa- 
raM ftuch die iufiere JUuft wilder in die Dampfrdfaren nod 
den Kestel tindringen kanti* Letatalrat hftlt Tred go] d nur 
dano finr ndthig, wend die Apparate dean Infaeren Liiiftdnicke 
ntcht widertteoen kflnnen ; allein et jat allgemein erforder^ 
Hch, da 69 zweckmdrig seyn wfirde, die Apparate einem ao 
grofsen Drucke von 14 i'fund auf den Quadratzoll unn5lhiger- 
weise auszusetzeri, um so mehr, als das Sicherhei tsvintil 
sich scbon oflFnet , wenn der Dampf mit 4 I'imid gt*gen tmma 
Quadiatzoll (ii Qckt , oder eine Wassers.'lule von etwa 9 Fnfa 
trilgt, woltei z!i beriicks iclitigen ist , dais die Elaslicitiit de* 
fiiedenden Dainptes ioi Siedekesscl iind die der Huiseren At*. 
mospbSre einander gieich sind (a. 102,). Unter den Ven- 
tilen icbeint Tredgold das von £delkranz angegehene^ 
welcbet aich sugleicb nacb Innen und nacb Aufsen ofFnet^ 
aicbt i^ekannt zu baben , obngeachtet ea sicher eins der beaten 
itt; ainnreicb wird man dagegen den Vorscblag finden , neben 
der mit einem Ventile veracblielabaren Adbre^ durcb welcbe 
der Keaael mit Waaser gespeiaet wird , eine etwaa bdbere und 
oben offene anznbringen , dareb welcbe die Luft eindringen 
hnn, wenn die Spannung dea Dampfea im Keasel aufbOrt« 
Bagegen wird daa neue Dampfrialr dea Verf. (Eleiticitata* 
taesser des Dampfes) §. 1069 eine metallene Flatte swiacben 
iwei Ringen, welche durcb den Druck dea Dainpfes sicb beu» 
gen soli, schwerUcb Beifdll iinden. 

Rec. hat sich lange bei dem Werke selbst aufgebalten f 
doch sicher nicht ]ann;er« als die Wicbtijikelt des Gejienstandea 
fordert, und es ist Zeic, jetzt nocli etwas \yenla,<-s i\})cv die 
Uebersetzung zu sagen. Dais die Uel)ersetzung eines so be- 
deutenden Werkes niitzHcb sey, wird keinen Augenblick be- 
Uritten werden^ und ist oben scbon anerkannt, aucb leidet ea 
keinen Zweifel, dafs das Werk Xiiebbaber Hnden wc^de; in* 
defs darf eine billige Kritik deswegen einige gerecbte Vor* 
Wttrfe nicbt zurGckhalten. Im Allgemeinen lat zwar die CJe* 
berietsung fliefsend^ und acbeint aucb treu an aeyn, wie aicb 
obne die Yergleicbung mit dem Oi i^inale nicbt genau auamit* 
teln lafst, allein dafa einige Stellen weggdassen und dagegen 
aedere yom Ueberaetzer eingescboben sind, obne beides ge« 
aau von ei nander zu sondern f ist eine nicht au entscbuldi- 
gende Freibeit , obgleich in der Vorrede dieses im Allgemeinen 
uncegeben ist. Ein jeder Scbriftsteller hat das, was er dem 
i'ublicum giebt 9 vor demselbt^n zu verautworten^ und daber 



^24 l'redgold*i GnmSfitia DaiKp£b«if nog* 

mufste Ilr. Kuhn den Text, 80 weit er ihn zu iibersetzen fuc 
gut fand , unvei aiidert ]assen , uud konnte dann alierdings 
dasjenige, was er zu herichtigen noting land, auf irgend eine 
ibai JjeJiebige VVeise, aber kenntlich hezeichnety zusetzen, 
£inige Male ist dieses ^eschehen, 2, JJ, hei der zweiten Ta* 
Jielltt, welcbe die speci^scben Gewichte (nicht ipec, Schwere, 
d^nn da alle Materi« Bekanntlicb gleich tchwer Ut, so kano 
ei^ aller Auto ritU ten ungeacbtet, keine sp«cifitcheScbwere 
geben) dec Gasarten entbillty bei der dritten Tabelle (Iberdie 
AuidebiiUDg der Kdrper, welcbe aus Gebler I, S« 582. £enom* 
aic^ ist , und bet der nacb fiiot*i Formel neu bereciineten 
aecbsten Tabelle; alJein es bftlte dieses flberall gescheben mfli- 
aen. Rttcksicbtlicb der Tabellen, wovoo die smite, dritte, 
fanfte und secbste durdi den Uebersetser umgearbeitet sind, 
gereicht diese Bemttbung dem Werke offenbar sum Vortfaeilsi 
jiamentlich fdr Deuttcbland , wo man weniger an den Gebraucb 
der Fahrenheit'scben Skale gewdhnt ist, die Verbesseriingen 
nicbt gereciinet, vvelclie die Angaben selhst bieiduich erhalten 
baben. Namentlicb ist die iiinFte Tabelle tiber die Ausdeh- 
nung der Gasarten von — 25° bis + 50*' K. , ibr Volumen 
l)ei 12° R. als Einbeit genommen, nicbt ohne groise Mflha 
})erechnet, jedocb ist der Zusatz in der Amnerkung S, l9lf 
dafs die Ausdehnung der FiOssigkeiten auf gleiche VVeise be« 
recbnet werden konne, unricbtig, indem aufser dem Queck* 
ailber keine FlQssi^keit sicb regeloiUfsig ausdebnt^ wie dieses 
hei der Liuft der l^all ist. Endlicb wdnscbt Kec,, dafs eia 
Tom Uebersetser gebraucbtes Wort, der &ocber (boiler) 
' atatt Dampfkessel oder Siedekessel^ nicbt mdge eingebtirgert 
warden. Verscbiedene Druckfebleri s« B. S. 60. Cubikfufs 
JZoll^ sind leifbc su verbessern; unangenebmer ist die allge* 
neine unricbtige Bsseicbnung der Figuren auf der selinten 
Tafel. 

Es lafst sicb erwarten, dafs auS einein so ausnebmend 
DiUzlicben Werke gar bald Ausziige in die Zei tschriften fiber* 
gehen werden, Dabei ist indeis sehr zu wiinscben, dafs diese 
durcb Sachkenner gemaclit werden, welchcv niit Weglassung 
des Ueberfliissigen und zum Theil Unrichtigen die Hauptsacb© 
in einef klaren Uebersicbt zusaminenstcJlen , um dadurcb einer 
an sicb so YOitrciilicben Sacbe leicbteran Eingang su vt^r- 
6cbai£en« 

M u n 9 k 00 



. iy..i^cd by Google 



N. 15. - 1826. 

Heidelberger 

lahrbiicher der Literatur. 



Sammlang Griechischer und R5misclier Autorea, 
l>ei Teubner ia Leip^g« 

Wir bab« in No. 8. S. 32 f. dieser Jahtbacber , Jahrgang 
1826 9 bei uniartr Anseiffe des Fartbeniut fx ed* Pasiow. 

eubnar, im All fgemeinen der Sammlung claisiscber 
Autoren, aowoblGrtecbtscberalaROniudierf gedacbt^ welcha 
in Leipitg bei Hrn. Teubner ertcbeinen f aacb einige von 
^en Autoren nambafe gemacbti welcba bereita daselost er* 
ichienen aiod. Rac findet aicb um to m<»br veranlafst^ n&be* 
ren Bericbt daron zu aratatten , ala dieae Auagaben aicb in 
jeder Hinsicht empfeblen, und ibrem Zweck so vollkommen 
•ntsprechen. Die«er Zweck niimlich ist kein anderer , uls 
filr den Schuluntciricbt , wie fOr den Gebrauch Lei aivademi- 
schen Vorlesungen und fUr das Frivatstudium Ausgal)en 7.ii 
lielern, die dmch einen von falschen Lesarten wie voaDruck- 
fehlern glclch gereinigten Text, SO weit solcbes nach den 
Vorbandenen Ilulfsmitteln nur immer moglich ist, cKirch rich* 
tigelnterpunction und Orthographie, duich deutlicbe Lcttern ^ 
guten Druck, durch ein airgenehmes Aeulsere und hilligen 
ise'u alien dan Forderungan entsprechen, welcba man in dia. 
ser Hinslcbt zu macben gawobnt iat. Allen dieaen t'orderun* 
gen aber ist in den biaber eracb\enenan Tbeilen dieser Samin« 
lung aufa rUboiUcbata entaprocben; es iat Alles aufgeboten 
Borden y waa au dam bamerktan Zweck dienlicb aeyn tind 
dem Unternebmen aur £inpfeblung gereicben konnte. Darum 
Wcrden Schulmftnner inabeaondere mit dem ^rdlaeaten NuUen 
jieie Auagaben gebraucben^ und der akademiscbeliebrer, der 
diete Ausgaben aeinen Vorleaungen tbber einselne ScbriftsteU 
su Grunde legt, wird sich eben ao aebr bald von den Vor* 
tbeilen tibeizeugen, die diese Auspaben vor jeden andern bei 
•einen Vortrage»;ihm gewShren, jCetzteres mag inabesondt^re 
Von denjenigen Autoren gelten , die ihrea Inbalts wie ibrer 
Sprache wegen weniger auf Scbulen gelesen werden kcinnen, 
•ondern mehr ii\r akademische Vortril^e Oder (ilr FrivatUctiUe 

Jahrg. 2. Heft. > 15 



ft 



226 ^ Gricdiiidis und A«mlsdie Autoren* ^' 

sich aigQen, wie s. B. Arittopbanes/Dionystus Fe* 
riegeteSy die Griechischen Erotiker ii, s. w. Um 
aber den Ijescr in den Stand zu setzen, selber zu iibtrselien 
und zu Leurtheilen , was in diesen Aus^aben geleistet woiJen, 
will Rec. die einzeJnen Theile dleser Samnilung durcbgelien, 
und auf das Untersclieidende ders&lben , was ihnen zux heiOO^ 
dfreiirJ&iDp£ehlun|^ gejeiqhc, aufmerksam machen* 

■ a 

hrmn annotatiom eniiea edkM (von WHK Dindorf^l ZJpmtf 
siantihus 0t typU G. T^tAnnu MDCCCXXF^ Va. I. 
jra, n. 42BS, 2 Thlr. 

In dieser Ausgabo ht. Was die jConstitttirutig det Ttxtei 
Mbelangt , von den bis jetat bekannten kritiscben Hfllfsmit* 
teln eih Gebraacb gemacbt, wie aolchea in keiner der bisfa^w 
rigen Ausgaben des Aristophanes deir Fall geveesen lat» D«t 
tText ist von Aanhicbfacben t'eblern , von sfanchen unndthi* 
gen Verbesserungen Brunk*s (dessen Recension die bisber is 
den Handausf^abtn vorheirscbende war) gereinigt, und nach 
den Ijcssern Ilandschriften hericbtigt, insbesondere findet sicli 
eine durchweg verbesserte gleicbforniige Schreibart in einzel* 
nen Wdrtern, Redensarten u. dergl,, so wie in Einfiihrung 
der bei Aristopbanes voiberrscbenden Attiscben Formen , was 
in gleichem Maafse von den Stdcken Doriscbcr Scbreibart 
gilt, welche in einzelnen Dramen (z. B. in den Acbarncrn) 
Torkommen* £ben so ist eine bessere Yersabtbeilung ein« 
' geftihrt da^ wO die frClhere fehlerhafc und unbegrUndet ei^ 
scbeinen konnte. Der arste Band entblUt die Acbarner} 
die Aitter, die Wolkisn, die Wespen und den Frie« 
den-, den Text mit den Griechischen Argumenten au Anfangs 
•ines jeden Stfickes. Am Schlusse des Gansen von S. 34^ 
347. ist die Annotatio critica beigefugt, was iRec. deshslb 
ausdrflcklich bemerken mufs, damit man nicht' etwa diesec 
Annotatio critica auf den blofsen Tite) bin einen allau groften 
Umfang zuscbreibe, der die Alasse des Bandes bedeutend ver« 

frdfsert und daruui dasselbe dem oben bemerkten Z wecke rain* 
er entsprecbend niachen konnte, Denn keineswegs bat der 
Herau«gebei bier alle die Abweicbungen von dem bergebrach- 
ten Bruak'scben Texte, oder die eii^eninachtig , zumal nach 
handscbriftlicher Aatoritat vorgenoramenen Aenderungen auf* 
gefabrt, er sagt vielmehr selber: „ quae quia longum est ex- 
ponere omnia, pauca elegi , de qnibus bac annotatione dice- 
rein, Uaber geben die i'olgenden Bemerkungen einige meist 

Digitized by Google 



^ Grieeliisciie trad Romiacha Aatoreii6 227 

iLflrsere Verbesserungi^orscblUge an, und zwar bios «u den 
Acbarnerri, Rittern, Wespen und zum Friederi. In gleictier 
Kurze sind die Bcmerkungen zum zweiten Bande^ welcber 
diefibrigen StUcka : die Vogei, did Thesmophoriazusen , JLy* 
listrata, Frdtcbe, Ekklesiazusen und Flutut ^iitbiilc^ *1)8*« 
Mat} bier ntaunt ebenfalU die Annotatio critica keineti grd$» 
leren Raum, als von S. 423 428* ein , und verbreitet sich 
auch bier nicbt Ober aUe StUcke. Hef^ bat aich die Mflba 
nicbt Terdrielien laften p hti mehrercn KomOdien eint genau* 
Yergleicfattng der bier ^elieferten Recemion mit der firllbereii 
ansuftelleii; «r fand ticb aber auf dieaa Wais^ tollkommeti 
flbefoeugt^ wia bier Qberall ein durebgllngig verbaaaerter und 
bericbtigter Text (vroraut* bier io viel ankomtnt) geltafert Utf 
dflrunbtfdingt vor jedem bitberigen den Vorzug bebaupt^t; 
wie ferner eine seltene Gorrectlieit tiherall anzutreffen ist, 
Welche zii erreichen, wie Jeder wciis, dev in solchen JDingen 
eigene Erfaluuni^en gemacbt , keine Kleinigkeit i«t, Kec» 
Will bier nur beifiillig £iiiiges aus d^tii Achernern anftibren. 
Z. B. Vers 10. statt des unricbtigen otb S^fr* Uayyyy^ stebt bier 
daa Kicbtigere : ot« hi^ 'ki^^i^vi}. \rgl. va* l6* iLben so gleich 
daraaf vs. 12. tuT; rowr }fc8i(Ti fxov Sonet; ry;J Y,aqltav «tatt des bis- 
berigen matten dai^a/. B.ec. erinnert Zweifier nur an Monk 
vx Earipidea Hippol« 448. Aristopb. Nub. 88i« coll. 696 etc. 
Sollte aber auch statt /i^u nicbt ein u^/ bier zu setzen seynf 
Ibid. vs. Z5* 7ihf» f&r'gaif. Vs*68. iet die gewObnlicbe Xjeaarts 
xei }f^t ir^xjy^ciAtBa St a t tu v Kati^ttiav x^im SBotTkavwvriS atC* ; WO* 

filr iicb bier nacb dem Codex Aavennas findet : Jf^v^^o^jM 
KaSdr^/div mStimt oSetrXsanUvr^f und in der Annotatio critica 
rorgeacblagen wird : Ko^otf loy «a8/oV» * In dieaem fall abet 
fragt Rec. , ah nicbt atatt dea ein vt^} aufgenomnan war* 
d«n ddrfte? — Vs. 133. itt etatt auf dia Autoritftt 

Grammatiker Herodiaiius auff^enommen die Form vtg^jjvsrs. 

Vs. 158. statt aVoreS^aHg; t/$ J daS Ricbtigere aTor«3.^/axsv. 

Va. 295. ist Kara <r' aJ ywtfofMv verbesseiC in das lUcbtiget 
xara as 5(ty 3-c/xsv , eben so iin folgenden Verse: fjLyjSuiMu; ^ irftv av 
V'axouojjT** dXk* avaayscS^ (uyaSoi (wie zum iheil scbon Ebniiley 
emendirte) statt ^Jv'^ycmB^ J '7«5o/. — Ts. 323. BsrA ra'^a xs/- 
oofiatf wo bei Brunck y d^a steht, was grundialscb und un« 
jichtig ist. — ^ Vs. 601. veavi'a; 5' oiou; <ru Biahh^.ct>^ora^. 
^ie au£Fal]endfi Construction ^ die Schaier zu Lambert. Bos. de 
^ipi. p. 479. au eilMutern sucbte^ bait der Herausgeber fut 
eine Auageburt der Abschreiber^ und vetbeasert demnach o7o9 

far welche Structur auch die angefdhrten Stdlen aus Di^ 
vottbanea und Aaachinea seugen kdnaam Docb kaiin aicb Hei^i 

i9 * 



uiyiii^ed by Google 



225 Grieeluscbe uod RoibiscUe Autoren. 

i|oeh nicbt yolilcanimen von der Ricbttgkeit fiieter Emendation 
Qberzeugen, sumal da die Attraction vtaan'a; b* etov^ nicbt als 
irregular abgewieien werden Jcann, wie [ilinlicbe von MatthU 
^, 473. JNot. 1. pag. 653. angei'llbrte SteHen bewaisen. Sellte 
etwaa su 2nd«rn a^yn, to wUrde Her, lieber'vorachlagen ^im 
eS^ wie weitar unten vsm 703» av^^an^Vf {A/xeir 6«uitv5/* 
itjv, was aucb MattbiS a. a. O. p. 654. erwBbnt bat. In dea 
V8. 729 vorkommanden zablreicben Dortscben Formen uod 
Wortern bat der Heraus;ieber insbcsondere biilfreicba Hand 
geleistet, so dafs wenige V<?rse sicli linden, die nicbt in if* 
gend eiiier \V eise ])ericbtigt worden, Aber aucb iui Uebrigen 
empfieblt sich dieser Text diircb die bericbtigte und gleich* 
fD^rsig durchgefilbi te Scbreibart, wie z. B. * c/v^^ (vs. 4^9.), 
ev (vs. 42t.), ovyw (4^.}$ ro^^ycv (vs. 8 ), wvB^^sg (53.), jKjSa- 
rava (vs. 64.) i oipAu^ v (vs. 691. statt des alten S'vpXtuv , das so 
weoig ricbtig ist, als z. B. <>i''ywv, wenn aucb gleicb fiuttuiann 
in der ausfahrlicben Grammatik S. 204 des aweiten Bandes 
nocb Zweifel begt; vergU ibid. S. 149. Aucb im Demosthe- 
naa iat jet^t Uberall o(pA(uv und i^Xatv bareaftalJts a, die Frae- 
fat* ftu Vol. I. pag, XIII.) ; eben so ist daa unrtcbtig gesetzte 
jota subscript, bei einar Crasia, als a*B* navftr C^a«426.) und 
in Afanlicben Fflllan Hbarall weg^ebliaben; waa wir um ab Idb* 
licber finden mufiteiiy ala eerade h4i Auagabeny die den Zweck 
babeot wie irorh'egendd , Fabler dieaer Art ani/ao nacbtbaili* 
gar aind« Weildurcb ate bat den Lernenden ao leicbt gramma* 
ttacbe IrrtbOmer und Unricbtigkeiten aicb fortpflanzen. Auch 
ist iiberall atatt des bisberigen 7tVai, fV/jt>jw ein Ufxat ^ U^vf\t (z.B. 
Kq'J. 625.) gegeben j iiber vvelcbe Aendernng wir \^on Ludwig 
I>indorf au Euripid, Suppl, 699. eine ausfiUulicliere Erklanin^ 
erhalten« Sebr ist es zu loben, dafs, obgleicb durcb maiicbti 
Veranderung in der Abtbeilang der Verse, wie &olcb« durch 
die seitdeiii torkgeschrittene Metrik erforderlicb gemacbt wur- 
den, die Zabl der V erse bald verinindert, bald aucb vermehrt 
MTorden ist^ dennoch die alte Z^biung der Verse durcb die 
dem Kande beigesetzten Verszablen baibebalten worden ist: 
ein Verfabren^ wodurcb der Varwirrung, die aohat unieblbar 
veranlafat wird, am besten vorgebeugt werden, und die Aui« 
gabe sblber in dan flftnden ibi^a Beaitsera um io bcauchbarer 
werden kann. . " 



Grifoiiisolic and EdniMh* AntoKtn* 



Eurtpidii fmhmtas twm mm»otatkmAmi Lmdovioi DimdorfiL 

7nMMf#ii Ah^SMf iam^ Udtmu 600 ^. in 0* Vok IL Jt^ 
dtom* £t0et» H0reai. fwr* Baieoh^ JIm* Pho§ih. Or§it» Iphig^m 
Cycl. 54t S. Uptia0 etc. MDCCCXXV* % Tblr. 4 Gr. 

Zii Anfang findet sicb aut^ den beiflen ersten Seiten y^'vo; 
Ew^>mdov KOJ /3<'o{ » dann iol^en dje eins<;Iiien Tragodi«n in der 
aut dein Titel aiigegtibeuttu.Folge, init jedetuial vorausgetets* 
Um Griecliisclieti Argument* Yon S. 445 4B3. laufen 5«Ao* 
Ua Vaticana in Troadts et Rhesum^ mit einselnen VerbeMerungenT 
od«r VerbeflserungsvorschlHgen y die unter dem Text kurs an* 

jedeutet sind. Von S. 48^ — 499. geht die Annotatio critica, 
ana sn,der«clben Weise und Anlage , wie wir aolcbei faeider 
Ausgabe des Aristopbanei bemerkt baben» Aucb bier find et 
Uos eitiselne Bemerkuiigen su «in»eliien Stellen, welcbe vor* 
getragen werden , da eino Angabe aller einselnen Aenderungen 
od«r Abiireicbungen von der DiaberigenXesart die Masse der 
Annotatio critica allzu sebr vermebrt und so su beicircbten 
geweaen , dafs der ursprOngliche Zweck und die Bestimmung 
dieser Aus^abeii geiahidet wQide. Was wir alier i'lhtv die 
Cotiatiuiiriing des Texte* hei Aristophanes bainerkt haben, 
die Lessere Schreibart, die hericbtigte Versahtheilung u.s.w., 
niufs auch von dieser Ausgabe in glcichem Maafse jr^lten , und 
ihr in gleicbem Maalse %ur nicbc geringea £mjjiceblung ge« 
leicben* 

Sopliocti'M Trago^diae* Cum prae/ationt GuilMmt Dtn« 
dorfik LipsiM etc MDCQQXXr. LXXill und 598 
inn. i Tblr. 

Die einzelnen Dramen folgen in der Ordnung nui einan- 
<ler: Ajax, Eiectra, Oedipus Tyrannos, Antigone, 
J'racbinerinnen, Pbiloctet, Oedipus epi Kolono, 
und am Scbluia des Textas S. 385 — ^^383. Hoiponk^ov; fiio^- £ine 
Annotatio critica ist nicbt f)eigefUgt, indein statt ibr«r die 
Traefatio dienen kann. In dieser n£tmlich theilt zuvcirderst 
Herausgebei die Varianten von drei Mediceiscben Hand- 
schrift«n init, wovon die erste vorsQglichere aus dem vier« 
Kelmten J^hrbundert, auf Fergament gescbriebene (No* 2725« 
rr]) vier Stficke entbak: Ajax, Ekctrei^ Fbiloctett Oedipus 
Tyrannos ; die beiden andern von minderem Wertb y und auf 
Kapler getcbrieben (No. 2788. [A] und 38l7. laHt atia dem 
vieraebnten und dretaebnten Jabrbundert, nur dret Stficke: 
Ajax, Eiectra und Oodipus Tfrannos enlbalten. DaTs dieaa 



^0 G|dcoiaaok« nad Eomiscb^ Autoreii. 

HandsohrilttfQ aaoh for die Constituirung des Te^ctea und Be* 
cjchtigung aattcher fehkfliail«n SteHen nicbt ohno NatM 

feweien siod ^ Jiraucfat &ec« . nicbt noch b«$Qnder« su bemer* 
, en* AachVerbeMerungenander^rGelehrttn sind mitNutseD 
angewendet) eigene Conjectiir«ii aeltner zugelassen word«n* 
Die Grflnde jed«r einzelnen iV^nderung and VerbeMeruog 
konnten denselben Ursachen, wie he'i Aristophanef und 
Euripides, niclit aile angtfuhrt, und somit auch alle die Aen« 
derungen selber nicht namhaft gemacht weideu; auch ver« 
Weiftt uns der Herausgeber wegen uiancher von ihm vorge* 
nommeneii Veianderungen auf fieine Recension der Wimder« 
SCben Ausgabe des Sopbocies. So enthalten wiecierum S. LVI 

einige einzelne Benieikungen , besonders ine« 
triscbe, zu einer Anzabl Stellen aus deoi Aja^y dem Philoctet: 
upd den beiden Oedipua. Wenn auch gleich bei Sophocles 
dem Herausgeber beaaere Vorarbeiten^su Gebot standen, wie 
bei del) Qbrigan AutQren, und in aofern ihm aeine Arbeit er- 
leichtern koonten, fo weila doch jeder^ der mit der Lectiire 
des SopboLclea einigerniafaen yertraut ist, wie yiel doch im- 
mer bier noch sci toun iat, und welche Scbwierigkeiten ein 
Berauageber zu beatehen.bat^ Daruoi eben wird der bier ge- 
lieferte Text um ao onebr perecbte Anerkennung und Billigung 
linden y ala.eben dia Arbeitep der VorgSnger itnd dia dadurch 
Weitec vorgeachrittene KriUk dea Sophoclea mit die Grandlage 
bildeh, und gleicbe Vorztige, wie, bei den vorher genannten 
Auso^ben, auch bier bemerklich sind. In der Zllhlung der 
Veise itt, una Vei wirrang zn verhilten, dieselbe Ziihlungs* 
^eiie beibebalten^ die wie oben bei Ariatophaues bemerJ^Ua* 

poyaeri 0 Arm in a ad opHmonm HSrorum fidem expressmf eurma$ 
OuilUlmo Dindorfio. Upsiad §uu MDGCCXXir. Volh 
Uia^. U u. 447 $• VoU n. Odyssea. 848 S. i Thir. 12 Gr» 

Aua dem Vorwort des Herausgebera eraehen wir, was 
aiichlnHhere Einsicht und Vergleichung .der efnselaen Stellen 
bald lahren kann , da£| ea biar njcht um eine neue Recanaion 
dea Tei^aa »u than ijfar (waf au^b bei diesem Autor gerade 
fetst nicbt arwartet, poch retlangt wardun J|^ann), aondern 
dafa ea bier bauptallcbUcb darum cu tbun warf ««inen mdglicbat 
^orreptan f^^t , dem Sedflrfniaae der Scbuleif u, w* ent« 
aprec|i«i)4 f su Ue{ern« iDtea iat aber aucb in jeder Hinafchc 

fefol^eben , uti4 man wird sich in dieaer Uinaicht gewifa vo\U 
ommen bafriedigt finden. Ni^r hftchat wenige ^ minder be- 
- 4aute|i40 A^n4fF^°geil *^^d de$halb von dem Herausgeber 



^ . ..u^ I y Google 



t9i 



iroxsMoauiieii wordem^ und diese betre&a mtfitteivt nor dim 

OrtDograptiie;. ein Geeenstand, um den sick auch in deo bis* 
her bemerkten Au4g«Con det Aristopbafiet, Euripides unt 
Sophocle« die Herauajg^^ber grolse Vordienste , und ihren Aut- 
gaben eigena Yorztlge vor den ttbrlgen yerachaffc ba])en, Danii 
wenn aacb manche ricbtigere $cbr«ibart achon frtlher aner* 
kannt vrorden,* ao.batte man dpob biabec noch iiicbt davoa 
dia afigemeina Anvjrendung ^emacbt. iTnter dan VVflrtarnt 
walcba auf diaaa Weiaa biar in baricbtigtar Scbraibart er^cbaU 
nan, fahren wir nocb B^^w an, welcne Scbraibart auf die 
AuctoritSt des Grammatikers Herodianus bin eingefflbrt wor- 
den; wi(^' deuii uljeiiuuipt die ScLi ui Lai t gemacfiten Aende^ 
ruiigen s>ich xQC;i«Uo9 aui; die AuctQiU^C sUttn Grdiui^Atikejf 
craudan* * 

dorfius, Ltpnaeetc. MDCCCXXF. IV u. 108 S. 6 Gf. 

Zuerst das JLeben des Ilesiodus aus Troclus^ dann folgt 
^is S, 71. der Text der drei nocb vollst^iidig auf uns gekQin** 
uienen Werke des Hesiodus. Hier sind die bis jetzt bekann- 
ten kritischenHaliamittel zu^ Hesiodus sftnimtlicb fo benutst, 
dafi wir bier einan mdglicbst bericbtigtan^ und verbesserten 
Text arbalten I dergleicbep die frUberan Harauageber das IJe* 
•iodua ana nicbt w^areicben vermoehten. Einen aiganen 
Wartb erbftlt ferner diaaa Auagaba durcb die vollat^lndige 
Saaoibing der Haaiodeiacban Fragmenta S» 72 iOO. £a iat 
suoi TbaS ain Abdruck aua Gaiaiford poetaa minoreav wo aicb 
bta jatst die Fragm^te am vollst^ndigsten gesammalt fandanf 
Qnd ancb die Noten von Gaisford und Rubnkenius sind sum 
Theil mit abgedruckt, £s hat aber der Ilerausgeber aus seit- 
deni bekannt aewonitiiea Gi aiiioiaiikcin , die ireilich Gaisiurd 
noch nicbt kannte, dreizehn nene Fragmente hinzugeiiigt, 80 
dais die Zabl summllicher Fraguiente sicb aui bun dart und 
tiiiis belauit. Die Auijotationes fiillen S. 101 — lOu, sis 
entliaken kiitiscbe und grammatisclie Jjemerkungen , VtrbeS'- 
«erungsvorsch]uge u. dergj. j wir machen ^nsbesqnd^i^a auf- 
i&«i'ksam aut die langere XvJote zu vs. 6 17 dar Tbeogonie tlber 
Br.ii^.8(t,;^ 2u 720 if. Die B^spbraibung dea Tartarus bait 
der Herausgebar fur daa Wark nicbt einea einzelnen Dicbteray 
'ondarn ala aua nicbt waniger aU acbt varacbiedanen Ged^cbten 
suaammengeaetatf und ap bater ver^ucbt, dieaa apb]^ vi^racbie- 
denen Gedicbte nacb den einzelnen Versen auszumitteln und 
einander suaammena^uatelleq }^ welcb^^r Yartucb gawiA 
voUa BaacbtttSu verd^ent. 



232 GriMhuohf uud lliimUdi* Auiofoa* 

Th0O0r^tif Bionis et H^vi^hi Omrndma edidU Augustus Mei^ 
msk^p jtmdU krtm mmotmth ^M^h Uf^. MUCQCXXV. 
f 54 ^« ii» S. . 10 Gff. 

Auch hier ist das 0fr^f /tou; yimi unci die linBiffm^ ^er ein* 
g^elnen Idyllen vorausgeschickt , der Text selber dann nacb 
deii jieuesteu Holfsmitteln bericbtigt gegeben , woran sicb, 
wie bei den andein Ausgaben, eine kurze Annotatio criiica 
von S. 144 — ~ 151. anschtielst, in welclier theils yon ^eoiacb* 
Xi^n A^nderungeii ilecbenscbah gegeben , tbeils anderer Gelebr* 
t(&n| ao wie des Heraiisgebers Verbesserungsvorschlage Lemerkt 
uod io derKflrztt besj»rochen, tbeiUgebilJigt, tbeilt aucb diur 
als unndtbig abgewiesen werden, Wir mBssen Ubrlgens auch 
bjei diea«r Ausgabe daaselbe (Jrtbeil, dai wir den anderif 
Ausgaben ausgesprocben , wiederbolen, und dletelben Vor« 
jUkgn auch dUaer Bearbeituii|^ dor Griec^incben fiukolito so.* 
«rkeonen» 

tiionysil orhit t err a f urn description Keeensuit et adnata* 
tione critica instruxk Francis ens Passow, Accessit tahuU 
geographica lapidi iaseriptOm Lipsiaa fite^ MJ}QQCKKf^ • 
sutd iu4 S, h 8, iO 

Oti'se Ausgabe irtrdient in mebr ila einer Hinticbt alW 
Aufni«rksaiiiJceit, Vorerat betrifft ale einenSchrifta teller ^ der 
in frflberen Zelten mtt vtelemEiftfr gelestn tind erUSrt, daoii| 
besondert wfibrend de« verflossenen acbtzebnten und* aucb 

iiebenzehnteii .Jahi hundeits gUnzlicli in Vergesseiibeit g«ra* 
tben war, und in neueren Zeiten, ala die Wicbtigkeit die»t 
Antors und der traurige Zustand desselben mehieie Gelebrte 
zu einer Bearheitung dessfjlben veranlafste, eben diese Miinner 
nacb einander durch den Tod daliin.icb winden Si^b. Wir nen- 
nen hier nui Bredovs^, S p o !) ii und Wernicke, lauter 
Manner, init «b«n so viel Kenntnils und Gelehrsamkeit , ai» 
aucb kritisclien Hiilfsmitlcdn ausg(M0siet9 dec Erste/e mit 
lablreicben Puriser Coliationen, der Letztere unter andetm 
mit den Bi^tiierkangtn de« gelebrten Xiucas liQlateniuc* Der 
Verluit mui'ste um ao bedeutender erscbeinen, all aucb die 
aonst mit (iinem brauchbaren kritischen Apparat versebene 
Atragali«f d«ra aeeligen MattbiS in Frankfurt docb einen bericb* 
Ctgc«ii 'Vtsxt keineswegs zu liefern vermochte. Unter aolchen 
Verbrurntasen war die Herausgabe eineaScbviftatellera^ deaaen 
Wichiigkeic und Nutsen jetst wieder gebdrig gewQrdtgt au 
warden beginnt, um ao notbwendiger , da wir einea braucb* 
baren Taxtps eigentlich entbebrteii. Um ao erfreuli^ber abef 



a 



* 



lonffte diese Ausgahe werden^ weim &ie nut neuen kritlschen 
HflUiiuiUelri untei noinmen war, die vereinc mit dt;n lrui)er 
l)ekannten , eineri besseren Text zii lieiein itii Stands waitn: 
wie solches lei dieser AusgaLe der Fall isC. Mit Beseitigung 
unnolbiger Conjecturen neuerer Gelelii ten , mit Vti b««sei uiig 
falscherLiesailen durch die Ijeinerkten liuJlsiiiiittl , wobei nur 
weniges, wie Ortbograpbie , Interpunotion u. dergl. , nuch 
eigenem £rm«a«en geflndert ward, ist dern Herausgeber solches 
moglicb gttworden; wobei er •orgfflllig beilissen gewesen, 
jede Stelle , in der er von der JLesart dw Handicbriiun ahga* 
widien^ in der Adnotatio critica sabemerken, und so i\ber 
kfine Leaart una im Zweiiiel Bu laafen, Niinmt man dasu die 
aieuterbafu Correctbeit dea Driicks, beiondera wenn man 
die von Druckfeblern wimmelnden und detbalb gans unlf aac« 
Ucben AlCeraoAuegaben vergleicbt^ so massen wir uns au die- 
«er Ausgabe doppelt GlQck wdnacben. Ueber den Verfasser 
idber und deeeen Werk deutet uns Hr. Passow S. XIV und 
XV seine eigene Ansicbt kiirz an. Er hilU Dionysius £Qr einen 
Libyer, unci setzt die Al)! assung desVVeikes nicbt vor die Re- 
^^ieiLjiig deft DguiitijM uiid njcbc nacb dessfii Totie ; auch iSt 
er niclit def Mei luuig , dafs hedeutende ijiickeii in diLsem 
Stuck sicU vorfiiiiden, wie vvohl Einige zu hehaupten veisuclit 
haben. S. i — 37. steht der Text; djim S. 38 — 104. 
Adnotatio critica. Hiezu wurden die Cqimrientarien des Eu- 
statbius, die llitcren Lateiniscben UebersetzMngen des A vie- . 
nus und Friscianus und das, was Neuere versucht, benutzt; 
auch iinden aicb die Abweichungen von dem Texte des Hono- 
rius Stepfaanua (nach der Au»i^ahe von 15770 und Matthia 
imoittr an^egeben. Dahei sind die Varianten der van Sttipba* 
nnSy der aecba in der fingliscbeo Aussabe von Tbwuites und 
der beiden von MaftbiS verglicbenen Handscbriften sorgfUltig 
tusamoiengetragen , und ihnen die Varianten von ffinf andera 
tiabenotatan Handstbriften voHstftiidi^btnsugefiLlgC* LeUtacf 
bestehen aus- ainer Hbedingerschen Handscbriuy 14B8 -ge* 
schrieben und mit der Scheliersheimschen metatena flbercin* 
•tiaimend, ferner aus einein Codex Gudianns in der Wolfen^ 
htittler Bibliothek (ver^lichen (Uuch llrn. Coiuector Krilger), 
eiiitc Dresdner, einer Miiutbner und Moskauer. Aui'serdein 
Werden noch gelegentlich Varianten mancher andern Codd, an- 
geftthrt, welche 9ndei e Gclebrte in ibren VVerken gelegentlich 
aijgefuhrt batten, iie kniipFen sich dann weiter die eignen 

schMtzbaren Bemerkungen des Herausgehers. GelegeiUiich 
«?rhalten wir auch Nachricht von einigen au Kaudnitz an der 
£2be la der Bibliofcbek des FQrsten ifobkowita beiindlichen 



Digitized by Google 



834 



fiandichtiftan f tilf GriechiaA«ii undfilaf LataiaiidMni t wonui* 

t«r ein Flatot, ein Diogenes von Liaerte , ein Demostheneiy 

Dionysius Periegetes und Dionysius Areopagita, Einiges vott 

Plutarch's Moralieii u, w, i-)ie Leigelugte Tafel des l)io» 
nysUchen WeltkreUea auf Steindruck i&t eiiiQ aelir bcauckijaid 

Wir wenden uns nun zu den Prosaikern. Aucb hier be- 
nierkt iiec. im Allgemeinen , finden sich Uberall die Beweisa 
des Bestrebens, den Text auf die Grundlage der alteren , an- 
erkannt besseren JbUndachriicen zurfickaululireni die eigea- 
thaoiHchen Fomen^ sey ea dea Dialekta oder dea einaekea 
Sehrifkatellera f wiederberauatallenf mit Benutzung der Re« 
«ultate naueater Foi'scbungen. . Dazu die aufaerordentlicha 
Corrieahak dea Druckea, dia wirJdieh in £rataunen setsea 
jnufs. Attf dieta Weiaa kdnnan wir una bei manchen Schrift* 
atellern wobl rdhmen, bier erat einan gebdrig richticen vad 
vrejjrOnnlicben Test aunSlcbst damy wia ei aua dar Hand del 
Yarfaaaara gaflossen seyn mag, zu erbalten* Rec will bai der 
Aflseige der einzelnen Autoren , die deabalb dam Scbul^e- 
braucbe aich ganz vorzUglich eignen , diese Vorafige nicbt wte- 
derholen , es genOge hier^ sie im Aligemeinen angedeutet und 

jidschinit Oration0Sm Curavit Cuili^lmui Dindiirfiuu 
Acefssentnt I^etionss codieis Haummsii ad oradonm contfa 7h 
marchnm, Upsiae eie» MDCCCXXIV. i9a S. 10 Gr. 

In dem angenehinsten Aeulseren , niediichem Druck , scbar- 
fen und deutJichen J-<ettern, die, obgleicb klein , docb durcb 
ibre Stellung daa Auga nicbt angreiTen, erhalten wir eineo 
indglichat gereinigten und gebesserten Text des AescbineS| 
Wobei zugleich die Seiten /allien der Stephan'scben Aus^abe 
bemerkt^ und aina eigne Z^blung der Zeilen auf jadar oeita 
mit 5 — 10 u. a. w..veranstaltet iat* Statt der Adnotatio cri* 
tijca erbalte^ wir am Scblufa die voUatftndige Collation dar auf 
dem Titel bemarkten Koppenbagener Handtcbrift mitgatbailt. 
Die Collation dieaer traffJicben Handacbrift der Kdnialicben 
3Hdiotbak au Koppanbagen No* 4i5« iat von Hrn« Bloab 
. nacb dar Reiska'tdien Ausgabe gemacbt. Am £nda £ablt£i- 
nigea wenige in der Handschrift* 

D^mosth^nis aratlones edldit Guil^ Diudorf ius, lApna* tfte* 
VoVl. XFlu. S6x S. U. 868 S. W. 829 2 Tblr. 20 Or. 

Obgleicb liier durcb Bekkers treElicbe Recension sclion Viel 
gelfiiscet,^ao.bnden «icb d^cb nocb imcaci: viale dunklei ver- 



. ly .i^.o uy Google 



dorbeMi t^wierigo Stellen^ welche die balfreiche Hand dea 
Herausgebers in Anspruch naJunen. Der eben erschteneneBand 
von ScbSfers GommcQtarien hot ebenfalU dem Herausgeber 
manebe Bericbtigung und Verbesserang dar, F0r die Leiden 
mten Olyntbiacbenlledan beia'ls fr fLbardam einh durcbBlocb 
gemacbte Collation der Koppenbagener Handscbrift , die aucb 
,3enAescbinea entbalt^ mit dem Aeitke*acben Teste y nndtheiU 
HQS dieaelbe in der Praefatio S, II und III kfirzlicb mit. Daran 
reihen aicb von S. Ill — XIV einzelne Bemerbungen eu ver* 
schiedeneii einzelnen Stelleii in den diei Blinden, die den De- 
mosthenes entbalten, sie geben theils Recbenschait von den 
gemachten Aeiidei ungen iind Verbesserungen , theils enthaltea 
sie Verbesserungsvoiscblii^e , selLst mit grammatischen Berner- 
kungen, wie z. B. S. IV (iber die Scbreioung ^ Vgivo; undabn- 
licbes; S. V i\her si /^>5 statt s! 5i fxyj ys', S. IX i\ber d-tva y.al 
»oXAa und iiluiliches; S. XIII tlberrscu^y dessen Gehrauch tiir 
ttp; mit 5ch4i£er den AttiJcern abgetprocben wird; 5« XIV Uber 
tiydg — y% a« w* Sie ersetzen au£ diese Weise die an* 
dern BSnden am Scblusse beigefCigte Annotatio critica. £in 
Index Orationum oder ein alpbabetiscbes Veraeicbnils der einf 
telnen Heden mit Beifdgung der Seitenzablen und des Bande^ 
der sie enthftlt, tat der Praefatio bei^^e^^eben. Aucb ain,d» oeaa 
wiraebr lobenmflsaen^ die Seitenzablen derReiske'acben Aua« 

Sib^ am Rande bemerkt^ und 6berdem jede Seite, wieJ)«i 
eicbinesy nacb den 2eilen namerirt., Aucb die unScb ten. oder 
verdScbtigen Scbriften des Demosthenes , wie z. B. die Briefb 
undeinige Reden^ feblen nicht, es ist aher bei demColumnen* 
titel das Wort AHMO20ENOT2 in Jiiarain^rn eingescblo&sen. 

Uo cratis Orathnes, Cum praefatww OuiU DindorfiL Utpthm 
9to. MDdCCXXV. XIV und 408 S. 1 Thlr. 16 Gr. ^ 

Di esem mit der sell) en ruhrnlichen Sorgfalt und Correctheit 
Lesorgten Abdi ucke liegt im Gan^en die Bekkerscbe Recension 
2u Griinde , die sicb mit Recbt bauptsacblicb auf den vorzUg- 
lichen Codex Urbinas aus der Vaticaniscben Bibliothek gr£ln* 
det« Dengrofsen Verdiensten, die Bekker durcb acbarfsinnige 
^Attsmittelung der'wabren Liesai ten aua den jener Handscbrift 
betgefi^^ten Interpolationen der Grammatike^ aicb erworben^ 
aoUt der Herauageber die verdiente Anerkennung, und giebt 
•elbstnocb einige weitere BeitrUge biezuf verbunden mit eini^ 
gen spracblicben Bemerkungen ^ wie s. B. tkber den Gebraucb 
des Superlative von vavrodaxcf « der den Abacbreibern ateta ein 
Aiiatouwary fiber «^iy, nicbt r^/v ,^ , vor demlniimtiv u.a.w« 
^ dieae Bemerkungen acblielst sicb an der Abdruck dea voo 



236 * Gritohifohe and Ramiiehd Autoren* 

' Andreas Mustoxydes zuerst herausgegebenen fiio;*FA>JLh;, 
"Woraui dej Text der einzelnen Keden iolgt, am Rande die Seiten. 
sail! derStepban'scben Aus^abe und dieLiinieniablen jeder eia- 
sdnen Sffite^ wte Jbei Aescbioei und peiooatbeii«i« 

■ 

Isocrmiii Pane gyricus, ExRecensione Immanuelis Behh/Bri a Guil, 

"Dindorfio passim reficta, Brevfin annu^utionem criticam adjecit 
Oustavus Pinzgcr^ hipsiae etc^ 1825. if^ <i. 63 S« 6 Or. 

£i itt der Text a us der grdfeerea Aucgabe dee leocrates ab- 
gedruckt ; von S. S7. an g«ti| die Annotaiio criticay worin der 
tbStige Herausgeber die verscbiedenen Leearten suaaniaMfnge- 
stellt und so haupuScblich ee mdglicb gemacbt bat, eine idare 
Uebereicbt von alien ^ioaelnen Slellen , d^ren Leeart geftnd«rt 
worden, su gewinnen; Darum sind bier die Leearten dee Co« 
dex LJrbinas vollstandig mitgetheilt, aus den ttbrigeii Codd. 
und alten Ausgabeu (die von kritiscbem VVeitb sind} nur cin- 
Seine Varianten, Da, wo des Vf. Kritik von der seiner hei- 
den Vorganger, Bekker und Dindorf, abweicbt, ist salclies 
iiiit einem Sternchen bezeichnet. Dai's in der Annotatio hei 
AnUibrung der Varianten aucb mancbea andere gelegentlicb 
abgebandelty mancbe Beitr&ge aur Verbeeeerung oder Ecklil- 
rung ecbwieriger Stellen gegoben worden, braucbt Kec. wobi 
tiicbt nocb beeandere zti beuierken^ um dieser Bearbeitang die 
verdiente Aufnahme aUerwSrte au verecbaffen* 

Xenophontis Exp»tlitio Cyri. Cumhrei^i annotatione edidit Lud, 

Dindorjius. lApsiat aU. ^ und 20i .S. 10 Of, 

JCeno p liont is Historia Oraeca^ cum breffi attnoiations et MS, 
Victoriani varUtatibus edidit littdt Dindo rji u $• Upjiae etc* 
XLI md 230 S. i2 Gr. 

Xe aophontis Ins titueto Cyri^ Cum hrgvi atmotatioiw criiica ^ 
Lud. Diitdorfiat. Lips etc. JX nnd 253 S. 12 Gr, 

Xcnophontis M t mo 1 ab il ia» Cum J\fS. I^ictoriani varielatibus ed, 
O uiL D indorJittS* Lipsiae tu* XX und iii S* 6 Oft 

JTe nophont is Scripia minor Cum breifi annotaslom cfitica ^ 
Lad. DindorfUu Upsia9 ett. XXXIX u. «44 S« 12 Gr. 

In alien diesen Tlieilen ibt deni Text se]l)er eine gleicbe \ er- 
volikoniinniing zu Tbeil geworden , und das, was andere Vor- 
gSnger geieistet, in geh^riger Weise benutzt: veas bei dieseni 
so viel gelcsenen Scbriftsteiier von desto ^rtifserem Jfitcfresse 
eeyn mnis, und diese Ausgabe wegen der iUcbtigkeit desTex- 
tee und giinalicben Mangele alter Druckifebler eo aebr i'dr deu 




Digitized by Google 



Giieohisclie und Rotnische AutoreDt 



237 



6chulgel)ratitli enipfielilt. Auch sinrl imtner jedeoi einzelneu 
Banrle lateinische 5iniiriiaiien von cieii einzclneii BUcbern odtr 
Abtcbnitten vorausgescbickt, was in jecleml jil angenehm und 
beqnem ist. Da, wo eine Annotatiu critica beigfftigt isty ist 
di«8elbe von keinem hedeutenden Umfange und ibrein Inhalt 
ntch gUich d«r d«r tibrigbn Aatgaben , wie wir sokliea im 
Yorbergehenden mehrfacb bemerkc baben* Was aua Hand* 
icbri£t«n tn dam Taste aufgenommen worden , ist nicht nainant* 
Hcb varsaichnet, aondarn nur atnsalna Baricbtigangan und 
yerbaaaarungflvorscblSga ang^dautet. Bai dar HUioria Graeea 
ward dta von Vtctoriua an den Rand dar Aldiner Ausgaba ge« 
scbfiabane Collation ainer sonat unbakannten Handacbrlft be« 
natsty die einselnan Varianten in darVorrede angegeben, z\u 
gleich mit einaelnan Bemerkungen dea Heraus^ehera unter- 
mischt, die statt dvv Annotatio critica dienen, Oasselbe ist 
der Fall hei flen IMtunorubilien ^ wo ehenfalls in del Vori ede dia 
Co]]:itiun zweier Manuscripte des Victorias, geschriehen an 
den linn d einer Aldiner und einei Florentiner Ans^abe, uiit« 
getheik und mit Bemerkungen hie und da be^leittt wird. J^u 
den Scriptis minoribus des ietaten BandeS (^Ot cunomicus ^ Conoiviumf 
UitrOf Agtsilaus ^ De Repuhl. Lacedaem* et A then, , Do Vectigall. 9 
re Equett,j Hipparchic, ^ Cynogelic,^ jipolog, Socr.) bahen wir 
uas zabJreicherer Bauiarkungan arfreueni die f'Hr die ErklM* 
rung vieler Stellen neues Licbt ana(lnd«n. Lesarten der ba- 
kanntenHandachriftenV dta darHerausgeber EurUckgefttbrt und^ 
aufgenoonmen i Verbesserungen der frOberen Herandgeber , die 
ingieicbar Wetae biar etna Stella fondan, aind heilicb bier 
nicbt aufgasfthlt , aondarn fibargangan^ and batrifft deoinacb 
dar Inhale der Anmarkungen nur Eiganea. 

'I^ucydidis Historta, Ctiravtt Lud» Dindor/ius* Lipsiae etc^ 
MDGGCXXIV. XXII und 49/ S. 1 Tblr. ^ 

I)ia Fha MareoUini und die lateiniscben Siimmarien der ain* 
selaen BQchar aind dem Texta voratigescbickt, kurse Annota* 
tionea yon S. 492 — 497. beacbiiefaen denaelben. Der T<fxt 
^autaich daraalben Berlchtigungen , deraelben Gorrectbatti 
wia Zenophon und die abrigen btaber aufgesSblten Autoren* 

^intarchi Vita. CaravU Godofr^ Uenr* Sckae/er, Lipsiae etc. 
Vol, /. ir and 450 St 1 Tblr. 16 Gr. 

£• enth&lt dieser erata Band , walcbem nocb drai andare foU 
geo , und woven der letste auch dte tjwrago mumadvonionnm 
wbalten aoll« den Text der Vitae in der gewdbnlicben Ord- 



238 



GiiecliiscUe und Uoinisclio Autoieo. 



nung lis auf AemiliusPaalus inci, Vor der Erscbelnung 
der Anmerkungen, denen niit dem B.ec* gewifs alU Freunde 
des Plutarch mit Verlan^en etitgegenaehen , wird daher 
nicht nftber ins Eihseliie etngeben kdnnen« So viel aber kann 
Kec. durch Vergleicbung einselner Yitae versicherny dafs der 
Text, obwohl auf denselben Grundlagen berubend , wie die 
friiheieji voii Schafer besorgten Textesausgaben , doch hier in 
verbesserter Gestalt erscheint. Die Anmerkungen solleii baupt- 
sScblicb Kritik , auch wohl Erkliining betrefFen , und Einzelnes 
aus Goraji's JN o te II entbalten. Fiir den bequeaien Gebrauch ist 
durcb Beif'ttgung der Seitenzahlen der L rankfurter Ausgabe gut 
geaorgt. Sonsc aucb tbeilt diese Ausgabe dieselben empfeh* 
Jenawarthen Eigenacbdften der Qbrigen Aasgaben. < 

Herodoti Historiarmn itbri IX* Cum hrgn annotaiianff Aug. Ma t - 
thiae 0t Henr, jijf'etzii, lApsiae 1 825. Foh I. f^JII ufid M 5, 

Dieser erste Band enthalt den Text der vier ersten Biicher, 
xiebst den voraiisgebendenLateiiiiscbenSiiaiaiarien jedeaBucbs. 
HauptsUcblicb ist die Gaisford'scbe Recension befblgt worden^ 
jedoch mit einselnen Ver^nderungen in Formen u. dergl. , wift 
aolcbe derHerausgeber filrndtbig eracbtete, worCkber die dem 
sweiten fiande beigegebene Annotatio i^t\B im Einaelnen beleh« 
ran aoll. Sie wird dann aucb mancba BeitrUge fUr die EMU 
rung elnselner Stellen entbalten. 

C» Jul a Caa saris Commentarii de hello Galileo et Civili. jiccedunt 
lihri de hello Alexandrino ^ Africano et Htspanhnsi. E recensions 
FrancUci Oudendorpii, Textum passim re/inxit , aniiotationem cri' 
ticam adjecU Jo* Christoph* Dachae* Upsiae etc, 1 323. 
XI und m S. 18 

Dem Text dieser Auagabe liegt der Oudendorp'scbe Test 
von 1740 zwar zu Grunde, aber tbeils ist nacb der Oberlin*- 
acben Ausgabe mancbes in Interpunction , Sclireibart u« dergl. 
geandert, tbeils nach den seither bekannt gewordenen Hand* 
ficbrlften uud den Bemilhungen anderer Gelehrten mancbes h^' 
ricbtigt, jede Abweichung jedocb sorgfaltig in den Annotatio- 
lies bemerkt, worin aucb ziigleicb mancbe andere kritiscbe 
£emerkungen yorgetragern ^ Verbeaaerungsvorscbl^ge gemacbt 
und mit Grfinden unterstUtzt werden, die aucb spracblichere 
£r6rterungen herbeifttbren. So erbaltea wir bier dia Angabe 
der bauptsacblicbaten Yarianten aus den grdfaeren Atisgaben 
von Oudendorp , Morns, Oberllof Held^ Herzog, Lenair^t 
welcber letztere inabesoadere mebrere gutefariser Handschrif* 



Digitized by Google 



GriechUche uud Eumiseho Autoren* 239 



ten benntzte, fernei- nus drei Hlteren Ausgaben, zugleich mit 
Benutzung des filr Kritik wie fur Erkl^rung oft ao wicbtigen 
Griecbischen Uebersetzers. Der Heraiisgeber wird dafflr mit 
voUem Aecht auf den Dank aller Frtmnde des C^sar recbnen 
kdnnen, um so mefar^ da seine so verdienstliche Arl)eit so 
hOcbst mflbe^oll war, da sie mit aolcher Genauigkeit, PtlukN 
licbkeie und Gawissenbafcigkeit (welcb^ aich batondert iiuch 
in Cons tituirung des Textai kund ^lebt), und mit gleicher 
Ausdauer unternommen worden. Diese Annotationea reichen^ 
bei b(K;hit compendiOtem » aber doch aehr correctem und laser- 
lichem Druck, von S. 345 — 421, und bilden darum auch 
•ine for den Kritiker tind Gelehrten gletcb willkommene und 
withtige Sammlung. In der Vorrede Hndet sich dabei dia 
Angabe der liaupts.lchlichsten und vvicliti^sten lldiidscbi litea 
desCiisar. wie dei im Druck erscliienenen Ausiiaben dessel- 
i>en, und eine kurze Zeittafel der ilauptinoinente in dern jLe« 
Jien Casars, nacb Wetzel's Tabelie. S, 324 — 343. nehiuen, 
r<ach den vollstandigtm Schriften , die Fragmente ein, sia 
schlicfsen mit Anfiibrung der Dicta Caesaris, so wie derZeug- 
nisse und Urtbeile Anderer, Zeitgenossen wie spSterer Au« 
toren , nher CSsar. Mdge das Gesagte binreicben , aucb die« 
serAusgabe ttberali geneigte Aufnabme su rerscbaffen, und 
den Herausgeber dia gebClbrenda Anerkennung seiner Bamtl* 
^nagen finden lassen. 

'V.Virgilii Jllarojiis Opera omnia, jld optimorunt librorum 
Julem recensuit et in usum scholarum edidit Jo. Christ, J ahn, 
Upt. etc, MDCCGXXV. XiKXllk und 456 S. IS Gr, 

Obgleich in neuaren Zeiten Vielea von yarschiedenen Seitea * 
iwifflr Virgil geleistet worden xst, so wird man doch liicht 
ISugnen kdnnan, dafs die Kritik immar noch bier ibre grofsen 
^enen Scbwierigkeiten bat, und die Herausgabe dieses 
Dichters , wenn ein Lerichtigtiii , aul handscbriftlicbe Aucto- 
MtJt gegrflndeter Text gelieFert werdeu boil, wie solcbtis bei 
Jen ttbrigen Aiisgaben dieser Samailung der Fail ist, keine 
^eichte Aufgabe ist. Um so mehr miissen wir uns freuen, 
dafs die Bearlieitun dieses Dichteis so Ftjscliickten HSnden 
anvertraut worden , die uns einen solcben Text wirklich zii 
geben vermocbten. Mit Kecbt bemerkt der Herausgeber, 
wie cigentHcb unter derMenge Handscbriften , die zu Virgil 
^ereits verglicben worden ^ vorerst eine kritiscbe Sicbtung 
vorgenoramen werden nuisse, mit Bezug auf die Ricbtigkeit 
der Collation Und die Interpolation mandier dieser Hand* 



240 



GriecluJdifl uad B2>muclio Autorc^* 



icbriften. So sicben Heinsiua und Heyn^ die Medfctt* 
«cha Handschrift ror; unser Uerautgeber ist wegen der von 
Turcius Aut'us Apronianus in dieser Handscbriit gemacbtea 
Aenderungen genei^t, der ROmiscUan Uandscbrift dait Vor> 
. sug zusuerkennen, * Docb hat ar weeen dea allgeineiii ainsa- 
fflhrten Gabraucbi dar fiayne'ichan Racansion diaaalba in den 
inaistan Ffillan baibabalten f und nach dam ROmiscban Cod«x 
Tiur Ha geUndert, wo auch andere guta Handtcbriften damit 
iiljei einstimmten ; im Uebrigen aber auch Sorge gatragen , die 
iijindthig geinachten Verbesseruiii^en ausziiaierzen , inshfson* 
cjeie den ungerecblen Veidacht, der auf vielen Verse n des Vir- 
gil* lulcete , zu beseitigen, \vol)ei VVdichert's Ahhandlung 
5,fic versibui aliL[uot V. Virgilii et C. Valerii Fiacci injiuiii 
giiapectis" insbesondere benutzt vvurdc. Derselbe Gelehtte 
tiberlifis auch dem Hcrausgeber seinen ganzen fOr den Virgil 
gesammelten Apparat , wovon una bier Vieles mitgetheilt wird. 
Bei den Georgicii wurda an einigen Stallan Spobn*« Hand- 
scbrifty bei dan Bucolic is die Collation einat Zwickaoer 
Codex banutzt. Docb aind heide Handtcbriften nicbt sehc 
alt, und entbalten nur wen i g Braacb bares. In den kieinanii| 
dam Virgil baigelegten Gedicntan mrard nur Wenigeit^eSndtrty 
weil bedau^anda Uttlfa biar nur von Eutan Handscbriftan vk 
atwartan war. Eina Introductio ^ient fiber das Leban det 
Yir^il , dessen Scbriftan und -deran Schicksaia die arforderlicbe 
AusKunft danjenigeii , fdr welcba diesa Ausgaba bastimmt itt. 
Dann folgt dar Taxt , nacb dan oban angafphrtan GrundsStsen 
und den bemerkten Hnlfstnittaln bericbtigt , in correctem 
Urucke , und von S. 362 ii. — 456. Hie AnnotaLioiit s zu den 
verschiedenen einzelnen Werken des Dicbters, Es kana hier 
nicht der Ort seyn , ausfuhrlicher in das Einzelne dieser so 
schUtzhai en Annotationes einziigehen , und auf diese Weise 
iin Einzelnen die Veidienste des Verfas&ers und die Vorzu^e 
seiner Arbeit hervorzuhehen ; wir uulssen una daher hegnii- 
gen, im Aligemeinen die Freunde des Virgilius auf'zufordern, 
diesa Bemerkungan niiber su durcbgahan* und die zablreicben 
exegetiscben « grammatiscben , metriscban und kritiscfaea £r« 
drtarungan einaa arnstltcban Studiuina su wC^rdigan« 

i 

(Der IB esehlttf s /oigt,) 



.i^ .o uy Google 



N. m * 1826. 

Heidelberger 

Jahrbiiclier der Literature 

Samudung Grlechischer nni Romlscher Autorea 
bei Teubner in Leipzig* 

Tf tii^U Puiavini ^toftanm tihri qui sapMmU pmn§i «l JUp9f^ 
Miormm JragmmtfO^ EdiiioMm curmvit , brwmn aunotathnBtn ^rl^ 
tieam adjeeit Detl, C. G. Baumg^rten^ CrusiuSt Torn* It 
LJ>- X t^tinens, Ltps> etc, iS2$^ ^tUund 484 S. 16 Gr« 

Bin vielj^brigOB Studium , eine langwierige Bekanntiobaftf 
Welcbe der Heraufgeber mit den Schriften des Liviua gepflo* 
gen, und eine vertraute Kenntnifa dar Spfacfaa diesea ocbrifu 
itellers konnten wohl den Harauagelier vor Andarn aur Her« 
autgaba dea Juitiua he^abigen^ una daa Fublicam anderaraait^ 
crirarten, daaaelba su erhaltan^ waa aa bat danilbrtgan Ana* 

fEtbtn erfaakett baK» einanbariebtigtai!, laabatea Taxt^ woria 
efalar dar Handacbriftan^- acblachte-Leaarlen und unndtbige 
Gonjeeturan ebaii ao aabr valraiiaden, ala ricbtigan^ kritiacb 
begrandetan Lioaartan dar gabtlbrcnda Plats wiadar eingarftuint 
warden, um so etnen der uraprilngUcben Handacfarift so rial 
rf* moglich geiiaUeiten Text zu erbalten. Nacb einer kuraett 
Einleitung <U)er Leben und Sciniiten des Livius , so wie de^ 
ten Scliicksale und Bearbeitungen , folgt alsbald der in jeder 
Hinsicht correcte Text; dann von S. 464 — 4B4. die AnnOta- 
tio critics, nicht in der Ausclebnung , wie bei den eben be- 
merkten Ausgaben des Virgil und Ciisar, sondern etwas ki^r- 
zer , aua kritischen Bemerkungen , aucb einigen spracblichao 
£rdrterungen , die an erstere sicb ankntipfen , bestebend. 

Wir acbliefsan unaarn Bericht mit dam VYimicbe daa ge« 
deiblicbsten Fortgangs dleser Untarnabmung, and werdan voa 
dan in der Fol^e erscbeinendan waitaranTbailan su aatnar Zait 
linsere Laaer m Kenntnifa aatsen« 

Die Fratae aind bloa von den ordinSren Ausgaban fraratan* 
dan 9 wftbicdnd auch beaaere su bdbaran Sraiaan extatiran* 



XlX^Jalirg. i.Uatt, 



16 



S42 Steia ehtonoiogisches Xiandbueb* 

♦ 

!B9rUn f hei Sahr : ChronohghchM' UtuMuch der neuesten Ceschichle* 
EuihidUnd dJU B0geben?ieUen vom jittfmtge der frattzSsischBtt 
vohulon an hisuum^Eade d&r Mfvohuhn in Jffpnitfj^^ 1789 his 1823. 

Scit j&9 cbronologiscben Handbdcher von Wedekind «o 
yielen Beifall gef'unden baben , sincl ^lofsere und kleinere 
cbronologische VVerke wie Pii^e aus deia Dinteniasse uiistiei. 
allzeit fei tigen BUchermacber hervorgestiegen , und das Anfer- 
tigen derselben scbeint ibneri eiii leichter und eintriiglichet 
JElrwerbszweig zu seyn. Obne die erforderiicben historiscben ; 
Kenntnisse, obne ricbtfgen Tact, obne eine Abnung davon 
su baben y dafs mit Wedekind'a Werken^ so scb^tzbar lie • 
liQch sind , nicbt AUes gethan %tjf dafa namentlioh aein chro- 1 
iiologischea Handbuch der nauer«ii Gescbiebte von 1740 
l8i5 dbne featdn Flan eearbettat, viel Unwiebtiges daria auf* 
und wl Wicbtiges darin ttbergangefn wordeh ht, j 
a£i ea mdlicb nicbt wenlg unricbtige Data entb9lt, scbreiten 
dieae Menacbsn rOstig an« Werk , exceipiren die Wedekind* 
schen Bilcber so gut si<j es vei steben, lassen davon weg und 
setzen binzu, was ihnen gut dunki, und — das Werk ist| 
fertig. So hat ein gewisser Heiser vor einigen Jabren ein! 
cbronologiscbes Taschenbucb berausgegeben^ dem man nicbt; 
Unrecbtthuty wenn man bebauptety es sey unter aller Kri-i 
tik; 80 bat Heaael aeinem genealogiacb atatistischen Alma- 
nach ein« nicbt wenlger als io8 Seiten entbAlt^nde , roh unf 
flflcbtig gearbeitete imronologiacbe Uabaraicht yon Npab bis 
kur Sohlacbt hei Ayarucbe anbSngen eu mflsaen fjEtr dienlich; 
mchtety die nun yon Jabr zil Jabr mit alien ihren Ungenauig- 
keiten unyerftndert abgedruckt wird. 

Waanutt daa yorliegende Werk betrifft , so zeicbnet essichj 
» Weder durch Plannialsjo keit J noch durch gute Auswahl , noch! 
endlich duixL Genauigkeit vor den Li&ber erscbienenen zahl-i 
dosen cbronologiscben BOchern und Bfichlein aus. Seit der£r-j 
acheiuung der dritten Auflage seines cbronologiscben Taschen-j 
. bucbs bStten sicb — bemerkt der Verf. in der Vorrede — | 
die merkwi&rdigea Eracbeinungen der Zeit nicbt minder ge". 
hfiuftala zuvor, und so sey in ibm der Gedanke entatand«flf| 
das gegenwfirtige Handbucb herauazugeben. lat daa aber ei»' 
hinreicbender Grund, urn ein ^ wie una bedflnkt, gans<lber-j 
,^flll8siges Werk ansufertigen f Statt eine neue Anflage aeinetl 
cbroDologiacben TasAenbucba abzuwarten, in die er dana 
die neueaten Erei^i nisse hStte aufnebmen kdnncii* hat er lieb^f 
ein neueaBucb berausgeben woUen* Wenn er aber denn duch. 



Digitized by Google 



dies fiir geratben fund, so h^tte er den vou VYedekind ausfahr- . 
]ich dargestellten Zeitraum von 1789 hii l8l5 g^nz weglassea 
und seine Arbeit erst mit dem Jabre l8l5» wo Wedekind auf« 
hort, aafangen sollen, Wer das Wedekind'scbe Werk be» 
sitzt , iflr den ist die von dem Verf. gelieferte Darstellung des 
Zeitrauins von 1789 bis l8l5 obne alien VVertb, indem sie 
iich 2u dec Wedekind'scben nur wie ein fiUcbtiger und un^e* 
nauer Aussug verblUt. Der Ver£ bittet $ an teina Arbeit kein^ 
stt hob^n Forderu^geii lu machM; aber eben^ well er etwa^ 
ganz UeberfiCissiges unternommen^ und state seines VorgAn* 
gm Werk su bericbtigen , sich begnflgt hat, dasselbe xa.escp 
cerpiren, ja su verscbliaiiiibefserii» ao ist ea Pflightii ^f^^Pif 
Arbeit strange mw Beurtbeilen ^ um wenigstena Ai^de^a yo'a 
addber Bu<^macberei .absnschrecken* 

fiinsicbtlich seiner Quellen (benierlt der Verf.) babe'er 
Wedekind^a fiandbuch der Wele«. und.Vdlkergescbichte^ seia 
eigenes chronologisches Taschenbucb und die allgemeine Zei« 
tupg benutzt. 

£s erregt schon ein scblimmes Vorurtbeil, wenn jemand^ 
der sich fiir berufen hiilt, histoiische Werke herauszugeben^ 
Quellen und HilJfsrnittel nicbt zix unterscbeiden weils. Voil 
den angefllbrten VVerken kann bios die allgemeine Zeitung als 
Quelle betracbtet werden^ die beid^n .an.dera aind uui^ |liU£s^ 
i^it^eJ* 

Lebte der Verf. an einem Orte, wo ibm sonst J^n^ 
rSrischen HuUsmittelsu Gebote stiinden^ so wSire er za ent* 
.scbuldigen* wenn er fdr seine Augaben nicbts ala efne Zeitui^g 
aaaufCkhren wO£ste. Da er aber in Berlin lebt, wo aich eioi^ 
eben so aablreicke als vortreiflicbe Bibliotbek befindatf ao lat 
esjn der That unireraaihlicby daXa er daa R«cuail von v« Mafp 
tens^ die Arcbivea diploaiatiq[uea u^d die ];»ei Bf ojckhaua er« 
sshienenen aMropSiscben G>nstjttttioneli (um ao yiejer i|ndem 
Qaellon und ilcUCischrifteo su geschweigen) gs^r ; xiif^£[^i]b4b" 
mtzt hat. 

Der Verf. hat den von ihnl dargestellten Zeitraum wie der 
in Perioden getheilt, wo von wir keinen Grund einzusehen 
vermogen. Die dritte Periode von dem Brande von Moskau 
bis zum zweiten Fariser Frieden ist, als nur drei Jahre in 
sich begreifend , offenbar zu kurz; besser wiire es gew^sen^ 
die zweite mit dem Sturze des franzosischen Kaisertbrons 
(ldl4) zu schliefsen, und die dritte von da bis l823 berab- 
zufUhren. Wie ungleich tibrigens diese Ferioden bearbeitet 
sindy ergibt sich schon aus der k>^itenaabJ; die erste von 1789 

1799 f welche an hocbwicbtigj»n lEicaigniasan ka4|i«p .nach* 

16* 



Stein cbrouologiiehes Handbuoii» 



Itebtf wird auf 24 Seiten ahgefertigt , wahrend die dritte nut 
drei Jabre begreifende 45 5eipeii und die vierte 73 Seiten ein« 
mmint. So ist von Plan und zVeckniMfsiger AuawaU dec Be* 
ge)iei)beiten njrgends eine Spur zu 'findfen. 

' Der Ver£ hat seinem Werke eineEiol^itung vorantcbicken 
iKtt' ifitkssen geglaubt, welche von 1661 anhebt, und gegen da$ 
Werk selbst sonderbar afosticht, das nur Facta ohne (Jrtheil 
lief'eit, wahrend jene Raisonnement euthalt, £r hat verges- 
ien 9 dais er ja kein historisches Compendiuin , sondisrn nur 
^3 ein Hfilfsmittel zur Eiinneru ng an die VorgSnge unserer Zeit* 
zu sclueihen beahsichtigte. Die Elnleitung hatte daber ala eia 
Vrabres hors d'oenvre ganz wegbleiben sollen. 

Es ist schon ohen bemerkt worden, dab d«m vorllegen* 
den Werke kein PJan^ wonach sich die mehrere oder mindere 
Ausfttbrlichkeit und die Auswabl der ajuf^unehinenden That- 
aachen richtete, sum Gruhde liege, urid die' meisten Facta 
hicbt allein ungenau ^ sondern viefe derietben tOjgar unricbtig 
apgegeben aeyen* Oieaa barten Beachuldigungen' eoUen -Mti 
erwieaenV^rderi; 

Dam Werke feblt es durcbaus an einem fe« 
aten Plane, Die Frage ; was ist wichtig ? Was aiifzul^eh- 
'meiif was nicbt? hat dem Verf. kein Kopfbrecben verursachti 
• und er bat besonders in der neuesten Zeit eine Menge unbe- 
deutende Facta, nichts entsclieldende Gefechte , die Stihung 
von Ehrenmedaillen (S. 97.) f einen Studententumult (5. l36.) 
und dergleicben aufgenommen, wfibrend er sebr wicbtige Be- 

S' eben^eitetif wie a. B. die Revolution von Venedig, entwe- 
gans' tibergangen oder nur HUchtig berQbrt b^t. So welfi 
er von' der Revolutionirung der Scbweiz lin Jabre 1798 (die 
fretlicb aucb voa Wedeki'nd bdcbat dorftlg und unbefriedigehd 
dargettellt worden isc) nicbts zu sagen , ala unter'm 26:?fln- 
ner MLtemamacba Republik* und unter'm 12^ April »Froch« 
'mation der belvetiscben Republik", Der zablreicben Verfiia- 
aungsurkunden der neuesten Zeit bat ei mit wenigen Ausnah- 
men keine ErwShnung gelLan. 

"Der Ausdruck ist fast durcb gebcnd^i ungenau 
und aus zu weit getriebener Kilrze oft unvei- 
atMndlicb. Belege dazu finden sicb au£ jeder Seite. Gleich 
'die erste Seite . wo doch der FJeils des Verf. nocb nicbt er- 
labmt aeyA konnte, zeigt, wie wenig Sorgfalt er auf den Ans- 
druck verwendet und wie leicbt er sich die Arbeit geMckt 
bat, Wenn ea z. B. daselbat beiAt, ^ScbWar im Balibaute^f 
ao erftilirt man weder^ wer geachworen babe^ nocb wa* 
geschfroran worden iat. Ton dam A afrubr in Rom am 28. Di^c 



Digitized by Google 



1798 heilst es Lias ajUiu ube inRom (Duphot)«; der Ausdruck 
Unruhe sagt viel zu wenig, und dafi oer franzdsische Gene* 
ral Diipbot erschossen woidcn, erialnt man gar nicht. Diese 
Nachliissigkeiten im Ausflrucke venlieaeii um »0 tchSrfei'# 
e, als diese Facta Ijei Wedekind ricbtig angegehen sind, 
Der Verf. scbeint e« oft selbst zu fiiblen, wie ungenau 
und unverat^adlicb er sich aasgediOckt babe,' und sucbc dies 
diircheinen in Parent hesen eingescblossenen Nacbtrag wiedec 
gul su macben^ (ler oft ieltsam genug lautet. Statt z. B« sti 
lagen: a^Friede Werell zwiscben Kufsland und Scbweden^^^ 
•agt er; «Frie4« WerelU (Hufftland und Scbweden)«. Bei 
^«r»Stara|ung. der pastille « aetat er in Farenthese bei (^YQlks* 
wuth<«}| und bei'm 4. Mai igSi bei ^Ermordung dea Ho& 
iaplana Vinaeia« bei (m Hammer ein BeiaatS| d^r WoU 
Tielen uovera'tiindUcb aeyn ddrf^e. 

Wedekind gibt bei den kri^^crUchen Ereigniisen wenig^P 
•tent die beiderseitigen Oberbefehlsbaber an ; der Verf. nennC 
W08 den Sieger, z. B. „Scb]aclit Lei Wagram (Naj^oleon)", 
Bei den Gapilulationen von Festungen sagt er nicbt, an wen 
sie iibergegangen sind ; so beiist es z. B. untet'm 2.Febr. 1797 
Llos: „CapituIation von Mantua." Bei den FriedensscbliUsen 
und Vertriigen werden die paciscirenden Macbte fast nirgends 
angegeben. So beil'st es z. B. J)1qs: „Friede zu Campo For- 
niio, Liuneville, Amiens, Prelsburg, VVien u. s. w.j T»actat 
?u Valencay u. a. Wt ]3ie beiden FriedenaspblUsse zu Tilsit 
iDacben eine Ausnabme, die um ao weniger unerwUbnt bleiben 
<iarf I ala die Ungenauigkeit beim Verf« mgel i«t* 

Das Datum vieler Xbatsachen ist unricbtig. 
So heifst es z. B. iinter'm 30* Sept* 1790. »9Tod Josepba ll« 
Kaiser Leopold 1I«* per letstere vmrde an dieaem Tage zu^o 
Kaiaer erwftblt; Joaepb IL iifar bereita aiii 20* Febr, dieaea 
Jabres gestorben* £ben so unricbtig beifat ea unter'oi 1. Milra. 

a»&aiaer'Fr8na 11,**^ da er docb erat am 5* Jali aun 
Xaiaer gewSblt wurde. Auf den 16. MSri deaaelben Jabrea 
Wird der Tod Gustavs III. gesetzt , der docb an dieaem Xage 
UUr vei vvundet wuide , mi l tji stam 29* Miirz starb. 

Dafs der Verf. den Todestag so vieler Gekhrten unter d'm 
politiscben Begebenheiten gemiscbt bat, ist nicht zu Lilligen, 
Wenn er sie denn docb nainhaft machen wolke , so hiitto er 
ein eirrenes chronoloo inches Veraeicbairs der seiben seinemBucba 
anbdugeti sollen. 

Uui das Aufsucben der „Facten" (sic!) und Personen zu 
erleicbtern, bat der Verf. ein alpbabetiacbea Verzeicbnifs bei- 
gefiigt. Wedekind U»t diea bei aeinem ungleich auafQbrlicbern 




24^ Gesehlohta Ho^-Bff <fttvll«r m BUdHof Gtigovn. 

9 

Werke unterlassen , und nacfa unserm DaffiAalten lyolil daran 
gethan. Wet so unwissend ist, dafs er z. B. nicht weiis, In 
welchem Jahre die Schlacht Lei Marengo geliefert oder der 
Priede von Liunevilie gescblossen worden ist , dem kann die 
Angabe desDatums allein nicbtviel belfen^ und der thut wobl^ 
iicn nach andern Hulfsmitteln, 8.B. demConirersationiftlexikon 
limsuseben f wo er mebr fielebrung findet. Ueberhaupt sind 
chronologi8cb« Werke nidit fbr Unwisaendey aondern mxt fiir 
Sacbkundige yon Nutzen. 

Wirkdnnten das VersaichiiiCi von NachUssIgkeiten unl 
UnritShtigkeluii nocb lebr Tarmebren ^ wenrt' ea desaen be» 
dflrfte ; liai dam vorliecenden Werke, das wir-ffir vOllig un- 
brau'cbbar su erklftren Jcein Bedenkan tragen , atnd wtjr nur 
desvregen ao ausfobrlicb gewesen, um' Andern, die aut Gei« 
stesarmuthy TrSgbeit oder Hunger fdr gut finden sollten, 
chronologiscbe Weike anzufertigen , an eiuem wamenden 
Bei&piele zu zeigen , dafs es init deoa hlolsen Kxcerjiren und 
roben Comj^iiiren nicbt getban sey« 



BiitoIr9 d0i Confet$9UTi Empnwn f des RoU $t d^mttrti 
Print$s» Par Mrm Gregoirdf ancUn EvSqu§ do Blois, Pa* 
ris. 1824, 8. . ■ . 

00iehicht0 der BeichtvMt9r m>n Kaisern^ Kdnigen und andem 
FUrsten^ jius d§m Franz* des Bisehofs Gre'goire, L Th, 250 S, 
11. Th* ±91 S. S« Leipzig f bH Lsop* Fofi* 1 Tblr. l8 Gi« 

Eine eracbOpfende Gescbicbta war die Absicbc dea Veri 
ttiebt. Aber su wie vielen interasaanten Belvucbtungen f su 
^elcbeti Blicken in die Hdfe^ in* die Orden, hcrsondera in den 
Orden einea P. L a G b a.i a e und XjeTellier^ die Auswahi 
•debar Fragmente Anlafs gebe , aiebt man sum roraua. Der 
Scbarfainn dea V^rf. bebt daa ^icbtigste, das treffendste, bar* 
vor; die Klarbeit seiner Darstellungen macbt es anschaulicb, 
aein religi^ser Sinn ist llberall durchleuchtend , und streut die 
Beweise aus, dafs er fur eineii hdberif Zweck scbrieb , als zur 
blofsen Unterhaltung. Die Uebersetzung ist sebr lesbar. 
Doch bStte siQ mancbe pbraseologiscbe Debnungen sicb er« 
aparen k5nnen, 

Fi\r die Gescbiclite der ffUstlicben Beichtvater hatte man 
einaelne Nacbrichten in nicbt gehaltvollen , wenig verbreite- 
ten Schriften, wie Historia de Apostolico aacrario aut. An- 
gel oAocca. Rtim..i605* 4. Histolra veckai^at. da i» 



^ ly .i^u^ Ly Google 



G«Mbldit« te Hof*8«Mht?Sitff von Bitdhof Gi^goirt« 447 

coar de France par GuiH. Du Peyrat. Paris 1645. foL 
Histoire de la Sainto Cvliapelle des Kois de Fiance par Arch on.' 
2 Vol. 4. 1716. — Histoire ecclesi ast. de la cour de Franco 
par 1' A b h e O r o u X. 2 Vol. 4- I'aris 1776. — * Dr eux Du- 
radier liat in seinen ilecre'ations historiques (in 12. 1767.) 
eine Geschicbte der Narren am fransdtischen Hole. Urn so 
mehc mtiXs man sich wundern , dafs ein ungleicb wichti« 
gerer Gegenstand die Feder keinM SchriiuteUera beachsf- 
tigta^ Die BeicbtvAter, yon denen bier geaprochan wird^ 
batten meistens in LSndern £influfs, wo der Fratatn* 
nigkeit dutch abaolute Macbt Stillscb weig en 
aulerlegt iat* Man maltjaaber aucb Scbiffbrflcbey und 
giebt die Gefabren an ^ um den Scbiffer su warnen« Zola^ 
eia gelebrtea Mitglied der Univereitftt Padua, hat bewiesen^ 
dafi, scbreibt man eine Kir cbengeach ichte^ man die 
MifsbrSiiche nicht eu verschweigen babe — De vitan* 
da, in bistoria , calamitatuni ecclesiae dissimulatione, 12. Pa* 
diae 1777. — Zola iiekaaipit tias Voriii theil , nacb welchem 
Mancher Unordnungen duldet odtr verschleiert , aus 
Furcht, man konnte der Religion schaden, und auf daa 
Priesterthum einen Scbatten werieo, sobald man die b6- 
seii Thaten clev damit Bekleideten aiifdeckt, Untieua 
Beamte sucben &icb wohl binter den Mantel der Unverletz- 
barkeit des Aegenten zu flacbten. Sie acbreien^ man greiie 
dieRegterung an, indem man die ibr verantwortlicben 
Beamten entbfillt. £ben bo ist es mit unmoraliscben Geist^ 
licben , die das Interesse ihrer Leidenschaften mit dem des 
HimmeU verwecbseln und aller Welt glaublicb macben Wol« 
leii» ein Angriff auf i b r e Vergebungen sey eine feindaelige 
Handlung gegen die Religion ^ namentlich gegen die sogenannte 
Staatareli^ion, 

Da dieaer Zweig der Geschicbte nocb ao wanie bearbei* 
tet isti Jsann man nicbt immer die Wabrbett und die ite be^ 

dingenden UmstMnde vollstSndig ausmitteln. Wo wSren dieae 
wohl zu finden? Etwa in tleu jjhistoi iscben" Romanen > de« 
ren seit den angeblicben Anecdotes de la cour de Philippe Au« 
iiste par Mademoiselle de Lussan Lis zur La Ducbesse de A a- 
iere par Madame de Genlis so viele bervorkommen ? In (lie- 
sen /AvittergeliLii ten der Literatur , wo Wirklicbkeit und 
Diclitung verscbmolzen , die Gescbichte verwirrt, und jede 
Tbatsacbe wie ein Trauni dargestellt ist? Die Gescbichte der 
f&rstUcben BeicbtvUter wird aucb deswegen unvollkommen 
aeyn, weil viele Din^e mit-dem Gebeimniaae dea Amtes, daa 
tie verwalten, sugleicb begraben wurden* Den wicbtigaten. 



. ly .i^.o uy Google 



r 



Gesohiehte der Hof-Beichtv^ter tod Bischof Gr^goire* 

GruTid ertdeckte schon Tacitus voc 1700 Jahren .— : JBar« 
teisporuni iellcitas, ubi etc, 

Ueber die BeicbtvSter aiii£ran<dfischen Hofey dereaThun 
und Treiben scblrfer, aU irgendwOf heobacbtet w^rde, ver« 
breitet sicb der Verf, «in meisteny weil sie dort m€br9 als an 
• and^rnHdfen, einengrofsenEirifliifsgehaLtbaben. Wirgeben 
einige Froben aut den Skiaien (S« 116 tlber I^udwig XIV; 
Einige Tag|f voc aetnem Tode aagto der Jeautta lua Chaise 
(aait 1675 Micbtvater bei janem) detnKdnig: nSira! icbUue 
Sie.tim dia Gnade^ ijtaeinen Nacbfolgar aua meinaqi Ordan «a 
Vtblen, IJieaer iat £urer MajeatSt ao aehr er^eben , ist lo 
nuagebreitet und ap sahlreicb, Alle aind fardi^Ebredai 
Ganzeti eingenommen. Man konnte in dem Fal)« 
einer Ungnade nicht fiir ihn steb^n, und eiu hfl* 
'serStpls ist dochbald gefuhrt. Der Kdnig (so derb 
von dem Todtkrankeu an das Schicksal Heinriqb des IV. ge- 
mahnt) war von dem Antrage so ergrifFen, dafs er ibn seinem 
^rsten Wundarzte Marechal mittlieil te. iMeinoires de Du« 
clos Tom. I. p. 134. Vgl. Les Jesuites teis r£u'ils ont ete dans - 
Tordre politique etc., parM. S..,. (Silvy), anci^n magi- 
^ stiat, Paria I8I6. p. 298. l33. La Cbaise wurde wirk- 
liqb von seinem Confrater^ Micbel Le Talliarf ersetzt, 
wa]cber aelbjst seines Yorgftngers Tod bedauern macbte, Mit 
4ol<:ben Ztigen ist Le Tellier aogar voneinpin seTner OrdensbrO^ 
der in unsern Tagen gemalt worden ; s. Memoirea de Ge'qr* 
gel. faria 1817, 8* Tom. I. p. 47. Abb^Qe'orge) sagt^ indem 
er yon den nicht su en ta.cba]dig enden Fehlern 
daa pater Le Telliet redety dafs ,^dieaer Mann, von harter 
und trotsiiger Geainnung , das Alter Ludwig dea XIV. gemifs- 
braucbt babe , urn die Ehre seines Ordena auf den Trammem 
einer Secte ,za erbdben , wekbe man nur veracbten dOrfte, 
Wenn man sie verloscbt sehen vvollte. SeinEifer, von dieseip 
Ehigeiz, vei})]endet, sah den J a n s e n i s ni n s , \^ o gai lucht 
war, und bewaffnete den Arm seines Bf icbtsoluies gegen 
Tarlemente, welche den Jan^enismus i)escbutzteii.<^ Das eiste 
Jabr der Herrschaft diesQS Jesuiten war das der ZerstOrung 
vonTort-Iloyal. 

In den Me'moiiea de Maurepas (Tom. J. p. 32. Paris 
1792.) wirderzSbltf die Jansenisten bUtten versrbiedene Satse 
aus Scbrii'ten von Le Tellier gezogen, sie nacb Horn gesandt, 
und dadurcb ihre Einvetleibung in den index der verboteneii 
BOcher bewirkt* Zur Vergeltung babe er mm aus Q u esnels 

Werken Stel]en ausbeben m«en, die der Qrund 4m der Q*iU< 
Unigenitna wurdaiu 



y Google i 



GtMj^uchie d«z Hof-fi«ifilUvatec von Bim2io£ Gr^goirc. 249 



Dtr Cardinal von Noailles, PrSsident der GeistUch- 
keitf trug ITOflTkrHftig dazubei, daft hundert und sie- 
ban and swanzig Satze der Jeauiten, diefioa^uet 
gesammelt und flbergeben batte^ verdjmmt wurden, Diesev 
aufgeklflrte Eifer'verwandelt^ dann vollends den Hals, welcheH 
tie gegen den Cardinal begten, in Gift* Scbon war ea in ibren 
Augen ein unaualdacblicber Flecken « dafs er obne ihre Vef- 
mittelung su dem Fuipur gelangt war.^. Ah er su dem Cofc- 
clave nach Rom ging, wurde er obne aein Wiaaen von Fapie* 
ren begleitet, welche ihn verschriecn. 1711 aber kamen di^ 
Scliuikereien des Beiclitvateis durch eine Depesche dea Abb^ 
Bochart an seinen Onkel , den Biscbof von Clermont, an daa 
Licht. £r sandte diesem einen Brief , an den Konig gerichtet, 
um ihn zu versiegeln, und einen Befehl , welchen er anscbla- 
gen sollte. Beide Papiere fielun verwechselt in andere HMnde, 
und wurden dem Cardinal gebracht, gegen welcben sie gerich- 
tet waren. Le Ttfllier, trostlos und beschimpft , erbot slch , 
eidlich zu erharten, daft er an dieaen Ranken keinen Antheil 
habe. Noailles schrieb darOber an Frau von Maintenon : 
»Welchen Schaden thut der Kirche einBeicbtvater von solchem 
Anaeben^ der aich kein Bedenken macht, aie einer Spaltung 
prets su geben, bloa um aeiner £rb1tterung gegen mich zu 
g«R{|£en, der die BiscbOfe verfflhrtt indemer ibnen Aussicbteii 
auf Heicbtbum* erdffnet; der aie veruneinigt und berabwfir- 
digt; der 9 autt aich in ibre BeacblDaae su ft^en, aie n&m 
thigt, die aeinigen ansunebmen , und unter ibrem Namen 
3>ekannt zti machen , nicht etwa bios in ibrem S^rengel, aon« 
dem selljst in dem meinigen und in ganz Franfcreicb? Welcher 
aulserordentlichen Dinge ist ein Geist solcber Art fHhig?*« 

Dieser Brief des Cardinals ist vom 11. August 1711. 
Neun Ta^^e dirauf, unter*m 20. desselhen Monats, schreiht 
dennoch ebeiulerselLe : ,3 Ich ge]]e dem Pater Le Teilier neue 
Volimachten, oh er scbon am wenigsten sie «u 
haben verdient. Ich hringe damit dem KdnigQ ein Opter, 
Und Qberlasse ea Ihm, die erstere zu verantworten , inde n ich 
unseren Herrn bitte , dafs dieser Ibn die Geiahr erbiicken 
Jasse, in welcher Er schwebt, ao lange Er seine Seele einem 
Manhe von solchem Charakter anvertraut'« (s. Lettres de Ma» 
dame de Maintenon Tom. IV. p. 306 bis 314- ^' 
horde Lettre k aon Eminence M. le Cardinal de Noailles , tou- 
cbant lea artificer et lea Int'nguea dn F. Le Teilier et de quel- 
ques atftrea J^suitea.). Welcbe Schwttche dea Gardinala. ' Er 
batte einen zar ten und frommen Sinn^ eine erbabene Tugend ; 
«bar .wie 9ehr gieng seine Gflte bier in Scbvirl^cbe fiber i 



S50 Gesoluehte der Hof-BeJehtvSter yoa Blscbof Gr^goire 

Warnm gab er denn neue Vollmachtenf wenn er die Gefahr 
dea Kcinigs, der zu seinem Sprengd gehdrte^ kannte 1 Gott 
foil ergJSinzeaf was der Hochverpflichtete von seiner Amts- 
pflicbt vernachlassigte. Die Entdeckung jenea Betrngs bfttte 
ohne Zweifel die Entfernung des Beichtvaters hewirkt| wenn 
liudwig den Jeauiten iticot blindergeben' gewesen vSre, 
Nicht zafrieden 9 ibnen die Leitung aeinea Gewiaaens lanau^ 
vcrtraueof ndthigte er aucb die Glieder aeiner Familie, Je- 
auiten 8ti Beichcvfitern zu nehmen. Die Folge ibrer Intriguen 
war, dafs sie die Bulle Uuigenitus veranlaisteii und auswirk* 
ten. IVleaiuuca DangeaUi jubiies far M, Li 1 121 on ley 
P*^ 166. 

Ohne Aufhuren. helagerte eine Menge Ehrgeiziger und 
rfriindegieriger den Beicbtvater, der gleicb seinem Vorganger 
ftber-alle Steiien verfagte, Docb mufste er dabet sicb mit Ma- 
dame von Maintenon bereden , da diese, auf Anratben des 
Cardinals von Biasy, aicb aucb mil den geistUchen Angelegen- 
beiten hefaiat batte, und biavreilen darin darcbdrang. Man 
wirft ibm yor» den Hfluaern aeinea Ordena obne gebdrige 
Forin.rin« Menge der reicbaten Ffrlinden zugewendet zu iw« 
be*. Hiatoire g^n^rale dea I^uites. 12. 1761. T. III. 2i* 
Eine nocb gebMssigere Anekdote iibergiebt ibn der Verachlung 

' der Nacii welt. LudwigXIV. vvolite vvissen, oL er demVolke 
den Zehnten auflegen k5nnte, da es scbon von AbgaLeii ei- 
driickt war, wovon ein Tbeil in den Schoofs der Maitressen 
ilofs, Er fVagt Le Tellier. Dieser iibergiebt ibm nacb eim- 
gffU Tagen ein Gutacbten, nicbt von der Sorbonne, aber von 
mebreren Mitgliedern der Sorbonne, mit dem Keaultat: alle 
Gater der Untertbanen gebOren dem Kduige; Er babe also 
fiber daa, waa aein eigen aey^ zu gebieten* Hiafcoire de la 
reg€iij60 T» I. p. 6. ^ 

Man hat yon liudnrig dem XI V« g^sagt , er babe keiaa 
Heligion gekannt, aber^ um aeelig zu werden, sicb das ^anze 
L»eben bindurcb gescbmeicbelt, seine Vergebungen aut dea 
llCicken anderer, Besonders der Calvinisten und jansenisteni 
auszugleicben , welcbe er, au£ Zureden der Jesuiten, als 
Ket^.er bdfsen machte. Wer kann laiif^nen, dafs Frankreich 
unterJLudwig XIV. von denLorbeern des Sieges und von den 
Lumpen dea Elenda bedeckt war* Er selbst starb , von den 
Dicbtern beaungen^ van seinem Volke aber — tiicbt zvaikk' 

* gewtinscbt, 

Nacb aeinem Tode leerte der Regent die Staatagel^ng* 
viaae,. welcbe Le Tellier nut den Feinden der BuHe (CJnige* 
niitua) angefallt batte« Der Jesuit aelbst wurde erst. n$A 



* 



Digitized by LiOOgle 



I 



La Flecbe iind dann nach Amiens verwieMTif Wtf W 1719 
starb. Die Akademie d«r Insclii iften , deren Mltglied er ge»* 
wesen, beschriinkte ihre sonst gewohnlicho Lolirede daraut^ 
dafs sie den Tag seiner Geburt, seiner Ernennung zum ^iclit- 
vater und seinen Todestag nannte. Oeuvrea de Saint^nnon 
.Tom, VII. und VIH, Oeuyre« de Dudo». 8. l^aris ido6. 
Tom. X. p. 60. 

fl. E. O. Paulus. ^ 



Oer Esgenshurgisehon Chromk drittBr Band f aus der UrquelU y den 
kdnigL Archiven und Registraturen %u RegBttshtrg hearhpiM V<m 

Carl The o da 1- G e vi c i m r. liegensburg , 1821, Ebendoselhst 
viortcr und letzter Bandy mit einer Biographic des verstorbenen 
Ferfassers von Dr. Kiefhaber^ 1824. 

Carl Th. Gemein«r ward geboren 1756 su Regenak 
i>urg, und itudirte seit I775 Theologie zul«eipsig; «J4i Man- 
gel an Auaaichten bu «iner baldigen Veraorgung wuimete ec 
sich sp^tar dar Diplobiatik, brachta eat nachdem er aciioa 
•eit 1781 in aeinar Vataratadt aine AnataUung arbaltan batla^ 
unter der churarakanslariachan » apftter primatiaohen Regie* 
rang zum Landeadiractionsrath und flauptarchirar daa £Clr^ 
stenthums Regensburg ; 1810 kam er nait dam Xjaiida an .div 
Krone Baieni , und etidete sein der Geschicbte gewidmetea 
Leben am 30. Novemher l824. Klar und bestimmt setzt Hr* 
Dr. Kiefbaber das manning (ache VVirken seines Freundes 
aus einander ; seine VYeike werden aufgeziihlt, die Gelegen- 
heiten, die sie hervorgerufen , angedeutet, und zugiei^b die 
Uillieile ausgezeichneter Manner dariiber angeftibrt. 

Es wttrde thdricht seyn, aich jetzt noch «ber die Art 
und Weiae» ttber den Werth and die Wicbtigkeit der lle- 
mibnrger Gbronik verbreiten su-wollen , sie ist iMngst schon 
aUen, denen gtandllcbe Forscbuns des Mittelalters am Heraaa 
Uegt» bekannt. Die Specialgeacbicbien und Gbroniken sind 
Hauakleiddar Gaaebtcbta; in welcb einer andecent Geatalt 
«rscliuBinen una biar manchmal die Haupt- und Staatsactionen I 
Salernen wir die AnmafiHsngan der Baaelar Synode, die,, wie 
viale £iferer alter und o^uer Zeit, die Freihait. nor ftc aicb 
9Xi acbSltzen wufste, nirgends so, ala aua deoA dritten Bande 
<Iervorliegenden Gbronik kennen ; nirgenda eracbeint der bocb* 
geteieite, ritterlicbe Maximilian so ungerecbt, so erbarmlicb, 
uidcbte Referent aageui ala in den Gescbicbten der 5tadt R^ 
gensburg. . , ' 



Digitized by Google 



25^ 6«iafioex Bfi^geasbur^uelM Ghroailtu 

I 

Der sweite Band schlofs die Rmfae alten adeligen Ge» 
soblechur t der dritt^ heginnt mtt dem ersten K&mperer Lem* 
pold Gumberg $430, In der Urkunde^ Worio Sigmund Her- 
Z9^jluadwig von IngpUtadt , nadidaiii er vom ^GonciKuni Stt 
Basel tth Bftnti getban war, in die Acht erkl£lrt (28. April 
1434«). ht^iist es : er babe den Boten des Kaisera die Obren ' 
abgestliniuen , sie genothigt, die Briefe zu essen u. 8. W, 
Deisflbe Sigiiuind ertheilt den Regeiisburgern iiir 120 Gulden ; 
das Pri vilr<iji Liai , in ailer Herrn imd Fiirsten LSndern die Std* : 
rer des Fnedens zu fahen und nacb ihrem cJtadtrecht zu rich- 
ten. Die Krone, die er verpfSndete, konnte aus Geldmangel 
nicbt'eingelOst werden, da hot der Kaiser der Stadt Pfe£<9raa : 
Zablungs 5tatt. Hegensburg mufste sicb mit den vorheizie* 
hendeti Zige<inern abfinden, das Land nicbt su bescbSdigeo; 
ein Fries ter ermordet einen andern einer Beiscbltferin 'wegen 
III. 13}. — Aus in. 140. ^rsieht man, dsds die Bebauptung 
Beckmanns (Gescbicbte der Erfindungen I. 394.)* j 
seyen bios Fraiiens person en bdheren Standes gef'ahren, unge* | 
grundet ist. — Die Hebammen solleii zu keiuei Jiidin kom* | 
men III. 207. (a. 1452.). Den VVirtben wurde i453 nacb« ' 
drflcklicbst anem en, niemand etwas au essen zu ceben, j 
als des JMorgens : ein j)iofses Siipp' ], nacb Esseiisz.eit KSse, 
Brot und Robeln ; was jeder Trinker selbst mitbiiiigt, das 
darf ihin jedocb obne weiters gebraten und gesotten werden. 
Unter Friedricb III. war die fiestecbung der Beamten allge* 
mein; MattbSas Doring nennt ibn gradezu regem Judaeoruiu 

JConttn. Cbron, £ngelbusii apud Menken III. JO. yergl. mic 
. 1284.)* . Filr Geld fend jeder Veifbrecher «ine Ffirspracbc, 
fttr Geld fand^n alia Recbt, JVTdodie verscbiedener Farben und 
Juden 640. — Der merkw6rdige Auiitand 14861 die Ueber* 
gabe der Stadt an Herzog Albrecbt von Baiern und die endlicbe 
Wiedererlangung der Freibeit sind vou S. 685 urkundenmafsig 
dargestfcllt. — Zu seiner trefFJicben Scbrift fiber den UrspiLing 
von Regensburg giebt der Yerfassec iU, 787. einen wichti- 
gen Nacbtrag. 

Der vierte Band gebt von 1497 — 1525. Im Namen 
Maximilians ward dem Ilatb angesinnt, sieb seines Recbte» 
gegen einen BUrger zu entbalten, darauf antwortete der Kim* 
merer Wolfgang Liskircbei^: des Kdniga Meinung wer« 
de teyni daa Recbt zu fdrdern, nicbt aber dai* 
• elbe suvarweigern* Maximilian setat mit Ge wait 1499 
innen Hauptmann ein 9 damit AJbrecbts Freunde aicb der 
tiicbt wteder bemeistern konnten, Iin Jahr 1505,(98) beiftl 
es im Ratbsf rotokull; Dam Joseph Giuupuk , ii, M, StikcQtart 



Digitized by LiOOgle 



Gemcioer Eegensburgische Chronilr* 



«53 



ht Tags nach Misericordiaa auf sein Supplicaton und Art* 
i)rinneii, all hie einePoetenscbul su halten (vergi, 

I'oeten Maister »u Miinchen Kiage in Westeiiricders Bei- 
trSgen V, 227,), vergdnnt und zugeMgt^ und ibin deahalb 
40 Gulden rbeinisch Jahrgeld zu gebeii bawilligt, nSmlich alltf 
QuatLinber 10 Gulden* — In einem AntworUchreiben aufdeil 
Brief Maxixniiiani , nach Rom gehen zii wollen^ iclireibt Ju« 

(l8* August 1507) : Adventum G. t. makimo cum deside* 
rio exspectamua. Hortahiur tamen aandem, ut bujutmodi 
nodestiam Dm. Fridertci III. i mi tad velts , qui loca S. roma* 
Me ecdttsiae parvo cfomitatu armorum tina ulla aui|picibria in* 
gresiusest. IV. i2i, — Ein Jud^ sagte 1510 der ^adt Vehda 
ttnd Feindscbaft an. 159. No. 322. Auf eine Beschwerda 
der Geistlichkeit wegtu neiier Verfugungen erwiederten di6 
siadtischen Abgeordneten : Wenn dem also ist, dafs in den \u 
Schriften verboten ware, die Geistlichen init Steuern zu be- 
legen, so seyeii der Zeiteii, da die Gef?etze ^einacbt wordea 
Waren, nndere Ursachen vorhanden gevvesen ; es bat alles eiiie 
andere Gestalt gehabt als jetzt; und Ist der Vemunft nichc 
wider y dafs durcb Uraachen und mit der Zeit die Gesetze ver- 
^ndert und auch ganz und gar in andera Wega verkehrt wer* 
den; dem natflrlichen Varttand sey abar widerwUrtig , dafs 
die Geistlicben den Bdrgern das Brod vop Munde abscbnei* 
den. IV. 288. <a. 1516i}* Damit ist zu vergleicben IV. 440, 
Das Yolk tagte; biltte es gawufst, dafs die Geistlicben etwaa 
von dem Geld sur beiligan Marift bekommenf so wttrdf ibm 
jeder Heller gereut baben I Zu i5}8 kla-ien die bischdfflcb^a 
HAtbe, dafs an jedehi Tag, so bocbaeitlicb er aucb sey ioi 
ganaenJabrey dia AltSre, alsbald man Masse gelesen, ibrar 
2ier mflssen beranbt werden; wo 'man es aber eine kleina 
Weile verzieht , so veisielic sicli et\^ a ein imseliger Christ, 
dersolches entfremdet und eilends der Judengassc zulault, das 
2u versetzen oder zu verkaufen. Daber erwacbst, dafs we- 
der Keich, Ahartflcher, Mantel, Scbleier, Coralien - Fater- 
iiosler , noch anckre Zlei der Bildung MariU und der b. Mut- 
ter S, Anna, item Ghorrocke, Mefsbucher nicht sicher sind. 
Auch bat S, F. Gnad mit sammt dem Kapitel angezeigt , dais 
die Bildung MariS und anderer lieber Heiligen blols und nackt 
nilUsen stebaof dafs man die Altarleucbter , y^ie man sie ba* 
Wten will , an eiserna Ketten legen mufs; aucb die Frtester, 
dieweil aia Masse lesen, sind ibre Barett auf dem Altara nicbK 
Richer y tria au NiedermClnstar bescbahen* IV, 444* 
Hoaiy acbreibt dar Regensburger Gaaandta 1522 1 wo alia 
^scban aahr scbwer und mit groxsam Galda su Ende komman , 



864 fiuUoaaa StS<U«wMeo du Ifilt%Mtm 



luinn.&ein gtijrer Q€§Mp Ehre tmd Dank verdienen« Ztt det 
f^bst^s ,Leo Zeiton ^ar man in den Hfinden florentiniKhec 
^anfleute* die mit keinem kleinen Hailfsn Gold su fiQlIeil w»- 
|ren; jetst ist alle Gewalt su Rom iii den Hflnden dec FlSdb 
ininger and SpaiiloUn y alUs aufgewendete Gold itt daher vn« 
loren.'* 17. 461* Ein Landvogt su Frauenfeld hat eiiien 
]utherischen FrSdicanten mit Ruthen lassen schlagen und ibm 
die Zuii^e mit einem Nagel lassen an dtn Pranger Leftcn, did 
^i' sich selbst hat miissen ausreilstin. IV, 5l8. Auch kdo. 
nen unsere deutschen WciiterbOcher mit trcfiflichen , den Ur- 
kuiule.n entnoinmenen Ausdrilcken durch die Re^^ensburger 
Chronili bereicbert weiden ; so z. B.gelcumt, wohlge* 
)eumt, Rahm Raub, Legstad t d. h, ein Ort, wo Trauii- 
tobandel getrieben wild f wobigezeugt {idymf^i} y £ n t - 
gan^ Verminderung, u r w ft r i g bestiindig u. a. w. Auch 
erai^o.t >nan» wie^bdrichc es ist, tlber die Orthographic un- 
aerer Vorfafaren in , dieser Zeit Unterauchungen anzustellen 
oder sii atreiten; in derselben Zeile wird bllufig daaaelbe 
Wort v:erachieden geschrieben^ 



SUIdtmv0S0n 4is MiiieUdiers* Von Karl J}i9tTieh UUllmaun* 

Erst&r TheU^ iLunsiJUU und Hmtdel, BonUf hei Adolph MartfU* '■ 
' ' * <826. nn und 476 B. 3 fi; l8 he. i 

I ■ 

I 

Im Gegensatz zu der Weise , die bei uns in der z\yeiten 
llSlfte des voiigen Jahrbunderls aufkam, durch Ansichteii und 
Ideen , durcl; ^ Vahriiehinun^en und Schliisse , die sich auf die 
Sitten wiM^r Ilorden und psycbolbgiscbe Hyputhesen grfln- 
deten, die Weltgescbichte gleicbsani a priori consCruiren zu 
"WoUen, regt sich zu unserer Zeit allentball^en ein scharfsicb' 
tender Forscbungsgeiat^ der jede Sage, jedes modernde Ue« 
])erbleibael der dahingeschwundenen Menachheit drebt und 
wendety mit demGIeichartigen prilFend zuaaounenhftlt und ord* 
netf um wo moglich aua den hie und da zerstreuten Stdckeof 
aua den unacheinbaren Fetzen daa verblicbene^ frUber in glSa* 
sender, jugendJicber Friacbe prangende Sleid einea ISngst 
yerachwundeneri Zeitaltera wiederum suaammensutetsen nod 
aufzuputzen, Dieae feine Nadelarbeit wird in den neueateo 
^eiten so kunstreicb getrieben , dafa bftufig ein gefibtea Auge 
dazu gehdrt, die groisen Stiche und bidden Stellen berausau^ 
linden. Wie allgemein bekannt, weifs der Vt;rfas3er des vor« 
iit^^<iiitlea VYciki^d mit. groiser liuudt utid Gewandtheit d^n 



. ly .i^ .o uy Google 



Bfilliiiaim SMum^im to Bdltelalt«if • tS5 

* 

Inhalt elnzelner Urkunden 2u einem Ganzen zusamriiisnzurei* 
hen; er verstehteSy iljilmch eiu Bild mittelalterlicber Zeiten 
zu entvverfen , wi« die hesciiriirikren ClironikenscLreiher nim- 
ineijuehr gekonnt h3tten. AuTser den gedruckten, zum i lieil 
sdtenen Qixellen , wozu Hr. Hof rath lieu Ts , dessen mensctjen* 
freundlicbe Theilnahme an Studten aller Art jeder^ der die 
Gottin^er fiibliotbek lienutste^ nicht genug rOhmeh kann| 
behiUflich war, hatte HdUmann noch ungedruckte|tJrkundeii 
aus verschiedenen Archiven, besonders aui dem Archive su 
Konigsberg; keineti tagt der VerfaMer. selbst nicbt dat su 
Vtnedig. darfte ttber dias Iiin«r« dea Hande'la im Mitteli. 
alter fo viela Nachricbten enthaltan , wie dieieiT (497.)* 
alien will Ref* Sen Xieter luit dem Inhalt dea Ganaen, ao^vireit 
ei aSmlich bei solchen in*'a Einaelhe gehenden Foradiungefi 
aiSglich isty bekannt machen. 

Zum grofsen Vortheil gereichte der liandwirthsjchaf^^ 
von der die Gewerbe Nahrung und Liebta empfangen , die 
£rblicbkeit der Lehen, die Aufnahine freier Ziiisiiaucm , Co- 
lonen, Malinannen (siebe weiter unten) und Sock- oder Sack- 
iranner. ^Vegen der hiiiifigen Fleischspeisen und anderer 
sch ver verdauiichen Geficbte, die wolil von manclier schwSr-J 
rneriscben Verirrung nnglacklicber Klosterbriider vonruglich 
t^rsacbe gewesen aevn mOgen^ waren die Vetdauiing bH:'5r* 
derodeo Mittel von NOtben, Ffeffer, der bekanntlich in den 
grbadberrlichen und Zollabgaben eine bedeutendeRolie spidr^ 
und andere Gevirttrae aller Art. Zum Gotteadienat in deii 
Kircben bedurfte man Wacba^ Bernatein (Brenoatein, Ambra^ 
imd Weiherauch; die Geiatlichen wollten feine Stoffa , aelbat 
tibetaniachea Ziegenhaar zu Kleidern, CborrAcken u. dergl.; 
dieRitter Truts* and Schutawaffeni Aetthoaen^ vorailftilch 
aber Felzwerk, ein Lteblingsputa aller deutachen -VCUker* 
(Ueber diePelzkleidun^ der Gotben aebe man die Auslegar'tfOlll 
Cod, Theod, V. 240. ed. Hitter.) 

Die Kreuaaiige und die dadurch enUtanJene iiaheie Be* 
kanntschaft init den Mauren gaben Gelegenbeit zu Ver^nde- 
rungen aller Art in Asien und Europa. ^eidenban und Sei- 
denweberei, schon frOher hekannt, stieg durcli den zuneh- 
menden Luxus der Geistlichen, der Hitter und iLuidelsherrnf 
so aucb die Manufakturen von fiaumwollenzeugen. Aufser- 
dem kamen nocb in Handel feinea Leder von verschiedenea 
Gattungen , Safran , Alaun^ Zucker^ allerband metallene Ge« 
r&tbacbaften ^ Si&dfrflcfate, endlich aucb Menschen^ womtt 
aicb, uneracbtet aller pAbatlichen und einbeimiacben , wahr* 
acbeinlicb ao ernatUch nicbt gemeinteo Verbota^ die Yene« 



Billlmtiiii StfidieweMii im Mitt«lalt«r. 



tianer bis tief fanfseliDte Jabrhundert beacbSftifften (Daru 
111* 22. Ueber dieten scbSndlicban M«nicbenhanael in Eng- 
land spriclit Henry Hiatoire d'Angleterra'IV« 4.72 J* Bolognui 
daa In der awaitan HSlfte dea drciaehnten J^brhunderta aeina 

' ' Leibeigenen in Freiheit aetate, Mweil die Menschen frei ge« 
Loren^ nur iin Laufe der Zeiten und durch die ScLuld des 
Yolkerrecbts in Knecbtschatt geratht^n seyen", fand wenig 
^achahmung, weder in den DemokraUeen , noch auf deu 
gt-iistiichen und adeligen Territorien ; nur scheinbai ist die 
j^.tstehung der Coinmunen in Frankreich und in andern LSn- 
^^l>^ dieser Behauptung entgegen, Wehn aurh mit Kaisern 
und KxOnigen , konnte die lotnische Hierarchie doch nicbt 
mit d^A babsdchtigen KauHeuten fertig warden » alle £ann« 
,blitaa. ache.ucbten ata im irtiheren Mitteial|er nicht vom Han* 
del mit den ^aracenen ab, so nicht im apSteren mit den Huh 
aitan* Von r($fluacber 6eite benutzte man diese Verbclltnissei 
dan ttbartriabbin^n , darch die Unsicherbeit allea BeattztbgoiB 
atotgermafaen an^obuldigten Zinsfufa su lieuen Gelderprei* 
•ungen , £rb8chie|c^bareien u, a. w. ' Id einem Conciliam sa 
Kavenna i3i7 ward b^sGb]d«aan: XJiuaritia 'manifettoa fcrv 
corumunione altaris et eCv':lesi8itica aepultura'priiratoa (Riero- 
liyuii Rubei lii&tor. Haven. VenetHs I589.*f6l. 877.). ^^^^ 
Berberei, in Aegypten , Syrien^ Cappadocien und am scliwar- 
zen Meere wurden italienische Handelsnit^derlassungen ge- 
grttndet, von den Eingeborneii wulste man sich aulserordcnt- 
liche rrtvilegien, eigene ricbterliche Behorden und derg], zu 
veracbaifen. Diese Niederlassung^n , gleichviel, ob iiber 
Aegypten, Bactrien« odar im We^tlicb^n Armenien der indi« 
ache Waaranaug ging, wurden StapelplUtze far den Welu 
liapdal, Neban der griecbiscben herrschte bis zu dea Kreuz- 
sfigen die Flagge der Saracenen aof dem Mittelmeere ; jetzC 
4iracbainen Italiener, Provenzalen und Katalonier, dia mit 
grdftarar Sicharbait dia Meara durcbzogen, aaitdam^ wia 
und wann^ wird nie genau ausaenaittelt werdan kdnnao, ge- ^ 
gen dia sweite Halfta daa draiaehntan Jabrbundarta die Eig^n- 
a^baft daa Magnata isntdack^ wan 



* < 



N. 17. ' 1826, 

Heidelb6i;ger 

Jahrbiicher der Literatiir. 




Hulimann StSdtewesen des Mittelalters* 

. Oi%$ itt tlut etiio 'Seifca det Grofshandeb ; attth 'Ili dtlrt 
^aeitSclten des Nordens , am bahUjcben Meerbusen , etwachte^ 
VorzUglich durcli den Eifer f^l^ die Verbreitung des Christ^fn- 
thums, Handel and ScIiiilLhi t ; (Jtfiitsches Leben und I'l eibeii 
Ward in den slaviscben und weiidischen Norden verpllanzt^ 
ermangeke aber hier aller der scbcinen Jjliitben in Kunst und 
Wissenschaft , die das Btirgerthum in der Lombardei und in 
deutscben StSdten zu Tage Forderte/ Lilbeck erboh sich nicbt 
liur durch sein Stadtrecbti das neun^ig St£&dce ah der Ostsed 
annabmen, sondetn aucb durch die spSter erlahgte obersto 
Leitung der gro£ieii| sur gegenseitigen Sicberbeit etricbteten 
deutlcben Hansa , sum Mittelpunkt dtfS nOrdlicbeti StSdte-^ 
weMni. Zaerst batte Cdin Niederkssuitg^A in £nglfind» bald 
eiferte Lllb«ck nacb; nicbt obne 2wtitigkeiten veri^lnigteii 
slch beida apSter bu einer Hansa , wie und wanil 9 l^fst tir« 
kttndlicb aich nicht nachjnreisen. Mebrare Stftdta tratim « 
iban erwarb aicb die grdfsten Handalsfireibelten iiii Notfdaat' 
Sfiden und West«n, und to entstand der lAark^ttrdlgttcf' Han** 
Wsbund in der gan^en VVeltgescbicbte. In dai E^ne^ne dea 
Dbrdiscbeu liaiidela, in di^ £t vvei hszwelgd Urid Streiti^keitell 
der einzelnen StSdte kann hier nicht eingegangen vvcrden, ■ • 

„Die Sumflae der wichtigen Vei and^rungfen , der Geist 
der neueren Geseliscbaf't , i^t so auszudrticken : dieAllein- 
berrschaft des ufibevvegUchen Vernlftgens ward ge- 
brochen ; es entstand neben ihr eine Mit hevrscfaaft des 
I)eweglicben^« (207}* Die gedrClcJcten H6rigeh entflieben 
in die nabeii StSdte, und nacb Jabr und Tag konnUn ai« g^-i. 
Wdknlicb-von ibren Xjeibberren nicbt mebr tn Ansprucb ge« 
aommen warden. Ijie K6nige hobeti den Bllrger&tand als Gc- 
gcngewlcbt gegeii ^e ttbarmlcbtigen Aristokraten't'^in Kampf 
^nUtand swiAcben dam bdhen' Adel ^ner S^fitSf' <\er niedere 

XIX. Jaiirg. 3. Hi ft. ' / ' • ' 17 ' 



HuUjnaAn Staduwrsen im MiUelalter. 

bitit aich grofsentbells. su, den Stlidterir (iparcbanda noUei), 
den Kdnigen undi den 6otnmunen anderer Sfeits. Die geld* 
losen Grundbesitzer ,konnten mit den reibhen StUdtern iiicht 
glMdb^il Sdirilt ba]teit ; Klddungen, Wobnungen, Ha'usgerii* 
thCf Nabrungsmitte], AWes verbesaert und verh>inert sicb, 
tind dadurch ward der Kunstfleifs erstaunlich gehoben. Wol- 
lenzeuf^e oehui en zii den wich Li^sten Kunsici zeugiiissen in 
den StUdten ; die J iicbliandler , deneii die jetzt auch ziir Be- 
deutung sicb eibebenden Fiirberei- und Wollkamiiifcrinnungen 
LSiifiG^ untcTgeoi dnet Wareii *) , bildeten eigene Ziinfte. "Vor- 
ziiglicli zeichneteu sicb die Tuch webereien in den Niederian- 
den und deai sudlichen Irankreicb aus, spUter erat erhoben 
aich bekanntlicb die er^gUsobeiiy die Leinenzeuge ^Arurden aber 
grfifstentheils von den Gutsnnterthanen beiderlel Geschlechu 
verfertigt. MetalKvaaren , Bieff Metby der in den ndrdlichen 
Gegenden die Stelle des Weines vertratf ,6alzf woriiber in 
einem grofsenTbeil des addlicben £uropa*8 die Venedaner sich 
daa Monopo] geviraltaam su vera6baife|i wuraten , gebdren aacb 
su den vovaQglicbat^n Handelaartik^ln« i * 

Die drtUchen Yeranlaasungen zu. BandelastSdten , zu 6e* 
werben , MSrfeten und -Mess en waren scbifFbare Gewiisser, 
Biscbofssitze , Kluster, WalUahrten, Verebrung der Heib^en 
II. s. w. ^Natiirlich mufsten dann fflr Waaren und Kanfherien 
passe 11 de und bec£ueme Kiniicbtungen getrofFen werden ; es 
entstanden Kaufbiiuser, Tucb- und Gewerbsballen , Borsen, 
von den kaufmannischt n Geldgescbaften so genannt, Kram- 
laden, Bilnke, wobei der Umstand , dais dieL^den undBanke 
gleidiartiger Waaren neben eiqander standen , und die bald 
eintrel«9ide Erblicbkelt deraelben nicbt eu tkberaeben sinJ. 
Urn der M^ben und Storungen fiberboben zu aeyn, die das 
FeilbaJtWi^ J^n den d£Fentliqben Hallen verursachte, legte man 
in deitHau^aern Laden an f. wbdurcb die UeberbSnge, Nebeh- 
simoiet und^derg1« entftanden^j^ Aua der drtlicben £inncbtung 
4ff .W'aarenabaatzea der SunjiOrbeiten nnd Handwerken Ut 
die Zunftverfaaauf.g derjielbeii unmtttelbar berTorger 
gangen (Zi5)f und frtihe scbon finden wir Ziinfte mancberjei 
Art, Kfirscbner, Fleischer, Leinweber u. s. w. Die Gilderi 
der Kauileute aber seyen vorsiiglipb aua^em Beduriiiils, sach- 

r ' 

^ •) Die den Tucbhancllern untergeordneten Zunfte^werden in deo Sia* 
tutco von Padna gennu auFgezalih : teiitori, purgatori, MhtoVf 
. garzatori, savonatori, kartezatori , fillatori. Gli slaiuli de Pa- 
dera uadoui de LaUno in vulgaie. Padora 155 1« 4. S*42. «' . 



filUlmanii Stidtewetflii det MiUtklftttCt* U59 

t 

l(unclige Schiediricbter in Handelstachen zu hftben^ entstan- 
dl»n. £f wird dann Einselnea iXb^t dia wtcbtigsten Stftdt# det 
Bmnen*Gro£ihand«ls im datJiebeo Gabiat ^ Ragaasburg« Wian^ 
BreaiaQi fragi im waatlicban Troyes, Gant't Lyon 5 Baau* 
cairaf im mittlaraii Augaburg, Mllriiberg» Frankfurt^ CdlOy 
beigebracht, und die ytfrscbiedatoeii Handelaitrafaeii nebst den 
NandeUartikeln urkundlich nachgewiesen. Endlich wird das 
Notbwendigste hemerkt uber iViuuzdii, i'lbcr ibren Namen 
und Wcrth, iiber Geldwecbsel und An weisunneii , und mit 
dein Beginne der Girobank zu Venedig , eine Voi kebrung , die 
spater in alien groi^ien Handelsstiidte ii nacb^eabmt wmde, 
die Darstellung des Handch • uud Gc^werbwtiseiia imiVIittel* 
alt«r geschlossen. 

Wie aus dem Gansen sicbtbar ist, wollte HoUmatin das 
St&dtewesen nicbt in einem hestimmten Zeitraiime desMittel* 
alters darstelleiiy Sundern biatoriach auii'assen und entwickeln. 
Nun beginnt aber der vorlienende erate Tbeil mit Handel und 
Gewerbe^ mit der Bliitbe dar freien stadtischen Gemeinden^ 
obne suerat dber die Anf^nge und das alimlllige Wacbaen der* 
aelben una aufgeklSrt zu naben, Daa UngenOgende dieaea 
Plana ward aucn von dem einaicbtavollan Verfasaer im ^aafo 
der Arbeit binlSnglicb gefdhlc, denn bei der kuraen Daratel* 
]ung der ZOnfte Tniilste er einem apMter folgenden Tbeile ttbet 
die Anfange des Stiidtewesens vorgreit'en (3l7). So sehr Kef*, 
der Bebauptu ng ; Jodes Zcitalter ist eiu la sicb abgeschlusse* 
«enes, in alien Ilauptzilgen genau lihereinstimmendea Gauze 
(192), beipflicbtet , so kann docb d is ganie Mittelalter kei- 
neswegs als tin solclit^s Zeitaiter betracbtet Werden, geseLzt 
aucb, wir wiirden zu nnserein Zweck es cist ri?it der Auf* 
Idsung der Staatsgewalt, mit der groii^eren Unabbiingigkeic 
der Beamten und Gemeinden^ mit der AushUduug des FeudaU 
systema und des fOr Wisaanacbaftenf Lieben und Verfassang 
bedeutungsvollen Kittertbuma beginnen* Wfirde der Verfas* 
<er mit deoi An&nga angefangen haben^ ao wllrden aucb die 
badaut#ndtn Verftnderungen f die die verttnderte Aicbtung dea 
Wehband)^ls'tn einigen.^tftdten verafaacbte^ deutlicber an^a 
Xilfebt getreten aeyn ; ea iit hekannt und v6m Vertaaaer auch 
bemerkt worden , dafa einat die StraCie dea VVeltbandela f'Or 
daa ndrdlicbe Deutscbland von Kiew aua Ciber Nowgorody 
Wisby und Ltibeck ging , fih das sudlicbe iiber Breslau, Prag 
und JVegensburg. Erst nachdem 9 nach dej Kroberung Con- 
fitantinopeis durcb die Lateiner ^ der Uniukd wiedermn aeine 
frflhere Kicbtung zur See fiber Vcnedi:; genommen batte^ 
boben aicb dia Scitdta Augsburg und rsjuinl>cig, IWgenaburg 

i7 ♦ 



' Digitized by Google 



iSO HiUlmBiiD StidlewMeii .d«t MiHoUltm 

aber icAvn tiehtl»r zurfld^ (BTachttQck einer.baierischeQ Han* 
delsgeschicbte vom Jabre 1263 — 1294) dutch Kittar v. Lang;. 
Ganz andera war daa Leben v der Handel und daa Gawerbt* 

'wesen, gana andera waren Sitten, Gesetze undGewobnheiten 

im zwoltten und in der ersten Hiilfte des dreizehnten Jahi luu - 
derts , im Vcrgleiclje zu deu spatem im vierzeluiteu und iiint- 
zehnten ! Einen seiner Vorfahi en , Cacciaguida, liifst Dante im 
XV.Gesang des raradiso das damalige Floreua ao beachieiben: 

■ 

Fiorenza dentro delle cercbia ant^a , 
OndVella togUe ancora , eterza^ enona 
Si atava in pace aobria, a pudica« 

Non aveya catenella, corona f ' 

Non fionne contigiate^ non cintura, 
Che losse a veder piii che la persona. 

Koa faceva nascendo ancor paura 

La iig^lia al padre, che I tempo, e la dote 
Non fuggian quinci , e quindi ]a misura. 

* tfon aveva case di iamiglia vote 

Non vera giunto ancor Sardanapalo 
A mostrar ci6, che in camera si puotd 

BeUircion Berti vidi io andar cinto 

' iDi CU03O9 ed* oaaoy e venir doUo apecchio 
La Donna sua , sensa il viso dipinto. 

£ vidi quel de Nerli , e quel del Veccbio 
£88er content! alia pelle acoperta 
£ la aua Donne a) fuHo^ a al penneccbio. 

Mit dieaer vortre£Eiicben Scbilderung kann man Ricard Ma*- 
leapini cap. 161. und Giovanni Villani VI. 71. vergleichen. 
Wia ganz andera apricbt deraelbe Villani im Jabr i330 (X. 
154)* die Frauen au Florena^ achreibt ^r^ SM^dieser Zeit 

mit gTofaem Scbmuck an Kronen, Guirlanden v6n Gold, Sil- 
betrund Ferlen prangten , ala aia Netse mit ain§eflocfatenen 
Ferlen und andera koatbara Bopfbedeckungeti) wie aucb Su*- 
aarat pracbtvolle Klaidar mit vergoldated . ailbarnan. Kndpfea 
.trugen, ala an koatapteliga Hocbaeitaacbmtufaa'gabahan wur> 
den (Leonardua Aventinaa klagt in einem aeiner Briefe , diift 
die Hochzeitsfeier das ganze Vermogen seiner Frau aufgezehrt 
habe), sali sich der Magistrat geniitbigt, stiengt; Gegenmittel 
. au ergreifen , die in den Florentiner <Statuten : Ordinauienta 
de famulis et famulahus , de probihitione ornamentorom mu- 
lierum^ ordinamenta nuptialia et sponsalia (lib. IV. Ruhr. 1. 
4-' l49-)9 nachgelesen werden konnen. Dns Leben des deut- 
acben ^titdtera war in den friiberen Jabrbunderten dea Mitul- 



261 



alters sparllch und cinfdrmig. Wie gam andai;^ mufs im 
fftafz^bnUn Jabrhundart ausgeseban baben, zuaintrZeit^ wo 
Aetteaa Sylvius aagta } Vidimua an ciWtata Liubacenii gut oon* 
iulatum gerunt, omnaa aurao tplandora longum famuloroot 
ardinaoi poat aa dui^ra* Idam factitant raliqiuarum urbium 
conaulaa, fuamvis aurum non £erant; apud Italiaa civitatM 
quantus ait magistratuum fastus vix dtci potaat (Mart* 
Mayer hinier Pii IL Commentaui. Koinae 1584- 4. S. 737,}. 
Dii sali sich doch der Magistral voa Ilegeiisbuig ^enothigt, 
ii|oa eine Kleiderordnuiig zu erlassen, *o viel liei, vvtiiia, die 
erste in Deutschland, woriii es unter andern heifst : Zuni 
sieljtej; vei hieten^^ir auch den Frauen und Junghauen dio 
lan^en Spitzen aiMen Schuhen und Sockein, die sie bisher 
getiagen haben, die langeii Schw^nze an dea Hocken und be* 
•onders die auagescbnitteneii Goller, Buaen* und BrusttUcbarf 
die sia in kurser Zeit ober alJe Maafaen aufgebracbt baben, 
aetaen und wollen^ dafs ihre keine an den Scbuben Spitsta 
trage, die Iftnger aeyen aU ein Fingergliedi und die ScbwMnza 
meht Hbar eina balba £Ile lang. Una wenn aie fOran Kleidar 
nacfaan laaaen » aoUan die Achael gan« be^eckt ^ daa Rleid yarn 
gana sugethan und nicht niaderer gesenkt odar featas.ausge- 
Kiinitten aeyn , denn anf daa meiat awei Twarchfingar unter 
demHaUgrablein und binten vom Halskndcblein ein halbDrit* 
thet) der £Ile. Diese aufserst interessante Kleiderordnung 
verdient ganz nacligelesen za weiti^a hei Gemeiner in der 1W« 
geiiiiliurger Chronik JII. 682. 

Es ist nichts leichtcr in der ^^^Llt, als zu so einein nm- 
fassenden Weike Zusatze zu macben, daher will sicb liefer. 
blo8 auf Eiiiiges , was ihm wicbtig dlinkt, besclir3nken, Ant- 
iallend ist e«, dafs iin ganzen Werke nie von Portugal die 
Kede ist, da nacb den Privilegien der f'ranzcisischen Kdnige 
su urtbeilen (Ordonnancea XIII. 58.) t der Handel der por* 
tttgieaiachen Kaufleute in Frankreicb bedeutend geweaan aayo 
ttufs. — Durcb den politiscben Zusammenbang mit Bysans 
scheint in Unteritalian die griecbiacbe Spracbe und Liuxaa 
aller Art hinga fortgedaaert su haban. In einer Tradition daa 
lombardiachan Dux Arigiso IX ioi Jabra 717 von Beneyent 
baifstea : Tyria multa , quidquid farat Indus , (fiiidva tabso (?) 
▼aoa Grata at mollia mittit Araba, mandatqua nigri peliia 
Etiopa at vestiunt Seres, alle diese Wundersacben rCthmt der 
Lombarde zu hesitzt^n. Borgia jMeoioi ie sloiicUe di Benevento 
I. 271. — Von den aurseroi iientlichen Freibeiten , din sich 
die bandeltrcibenden St.'iJte zu verschaiFen wulsten , zeugt 
besoudera Amaifi. UnUr I'abst Lucius III. lii>4 warden 



i 



263 HiUlmaim SiiicUewesea dei Miiteiaiurs^ 

ilinen ibre .berkdmaiUdien Freibeiten zu Beneveht b^Mt&tlgti 
' Ma konnten nicht vor dio gewobniicben Gericbte ' geruFen 
w«rdeOf alle Streitigk«iten a^ibst mit Etnwohnern aus £ene- 
veut IcoQilteii siur von einem Kichter aut Aoielf] yarbandelt 
werden^ iind^ conderbar genugi» testiinomuin civiuai contra 
AmalfitaBitm aon recipiebatur* Borgia a« a. O. Id* 1 64* — Jtn 
aeinen Commtntarien a. a. O. S. 6. aftgt Fiua II : Scotia 
in Flandriam conium , lanam, pisces salsaa margaritaaque ferri. 

— Mancbes Wichtige wilrde wabrscheinlicb nocb aua den 
Concilien^Sammliingen , die selten gehurig benutzt werden, 
gezogen werden kcinnen ; in den folgenden Biinden wiid der 
Verfasser wahrscbeinlich die Juden, eine i^thwendige ErgSn- 
zung zum Handel- und Stadtewesen , und^fcn Handscliriiten- 
handel (iiber Creta , besonders seitdem es [1205] unter vene* 
tiani»cbe Herr&chatc geratben war)} nocb besonders beruhren. 

— In Besiebung auf die ^egenaeitige Zollfreibeit der Stadte 
will Hef, nur eine Note Westenrieders in den^ BeitrSgen sue 
vaterliindiacben Hiatorie y» 234. abacbraiban. In den Mon. 
Boi'c. fcommen defgleicbeti ZoUfretbeitan genug vor; Kaiser 
I^udwig gab im Jabr r323 den Ndrnbargern das Frivileginoii 
„dala di« nflrobergischen Bttrger in der Stadt Mancb«n eu 
Waaaer und Land und die BOrger von Mflncben su N^irnberg 
sollfrei aeyn aallen.« Wobei aich baide Stftdte den nttcbaten 
Tag nacb Jabobi i323 reservirt baben, dafa der erate Bftrgeri 
wttcber nacb St. Michelstag zu Mancben oder Nflrnbcrg an* 
komint, dem Zollner ein Ptund i'itilei , zween weifse Hand- 
schulie und ein weifse^ SLiil)lein zur Recognition diesei Zoll- 
iieiheit reichen wolle, Die^e wecbaelaeitige Befreiaug dei 
^ufleute dauerte bis 1748. 

Aus einer Urkunde Otto L a. 958 (Meibom T. 742.) f 
es heifst : justitia et» census, ijui saxonice IVIal vocatur> 
acblielst der Verfasser 9 nacb des Aef. Ansicbt mit Unrecbt, 
da£s die Malmannen wie die Sockmanner Erbzinsbauern ge« 
weaen aind, JVXal, Mall us beifst bekanntlicb Gericbtsplatz; 
Malmannen aind demnacb wie Dingmdnner freie Grund* 
beaitzer, die nie ganz verscbwunden aind, durcb die das 
Gericbt anberabmt , geacbloaaen und gebegt wurda^ Der Vi» 
filbrt ja aetbat eine Urkunde an S. 13* No« 25, worin ea 
heifatt iVTalmannen baben(ea proprias domoa. In einer 
Urkunde Conrada von 1032. ap. Schaten ad b. a« beifat ea: 
aut bominea ipaius ecclesiae Francos Ob&ros et eocleaiaaticos li- 
tones, malman et servos cujuslibet conditionis seu colonos contra 
rationem distringendos. Dal)ei soil i.icht gelaugnet werden, 
dais in niauciien Gegendew c|ie freien GruudbesiUer zu eti)- 



^ ly .1^ .0 uy Google 



HuUauum Siadtewesen dei MiitelaUers, 263 

r 

Jidien ZinsTmuern bfralMankeHf was swar n^is der Phrase^ 
^quldquld fiscus regius contequi debuit^^ (HQllniftnn S« 12* 
No,220f iiicbt ^efolgert werden kaan, indem ja selbat die 
Freien Qnter gewiaaen UmatUnden au einer Bede in Anspruob 

Senomaieii werden konoten* Lang htstoriacbe Entwickelung 
erdeuUchen Steuerverfaaiung S. 54. 55*'* Ueber die Ahga- 
ben der Freien und ,ibre VerbSlltniaae braucbt ReE bloa au£ 
zwei Annerkungen • in Wiganda Irefflicbem Werke: Daa 
Femgericht Weatphalena S. 98. 99. Anm. 11. iind 12. 
zu verweisen. ~— Abgesehen davon, dafs der freie Btirger* 
stand, besoiiders in Fiankieich, nie ganz verschwunden ist 
man eiiiineie sich an Sladtgeschiclite von Kheiuis , so ht^ 
ginnt doch nicht, vvie S. 36. beuierkt wild, erst um die Mitte 
de$ dreizehnten Jalirhundei ti , sondern gegen 1100 niit dea 
Comaiunen das Ahlusen nnd Fixiren der grundhei z licljen Ab» 
Gegen 1100 enlstand Noyon , nach die&em iMuster 
Laon 1110» etwaa ap^ter Amiens, so auch in der Trovina 
I»anguedoc, Carcassone 1107» Montpellier lll3« Beaiera 
1121 (Bre({ui^ny in der Yorrede sum XI. Bd. der Ordonnan*' 
ces und Histoire generale de Languedoc IX. 515.). — * S*234« 
scbeint der Yerfaaser ansunehmen^ di^ fiegharden aeyen aua 
den WeberatUiften hervorgegangen. Den Ursprung , die 
Weiie und die aonderbaren Meinungen dieser mit den Flagel-. 
knten auaammenbSngenden und vielncb verfolgten Sekte atellt 
grfindlicb dar Lenfiint fatstoire du Concile de Gonatanoe II, 
So. folg, — 2u S, 240. Unter Eduard IIL erging nicbt allein 
ein Verbot gegen die Ausiulu' der olle, sondern das Pailia- 
inent verbot aucb die EinFubrung freinden Tucbea und dergl. 
(Statutes by KuUiiead ba}. I. 221. Henry VI. 442,), Ueber 
die Art und Wteise, vvie {Vilber der Wollhandel in England 
getrieben wurde, findet sich ein interessantes AktenstOck in 
iVgalotti's VVerk Delia Deciaia J I. 324. — Za S. gp7|. Nicbt 
erst &eit dem zwolften Jabrbundert, sondern acbon ini zebnteu 
Icooinien Consules iVJercatorum vor. Fanti^sat I«<14d* ad-a« d69* 
Marinus Negotiator et Capitulartus Sca^ae Negotiatoruni, so 
aucb ebendaselbat I, 128 und 385. — Z.u S. 325* I^ie Tucb. 
bajidler bildeten zm Flnrens nicht aliein einef aondern zw^i 
ZHahe^ eine^.'die mit ausllliidiachen, und die an der e, die 
bJos mit einheimisoben Tachern bandelte. |sfon era permesaOi 
Tegalotti nach den Statuten lY. T^attato de Gonsoli deU» 
Arti Rubr. 39 » a Lanajoli di tenare, e vendere panni oItra» 
mootani, nh al contrario potevasi da' IVIercanti di Calimala te« 
>i«r€ o vender panni (LIlc Fabricbe di i' ircnze. Dellaj Decima 
91. -r- S. lese man Uguiccio Faggiola atatt l ajjeo*^ 



264 fiasseri geoealogiicb histarUbli statUdsetA^r A.Ituaaaciu 

lano. Die ersttf Zelle von (C^brt su*88, S, 445. 

R a 8 p e 8 tatt Raspo ; 450. •Sudeten 'ft^t ttundeteii. S. 451 
][i>rniiiit von Ziel der Plural Z t el en vor, — * Uiebrigens wi&ntcbt 
Referent^ 'da|s der ^elebrte un4 fleifiige Herr Verfasser dlele 
wenigen Bemerkttngeh'und J^inWt&rfe Kl6s als ein Zeichen der 
innigsten Thieilnabnie an Studien dieser Art anseben, und d&fs 
er die gelebrte Welt bald mit der ^'ortsetzau^ diese^ umias- 
senddn Werke8 besclienken mui'e* 



fVeimar^ irn f^erfage dcs J .and e s " Industrie - Qomtoirs : Geneahgisch 
historisch statist is cher Almanack* Dritter Jahrgang fUr das Jahr 
1826, H^fiiuigeg^ben von Dr^ O. JfaitpL 12. T^IJl uni 
428 ^. ' 1 Tblr. 16 Gi, 

Der vorliegende Jabr^ang dieset Almanacbs iit wle telna- 
beiden VorgSnfier in'Setreff der Geiiealogte und Scatistik yoa 
Rrn. Hasre) bearbeitet worden. Derselbe Fleila in Samoi« 
lung der Materialien ^ dieselbe Genaui^k^it und gate Anord« 
nung, welche die andern ^eograpbiacben un4 atattstiachea 
Wcfdire de^telben aulis^eicbnen , 8ind aocli in dem vorliegei|den 
zxi loben. _ . 

Das Ganze zerfMUt, wie aucb schon der Titel sagt, in 
drei Abtbeibingen : Genealogie, Geschichte und Statistik, 
Die erstere hestebt wieder aus viti llubrikenj I. den fflnf 
grofsen Machten von Europa; IT. dem deutschen Bunde, und 
zwar ^owohl den deutscheii Bundesst jaten als den niediatlsir- 
ten Staqdeiberrcn ; ITT. den samnitlichen ubrigen enropaiscben 
Staateni i^qd endiipb IV. <ien vQrne)ii|^8(e(i aui'i»ereu(0^&iscbeo 
$ta*ten,\ 

P\i fOnf grofsen MScbte von Europa von den tibrigen 
eetondert su Behandeln, dazu scbeint uns kein binreicbendes 
Grund vorbanden; der (Jnterscbied zwiscbeq denselben be* 
atebt b)o4 binsicbtlicfi der FoHtik , nicbt aber in Betreff der 
OeneaMeie; auch wird d^r Gebraitch einea Werka ^urcbalUu^ 
kt|nat]icbe Eintheilung ohne Notb er»cfaw^rt« 

fiei jedem Staate handelt derVerF, I, von dem Staate nacb 
Ar^^lf VolHsmenge, £inkflnften>, Land« tindSeemacbt, II. der 
Staittsyerfaflsunc t III. dem Titel, IV. dem Wappen, V. den 
Kitterorden, vl. der pbersten Staatsheh6rde , und VII. dem 
diploiiiar isclien Corps, So viel wir hal)en veigleichen kSnnen, 
Ist die Darstellung dieser Riibriken gut ge?athen; nur scheint 
ea una inconsequent ^ dai'^ der Ver^, d«;i docb den dcuUcii<?D 



uj-.i^oii by Google 



Hass^*! genealogisoli LUtorisdi statUtisohcr Aluijuach. 269 

Bond nicht allei'n alt ein Ganzet , sOirfeni aucli nncli den ein» 
zelnen Staaten , die ibn hilden , durgestelk hat , iiei dei Schweiz, 
die binsicbtlicb ibrer Veriasftiing so vi«fl AebnJicbk#iC mit dem 
deutscben fiunde bat, nicbt Vbeii so veriabren ist. Die ein« 
seineo Kantone hfitten ionacb mit Angabe ibrer Staatsver{as<* 
lung und ibret KegierungsperaonaUa nambaft gemacbt wer- 
den sollen, 

Wa^ die vonHtn. BrQckan bearbeitete zweite Abtbei* 
lung des WcNrktf die sogenannte aCbronologische Ueberaicbt 
der Hauptbegebenbeiteii im Va)ka« und Staatsleben^ betrifft« 
so kOfinep wir davon meht vie] Gntea rdbmen. Abgeaeben 

Von dem pretidsen Ztisatze „iin V^olks • und Staatsleben** (in 
VOrnehm seyii solienden Titeln und BeisJitzen sucht?n unsere 
Schriitsuller jetzt einander zu (^berldaLt^u) , scbeint sie una — ♦ 
Wenigstens in dieser AusfObrlichkeit — in einen i^enealogi* 
«chen Almanacb gar nicbt zu geiioren , der dadurcb nur obne 
Noth angescb vveilt und vertbeuert wird. Es giht der chrono- 
logiscben Hand - und Tascbenbflcber obnebin nur zu viele, 
und wer sicb mit cbronologiscben Studien bescbMftigt , kann 
Wedekind's Handbiicb der Welt- und Vdlkergescfaicbte (un« 
streitig das vorzClglichste von alien) docb nicbt .entbebren. 
Die Cbronik des letztverilossenen Jabrs mit genaner Angabd 
des Tags, die in dieter Ueberaicbt eans feblt, dflrfte fOr den 
vorliegenden ^enealo^iscben Almanacb binreicbend aeyn. Fttr'a 
Andere ist diese cbronologiscbe IJoberaicbt b0cbst flttcbtig be«i 
srbeitety und ao vi^ltm Aaum sie aucb etntiimint (sie filllt 
voile 93 eng gedruckte Setten), so ist darin doob viel Wicb«» 
tiges flbergangen. So fehit z, B. die magna cbarta (1215) » die 
Sddacbten i)ei iVIorgartua (l3l5), Sempacli (l386), Falkdping 
(1389), Nikopolis (l396), Set. Jakob und Verna (1444); un- 
Jabr l307 wird zwar der Schweizerbund erwSbnt, der 
iioch vie] wichtigere Aut^tand der Walrlstiidte im folgendea 
Jabre und das BCIndnifs zu Brunnen (i3l5) al)er iiliergangen. 

Der Zeitraume oder Perioden sind unseres Daturhaltens 
viel zu viele angenomro^ni wodurcb die Uebersicht nicht al- 
Itrin nicbt erlei^btert, londern eber erscbwert wird; Oberdiea 
liud mebrere derselben, wie z. B. Rudolfs von Habsburg Kai* 
serwabl (127^) und der Anf'ang dea dreifsigifibrigen Rriega 
(161 8) nicbt epocbemacbend su nennen. Bis zum Jabre 1697 
ist diese Ueberaicbt ydUig unbraucbbar, weil bis dabio nicbt 
die einaeUien Jabre » worin wicbtige Begebenbeiten aicb ereig-^ 
net^ angegeben, aondern die von awanzig, dreifsig und fnnt'* 
2ig labren unter etnem Jahre aufgefidbrt werden. So steben 
fi. uqter dem JabiQ iUOQ die {^cgt^Lcjil^eiten bis 104^ s 



1 



^. .i^.o l y Google 



9 



9 

260 Qassel'£ g€QealogUeb.liiftoH«cii statiitudier AUnatiadto 

, iinter d^m Jahie i3l2 die Lift 1^49$ unter dcm Jahre 1^00 
die Lis 1 5i7 u. s. w. 

E§ gebt, gebt Alles durcheinander , 
Wie Mausedretk und Koriandei — 
sagt der Gewarzkr3iner in Gdthe'5 Tuppenspiel von seinein 
Xaden ; dasselbe kdonte nan von dieser angeblicben cbronolo- 
gUchenUebersicbtsagen^ so bant und planios tteben die Facia 
tiiiter einander. 

Die „Cbronik des Tages<« entbiilt auf 15 Seiten die M9. 
nate Juli bis Dttc^mber 1824 in einer AusfabiHcbkeit, die un< 
aebr nnsweckmSfsig scbeint. Die unbedeutendaten Dinge 
sind aufgenommen , z. B. dafs cine Manoeuvrir - Escadre Toa 
Brest ausgelaufen (S. 94.), in rbiladelphia Feste za Ebrea 
l^aij) neitiert (S. 102.)> Gotba ein MuSf^um erOffnet 

(S, 1070 ^1"^^ dergl. Wenn es S. 106. beifst : „diplomatUche 
llegsamkeit in Lissahon**, oder S. 108: ^der Toljel zu Con- 
.siautinopel regt sich**, go ist dies, als wenn man das Gras 
wollte wachsen boren. Bequem mag diese Manier, die Zei- 
tungeii abzuscbreiben, und wicbtige und unwicbtige £ege- 
benbeiten obne Plan und Auswabl zusammenzuralFen , aller- 
dings seyn, von der BeurtbeiUings-kratt dea Yeiiasiera legt sie 
aber kein sonderliches Zeugnifs ab. 

Der bierauf folgende Nekrolog der im Jabre i324 
atorbenen Gelebrten und Scbrtftsteller wOrde wiilkomi^entr 
aevn, wenn er nicbt alle, sondern nur die ausg^steicbneten 
Scbr^tsteller entbiehe. Nicbt jeder, von dem man^ Gellect'f 
Wof te parodirend , sagen kann : 

Er lebte, scbrieb ein Bucb und aturb — 
verdient aufgenommen zu werden ; aber vielei^PeutScben gebt 
nun einmul die liehe Voll stLl ndigkeit ttber Alles. Gar nicbt 
abzuseben ist es, waruiii der Vf. Meusel's gflLhiUs Deutsch- 
land citirt; wer dasselbe Lesitzt , ])edart dieser (JitaLe nicbt, 
und wei es nicbt bat, kann keinen Gehraucli davon macben. 

Zum Scblusse folgen nocb statistiscbe xS'otizen miter dem 
Xitel .jStatistiscbes Quodlibet". Wir wollen denselben ibre 
Brauchbarkeit nicbt absprecben , wfinscben jedocb, dafs der 
Verf. diesen gar zu trivialen Xitel mit einem edleren, eUva 
^atatistisclie Notlzen" oder einem. abnlicben vertauscbeii 
nOcbte. Die „Ueber8icbt der europUiscben Hocbscbulen" 
entblllt In aecba Feldern'den Namen der UniversitSt, das Stii:« 
tungsjabr, die Zabl der FacultSten , derL^brer^ derStudtren- 
den and die Angabe des Jabre, in dem die ZSblung gescbebea 
ist. Der cbronologiecben Ordnung, in der die UniveraitSten 
aufgefubrt werden, batten wir die alpbabetiftcbe vdrgezogen, 



. ly .i^ .o Ly Google 



niclit aliein des leichtern Aufsiichens wegen , sondern niich, 
weil das Stiftungsjalir von melireren iiiclit gf?nau an^egeljun 
werden kann. Dec Verf . gibt zwar das St litmii^sialir van Bo« 
Jogna, Paris, Oxford und Cambridge als ausgemacht and uti* 
hestritcen an. wirsvrei&la aber ftebr, ob es damit seioe Kicli* 
tigkeit ha be. 

Die Zahl der FacultMten, d«r Lehrer und Studirenden 
warden wir all vdllig unerheblach WtfggelaMtn baben. Beider 
Charakterisirung einer Vniyets'Mt kommt auf: diese unwe* 
<6iitUcb«n Din^i^t ^ar nicbt an, aondern blo» darauf, was fOr 
m Getst die Liebrer und Studirenden baaeele f und nacb dta- 
sem allein entacbeidenden Maafsstabe dOrfce mancber nicbc / 
saUreicban Uni ran it&t vor mancbar aebr fra^uanlan dar Vor* , 
zug gebabren. ^ 

VVarum die aufsereuropaischen Universitaten , wieLima, 
Mexico u, 8, w, weggelassen worden , da von ialat sicb keia 
hinreichender Grund erinsehen, und ehen so vvenig ist ea z(i 
i'illigen , dafs d ie auf<^eliol)enen , wie Altort*, Eriurt, Gr.'itT,, 
Heimstiidt, Ingolstadt , llinteln u. s. w. ganz weggfliiiebeii 
smd. Oder sollte die von Wittenberg ausgegangene llevolu- 
tion nicht von wreit groltfern Folgen gewesen seyn^ ali Alles, 
was die iulUchen, tpaniscban, portugiesiscben und iransdai* 
«ch«a UoLveraitHten suaamman gawirkt baban ? 



^i^lMnatg d»r BildwsrkM am Tempel dfs Jupker Amman a« Suoaih » 
WM Dr» £• Hi tdlk^a, Profos^r an dsr Umverskdt 9nJB$rtin» 
Berlin 1823* 4. 

Diese Bogen nebst dan. beillegenden drei Statndrflclcen 

gehoren zii der von Herrn T6lken berauszugebenden Keise 
*uin Tempel des Jupiter Amnion in der Ijiljysclien Wi'iste und 
iiach Oberiigypten von deai Herrn General - Lieutenant l*rei- 
lierrn von Minutoli, und macben als Probeheft die Aui- 
J'l^^rksainkeic aller Forsclier und Freunde des Alterthunis auf 
'iieses iukVerlage von A. Ixiicker erscbeinende und wie inner- 
Hch so auraerlicb treiilicb aiisgestattete \V^erk rege. Es wer- 
«'en in dieaen nur in wenigen Abdrucken ausgegebenen BlUt* 
tt^rn zum eratantnai die XUlieFs der Tempel wiinde yon Unie«. 
ije'da bekannt geinacbt und erkl^rt. £s diirfte awackmSfsig 
<cyn, die Ilauptvorsteliungen kClralicU darzulegen , mit An^ 
giibe der Abweicbnngen. dia wir una voQ der Erkiflrung das 
Vi; abaebend erlauben« 



S68 Tolkcn £rklaniti|{ der Biidwerke des Ammonsiempelf. 

TaE X. gibt Biidwerke von der Anfsenseite des Tempels. 
Fig. 2Z Jupiter Amoioii tnit dem H«rrscfaerstab und dem 
ftoyptiscben ScblCisseli nebst seiner Tempelgenoasin , gleicb- 
falls mit dem Scblfissel ; ibnen bringt ein Mann, tetvifa der £r« 
baner, swei Obelitken (Smnbild dea Tempels) vor einem 
Opfetaltar' dar , und ,binter ibm iaC seine mntbmafslicbe Bttts 
an die Gdtter in Hieroglypben'scbrift entbalten. Der Widdec* 
kopf Jupiters ist nacb dttr Benierkung des Verf. etwas Idwen* 
.'irtig ii^eijildet. Die \ ti i>cbinelz.ung des trslcn 2^eichen8 itn 
Thicrkreis mit dem Ldwen als dem eigentlichen Sinnbild der 
Sonne mag ahsichtJich auf die Bedeiitiinj^ dieses 5onnengottes 
anspieleii. Ueber den SihK'isstl, der In* r in den HSnden der 
Goiter so hiiufig als in Aegypten sich iindet, macbt Hr. T. 
am Ende des Ileftes lesenswerthe Bemerkuiigen, und rerht- 
i'ertigt seine Gestait durcb die Einricbtnno der Sgyptiscben 
und altgriecbiscben Scbldsser. £r ist das Symbol des £rd& 
nens und Bescblielsens der Ober- und Unterwelt, und be- 
zseicbnet im Allgemeineii die gesetzlicbe Macbtvollkommenheit 
in irgend einem Bereicbe* Die TempelgenOsstn des Jupittf 
Ammon ist nicb des Hrn, Verf. flberzeiigender Auseinander* 
setsung Dione. Unter diesem Namen wurde sie neben Z«nft 
Bu Dodona verebrtf ixach Oemostbenes in Mid. 15* tindStrabo 
VII. iln. Wenn dann einige unter Dione die Apbrodite ver- 
standtfn, andere aber (Fausan. V. 15.) von einer ammonischen 
Here zu Olympia wufsten, so geschah dies nur vergleicbungs* 
Weise, well die dodonaiscb ULyscbe Diuue init Leiden Got- 
tiiiiien Aebnlichkeit batte, mit Here als G^ttin des Zeus, mit 
Apbrodite aber verniof^e lines BegrifFes. Um die Einigung 
])eider griechischen Gottbeiten in der einen lihysclieii niizu- 
zeigen , verebrten die Lacedumonier eine Aphrudite - llt ia 
(Fausan. III. l3,). Homer itibrt dagegen Dione neben Here 
und Apbrodite in aeinem Gdttersystem so aui, dais er jene 
sum Kebsweibe des Zeus und snr Mutter der Apbrodite 
tnacbte (Iliad. V, 312. 370.); woraus man sein Verfabren, das 
Aaslfindiscbe dem £inbeimiscben anzupassen imd damit su 
verfiecbten, an einem Beispiele seben kann. Man wurde febl 
greifen | wenn man die bomeriscbe Dione fQr die dodonHiscbe 
balten wollte; viielmebr war die letstere allem Anscbein nach 
Aphrodite selbst, und batte ibre weissagenden Tauben, aber 
eine solcbe^ die zugleich Here oder Gattin des Zeus war. 
Man darf in den Srtlicben Culten keine vdllige Uebereinscim* 
mung liiit dem sy stematisclien Synkretismus der griecbiscb«n 
Kpiker erwarten, Diese aiiunonisclie Dione Ciberkam sebt 
wabrscbeiiilicb Italien untax dem Namen Juno (vgl, Cicu^ers 



^ ly .1^ .0 l y Google 



Myth. II. S. 547.7, Wegen ihret morgenlfindischen Ursprungg 
uml ihrer &«griiF«verwecbslung mit Aphrodite glaubt KeF. deu 
Namen Dione<''Juno am wahrftch«inliciiatea von tXSTt Taubtf 

T 

(TaubenWHili) , ahleiten zn konnen. Dabin scbeiut audi det 
Umstand zu zitle4i , rial's auf gegenwUrtiger Tafel ihre Scbeo- 
Icel mit Fla^eln eingebUilt sind. 

Taf. X. fig. 3* iat ein BruchstOek, worauf wir die groa« 

sen Jahresgotter abgebildet seben. Der Unterschied der Ge- 
sclilechter ist aiit flieser und den folgenden Vorstellungen da- 
durcb angezeigt, dais die ma uiiiiclieii Gotthciten in sclirt^i ten- 
der Stellung erscheinen. Nur Osiris und Hermes ithypluili- 
CU8 sind Taf. IX. suulenartifi; o;el)ilclet. Das Scepter der 
Gotter ist am obern Ende durcli cien Kopi des Kukuplia (ilor- 
apollo I. 55.) » das der Gdttiniicn durcb einen Lotus kelcli aus- 
gezeicbnet. Die erste weihlicbe Figur zixt Linken des Be- 
schauers mit dem Scbaiakopi: wfire Icenntlicber , wenn dici 
Mnnlicbe ror derselben nicbt yerstttmmcit wSre. Kdnoten 
wir in dieser Jupiter erkennen, so wdrden wir in jener un* 
ttreitig Dione £ndan« Der Scbafskopf im Tempel dea wid« 
derk6pfigen Gottea flbrigeni Iftfst eber dieae Gdttin vermu-* 
then, als die Neith, fllr welcbe tie der Verf. auagibt. Denn 
die fiemerkung f dafs Athene dem Sternbilda dea Widdera 
vorttebe, k5nnte nur den Kopf etnea Widdera, aber nicht 
deneioes Mutterscbafea rechtfertigen. Auf ihrem Haupte iat 
die Weltkugel mit der Lebensschlange (nacb dem Verf. eine 
Sonnenscheibe; aher auch liht-d haL Tai". VIII. denselben Kopf- 
•chmuck, f'rtr vvelche docb die Sonnensc^heihe sehr unpassc^qd 
wiire). Hierauf fol-^t Horus mit der Sonnenkugel und sei- 
nem charakterisLiiiclien Bartansatz, als Gott derSonne in ihrem 
Zunehmen und des Jahres vor der Sommersonnen wende. 
(Der Vert, halt ihn Herakles, als welcher er iiicbts Ausge- 
zeichnetes batte; Horus dagegen ist in der durcb die folgen- 
den (jottbeiten ausgedrttckten Ideenreibe unentbebrlicb.) 
Hieran i chliefsen sicb swei giite Genien mit Scblangeiv 
^Spfen, ein weihlicber und ein mSnnlicher^ den Jabressegen 
^ezeicbnend* per Scheifel aiif dem Haupte des mfinnUclj^i} 
Kaiqepbia deutet wabracheinlich auf die erate Erndte, sur Zeij? 
der ^ommeraonnenwende, £r> darcbbobrt mit einer Lai^a^ 
dem Anacbein nacb ein typhoniscbes Tbier. £a berracben ja 
in hoben Sommer in Libyen und A eg yp ten die dem Typbon 
sugescbriehenen Glutbwinde, wo^cj^en dieser Genius • bier 
•chCitzend kiimpft. Oder wenn andere in dem Werkxeuge, 
das Hr. T. fiir eine Lanze ausgibt, licLtir ciue \yuiiicliatiicl 



270 TSlken Erkl&raDg a«r fiUUw^rke de« Aottoiiilflflipds* 



iehen tollten , so hezGge sich di«ge abermals «uf die £rodt». 
Nun erscheint Harpokrateii an der eiimigan gertngelc 
herabhSngeuden liocka kenntlich (Sinnbild der scbwach wtr* 
dimdes Sonne) ; auf deoi Haupte bat er seinem Cbarakter ga* 
mflb etne kleioe Soonenicbeibe zwiscben Bocksbdrnern. Die 
Hdrtier, kdnnen wir sagen, sind vom Fan entlebnt, den ken* 
lien wii ja als den vSteinbock iin 'rhicikieis (8. unscre Jahrb. 
l824» S. 792.). In del Linken hat er den Krunimstab uaJ 
die Geissel, nm in dieser iiir Aej^ypten nanienllicb so gescg- 
reten Zeit der Ueherschvveinmung die typhonisciien Eiidlttsie 
vollends 211 veitreiben, Harpokrates sttdiC liier als die wieder 
abnehmende Sonne (der hinkend wandelnde Gott nacb tier 
Mytbologie) and ala das Jabr nacb der Somfneraonnenwende 
dem Uorus in ricbtiger StufenfoJge gegeniiber. Dafs Horui 
3f)tcht, wie gemeiniglich angenommen wird, hlos die SoJioft 
In der Sommersonnenwende , und llarpokratba in der Winter* 
aonnenwende ist, aondern J^eide, wie g«sagt^ umfasaender 
eu nehmen «ind , wird nnter anderm aua einer bidr in Bt* 
tracbt kommenden nnedirten- Ugyptiseben Bronce klari vralcbe 
kOrdicb der verdienatlicbeKunstkenner J« D. Weber au 
nedig aus den Htfnden etnes Goldicbmieds gerettet, und wo* 
von er dem ReF. eine Hand«eicbnung inirgetheilt hat, Es iit 
lijipokratea niit seiner Locke , in den Hiindeii zwti Geissel* 
riemen haltend, zwiscben den Zeichen des Kreiists und Stein* 
Jjocks aut der einen , und des ScorpiuiiLii und Lowen auf der 
andern Seite. Ue})er seinem Ilaiipte ist der 8truppiL;e Jvo^'t 
des Typbon mit olFenem, gleiclisain Glutfi Idasendtm iVimide, 
mit den Ftlfsen tritt er aut zwei Krokodile (typbonische 
Tbiere). Hierdiircb i&t die Doppelherrschalt Typbona ange- 
deutet; nlimlich in der versengenden Hitze einerseita, ttad 
andererseits in den winterlichen Tagen ^ da daa Meer den gu* 
ten Nil verschlungen hat, aufscrt sicb'aeine zerstorende iVIacbt. >. 
2t^i8cben beiden typboniscbenExtremen steht Harpokrates in 
den Zeicben vom Krebs an bis zum Steinbock f wie in d«f 
Tbat, 'SO im Bilde mitten tnne» (Hr. T* gibt den Harpokia- 
tes fflr Osiris aus , was gar nicbts fQr slcb hat. Den Kopf- 
scbmock aus Falmsweigen , der nicbt einmal dentlicb fat^ 
aitat Osiris nic^t ausschlieiHslicb , und der Krummstab und die 
Geissel finden sich notovisch rn den flunden des Harpokrates; 
man vergl. nur Creuxers Abbihl. ziir Myth. Taf, XV. No. 2.) 
Die letzte Figur a ui: deui Bruchstiick ist Is is mit dem Modiui 
aui dem Hatipte als Sinnbild der zweiten Erndte itn Novell* 
)tfcr, daii'iht [ bLiindet slcb die Mondsacheibt: zwiscben deo 
Hub- oder IViondsburnern. 



Tolkcn Erkilnmg der fiildwerke dei Ammettittispdi. 871 

Villi tind IX. etitHaIt«n die .Reliefs im Innerh- det 
Tempels* An der 0ecke sind Adler mttr ausgebreiteten F\fX^ 
geln und t\ber ihnen Sterne abgebildec, '«nin Zeichen der 

himinlischen Ilerrscliaft ^ in den l^'Ofsen halten sie b. OpFer- 
Bit5ser ( nach dcm Verf. Felilxeichtn > aber s. Tdh IX. Uiu 
zweite lleihe von unteii, xvb eine Priesterin vor dcin Opfer- 
altar dernleiclien in fien H.'lnden hat), Zu ohtrst den v?ei- 
tenwiiiidcn zieht slch ein Streiien, Aimiujiis Scepter nelist der 
^Veltkugel, wovor ein Falke init gesenkten Fittigen huidigf| 
in vieleii VViejIerbobingen e;itbalteiid» Darunter ist ein Am* 
monsfest mit Candelabern , Altiiren , Opferndetif Betende;t 
und Tanzenden. Sodann iblgt auf beiden Seiten ein breiter 
Streiien von Hieroglypben » wetcbe aber die Retsenden nicht 
abgetchrieben baben^ was urn so mebr zu bedauem ist, da 
ietin mOglicbe Entsifferung in unserer ZeiC von mahrereit 
Seiten ber in Anreaui:.^ gebracbt wird. Die folgende Keibe 
iBt atlf den gegenttber stebenden Wsnden verecbieden, aber 
dock nacb unserem Urtbeil sich auf einander beziebend. Sie 
entbSlt die segnenden Gutter beider He-nisphM- 
ren, die eine \Vand (Taf, IX.) die der b e r w e 1 t und die 
andere (Taf. Vllf.) die der Unterwelt. AuF beiden \V'an- 
<^en ist Jupiter A ni in o n vorgestellt , tbionend in ciner 
Capelle, vor welcher ein Anbeter kniet ; was die Anschauung 
zu der B 'schreibung in der Inscbrift von llusette gibt. Aber 
Ammon hat iiicbt beidemal die gleicbeii Attribute, und niche 
die WilikOhr bat unseres Eracbtens abgewecbselt. Anf der 
recbten Wand TaF. IX. hat er eine grofsere Sonnenscbeibe au£ 
dem Haupte, euf der linken Taf. VIII. eind kleinere zwischen 
Bocksbdrnern und mit zwei Palms weigen, Jenes ist die su- 
aehniende ( in anderh Culten als Horus gedacbtJTt dieses die 
abnebmende (anderWilrts Harpokrates beseicbnet) Sonne, je«« 
aei zugleicb der Oott der obern » und dieses der Gott der an* 
tern HemispbSTre. Wie alle Sonhehdiensre, so kennt anch 
to imtoonische einen Gott in der Kraft und denselben in dtt 
ung. Auch Animoii hatte , wie I fai polv i ates , cinea 
feebler im Gang, zusammenge wacbsene Beine (riutarcb. de 
J*. 62.). Daber hat er auch mit ihin' die Bockshorner bier 
gemein , was bei beiden eine Anapielung auf das Zeicljen des 
Steinbocks ist. (Wenn der Verf. S. 120. diese HOrner sogar 
deal Horus beilegt, so berubt diese Meinung ohne Zvveifel 
aufelnem Mifsrerstand nil's.) Deswegen trinkt nacb der Fa- 
^^1 der kleine Zeus (als Steinbock im Winter) Ziegenmilcby 
iind erstarkt so nacb und nacb von der kleinen Sonne zutn 
gTofsen Gott* Was der Aegypter in die Zweibeit des Har« 



^ ly .i^.o uy Google 



272i Tdlken £d(iacao|{ der BUtlwwke dcA AnuBonitainptli* 

5mate$.unil Horus aufldste, geschieht hier in d«m Leben 
einen GoUes Z«u«« Mic. dies«r Ausdeutung voo dem 
g^doppelten Ammon stimmt di« folg«iida Gdtterx«tbe in* 

'£s folgen mttmlich Taf* IX, I<is uod Otir tSf durch die 
Attributu eines LotuastengeU , einer Katakombe und einei 
Wassergefiifsea als Vorsteber des Kreislaufes vom Leben zuui 
Totie iiud von diesem zur Wiederf^eljui t hezeicbnet, A» sis 
scbliefsen sicli die Zeugungs^uLtei iiermes ithyphalli- 
cus und Brimo, diese inic dem Kalathus aut dem llaupte, 
jener mit deiii stciienden Glitde uad mit zwei sich oben um- 
legenden 1 eJern als Hauptschinuck. Die F'edeni eiiunern an, 
die Careen y welcbe gleichFalls von den Vdgeln als den frO« 
pbeten des Scbicksals diesen Kopfscbmuck onclebnea (s^ uii« 
sere Jabrb. i824* ^ 80lt)* Bei Hermes bedeuten sie biir 
obne Zweifel, dais sein GescbSi'c nacb feften Naturgesetien 
von StatceiJ gehe. (Der Verf, hSilt sie nacb Horapollo II. 
ffir eifi Sinnbild der Gerecbtigkeit.) Mit der Geisjiel in der 
Hand vertreibt er die widrigen EinflOsse der Natur $ am tie 
sur Zeugung vorzubereicen^. Dieaer Hermea iat die ebisige 
Yorttellung in dieten Bildwerken^ welcbe una erinnert. daii 
wir una nicht in Aegyptren befinden; er iat i^acb Herodot II. 
51. ein pelasgiscber Gott, und erklSrt sicb aus detn anerkann« 
ten Verkebr zwiscben dem pelasgiscben Gritciienland und 
dem libyschen Auiinonfttempel. Hr. T. nennt ihn Osiris; aber 
audi aligeseben von der unangeaiessenea zweimaligen Wie- 
derhoiurig dessell)en GoUes nacb einander, so liaben die Ae- 
gypter den Osiiis selbst nicbt als rbaliusgott gebildet, son- 
dern nur ibm zn Ebren nacb Herodot II, 48. eigene Ellen 
lange Bibicben verfertiget, an denen das M^nnliche beinaha 
ao grofs als der Qbrige Korper war. Die wir Brimo, Hekate 
oder Proserpina als die Gattin des Hermes, auf vvelcbe Sstft 
sinnlicbes GelClaten gericbtet ist ( Cic. de N. D* III« 22. und 
daselbet Greuaer), nennen^ .in dieaer vermatbet der V£ eipe 
Pei;sonifiCAtion Aegyptena. ^ . , 

(D«r Baschlu/s /olguy - 



^ ly .1^ .0 uy Google 



N. la 1826. 

Heidelberger 

Jahrbucher der Literatur. 



Talk en Erklarung dcr Blldwerke des Ammonstcmpek 

zu Siwabu 

# Nach' den Gdtttrn^ welcbe der Fruchtbarkeit im Allg^r 
meinen vorsteben , werden nunmehr im Becondern die Sp«n« 
der der WohlthHtigen Jahreseinflatse and die Fdrderer des 
G»deibens vorstellig gmacht; Horus mit dem Falkenkopf^ 
(otcb dem Verf. Fhtba) in Geaellscbaft eines weiblicbeii 
Agalbodlmon^ der einen Widderkopf mit der Scblange 
bat, und aur BeaeicbiTung der eraten Erndte derselbe aeyn 
mag , welcber Taf. X. fig. 3. einen Scblangenkopf bat und auch 
auf Horuf folgt. (Der Verf. bSlt dieae Gattin ttir Neith/ und 
fabrt Manil. IV. 124. und Serv. ad Aen. XI. 259. an, dafa 
ibr das SLernbild des Widders gebeilj^t geweaen, was alter- 
^'ngs durch den boighesischen Thierkreis und tin italisches 
Vasengemiilde nach iinserer Ansdentting in den Heidelberg, 
Jabrb. l824. 791. Ijestatigt werden kann. Alleln der SclilnTs 
von dem VVirlderkoni auf die Neith ist dessen unf£ejcluct un- 
sicher , wenn rnan hedenkt , dafs wir uns in einem Aniaions« 
teinpel beBnden, wp nacb dea Verf. eigener An&icht Taf. IX. 
in der zwei^en Keihe von unten zwei Prieaterinnen mit Wid- 
<]«rinaaken, und nach dea Kef, Dafdrbalten aufserdem Isis und 
Osiris mit Widdei\kdpfen vorkqmmen.) Das Segenajabr, daa 
mit Horus und dem guten Genius erofFnet wird^. erreicbt 
durch die NilHutb mit dem Au^i|ng dea Hundaaterna setnen 
<^igentlicben Gipfeipunkt. Dalier reibt aicb nun Anubia an 
^^s Ilepraaeotant dea guten HundM^^rna und der mit aeinefn 
Au£it«igen verbnndeaen heilaameR Folgen. Mit ibm atebt 
dem Begriff und der Abbildung^gemaHa eine Farce mit der 
P^der auf dem Haupte in Verbindung, um den Gedanken aua* 
'iidrQcken, die BeFrucbtung des Landea und deren Maafa er» 
fclge nach astrologiscben Schicksalsgeset^.en. (Der Verf. bSlt 
*»e iiXi die Gdtlin dec W'ahiheit und de* licchta ; a. aLef (Jieu- 

m.Jabrg. S^fiea 18 



J)74 TSlkeu ErkiliniDg der BUdwerlLe des AmmonttetDpelf. 

sera Abblld. tur Myth* Taf, XV. n, 3, wo ein Schatten zwU 
tcbeii swei Parceh , deren Hauptscbmuck eine Fader iat , atebt , 
Tergl. Fauaan. X. 24* Aucb Frieater oder Fropheten atnd 
a*i itgyptiscben Bildwerken geacbatflokt^ Die hftufig yorkoai- 
ikiande Feder in der Waage dea Todtengerichta kailn wtad«r 
titcbtf wie der VerF. willf Gerecbtigkeit bedenten; denn maa 
bUt'w'obl die Waage mit Gerecbtigkeit, aber man kann dieie 
tiicfat ainnbildlich in die Waage leaen ^ wobl aber daa Schick* 
sal , dessen Beatiinmtingen die Stella dea Gewlcfata vertreten.) 
Hierauf erscheint Harp ok rates init dem Falkenkopf ttnd 
ohen mit einer kleinen i)onnc-nscheilje unci zvvei raluiaweigcn 
(nach (iem Verf. wieder Oiuis), Die Sonne nimmt ab, aber 
die Natur ist reich und i^ppig. Daher werd^n nun die grolsen 
Sevens - iind Erndtegotter ziir Anscliau ung gebracht : Is is mit 
^em Widder kopf und der Mondsschc'iJie zwischen den si« cba* 
laktei isii eiiden Gazellenhorneru (nacbdein Vh u ieder Athene), 
und Osiris mit dem Falkenkopf und den inachtigen Stier- 
bdrnern, die ihm vorzngsweiae sukonsirK^n (nach dem Vert. 
Helios). £3 f'olgt eine Gottin, die man iilr Aphrodite bal* 
ten mag. Das Uebrige jat veratftmmelt. — Wir begegnen 
ao stemlich derseUien Gdtter- und Ideenreibei wie Tut. X. 
fie. 3 f wodurch die Ricbti^keit unaerer Aualegan^ an Wabr- 
acbeinlicbkeit gewinnt. i^a foleten dort» wie hiery Honii 
und ein weibltcber Kamepbia ^ Hai pokratea und faia auf eia< 
ander* - Nur atatt dea nrSlnnlichen Kamepbia iat bier diar Ad- 
fang der NilEurtb deutlicher dureh Anubia und die Farce ange* 
deutet. Immer aber ist es derselbe Ideenkreia ; Zunebaien 
und Abnehmen der Sonne, Wassersegen , Wachsthum und 
Fruchtbarkeit nach gdttlichen IlathscUliUsen. 

Auf der linken Tempelwand Taf. VIIT, wo der unter- 
irdische Amman thront, finden wir folgende Gottheitui 
Harpokrates mit der kleijien Sonne und zwei Palmzweif^e)! 
aut seinem menschlicheii Haupte, auch sonst als ein unter- 
irdischer Gott b^kannt (Creuzer Abbild. Taf. XV. n. 2.)f von 
dem Harpokrates der obern SpliHre Taf. IX. dadnrcb unter* 
acbieden, dafs ihm in letzterer Besiebung ein Falkenkopf und 
cine Strah!enkrone gegeben wurde, Hierauf erscheint Rbea 
mit dem Ldwenkopr und der Welckugel, als Mutter des Ty« 
phon und der Nepbtbya ein^Gottbeit der Unterwelt. Sie iit 
in Bewegung gecen ihren Gatten Krone a, deaaen Hauptmjt 
der Sonnenacbeibe geziert iat. Oer Saelenftlbrer Tkoth» aiit 
einem Stern und swei Falkenfedern aiif dem Kopf, ateht awi* 
achen swei der Dion* Sbnlich gebildeten Parcenf und daraa 
reiht atch Anubia mit swei Federn , deaaen Himdahopf aiit 



Digitized by Google 



Tolken Erklttniig dot BOdwirko dei Aiiuao|Ml«iiipeIi» 875 



Beziehung aui; sein unterirdischea Amt nach Art d^r Schakale 
geformt i«t» Den Zug beschliefsen Isis , .zwischen deren Ga- 
zellenhSrnern die Mondsscheibe sich befindet^ aber etwas klei- 
ner als T. IX, und Osiris an seinem charakteristiscben Kopf- 
schmuck kenntlicb, als Sobn (ks A nun on niit dem Widderkopf 
(wie Isis T. IX.), als der unterirdische durcb die klelne Sonne 
zwiscben Bocksbdrnern bezeichnet* Ktickw^rts von dem 
Throne Amnions ist iin Hintergrunde deaaen Cattin Dione^ 
gnUdig die Hand erbebend, zu bemerken , wie esscbelnt, alt 
floffnungsbild zur rallgenesie £Ur die Abgefcbiedeneii. (Der 
Verf, tieot in dieser GdUerrelbe aufser Kronot und Kbea nur 
Prieiter und Frietterinnen; tolcbe fioden tich wobl in der bn- 
ttrnReihe, diete tind aber in gex^emender bittender Scellung^ 
was bier nicHt der Fall itt« Ueberdiet wtlrde die Vorttellung 
ion Priettern den Gdtterbildern auf der gegenQberstehenden 
recbten Selte nicht entsprechen. Nach unterer Auslegung aber 
beziehen sie sicb auf einander wie Ober- und Unterwelt.) 

Der weiter folgende Streifen auf beiden Seiten entbalt 
eine \ ei anschaulicbuiig des lleliens d er iVlenschen inBezichung 
dfef ohen abgebildeten Gotlheiieii , und zwar Tafel IX. eine 
Opferbandlung in Kiicksicbt auf Jahiessegen und Nilflutb, zu 
Welcbeui Bebufe zwei Altiire in der Mitte sLelien , der eine mit 
dem Ichneumon , der andLie niit dem Krokodil hezeichnet* 
Also den guten und den leindsjligen Guttern wird geopfert, 
urn die Geneigtbeit jener zu gewinnen und denZorn dieser ab« 
suwenden. Auf der 3ndern Seite der AltUre erblickt man die 
fiorte des Lisndes und dieliacher des Osiris, nlimlicb Horut 
in der Mitte des ibiskopfigen Tbotb mit d r Mondsscheibe 
iwischen Kubhornern (denn mkn dacbte den Tbotb als Beglei** 
ter de8jy(ondes: l*lut« de It. 41.) und des Anubia, (Der V£. 
billt lelstern far Typhon, und den' Hundskopf » an welcbeoa 
wegan det Aufsataet die Ohren nicht aichtbar aind ^ far den 
Kopf einat Krokodila oder Scbweinea. Aber wie kdnnte die* 
asm feiudaeligen Zeratdrer das gdttlicbe Scepter , das er 'in der 
Linken , der b. Scbldssel , den er in der Rechten bUlt, der Kopf* 
schmuck , den Anubis mit Horus als dessen B<»f»leiter gemein 
hat. 

entbSlt eine Keihe betender Priestri und Priesterinnen , der 
Analogic nacb in Bezug auf das Tiidtenieich, Die unterste 
Vorstellung heidei Seiten ist zlj ^elir verst iimraelt^ als dais eC^ 
was mil wewir^beit angegeben werden kdnnte. 

■V 

4 



276 Geeronis Brutus ed« Elkadt. 

M* TullH CicBronis de Claris OratoMus IBerf ^tfi dwtvr | 
Brutus* Cm notik J, A* Ernes ti ullorumque- vusrjprMMm 
ssUeiiS &didU suasqus adjseit Friderieus Ellendt^' J* M> 
Praefiopa est suceincta EloquenUa§ AonuutM usque ad Cuesares 
Bistoria» Rsgtamonti- Prussorum 9 sumtu Jratrum Borntragsr* \ 
MDCCCZXjr. X. CXLU und I6i S. in Q. Z Tiilr, ! 

EineAus^abe, die wir willkommen heilsen mussen« Seit 
langer Zeit ist dieser Scbrift, einer der tre-fflichsten Cicera'fi, 
/ keine eigene iieat heitung za Theil ^ewoiden, und docb konnte 
di^ Wetzelsche Ansii^aLe nacb dem jetzigen Stande der Cicero* 
nlscben Kritik keine&wegs mehr befriedigeD* Und hier dringt 
sicb deiii Hef, aufo Neue die schon oh gemacbte Bemerkung 
auf 9 wie leicbt es nocb am Scblusse des yorigen Jabrhunderts 
war 9 fiich mit stfbr mittelaifilsiged Coinmetitaren ilber d«f«i Ci- 
cero eine Art von CelebritSt zvl erwerben : denn er erinnert 
sich Moch gar wofal der liohsprQche , die WetseUy man darf 
wobl aagen f achlecbte Auagabe deg Brutus in der Allg. Oeat> 
scben Bibliotfaek erhielt^ ungeacbtet, besonders in der Bear* 
]ieitimg des Textes, sehr wilJkuhrliche , wo nichf gar kein« 
Giundsatze hefolgt waren. — Weiin sicb tibrigens Hr. E. in 
der Vorrede l)eklagt, dafs die Ivateiniscbe Literatur im Ver- 
Laltnils gf^gen die Griecbische gegenvvlirtig vernacblclssigt sey", 
so iDocbte diese Klage gegenwtirtig wobl etwas weniger ge- 
recbt seyn^ als sie es nocb vor einigen Jabren war. Gerecb- 
ter fiiiden wir die Klage , dafs die meisten der Liateinisch 
iScbreibenden oder Lateiniscbe Scb rifts teller Erlauternden ibre 
Kenntnils der Spracbe nur durcb Stbreiben und Lesen erwoT- 
l)eh baben , obne auf die nicbt auf der Obecfiftche li^endea 
Gesetae der Spracbe za acbten , ja selbtt obne aie su ahuea; 
JDafs daraus ein Scbwanken in den GrundslCaen dei kritiacfaea 
Verfabrena entsteben mtlsse, dafs selbst das ricbtig Gefund«no 
oder Herausgefilbke nicbt zu ft'Ster Uebei xeugung gebracbt 
und Andern iiijeiiieugend mitgetbeilt werden kinine, ist einc 
jiotbwendige uiul an Vielen nicbt 211 verkennende Folge davoii. 
— Doch wir wenden wus zu unsenn Biiche. Uiigebruutbte 
Handscbriften batte der Heraiisgeher nicbt, audi an aiten AuS- 
gaben inangelte es ibm sebr, wie er denn z. B, die Leiden 
Ascenslus'scben Ausgaben yon I5ll und 1522, die Basler 
Ausgaben von Cr^tander und Her\vt»g, die Robeift und Karl 
5tepbaniscben u nd so mancbe and ere , die weder yon Ernestl 
und aetneiD ^lacbtreter Wetzel, nocb yonAcbfltz gelu'u yer* 

tlicben STudj und doch so reicbe Ausbeute geben, nicbt unter 
en ron ibm benutaten HQj&niiCtelii- ^eniit. Mit seiner 

« 



Digitized by Google 



' Ciceroajs IJrutus ed. Ellesdt. 277 . 

Uutorla EloqM§^iM MammtM will er zwar nicht mit Auhnkens 
fliff. CrtCt Oraiorum Graec, in <lie Schranken treten, wohl aber 
den Hrn. Burigny tibertrefien^ der in den Mem. de I'Acad. de» 
loser. Vol. XXXVI. weiter nichtt^ ale einen AuBsug aus dem 
firutue det Cicero giebt. Diet let ihin allerdings wobl geluii« 
en y und wir mdeeen die$e AbhandJung ale eine Bareicberuns 
tr kdmiicbeti Literatnrgeacbicbtfl batrachten, ob aie glcich 
eip eigendicbea Bucb ttber die Geicbicbte der Admiecben Ba» 
xeduamkeit ntcbta weniger ale tlberflfisaig macbt , und swat 
eratlicfa wegen der ibr su enge gesteckten Grfinzen^ da eie nut 
Ml auf die Caesares gtlit , daun abei auch, weil sie deri Bor* 
tensius, dtn Asiniiis Pollio und den Cicero ganz ilhci r t ht : und 
zwar den Letztern, weil — Quidy sagt er, a tot ai dorihus law 
ihtis vel enarratis ad ill -potest? Yon den Leidtju Andcrn schweigt 
et, weil wir iiLer den Ilortensius von Luzac und iiber dca 
Asinius Pollio von Thorbecke trefFliche Bl^onogiapliieeii 
ha!)en. Haben ? fragen wir, Luzac's Schi iit ist eine iui Jalir 
1810 in Leyden erscuieaenelnauguralsclnift, und Tiiorbecke's 
Gomm^ntatia gleichfalla, yooi Jabc 1^0* Dieee Scbrifcen sind 
•ebreehen und acbwer au hekommen; und wSren sie audi 
attgemein verbreitet, es durften darum in einer Butoria Elo* 
fdiumiae Romdnae die bedeutendaten Miinner eben so wenig feh<- . 
]en, ala kttnftig ein Geacbicbtscbreiber der allgeaieinen Ge- < 
•cbicbte die acbwSbiscben Kaiser Mrird Qbergeben darfen^ 
»weil man ja Haumera Geachicbte der ITouenstaufen babe<*« 
Aucb ladfd aicb wobl in den Quellen aelbat nocb eiixe Nacblese 
balten la&aen, ungeacbtet iie vom YerE mit Sorgfalc und mit' 
Kritik benutzt worden sind. Doch woUen wir, um den l^um 
einer Recension nicbt zu iiberschreiten , die specielle Beur« 
theilung der AJ)handlting andern Bl;ittern ul)t:rl;issen , um fibet 
clie Aus-abe des Brutus selbst etwas ansliilu liclier spi echen 
Zukonncn, und iiber eine Anzalil von Stellen unsere Anslchten 
mitzutlieilen. Was den Lateinischen Vortrag lietriiTt, 60 
verdient er im Ganzen T.ob. Es sind uns jedocI> einige Vef- 
s^^llen aufgefallen , die wir cinen> iVlanne , der Andcrer ii rtbil- 
mer nicbt imm^r scbonend rOgt [Cicei o, wie der neuesto 
HerauageberdesFriscian, Krebl^ bekomme^^ dasLob: inepie^ 
Luzac: temsraruil^ obne weitereBemerkungen vorzuhalten nicbt 
Umbin kdnnen, S. V1I« lUrmanno, viriUhtsfH, de nw — 
praeclare meriti, LVI. praetcfvidit (ein ganz iincrbortes Wort ! ) 
mcittioiwn ejus 

potittSf fBura sui culpa. CXIII. apprimo (das berficbtigte Adver* 
bium). S. 159. nullibL CXIV. Cotlium quern (i\ citi) lihram 
ieem iascripsit Vmro u. dgl Auch faUche Citate B« XlX. 



Digitized by Google 



\ 

4 

278' Ciceroois Brutus cd. £ileadu 

^Cic. ad Att. f(ir ad FamilK XX. 22. baben wir gefunden, und 
tinnttdrende Druckfebler , z. B. S. X, iimltas statt muUut , XVIU. 
ante arUf XLi* Senega fftr SptteWf XjXXXIXI. tdununqmlf 
CXXIIi, 9x^tarH ffir •xskant* 

Betratehten wir 'ti'un die Ausgabe des Brutus telbst, io 
finden wir an ihr ein besonnehes , sicbarea Urtbeil , eine Ab« 
neifiung gegen willkflbrlicbeTextesverSnderungen , sorgBlltfge 
Beobachtung des Ciceronischen Sprachgebrauclies , nur nicbt 
immer VOii twiner liinlan|^Uch uiiii"dj»senUeu Lectiire u rUei stfltzt, 
tiin jedesmal das zu Beweisende mit den erlorderlichen SteJlen 
ztlbelegen; dabei ist aucb dieAuswahl zu loben , die derHer- 
aiisgeber aiis den Anmerkungen der frOhern Rearbeiter diests 
Bucbes giebt, Hier aber vi^roiis&en wir eine vor acbt jahrea 
aracbienene a«br gebaltreicbe Scbrift Qber den Brutus , dieBji^* 
vor sicb hat tind deren Titel ist: Obftervationes Criticae in 
^uaedam Bruti Ciceronis loca. Auctore Hallgri mo Jo ban* 
naaoSchevingy ScbolaeBessastadensia tnlaiandia Ad^uncto, 
Havniae. Typis^ ezcudit H» F« Fopp% ciria et typograpbui 
Havnierntts, 18I7. 85Seitenin8f fiber welcbe BirgerTbor« 
}aeiua das- Urtbeil gef'Slltbat: Commentationein banc, dili* 
genter et cum acumine critico elaboratam, dignissimam judicat 
Facuhaa riiilosopbica Univeisitatis Regiae IJavniensis , quae 
Magisterii Artium et Doctoratus Philosopliici Honoies auctorl i 
ac(jiiirat, Wir Jconnen dieses giiristige Urtbeil nur Lestati^en, 
und sind fiberzeugt , tlr. E. wiirde Mebreres in Hieser Schiift 
der Beacbtung sebr wCirdig gefunden^ mancbe VorscblMge des ; 
Hrn« Scb, seinen HieaarteixTorgezo'gaii^ fcir mancbe seiner Be- 
hauptungen aber auch bier Beweise und Belege gefunden ba« 
lien. Da es den meisten unserer Lesar eben so gehen mocbtei | 
wie Hrn. £, » nSmlicb dafs^hnen jeneSchrift unauganglicb ist, 
ao Wo)]en wir dieselfoe bet den yon una su betracbtenden Stet 
len aucb berttckttcbtigen. ^ | 

V, 21. Ego vsro n inquam^ si -p otBTO ^ fact am vohis satis, So 
Hr. E. mit Ernesti, Wetzel und SchiUz. Aher Scbeving bat 
mit Reclit das potuero der Ilandschriften in Schutz genommen, 
und daliir Epp. ad Faniin. XI, 23. n I Att. II. 15. Orat. 10. 
de-LegiT. III. siib fin. und andei e Stellen citirt; zu denen man 
fOgen Jkann^was Beier ad Cic. de Otf. III. 23. 89. p. 351. stf. 
aagty und die Stelie Cic« de Ilep« !• 43. Aucb bat Schev. au [ 
dieser S telle einen eigenen Excurs beigefdgt 6. 82 — 85. — 
XX. Sed stiavitmte «<f, qua perfumleret animos^ non qua 'p4rjring»* 
ret« Diese Lesart bebUlt und vertbeidigt Hr, £. wie £rnesti, I 
Aber war wird von der leeo&of sagen : perfringit animos? Ja^ 
wir wollten uhs per/rin^ere gefalleo lasaen^ wena ea biefMt 



Digitized by Google 



Ciectoiiij firutus td« £Uendt. 279 

dim$>f wodufch di« «iiinii ainsSunt oder umicl|loMeii oder fiber- 
hlat(rt«ind| suwitutt pirfrmg§r0i aber die animos eelbst nlinmer« 
mihr, Wir sieben also die von Scbnetder aus Cod. Gud. 1. 
(uni otcht 0x €onj9eturaf wie Hr. £• aagt) vorgezogene, auch 
Toa ScbQts und Scbevlng ^ebilHgte Letart p§rstri9g0rst vor. £• 
ist allerdings eine Gradation switcben -perfundM twnfiUit^ und 
ferstringare ^ die Hr. E. in it seinem -perfundit leviUrt^ngUf Waa 
dann eben so vicl seyn soli, als perstrinn'it^ nicht yertutcbeil 
oder vertilgea kai^ni Kichtig eikJait Schiitz perstrin^ere durcb 
hvuer pun^ere y was recht ^ut zii dvn aculeis palst, von denen 
t* nacblier lieiTst : cum deloctatione aculeos etiam relinquerat in ani" 
mis , und l)edeutend starker ist als suavitate perfanderet. — X, 
4. cujus {Hgnu^i) §tsi ineerta sunt tempora, tamen annis muliis fuit 
onte Romulum ; siquidem non infra super torem Ly cur gum Juity a 
qw 9St disciplina Laced aemoniorum adstrieta legihui^' Hier verwirfc 
Hr. E. Wetaeia firklarung, dafs superior Lycurgus dtelie zuin 
Unterschied von dem Attischen Hedoer Ijjknrguai aucL die 
des Corradua^ der annimmt, Cicero denke art etneji jdngem 
Lykurgutau^ Sparta, den Tiniaua erwSbnte, und wolle durpU 
tMf$rhr den Geeetzgeber Von ibni unterecbeid/^n; aucb die von 
Trofs ipitgetbetlte Ansicbt der Stelle, wonacb non mfra weg* 
g«worf«n und celesen warden soil siquiJ^m superiof LycurgofuUf 
welchifS fr«ilicb gewaltsam ist ,^verwirft er 9 und will superior 
rem a)s Glosse eines interpretts inepti ansgeatricben wiasen, 
Scheving supplirt eo nach snperiorem (welches wir lieber beige- 
setzt sahdii) , und erkliiit ili^ Stelle ganz gut und etnfa^b ap : 
Etsi incerta sunt Homeri tempora^ omn't tamen dtth'io carets eumvtxisse 
aute Romulum y cum constat eum non fnisse post Lycur^um ^ qui tamen 
Romulum aetate praecessit. — XIH. 49- Et Graecias qnldem orato* 
ruin partus atque fontes viihs* Eruesti stoist slch an partus 
af(jU9 foates ^ ScbiUa ei»endirt gar, und allardir.gs scliarfslimig 
oratorum partus artitqu0 fontes, Hr. E. bUlt fontes i'iXr eine Glosse 
von partus. Scbeving sagt aum Scbutze der Stelle: Cicero non 
Mtentus fuk ad propriam vocum partus ^ f antes signtficationem , 
sed tantum ad Uiam ,translatamf qua uiitur ^ ex qna idem wUent ae 
initiam.et origOf ^ nee ipsa vaeahulajkartu s et fontes assnmto 
hoc significatu inter se discordant^ Similiter dixit Cic. Bi tit. 17. imi- 
turiossaet sanguinem etc. — XVIi, 67, liest Hr. awar 
mit Becht Caroiie^ ; man erf^brt abei" nicbt, dafs die ]ect. vu!g« 
Catonis ist ^ ob er gleicb von ibr spricbt^ uni sogar sagt , G6« 
rena verthwdige sie ad Cic. de Finn. V. 3f welches Cltat 
falsch ist, da Goren? die Stelle mit der alcen Lesart hlos an-, 
fttbrt zu IV. 2. 3. — y'XT. Ql, cujus et aliae sunt oraliones et 
tonua TL Oracehum , cxfosiia est in C. Faanii annalibus* So Slebt 



.280 



Gideioiils Brutni «d* EOmdl, 



allerdings in den Handscbriften. Allein die Stelle scheint doch 
so nicht stehen hieiben zii kdnnen, Scbeving will enlweder 
quae vor exposita einsetzen , oder, was Scluitx gethan hat, est 
aufistreichen. Kins von beidt^n scheint nothig. — XXV» 97* 
homo non liber alitatCf ut alii , sed ipsa irUtitia et severitate pofm 
iaris* HIer baben £rn. und Wetsel ganz ohne Notb hilarhatt 
.emend irt« Liberalitas fOr comitas wird von ScbQtz , Schev. und 
dem HeraasgeLer mil: Kecbt lieibehalten und vertbeidigt. — 
XXIX* 110. ^^.orun^ neuter suptmi oratoris hdbuit laudem^ et utenfU 
in multU eausis versalus erat^ Hier Weist Hr, £. mit Recbt £rDe- 
•ti*s von ScbtlfK gebilligtes at ab« Wenn er aber i^cbreibt: fd 
ratio temporum prohihet* Si 9nkn et eopuladoe tueipundum esutf 
si adifersatioa particula at ejus loeam teneret% hahuit eoospeetMJkm 
aratf ao bat er sicb wohl verscbrieben , denn hahuit atebt jt. 
. Vielleicbt wollte er sa^m, dann sollte man oersatus est erwai- 
ten, Er biilt e« indessen in it Schneider, der et fi'ir et tamea 
niinmtii und belegt clieaen Gel)raucli mit einci Stclie: alia 
exempla ^ sagt er, nunc non sunt in promptu, Scheviiig bot vieisi 
Stellen an : *2. B, Bnit. c, 56. Somn. Scip. c. 8. de Senect. c. 9, 
Dann ausLivius, Celsus, JVIartialis ; darauF Griechische Stel- 
len aus Eurij)ide8y Aristopbanes , Aesopus, Epiktetus. — 
XXX, 114« tfuae propria est hujus disciplinae pJdhsophorum den 
iptorum opinio. Dai's dies die Xjesart der Handscbriften und 
Ausgaben ist, eri'iUiirt man von IIrn»E. gar nicht, Di«a kommt 
daher^ weil ipsorum^ das er blos zwiscban Klammern aetaea 
vv^olite, durcb Zufa]l, wie es acbeint*^ gana auagefalbn ift 
Scbeving vertbeidigt es und construirt: JUaque in hoc viro firms 
St stabUis hwenta est ilia opimo $ quae ipsarum philosophorum hujss 
ssetas ds se propria est, mit der ErklSrung : Quando nude di^sff 
hane Pel illam aliquis de se habet opiidonem , id ita potest inteUi»if 
ut ) si ipse qaidsm haheatf mhU tamen impediat y quo mhtui et aliL Sbt 
oero pronomen ipso addkur , significatur ^ hanc opinionem illi , de quO 
sermo sit f propriam esse ^ nec in alios cadcre, Eodeni modo LiIT. 
lib. I, 2B. Romania si unquani alias ullo in hello Juit^ quod primum 
diis imvioriaUjus giaiias agoretis ^ deinde vestrae ipso rum virtutif 
hesternutn id proelium fitit. — XXX, 11 5. ^^^"j cum innocenUssimuS 
in judicium vocatns esset ^ — cum essent eo tempore eloquentisiirn-i 
viri L. Cra§sits et J\>J. ylntonius ronsulares j eorum adhihcre neutruin. 
voluit. J3as erste cum niimot IJr.E. mitSchiltz aus der Ausgabe 
des Virtorius auf, liir quanquam^ das die Handscbrifrcn und 
tibrigen Aiisgaben geben; wobei er eine treifliche Anmerkuog 
iiber den Gebraucb des quaaquam mit dem Gonjunctlv macbt. 
Scbeving wetfs nicbts von des Victorius cum , siebt aber doch, 
dais dieses quamquam — esset nicbt gut steben kaun , uud glaubt 

« ■ 



Ciocronif BraUM td. Blt«iidl« 88i 

deswegen, entweder sey quamquam versetst, und mflti* untitn^ 

statt oben, stehen: quamquam essent eo tempore etc. Wolltl 
man das nicht , so soil num esset nach oocatus vvegstreichen und 
leSen r (^)ui , quamquam itinoceni is s un us ^' in judicium vocatus p — cum 
tfnc'/ii — cou^nlnres , eorum adhibere neutrum voluit, iVldii wird 
di^seii Aiisichten semen BeiiuU nicbt versagen kQnnen , selbst 
wejiii man sich auch lieher an Ilin.E. Lesart zu balten geneigt 
»eyn mcicbte, — XXXI. 1 20« Nam , ut Stoicorum adstrictior 
esttrado — sic illorum lihertor et latiovy quam yatitur consuetudo 
judiciorum et for'u Das lutior milsiallt Hin. £• und er emendirC 
laetht^ doch ohne viel aui; seine Emendation su halten, Wir 
kdnjien sie auch nicht sehr biliigen , iondern nttbmen dafUr 
Schevings /Axtdry und helegen es^ da e« ron ihm unterlassen 
trorden itft. mtt einer SteUe dea Cicero aalbst, de Orat. I. 60, 
S54* adstrUtus cdrta quadam — modertuhne^ — quamto facUuts 
fief son laxare modot oratwahf s$d totos mutar^ jf^isumus? 
XXXIV. 129. C. Flmhria — hahkui est smwf ut Ua Meam, I wen* 
lent us patronus y asper , maledicus , genere toto ptatllo f§rmdlor^ 
atcjue commotior, Dafs dieStclle verdorben sey^ bat man ISngSt 
verramhet. Vavassor sagte , er begreii'e nicbt, wie bei dem 
ganz eigentlichen Ausdruck luculentus patronus die'entschuld*- 
genden Wurte ut itu dlcam stehen konnen; rigbius und Gruter 
wollen das gleich nacbber folgende tolerahilis patronus wegstrei- 
cl^fn, weil es sich niit dem lucuhntns -patronus nicht v^rtrage. 
Ernesti verwandelt erstlich, urn einen u nt^i i^entlichen Ausdruck 
subaben, der das i^a dicam rechtfertige , luculentus in trucw 
Untus , und critlart promts fttr eine alberne Glosse, weil , was 
F. fQr ein -putromss gewesen , gleteb nacbbttr gesagt werde. 
Scbacs emendirt noch auf diese Conjectur binauf, und schreibt 
trwuUntas aecusator. Hr. E. wSre geneigt es mit Pigbiufr und 
Gruter za halten , bftlt aicb aber , *des ut Ua dUtsm wegen , an 
£rnesti*s trucuUntus^ und stretcbt mit ibin patrwus weg. Scbe« 
Ting weifs nicbta von Scbtlta's Conjecture er erkennt aber, 
dais luculentus patronus nicbt Steben kann , erstens, .weil diea 
k«^h ut ita dicam hraucht , da der Ausdruck nicbt figtlrlicber ist, 
als z.B. eximius, egregius j^atronus wilre; zweitens, weil iueulen' 
<w gar schlecht zu asper und mahdicus palst; drittens, weil ein 
luculentus patronus nnmcSglich gleicb daraui idem tolnrahiUs patrO^ 
/2.'u beifseij kann, Er schreibt des wegen /acu/tf/j^uj accusatory 
uiid vertheidigt seine ConjeCtur so, dais wir ihr unseru Bei- 
i'lli nicht vers.-.ger. konnen. Da diese Vertbeidigung auAffihr- 
iich iit^ so beben wir aus ihr nur iolgendes aus : Primnm verba 
ut ita dieam tene. €um lectio ne luculentus ac cusato r con» 
veatanc ; turn qui acatsathnet apmd Romanos Jactitakaat » homines mm 



Digitized by Google 



2«» Gioemis Bntoi c^. EllMu 



hotd ) ««rl» fMiM gratipsi , j^ai«ftaiii9r 9 ^ooil Mfii «99 . miiltif Iomi jQtfiN 
FDoif puttft f Ism Mftr 0ae Hoc tpso capke sat -pcrspicuc 9 mhi Ciewo h* 
^uitur da ]\f. BrutOr qufm dieit dedecori fuisse Brutorum generic quod 
uccusaLiones Jacliiaverit f eumque Juisse accusatorem oeJienienieut ct mO" 
lestum ^ ut jacile Juerit cernere naturale quoddam stirpis bonum degene* 
ravisse v'uio depravatae oaluntatis. Cum vero cultori arils alicujus mi- 
nus honestae , qualis est accusatio « honesta praedicata trihuimus , quo 
g9U$rB est illud luculent us ^ quia improprU et paulo audacius 
ioqmntuff emoUiendi formula ut it a die am ppas est. DeindsUla 
aeper.et w^aledicus ^ quae tasn male quadrant in luculentum 
putronnmf aeetsatori leae conoeniimt* VVir wOrden Sclievings 
liesart . alien andern VorscbUgen vorsiehen und sn den Text 
aafaehin«n« ~ LT. 192* eie oratori poputi amree tmqUam 
iunt ; eae si infltUum non reeiphmt out si auditor omnho tauQuam eqm 
nan faeit^ agitandi finis faeiendus est. Wir wollen una mi t den 
V#runglackten Erklarungsversuchen und Verbesserungsvor* 
schlagen der altern Erklaier vinrl Hcraus^^eber nicht aiifhalten, 
nur zur El ganzuiig der Note des lirn. E., der ties Turnehui 
Adversarieji nicht nacbsehen konnte, i'lbrigens keine eigene 
Anslclu aufstellt, aus Scbevinga Aninerkung die hieiher gehd. 
rige S telle mittheilen : Tuimebus pufat oerhum esse cifeense^ proof 
gamento habeas^ quod factiones ^ quae a faciendo nomen eideptes 
sint^ in eireo qusttuor fuetint^ et in lusm pHae Jaetores etUmi stppellst 
Plautus ; equum igitur putat faeere^ qui aurigae pforeat, Wabr* 
acbeinlicb wflrde dieae £rkldrunff Hrn, £• so wenig geniigt 
bab^n, ala aie una genOgt. Aucb die Stella Oirida, aiu Scbe* 
Ting citirt : Amor. 7. 2, 16. 

Asper equus duris contunditur era lupatis ! 

Frena minus ientit quisquis ad arma facit S 
WO er Sclbst beisetzt : quod mihi tamen panllo est ohscurius ; selbst 
diese Stelle mochte nns wobl nicht zufrieden stellen kcinnen. 
Statt Scbutz*s allzu kiibner Emendation (namlicb raan soil die 
acht Worte aut — Jack wegwerfen, und cantandi fiir agitandi 
leaen} acblagen wir h\os y or tanquam equus nevus facit, Jeder« 
niann welfs^ wie l«icbt aua 110119 (wie in Haadapbrif'ten ahlf^ 
vrrt wird) non werden iLOnnte^ No9us equus aber,. ein nQ<;b 
nicbt zugertUenea, widerapenatlges Pferd| Lietet in dieaeio 
Sinne Cicero aelbat de Amicit« 19* l»8* Nemo estf qui turn squof 
quo eonsueoitf libeutifif utaiur ^ quam ihtrgetate et n090» — Docb 
wir bracben ab , um unaece Anzeige nicht liber die Gebilbr 
auazudehnen, und setzt*n nur nocb binzu, dais sich in deii 
Anmerkungen de* Urn. E. mehrere sehr ii:bat/J(aie und von 
grnndlichtiin Forscben zeugemle Beineikunren uhtr den Cic*?- 
lOiiiiSchen i>j>i'aciigebrauch iiiiden.9 £• B, i'lbtf quamquaai mildm 



Digitized by Google 



Clem d« offciliiftoa Dig«u fSS 

Conjunctiv zu XXX. 115; tiber ahesse init deiii DalJv zu 
LXXX. 276 i uhei accident^ daf< es auch von gfttistigf-n Kreig- 
nissen gebraucbt werde, zu XXII. 86; liber autem uud enim an 
dtsr dritteoy vieiten, ja fiintten Stelle, zu XLIX. l8l; inch- 
rere gi'te Bemerkungen fiber den Gebraucb des Conjunctiva » 
an vLi iciiiedenen Stelien; i\l)er Aoristische Futura zu L. 187} 
fiber jam und nam ah Cuntinuativpartikeln mit verscbiedener 
Bedeutung XLillI. 159; (iber den Indicativ zwiscben der Con* 
jancltivconttruction XJLjIX. 185; ilber den Indicativ bei der 
iadirectfiQ ' Frage , su 13; i\het ntscio an eU bescbeidene 
Verneinnng zu XVIII. 71; fiber das continuative ^uid? LI. 
192. Eigene £tnendatii>uen liat Ur« )i. nur selteti gemacbty 
nocb teltejier in den Text aufgenocnmen; wie s B. XVHL 7d« 
£itevtem Auins enim ftir Eit 9nim~* Mtmt intern, 
XI4I, 156* UaprorsttM etiam mttea putabmm&^t et* — Driick 
Had Papier ,aind aehr schdn^ und empfehlen aiich ihrarfeitt 
£«e to em^aUanawecthe Ausgabe. ^ 



M, T, Cicerontt de Officii s librt tres, Mlt einem Dsut^ 

schen liionimentar besondt rs fUr Schulen, Bcarhe'uet von Joh» 
F rie dr, D e g en ^ Doktor der Theologie , Kon, Baierscher ( sic ! ) 
Consistorialraih und Professor sa Baireuth. Dritto von neuem 
durch^esehcne Ausgahe, Berling Un i^erlage bei y» Boicke^ 
1825. Xyi und 415 in ^ 2 fl. 20 

Nicbt immer ist das Urtbeil des Publicums im Einklanga 
mlt der Kriuk* Findet aicb dies gletcb am b^uiigsten auf 
<^em Gebiete der Kunst, so ist es docb aucb nicbt selten der 
^al] auf dem Felde der Wisienscbaften. £in Beweis davon ist 
<ii6 ^litte Auflage di^ser Ausgabe^ wovon die arata (von 
1800.)9 laidlich gelobt in der Allg. Deulachen BibHothak, den«* 
noch erit nach awanzig Jahren vereriffen war, die sweita 
(▼on 1820.) 9 fdrmlich verntchtet una todtgescblagen von Beiar 
m seiner Ausgabe dteaea Werkes, nacb fQnf Jabren eine dritto 
sur Nacbfolgerin hat, die ganz unbefangen, obne eine Vor* 
'fide (nur in die Einleituiig ist ein Stiick atis der Vorrede zup 
*Weiten Auflage eingeschaltet}, obne von jenem Todtschlag 
J^uch nur Notiz zu uebmen , achtchrlstlich sogar fOr ihren 
Morder betet, d. b. die Beiersche Ausgab'e „eine mit vi'*ler 
»,Belesenbeit und Kritik unternoiii rnene Ail)eit mit inehrereri 
»(^eleliiien Excufsen" nennt, obne aucb nur eines einzigeii 

i'urcbtbareo Excurse oder Incurae gegen Hrn. Degen au 



Ckm de offiais ▼on Begca. 

I 

^edmikeny von (ien«n tiat Elogium In der Vorreiie stttn ertten 
dThetl S« Xy, mrorHus partun hordMihut iaquilmtissima osi Dtgwd 
0ditW9 nup«r d^mmn odMoittrmta — noch einer Atr glimpflichero 
itn Un«ndljch achlimmer ffifart Hr. D. in Beiers Aas- 
gabeT. I. p. 158. T. II. p. 112. i3l. 217. 268. 347. (der hict 
gerOgte FehJer ist jetzt corrigirt) 360. 354. 351. 403. 164. etc. 
Wie sollen wir nun die fro 111 me , stille Gelassenheit, mit der 
Hr. D. die oil 2.U harten Streiclie niclit hinnimnit, sondcni 
f3rmlich ignorirt, nennen? Wir miUjiten sie loben, und ge- 
Wisst Ml Scbrittstellerii zur Nachahmung einpteblen , die, mit 
Schunung ^t t.ideii, dennoch luit iHcherliclit^r AufgeMasetiheit 
lind festcm Glauben an ilire Infaliibilitat durcli eaipfiiidliche 
Antikritiken ibreoi Uerzen Luft niacben , und aut die scbo*. 
nendste £rwiederiing derselhen tnic kindischer Hecbiiiaberei 
aucb dann noch da« letzte Wort haben wollen (wovon im vo* 
yigen Jahrgange dieser JabrbOcber ein merkwilrdigerFall verge* 
Icommen ist): Vi ir mfifsten sia, sagen wir, loben, vrenn, wo 
nit Kecbt getadeh wurde, der Febler stillscbweigend getil^t 
und dai Besiera oder Richtigero^ an[genoiiinien wSra. Aber 
dies 1st keinaswega der Fall^ und .wo etwaa G«tadeltes ver- 
hasaert tst'^ da acbetnt ea nur Bei Gelegenbeit der Durchsicbt 
iiiid ganauern Correctui gescbehen seyn, vria s» B, I. 44* 
extr* wo die erste Ausg. illi officio hattej die sweite ino/jidof 
wahrscbeinlich durch einen Druckfehl«r , welches von B. ge- 
tadelt wird, und wo jetzt wieder richtig illi sttht, Da^egen 
atehen alte Fehler in Menge wieder in der neuesteii Ausgabe, 
ung-acbtet sie von i>. geriigt warent z, B. I. 14. 12. die Ver- 
wechslung der Familie der Junier mit der der Julie r, iu 
der Angalr)e , dafs jene ihr Gescblecht vom Aeneas al)ii^euitet 
haben; II. 23. 8, die Bebauptung, 150 Talente seyen 15OO00 
Gulden u. dergl. Aucb Olsbausens kleine, aber vorzilgliche 
Ausgabe ist nicbt beacbtetf wohl aber Gern bards Ausgabe zu- 
-weileo angei'abrt, was scbon in der aweiten Ausgabe gescbe- 
hen war. Von Uebersetzungen sind a war Ganre's und Hot- 
tinger*s Arbeiten angefdbrt^ nlcht aber die neueste von K« Ij» 
C. Hauif , Mdncben 1822. Wollte der V£ durch Nicbtnen- 
nung derselben vieUeicbt andeutan, .dafs sie kainaBereicherufig 
dar philologischen Literatur sey ^ so atimmen wir ibm gern 
tind gana bei ; mOssen dies aber eben ao sehr von sein«r Aqs* 

gabtt sagen , welche wir wen igs tens den in unserm Bereicb 
tudirenden weder in der ersten und zweiten GeAalt s«lir 
einpfehlen konnten, noch in der dritten viel inebr empfcbl^a 
koijiiLij. Dies wird indiSieii ilui^ii AhiuLz nicbt bindern: 
deiiu bet|iieiQ i^t die Ausgabe 111 gar mancbe btudiiende; i& 



dmo a« (dBm» von Bagcii* 285 

wir wliim Lebrer , dmn Ofakel tie SclillUrn ge^enOW War, 
welcfae fftmmtHch nur d«n Nflrnbercer Test aui' dea Jjehreirt 
Kath sich ang«schafft batt«n. Genauer yon dieaar Auagab« 

und ilirer Einrichtung zu sprecben, ist wohl oiebt nOtbig; 
aach mag es wenig helfen , wenn vvii , was wir mit gutetn 
Gewisseii thuo konnen, eildiiren, das Urtheil des genanntea 
Kritikers sey zu strenge gegen den Virum summe venerandum^ 
wie er T. I. p. 35, genannt wird , und es sey viel iuchtiges 
und Brauchbares in dein BucliA , die 7,weite Auflage sey schon 
hesser gevvesen als die eiste , und die diitte sey, wie wir g«- 
sthtn Ihiheii, wirklich wieder duichgesehen. Das alles macht 
Hi II. D. weder zu einem Kenner der Spracbe, noch der alten 
I'liilosopbie , nocb der alten Geschicbtey wie die gegenwirtiv 
gt^, iiieht mebr 80 genOasaine, Zeie es verlan^t und verlan^en 
^uits. £ine viert« Auiiage wird aich mit Aecbt wieder w 
aufs neue durcbgesebene nennen JL^nnen^ wenn wir aucb nur 
inihr Dinge, wie S. 6. Qato^ Mu^,. S, 12- van Lydwn (fdr wm 
l*ynd9n)^ Sm 13» die Amoaonen u. dgl. corrigtrt 8eben« HftU 
ten wir die Aassicbt , Kritik berficksicbtigt su ai-hen^ ao wtUr* 
den wir bier nocb eine Reibe von SteJIen betiFachten ^ die Hr» 
^. ill der Vorrede zur ersten Ausgabe be«er aU Heusioger ge* 
geben stt babeti gt^glaubl faat, wir wOrden die Aeiiderung oder . 
^ibehaltung seiner Ansicht mit Griinden biliigen oder mils- 
tilligen. Im gegenvvui ti^eu FalJe aber sind wir hlos unseiri 
'*Le*tfrn scluildig, zu Iieweisen, dafs wir das Bach genauer be-- 
trachtet baben. Dieser lievvels wii>: sich aber durcb etwa 
*'n Duzend Steflen fiihren lassen , und unsere Anzelge kann 
^liinn ganz gelasseii schlielaen. J. 1. 6. ut idem utroque in genere 
lib 0 r a r e t. So steht jetzt riciitig wie bei Fleusinger uiid 
f*. 5 (la in der ersten Ausg. lahoraret vorgejsogen und scbwan- 
^i'lid erklart w*ar. Ilr. D, liels sicb nHinlicb durcb Gernbard 
Cic. de 5eii. 7^ 24* Uberseugen oder fiberreden. Von Hrn, 
Belebrungenr weifs er nun einmal nichts und will nicbta 
^^iMen. 11. ut in UMtroIogia C, Sulpicwm audivimus; g^gen 
Heut. Gernb. Scbdtz*! und Bs. audimus. Olsb. bebUlc daa J^er^ 
i^ctuaiy daa wir bier aucb far ricbtiger balten^ und wir ver« 
>nutben» da^audknut mebrererHandacbrtften sey aua der Sebrei. 
^UQg AVdImys (audUmus) entstanden. I. 10. l. ea migrare tn« 
teriiun et non ssrpare fit jastum, Hier bat Hr« D« bartnSckig mit 
^cb. das alte m beibebalten'9 das , nach Bs. ricbtiger Bemer- 
iung, jiur steben kann, wenri man oben r.nt den Zweibrflk- 

kern u. e. A. scbreibt «t no n reddere fiir ut reddere, — T. 12 2. 

liuUcantXn, ut, STATVS DIES CVM liOST}^. So, olnie 
tabulae^ lesen wir mit Heuo, aus ilaudscbrilteu und deia niclit 



* 



286 



Beltmen G^brauchtf Cioero's. Man sehe nur Ci€» .d« Ltfg. 
Ii» 23 f wo in •inejn Gipitel dreimal XII ohne tabulae 8tebt| 
tind datelbu Motar p. 333. In den Bfichern de OH. lU. 
65* acbwttnktn die Heiauigeber abermale. Da l&fst et B. nit 
IL weg: Hr. D. bebUlt ea mit O. (wo gar uMU steht), uid 
freUlch baben e$ bier alle Godd., nur Noniua niebt, wclcbcr 
die Stella anfilbrr. »~ I. i9. 9. ist exiaantque fUr dat betteit 
exutuntqus abermals beibehalten. Wir verweisen (aber nicbt 
Hm. D.) nur derl\urze wegen auf Beiar ad I. 3. 8. p. 20^^' 
— I. 3l* 6. sermoneeo, qui not us est nobis, Hier ist das Ton 
H, Scb. und B« beliebte, aber nicbt ijewiesene (denn die an- 
gefllbrten Stellen beweisen nicht, was sie beweisen sollen) 
qui natus est nobis g<^gen das irtiber vorgezogene und von 0. 
nit liecbt beibebakene no^ui eingetauscbt. — * I. 3l. 7. vultia 
mdsjtmsndus fuit. Diet war in der ersten Ausgabe niit Kecbt 
gegeii Hetisingers aus einer Handscbrifc. geacbdpl;(ea vdm 
mJspiciendum fuit irertbeidigt und beibebalten ; aber uLgeacbtci 
•He fiir das ietztere ungefabrten Stellen nicbtt beweisen, so 
baa aich Hr*JL). jetzt docb dafflr entscbieden, obne Zweifel 
well Gernbard ea aufgenommen batf rernutblicb.weiler i 
dacbte^ G« veratebe beiaer Lialein, ala er* Und darin hatta 
er Recbt. Uebrigent iat in der Note daa arme veratoliena 
vtdtui nocb ateben geblieben. — III. 11. B« CyrsHwn qam^ 
lapidibus eooperuirunt, Hier hat Hr. D. abermalt oJn*** ; 
runt bebalten , weil cooperuerunt nur in awei Handschrifteft 
stebt. Aber in Fallen , wie dieser, gilt nicbt die Uebcrzabl, 



Tielleicbt iiberhaupt keinen AntbeiL Ob atcb wobl der Vir 
8u inme venerandua aelbst ao inconsequent auf dem Ti(el 
Dbiktor und Conaiatorialr^tb geacbrieben bat? 




^ ly .1^ l y Google 



ITcbCT^e BMtwmm foil f« G« adiMglilam. *aft7 



^Mhrnng its \Mtmufgenomcmnmm iopographhekmt Phuu ih- Uwf 
geb'ttngen det OdUMbtrgi im rried»rrh9bdivhM Dtpartsmtnt 'tfiii** . 

schliejsenden "Beidenmauer und der umliegenden Denkmdler ^ 
son J. G, S ch w 61 gh ci u 5 e r ^ Frojessor an der Kdnigl, Akade- 
viie u, J, w, EinJ kurze Beschreibung aller in diesem 'Plans 
hegrijfenen DenkniaUr und die Anzeigo der zu denselben filhren" 
den f l-'e^e entJiaitend. Strafsburg ^ Verlag VOn J, H» HeitZf 
Schlauchgasse iVa* S. 1825. yi und 50 ^« in gr» 8* nebst einem 
grojsen lUhograpkirtM ,PiM *)« 4 i-^ ranka* 

Als wir in dtesen BUttern (Jahrg. 1625. Nro. 19.) d«r 

'Notice sur les anciens chM$tmx et OMitres mottumens ^emarqttables du 
Dej^tsment dtl Bas-Rhin von Urn. Schweigh&as'er gedacb" 
ten , macbten wir dork (S. 302.) auf ein bdchit merkwardigat 
Denkmal der Vorzeit aufmerkiam , welches die fiOhen def 
OdiJienbergs in der Nfihe von Stra£ibutg umglebc. Die kftr- 
lete Beachreibung I welche der Hn YeH; von dietem unter 
dem Namen der Heidenmauer bekannten Denkmal dort ge- 
Jeeben, war allerdings in mehr als-einer Htnsicbt gceignet, 
die Aufmerksamkeit des gelehrten Publikums^ inshesondere 
der Freundtf des Aitei ihimis , daf'Or in Anspi uch z^u ncbmen. 
Um so erfreulicher iiuiis tins die voiliegende Gabe des Verf. 
Seyn , der iiiit so uneiiniidetem Eifer und rastloser Thiitigkeit 
Jeinen Beruf als Aufsehtr ul)er die Alterthilmer vaterlandiscber 
Get>eridtn 7a\ ei fi'illen sicb Ijestiebt. Mit einem soictien Foh- 
rer in der Hand wird man iitnyifs nicbt oh tie das groiseste In- 
teresse diesen classiscben Bodeir durchwandern , man wird 
Nichts ULersehen, wns die filicke des Alterthumsforscbers au£ 
•ich Ziehen muls. Und diesen Genul's, den die Betracbtung 
ehrwfirdiger Denkniale der Vorseit gewiibrt^ wird dem 
Freunde der Nutur durcb die romantischen Natnrscenen er- 
bdbty welcbe 4iier fiberall dem Auge des tli»filnebm'^iiden B^e« 
tbacbters sicb darbieren. Dafs vorliegende Scbrift, als Flib* 
Ter in diese interessanten Gegenden , durcb dieselbe Klarbmt 
und £infacbbeit des Vprtl'Sgs , durcb dieselbe Oenaaigkeit und 
Sorgfale in Angabe des Einselnen sicb ausseicbqet f wie wir 
dies an andern Scbriften des Hrn. Verf. Shnlichen Inbalts su 
tfihmen Gelegenbeit gebabt baben, wird man aucb obne unser 
ausdrucklicbes Bemerkeii sclion crwartet hahen. 

Was nun (las merkwili dige , in seiner Art einaige Dsnk* 
mal delber betriiit, so ist dies eine Mauer,^ welcbe die ver*^ 



*) Das Gi«uze wird auch in Franz osischer Spraclu ausgegeben* 



« 



schiedenen den Odilienlierg umgebenden Hdhen ein8chHef«t| 
und auf diese Welse einen FlScheninbak von mehr als einer 
Million Quadrat-Metres umfafit, in einem Ijmfang von mebr 
als 10500 Metres. Ihre Hohe soli ehedem fUnizebn Fuls be- 
tra^en haben^ npch jetzt sieht man Strecken von fanf bis secbi 
Fuls, ja sogar von sehn Fufs Hdhe, bei 6inerDicke von mebr 
a]« fdio^ FuXt. . Ihre Bestandtheila sind grofse, nur rob in'i 
GevMrte gehauene Feltst&cke, welche durch Keile von Eicben* 
liols mit einander verbunden tind^ dio an den beiden £nden 
in Gettalt eines Scbwalbedschwanset ausgeschnittan aind. Dia 
matatan diaaar Keila aind frailich von dar Zait aaratdrt; abar 
nan bainarkt doch an dan meistan Steinan npch dia Einachnittr, 
In welcha dieaa Keila a^ngefagt waran. In dannintaratan La* 
gen der Mauar sind diaStaina oft yon •olcherGrdfiay dafs man 
«ie kaum von nattlrlichen Felsbl^cken vinterscheiden kann; 
und selbst in den obern filllt oft ein cinzi^er Stein die game 
Dicke der Aiauer aus. An eini^en StelJen noch Lober, an an- 
dern niedriger, i^^g^ dieselbe den unregelmafsigen , von der 
JN^atur gezogenen Linien, und umscblit^ist die verschiedenen 
Ilolien dammt dt^n Abhiingen, wodurcb diese lioben m it ein- 
ander verbunden sind. An mancben Stellcn ersetzen auch na- 
tOriiche Felsenwande die kilnstlicbe Mauer^ deren einzelne 
<Stilcke dann bios bie.und da dia Zwischenriiume dar Felsen 
^usfOllen* So, an vialan Orten mit dicbten fiogen von Moof 
und Flechten badeckt, gewltbrt sie allerdinga einen grolsarti* 
^n Anblirk, welcber durch die Aborlinde, an denen aie bin- 
tSuft) durcb die mannipFacbe Aussicbt bald iq gese^nete £be»> 
nen, bald in roroantische Tbalschlucbten ^ durcb die dunklea 
Waldert womit dieHdhen bed^ckt sind^ verpiefartwird, var* 
eint mit dem Interesse-^ das die mancberlei andern Deiik* 
mala, welcbe diese Mauer umscbliefst, gewflbren* Urn ahtr 
dabin zn gelangep , wird man am besten tbun wann. man voa 
derSettedes sogenannten 2VT«nn els tet ns die Hohe erklimmt. 
Dort ist aiicb zum Tbeil die Alauer nocb am besten erl;alten, 
imd ibre TrHmmer decicen vveitbin den Abbang des iierii^t^s. 
^Wild mit den Splittern geborstener Felsen vermen^t, bilden 
^sie ein Gemable der wi^-der ins Chaos ve;sinkenden und die 
,,St.'lrksten Werke der Menscbenband mit in ibren Ruin hin- 
reissenden Natur" (S, 7.), Aticb die Aussicbt von dem <Te- 
daijiit'Mi iVfennelstein ist eine der pracbtvolistei^i Welcbe die 
^anie GebirgskeCte der Vogesen darbietet* « 



Google 



N. la- 182a 



.ti .e, I a e 1 D . e r g e r , , . , . 



Jalubiicher der Literatur. 



Oeber die Heidenmauer voa J. G. Schweighauser. 

Gleid^ naf rkwilrclig Ut eio «tms wetter weatwSrts gela- 
gener , seDkrectlt sich erhebender Fels , der Wachtelstein 
genannt, in dessen N&be der Verf. Druidiscbe Denkmale ver« 

miithet (S. 10, Ganz besonders wohl erliallen ist die 

I\Iauer audi in deoi Di ei&teiuer Thale, schuiie Waldungen 
durchschneidend, zwischen deren Giiiu sie einen raaleriscben 
Anblick darhietet, und zugleich eine entzUckende Aussicht auf 
die Dreisteiner ScLlosser gewShrt. Freilich fuhrt kein Pfad 
zu (lieser Mauer, al)er mit der Eesclu eibung unseres Vf. und 
mit dem Plane ia dec Haad, wild man di^sea Tbeil derieli^n ' 
leicht auffinden, 

Ueber dieBestlaimung dieser Mauer bat man rerscbiedene 
Aosicbten. Unser Vf» scbueTst sicb an die f'rtibere Meinung, 
Welcbe in dieser Art VOn Festung einen Zuflucbtsort fiir die 
Beirdlkerung der £benen erkenntf wenn letztere durcb feind- 
' licbe Einfiijle iieunruhigt wurden. Scbon in den Ueberliefe- 
mogen des Mittelaltere wird ibr dieter Zweck sugeacbrieben ^ 
der aucb durcb mancbe andera Umatfinde beatfitigt wird. £r« 
wSgt man aber die vom Yerf. vorgebracbten OrQnde , so wird 
nan seine Vermntbung S. 39* nichc unwabracbeinlicb finden^ 
dafrdiese Beiestigung zuerat von den alien Galliern oder Gel* 
ten errichtet worden , welche mit der militiirischen Bestim* 
munc derselben nocli eine iL'lii'iose ver});iiiden , iDdela iOhrt 
Manches zu der Vermuthuni^ , ddis von dieser ursprftnglicheri 
Aniage niir noch die rohen FeJsen ilbrig sind, welche zur Un- 
terlage dienten , dais die jetzige durcb Scb walbenscbwanze 
zusainmengefiigte JVfaner aber erst unter der Regierung der 
Ktjnier aut diebti iiltereji Grundlagen erbaut worden ist, vie^- 
leicbt im dritten Jabrhundert nach Christo, als die wiederbol- 
teii Einfiille der Aleinannen die £rneuerinig dieser alten Berg« 
i«ate. nocbwendig macbeo konnten* MerkwUrdig iatf daXa 

XSX Jahig. 3. HcA. 19 



290 '. . Vehtx die Heid«umauer voa J, G« Sdiweiglmuser* , ^ 

sciion in einer pUbstlichen BnUe vom Jahr 1050 diese Mauer 
unter dem jetzigen Namen d\?r H e i de n in a u e r vorkomrat. 

Aufser der Beschreibung dieses DenkmalSy welches den 
HaupUb«il der Schrift auamacbc^ findet man aber auch <&e 
dbrigen in«rkw^digen G^g^nit^nde des Altertbums , wetcHe 
diete Hoben umscbliefsen , verzeicbnet , insbesondere dio ^b* 
tw» weWie Herzdg Attich itn niebenten JktirfaliD<INfrt fClr s^ne 
Tochter, 4ie beilige Odiiief faier «tiftete, nnd wekbe in 
•i«b£elitit«n Jahr h under t in etn Prftmon stra tenter kloster 
waadelt worden g jetxtfajber noch immer ein berahmter Wall- 
faliTtsart i9t« Wabr«chetn]ich trat aie an die Stelle eines fiesteit 
Scbloaaea« welcbee am Eude des dritten Jabrbunderts Kaiser 
Maximiaima erbaut. Obgleich UngUicksf^lle aller Art die 
baude mehrfach^ serstOrt , und die jetzige Kircbe, obschon tod 
selii gefalliger Einrichtung im Iiinern , doch erst zwischcn 
1687 und 1692 erbaut vvoiden, die ubrlgen GehUude aher meist 
noch neuer sind, so habeu sich doch mehrere Capellen von 
hoiiern Aiterthuin l)is aut unsere Zeiten erhaltert , und scheinl 
Einigcs sogar Ijeberrest des urspriinglicbeii Bau^s zii seyn» 
da alle Kennzeichen iibereinstimrnen , sie fur Denkmaler d^v 
religicisen Baukunst des siebenten Jabrhunderts zu erklaren; 
worauf der Ver£. mit Recbt uiti eo mehr Gewicht legt, al» 
Denkmale dieser Baukunst dieseeita der Alpeh so bdcbsc selten 
aii>d« Die genaue Bescbreibung dieser verscbiedenen Capellen 
niOebte fiber die Deutung des Verf. wenig Zweifel Obrig las- 
aen; Wenn man nun in un^eren Tagen der lange Zeit freilich 
nit Unrecbt verkannten Gotbt«cben Saukanst ivieder das ver- 
diente Ltob und die gerecbte Bewunderung hat widerfahren 
laaten, eo wird man doch auch den acbOnen. Denkmalen dieieft 
irorgotbischen y sogenannten bysantini^chen StyU, der in sei« 
nen Rundbogcn als 'letzte Nachahmung der Bauten des cisi- 
sischen Altertbuins sich kund giebt, Gei cchtinkeit widerfahren 
lassen kdnnen. „Man inufs tingestehen « , sagt der Vf. S, 2f . 
sadafs die schonen GebUude des illteren Stvls, aufser deni Uir- 
„stande, dais ibre Seltenheit sie angelegentlicb aiitsuclitu 
^macbt und obngeacbtet ibrcr minileren Grolse , etvvas Gefii ' 
^ligeres f'ttr ein an die reinen Fonnen und Verbaltnisse (i^r 

^„Griecbiscben und lldmischen Baukunst gewcihntes Auge ba- 
3jben.« Eine herrlicbe Aussicbt gew3bit dleFelsenterasse des 
Kioitera, und eben so maJeriscb ist daa Tbal am Fufse des 
Berges. — Weiter flQbren viyr noch an aus der Beach rei bung 

• das Lrandaberger Schlofs 8.5, die Dreisteiner Scldos- 
<er S. 29 das liagelschlofs S. 32 f.f daa SchloXf Aatii- 
•ambauaen.undliiatseiburg S. 42. u« a« 



Google 



AttifolHt at riliMe ptt Oolb^ et SdiwdgbiM^ dll 

Wts ^tii Plan batriffty to iit d«rftU« mlt d«r grdfMttan 

Gsnauigkeit verl«rttgt, ditHauptpunktt «xnd trigonometrifch 
besciminti Alles im £inzeJnen mit der rahmlichitcn FracUion 
dinrcb den Rrn, Thomaitin ausgefobrt; die lithographiacbe 
Bebandlung aaft b«ate anCapreGbend. - £r ist daa ReaiStat mabr*. 

jabriger unci mCUievolIer ^ an Ort iind Stelle unternommener 
Forsciuingen. Em Getlicht ,3 A u f dam O d i 1 i c n Jb « r ^ e « 
beschlieliit a)s schiitzliaie Zugabe dieaa Schiift, Welcli«r wir 
allgemeioa Tbeiiuahme wUoacaen. . . - ' 



f 

Wir Leiiierken Lei tlieser Gelef^enheit , dais das grofsa 
Uoterntfbmen der Henen Golbeiy und S c li vv e i g li a n s e r , 
^'\^ Herausgabe samnitlicher Denkinale des Alterthuais in den 
beiden Departainents deaObar* undNiederrbeina^ aU Xbeilen 
dea ebaoMligan Elsaia^ einan raacban Fortgang gawio|it« und 
der gerechten Tbeiinabma daa PubHkamt. aicb zu erfrauan bat. 
Nicbt bloa bai- dan Bawobaara des Elaaasea aalbar, sondem 
aucb in andern Provinaan daa Inlandaa wie di»a Aualandaa iat 
diaaea Werfc mit dar regsten Xbailnabma auj^aoomman. y^or» 
den, und dar BaiEall gekrdnter Hfiupjfcar hat dam . Yard ianata 
aia geracbta Anarkannung gasoUt* . Wir baban No. $7, 
Jafargang i825« dia drai aratan Liiaf(tfrungan. dtaaar , 

Antiquity's de TAlsare ou chateaux, eglises et autrea 
monuinens dea departemena du Haut-Kbin et dit Bas» 
Kbin. Avec un texte bistoriijne et daacriptil:, par IMi. 
. de Golbery etc. at J. G. S ch vraigbaeuaer etc, 
puhlie par G. Engel m an n (Mulhouse, rue da Juatica 
No« 30. Pacta, rue Louia la Grand No. 27.) 

bereits anpeaseiat, ami dkc Aufm<?iksainkeit des Publikiima auf 
grofidi tige Unternebmen zu lenken gesucht. Jetzt h iben 
wir die drei niicbst folgendea Lieierung^en vor una, niiiulicb f 

fiaa-RhtB par Mr. Scb waigba^uaari aaconda Livrai* 

ton, 4 Tafalil und 4 Bogen Text. 
Baut-Rhin par Mr. Golb(?ry, troiai^mal'Livaaiaoii^ 

4 Taiciu iind 2 Bogen Text, 

Baa - H b i n etc. troiaieina Livraison. 4 Tafeln und 5 Bo« 
gen Text. 

Wir fireuan una ankdndigen au kdnnan, dafa die.Harauigabar 
•iob in jeder Weiae dea erbaltenen Beifalla wifrdig arwiaaen, 
dafa aia in dieaen let^teren Liei^rungen ae]b«t n>el)r galalltaCj, 



292 Aau^it^« de TAlMoe pu Golbeiy et Suliweigliiasef* • 

alt wcfcu sie nadi dent frflberen Frotpectut arch aMhai^big ge- 
snacbt p dafa inabeaondere der jedar Lieferung heiauEebend^ 
* Taxt durch die Reichfaaltigkeit der GaganaUlnde badautead 
' veriiieb>t worden iat, *waa in der Tbat dem Fublikiim aur ec- 
• wOnacht aeyn kann. Aber auch in Absicbt auf Zeicbnung und 
Stich atehen die Blatter ditser Lieteiuiigen den fiiilieren kei- 
neswegs iiach , ja sie scbeinen dieselheii allerdings zu iiltei- 
tre£Fen , uud vvir vviederholen unseie fruliere Aeiifserung, daf$ 
in Absicbt auf" den Steindruck noch nicbt Jeicht etwas Gelun* 
generes und VorzUglipberea geieiitet )?vorden ist, • Eben so 
trefflich aind die Zeicbnungen^ in denen die ausgeaeichnet<ia 
KttnsUer der Hauptstadt (z.B« Arnout, Adam^ fiiche-^ 
boii^ Deroy, Joly, Lemaitre, Sabatbiery Vill^* 
n e u V e } mkt den £lallaaiacb«n KQnatlern wetteifem. Fflr di« , 
Daratellung von KircbeilgebSuden iat iiiabeaondere ein in dia- , 
ser Hinatcbt durcb gans Frankreicb ber jihmter KQuatlar Hr« | 
Gbapuy gewonnen; wtr baben achon in der driUen Liefe* 
rung eiiugts duich ibn Gezeichnete erhalten. Ourch diegeo*; 
grapbiscbe Charte, welciiQ alle die Denkuiale und die Haupt-| 
orter, wovon Iner die Rede ist, enthalten soil, wird man einc 
bequeine Uebersicbt gewinnen, zumal da in dem Werke sel- 
her die geograpbische L/age bei AutHibrung und A uteinandci-i 
foige der einzeinen Denkmale beriicksicbtigt worden ist. ! 

Nacb dieaen allgemetnen Vorbemerkungen veraucben wir 
in eiaer koraen Ueberaicbt den Inbalt dieser drei angezeigten 
Liieferongen anangebeii* Wir nehmen zuvdrderat diiebeideal 
Liefer(ingen zuaaanneDf welcba Hbar daa DepartemenC d^s 
Niaderrbeina aicb arstrecken« j 
Die a w e i te Lieferung entbdt folgande vi e r Anaicbtan: 
1) daaScblofa Ortanberg , .2) daa Steinacblofa (Gbateaa 
dels Rocbe), 3) das Schlofs Bernstein, 4) unterirdi* 
acbe Capelle zuAndlau. Daran scbliefst sicb iu der drit* 
. /en Lieferung 1) das Scblofs Spesbourg, 2) die Kuinen 
der Kircbe von T r u 1 1 e n ba u s e n und des Scblosses Landa- 
berg, 3) die Kre li z capelle, von der heiligen Odilie er- 
bauty 4} die Cape] le der beiligen Od ilie. Die reicbbultig^ 
Bescbrelbung giebt nicbt bloa Qber dieaa bier abgebildeten 
GegenstSnde eine vollkommene Erdrtertinc , sondern aucb an- 
dere in der NMbe derselben Jtegenden Denkaiale alter Zeit 
werden aorgftiltig beacbrieben und nicbta Weaentlicbes fiber- 

fangen. So heginnt der Text der av^eiten Lieferung mit d^r 
'rankanburg, gelegen am £nde dea Thala^ walcbea aicli 
der Stadt ScUettatadt gegenilber erdffnat. Dicbta Ficbtea* 
alder decken den Gipfel dea Bergea, aua deren Dickicb^ 



I 

Digitized by Coogle ' 



Aau<^uiics tie i'AUace p<i£ Golhei/ et Schwei^XttfU* 293 



die Trummcr dieses Schlosses hervorragen. Auf einem ohge- 
rissenen FeUen, in der Mitte von GeiiAuden, erheht ftich 
Thurm von einer impoianten Masse. Am Fulse <i«i FeUena 
aafi«rbalb dieter Baureste des Mittelalure hemerkt man die 
Grundlagen einer Beieatigung v^od gans anderer Art und Aeat« 
von Mautrwerk, su welchem geplattete Wege Vor Altera, 
wie es ftcbeiiit, hiiiftibrten. Dale dteRdmer bier gebauat und 
^eatigumgen angc ] gt, iat aehc wabracheinlidi ; die Tradi- 
tion Iftlat den Clovia nacb Unterwerfung dea Landea bier ein 
taitea SchloDi erbauen ; aacb apriebt der Name dea Schloaaea 
lelbcr, ao wie Anderea fBr dieae Tradition. 2ueraa kommt 
•onat daa Scblofa vor in einer Urkunde vuu ii05; ea war ein 
Betitatbum der Giaf'en von Werth , die es spUter, naohdem 
iie einen Theil iln er A]]odidl<»fUer verSufsert, wiederum aU 
Lehen von dein J^i.stlunn Straliburg empfingen, Ein Brand 
zerstorte daa Schlois 1582, und seit dieser Zeit lie^t e« in 
Trfltnmern. Auf gleiche Weise weiden die Schldsser Orten- 
berg und Ram stein beschrieben, von denen das ersteie 
auch abgebildet ist. Die in ihrer Art einzige Bauart dieses 
Schtosses llfst auf ein hohea Altertbum schliefsen, indem di<f 
GebMude^ aua roben Granjtmaaaen aufgefQbrt^ au£ gans unre* 
{^elmafsige und seltaame Weise angelegt aindy waa oesondera 
von dem gewaltigen und dicken Tburme gilt , der sich inner-' 
halb der flbrig^n GebSude erbebt, Nacb einer Urkunde dea 
Kaisers Friedrtcb L ateigt die Grflndung dea Scbloaaea bia au£ 
<Ui Jabr 1000 surflck| u»d gebdrte daaaelbe einem Grafen 
Wernber yon Ortenberg sa« verwandtacbaftabande bva6bteii> 
(Utaelbe aber an di« Grafen von Hohenberg, Haigerlbcb und* 
Hftrmingen; jetst iat ea im Beaita dea Hm. Baron Malbieu do^ 
FaTiera. Ea fblgen daa noch bewobnte Schlors von Tban* 
ville, das Scblofs von Bilstein, das Steinscblofs (la^ 
Kocbe), der SiLz eines kaiserlichen Lehen, welches voa 
diesem Scblosse den Nainen des Steintbals (Ban de 
la Rocbe) erhalten bat. Die Lage des Scblosses ist majestii- 
tisch, die Aussicbt von da iihei die Thaler und Fluren JLo* 
tluingens liinvveg entaiickend , auch die ganT^e Umnebung de* 
Thales buchst anziebend, Hdchst merkwikdig durch sein Al* 
terthum, durcb die wenig regelmSfaige Art des 3aues^ und 
die Featigkeit der aua Grantt aufgefabrten Massen, gleicbde^ 
.nen des Scblosses Ortenberg^ iat das Scblofs Bernstein ia 
der r^iibe dea Stfldtcbena ]>ammbacb. In alten Urkundea 
bailat ea Bft r n atein ^ und daa Stftdtcben Dammbacb fabvt nocl^ 
BSren in aeioem W appen, Der Tburm iat bier mit in deft 
^uffaem Umfang, deaaen Tbeil er btldet^ eingescbloaaeif^. Sonat>. 



bat freilich das Schlols ein wenig«r aotiJtes Aa«tfh«ii , ; wom 
niebr£Kbe Ernetierungen das lhcig<» m^g^i} beigetragen haben. 
Von bi«r fiQbrt uiii der V«rF. ilbfr J>«iiimb#cb und die AbUt 
£b«rsmttn»ter nacb Andlau* DU^ Kirc(t« der btfrObmtea 
glttichoamigen Abtei^ von welebar d«p V^i^t. .suertt ba^ideltf 
ward «vfrar i70& erneuert, aber man aiebt nocb etna unter- 
irdiscba Capalla, tnerfcvirQrdig durcb iHr^n eitiiacban SSuUnb^u 
aua dar Zeic der GrOadung ^er :Abtai (sia tst abgabildet), <o. 
wia audb Einiges aua dam ailltan JahrbiAndert uii4,4;iQlg6 alte 
Ornamente in der neuen Ktrcbe angebracht. Dia Gr0ndung 
diesei Abtei schreiht die Sage dr r Gemahlin Carls ties Dickffti) 
der heiligen Rjchaide J al^o an iieuiiCen Jalu Imndert , z j. llff, 
erlaubt sich , die nierkwilrdige Sage, die der Verf. so scutin 
darzustellen gewufst bat, in ifnen Haupip nikten bier initzu- 
theilen, Nachtleuken.l u})er dcji Ort, wo sie das Kloster stif- 
ten solle, wanderte lliciiarde zum Grabe Jtr beiligen Odilie, 
Eine Vision bewog sie, in dem ibr angeborigen iiiale voa 
Aodlau dan. Ort daftir zu.wUbUo^ wo aip ein«;n B^ren mil 
aalnan Jungen dia £rda aufscbarreo gaaaban* Da9 Locb, Wel- 
ches die Tiiiere ausgegraben, bemerkt man nocb his auf daa 
heiitigea Tag in der untcrirdischen Cap^ile durcb eine rupda 
Oeffnung, aa waJcba dar Glauba- wundarbara Heilun^ voo 
BainObela knflpft. Zaoi Andankan an diesa Bfg«J>anbeit un* 
tarbielt man sonit ainan Bflreii .in diasaf Abfai^- 4®r abert 
naebdam ar ainat ain Kind varacblungen , durcb ainan grab 
aua Stainen gabauanan araatat ward, dan man noeb.jatst bin* 
tar dar Tbdre dar Kircba bamarkt. Seitdem ward daa Gald, 
Welches die Unterbaltung dieses BSren kostete, untar dia At* 
men vertbeilt, utifl merkwOrdig genug, man gab bis auf un- 
sere Tage jeciem Biii eni uhrer , der sich bier zeigte , eiti Brod 
imd drei Gulden, In dieser unterirdiscben Capelle ward die 
heilige Rtcharde nacb ibrem Tode beigesetzt docb ward im 
eiltten Jahi bundert der Kdiper in die obere , durcli Pabst 
Leo IX. bei seiner Kuckkehr von dem Concil zu Mainz einge- 
weibete Kircbe translerirt, und nocb siebt man beutigen Tags 
den alten Sarg derselben in ainer Seitencapelia. Die durcb 
Bauart undBildwerk ausgaseicbneten Reste di«aar alten Kircba 
werden von dem VerF. sorgf^Itig bascbriabeHf worauF er an 
dttm Schlofs Andlau (in dem Texte dar dritten Lieferung) 
Qbergebt* Dia Gegend^ in dar diesar uralte Sits ainer be- 
rUbmtan dautscben Familia liagt» ist b5chst raizendp dsi 
Scbiofs aelber YOn einar sebr regeloiUfsigen Bauart » walcbe 
eiQe besondara Abbilduag dasaalban QbarflOssig gemacbt batf 
aumal da (|ucb mabrara andera AbbUdungen daaselban axjatiran. 



^ ly .1^ .0 uy Google 



Indtfieil gie^t uns doch der Ilr. Verf. davon eine genaue Be« 
schreibung p woian eine Uebersicht der Gescljicht^ dieses 
Schlosses und der J^erilhmten FanWlie sicb kniiptt, deren Sits 
dasselijc war. Wir ub^rlassen d^m laeser , niiber einzugehen 
in das, Wds der V erfc i'lber das holie Alter die»t*r Fainilie^ 
deren Urspruiig sicb in die Nacbt der Jabrhunderte v-fiiit?it, 
und Liber ilire nierkwtlrdigen SchicksaU erzMblt ; wir l^emer- 
ken nur, dais da» Scblois 121 3. zerstdrt ward* *D wie noch 
einmal sp^ter 1246} das jetsigt Qeb&ude aber aus der zweitjS^ 
Halite desselbtfn Jabr bund ert« hers uriibfl^fl. Kbein^* Eina 
balbe Stunde davoQ Hegt ebanfalla in eifiar rom^ntisich^n Laga 
^41 Scblofs Spesburgy wovtm aina Ansicbt mirgstbailt 
\vird. Ueber dunkeln .Waldungen axbeban aicb ii^t piU0.cei« 
kenRuinen deaaalb^n^. niigfbar4«iii umgeban voni-aadarn Qa« 
i)irgihaban. Dia Gruyidlaga bildat ain auf dar waatUi^a.Saita 
sick iefikrecbt barunlar ziehandar Fal^n, dar iedc^ob. imf dar 
aodern Seite (von wyakhar aua dia Zaiisbnung gen^ajcbt). wenig 
abichflsgig und darum leicbter zu ersteigen ist, jsumal a^itdejn 
me klaine Leiter an de»u i'lulier fluich Kinfallen von Mauer-, 
Itflcken unziigilnglicben Eingang angel racbt ht„ Die ]\Iasse| 
«ni weJcber das Scblofs erliaut ist, bildet Graiiit. Die Ge- 
scbiclite des Scblosses srlher ist und bleibt sebr dunkel. Ob- 
gleicli vor deni dreiziebnten Jabrlmndert erhaiit, lnulen wir 
doch hid nur die erste Spur desseiben. Einige merkwCirdige 
^^itt; in der Ebene iierUlirt nun der Verfasser : Ell, wo einst 
flas Komische Helvatus stands in daasen Nabe sicb dec Ort 
^enield erhoby dessen Kircbe scbon in ainac Urkunde von 
763 erwabnt wird; das Scblof* S cb wana u, mraitlicb davon 
mehr in der Nabe des Rbeins ; E.raiftiii,.ii. a> w,. Ao das Ga- 
l^irgQ surdckgekebrt^ baaohraibt er nun zuerst das Lands*. 
^€rga^ $«b]oiaf. wtadarum ain bdcbat markwClrdigaa Denk* 
"Oiplf das gegeif dM.Jabr 1200 von aiaam dar. Abnen dar glelcb- 
namigen F^ipilt^- ^Kbaiit ward , und sulaUt durch Varkauf an 
<lieFaaiilie yot\ THrkbaiin gekomoian ist. Dle^ jataSgen. Ga« 
hiuAe diaa^r Burg, sind maistons. auav dar awattan Ualfta daa 
drsizabnten Jabtbunderts, wo dieselben erneuert wurdaa un4 
der Spitzbogen anfieng eingefiibrt xu werden. Einiges ist aaa 
nocb spaUitii- Zeit. Etwas niedriger liegt T r u 1 1 e a b a u s e n, 
ll8l von der Aebtissin des Odilienklosters , Herrad 
VOn L a n d s b e r g , gestiftetes Piamonstratenser Priarat. Dia 
I^uinen dieser 1555 abgebrannten Kircbe , so wie die beige- 
^i'^te Abbildung sie darstellt, bilden eine bocbst maleii.sche 
l^uine. Da von bier aus der niicbste Weg zu der sogenanntpn 
^^eidanmauar und dam Odiltankios(ar filbrt , so sind 



^ .i^ .o uy Google 



296 Ant^uitjes de rAlaaor pat Golb^ry et SchweigMuser. 

e$ diese GegenstSnde, welche der Vcrf. nun weiter Leschreibt. 
Wir haben schon oben davon gesprocben , und sind daher ge- 
nothigt, diese mit sicbcbarer Vorliebe vom Verf. gescbilder- 
ten Punkte bier zu ubergeb«n. Die interessanten Sagen Hber 
die Griindung dieses Klosters durcb Odilie, Tochter Attichs I, 
Herzogs von Elsals, die SchicksaU desselben liis aui' unsere 
Zeiten berab^ wo noch Tausende von Wallfabrern aui;' das 
Ffingstfest dabin stromen, werden in anziebender Weise 
erzShlt. 

Die dritteLieferung der Alterthttmer in dem Departement 
des Oberrbeins entbsilt nebst dem erklarenden Texte des 
Hrn, Golbe'ry folgende Ansichten: l) das Schlofs VVineck; 
2) die Kuinen der Capeile des beiligen Gregorius zu 
S cb w e i n 5 pacb ; 3) das - berrlicbe Thai von St. Gille$ 
und im Hintergrunde das Scblol's Plixburg; 4) Scblofs und 
Dorf Wasserburg bei Sulzbach. Von alien diesen Denk- 
mSlern giebt, nebst mebreren andern Merkwiirdigkeiten in , 
der Nahe, der Text eine sebr anmutbige Scbilderung, Es 
rtlbren dieselben aber sMmmtlich aus einer sebr alten Zeit her, 
und .es ist nur zu bvklagen, dafs wir so oft der erforderlichen 
bistorischen Zeugnisse ermangeln, um weiter den Ursprung 
und die Scbicksale derselben verfolgen zu konnen. Dies ist 
namentlicb der Fall bei dem Scblosse Plixburg, dessen erst 
1276 in Urkunden gedacbt wird, das spSter aber in die Hande 
der Kibeaupierre*s kam; nicht anders stebtes mit dem Scblosse 
Wasserburg, welches ebenfalls ein bobes Altertbum bat 
und die letzte Besitzung der Ribeaupiene's auf dieser Seite 
des Elsasses bildete. Die Gegenden , in denen diese Schlds- 
set liegen, sind meistens sebr reizend, und von der Natur 
reicblicb mit Allem ausgestattet , was die Blicke des aufmerk- 
samen Beobachters auf sich ziehen mufs; die bistorischen 
Erinnerungen aber, die an diesen Boden sicb knttpfen , er- 
b^ben dieses Interesse nicbt wenig. Darum sind wir flber- 
zeugt, dafs aucb die anmutbige Schilderung, welcbe der Verfi 
entwirft, desto allgemeinere Thcilnahme fiiiden werde. 

Und somit scheiden wir von diesem Werke , das stets 
ein rUbmliches Denkmal vaterllindiscber Bestrebungen bleiben 
wird. Die weiteren Lieferungen werdea wir zur Zeit ihres 
Erscbeioens uasern Le&ern anzeigen. 



■ 



DigitizcL, ... ^jOOgle 



Euduli: Siiers ebrisdiclie GediehU. 297 

Chris tliche G e diohtit von Ludvaig Sti^n Baul^ b§i Nmt* 
kinb. 1325. 297 S. in * . 

Chriatllch soil ten diese Gedichte ttjii ? Kec. betradi* 
tet sie gar nieht als G edichttr^ aber gar sebr alt eine war- 
Mndd Erscbeinung in dcr neuest«n Ktrchengeschicbte* W«loh 
ein praktischetf biblisch sicb nenaandM C^dnltiithiiai .mOfst^ 
•iiuteheiif morste' alio QualUa dar T i^end uad Sitdicbkait 
vardarbao , wenn folgenda Froban dia wabra Anlaitunj dasu, 
viran!? 

1. Erse wird aufgafordarty ganz ai^b a alb at su vtm 
Ii'eren^ flfr nicbts anderes inebr £u sorgan^ ala ~ 
daCi man a,i& aicb is dia Gaada gabandac aaal'ger 
Sfliidar aay. 

Salbst verlaugnung (S. l30J. 

Kannat Du ao oiit Har avargnflgan 

Ganz 0in t«9l*gBr Sund^r aayD| 
Kann Dir aaine Gnade gii^igan, 

Dorrt Dir JLaib und Seeia ain — % 

Dann erst hast Du Dicb verlaugnet u« a. w, 

Ganaaicb in dia Gnada gaban^ 

Daa ist Detn* und seina £br* — » 
Draoi aay daa Dein atnzig Straben ; 

Sorge fttr niebta andrea mabr. 

Hast Du ganz Dich selbat verloraUy 

scbliefst Oicb Gottes Fiille ain 9 
Cbriatus iat in Dir geboren , 

und der groTae Siag iat Oain* 

Dies, so ungescbickt es ausfftdrilckt waie» konnte etwa noch 
xns Besseie ^edeutet werden, H. i 11 seel'er Sunder sulle 
einer seyn , in so tern er dem S(indigen reclit lierzlich und 
tfntsclilossen absage , alle Gnaden der Gottheit wobl benutze, 
urn durcb beieati^tea VVjj^Uen iiber die Keize sum Siindigeu 
«u aiegen. - 

Abar nam! 80 ain aael'gar Sflnderf nacb, Hrn. Stxar^ 
.blaibt in aainaa Waaana Grftuel^ iat ii| aicb aalbst 
»ur Varatockung, nurSOnde, auch aaitdem er dan 
Harrn erkannt bat. S. i34. 

Herr , aeitdem ich Dicb erkaanta^ 
Bin icb atwa attndanrain ? ' ^ 



t 

t 

29^ BA^p}f .^tim chri«t]iche Gedichte. 

. ^.Pu , defs LieL* oft in rair brannte^ . .,, 
scliaust ja in niein IXerz hinein, 
fiieliest meines Wesens Gr^u'j, 
. . ' W. i e i i; b f . tir Ola d er Gn addnlock uiig^ ' 
, in m^r.selber iiurVerstpckung 
und n u r Sii n da b i o , mein Heil I 

' -Ufid das alles wIllst'Du tragen, 

d*ieilndch t)in ich leiu in Oir u, s. w» 

Wer Menscb'en kennt, Wer wejf^^ wie gerne d^r Hpliere 
und der Feinere gegen das Gewisscfn den Sopbtsten inacbt^ 
ao..dars}j(il6fii. 2, id. 16.) »idie Gedanken unler einander sick 
^anklageiiy aber auch entschuldigen** , wie entsetzlich muf» 
dieser jt*ine JLeliiart finden , b«;i welcber nicUt nur dei L.cicht- 
sinnige, derHenchler, der Frdrnmler , soncitrn auch so man- 
che der w e i c h g e s c h a f f e n e n See] en, die iinmer nicht \ 
lange , aber immer wieder fehlen wollen — die eben desvve- j 
gen sich in einen pseudomystischen 6chlununcr so gerne ein* > 
lullen lassen, aicb insgebeim zu sagen veranlafst wird : „Aucb, | 
trotz nller mir gewordenen Gnade^ kann icb^ nacb dem lioben i 
Ku d«/fi: S tier 9 docb fortfahreh, nur V«rstockuiig, nur I 
Sonde aeyn, im GrMuel toeinea Wegeng-voit Gott 
gescbaut zu werden. £r trSgt dies allea. Jcb bin dennoch 
rein in Ibm. Je fnebr Stinderi desto mebr gnadelieband!*' 

2« Einem solcben sagt S. l46* 

^Der Reue Iiiel>efbund«« (des Hrm Stieir} 

Was gramst du dich , mein armes Herz^ 
und vviist verzai>t im Sundeiiscbmerz { 

Du darfst ja nichts, als — lieben* 
Bei aller deiner Schnodigkeit 
und hartverstockter Sprodigkeit 

ist £r doch treu geblieben. 
■ Sein Liieben ist grdfser, als deine SUnden ; 
du kannst Ibn noch immer ron neuem ftndenl 

Wenn du nur willat. 

Sonst soli, nach diescr frommen Theorie, das menscblicbe 
^\ oil en nur zum B6sen sich' Tieirren, Aber bier, wo <1 ' ^' 
bartverstockte 6prddigkeit getrustet und berubi^t 
werden soil^ 

kann man den Heiland nocb immer von neuem 

f i n d e n 9 wenn man nur it>H\l, 

Am £nde also bleibt def^HittJand nocb immen Du darfst all* 
dann je nicbts, als — Iteben!! 



Digitized by Google 



• » - * ♦ . 

Schbget an Euie Brust, Ihr • e el *ge Sil n d e r und* 
S ii n d e I" i II n e n 1 llabeii solclie Aussichten , i miner nocU 
zii recbter Zeit 1 i e b e n u n d den H e i 1 a n ri linden z u 
koiinen, £uch nie andeiein L»iehlen nacljgi??l)i^er ge- 
macht ? ,iDes Heilands L.ieheii sey doch im-ner ^i ol->t;i , als 
Eure Sunden " ? II a r t v e r s t o c k t , » r o 'I e ti nd s c ii ii 6 d e 
gegen liin oe.weaen zu seyn , scliade am iinde doph nichts. 
Bieibt £r docb treu 1 indeis mag c|as arme Herz , im SOn* 
denschoiers , anderswohin wobl desto fninder sp i o d e zu tbun^ 
iicb vergdnnen? Zu seiner Zeit beilst danit (6. I3d0 " *^ 

Ileifse Magdalenen-ThrMnert, 

immer heifstr giefst eucb aus, ' • 

his i Ml V o 1 1 e n Ii i e 1j e s m e e r 

sich die Seele ganz gebadet,' ' * ' 

und erneuert und begnadet, 

nut in Gott rubt <— blo/s and 

Biofs? und leer?? ' Zu solchen Tfindeleien verlSuft tick 
diete mit dem HeiHgsten epielen'de Andacht, 

nEiner lie ben Seele zam Geburtfitagc* 
wird 5. 8l. vorphantasiert : 

Des Heilandt seel'ge Liebe 

entziicke himmel wiirts 
heut in d•-^s Gciisles Triebe 
Dein iliin gelidiend Ileiz. 

Kub* 8 an ft in sei nen Arm en ^ " 

D Li , liebe II e i 1 a n d s b r a u t . 
JD a k a n n man r e c h t e r w a r in e n | 
wenn man nur — vdUig trail t, 

Triuet. nur v,dllig diesem Herrri Rudolf S^er^ Ibr Himmelf**; 
briute! £r Uhrt .£uch. aogar Minne-Lieder (S. 90. 
Zaai Beispjel • • 

ssGegen die Brautsebnsucht** 

Acli wenn icb doch mit aolcher Liebe « 
mit der sich firAut und BrSat'gai^ liebt, 

nur fest ah meinem Heiland blielie, 

der sick mir ganz sum Fretinde giebt u. s. w. 

Acb wenn doch all das Ijiebessehnen ^ 

das oftmals nach der Krdenbraut 
so beifs verlangt in Seelentbriinen , 

acb — wenn das docb, so bell und laut 
nacb ibm. und sqiiiem Trost verlangte u. f • w* 



300 ' Rudolf Stiers ehrbdiolie Gediohie. 

♦ ^ 

Eilhgst sind die Gututiterrichtetvti belehrt^ dab nach emem 
Oriental^scben SinnbHd' der Recent und dar Reich wie £b« 
matin' 6 lid Fr'au gescbildert weroen. Daber eben so der Mel* 
slat aU Gottetre^ent und das G6tteftreicb« Der Sinn lit: 

jiilcht Herrscher, sondern wie Hausvater soil der Regenfseyn. 
Aber nie wirti das Verhaltnils Ch t isti ti nd t inzeliitr Seelcn oder 
Personen wit; eine VermUhlung hiblisch vorgesteilt. 

3. Neben jener wHimmeisliebe*^ lehrt dann Hr» Stiet 
auch um die irdiache Jbeten. Aber wie? 

Dann lais in reiner Hiimnelsliebe ^ 

iiiir eirist ein Hei z vii einigt seyn , 
und f i'ibr' in Uchtein Gnadentrieb^ 

una in daa Heiligtbum binein* 

Wo aich awei S«e1«n, engverbunden , 

umscblungen von dem Gnadenschein| 
nut Dir, Du l iirst der Lieijeswunden! 
Eum stilleii Zwillingsopfer weyb'n; 

V Wo aich Oein himmliachea Vermahleo 
abapiegelt in dem Erdenbild u. a, w. 

Z i n z en d orf hat einst bekanntlich den Versuch gemacht, In 
ein heili^es, sacramentliches Brautbett u, s. w, eheliclu 
Scbwestern und Brtider einzufUbren. Die damaligen Geaiein- 
delieder vraren (ibervoll von aonderbaren Vergleichungen nit 
L'iebaa w u nden, blutig en Hdhig^n^ Opfern u. i.v. 
a* dea seel. PrUlatBengela Betrachtang^n fiber die Herrn* 
buter (frOhere) Geaiein»!e - £inricbtuneen, Sollen S p a xi g e n- 
berg und andere Ffiraicbtige die BrQdergemeinda umtonit 
▼on aolchen Fbantaatereien gereinigt habenf? S. 104. spricbt . 
Hr. Stier von der Kreuzgemeine, wo er die recbt* 
Minne gezeigt liabcn mdcbte. Nach S. 110. kufstder 
Himmelsbrautigam so mild ia der £be die £tne 
SeeledurchdieAndere. 

Stillea Heiligthum dar Eba, 

die dea V^natocfca Sftfta aaagt, 
immerbrSutlichy beimathawehay 

ew'gen Liebens Atbem haucbt u. a, w. 

' — Dai's durch deine Salbung jkeu«cb^ 
unsre Triebe 

lauter s(i{aa Jeaualieba , 
aeyo u. a. w. 1 iU 

Eine neue Religion , sagle Lessing, ist leicht zu stiften. Mil* 
» 



Digitized by Google 



vereinige nur AlierglaubtMi luitl Gesclilechtsluit, leichte Siin- 
deiivergebung uiit zlirtl icIiL i^Cjelegeolieiten zum SUMdi|^«0« — ^ 

Qiri«t«Dih4uii tuoh dec VY Mohaoimed* ? 

Gan2 in der anflinglichen (!) abentheuerlichen , sittlich und 
l)ihlisch verwerflichen Graf-Zinzendorfischeii I^ieder- 
maniei vvird S 95- die arme Seele , in einer „Bitt6 urn die 
jBiaut", zu beten gelehrt : 

Mark und Be in durchdrtngeitd die 

mir Dein Xiiebeii Leib und S«ela 

und vermlhltf mich mit Dir* 
Daft icb ntchta binfort will wiaacn » 
alt im Geista Jeium kflaaan^ 

ihn urn arm en fflr und fQr. 

Dafs , wa« irgend heitset Siinde, 
weggespiilet sich gescliwinde 
10 die XiiebeaflMthen taucbc. 

Die be^uemate Religion iat imbier die, woman, waa 
irgend Sflnde haii|t, so geachwinda wegspulan 
lu kdnnen belebrt oder vielmehr beredet wird. Aber ge«' 
wifs ist jedes Keligionssystem in eben dem Grade unbibli- 

scher, unchrisdicher , ja abscheulichei', je mehr es die SUndea- 
vergebung erleichtert. 

Von Urn. Rudolf Stiar wird gesprocban^ ala Ton ainaa 
Manna ron Wirkaamkeit untar den Seinen, Nacb S« 76« bat 
£r Ton aicb selbit die Meinung, ^ein Heifer an Got* 

tei Verklarang« zu seyn. £r weifs S. 73. den Mor- 

genderGnade, welcher der erste in seiner neuen 
^eburt wiii. Und nun — will cr nur b r a u t i i c b 

*Chmachtend erkranken und flehen , urn (S. 76») 

tieF zu w ichsen hinein in die harrende Hocbzei t« 

£ c ir\ e i n d e. 

Niemanrl hat mehr Ursache, als die Brfldergemeinde , sicli von 
' dergleicUeii lieblendenBiildem rein zu zeigen. Auf der einen 
Seite nichta als Bekenntniiise von immerwUbrendemi gleicb« 
lam unwiilkabrlicbem » SUndeneiend : ^ 

Denk* ich an die Untreu'n alle, 

die zu wiederholtem Fille 

mich gezogen ^y^jj^ von Dir, 

Acb , na c h d em •! c h schon erkannte^ 
wie Dein Herz in Liiebe brannte, 

wird mir bang und acbauerlicb u. a. w« 96m 



Digitized by Google 



302 Audolf Stierf chmtlklie GediohtK. . 

So wenig also kdnneti , wmn si6 noclt so gut gemeint iMy 
jene alka f entimoitale Wendutigvn in der Dognaatik und Mo- 
ral 9 dafa der Christ desviregen das BOte unterkisseii , da» 
<ytit4r Ji|el)en soJlv^ weil ex sumvorfi-tta nit Gott versdlint 

sey , die ^beabsicbtigte heilsame Wlrkung bervorbringen. 
wirken tun so weniger, wenn zugleicb alles auf Liebe ztt 

Gott so gegrilndet wird, dafs luaa doch nicht genau bestimmt 
iind verstaiidiich machty woiin im Gemi'itfi dcs ChrisLen das 
Lieben Gottes nach der Wahrbeit und Wirklicbkeit besteben 
konne und solle. Aus deraleichen Unbestiunntfieiten konnen 
dann solcbe Ungereimtheiteii i\bev Liebe zwiscijen Gott und 
den Menscben entstehen, wie sie Hr. R, Stier fiir christlicli 
liesingt. Die zu einem so unstattba^ten JLieben Gottes auf- 
geforderte arine Seele begebt und bekemit dana unbedenklich 
ioimerfort alia mdglichen U |i t r • uen. 

AuF der andern Seite aber wird ibr immer wieder (eben* 

das«) die allerleicbteste Versobiiun^sart zugesicbert: 

Denk* icb an die Gnaden alle , 

wie Du micb nacb j ede m Fa]]e 
\ nauverg abend wieder nabmst^ 
, acby uiit JLangrautb sonder gleicben 9 

trots dem scbUndlichen Entweicben, 
mir versdbnt entgegenkamSt u, a, w. 

!Zu welcbem Spiel und Trauin wttrde, durcb eine sokhe 
Cbristenthumsiheorie, die bocbst ernste Forderung cier Bes- 
aeru^ig ) obne welcbe niemand den Herrn sieht, des Gut- 
werdens nicbt bios in einzelnen Handlungen, sondern in 
der innl^sten Gesinnung, Nur weil der Yater in Jesu I^ehr* 
gleicbnils von dem Besserungsvorsata des verirrten Sohnes ' 
aus deSsen gansem Benebmen iiberzeugt war^ gedenkt er auch 
der vergangenen SUndeh nicbt anders, als bei dem froben Va« 
terwort« dafs der Yerirrte » wieder gefunden«* war* Die (iih 
Besweifelbare Reue and Gesinnung89ndernng versdbnt ibflt 
den Scbten Yater, sobald ste im Willen da ist, und dieses 
allerdinga obne dafs er dann doch aucb <nocb dem Sobne eigend 
oder fremdeBafsungen eumutbet. Eine wabrere The odicee, 
als eben diese bibliscbe, fiir den „gerecbten« Yater ersinnea 
zu vvulltn, ware es nicbt gioi^e Auuial&ungi 

.Hj^ E, G* Paulus, 



^ .1^ .0 uy Google 



Aieinwald JiLaltur nod Bitbmi* 



305 



i0r MsiuMiitt mit MMer B^Mkung ' auf unsBrs ZeU^ Von*J^ 
G*lk9lnwttld (Htrsogl. Oldenb. R9giBfungi*jitMt «i Birkenftld), 

Mainz , bci f /. Kupferberg, 1S25. 398 S, 8. 3 fl. 15 kr. 

Die varliegende Sclirift enthiilt die Ansichten eines den- 
iienden, viefseitig gehiltleteri Mannes ttber die vviciitigsten 
■An^elegenbeiten dei iVIenscliiieit, ttber die Fragen , li'u vvelche 
sicU unaer Zeitalter mit besonderer Lehbafti^keit interessut. 
Da die 6chrift nicht fiiglich (wenigstens in diesen Blattoni 
nicht) einen Auszug zulMlft, so beschrMnken wir uns aiii^ d\ts 
Anzeige der Aufscbriften, unter welchen der VF. jetie Gegen- 
stSnde abbaiidelt. Sie sind : Keligio!], Aeformatluii. Volks- 
bildung. Der Staat und die Staatalebre, Die Wissenschaft 
und die Wissenschafc^n. ^ Die Knntt und die KOnSte! Mah 
wird deal Vert ia aeinen BetrAcbtungeit fiber dief« G^gen* 
BtSnde niit desto grdrserem Intere«se folgen^ da er libera]! 
Freimfltbigkeit mic Beaonnenbett , Tretbeicaliebe mit Achtung 
ftr die beatebenden Geaetae su vereinigen anwuht bat. 

Eine Stelle der Schrift (S. i3l. ff.) will der' Ref. , da sie 
ihoi in mebr alseinerHinsicbt besonders inbaltsscbwer za atyn 
•cheint, wdrtlicb aiiluiiren: „AVt.iclie ^i^iln^u Sargfalt dem 
nterrichte die franzosischellegierung in den voii Dt- utscb- 
I'lnd abgerisseiien Provinzen zHWandte, i»t bekannt. In gar 
Viclen Doriiiemeinden wurden die vorliandeuen an rreaiesseiien 
^cliulhafiser verSufsert und dienten den dringendea Berlin f- 
J'lssen des Gemeindebausbaits. Der Organisiniis des i>chul- 
wesens war aufgeboben und die stilndigen Scbulle-brei^ qu{e|* 
cirten gezwiingeii, nacbber freiwillig, Nacb VerJauf yon'yte^ 
"igen Jabren zeigte ea aicb, dafa die Liiebe und Sorge der 
^itern iiichta weniger als ausgestorben war. FOr den Winter 
Wen jgstena wurden ClberallSctmliebrer gedingt; dieiirmlicbsteii 
HinterbSuaery wabre Spelunken, eraetzten die ScbulbSuaer. 
Von Haua su Haua wurde der Scbullehrer^ bSufig dem Hand. 
^«rke, dem Tagelobne entaogen , gefattert, und aelbat die 
igaten solken gerii den kieinen Geldbeitrag, Die alteit 
stSndigen Scbull«brer, an beaaerenLobn newdbnt, blieben in 
^ntbStigkeit ; aber es Fand sicb aucb , dais ein dem Spiel, 
dem Trunk u. s, w. ergebener Lelirer , nacb dem Wilien der 
^Vjlbler, gleicb itn niicbsten VV^intersemesttiL vacirte. Kine 
Ver^Ieicbnng der Scbreib - unil Lieselubigen , nacb Maafsgabe 
^(^r Zeit der alten und neuen Schnlf n , schlagt nocb viej mebr 
xuGiinsten dieseraus. Wie die Zeit in den llbeinprovinzt-n 

vocwUrta tcieb^ braucbt niciit erwiihot su werdeii, VVie dit? 



SM ,6t)clirteii»A]aMa^ 

Anspruche an die Schullehrer hei steigendem Woblstande er- 
hobet , welche Anstalten bei daueriider liuhe insLeben getreten 
seyn warden, laist sich, da die neuen deutscben Regierungen 
wieder staik eingieiten , nicbt mit Erfabrungsgriinden imter- 
sti'itzen." Wie vielen StofF zuin Nactidenken — vielleiciit auch 
zuStreitge«prScben — enlialten die in dieser Stelle angetiihrten 
Thatsacfaao, iosbesondere inBeziebung auf dieFrage, obman 
das Yolk, was die Vortorge fcir leine VVoblfarth tuid fUr seinen 
Woblstand betrifFt, bevormunden soUe oder besser sicb seibit 
ilberlatie. Kec. erlaubt aicb bei dieser Oelegenbeit «inen[8chon 
lange gebegten Wunscb Offentlicb zit Sufsern — dafs wir docb 
.bald, von einem Sacbkenner ein Werk fiber denEinflufs erbaltea 
mdgteiiy welcben die franzdsiscbe Verfassung, Geaetzgebung 
una Verwaltung aufdie fiberrheiniscb deutscbeoLSnder utidsuf 
deren Bewohoer gebabt baben Wie v teles kdnnt^n wir, diestelts 
und jenseits des Kbeinea ^ aua ainem aolchen Werke lernen. 



Oelehrten-jilmandchf oder GaleriB dBrvor%UgUehsten GeUAt' 

ten dltercr und neuerer Zeit, Nebst e. voUstdnd, RtgistBr* Vo* 

J. G. Borne in ann^ Pastor zu Prausniz , Jauerschen KreiiiS, 
"Leipzig J bei CliicL 1326. 24 Bu^en in Idnglichttm Duodez' 
formats 1 Tblr. 12 Gr. 

Die Galerie besteht darin, dafs untcr jedem Tag*? imJatr 
6 — SGelehrte, die an demselben geboren sind, aufgezeicbnet 
"Werden unter den 6 Rubriken: Geburtsjabr , Name, Geburts* 
ort, Amtund WiWde, Todestag und Jabr , Anmerkungen* Die 
letzte Numtner ist fast imoier leer. Wenigstens sollten bei jetzt 
Jebenden und sebr bekannten die Abrigen, wenigen Notizes 
zuverliissig seyn« Aber zur Frob&: G 6 th e unter dem 28« Aug. 
ist dem Vf» HersogK Sacbsen Weimartscber Kammerprft* 
aident. GrSvell Regieriingsratb au Merseburg. Au^. 
Wilb. Scblege] unter dem 8. Sept. Professor Fbilosopb. su 
Jena. Ju ng (Stilling) d. t2. Sept. Fro£ su ]\{[arburgt 
cburpfils. Hofratb. — — Wie konnte eine solcbe Coo* 
pilation einen Verleger finden? w&brend so mancbes braucb* 
bare Bucb ihn umsonst sucbt« 

Dec. 1825, ' . Dr. Paulus. 



Heidelberger 

Jahrbiicher der Literatur. 




tin appenSc€'tur ^vsrs9S macMnts relativst k la manne'g par M( 
, Mares ti^r^ ingenUur de la marine Hoy ale f chevaUet de la 
hgum d* Bonneur* VrieM du Rapport fait k l^JniiUkt sur ee 
M^moire, par MM> Sand^ Biotf PoismoM et Dupin^ *ji 
Paris, f d24* 890 gr. 4* Daiu gehiSrt unter dem iUXmliahen 
Tttel^ mit dem Zusatzez Planehes^ etn Band mit XVIl lithom 
graphirten Tafeln in Tjandehart^H^Tomiat ^ heides injfrime par 
Ordre Son Excellence U jVliniftre de la marine et des colonies* 

» « 

Das Publicum verdankt dem Bestreben der bSchsten Be- 
liorden in Fi u kreicb, die vielbesprocbenen Gegenstiinde der 
Militarei ni irli t imcj , der Tndnstiic, des Handels , des IVTaschi* 
ncnwesens und der JNIavigation Englands kennen zu lerneo^ 
seic Kurzem zwet klassiscbe Werke , das bekannte grofse you 
^upin und das vorliegende ; ersteres bei weitem tunfassender^ 
letzteres einen specieTlen GegenstUnd Hkit grofsei^ Vol3ltlliidig« ' 
^eit darstellend. Beide Verfassery vom Gouvernement sur 
^ntersucbung der fra^lfcben GegenstSnde ausgesandt^ mit den 
erforderlicbeD Kenntntssen ausgerOstet und darcb wissentchaft- 
iichen £ifer basealt » fanden tchon desw^g^n Hberall aine gtlii« 
:<ti£e Aufnafaoie, vrA kontiten daher alTea dasjenige an Ort 
una Stella gefnau Keobacbten , worQber die Kegierung Auf- 
Hhlttfs verlangte. Allerdings erfordern solcbe Reisen einen 
ledeutenden Aufwahd, allein diesef wird reicblich ersetst 
^urcb dtn Vortbeil, welcLen die Industrie, das Maschiiien - 
inid Fabrikenwesen daraus ziebt, und man kann nicbt leugnen^ 
f^a/s seii st d{e militSriscbe Starke der Reicbe dadurcb directe 
i^ind indiiecte gewinnt. Kiicksichtlicb der Damp( schitftahi t 
errt nten die grofst-n Fortscbritte, welcbe diese Ktmst in den 
vereinten Staaten von Nordainerica gemacbt hat, die AMfmerk- 
s^^nikeit d^er franzfisiscben Behdrden am meisten , und Mare- 
^^ier wurde also dortbin gesandt, um die 6acbe ^enauer 
Icf nnen su }ernen , obgleich die £nglftnder gegenwSrtig auck 
^erin wubl obne Zweifel den Yorrang erningen haben« Ola 

XnC. Jahrg. 1. Heft. , 20 ^ 



306 ' Maiestier aur Ui batnauii ^ trap eur. 



Ketttltatd seiner Untersticbung«n fiUii^^^BI'arettUr leu 

ner Ktlckkebr in zwei Memoiret susammen , wo von das mt 
das vorliegende itt; daa aweite, einige Bemerkungen dbec ^ 
die ,£riegaikiariae der Tereinigteti Staaua and «ine genauere , 
Beacbreibung dar kblosaalan Dampffregatte entbaitasidf wekhff I 
l6i4 aut BeacbiltauDg dea Hafena von Newyork erbtiut 
wurde^'iat ah minder intereaiant * ntcbt gadruckt wonkn. 
AH© wissenschaftlich gahildet^ Manner werden es flbrig«ni 
als eine Frucht der alif^emein verbreitetea Guitar dankbaran*] 
crkennen, dafs man endlich aufgehort hat, aus den Gegen*; 
atSnden der Industrie unci des Kt iegswesens in den versciiu-| 
denen Staaten uberali ein Geheimmis zu machen, und viel* 
mebr bemtibt ist, durch Wetteifer und erhohete Anstrengung 
den Nacbbarn den Ran^ abzugewinnen , da obnebin die Er fab* 
rang dargetban bat, dais eine aolcbeGebeimnirskrSmerei nichu 
frucbtetei vlelinebr durcb eine eraeugta eingebildete Sichec 
heit niir scbadete. 

Dee^ericbt der Gommisaarlen ttber das Memoir entbalt 
.liauptaScblicb eine Geacbicbte der Dampfacbifffabrt , deien 
wesentlicber Inball aua dem Werka selbat «ntlebnC ist. Al< 
arater Anfang werden dia Veraucb'e gVnanntf welcbe Du(^u«(; 
aobon aeit 1687 zu Havre ansteUte, um andere mecbaniscb^ 
Mittel ala Segel und Ruder zur Bewegung der Schi£Fe au^e- 
nutzen. Will man indefs diese rnitzalilen , so komoit ma^ 
nocb weit biiber binauf, namentlicli zu den Libuinischei^ 
Kriegsschiffen mit Riidern , vvovoii schon Stewechius 
redet (s. Kleemann in Dingle r polyt. J. XVII. 233.) und not« 
frdber Valturiiis in seineni l472 zu Verona erschienenen t;U< 
de Re Aliiitari, Bl|ibt man indels bei der Darapfscbiffia^'-j 
im eigentlicben 3inne ateben^ so ist a war aogleicb nacb 
£r&naung der Dampfmascbinen oft von einer Anwendung 
a;elben aur Bewegung der Scbi£Fe die Rede geweaen, ge"3<^ 
genotnmen aber darz/Jiur angenomraen werden , dafs Jona< 
tban Hull um 1736 einen Plan bierau ingeboriger Vollstan. 
dtgkeit und Deutlicbkeit angab. Wenn man nun den bohd 
Grad 4*r Vollkommenbeit berttcksicbtigt ^ welfhen dieaeKuoij 
im letstenpecennium ^rbalten bat, so muff man aicb 'wun 
dem^ dafa von jener eraten Angabe an bis auf Fultoo*' 
lungene BemQliungen um 1807 keiner der vielen Versucbe i 
einem gedeihlichen Resultate fCbrte. Dieses ist um so vi< 
auffallender, da nacb einer in der vorliegenden bistoritfchei 
Uebersicbt nicbt entbakenen Angabe Fr a n kl i n * 8 schon i78 
ein Daropiscbiif aufden nordamericaniscben FlOssen fubr, u'' 
der von Dupin nur im AUgemeineo geuannta Mill^^ * 

! 

■ 

Digitized by Google ' 



Marealier lUX ies bateaux k Fapcuc^ 307 

Daliwinton nach eioer neuerdittgt (Edinburgh Fhilos. Journ. 
1825. N. XXV. p. 76») bekannt gewordenen Pslacbii^bt zwei 
Probebdtel erbauele^ welche sefar genOgende Heatiltate gaban. 
Wie wait jetst diese Kunte geditrben aey, tat allgamein b«« 
liannt. Die Baricbteratatter neynen awar^ eln^Aolchitfli Mittal 
dea leicbteren Tranaportea aey for daa altit CoAtinsnt W«mger 
ndtbig f als fiSr daa naue, weil jcmet acbon eine grofae Menge 
andervveitiger Transportmittel und eine sehr allgemein ver- 
breitete Cuittii besitze; alleiii tlieEt Fahrung hat schon gezeigt, 
von welcbein Eiiolge die Dampfschifffabrt auf einigen Seen dea 
alien Continentes ist, und ber den rascbcn I oi ischritten der 
Nachbarn darf kein iVIittel der Industrie vernarhla ssigt wer- 
den, wenn nicbt die Nationen im Gefuble ibrer gelabraten 
ThStigkeit den Auslandein obne Austauscb tributar, dadurcb 
aber mifamatbig und unzufrieden ta\t ibren Verbdltnisfen wer- 
den sollen. oo lange indefs n^mentlich in Beziebung auf 
Deutscbland sein Hauptstrom in Fesseln li^gtf watdenf Handai 
und Jnduatrie mit unUberwindlicben Hinde rnissen zu bKmpfaii 
baben, obne dafa eigentlicber WofaUtand der Frorinsen su 
erwarten ist^ 

Der nicht geacbicbtlicbe ^THeil dea Bericbtea gtebt eine 
far den Raiim unaerer BIfttter lu auaftlbrlicbe Ueberafefat 4es 

Inbalts des gedruckten und ungedriicliten Memoirs ; Rec. ver» 
lafst ihn (1 a her, uiu den Hauptinbalt des Werkea mit weni^ea 
Worten anzugeben, 

Zuerst ij/idet man die oben sclion erwHbnte gescbicbtlicbft 
Uebersicht des Ursprunges und der allmlihJigen Verbesserung 
der Dampfschifffahrt. Aucb bier werden die Bemiihuiigea 
Miller's i»i Dalswinton erwSbnt, obne die (Quelle anzuge- 
ben, woraus die Nachricbt ^escbdpft ist, und man ersiebt 
bierbei deat]icby wie nacbtbeilig es nocb daaU bei gescbtcbu 
licben Tbatsachen ist, die AutorttMta)i zn verachweigen 9 de* 
nan man folgt. Nacb Mareatier, dessen Angaben kiinftig 
als entscbeidend gelt en werden |^ aoU Miliaria Boot ein dop* 
peltea geweaen seyn, mit dem Treibrade zwiscben^beiden^ 
und 1789 eine Reise nacb Scbweden getnacbt baben; Mil- 
ler^a Sobn dagegen erzXbIt in £dinb*7bil« Journ* N«XXVf 
er babe zuerst ein kleines Dopp^lbdot mit einer, aebr kleinen . 
Mascbine erbauet , womit er auf dem See neben Dalswinton 
gefaliien sey, dasselhe aher im Herbst 1738 aus cinauder ge- 
noiiitiien, und die Maschine in seiner Bibliotbek aufbewabrt. 
Dasjenige SchifF aber, welches er im folgenden Jahre erbauen 
liefs , gab geniigende Result ite Jiei einer Probefabrt auf dem 

•^orth-.und Ciydla'Canaie^ aUein es wild ausdiuckllch bin«i^<- 

20* 



3uU Maiesiiei sur les i^auaux k vapour. 



1 



,g^et;9t» dia Maschine sey £ar dap Boot «u scbwer gevraien, 
• um stoli d^iniU in dio 6^6, wagen, sie sey an die Carron 
-.CQitLpagnle.,»urlickgegebeq| tmdMilljar babe keine weit«rea 
%V4i99u<Bb0'aogestelk» Hianul. c;rgi«bt sicb daon ferner^ dafs 
'di^ zu Lf.itb stattgebahten Proben durch CI a c eke und nicbt 
dutcb Miller angeatellt wurden, worf\ber Mar est i er uti« 
gewiis i&t. Uebrigens ist es wahrhiiit Erstaunen erregend, 
^Vr^nn man lieset, was iui eine groise Menge Dampfschiffe and 
von welcher Grolse sogleich uaeh den ernstlich gelungenen 
Versucben vonFiiJton und li i v i n g s t o n , also seit l807» 
'.di^ Kilsten und grolsen Jbiiisse der vereiofgten Staaten befah- 
rejl. Verglcicht man diese mit der gerifigen Anzahl , welche 
•fast obne Vo^tbeiJi fiir die Untemebmer auf den Canalen Eng- 
laodf g«i>i«ucbt wurden, so soUte man fast g1a«|]ben, die Eng* 
Ijind^tr. wftren ^'urcbtaam geweaen , aicb 4^s<^lben anzuver* 
tr^^uei^y. ugi.so mebr,, wetrn nifin aua Fair^ingto.n ersiebti 
daradle in .Nordamecioa to bMufig auf Scbiffen; angewandten 
Maacbinen'aiit bobem Drueke in £ngland aua Besorgnifa yor 
einer mogliclien Gefahi lange Zeit keinen Eingang (inden konn- 
teii, Zum Theil mag dieser Griinci mitgewirkt haben , haupt- 
4|icblicb aber mnfs man beriiaksichtigen , daft es in England 60 
viele aiulerweitige Lequeme Mittel des Transpnrtes gali , die 
in Nordamerica feblten. Uebrigens sagt Maresier S* 43^ 
dale die £laaticitSt des Dampfea mit wenigen Ausnabmen i,75 
Atn^ospbSren. nicbt 4b^t«jg|:f giebt aber S, 54* an , daises 
dort einige Mascbinen mit dem acbt* aucb sebnfacben atmo- 
apb&riscben Drucke jiebt* 

Ini. zw«iten Capil(el giabi Mare stiar die Gestalt. unci 
die Dimensionen einer* groTs^n Menge nordameripaniscbet 
DampfscbtfFe y deren et acht und zwanzig namentlich nennt, 
niit Hinzufugung der eiioi derlicLcn Angaben uber die J3auart 
nnd Einricbtuiig derselben. Es wird indels statt eines docli 
nur mange Ihaften Au.szuges fiir die Leser interessanter seyn, 
im Ailge:neinen die Bei£iiemlicbkeit kenneu zu lernen , vv elcbe 
aut jenen Scbiilen scbon lajOge gefunden wurde, Auf den l*as- 
aagierscixi^en iindet man gescbmackvoll decorirte^grofse Slile, 
weicbe rnndam mit Betten, zwei Etagen liber ainander^ nm* 
gebe^ sind^ und wenn diese nicbt ausreicben, werden dis 
oopba's^ selbst die Tiscbe oder der Fufsboden daati benutzt^ 
alles fiber wird sebr rein gebalten, ^ Der Saal fttr die Damea 
ist im litnteren Kaume des Scbiffes^ keiner der Herren darf 
obne Erlaubnifs bineingeben, und wiederum kommen die 
Damen nicbt in die Sale der Herren, als i^iir g«se]]scbaitlicben 
Unterbaltung, lu der Mitte des Scbi£Fea beiindet aicb die Ma- 



Digitized by Google 



Mar«itlet sur lei 2>atc8|is h vapear, 309 

whiiM.iii eioem MeinttindglicbanHiiuin^, fieben derfalbeii und 
tm Vordertbetle sxnd Domeatikensimnnery Vorrathtkamuivrii « 
die Kflche und ein Comtoir zum Verkaufe von Erfriednxngen, 
Die Ktlcfae aus Eisenhlech ist nur etwa drei par. Fafe nach 
alien Dimensioiit'ii ^ruiii, das F^ucr deiselben umgiebt einen 
Ofen, worin die Speisen in ainericuiiiscLitjn Datnpflvessein j^e- 
koclit wcrden , einfach, oline Assietten und viele ^aucen, den 
Bratspiel's aber treibt die iVIaschme. Das Personale, welches 
zur liedieiiung d^es ScbitFes und der Iremden gebort, betrMgt 
mil £inscblois des Capitains meistena vierzehn Persouen. 

Im dritten Capitel iolgC eine detailltrCe Beschreibung ei. 
niger der hedeutendsteii , namentKch genannten Dampfschifot 
Welches allerdings zu einer genauQjn Kenntnifs derseiben ini- 
hesondere fOr diejeiiigen wicbtig istj inrelche eie selbst bauen 
oder sich fitr den Bau deraelben intevetsiren. Die Besoftiret'* 
bung ist darch Figuven erlttutert. Z)ie Savannah unter aiid«Tn 
war (tr die Tour nach Aufsland besHmmt, und ist auVsh wirk* 
Hch von Liverpool nach Petersburg g^gang^n und von dort 
nacb Savannah in fbnf'zig Tagen zurOckgekommen^ ')>edient 
sicb tndefs nicht stets der Mascbine, sondern «uvr6i)en aucb 
der S eg el. Hier werden aucb S. 77. dtejenigen Transport* 
«chiife bescbrieljen , deren Mascbinerie durcb Tterde getrieben 
wird. Diese bedurfen aus be^reiflichen Griinden in der MiCtO 
einen grufseicn Kaiun fiir die bewegenden Plerde. 

Das vierte Capitel entbiilt eine Bescbreibung der Dampf- 
inascbinen , deren man sich auf den DarapfschiiFen in Nord- 
ameiica voraugsweise bedient. Hieruj^er«zeicbnea sicb die 
durcb Evans gebaueten Expanstonamascbrn^n am meiaten aus^ 
dencnMarestier einen Voraug vor den Woolfe'scben ein- 
rSumt. Ref. hat an einem andern Orte zu zeigen sich bemilht^ 
(lar$ iie Expanaionsmaschinen noch bis jetat obne Zweiiel den 
Vorzug^vor alien anderen verdienen, so lange der ppSaumirto. 
hobe Werth der ferkin s'schen no^ nicbt ausgemacht ist^ 
ohgleich die doppelten Cylinder WVolfe's eine unndthigo 
Etrweiterung sind. Marestier hat (worauf wir ireit-er un- 
ten zurttckkommen werden) das so^enannteExpansionsprincip 
such vorzCiglicb gut erl3iitert, und es gebt daraus der Nui;2ea 
seiner Anwendung sehr einleucbtend bei vor y wie namentlich- 
auch Co in he in einem kurzen , aber gehaUreichen Aufsatzo 
imJoiirn, des Mines 1824. T. IX- S. 144- sehr gut g^Z'-lgt 
I)at. Hier bat IVef. dnrch Marestier niicb zuerst die Ma- 
scbine kennen gelernt, welche Stiles aut einem Sr.bifFe, Lia 
-^inpriae in Baltimore angebracbt hat, duich deren unmitielbac 
lotirende Bewegung die Klider in Bewegung geseUt -w«f den 



■ Digiii^ 



3X0 Mazesiiez sue ies bateaux k ▼apeuc. 

h ' a 

m^L der^n Aawendung far Dampfschiffe yOTAflgUcb geeignet 
•eyn muft, wenn die Mascbinen dieset ArK anders iiberhaupfc 
yortheilbafe aiod. Uebrigens Ut es «ine eigene Erscheinung^ 
dftfs itucli nach. Watt*s Zeiten. und die durcb dieseo grofsen 
Mecbaniker bek^nnt gemacbten leicbten Mi|tel| die gerad* 
linige Bewegung in eine rotirende zu verwandeln, 00 ausneh* 
mend viele Vori>ciilage zu rotii unden Maschinen geraacht sind, 
deren keiner indels Ref. nach seiner indivitluellen Ansicht 
Beif all schenken kann, aufser dem M a s t e nn a n n ' schen Ratle 
und der hier beschriebenen , Lei denen iibiigens obne prak- 
ti^cbe Yer^ucbe zweifelbait bleiben muls, welclier von beidcn 
Mascbinen der Vorzug einsurftuiaen ist. S t i 1 e s ' s Maacbine 
ist i^brigena aehr einfacb construirt. So weit awn aich obne 
Figuven eine Voratellung davon macben kann ^ bestebt die* 
aua zwai in eiiiander liegenden Cylindern von der fiufiC' 
ran Geatalt ainas MClblradea , deren tnnerer etwaa kleiner im 
I>urcbn^easer im grdfseren dampfdicbt acbliefseiiden beweglich 
ist. Die auf der Mufseren FiScbe des mit borizontaler Ax9 
Atebenden Cylinders angebracbten Boliren zuiu Ziileiten und 
' Abfiibren des Datnptes steben obngeiiibr mn einen Quadranten 
aus einander, und so weit ist aucb der Zwiscbenranm zwi- 
ficben der clufseren FiScbe des inneren unu der inneren des 
HuXaeren Cyliaderi dampfdicbt verstopft , der Dampf stromt 
alio durcb den zwiscben den, ttbrigen drei Quadranten ofiFenen 
Raurn^ upd traibt durcb aeine Gewalt den inneren Cylindet 
urn , indem an der Sulseren FlKche. daaselben sicb cine Klappe 
dffnet, welobe danZv^iscbenratim awiscben beideii yerscbiiefit 
und der Bewegung dea Damp|es entgagenstebt* Die Axe det 
inneren Cylinders treibt dann die au Bewegenden Theile der 
IVIaschinen. Die Mascbine gebort im Allgemeinen untef^die 
iiiit hoherii Di ucke, docb ist nicht aiisgeniaclit , ob sie einen 
zebniaclieii oder geringeren atmospbariscben Druck ausflbe. 

Mit einer Bescbreibung der speciellen Einiicbtnng und 
Vertbeilung derMascbinen auf den Scbiifen scbliefst die eigent- 
licbe Abbandlung. £s folgt dann aber jeine sebr scbatzbare 
Zngabef nUmlich mebrere Noten , deren^weaate die Elgentbiioi- 
licbkeiten derjani^en Dampf'8chi£Fa beichreibty welcbe «icb 
durcb aojcbe auszeicbnen, odeiNiuf denen der Verf. selbst ge« 
fabren iat , nebat Bemerkungen Qber die Dampfacbifffabrt int 
Inneren. Die Grdfia der meisten dieser Scbiffe. iat awiscbea 
100 bis 200 Tonnen, das kleinste isUi#ber nur von iS^ 

frdlstti von 400 Tonnen. Sebr interessant ist der Inbalt d«f 
rittenNote^ nUmlicb eine Uebersicbt der engliscben Dampt- 
scbiife^ welcbe von 1807 bis i623 gebaaet sind, i^ebat ibrer 

• ■ 

i 



Digitized by Google 



Grarw und zugefOgten Be««iui.6.ii. ObngeacbMt at* Z^^ 

fiir 1823 nicht^olUtandig i.t, .0 betrSgt .hr. G^-T^-^Jg 
docb 162, und das Jabr 1622 l.eferte allein 24, 
nut awei erbauet wur.len. Die ersten ware* in dat Regd 
ileiner. im Miuel von 30 70 Tonnen, gpSter wntden aM 
Rr6l.er eebauet , im Mittel zwischen 60 bis l50 Tonnen; in. 
def. bait daa kleinata nur drei , daa gt6f.te dageg^" 448 



Di« fitaifta Note kann al. Einleitung zur aechsten dienen , 
iadem eratero die RssuUate der Versuche enthalt, welcbe 1796 
dareh eina GeaeUacbaft filr die Vervollkommnung der Schitts- 
kokunat angestellt und durch Fulton berechnet wurden, 
«n-dan WiSeratand dea Waaaer. gegen *«^«e^%S';f 'f; f " 
finden , letatace aber eina Unterauchung dea Verf. Ubet die 
G.scbvllndiRkeit der Damphchilfo aUReauhat der bewegen- 
den Krait L^dingt durch die Hindernia'ae der Bewe^ung. iJaU 
das Iroblem fiber die Geschwindigkelt der in eioem wider- 
«andlei.tenden Mittel be wegten Kerper an aich achon ■ulaerW 
jchwierLe sev, ist allgemei.i bekannt, noch achwwriger aJ)«t 
wird d^sselbe (larch die schwer zu bestiniraenda.bewegendo 
Kraft der Danipfmaschinen. Der Verf. ist indefa ein gewand- 
ter Geometer, und hat das vorliegende Problem .ebr gut ge- 
teiet, wenn man ihm , wiebUlig, zugesteht, dais die bewe- 
Rtnde Kraft der Dampfmascbine stets g)elch bleibend sey. 
Tre"deold bat kftrzlich die Aufgabe viel einfacher autgehUt, 
iaden «'r bloa daa Verhaltnlf* zwischen der Geschwind.gk^it 
dn Scbaufelrader und dea Schiffea mit Racksicht aut d.e Be. 
wegung'dea Waaaera vergleicbtj allein man muf. gestehen, 
dfe Daratellung Mareatier'a ungleicb t.efer in da» ei- 

gentliche Weaen der Saehe eingreift. ^ 

Wmera wird dem Quadrate der GeaAwmdigkeit proportion^ 
aesetzt, welches auch fBr diedntcfa aalcbe Schiife errejchbaian 

Geschwindigkeiten gewif. zulS.sig ist, Obngena aber ver- 
«attet das Ganze keinen kurzen Au.aug, i8t aber ftr aUe die- 
jenigen sebr wichtig, welche .ich '>««,9?"« -"'X" 
schilfe beschattigen, und manches, ^'••j .J "* 

haltnifs zwischen dem Duichmesser der SchaufelrMer , Ibret 
Geachwindigkeit und des Veibraucbes von Danipt, verOtent 
iehr mit eenauen Beobachtungen vtrglicben z.a werden. 

£a4at oben scbon von der Anwendung des Ir.nc.ps der 
Expanaion die Rede gewesen, wie dieses durch den ausge- 
Michncten Mechaniker Evans benutzt wird. Dieser wendet 
dabei nicbtden doppeJten Cylinder an, wie Woolte, eme 
b TielM>«r Hioaicht unbequeme Ei VM!b*'»«'8 » «ondern der 



• 



312 Mamticx siir les bateaux ^ ▼apenr* ! 

Dampfhahn scbli'efst den Zutritt des Dampfes ab , ehe der Cy- 
linder ganz ei tiillt ist, und lafst den Embolus durch den sich 
weiter expandirenden Dampt dann voilends bis ans Ende ge- ' 
hoben w«rden , auf die nSmliciie Art, wie auch Freuad ia 
Berlin diese Einrichtimg angebracht haty ohne dais ihm vrahr- 
schninlich jene Hesultate bekannt wareli. Christian, Par- 
ttngton'i Stuaritf Aobia6n, Gregory u.A« baben aaf 
vesicbiedene Weise g( zeigt, .wie dieses Frincip mit Vortheil ; 
angemndt werdeo kann , and Ref. ist vollkommen (ibereeugt, ! 
dais dec Nut^effect der Mascbinen bei gleicbein Verbraucbe • 
von Brennmaterial dadurch bedeutend erhdhet wird. Erner , 
grilndlichen Eilauteiun^ dieses Gegenstandes , ohne Wider- 
rede der gelehrtesten , welche ReT. bis jetzt zur Kenntfiifs 
kam 9 ist die siebeute Note gewidmet. Der Verf. geht hiei- 
bei von dem darch verschiedene Gelebrte , namentlicb zuletzt 
durch Christian auf^gestellten Grundsatze aus, da^ die £la- 
sticitSt des Dampfes sicb verdoppelt, wenn die Temperatur 
desseibeti um eine gleiche Quantitat Grade der WSrme erhdhet 
wirdf woraas {i\r die Elasticit^it desselben die allgemeind For* 
ni«l in frans4s« Mefern entsteht c 

I 

Wird dann ancenommen, dafs 20** C. Warme die Elasticitit 
des Damjjfes verdoppehj, wie Christian (in Mecan. indu- 
strielle) aus seinen Versuchen folgert, so ergiebt der Calcul 
des Verf. , dafs iQr eine Expansionsmaschine von zehntachera 
atmosphtiriscbem Drucke der NutzeiFect durch Expansion im 
Verhaltnifs von 1; 2,973 erhOhet wird. Waren nur 10 ^'C. 
zur Verdoppelung der Elasticitiit erforderlicb , so wtlrde dieses 
JVerbftUnifs s i:3tl25 stefgen, bei 40 ^C. aber nur : 2,#1 
seyn* £s ist indefs bekannt 9 dafs das genanftte Qesm tiber« 
haupt unzulfissig » und kaum fflr die Temperaturen nabe bei'm 
Siedepuncte gOTtig ist, .o»gleich noch verschiedene Gelehrie 
demselben anhMngen ; weil aber die Elasticitat des Dampfes 
hei zunehmenden i'eiiiperaturen anfangs wenigstens in einem 
hoheren Verbaltnisse, als deai angegebenen steigt, so iolgt 
aus del Berechnunr^ das Verf., dafs insbesondere Bei den Ma- 
scbinen niit sehr hobem Drucke der durch Benutzung der Ex« 
pansion des Damptes su erba]tende Vortheil noch hdher steigt, 
a]s im Verhaltnils von }: 29973) wie bei der Voraiissetzuog 
einer Vermehrung der ElasticitSt des IlMDpfes um das Dop* 
pelte durch eine Vermehrung der- Temperatur um 20^ C, foi* 
gen wOrde. Bei ether umfussenden Wdrdigung dieses Gegeu- 



Digitized by Google 



standes kommC indeis hauptsMchlich die Berdcksicbtigung der« 
jeiiigen Temperaturverminderung in Betrachtung , welcbe der 
DatBpf nach den tiber das Verbalten der cxpansilielen Sto£Fe 
bekanuten Gesetzen durcb seine £xpansioti notbw«ndig erUi* 
den oiufs, und diesea f'uhrt dann weiter za der wicbtigett 
Frage, ob die Summe der latenten iind tertsibeleti Wilrme de$ 
Damp^'es von jeder EJMticitat eine con^tante Grdite '4*yi ^i* 
der Verf. S. 222. annfcoit , obne die Grflnde bierftir wenter - 
ansugeben, welcbe er verniutblich alt bekannt vbrauisetst* 
Kei; bat dieaen Gegenstand an einem andern Orte ai^iblMdiich 
erdrtert, und findeC «a nicbt zweckmSfsIg , bier fiber dieaea 
Gesetz und seine vielfacben Anwendungen auf eine Menge 
NatureiaCiidinungen weitliJuftiger zu handeln. 

Die achte iNute ist einer naheren Untersitchung des Ef- 
fectes der durrli Stiles construirten I\otati(3iJsinaschine ge- 
widmet, und die neunte ciner PiOfung der v 1 1 scliir rleneii Mit- 
telj wodurch man in Nordamerica die Kuder zu ersetzen vei> 
sucbt hat, obgleich dieselhen den Beifali des Verf. iiicht er- 
halten baben^ und er bauptaHchlicb nar beabaicbtigt , aie 
bekaonter su macfaen^ um neaq Ideen anzitregen und' von 
Veraucben deajtnigen abzuhalten^ was unl^ngst als unbraucb* 
barerprobt ist. £a folgt dann noch ein scbHtzbarer Anbang^ 
dessen Betirtheilung aber weniger tm Bereicbe ^^r Kenntnts»« 
dea Rtef. Iieg€, und deaaen Inbalt^daber nnr kurs angeseigt 
werden kann. Deraelbe bandelt n&mlicb von den' Gdletten 
der Nordamericaner, i|iren Maadiinen sum AufrSuoien der 
HafenplStze , denjenigen, welcbe cur Verfertigung der Fla« 
8cheiizu*^e und Pumpen dienen, und solcben, welcbe fflr die 
"Scliiiiieden in den Arseniilen und die Fabrication der Taae 
und Nagel und anderer zum Seewesen gehorigen Gegeiistaiide 
bti&timnit sind , mit steter Kucksicbt. aui: die Metiioden, deren 
man sich in England hedient. * , 

Die Steindrtlcke , welche zur EriSuterung der abgehan- 
ddten GegenstUnde des reicbhaltigen Werkes dienen, sind 
in elnem grofsen Maafsstabe verfertigt, zwar niobt pracbu 
vol!.} aber aebr dautlicb und ioatructiv. 

M m n 9 k ^ 



4^ 



Digitized by Google 



Sl4 Aouaae m WidiM Sooti;^ 

Romanc von Walter Scott. 

r 9 

Fortspt%ung. (Vargl. Jahrg. 1625. Hft. IX.) 

Quentin Durward, Au$ .dmn Engluehsn des Sir Walter 
Scoii» ' VoUsiMndig UhBrtraggn und mit jiniMrhmgen hegUiut 
Ml Bm J* P. H«/tfm« L0ipzigf M JA» FnBdrich Ghditidt^ 
l«ft4. 6 Thh^ tS^9 856 mnd 264 2 Thir, 18 Gr. 

l4« i^flx Kloster. Krn -Roman nac^ Jem Englischen des alter 
Scott xwn K. L. Me thus. M tiller, Berlin j b^i Danker und 
^ Humblou 1821. S Thla, Fill. 287 , 280 «. 811^* SThlr.dGr. 

i5« D^T^Aht* lEm romandtchef GenUUds von Psalter Seott^ 
Vfh9rS9tztwm W» A.hindav% 'L§ips,ig^ Rein^seh^ Buehhandi* 
lung. 1821. 5 J%h. Jl. 506 f 814 mnd 884 S. 3 Tblr. 16 Gr* 

16* Der Astrolo g. Bin romantisches Gemalde von TV alter 
Scott, Uebersetzt von IV ^ A, Lindaw Leipzig, Rein*sche 
BnehhrnmUung, 1822. Zwnu fmrh^sssHo jiujlago. ^ Tbh. Fill 
27B, 056 and 264 S. 2 Thir. 

17» Erzdhlungen v o ?i den K r e u zfahr e r n, Erste Erzdhluno, 
Die Verlohten, j!us dem Englischen des TV alt e r- S cott 
Ubersetzt von S op hie JVXay, heipzigf b§iFm L* Herbig, 4825t 
2 Thle. 822 • und XXIF und 350 5. * 2 Tblr, 8 Gr* 

l8» Ermdhlungon v.on don Kromzfahrorn* Zwoito £rsadk- 
lung* Hioht^rd I»i^ioonhor% in PalMstinm^ Am demEng" 
Utohon dos, Walt0T Septt von C« F» Miohaolis^ Leipzig , 
M F, £.« Hvrhlg. 1626. 2 7A/«* 2 Thlr. 16 Gr. 

xm. 

Hier 6telien wir nun vor einem groJjan Gemftldet uDtar 

dem wir den Spruch gesdirieben lesen: 

JVIein Vaterland ist Krleg ; 
Der Harnisch ist inein Haus: 
Mein Wahlsprucb ist: Heraus 
, Zixm Kampf! — « Tod oder Siegl 

Und KampFeslust und WaffengerSuach bdren wir durcb das 
Ganze ertdnen , so wte es e'ln jogendlicher Krt^ger ist, 

welcben wir in dera Mittelpunkte dtr Versciilingung er- 
])]icken9 w ie er von dieser wechselvveise ergriffen und fort- 
gezogen wird, und dann mit mSchtiger Hand in dieselbe ein- 
greiit .und 8ie hemtnt oder flOgelt. Der jungo JUriegesheid ist 



Digitized by Google 



Rouuoe V0& Waiter Soott* 3S5 

mit den drei Hatiptparthieiiy in welcben tieh dat groCi6 fiild 

entfaltet, in Verlnlndung gebracht , indem er znerst an dam 

Hofo des Kdntget ertcbeint^ danii die scfaweif«nd«n Daman 

nachdem Sitsa dat fdratltdian Biscbofat leitatf von da telbat 

Sudani Hersoge gebracbc wird und in Lftttich sulatst aainaa 

Sdhicksals glflcklieha Entscbeidung Hndet. 

Sogleich in dais Eingan^e verkQndat der wandarirda 

Knappe mit dam SammetsSckchen seinie mMnnlicbe Kraft in 

^ der Gewalt, womit er sicli durch die Wellen des reissenden 

Baches eine Babn bricht , itnd c rreot damit die Aufmerksanikeic 

o 

dp« Einen der beiden Un 1j( kannten , die, obne ibm HiiUe zu 
ieisten, sein Wcigiii Is ans* Lien. Dieser Ma i t r e P i e r r e , der 
reiche Seidenhiiudier, dun t^r selbst sirb nls OueiitinDur- 
vvard darsteJlt , als den nachgeborenen Sobn nines ait-Schot- , 
tiicben Hauses von G Le n -Ho ulakin, aut dem Mil cken« 
tbale, lllbrc darauf die Reisenden nach dem Gasthoifa sar 
LUie, wo dar Geheioinlfsvolle sich von der acbdnen Jacqua- 
line bedienen iSfst, die logleicb mit ihref artten Erscheinnng 
ubd dann aU Sftngerin und Lautanspielerin aus dem Tbnrma 
den jungea Knappen gefangen nimmt. Aui dam naban kdnig- 
lichen Schlosse Flaaaia les Tours kommt sein Obaim^ 
Ludwig Liaslia y der Benarbta^ su ihm naeb dem Dorfa 
herans , und der Bo^enscbtttaa der Scbottiacban Iiaibgarda ar- 
zShlt ibm daS'Gescbiek seiner Familie. Als er darauf sicb yar*' 
kittn liiist, den nocb Zeicben des Lebcns verrathenden Zi« 
geuner von dem Baume , an welcben dieser angekniipft ist, 
lossusclineiden , geiiitb er in die i£ande des kciniglicbert Ge- 
ne ral - P r o fo fs e s , Tristan d*Herinite, dessen beide 
Gehiilfen Trois Ec h ell es und Petit- A n d re, oder Jean, 
trui-pleure und Jean-qui-rit| ihra scbon den Strick urn 
den Hals lagen. Nur die Erscheinung der Bogenscbiltsen und 
seine eigene Aufnabme unter dieselben rettet ihn. Er wird 
VOQ ibnen nacb dem Scblosse gebracht und da durch den grai- 
sen Herzog von Crawford, den Fabrer der Schotten, 
ieinem Ohaima als Paga beigt geban^ Es verlautat dia Nacb« 
ricbt von der Ankunft ainas Burgbndiscban Gesandten und 
voa der fldcbtig gewordenan scbflnen und retcban Erbin Isa- 
ballavonCroye, die, den Verfolgungen eines vatbafsten 
LiebbaberSy des GflnstHnges des seine landeeberrlicba Gewalt 
Wifsbraucben den Herzogs , zu entgehen , sich in den Scbtita 
des Kciniges begeben, und in welcher der jmige Bogenscbiitze 
alsLaid die Scbone des Tbilrmcbens vermuthet. 

An dem andcrn Mori;er. erbiilt er mit seinem Obeime die 
Wache in dem Audiea^jiaiile des iiuoiges , und bior sebeu wir • 



Digitized by Google 



316 EoBOMie.Taii Waltet SoatL 

nun die Person«|i ^as I{o&8 vor .ibm ersebejliifiii: . dta kdnigf- 
liebeQ Tdch l^er , .d«|i^ rittevlicben G r a,f e>i 7 cf n D u n o i t| 
Ludvirigy deo Hersog von O rTean^, . c{en CardinaitFo*.. 
haap v.pii, Bal.u«^ den damale iegQnsti»tea Miiustexi und 
OJivier Dain^ der Teufe) oder der Bdse genaant, der* 
aU BartkClnsUer und Kammerdiener des Kdnigs Gunst theihe. 
Zul^tet inafaet der Monarch aelhst , in dem D u 1 a i d zu sei- 
neoi Erstaunen den Seidenhandler erkeiiiit, Es folfi^t die 
grolse Scene des \ oitiities des Bur^iindischen Gesaiidtc^^, des 
Graien Philip p Crevecoeur vun Coreles, wie dieser 
seines Ht irn iilagen l»esOnders auch in Hinsicht der fliicliU^en 
Damea von Croye vorliringt und den Ilandscliuh hiuwirtt; 
ddiauf der lusti^e Vorgang auf der Jagd , wodurch der Cardi- 
nal voii deal Konige tief verletzt und zu feindlicher Untreue 
verleitet wird ; zuJetzt der Vorfali mjt dem Eber* durch des- 
aen Erlegung Durward dem Konige das Leben rett||^ Durcb 
alles dieses steigt er scbnell in der Gunst des Farsten. Er er« 
h&lc die gebeime Wacbe in der HoJanda « Halle 9 und den ver- 
Borgenen Stand, wHbrend des Mablea Ludwigs mtt dem.Cardi* 
nale mid dem Burgupdiacben Grafeo^ init dem gebeimen Lo* 
Slangs w|rte: £coa.e,en. avan t • ehen so den Auf crag, die 
beiden Damen Isabella und deren Tante Hameline von 
Groye zu dem Biscbofe von LlUtich zu leiten, wobei des 
Kdnigi) t i^entliche Absicht ist , die reiclie Ei Liii von Croye 
in die Hande VV i 1 h e 1 m s von der Mark, eines durch 
Kuchlosigkeit und wilde Tapferkeit ausgezeichneten Hiinpt- 
linges und Raubers in den Ardennen, zulielem, und liier- 
durcb in diesem einen Bundesgenossen zu gewinnen, Zuvor 
hat der Konig sich das Horoskop des JCUiglinges stellen Jassen, 
den er init sicb gleicber Constellation unCerworfen und sicb 
von seinem Scbutzpatronei dem heiligen Julian, apgesandt 
erachtet. Nun lafst er aucb seinen Astrologen (flleotti 
Martivalle die Cbiromantie auf ibn anwenden , und der 
Seber verkfihdet und besUtigt: der Abgesandte seye 
tapfer, glilcklicb und denen mit wabrer Treue 
ergeben , von welcben er . Wobltfaaten empfan- 
gen« IHe Mitternachtstunde des 4"A>'uches beseicbnet er 
als dem Anfang einer geffibrlichen Keise, von 
Ge waltsamkeit und Gefangen schaf t fiir den Ab- 
gesandten, aber eines e r vv ii n s c li t e n u a d gluck» 
licbenErfolgesfiirdenAhsender. 

Hiern)it ist denn aucb die lleihe der nun folgenden 
eignisse angedeutet. Der Schouisclie Bugen^chiltze entlerligt 

sicb mit Jiiugbeit und Xa||;efkeil; seines Auiciages* Indem *tf 



Digitized by Google 



fiomaM von Walter Sflol^ 3 17 

•einan gewanclten Filhrer^ den Zigeunei^ Hftyraddin Mti* 
grabih, d^h. den AfricailUcfadn MduireO', tllierliatet ttdd ge« 
gen den fiefebl dea iLdniga den Weg za der Aechten der Maas 
eia«cli]agt , entgehf: er dem Binterbalte dea wtlden £bera in 
den Ardennen^ und brinjgt a^ine Scbtrtdinge gidckltch su dem 
/Brscbofe Von Lfltti'cb/ llier ist er eben so Zeuge von den 
gebeidien Machinationen des Koni^s, als cler Be»t(1rmun^'dea 
biscboniclieii SchluAaes duicli <\en wilcien Eh^r, A u s Irrthum 
rettet er erst die sicb ihra in Llebe bingebende (ji afm J lame- 
line, deren Kanimerfrau M a r t h o n ^ich aJs Zif^ftunei in ent- 
liiillt, dann durch seine Ki'iluiheit und Geistes^ pnrenvvart die 
• voii iinu geliehte Isabella^ »q wie den ki\r den Koni:^ ge- 
wor.neiien Syndicu's Fa v ill oil und ])eaonders dessen Tochter 
I\Ia rgare t ba , die beiden jungen Waiiderern auf ihrer Fiucht 
beluililich ist. Oenocb wllreii sie d^h'iBcbvKatsen Keitern Wil- 
helm's ni^t entgange'n , tySre nicbt zu recbter Zeit der Graf 
vou Crevecdeur* eracbientn und hStte die flfichtigen Damen in 
•eine Hutb genommisn; 

So pel aiigen aie nach der featen Stadt Feronnef wo 
jetzt Carl von Burgund weilt.' 'Eben befindet a2cfa der 
nig von Frankreicb bei ibm, vielleicbt sum Tbeil 
. ^urcb seineri Glauben an die Verkiindlgurigen Seines' A»tro» 
lo^eu , ziirn Tlieil durcli das Bewufstsey ii seiner geiiligen Ue- 
b«;rlegenheit i'kUtr den Ilerzog bewogen , S'^ine Person dem 
guten GJauiien eines stolzen und erbltterten Feindes Pre is ziL 
geben. Seine ganze Liage wild liuchst geiahilich durcb die 
iSachrlcbt, welclie der Graf von Crevecoeur von den Vorgiin- 
gen in LiUtich bringt. In bocbster Wutb l31st der Burgun- 
oiscbe FOrat seinen kdniglicben Oast in dem Hubei*tstbiirme 
^^iiiscbliefaen. Aber aucb unter diesen Umstitnden bebanptet 
Ludvvig aeine Beaonnenbeit und kdnlgUcbe WOrde. Den 
Astrologen rettet nur aeine Geistesgegenwart und Scharfaicb* 
ti^keit in Bestimmung dea in vier und' eviranztg Scunden -auf 
Minen elgenen erfolgenden Todea dea Kdnigs vor der Aacbe 
^99 hoben Gefangenen » der die HStbe d^a' Herzogs ftUr sich 
gewinnen weifa, und. in aein^ Flanen durch die Treue 
Quentin Durwards und dessen EinveratHndnifa ^it' der 
GrSfin Isabella unterstiitzt wird ; und vollends versSbnen sicb 
die btriden P iirsttn in der roben Lust der Bestraiung des tril-* 
gerischen Wa])p'*nli^roldes Wilbelms von der Mark, den sie 
wie ein Thier durch Ilunde betzen lassnn. Es ist dies Hay- 
raddln, der Zigeuner, der, 7>ii df m Tode verurtheilt, be- 
vor der Strick seineni Leben em Ende niacht , dem jungen 
Scbotien die Plane Wilhelma verratb« und von deaaen j^eraon- 



Digitized by Google 



I 



9^8 IlQ9iaDfs Ton W^l^^T Sci^tt* 

licber WafFenriiitftng erhSit der Begdnstigte darch den Btie£ 
Hamelineiis an ihre A'ichte Nachricht. So kann er, als nun 
dev vereinta Zug JLudwig* und Carls gegeii die aufriibreri* 
. sqifep LfUtticher unternomQen wird , sich das neue Verdlenst 
erwerben , dafi er TOrau* von dem nSichtllchen Ueberfalle . 
Nachricht gibt; mad nur er erketint in dem Tre£Bsn denwiU 
Aen£ber, deafen Kopf als der Freis iiestinm^t Ut | gtfgen 
den eein Sieger mtt der reieben £rbtn von Croye vermSblt 
werden sol). Sthon er dieeem TriumpHe ;&ahe i els er sick 
, durch die Aettun^ Gretcbens aeine Ho£rniinjg entriasea aieht, 
. Liealief aein Obeim^ vollendet' den Kempt und bringt d«n ] 
Kopf des Ebera, GlUck durch Heiratb ist aeiner FamUie ge* 
V^eissagt ; er hestimmt giolsmiUhig seinem NefFen das gewon* 
neneGut| und so st^hen wii zuletzc den V erstaad, die Festig- 
. keit und Tapferkeit mit dem Btshze des Heicbchums , iit» 
...Hanges und der Schiinheit gelohnt. — • | 
Scbon aiis dieser Uehersicht erfjibt sich, wie arm dieser 
Koman an eigentiicben Tliathandlungen und geschichtlichen i 
YorgSngen isc, und vrje die, ein^eloen Theile dessUben min« I 
^ dec durch £ine Idee, zu einem organiscben Ganzen vereint, ' 
als alle diese Darstellungen und Scenereien' durch elne Ketts 
zufSLlliger £reignisse< unter einander verbunden aind. Ja die 
^ fittpbtigen Wandelsterne der Dainen von Qroye^ so wie der 
. «|e {eitende acbweifende Kilter acheinen tiur von dem Dicbter 
. erfunden, um mit ibrer Wanderung una drei grofae geacbicht- I 
. licbe.Bilder vor den filick zu atellan* Denn biatorjacbe Schil* , 
derung ist bier die Hauptaacbe^ und zwar nicht, Wie inan« ; 
dern 6tficken, daa AusscboiQcken einer der' bandelnden Par* 
soiien mit antiquai ischen Raritiiten und alten Sagen — and 
ein Geist odei cin Gespenst eiscLcijit hier nicht , obglticli 
wenigstens das Gemach in dem Hubertsthunne , in dew Cirl 
der Einfaltige seinen Tofl geJtunden, schauerlich verschlossen 
bleiht, — sondern, wie m Ivanhoe , das Ilerauffuhren elner 
meikwdrdigen vergangenen Zeit und einiger grolsartit^'^ii 
Charaktere aus derselben , in deren Daratellung die Kunst des ' 
Dichters sich in ibrem v«ollsten Glanze zu zeigen G^eiegenbeit ; 
findet^ Und so verkiindet er uns den^ in einer geistreicb an* 
mutbigen Vorred^f wie er zu derfiekanntscbaFt des JVIarC[uU ; 
von Hautlieu^. und in dem aebteckigen Tburme aui: dam. 
Schlosae Hautlieu zo der Kenntnifa der^^von ibm geachilderun 
Zeit and den Qaellen aeiner geacblcbtlicben Erzfiblung gelaog^* 
Nacb dem Spru^he aua Hamlet : 

Seht dort auf Jlhea Cqpterfei und dies ; 
£a aind die treuen Bilder zweier firilder ; 



TDigitized by Google 



fverden uns zunacbst die beiden Filraten : Kdnig Lud» 
wig XI, yon Frankreich, und Carl der Kiihne, 
Heizog von Burgund, iu einer lebendigen und au&fulir- 
lichen Charakterschildei ung vor Augen geatellt, und die Zeit, 
in welcher wir sie auitreten seben , als das Jahr be- 
stimmt, da ihre Fehden am beitigsten entbrannt waren, ob« 
gleich da dials geradtf ein trfigerifcb^r Wa£snaulUtand ^wiA^hen 
iieiden statt fand. 

Johanft voQ MaiUr sagt vom i^nm mtetn Fiirsten ia 
seinen vier und swanzig Bdcllero 4Ug«miner Geacbicbten : 
»Di6 Macbt der Gro£ian ichUn ihin die grdfata Hii^derqjrt 
^der Einbeit in d«r Varwalung, welcha eiiMm Staat Kraft 
a»and Bebendigkett in Unternebqaungen gibt. Er .war init 
ttthrar Ernittdrigung so Jann baa chllfugt » dafa keine Leiden* 
nsehaft ihir an Bciblgung dieses Gedankena .atdrte. — . . Er 
>3»chien dem Laut dei ijet^ebenbeiten zu folgen, indefs er ikn 
sjieUete. Seine Feinde waren ebVn so aiacbtig, uiid reicber^ 
«als erj also setzte er ibnen nicbt Gewalt , sondcrn List eut« 
33gegen, worin er itineii iibeilegtiii seyn koniite, Nipbt 
wntrr vciJtritete er sie zu ibretn Ruin, er gab seiner Verwal- 
wtung eiii Anseben von Orduung und Gerecbtigkeit (in Pri- 
»vatsacben), welcbe die ibrige uicbt batte. In der Einialt 
a»ieine8 Liebens und in der Verattfllungskunst war er deni Au- 
wgcistua abnlicb, und, wie ei, aller V<;rbrecbeii £abi^, die 
asainen Absicbten dienlicb aeyn kojiaten; wie er, im Cabinet 
n^rdfaer, als im Heer: denn Augustus und Ludwig« mitten 
»in den Pianen ibrer Uerracbtucbc ^ batten eine Fuicbtsam* 
»keit, vrekbe eine Uraacfae der grolsen Yorsieht ihrer Maafs- 
»rege]n, aber aucb oft fflr tie eiiie Fein war» wodurcb ibre 
a>Feinde an ibnen gerocben warden, « — Von Carl dem 
Kttbnen wird dagegen gesagt: ^Dieser Fttratf ao berrsch* 
wbegierig als dei Kunig, batte wiJdere Leidenscbaften , abet 
33ZU einer boben und edlen Denkungsart grofstre Anlagen; 
lasein Stolz versclimabete den Gebraucb der List; sein iebiial- 
^tes Gttiiijl liels ibm keine Macbt uber sicb selbst." 

Ganz in diesern bistorischen Gbarakter seben wiv sie 
denn aucb auftreten. Zuerst werden wir nacb dem iestca 
kdniglicbenr Scblosse Flessis les Tours versetzt, das luit 
•einen dem Nabenden verborgene Gefabr d^obenden Umge- 
bungen gttschildert wird. Aucb schon unter der bescbeidenen 
HaUe des Msritre Pierre verkandet; sicb der Konig in sei- 
ner ^ganzen FeradnHcbkeity wie er» seine Plane festbaltend , 
den ftufserlicben Prunk veracbniKbet; geweltsam und scblau 
kein Oeuta | keia A^cht eines uidecn acbtet, dae ibm in dem 



Digitized by Google 



320 



Romane Toa Walter Seott* 



W^ge stebty alle nuc^ bebt iiAd hXlt odcr •i»luiu IdXit imd zer- 
' iiichtet, je nachdem' er sie «u gebraucb^n'gedenkt , oder* 

s6bOn Ybn ihnen Gebrauch gemacbt bal, £r erscbeint eben so 
' in 'Seiner robe n Lnstigkeit urid Jagdltebbaberei, aU in tainer 

grMfalicben Fraude ati Mord and'filttt ; aUdec, welcber karg 
' ftffUtid reracbwenderiaeh'9 w^nn as aayn mufai >der, urn die 

Orofseti zn'denitttbigen , aua^dan niadern Stftnden aaine Werk< 

zeuge und Gdnstlinge erhebt , und zugleicb in aeinem iinste* 
' ren Aber^lauLcn und seiner Furchtsaiiikeit , damit in seiner 
, Abh^ingigkeit von aeinem Astiolo^en, in seinein Heiligen- 

dieriste , und aller der BescbrSnkung , Furcbt und (^ual, die 

eih sdldber in sicb aelbst zerrissener Charakter sicb bereitet. 

Und fio seben wir ubli ala eina gcaQenyoll tOckiscbe Macht, 
.die, w^o aie vdr den Menscben erscbeint, alle. Wiirde und 

ilberlegene Persdnlicbkeit des Herrscbertbuins aaigt, in dflr 
* Mitte aeiRer'tebauerlicban Umgabungeii walteii. 

' Dedi'^dunkeln Bilda dea iierracbera antaprecfaan aeina ab« 
'acbeulichen Dknerx' aeift Vaatrauter | >Barbiar und JCamaneN 
' diener 9 deir stii] scbl^bande Olivier Dain, d easen Katsan* 
natur mit grol'ser Kunst gezeicbnet wird ; und der andere 
Rathgeljei, der aufl der Tiefe einporgehobene, tlbermiUbige 

Cardinal Joliann von Balue, der spSterMn dem scbreck- 
' lichen liOcbes in einem der Kailclie eingeschlossen wird , die 

er selbst soil erfunden baben* Dieser scblieist sicb als die 
dritte wicbtigste Person dea kdniglicben Hausbaltes der Ge- 
jieralproiofs und Oberbenker Tristan d'He rmi te an ^ mit 
aeinen, beiden Henkersknecbten , walcbe. nacb ibrem Naturall 
iind der Weiae, wie sia ibre Opfer stt:dam Tode zu fdrdaro 
'pfleg^en, der eine «la Has«ol 1 1 ^ der •andera' ali,D.amo«cit 
hemtbnet warden. • . . , . 

In scb^ner MSIinlicbkait atebt ^ obvrobl in gleicber Al)* 
banfiifikeit dieser fast thieriscben Wesen Galeotti Marti- 
vall e, der Astrolog des Kcinigs, gegeniiber , der sicb seintji 
gebeimen Kunst niir bedient , damit anmutbig reicbe Lebens- 
geniisse zu gewinnen. Den edleren Tbeil der kunigiichen 
Umgelmng bilden dann die Tucbter von Frankreicb , der ritter- 
licbe (^raf von Dunots, der berObmUste Kilmpfer seiner 
Z^itf und der weicbere Lud wig, Herzog YO.n OrleaASf 
deneii sicb der greiie Filbrer der Boganscbijltzen der kdnig* 
lichen Leibgarde^ der Herzug von Gjcawfard, beigeaaUt» 
w<^kbar die VrQrdige Haltung einaa alteri Kriegeiy iiebauptet* 

iDie Fortsetzung /olgt,^ 



Digitized by Googk 



2L 1826. 

HeidelJ>e'rger 

Jahrbiicher der Literatur. 



Romane von Walter Scott . 

Eine ganz untergeordneto llolle spielen die Garden Selbst, 
unter denen nur-, als ein freies, mit reichem Humor ausgestat- 
tetesGebilde der ErEndung dea Dicbters^ Ludwig Leslie, 
ieBala£r^9 Krieger mit der Schmarre, hervork-ngt , so 
vvle selbat die Zigeuner einige Male die DienAte Von iibtettf 
•Ffibreriif Spionen Aid geh^imen Untet bandlem iiberne!)m6tl 
mflMeiii deren Leben utid Fbiloaopbie iuHayrAddin Mu* 
grab in reprftaentirt wird. 

Alie diese veracbiedeliartigen jPeraonan uhd Cbataktere 
Aind in gar berrlicber Wahrbeit und Ijebendtgkeit gescbildeirt« 
wie fie alle den Kdnig fUrcbten, alle von Ibm abliilngeh', Und 
docbzugleicb auf ibn einwirkeri^ und der Schrecklidb^ rint ala 
cin Knecbt seiner eigenen Leidenschat't, seiner Fnrcht und 
seines Aberglaui^t iis iiUev ihnen vvaitct. Dahei muU dtr von 
rft^m Astrologen ausgespi ocbeiie und von ibm selhst nicht ge- 
glaubte Spruch zur leitenden Stimme des Schicksals dienen, 
^iie, o])gleicli in andeini Sinne, nls sie gespr ocbt;il worden , 
iii Erfullung g(?ht. Unter den besoiiders anspi eCbenden Sceneti 
weisen wir aber auf die folgeiiden bin: wie Quentin Dar- 
Ward zuerst in dem Audienzsaale Wacbe bUlc und ibm die aal:'- 
tretenden tersonen bezeicbnet wecden, wIe dann der Bur* 
gunrliscbe Graf seine Sendung vorbringty Wie der Schotte die 
g«^beime Huth bei dem Mabie bUlt^ und hesonders die kost* 
licbe Scene, wie Galeotti in d^m Habertstbilnne duixb die 
Bet onnenbeit 9 mit der er ^einen eigeneii Tod mit dem liud- 
wigs in Verbindunff bringty defn Kdnige das dreimal wieder- 
bohe: 9»Gehe in Frleden!^ abndtbigt, der nun um^ aeino 
eigene Erbaltun^ eben so besolrgt ist, als er racbsficbtig d'en 
Tod dea triigeria'cben Seb^ra Verlangt battel und liesbnders 
nocb die 'acblaue Kanst des kdiliglicbett Gefangenen, mit der « 
€f seinem stolzen und beftig ge^^en ibn g^:rei7.tea I'einde alle 

XIX.Jabrg. ^Ufttk. U 



Digitized by Google 



322 



Romane von Walter ScoiU 



K3tbe alwendig su macben ^ ihm erst die HSncle z\i fesseln 
und dann sich aeJbst denselben zu entwinden weifs. 

Die mittlere oder Uehergangsparfhie bilden die Scenen 
in Lflttichy wo wieder die Kunst unseres Dicbters in der 
Scbilderung jener scbrecklicben ^^acbt der Erstiirmung des 
Scblosses und der Ermordung des Biscbofs Ludwig von 
Bourbon durcb den gr^fslicben Wilbelm von der Mark 
hell leucbtet. 

Von bier werden wir nacb der festen Stadt Peronne und 
an den glSnzenden Hofbalt des Herzogs von Burgund 
versetzty der in seiner nacb aufsen stilrmiscben Leidenscbaft- 
licbkeit und fiirstlicben Pracbtliebe, so wie in seiner raann- 
licben Kraft und gerade binstrebenden OflFenheit und Verach- 
tung der List das wabre Gegenbild zu Ludwig darstellt; so 
wie er sicb in diesem Gegensatze sogleicb in seinem Ge«and* 
ten und Feldberrn , dem Grafen Pbilipp Crevecoeur 
vonCordes, verkilndet, und wie ganz anders erscheinen 
seine beiden RStbe Argenton und J^ymbercourt, als 
Xiudwigs niedrige Vertraute. 

Alle drei Tartheien : Ludwig^ Carl und LCttich 
mlt Wilbelm von der Mark, werden zuletzt mit dein 
Scbweife ihres Gefolges nacb Einem Funkte zusamengefuhrt, 
und in ibrem Zusammentreffen , in dem nScbtlicben AusWle 
und der Eroberung der genannten Stadt, tindet das Ganze 
seine Losung in dem glticklicben Erfolge des jungen Schotteo 
QuentinDurward. \. 

. Und nun zuletzt nocb einen Blick auf diesen Helden del 
Stiickes, den aus Glen-Houlakin oder dem Miickentbale Ent 
sprossenen , zu werfen , so findet nun wieder des Dichteri 
Vorliebe fiir alt- Schottiscbes Leben und Sagen vollen Spiel' 
raum in der Scbilderung dieses seines Lieblings, und aninii' 
tbig und oft etwas wunderlicb scbweift dieser, als ein wahrei 
Kind der Pbantasie^ die Damen von Croye leitend, zwischen 
den mebr starren Bildern der Gescbicbte bin, Dabei zeigt et 
mebr Thatigkeit und eigene KraftSufserung , als die begun 
stigten Helden vieler andern Stdcke des Dicbters, obgleicll 
auch cr der tiberall Begtinstigte ist; und besonders gewinn^ *' 
uns in der Mitte wahrhaft infernaler Gestalten durch seinl 
reine Natur • seinen ritterlicben Sinn und eine tlber seine Ju- 
gend binausreicbende Klugbeit. Gem seben wir daber seiflS 
Treue und Tttcbtigkeit durcb den Besitz der reicben Erbm 
von Croye gelobnt, obgleicb freilicb Isabella aufser ibr*^ 
Scbonbeit kaum mit etwas anderem Aufmerksamkeit odef 
Tbeihiabme erregt, und mebr nur durcb den Gegeniata 




voa Walter Seoit* 



Bei diem diesem «eigt d«r Engllsdie Dichter atida bitr 
fiichta weniger, alt wie wit dieaet beueinigen nnMrar 

deutschen Scbrif'tsteller ^tideti eiti Befttreben , jene ritter- 
Hebe Zeit su versciiunern oder aus^uschmflcken , die er uns 
vielmehr in aller iluer Wirklichkeit j in ihrer achauerlichea 
Aobbeity so wie in den grofsartigen Zilgen acbildertj welchb 
lie darbietet ; und wir glaubten zuerst, dieset Roman werde 
an Ivanhoe bioanreichen ; aber es feblt das ideale I^eben und 
die Hobeit der Cbaraktere, wclche dort bervortreten. Dec 
recbt eigentlicben Komansicuationen , Eifecte^ Liebeleien und 
Verkettungen mischen sich so viele zwitcben die historischeti 
Bilder, dafs man dadurch nicht ielten unangenebm berdbrt 
wird. Auf gdschicbtlicbe Schilderung i$t allea abgeaabeii| 
tind wiir baben doch keine Geschicbtef und wenn irgendviro 
bei untcm Scbriftiteller^ ao finden wir una bier oft in Var* 
legenbeit, nicfat Bii wiaaan^ ob wir auf dam faaten Bod^n dar 
Hiitoria wandelli, odar von den Begegntaaen iind Geataltaii 
einer sauberbaft baraufgerufenen ^elt umgaukelt werdao, 
Auch aiebt man dem endlieben Raanltdta icbon fast ana dam 
Eingange des StOckes mit gewisser Krwartung entgegen , und 
wir zweifelii sogleich nicht, wo Wir den Scnottischcn Knap* 
pen aus seinemThiUmcben die Sangeria iu dem aiidei ii Tlnirm- 
chen beJ^scben aehen , dafs diese beiden einander bestimmt 
ieyen. Wo dann das Interesse ii\r das Scbicksal unseres Hel- 
den und der andern bandelnden Personen lebendig^T in uns ge- 
Weckt worden , fUblen wir uns durcb die langen Schiiderungeii 
und weiten Umwege, auf welcben wir una durchwinden mOa* 
•en^ mebr gebemmt nnd geatdrt, ala unterbalten. Ea mangelt 
aucb dieser Diebtung, ao sehr aia durcb die gelungen'dtenKin- 
aelnbeiten ansj^richt, daa bdbera « - ideala Ije))en ; aie iat nicbt 
rein^ ala ain innarlich gana Geacbautea uod Gefabltea^ aua 
dem Gaiate der Foeaia gesaugt ; vi^lmebt aracbaint Aia ibrem 
groftan Tbdla nacb ala ein durcb Studtum kflnatlicb gebilda* 
taa» mit Pbantaata dntcbwabtaa Werk } und wir waniestena 
fiiUten una viel minder befriedigt, nacbdem wir dan orittao 
Band beendigt batten f als da wir begierig na^b dem iWetten 

' XIV und XV* 

Wir mflsseti nun zwei grofse, von einem bunten Ge- 
toiscka sahkeicher Figuren angei^Jlta GemiUde neben einandei 

21 * 



X 



Digitized by Google 



324 



Ramane too Walter Seotu 



^fOr dem Blicke des Beschauera aufstellen, weii beide 7.wei Ge» 
genstdcke bilden^ die zusammen Kine Keibe von Ereignissea 
iim£giMen: das eine den Anfang und die erste Hllite, das an* 
4ere die ftW^te Hiilfte und den 5c]^lu£8 der dargestellten Ge- 
echiclite. £• ist dieses der fjntergang des Hauses A v en el in 
seioem Altern , und deesen neues Auiiililheo und Fortlehen in 
einea jttngern Stamaiey undmcht bier iron, als ibrejn wesent- 
lacheB Inbeltet soiident von ftafsero Nebeabestimmungeii nnd 
beidA dai Kios.ter und der Abtbenannt* 

Wir treten vprerse vor jenes und feAsen sunScbst swei 
Funkte in das Auge, nacb denen sicbf wechselweise auf den 
einen und andern^ unser Blick wendet, £s sind diese das 
statllicbe Kloster der b. Jungfrau zu Kennaquhair^ 
das sicb in tien Stilrmen der Olaubenserneuerung gUicklich er» 
balten bat 9 und fur das nacb detu Fricdensschlusse von 1550 
eine Zeit der Kube eingetreten ist; und diesem gegenttber der 
einsame Tburm von GJeniieaig udei dem durcb seine schau- 
erliche Natur und daran gekniipfte Geister- und Gespenstcr* 
eagen scbreckenden rotben Tbale, D^r Vertbeidiger del- 
aelben und Dienstmann des Klosters, Simon Glendinning, 
ist in der Schlacht von Finkie gefall^n , und seine Witwe 
£lspetb Brydone seben wir ge&ngstigt durcb die Ankunfc 
.einer £ng)isc!ien Heiterscbaar. Aber der edle Hauptnoana 
Stavrartb Bolton^ der sich freundlicb mit den beidenKoa* 
ben des Hauses^ dem trotzigen Halbert und i]|ilden und 
Waichen £duard Glendinning^ unterhftlt, gew&br(;t 
Sehula dem einsam^n Aubntbalte* 

Dabin flocbtet sicb denn aucb mit ihrer einzigen Tocbter 
die Lady Alice Avanel^ die Witi^ des uotgekommenen 
Walter Avenel, und wir erblicken nun beide Verlussene und 
ibre Kinder in dem Verkebre mit einander , wobei oit dli 
trauernde, krankdnde Lady den andem aus einem diesen un- 
bekannten Buclie Tiost und Unterbaltung gewiihrt, Es ist 
dieses eine Uebersetzung derBibel, deren sich der einfalti^e 
Sacristan des Klosters , Pater Philipp, bci einem Besuche, 
den ei in dem iiiniten Jahre in dem Thurms macbt, zu be- 
miicbtigen vi^eils. Aber auf dem Kiickwege wird ihoi seii» 
Aaub durcb die spuckbafte Erscheinang des singenden «, Ma- 
dels^ wieder entrissei), und, einem Wahnsinnigen gleicb, 
setzt der Ge&ngstigte mit den NacbklMngen des Liedes : ^ Wir 
achwimmen lustigl der Mon'd s'cbetnt belli«* alle in 
dem Kloster in Erstaimen. 

Docb mebr , als das abentbetterlicbe.£r€tigm£a9 erregt sein 
Berichty wia die bt.Schrift In der Spraeha. des Volkea aog^r 



Digitized by Google 



Boimiw foil Waltar Sflott. 195 

bis in 4Ui6# ▼•rborgeno Thai und ia di* Miha det Klostera 
gtdru ng«n , dift AufeierkMiiik«it d«$ Siibpriori Euttatbiuf^ 

cier deiti gutmilthigen , aber an Geist amen Abte Bonifa* 
citit von dem Primat von St. Amlreat ala leitender Rath bei* 

geoi dnet vvorden. Er begibt gich nach Glendearg, aber ttatt 
die beab.si clitigte Bekehi ung der keticrisclien Besitzerin deft 
Jjuclioi iu uiieichen. ist er nur der Zeuce ibres Todes. Dea 
i5uch«is Aflbst indessen i;em;(chti£it er sich glOcklich , das ilim 
aher von der gespen&ciacUeu ii^i^chtiuiungi da er aicb durcb den 
waioQnden Sprucb : ' . 

„Wie, Unterprior, du ftclieust nicht die Gebhtf 
Zu nafaoEian ein Buch von der To.ltenbabr* ? i 
Shy Uug und rette dlch^ liier ist*! nichli fiaheuer, 
R«it\iurOck mic dam Buch 9 oder du bursaat ei thauat I** 
Qiebt tcbricken ^fst, gewaltsam •ntrissen wird. 

Bei seiner Riiokkunft iindet er das ganze Kloftter in Be* 
wtgung. Christie von ClinthiH, der Jackmann des Rit«, 
ten uodBandenfabrers Julian vonAvanel, dcs Schwagefa"^ 
der Verstorbeneni, welcber ibr and ihrem Kinde die Bealtsun^ 
gen seines Bruders entrissen hat, iathier drohend wegan dar' 
Etsi^ttsung der' flntseelten ericbianen« X)er Abt hat Ihn in' 
Fesseln werfen 1aWn« Vermlttelnd bawirk^ der klO^era Silh; 
prior die £nt]9'8sun^ det Gefabrltcfaen ; aber auch die eigenV 
Bene und Besefaftmung dea Sto>2en ist dtireh daa ihm wider* 
£sbrene Begegnii's'vollkoiniiien. Difreh aein demfithigea Be* 
Wntitirs in dor Beichto tritt er in ein Les&eres VerbSltnifa . 
wit dem Able ^ indessen ei ^eine Nachiorschungen iiach dem 
geiabrlichen Bucbe von neuem beginnt und den gelebrigen 

£duai;d» 4eiueQ ScbUl^r 1 i'iii:^ daa.I^lQiW au ^ewinnen 
sucbt. 

Aber diasen aiehet ein andarar Magnet von ibm ab^ Ma« 
fie von Aven«)^ aeine scbdne, abnu^gsrolle, einer gebei- 
mil Welt der Getster hefreundeta Haiisgenosain ^ dui«h die 
ein elfersflcbtiges Sereben in haiden BrUdern arregt wird« 
denn £daard antgaht Marten's -Hinnei gun g zix daai mftnnliehan 
H lib art ntcht, indessen dieaar aicb aurttckgeaetat aehtat, 
weii die Sinnige sich mehr mit dem mit ibr gleichen Studlan 
btegegebenen }lh>gorn Bruder bescbafctgt. Doch aacb er will 
lernen, den Inhale des geheimnirsvollen Buches erforscfaanf 
will erfahren , warnm es die Lady vo.i Avenel so liebte und 
die Monche iilrchi eii und &tehlen wollen. Er nabet fcttbn an 
der zauberhaiten Ouelle inCorrienan-Schian, dem Auf* 
«ntbaUa des Gei&t^s, det weiXiiea Fiau. von Avesel« 



Digitized by Google 



3$^ , EonMui? V9II Waller Sioti. 

XKoi' Injem Tf in die ti«f» Kryst^llgrotta hinab geaunkeB, 
lke QiKsfa aua den Flaannen nimmt, er&ftlt er di* VanieUiitiiig: 

„Hab' Geduld! 

Einstens wird des Himmels Huld 
Zeit und Filhrei: die befttii^meni" 

Seine Mutter hat indessen dem wilden Sobne, ihn von 
dem Lehen „ durch' Sporn , Spiefs und Zauru" abzubringen, 
die Hand der achonen Miillerstochter My si a bestimmt, Mit 
dieeer ist ein anderer viel vornehmerer Gast erscbienen , der 

^ EupbuUt^ Sir f iercie Shafton^ der hier einige Tage iffl 
Vei^borgeneil zabringen will* Ja den Abt e«lbat( den bie^e- 
men IV|anD, aehen wi? mit aeinem Gefolge an dem einsamea 
AufenthalU eracheineiit und dar Aittei: stalls aich ibm all 
rinen nahen yar wand ten .dea Piarcia, Earl voei Nort* 
hu.m]jerland, dar, und ala ainan wichtigen Mann in dea 
f J^naii der Satholikan': dar de(|wegen flflcbtig warden miiXiiti»» 

' l^ach eainar Sinnaawaiaa zeigt ar aicli nur gegen daa Frialeia 

falant, indessen er die andern Hausgenossen , als bfturiscbe 
ieute, veriichtlich behandelt. Hierdurcb fflblt sich Halbert, 
del sell aeinem Besuche in Cai ri^nan -Scbian wie umgewandelt 
^rscheint, als Haupt (l^r Fi^m^iiei gelg:&nkt; ui^d aui; danlU^ 
dar weifsen Frau ; 

„Tre^en Piarcie Sbafton'a Fralaraian dain Ohru 
Sq haU* ibm ^9Be0 Gaachenk nur vor !•* 

Wit er wirklicb dem UeberrniUhigen die silberne Nadel vor, 
welche ibm die Erscbeinung aus ihren Haaren gereicht hat. 
Pea Ritters Wuth ist grofs, und er iordert seinen Gegner zu 
dem Zvveikampfe, der ilin in der Fn'ihe des IVTorgefis , olins 
^ich durcb Mariens Bitten zurUckhaiten zu lasaen, nacb dem 
2«aberbaften Orte leitet. Da gShot ibnan ain gecl^nataa Grab 
antgegen* Sie k^mpfen bei demaeJben , und der gawandta 
Facbter ainkt durchdia (Jand des ungeiibten Jfknglinga. £nt« 
aatat (ibar dap begaa^enen Mord, eilt Halbert, einaq yr^Wn 
den , den er von feme naban aiaht| aur HQlfe berbai zu rufan, 
Docb bia at mit dieaam, dar aicb ale dan raformirtan Fredieet 
Heinricb Warden au er|iennen giblr, auHlcitkebrt, findat 
air den Leicbnam veracliwundan und daa Grab gaa^oaaea; 
und da ar ea nan nicbt wagt , aich zu dan Seinen surflck au 
l^gabany ao folgt er dem Fredlger naob der von dan Flutben 
d<ea Seea umschlossenen Burg des Ritters von Avenel. Mit 
EmpfebKingsschreiijeii vox} dsjin jLorde James StuLtrt, dem 
nacbqiald beriibaiteu Earl von iVJur ray | ver^eben, fiodet 



Digitized by Google 



BiBMB* f9a Wtkn S^oxu 3(7 

dieset, der von Edinburgh entfloben war> erat eine freund- 
licbe Aufnabme. Als er aber in seiiiem Eifer tlber die Ver- 
kiadung des Schlolsherrn mit der diesein gehandf esteten Ca« 
tharina fticb nicbt %u mSlsigen weiiSf wird er in d^g Ge« 
f^ngnifs gewori'en. Halbert rettet tich durcb nUchtlicbe 
Flucbt aa« den H^ndefi dat GewalMtmen , desMn Di«Mtt er 
gleicbiyia, wie die doaJUottttMy MMBb h<Am Dao|fln fktf 
Atnd, verschmSht. 

S«m A<iableih«a veruttacht indafft in Glendaar^ grofse 
BMMfsung, D«r Friar hat atch bier wiedtr aingefunaan, ubA 
att« warden. durcb, dat logatliche Gaioiiret Mariana mchreckty 
die aia in etneaR aahr hasorglicban 2uatande anf Ibram Zinmer 
filMiea. Docb jutzt aracheHit wen igs tens Einec der Termifo- 
ten, der Euphuut, obwuhl mit bleicbem Antlitze und bluti 
beflecktem Kleide, und sogleich will er seiner schcinen m^^^** 
cretioii<:« zu IXulfe eilen. Aber sie stdfst ihn zurilck und scbilt 
ihn einen Morder. Ibr treaer Diener Martin, den aie in 
bebender Beaoignifs den Kampfern nachgesandt, bat die Kundd 
von deni gescblossenen Grabs gebracht, und alle xweiieln 
nicbt, dais der Hitter an dem jQngltnge zum Morder gewor* 
den. Bios bei detn-frior, der aelbar die Zauber dea Orcea 
erfabren, Icann daaaen Erz^blung, wie er aelbat dar V^r* , 
wnndete aeye, aber nut durcb Zauberei babe unterliagen* 
kdnnen, und wie er ^ ale er wieder zu aicb selbst gel^omneny 
aiab obne Wammea in aeinen Blantel gebMh und Mit vernarb. 
ter Wunde gefuaden^ eantgen Glauben gewinnen. £dnerdt 
dar laane bewa£Fn«cen Nacboarn berbei gerufen» bait dan ver* 
OMiacen Verbrecber die Nacbt in dem Tburme gefangen* 
After die aob^ae Myaia oder Myainda wird dem Einge- 
adibasenen aur Hetterin , und ao aeben wir denn , wftbrend 
aein Gegner aicb auf eiliger Flucbt gegen Edinburgh wendet, 
den Hitter gleicbFalls in anderer Kichtung entfliehen , die scbona 
M&Uerin erst binter sicb au£ dem iiosae^ ddnn ala veiliJeidetcai 
Soaj^pen au seiner Seiie. > 

Nocb in der Nacbt aber ist Maria durcb die Ersobeinung 
der weifsen Fraa beruhigt worden , welcbe sie nacb der 
^telle aui dem Boden binweiu^ WQ Halbart unter den aufge« 
J^tochenen Dielen die Bibel verborgen bat. An dem Marcen 
^rtngt daraut' auch Gbriatie von ClinthiU die Kunde^ dab dec 
^ftebtige in der Necbt auf dem Scbloaae aeinea Herrn geweeen. 
pieaer aelbat bet untevdeaaan andere Plane entworfen « und 
>e dem Verlangen der Rache eendet er mit teinem Diener den 
^rbaftten Prediger dem Kloiter^ nm ftr dteee GaftUigkeat 
AiidereDieatta «u empfaogen^ So treffiaai die nwei geweltigen 

ft 

* 

\ 



Digitized by Google 



t 



328 BM«M'lP«i *Ti^ldia SaML - 

MSnner In Glendearg zusammen, und sie erkennen einander, 
der M jnch den Prediger aU seinen frfihern Stubengenossen 
Jfeinrich Wellwood, iind dieser ienen als seineii Freund 
William Allan, iind wie ibie Gelster indessen aut ganz 
tntgegengesetzten Bahnen sich geschieden. Der Prior, der 
den Verktindiger der gefaafsten neuen Lehre in seiner Gewalt 
slebt^ ^^f«t«hel den x^ampf swiaoh^n s^nem blinden Glau* 
benaeifer und den Lesseren Kegungen seined nicbt unedeln 
HeiM^.' Ohne an dem alten Frennda ir^«nd eiaa Gewalt ztt 
wflben^ Ififst €r ibn in. dmm TbuFmd xurdok, wo wir dea 
utiglficklacken £duard wn EntteCsen Uliar aich •«]bst ei&£it 
aehelii Die Nachricht von dam Xidben seinetiBrtfder* bat nkbl 
Freude^ hur aifimfichtigto Scfamers in ibm gevrecfa* ' Niui Itf^ 
rifaria ailf iiBniar<ffir ibn r^rloran; ev baBColia&tf 'cntsagend 
ein Mdnch su firarden. - 

Docb aucb in dem Kloster ist alles in grofser Bewegong. 
Nuue Kriegssttirme vvril;^eii sich, \ cKleibeii druhend^. gegen 
den friedlicheii AuieiidKilt. Von der einen Seite schreckt Sit 
Jon Foster, der EngU^che Granzwachtei , voii der andern 
James Stuart, jetzt Lord Murray. Unter so scbwieri* 
gen Veihiiltnissen fiiblt sich der friediiebende Aht Bon if a- 
ciua seiner Stelle nicbt gewacbsen, und legt sie in die Hiinde 
des Priors Eustatbius. Dteser waffnet die Lebn&leute des 
lUoaters; an die Spitze der Vertbeidiger tritt Julian von 
A vena) 9 dem spSter sich Ptercia Shaft on beigasellt». 
Ua^bavi ist inzwiscben- in die Dienste dea Iiorda Murr^ay 
gaMten und bat den evangeliacben Glauhen. angenommen. 
Da' aiob die Nacbricbt verbteitac^ Sir Jon Foater acbicke aicb 
an , daa Kloater for aeine lLl|bnb«st su sil<^tig«n dafa as dea 
Zdgling dea Cardinals fiea^un aum Abta gevrSblrt ao rfickt 
aueb Itfoml ]\$.urray bevbeif und Halbartjerfaftlt den Auftrag, 
vorati- '8H1 Wilen , uni alle Feindaeligkeiten su verbindern. £r 
kommt zu ep8t ; eben bat sich die Schlacbt auib Nacbtbeila 
der Klosterleute entscbitden. Julian von Ave n el liegt 
eutseelt aui dcin Wablplatze; neben ihm die treue (jutha- 
rina, die den Tod dea Gelie})teii nicbt iiberlebte. Ab*ir we^ 
nig&tejis das Kind der Ungliicklichen rettet er. Engliindec 
und Scliotten gleichen sich fViedlich aus, und der alte Sta- 
wart'iiolton bleiht als Bi'uge bei dem Schottisclien Heere. 
Diesem zieht die ieieriicbe Procession des Klosters jeulgegen^ 
I'flr das sich nun erkenntlicb der Prediger Hein rich War- 
den verwendet. Der Eiipbuist ergibt sich aui Gnade und 
Ungnade. Die bocbste Strafe ist die voile Seacb&mung dea 
Eit«ln« deisen Gebeiaioiis Boltoii aQiba)IC» via dtP Vat^f 



Digitized by Google 



der Mutter des KiUers, statt ein gdkrOntcft Ifauptf vieloi«br 

— uiid hierdu|:ch eritlai t sich seine Wuth ttber die vorgehiiU 
ttiuu JVadtil — der alte ^Jcbneider CruisiiLich von II ol- 
dernelft ge\ve$en. Dame GJendinning erkenntdann in desa 
Englischen Ulllcier ihren alteri VVoblthatei , und dicser selJjst 
ist ni<;iit uiiiidei eistaLint, alJcs , wie er bei seinem ersteu 
Besucbe in dem rotbui Tbale voiausgesagt , erfuUt, und deii 
eioen jener Leide^ iiaaben nun zu dem Moncbe, den andem 
lu emem tdcbtig^n Kxiegcr berangereifc zu seben. Der Eu«* 
pbu^t wird mU •qiser iiebenswiirdigen Mfiinda nach l? lau« 
dern eotldssen , die scbOne M^ria von Avenel aber^ di<» 
durcli deu Fiedigac Warden aa dm £vtLnee!imn gefflhrt wor^ 
dun, ai» Ji^aljbart vermfthlt^ mit dtrttp, Hand diesap au dtm. 
BttsiUa dea altaa ScUoiaea ihrar Familie gelangt. 

Eduard sttirzt sicb in Verzweillung nacb CorriLnan* 
Scliian liinuis. Die woil'se Fran ersclit-int ihm, Ilir gol- 
dener Gvirtel ist zu ein em dcinnen Seideniaden geworden^ flia 
\U$l fticb in dem ^jpcucha vernebmen : 

' Der Knoten <)es VerliSilgnisses ist geschlun^en J 
Zur Braut bat dits Mdid, zum Lord der Bauer 
Sich aufgeschwungen ! 

VtTgebens meineUst und Zauliermaclit 
Aut (I L J-*iel)enden Trenniing vvai Lcdadit. 
Das 1 1.1 us A veil el vou stolzei" HgU* 
Icb fallen 6eb'{ — 



Aj>er daa Baua Av^i^ri ^11 tiplk wiadar in verj&agtem 
Olaaae aU aaiiiar.Hdka' erbeJban. Wie i¥ir in der ersien Dicfa^. 
ttiBg dan $ohn d«$ PienttmaniHts aiu dem sChauerhaftea Thale^ 
•icb xu dem Lorde empor scbwingen iitlien , so enth(Ulet uiis 
tiie 3Weite , ti c r A b t iilierscbi icijca , vvie cui ai iiicr , vcilas-. 
sener ivuuiic, ab«r der iichte iJprursling des alten Stammes,* 
zu gleicU barijicber Kbre aylbiiuiet , und endlicli wieder die 
^telle einnimrat, die ein Fremdling nu? kurze ZeU ijebaup* 
Ut hatte. 

D ieser, Halbert Glendinnins* erscbeint zunUcbst 
>ds Kitter von Ayenel und ausgezeicbneter JCrieger vor 
ins, so wie Maria aU die gebieteade Frau auf dem von deoi 
"^tre uinilutbeten Schlosse diesef Namena, Abar obgleicb aie 
i>icb %M dem Beait^e ibrer Vater auriick gelangt und dem.ga* 
li«dileii Mann« varbunden Weifa, mangelt docb nocb vieles zu 

«l«ai Gingiva ihra« JSau^aiu Pia liui4«riQ4a .aii^lieb(«t 4«r 



Digitized by Google 



Bmum ton Wahir Seott 



Mutterfreuden ; ihr Gemahl ist viel abwesend in dem Dienste 
seines Herrn , des inHchtigen Grafen Murray; nur wenig 
entschUdigt sie in ihrer Kinsamkeit d'lQ Geseiiscbait des stren- 
g^en Predigers Heinrich Warden. Um so mehr wendet 
sie alle Innigkeit ihres der Liebe bedi^rftigen Herzent tfiaeiii 
Knaben d«r durcb sia «ut dam Saa^ in welcben er ge- 
atOrzt war, garattet wurda^ und dam sia dia Stalla ainas 
Edalknaban ainrftumt. Oiasar Knaibe, Roland Grflma, 
aina Waisa von anbakanntar Ablcunft, wird ihr von lainec 
Grofsmutter und' ainzigen Verwandtin , Magdalana GrI* 
me, der versteckten Fapistin, ilberlasseii, die nur ao viel von 
sich verntbinen lafst, dafs sie, obgleich jetzt von dem Glucke 
verlassen und ein armes Weib , ihren ^amm von dem edein 
Griime von lleatheigill abiejtet, Nacbdem sie mit geheiinnifs- 
vollen Worten deu £^akal der Edellraii ampfobleiif vacftcbwin- 
dafc sie gSnzlicb. 

In- aer katboliscben Kirche wird nun aucb RohnlL IQAga* 
beim von Halbart'a Brudar, £duardy erbalten, der aiiS 
dam nahan Kloatar Kennaqu^air, wo ar ala Mdncb Ambro-. 
•iua labty dfter bari&bat kommt. DerRittar aelbst llbarllUst 
ihran 2dgHng ganz sainar GamaUin 9 und at entwiekaln sich 
aucb bald die Folgen einer solchen weiblichen Erziehung ia 
dem BegQnstigten der EdclfiaLi, Kuhn , altsprecbend und 
berrisch, edelmtithig, wenn er keinen Widerstand findet, 
und leidenschaftlich hei jedcin Tadel oder Widerspruch, achtet 
er sich durch niemand gebunden, keinein verantwoi tlich , als 
seiner Herrin, vor der er in aller jugendlichen Demuth nnd 
Xiiebe sich neigt. Obgleich ohne alien Unterricht, eiguet er 
aich, wie durch ainan nattirlicban Trieb, alle ritterlicbe Kunst 
und Uebung an* Um dia Gnnst sainar' Gebieterin beneidet 
und durch aigepe Haftigkait und.Stols fealatdi^and^^^^ wendet 
ar dia iibriga Dianaraebaft das H^iisaa gagap? at^^.>aind lafst 
aicb andlicb bis su thatlgar Belaid igung aii'd^m S^IMM 
Woodock und zu Trutz g< gen seine eigene Gebietatl<iFverlei" 
ten; er wii 1 als ein J uncling vun siebe^aelin Jalifen aus deal 
Xiausa verwiesen. ' ■ ■ ^ • " 

Da er&cbeint pl6t7.]icb vor dem keineswegs Verlassenen 
in Cuthberts Klause seine Grolsmutter, und sich des Zugell 
des nach eigener Freiheic Begierigen bf machtigend , leitet sifi 
i h n n&Gh d e r z rr s f iHrtan K loster w ohtiung i*-/ "Wo C a t b a r i » a 
Sayt on, dia-Fflegeempf'oblene der iparba^ri^n lebendeo Aei>« 
ti«ft|ii'Brigitta, ' aa^laicli iflit ihr^ ai«ten Biailllftnen eioMt 
tiaiMi''Etndi»i^'aaf^dMn Jtlnglin^' kai^rbringt. Aucb das 
fVRtt}<to4«b^iil|-9ifilir^bgu begeisteitt 



I 



Baniuie von Willn SotttU 33i 

M^gdalena faeifst sle^ eines dei andern Ziige scbarf in das 
Augttfasaeti, damit sie, sicli wieder Leotpuend, welche tau- 
Bcbende Vti kltidun^ audi die ZeitumstUude noLbi^ niacheii 
kdnnten , in tinander die RiUtzeuge des grofsen Weikes er* 
kennen fudcbten, wozu tie verbtindet ieyn wiUden. Nach 
diesen und fthftlichen Andeulungen i'llbret dio Groismutter dea 
Kukei Weiter nacb dcni Marl^nklostar in Kennaqubair, WO si# 
Stt vdifr nScbtlicb gebeimen Weibo dea I'aters Ambroaius 
UeSen, der die Kilbnbeit ])e8ltzt, nacb «iio1^tem Tode d«S 
Abtes kuatailiiaa die geiiibrlicbe Wfird^t Jetzter Abt von 
Kenna^ubair durch Wahl dt • Kloatm su ttbernehmeii* Abar 
pttcb Zeugen find fie dea wilden I^mea und Un&gefi den 
der eelteam auf|geput«te Haofey deq Abe der Unverpunft an 
•eioer Spitae, m dem Kloater erregtf und der esdltcb nur 
diarcb die £rscbeinang dea Rittera von Avene] gestillc wird. 

Dieser verspricbt sicb init allem seineni Einflusse fiir 
aeinen Jbrntkr wcgen di^s kiibnen Scbrittes zu veivvenden , 
den der Pater g^gen die Staatigeaetae gewagt hatte, Roland 
^lauht er , um net Ebre aeines Hauses wiTlen, so lange ia 
•ein Gefolge aufnolnnen zu latissen, bis er ibn aut eine an* 
8t3ndige Wt Ise werde unterbrlngen konnen. So ziebet der 
Jiingliug lustig eine Weile in dein Geiolge des Ritters bin, 
bisdiaaer ibn mit aeinem Falkner , eine Botscbaft aa dea •B.e^ 
geaten au Clberbringen, nacb £^dinburgb absendet. 

Hiermit tritt der in aller Ix>8ges(£iedenbeit Aufgebltlbete 
aiierat in die Welt eiq,, Staunend irejtet er in.dU grofse StAd% 
£<diiiburgb, wq ihm sein fiegleiter zun^ Cicerane iient^ cicli, 
ihoi aber togleicb aueb der bedroblicbe Zuatand dea Landea 
in einem Kampfe kund gibt| in den die beiden mflcbtigen Far* 
tbeibftupter^ Liealie und Seyton^ auf offener Stralae stcb 
verwickeln. De Roland den letatern im Nacbtbeile. aiebt^^ 
ipriiigt er obne^ weiterea von aeinem Fferde ab» 8cblie|st aich 
thm an und rettet ibn du|:cb einen mficbtigen nach dessen Geg^ 
X\er gericbteten Streicb, Gleicb laiich foigt er einer Voruber^ 
^ebciiden, in welcher er Catbarina Seyton zu erkennen 
t^laubt, iindbringt, statt der von s einem ijegleiter filr ibn 
getiirciiteten ScblUge, eine goldene Kette zuriick. Sie gelan- 
gen nach der altcn Konigsburg. Horrliche Schilderung des . 
^^ebens in derselben. Wiihrend er an den Regenten, Lord 
Murray, seine BotscSa£t beaorfit, iat er unbeacbteter Zeuge 
^mes Ge«prMcbes desselben mil aem Grafen Morton j, wpraua 
"•icli ihoi die gef^brlicbe Ltage der Konigin ergibtf die von 
^hrem Bruder gefangen gebaHen Vfird* In der llerberge trite 

^ell^najte m 9mjf{itmfK%9\ VA tuiui? dewa 



Digitized by Google 



1 

1 

332 Romane von Walter Seott. 

rother Sammetmfltze er wieder die Ziige seiner Catharina ^r- 
k'ennt, und d#r ihin geheimnifsvoll das schone Schwert unier 
der Bedingung iibei reicht, dla Waffe nicht eher zU entbldlsan, 
bis seijie rechtmSfsige Kdnigtn ea Uun ^ebieten werde. 

Roland aelbst wird von dem Aegenten, als ibm vdn dem 
treaen Hitter Halbert Glendinning zu^eaandt, seiner gef'an* 
geoen Scbweater sum £delknabeii oeatiinint, in dem Gefolge 
dea atarr^n XiOrdea Iiinde'aay begibt er aicb lu derselben, 
und wit Mrerden nun biermit aus den freieren R&umen det 
Dichtfung in das enger iimicbVankte Gehiet def Geacblcbte ver- 
6etzt. Das schauerliche Schlois Lorhjeven in der Mitte 
des Sees autragend, tritt vor unsere Blicke , in dessen engen 
liiiuiiien sich ietzt M a r i a S t u ar t bewe^t , die durch Schdn- 
heit, Geistesbiidung und Milsgescbick glejch ausgezeichnete 
Fran, »sie, in deren Antlitze aicb ailes vereint, was wir 
ilnRiutby Hobeit und Glanz nennen , und das una in Unfie- 
wifsbeit lafst, ob dieae Zttge glticklicber dieKanigln, die 
Schdnheit oder das voHendete Weib bezeichnen.«« Und f^iese 
Fttritin erblicken wir suntfcfast in dem feindlicb bdfiacb«n Ver» 
kebre mit ibrer HOterin, der Herrin von Locbleven, deren 
Keizi^ frQber Jacob V. gefesaelt , welcbem aie den berflbmteo 
Kegenten Murray geboreh , und der spSter Sh William Dott» 
glas seine Hand geweiht batte. — Dann sehen wir die beidcii 
Partbeien lun die Gefangene ringen, wie ihi von Seiten des 
Hegenten die zwei starren Manner Lindesay imd Ruth- 
ven, in Benjeitunnr cfes verinittelnden K o b e r t M e 1 v il le> 
drpbend die Kntsagungsacte abnotbigen, imd si« diese anr den 
Hath ihrer eigenen Freunde unterzeichnet ~ und Holantl* 
Schwert verbirgt ein Blatt des treuen Seyton — weil sie , in 
Freibeit gesetzt, nicht durch eine ibr in der Ge£angenscbait 
abgedrungene Unteracbrift gebunden aeyn werde; — und yn* 
von der andern Seite ihre' eigenen AnfaSnger ajlea aufbieten, 
ala der Bilacbc ibrer Feitode zu entreissen , und dtese fiber den 
See in dera Dorfe Ihre gebeimen ZusammenlEiQnfte In deoi 
Hause des alten Gartners balten. Der erste Versuch iblW 
Kettnng, zu welchem der Junge Georg Douglas selbst, 
•von Liebe zu der Kcinigin gewonnen , initwirkt, mifsllngt. 
Za desto erwunschrerem Eriolcie fObrt der r.weite, da Maria 
Stuart den Versuch des fatalistiscben Uausbotme isters DcjteS" 
dale, aie zu vergiften ^ scblaa zu benutzen weifs , Magdalen* 
Griime zu aicb beriiberzurufen , nnd der Abt Ambrosiui 
aelbst, unter der Hoile des der Scblofsfrau von ihrem Sobne 
zii^esandten Bewaifneten, aicb einen den Kerker d<c 

kOniglicben 6elangen«n erdffnet, 

^ • > 



Digitized by Google 



Ronuie ron Wtlm Seott. 3^ 

Roland selgt in dem Ring^n balder Fartheien, in etner 

vielfacb verstrickten , und nicht iinmer der beha^lichsten Lj^^? 
inehr Klughei t: , als man diesti von dem Uiietiahrenen liiilte 
erwarten sollen. Urn so weni^er gewinnter, der von dem 
Regenten Btstellte, aniUngHch dai Zutrauea der VerbOndeteii 
der Konigin, da man atich seine Ann3herung zu dem verstuiw 
digen Tredi^er des Sclilosses , Eli as Henderson^ bemerkt, 
der alierdings Aeinen kircblicben Giaubeii , aber keineswe^s 
leine Tr«ue gegen die KcSnigin wankend macbt. £r •ckt^nuc 
vielmebr, wie er bei dUaer durch den Regenten eben nur die 
Steile erbalten, die ibm seine Grol'smutter zugedacbt batte; 
und seine Verbilndete ist bier aeine gellebte Catbarina 
Say ton 9 welcbe er ala die jdngere der Jbeiden Uoftrflalein 
der Kdnigin trifft f die aber erat durcb ibr augenacheinlicbea 
£in?eratandnira mit dem jungen Douglas eifecsQcbtige Re- 
•^ungen, so wie durcb ibre Verkleidung sehsame Xdeen in ibm 
weGkt,-bia ea aich aufkUrt^ wie der junge Ritter nicbt die 
Dienerin 9 sondern die Ffirstin seibstliebt, and die in wech- 
selnder Htille ei scheinende Gestalt nicbt Catbarina , sondern 
dereii ZwillingsLi udti , lleinricli Seyton, ist. 

Aber eben dieser feurige Ei iider trite nun dem Geliebten 
seiner Scbvvester feindlicli entgegen, indem er sicli Leharrlicli 
jeder Verhindung der Tochter emes so alten Flauses nuL einein 
Manne oiine Herkuiiit widersetzt ; unrl da bieraut die Kuiii- 
gin, von dem ALte und dem treuen liitter Douglas geleitet,"' 
sich glUcklicb in das Scblofs des Lords Peyton rettet^ so ge« 
iiogt es selbst ibr und dem JLorde kaum, die heiden gegen 
einander aufbrausenden jungen GemUtber zu bescbwicbdgen. 
Docb der Ernst der Gescbicbte ziebt uns wieder von dem liei- 
tern Spiele der Dicbtung ab. £s tolgt die Niederlage, Welch** 
die kdnigUcbe Fartbei sicb durcb l^ebermatb tind Unvorsicb« 
tfgkeit selbst suaog^ und welcbe di& Kdnigin endlicbf nacb- 
dem ibra Partbei sicb serstreut; bat, eu dem ungliickltcben 
£ntscblusae bestlmmty sicb in d^u Scbutz ibrerNebenbublerin 
Elisabetb su begeben. Ibr mftnnliches Gefolge, und von' 
diesem zuletzt nocb Roland und der umsonst warnende Abt 
Ambrosias 9 mufs an der Graoze xui uckbjeihen. 

Der schwarze Ritter (Georg Douglas) und der 
mUchtige Heinricb Seyton sind in der Schlacbt geiallen. 
Dais aber Roland der SoLn dts kilhiien Julian von Avenel sey^ 
daran bat der Leser da scbon nirbt gezweiFelt, als er von dem 
aus dem See Geretteten bcirte; und dafs seine Mutter, Ca- 
tbarina GrSme^ wirklicb durcb das Sacrament der £be in&- 
gebeim mit Julian Farbunden gewesen » biervon (iberaeugt 



Digitized by Google 



, 334 ' ^omane Ton Wallet Sedlt. 

•ich Aelbst H albei t Glendinning durch ein UoCiiment^ 
das er in der Wobnung des alun GMrtners gefunden, in dem 
wir den alten^ den Frieden in solcber ijasgeschtedenbeit 
Bucbenden Abt Bonifaoiua wieder erkennen, Der ititter 
iMscbeidet nnn seinen einaigcn £rben su aich^ dteaem und 
deni Abte die Yerz^tbung dea Regenten vetkiSndigen. 
Ambtoattia *findet einn Zuflucbt in einem Scbatteoklostet 
in Frankrcich , wo er alfl Heiliger stirbt. Mit inniger Freuda 
wild llolaud von seiner Pflegerin Maria a ifgenommen , die 
Btaunend erJcenut, wie sie in dem Vermeinten Waisenknaben 
cleii einzigen Zweig ibrea Stammes auieraogen. Der Veibiii- 
dung des Erben des alien Haiises von Avenei mit FrSnlein 
Sey t on stebt linger kein Hindernifa entgegen} obgleicb ver* 
acbiedenen Glaubena — den der junge Ritter nacb dem Tode 
aeiner Grofsmutter geSndert — lebea Roland und Catbarijii 
innig und glQcklich mit einandet, 

Wir veraucben es aber,^ tiacbdent wit so die ^€l*ichied#* 

nen Figuren nnd Giuppen, welche diese beiden Gemalde in 
reicber Mannigfaltigkeit , ja fast buntem Gemische dem Blicke 
des Betracbters darbieten ^ in dem Einselnen tiberscbaut baben^ 
ein Urtbeil i\her dns Gauze zu fallen. 

Das Kloster ist das erstere aberscbrieben ^ und daS 
Marion kloater zu Kenagubair macbt allerdings elne 
Hauptepocbe in deoiselben aua ^ eine Zeichnung^ die durch 
gelungene AusfCihrung fesselt und zugleicb durco ibre Bezie^ 
bung auf die kircblicb-politiacben Verbftleniase Scbottlaadi 
in der swetten Hfllfte des secbaaebnteti Jabrbunderts dein 
Stflcke «u aetnem hiatoriscben Grunde und Aniehnungspunkli 
dient. Aber docb ist diesea Kloster nur ein Beig^^ebcnet* 
IDas, wovon die ganze Reihe der Ereignisse ausgebt und WO^ 
bin sie zusaminerifliefst, ist das Scbicksal des alten vornebtnen 
II a uses Avenei, das mit dem der dienstbaren Famiiie 
Glendinning in Verbindung gebracbt wird, und dagegen 
kUmpf't die vireifse Frau, der Geist dieses Hauses, miC 
ibrem gespenstiscben Einwirken, dais nicbt das alte £rbe der 
edeln Avenei in die Hslnde der b^uriscben Glendinning kamm^ 
mdge. Aber sie kann die Macbt dea Schickaala nicbt bemiiievi 
una indem ea ihr gelinet, Halbert von dent heimatbltcben 
Tbale und aua Mariana NKhe su reracbeochen $ eendet sie An 
nur dem Lorde Murray su, deaaen Ganat ihn mit IMbrita* 
Hand und dem Beaitze ibrea alten Stammscbloiaea beloBaEl* 



Digitized by Google 



ItonuuM ron Waltex Scott* ZH 
§ 

Aber ftli ein gar ^eltsaoies Wesen eracheint diese ^aiXae 
Fr«u 9 all^ kArperltch fCtr etnun Geist, da tie vifkkUch Hal- 

•ua ihron SUaran damidity und su geheintnira* 
reich » seapenatiacli mftcblig ffir ein in dem Verborgenen y^lx* 
kendea leiblichea Weaan.' War M aeye, blaibt unerklftrt, 
and dodi tritt ale allsu materiall auf i ala dafa ale fflr ein 
hlofsea Eraeugnifs der Fbantasie der durch aie GeSngtteten 
gelten konnte, oder^ wie dies in vieleti Stttcken unseres geist* 
reichen Ho£Fmann mit so kostlicher ICunst durchgefiihi t ist, 
es Endet bier nicht jene geheimnirsvolle Mitte zvvischen \ V irk- 
licbkeit und Tiiuschung statty so dafs es unentscbiedt n JjIi tije, 
ob die Ersclieinung nur Phantom, oder vvirklich existiren des 
Wesen sejr. Aach ist sehr auffallend das Interesse, das diesei" 
Gaiat der Unterwelt, der au£ keine VVeifte den beiligen und 
relnen Bewabnern des Hlmmels belgezUblt werden kann^ da 
er, Graaen verbreitend nnd obne die Aube des Grabes zu ge* 
niefaen, umber wandelt, gerade an dem helligen Buche 
summtf ao anmutbig sonat aucb der doppelte Vorgang eraflblt 
wird, wie die Spackgeatalt den beiden Mdncben daa Buch 
aotreifatj und in ao acbdae Yerae aucb apnat der Geiat aeine 
Sprflcbe etnkleidet* • 

£ine faat flberflflaaige Beigahe , die man, wenn aie nicbt 
dawSre, kaum vermissen wtirde^ ist der Eupbuiat Sir 
Piercie Shaft on, mit seinen KofFern und dem vierfacben 
Anzuge, der doicli den Wechscl dei Baiider und Garnierungen 
scheinhar T,ii einein z wolffacheii umgestaltet wer<ien kann, die- 
ser ALku tiiinling der Donqui^tote, dieses Gemiscli von ritter* 
lichem Wesen und Galanteiie, und von gdmeintr Eitelkeit 
und Kohheit , — der, von dem Dichter frei erfunden^ sich 
doch in den Fesseln seines Eupbuisten nur etwas achwerfallig 
bewegty sonst aber gut durcogefUhrt ist, als — nacb dam 
Urtbeile des Subpriors — ^ einer fener gekr^uselten Eleganta^ 
Welcbe au£ eit]e Beweise der Tapferkeit ibr Vermdgen yet- 
icbvrenden und ibr Leben ia Gefabr setzen, um unter der 
BiQtba der Eitteracbaft su glSnsen^ dann aber ibre Umstlnde 
dadurcb «a Terbeaaern aucben , dafa aie aicb su der Ausfabrung 
▼on tJntemebmttngen bingebeo^ welcbe Geacbeidtere ala aie 
entworfen b^ben. 

Etne Peraon, die durcb bea6ndere Stflrke oder Hobeit 
iesCbaraktevs anspricht, oder {iberhaupt elne recbt glSnzende^ 
grofsartige Erscheinung , \vio in andern Stiicken, zeigt sich 
bier nicbt, in so edler Haltung sonst aucb die unglUckliche , 
^'Ou ibrera Scbwager verdrSngte l^didy von Ai^enel dasteht. ' 
Aucb ibre Xocbter^ die inoigei ahnuiig9voil& Maria i beirie* 



Digitized by 



336 ftontatte toit Walm Sootf» 



digt nicht gansy und dter 'gegen B«i4e feiodKche JuHtn von j 
t jl Venel stollt nar d«s Bild der roben^ tiioht von eineni cdJea 
G«i«te geleiteten Tapferkeit dar. Selbat die 9^ ^ i^<^>u 
Glauben nach — > fiar gehandfesute Catharina zeigt ficb| 

obglei'ch in inniger^ docb nicbt edler Liebe. 

Den eigentlicben Mittelpun kt des ?.vveiten Stiickes sehei 
wir dann den Sohn dieser beiden, RoJand Graine, bildfii, ' 
wie er zuerst nnter dem Naraen seiner Grofsmutter ersciieiiit, 
bis er dann als Roland Avenel auftritt, und zuletzt sicb 
ais den wirklich a.^setz Jichen Abkommlin^ der zweiten Linie 
der Avenel und als den recbtmUisigen Erben der Beaitzungeu 
derselben darstellt. CJnd der junge trouige Knappe , wie tr 
in aetner edeln Natur sicb entfaltet^ erweckt immer mehr un- 
sere Liebo und Tbeilnabme ftir stcb. Nur freillch wird tr I 
bald einem glttnaenden fiilde nahe gebracbt^ in deaten prAcb- 
tigerm Leucbten sein achwScbererjSdiein erldscbeo mufs. { 

Denn bier ericheint una nun an berrlicber Z^iebnung 
Maria iron Scbottland in ihrem .Gewabraame %n dew 
Ton den WeUen dea Seea unifpillcen Scblosse Locblereo^ 
und die ganae Tbeilnabme , die der JDicbjter dem von ihm er- 
fundenen Hatise Avenel gewonnen , seratiebet gleicbsam vor der 
gewaltigern Macbt der Wirklicbkeit und dem hobern Jntercss»i 
der Gescbicbte. Ja die ganze dicbterisch tiliiudene und aus- , 
gescbmflckte Fabel will luis bier nur erscheinen , wie -ein ani 
pbatitastiscb geiiiaken Tapeten unci Papieru iinden auFgefiihrteJ 
LrHSthaus, daa an die Seite eines aiten, ehrvviirdi«ien , audi in 
seinen Triimmern nocb festen Bauos angt-fiigt worden. Die 
Gescbicbte stebet in ibrein Ernste und ibrer Ebrfurcht gebitf- 
tenden Macbt in sicb abgescblossen da. £9 darf in das Le* 
lien^ daa in grofser und erfolgreicber. Wirklicbkeit volJendtft 
worden, wo dieses gescbildert wird^ nicbt ein Anderes, das 
nie exist irte^ .und mit Einfldssen auf dasselbe, die ea nieabte« 
eingei'figt werden. Und man wende nicbt ein, dafa ao dai 

§anae gescbicbtlicbe Drama nicbt Jieateben dOrfe. Denn ia 
em Drama f der bObern Tragddie zumal, dient dieGeicbiebto 
nur grofsen , daa GemQtb anregenden , una in der beiligstea 
Tiefe erfisssenden Ideen ; aie gibt nor die Fabel 9 die mit einer 
gewissen Freibeit ausgebildet wird. In dem Romane dagegea 
ist das Erste die Wirklicbkeit; gans vorziigUcb ia diesen 
llotnanen dic&t^ der i all, 

(Die Fortistzung Jol^t,) 



' Digitized by Google 



N. 22. : ' ' • : 1826, 

Beidelber.ger 

Jahr biiclier der . titeratur. 



ftoMane von Walter Scotu*^ 

CFortistiungA ♦ " ' ' 

Urn 80 mebr rtiufi uns ^erade hier der seltsame Widefa 
8^ruch filhlbar werdcn, in welchen sicb der Dichter fl.idiirch 
mit sicb seibst verst^tzt, dais er sicb in alien seinen Dicbtun-' 
gen beaittbt, die Wirklicbkeit auf das vollkoinmenstd nachzn* 
bilden , und uoA docb did gescbicbtlicbdn. Ereignisse nirgnnda 
I'ein gibt, vrte sie tind, obaa tie mit setnen Erfindnngeh aus-'' 
^usthmnckeiif su Terinitcben und t\i verfttlacben. Wie er da- 
mit seinen eigenen firiindung|n das Interesae entsieht uhd of^ 
deoiGaiizen seine wohl^eordnetaUaltnng nimmt, daraujFhaben 
wir eben bingedentet* Un^ dodh aind daa nur aufilUige Ein^ 
fiigungen , die nicbt mic inn^er Noctiwendigkett sua' der Ver^* 
^nQpfung dea Gan^en oder dem Leben itnd den Verbfiltnisaen 
<i«r bandelnden Peraonen bervorgebani So bier dieae Gefan-' 
genschaft der Maria Stuart. Wte herrlich iat die- 
^wchrtung dieser Kdnigin I In wie schaifen tJiiirissen stebt 

ihrer feindlicben liiitorin, der lierrin von Locblcveii , der 
frfihefn Geliebten ibres Vaters ^ gegenttber I Wie unvergleicb- 
Jjcb ist die ganze lange Scene, da die beiden stairen Manner, 
•Lindesay und Rutbven , ihr die Entsagiingsacte abzunotbigeii 
g^auben, und sie docb nur iiacbgibt, sicb tiigend dem sdilauen 
i^athe Mel V ille's und des alcei| Seyton, der ibr das Blatt 
^1 dem Scbwerte ibres Pagen zusendet, vrie dabei Lindesay 
^en 7.arten Arm der Fttratin fafst und demaelhen die Spur sew 
I'^sPaQxerbandschuhes eindrdckt, und dSnn vor der Unbesieg^ 
^'chen, Kwar nicht tils der Kdnigin^ aber als Maria Stuart^ 

clas Knie niederainlit; Aber dennocU iat daa Ganse^ ala 
bloliie Epiaiode^ in der Cteacbicbte dea Hauaea von Avenelallsu 
^^/>g» Oder ala eine Daratellung der Gefangenacbaft Maria'a » 

einan ganiten Aand anfQllt« bier nicbt an leinem Orlc<» ; und 
^i^danaelben nnaicbern, fast Hngatltcben Zilstandi wie in an* 

XlX^Jalifg. 4. Heft. .22 



Digitized by Google 



338 « Romane von Walter Soott. 

dern Stflcken, werden wir aucli hier oft durch diese Miscbung 
von Dichtung und Wabrheit versetzt, 

Uebrigens ist gleich gewaltig, wie die Zeichnung der ko- 
niglicben Gefangenen, auch die ihres PJalbbrudets , des lie* 
gen ten, besonders da, wo Roland vor ibm stehet, desseii 
Voracbritten in Hinsicbt seiner Schwester zu enipfangen. iMit 
dem kiibnen , von bier an durcbaus edel gebaltentn jQngliuge 
erweckt aber gleicbes Interesse die von ibm innig gelieLte 
Catbarina Seyton, dieses VVesen voll gemtitblicber Tiefe 
und frober Lebenslust zngleicb, iind der Ixeiz in dem Ver- 
kebre der Leiden ibrer IViibern Einscbliefsung Entlassenen, 
aber nun von neuem von dem beitern Leben Losgescbiedeneii 
wird nocb erbobet dnrch die oebeimnifsvolle Vervi^irruns • die 
in dem Geiste des Liiebenden durcb den in der Gestalt der 
Geliebten iimbecwandelnden Zwillingsbruder des Frauleins 
erregt wird, 

Besonders.Lemerkt zu werden verdient nocb der ungltick* 
licb liebende scbwarze Hitter, Georg Douglas, der we- 
nigstens filr die geliebte Konigin stirbt, die er nicht besitzeii 
kann. Als untergeordnete Person iibt bier, vi^ie dort Hein- 
rich Warden, immer einigen Einflufs Elias Henderson. 
In edler mannlicber Gesinnung zeigt sich Halbert Glen- 
dinning, als Kitter von A venel, Nur in dem Eingange der 
Gescbicbte, und auch bier obne hesonders bedeutende Tcrson- 
lichkeit, erscbeint Maria, und dann an dem Scblusse wieder, 
wo sie den als den einzigen Erben ihres Stammes zuriick* 
• empfUngt, den sie als verwdbnten Edelknaben aus dem Haii*« 
verwiesen. In desto schrofferer Ilaltung bebt sich die kubne 
Magdalen a Grlime empor, mit ibrem Sebergeiste und ili- 
rem Irrsinne, mit der verseng*>nden Gluth ihres Glaubens und 
der miitterlicben Liebe zu dem '^inzigen Enkel. Zu ibrer Seitc 
stebet, als die eigentlicbe Stiitze und besonnene Mitte dtr 
katboliscben, f'iir die Konigin tbiitigen Parthei, nocb gewaJ- 
tiger Eduard Glendinning da, nun Ambrosius, er- 
wahlter und auch vertriebener Abt des einst so blobenden 
Klosters Kennacjubair , und wenigstens nocb einmal taucbet 
in dem Getiimmel erscbiitternder Ereignisse , als blddsinuiger, 
nur nocb um seinen Garten besorgter Greis , der friedliche A^t 
Bonifacius berauf, wie eiiie webmtttbige Ironie tiber das 
rasche, gewalttbiitige Leben, das doch auch endlicb verstuin- 
men muls in leise verhallenden Tcinen. 

So mOssen wir denn dem zweiten GemSlde in jeder Hi"- 
sicht den Vorzng vor dem erstern einriuimen, so u'le als die 
BlQlhe desstlbw'u nicht die Geiani;^nschait der 6tuart, sondern 



Kcttnane yoa Walter Statu 339 

das VetliShnifs di^s EMknaben unci des HoffrUulelns der Kd- 

ni"in und alle die Verstrickiin^ien betiachten. in welchen cllese 
Leiden durch ihre Liu l)e zu einanMer mit andern Personen 
veiflochten weidi^n. Aher eine so anziehende Macht dieses 
Stiick auch iihe, so koiuien wir es doch nnr in die R^ihe dtt 
Dicl)t^ui)gen des zweiten i\anges von dem Itertiiiintea Meisur 
ateiieo. : - • . - . . 



xyi. 

Dagegen ffthran wit nun den'Beacbancr voi* ein O^mMde^ 
da>| der Aatrolog i^berscbriebani und durcbauB wo^lll^ehals* 
ten and gleicfaktfftHiig durcfagef Clhrt | mit S t. R o it « ri a • B r u n « , 
nen den Vcnrsug tbeilt^i daii ea,' obne i^inen b^aond^rn liiatd*-' 
fiacben Anlel^nutigspiinkt und frei vdn allzu grofser Aribflufoiig 
alterthttmlicker'Sehaaiiikeiten ^ rein aua dem innern Leben und 
der Idee dea Dicbtera bervor^^eht ' und so acflbst sicb'einea 
ireiern Lebenaregens in sicb erfreiit. Docb aber kann dei 
Dichtfrs Vorliehe iur das Altt i tbUmliche nicht ganz zuiOck- 
Ijltiljen. Denn auch liicr handelt es 8ich« wie in dem andern ' 
genannten St(\cke, um die Existent einea alten GeschlechteSf 
das, wie es dort untergeht , bier erhalton wird. Auch sehen 
^vi^ uns sogleich in r]ern Kingnnge dus Ilomans in die Niibe ' 
der verfallenen Stamiiiburg dessclben veraetztj und LreiTen in 
dem neuen Scblosse, das der alten Burg Ellangowan ge^ 
genfiber in seiner Aermlicbkeit daa Bild der gegen^Mrtig^ilV, 
von ibrer frtibern Macbt und ihrem Glanze berangestn^tk«nen 
Betitzer daratellt^ a]le Hauptbelden des Sttickes zusammen. 

Mann^ringy ein junger EnglUndeti' wdcher die boh« 
Schule von Oxford Verla$sen» benntzt die gewonnene Frei* 
^^it| einige Gegenden Ton Nord-England au h'ereia'eni und" 
^^hnt aeine Wanderung bis in den angvSnaenden Theil dea 
I^acbbarlandea au^i £r hat einigefcld&tertrClmmer in'derOraf<i 
whaft Dumfries be^iicbt i itr der Naclit * will cr nocN daa Dort ' 
Xlippetringam erreichen , vcrirrt sicb aber und flndet ein 
Nachttjuartier aui dem Sclilosse K 1 1 a n g o v<r a n. Hier wird 
in ebtn dieser Nacht die Gattin des llausherrn, Gottfried 
Bertram's von Ellangowan^ den wir nehst scinern Ge* 
fiellschaf'ter, dem IVLigister A ]j e 1 Sampson^ heniien lernen, 
von einem gesunden 5ohne enthunden, und schon hat sicb 
^<?g Merr il i es, das lange , in seiner ganaen Oestalt aus* 
g^zeicbnete Zigeunetweib^ eingefunden^ um (las ki1nfcig« 
^cbicksal dea Neugeborenen au wci^sagen. Aber d^r Ret^ 
^ende yeraucht ea in jugendltchem Uebermuth^ aijbat , ala 

32 ♦ 



Digitized by Google 



340 Aoniftitt von Walter Sootl. 

' I 

bester€r Aitrologf dm jungen ^SprOftlSnge von Ellangowan 
die Nativilfit zu stellen. Es ergibt sicL ibin durcb die Beob- 
acbtung der Ge&tirne, dafs deoi Kiiide vorzdglich drei ijebens- 
jabre ^elahilich Seyii vverden, das fiinfte, zehenLe und ein 
tind zwanzigste, und stine Beobachtungen stirnmen so m it der 
Verktindigung der Propbetin tiberein : dafs dena Kinde viele 
Gefabr drobe , aber «ey9 nur dd« etn und swanzigste Jabr 

fldcklicb yprCiber g^gangen, so werde allei herrlicb enden. 
)abei Uberrascht ihn noch der hesondere Umitandi dalsy «)s 
cr frflber in eilier Sbnlicfaen Anwandiung tbdrichter Laun« 
seiirer .GeliqbCen » Sopbie Wellwood, die Nativitfit ge* 
etellty aicb far diese daa neun und dr^ifsigste Jabr hedrohlich 
gezeigt hatte; nnd nacb seiner Berechnung wird ibr nenn und 
^ dreiisigstes genau mit dem ein und zwanzigsten des Knaben 
zusammen stiinmen , was aut eine Verscblingung des Schick- 
sals beider zu deuten scbeint. Urn aber mit diesem Spiele — 
Wofiir er selbst es achtet — nicht eine nachtheilige Einwii- 
kung aui das Leben des Neugeborenen zu liben ^ iibergibt er 
aeine BeubacUtung versiegelt dem Vater, mit derfiitte, das 
Gebeifliuiirs vor dem Verlauf'e des fttnt'ten Jabres nicbt zu ent* 
htitlen, und in der sicbern Ervyartung, dais dann der unglQck- 
]ich« Zeitpunkt obne irgend ein aunallehdes Ereigntfs werde 
vorflber gegangen und seine, Wabrsagung in threr Nicbti<],keic 
•rkanat Jordan se7n« 

Nacb seiner A breise wird das Horoscop dem Kinde, a!i 
ein Amulet, in einem Sammetheutelcben an den Hals gebiingt. 
Sampson wird 2ur Unterbaltung des Hausberrn und zi\ der 
Erziehung des sich mutbig und kriiftig entfaltenden Knaben 
auf das Scblols genomrnen. Der gutmutlnf^e Herr Gottfried 
Bertram erreicht das Ziel seiner Wikn&cbe, indem er Frie- 
densricbter wird. Aber an dem Eifer seines Amtes reiftt er 
nun aucb die Landstreicber und Bettler, die bisber einen ru* 
bigen Aufentbalt in seinem Gebiete gefunden batten, besoa* 
ders.die Gfsellscbaft der Zigeuner^ der JMeg Merriliesan* 
. gebdrte^ gegen sicb^ und gar berrlicb'ist d^e Scbilderung des 
Absuges der kieinen Gemeine von Derncleugb^ und wie tt 
selbst den gewaltsam YerdrSngten begegnet^ unil die Fflrdb* 
terlicbe, Unheil verkiindend , an ihui vorOberziebt, AuA 
den Scbleichbaiidlern und deren Fohrer, dem Hauptmanne 
Dirk Hatteraik, tritt er, in Verbindiing mit dem rCisti- 
gen Zollaufseber, F r a n z K e u n e d y , feindlicb eutgegen. So 
nahet der Tag, an welcbem der Sobn des Hauses das fnntte 
Jabt bescbliefst, Auf einem Spaziergange, den er mit seinem 
Lebr«r Jnacbtj begegaet ibnen Kennedy t un^ nimjity ebsa 



Digitized by Google 



Roiaiat TOD Walttr Scqiu 341 

in Verfolgung der ScbleicbhSndler begriffen, den munterfi 
Knabtn sti tidi aiif dae Pfard* Man findet hurrauf den Lteicb^ 
mm dei ermordtten Zollaufaabers ; alia Versuche» den eat* 
schwundenen Knaben wieder aufsuBnden, lind rergeblicfa. 
Car Unfiall fiBrdert die alUu achnelle Entbindun^ von Bertram*! 
Gattln , die ibrer sweiten Niederkunft nabe tat« Der Frie* 
deoirichter wird zugleich Vater einer Tochter und Wittwer, 

Diese V"or^:iiige foUen die zelien cisten Kapitel des ersten 
Theiles, und sind gleichsam das Vorspie] des Ganzeny aus 
dem sich der scharfsinnige Leser nun selbst die Verkettung 
desFolgenden biUlet, wie der Knal)e mit Mannering's Gattiii 
in Berdtii un^ treten, und das ganze 6tQck mit deasen Wieder« 
ericbeinen sich bescbkFtigen werde. 

So sehen wir denn nacb einem Zeitraume von siebenzehit 
Jabren den reisenden Scudenten ahermals in dem Dorfe Kip* 
pletringaoi, aber nun als den indeaaen in Indien berbhint ge« 
wordenen reicben Obriatan Guy Mannering, «r« 
schelnen; un.d a war su eben der Zeit, da die Herrschairc van 
Ellaogowan den HSnden ibrea lierabgekQainienen Beaitsera 
durch dffentlicheyertteigerung entnodimen werdea soil, Nocb 
iit in dem Obriaten die £rinnerang an ienea nflchtliche Ereig* 
itifs und die Tbeilnahme ffir die unglilckttche FamiKe leben* 
dig I und er bescbliefiit, mit Hnlfe des Untersberiffs der Graf« 
scbaFt, de» redlichen iVI a c AMoilan, das Gut zu retten. Er 
wird Zeuge des Todes des heklagenswerthen Lairds und des 
Wl'irdigen Verhaltens seiner Tocluer L u ci 0. flierdurch zwar 
wird die Auction aufgeschoben , aber die Herrscbaft Ellao- 
gowan kammt zuletzt docb in die HSnde dea schiindjichen 
tilossin, des Sclirtibers des Edelinannes, der am meistea 
zu dem Ruine d€S Verstorbenen , seines VVohlthaters, beige- 
tragen, und zwar durch die Schuld des Boten ^ der die Briefo 
und Vollmacblen dea Obriaten nicht «eitig genug ao den Sheriff 
ttberbrachte. 

Mannering nSmlich aiebt sich durch seine eigenen 
Familieniingelegenbeiten au einer acbnellen Reiae nacb Mer« 
▼fn-Hall in VYeatmoreland reranlafit wo er in dem Haute 
seinea. Freundea Arthur Jilervyn aeine Tochter Julie; welche . 
ifam aita Indien gefolgt war 9 xurQc&geraisen* Scbon sein e»ge« 
ner Brief an dteaen Fretind gibt uns von seinen Scbickaalen in 
dem fernen Erdtheile Kunde, wie bier ein junger Officief^ 
Brown, seint* EiFeriucbt erregt , unddieser, in deui Zwei- 
Jcampte von ihm ver«vundet, dnraui durch den Ueberfall einec 
jauberischen Hordu seinen Blicken entzogen worden. Seine 
Oattin, die ihm hesprgt £o}gte| war in derselben 4^eit in Ge* 



Digitized by Google 



34^ ftominf von Walter Saot^ 

f^br , In die G«wflH einer andern Baiide zn geralJien , und 

(iiircU di^ae VorgSnge erschilttert , acbt Monate darauf ^ s tor- 
ben. Die Briefe JuTieiis tjiLliLllleii um ddnn , wie die OLriatin 
t^lbst keine Verbindung mit Brovva gchalit , sondei n ■ luese 
iiur zwischen dem jnngen Alanne und iLirtr Tocliter gefor- 
dert, und lieber, als dais sie ibrem Gemable das Geheimnifs 
entdecikt, d^ssen eifersuchtigei:(,Ar^wobn aut' sicb habe rubeii 
lassen. jBrow Q bat aich nun aber ^ucb in Mar ^yn* Hall ge« 
^eigt, und wir vernebo^en vorerst sp viel von ihm, wie er 
selbat in Hinsicht seiner Abkunft blofa weifs^ dais er aus 
j^chottland etammey und^ in Holland in dem Haiiae eineiEauf* 
mannes erzogen , von da nacb Indien gegangen, wo er, ob- 
gleicb fnr denKaufmannsstand gebildet, MiHtdrdienate genom* 
men. Dit^se Erscheinung des uachtlichen FlotenspieleT* abeff 
die dem Obristen durch seinen Freund gemeldet worden, lit 
die Ursache von seiner schnellen lleise nacb Mervyn- liaii. Er 
bezieht bierauf mit seiner Tocbter seinen Lnndsitz W ood- 
bo ur pe, den Mac JVIorlan in der JSSbe von iiiJangowan fur 
ibn mietbete. Die verlassene liucie Bertram iindet eins 
Freistatte in seinem Hauae^ eipe tiesellscbaf^erin in &eiaei 
Tocbtjer. Sampson, der sich von JUvciep nicht treno^A 
iano I wird Aufaeber der Bibliothek. 

ppcf^ aach Brown bijsibt nicbt unthHtig, Sidb keiacc 
Verbindung mit der Gattin dee Obristen bewultt^ weifs er 
nm dessen Eifersucht gar nicbt , und erblickt bios in seinem 
Verbaltcn die IMiisgunst eiues aristokratiaclicii Uateidiiickers, 
^(.-gen den er sich durch keine RCicksicbt gebunden glaubt. 
Um so hOher achtet er seine Geiiebte, und ^ selbst edel und 
niu tbig, will er sie, ohne Gewalt oder Ueberredungf aUeio 
nur durcb ihr^n eigenen i'reien Entscbluli besitzen. 

Er tritt zu Fufs seine Wanderung nacb Scbottland an« 
In Cumberland trifFt er mit Merrill es zusammen,die 

durcb den FitcbterOinmont ^on dem Falle des . Hauiei 
Ellangowan h&rt und mit dem Tode des l^aird all<t Scbuld ge- 
tilgt achtet^ Brown wird sogletch. von ibr erkannt, so wis 
ibre Erscbeinung frQbere Erinnerungen in ibm weckt. Dea 
Plichter rettet t?r aus den lianden dti ilauber unci (■ewinnt 
.sich die Lieije des treuen Muiines, aiiF dessen Gute er meLitfe 
Tage vervveilt. Bt-'i rortset?:uiig seinf^r lleise gerHtb er zar 
Naclitzelt in die Morderhohle, den Thurm von Derncleugbi 
wo er Zeuge ist von dem Toile des sterbtjnden H^iuberhaupte^? 
und durcb die M' g vor den niichtlicb aecfienden Miiiwern g«^* 
. sphlrmt i^fi dem Abschiede reicbt ^i« ibm den Bewt^l 

mit den Goldstticken und lU^inpdien , den $cbats d(»r Ufiti^t 



Dil'itized by C^bogle 



( 



ftoaiMM Ton Wdtfi Ssolt 34S 

unci gewinnt ihm ()as Versprecben ah, iitr duf ihren Ruf| WO 
ei sicb auch h«Uuden mdge, su folgen. ' 

« 

-Die Familie in Woodbourne w«r in<i«it«n dufch einen 
Anfell der SchlaicbhSndler erscbreckt worden. DUt« waren 
in Verf'olgung einiger Zollbeamten Lig zu dein Wohnsitze des 

Obiiittjn selljst gelangt, uud da die Fjilchtiinge hier Scliuta 
ianden^ so hatttii sie auf die Wolinung selbst einen Angii£F 
gemacbt, wohei durch den Obrlsten und den jungen leichen 
Hazle wQucI, der um Luciens I/iebe wirbt, der iuiiut r tier 
Bande una ein anderer todtlicb verwundet worden waren, 
Hierdurcli sieht sich der junge Plausfreund, da er an dem ioU 
g«iiden schdnen Winter tage die heiden Fr^ulein nach einem 
naben ^eiVorenen- See begieitet, au der Vorsicht reranlarst, 
sich seiii Gewehr nacbtrugen zu laMen. Auf dies«r lileineo 
Wanderung erscbeint pldtrdich der colossale Brown in 0«inet 
HeiMtrachc vor ibnen, Julie «chtei(*in der Uaberraicbung 
lnut auf. Ibr fiegUiter vermutbet ein died aua der gefilbr^ 
Ikben Genoasenscbaft vor licb und gebietet dem Ungekannten 
tcbnelle Entfernnng. Da dieaer nicbt geborcbt, so legt ec 
sein Gewttbr anfibn an. Sie ringen mil eim^nder^ und bei 
der gegenseitigen Anstrenf^iii;^ -eljt di« Waffeloaj HaJilevVOOd 
wird iii die 5chuker vtrvvmidet. 

Man ist nun au£ das eifrigste hemUbl, die Spur seinea 
fiQcbtig gewordenen Gegners auf^ufinden. Beaonders bletet 
der unedTe Gloss in alles auf, sich dec Person des FlCk:litlin« 
ges au bemUchtigen^ um so das ibm nocb febJende Anseben 
und vorzilgltcb die Gnnst des reicben Vaters des Yerwundeten 
aa gewiiinen« Es gelingt ibm, der Wirtbin sja Kippletrin« 
gaai, bis veobin Brown ge]angt war, das Gebeimnifs ibrea 
Oastes au entlocken ; und da ihm jetzt ^in Gefangener einge« 
bracbtwird, sowShnter, den Gegensland seinerNachst'»lIung 
in seinen H2nden 3LI seliL'ii ; a!)er er erkeriiit: zu seinem Selii cckea 
I^i r k II a 1 1 e r a i k in den)seli)cn. Er inuls die&en zwar gelangen 
i^ehmen , a!»er er l.'tlst den alten Schieichhandler in der Nacht 
iuis seinein Gewalu saine entHiehen , nnd da er darauF nait ihm 
in der gehei/uen Ilohle ziisaimnen triftt, so enthitilt sich aus 
lin er Uiiterrednng, wie der Schiindjiche iriiber mit den Schleich* 
blindlern in Verbindung gestanden nnd aelb&t zu der Entfer- 
^> <ng des Knaben mltgewirkt hatte, der von dem Lieutenant 
^rovvii (ehen jenem bei Woodbourne erscbossenen Fflbrer 
der. Bande) aeinem Vater in dem Hause Vanbeeat imd Van« 
bniggen war flbergeben und von diesem erzogen und Uebge« 
Mtontiffh worden, ZugUich ecbUlt er. durch Dirk die Gewil'a* 



Digitized by Google 



344 EmMM von Wdtv Seou, 

heit, dffs Biroirii ^ocb an dm Lebifti nnd jn deiii l4ind« jejre, 
und er verabredet mit ibm d«n Vlan^ wie er aicb dea einaigen 
mfinnlichen Erben TOnElIangowan, der ihm seineoBeaita streU 

tig macben kdnnte, zu. entledigen gedenkt. 

Liiterdefisen langt ein Brief an , welcher den Tod del 
FrSuleins Margaret ha Bertram von Sini^ieside inyl- 
det und die Erben des verstorben^n Lairds autiordert , einea 
Bevollmachtigten zu Ero^nung des Testaments der \ erstorbe- 
nen nacb E4inburgh au aenden. Der Obnatbescblielst , selbst 
sich in dieser A'ncelegenbeit dabin au bageben. JpiVlit ihia 
trifft der redlicbe Dinmonti ala Beacbiitzev einer anaen Vec- 
wandtin das Frlialeiniiy ein, und wlr lernen nun aine neut 
Person kennen , den lebensbehaglichen , jovialen, gelebrteBi 
biedern Kaahtimann Paul Fleydell^ an den Mannering ge« 
wieaen itt^ und den er in dem lustigen Kreise bei dam Sptele 
High Jinks trifFt. In Beiseyn allei wild das Testament er5ff- 
net, abei aucb zu TUuscbung der Erwartung aller zeigt sich, 
dais die Verstorhene ilber das Gut Singleside zu Gun&ten des 
Testauientseroiii^ei s sclbst, Peter Trotoco], verfiigt hat, je* 
docb unter der Bedingung, dais derselbe das Gut an 1:1 ein- 
rich Bertram, Sobn uii<i Erben dea Gottfried Bertram , yon 
Welchem die Erbiasserin versichert sey, dafs er sich noch am 
. Leben beiinde, nacb dessen Rcickkebr in seine Heimatb Stt 
^bergeben b^be. Und. durcb die Dienerin /ier Verstorbenen 
weifs PJeydell zvi erfabren, daf^ sicb dieae ibra Gewifsbeil tor 
dem^ nocb Vorbandtnseyn ibres Verwandten auf die i)^ussagen 
einer Zigt'unerin grilnde, die der Bescbreibnng nach keine 
andre, als Meg Merr il i c s seyn konnte. Hierdurch wird 
von neuein cks Qbri^Ua 4"i-"*^'Vi^§aiitkeit auf 4ea VeiDLUwtia* 
denen gewc inlet. 

Dicsei — Brown — war den gegen ihn gerichteten Nach- 
forscbungen dadiirch entgangen, dais er zu guter Stunde ein 
Fabrzeug an dem U£er vortand, das ibn nacb dem kleinen 
Haf'enorte i^lloqby in Ctimber]and binCiber gebracbt b.atte. 
Von bier gelang es ibm, Julien einen Brief zu ubersenden, 
tiud ibre ^ntwort bestimmte ihnt selbst w^brend des Obristea 
^ntfernang sicb wfeder beri\t)erscbi^en au lassen, £r landet 
bei dem alten Scblpasa Von Ellangowan, und unktindig und 
^ fremd, in einer bedrSngteri Li^e, obiie Freund nnd eiaes 
scbweren Verhrecbens qnneschuldigt, tritt er in die B5uiiis 
ein, in doijen seine Vater mUchtig gebeirscht batten, W2h» 
rojid friVhe Jngendciinnerungen iumier inehr in ihm GewalC 
gewinnen , gesellt sici) fler scljlechie Glossin -u ihm, der ibu 

s 

■ 

I 

» 



Boaim Tw Wdtat Smu. 



34ft 

9 •* * 



Hazlewood, dem Vater des durch ihn Verwundetan, brin- 
gen liilst, der, als Friedenst icliter, auf Glos&ins Antriebj den 
Verhaftsbefebl ausfertigt, woiuufer einstweilen , da er «icb 
aut den Obristen Mannering berutt^ der nocb nicbt znrilckge- 
kehrt ist, nacU dem Zuchtbause von TorUnterry gebracbt 
wird. ..Kun scheint er obue Rettung verloren, Docb beUend 
waltet in dem Yerborgenen Meg Merriliea. Auf ibren Antrieh 
eilt der getreue Dinmont in den Kerker lu ifani; durcb den ii& 
den Tburm von Derncleugb verirrten Sampaon ilberaendet sle 
dem dbritten den Brief ^ welcber diesen bestimmt, den Wa- 
gen absuachtcken ; aucb dem jungen Havlewood eracbeint sia^ 
und veranlaCit ibn^ die Oragoner, die aein Vater « auf dea 
•cblauen Glosatn £inAltterung, aus Beaorgnifa einea ibm von 
den ScbleicbhKndlern drobenden Angriifes von dem Zollhauae 
zu Portanferry su seiner eigenen \ ertbeidigung berbei ^erufen 
hatte, dabin zurQcJtzusenden, la der Nacht klUrt sicn dann 
Oloisiiia rian auf", der kein. anuerer war, als sicb mit Hulfo 
der bcbleichhandler des Erben von Ellan^owan zu bemScbti^ 
gen. Denn nacb Entfernung der Wacben brecben diese nua 
gewaltsam in das Zolihaus ein, lege»? Feuer an und FiUiren den 
Geiangenen aus dem Kerker. Docb von der wiiden Kotte 
seihst ist durcb die Meg einer ftlr ibn gewonnen, rait dessen 
llidfe er sicb lof macbt und von dem durcb den Obriaten abge* 
laudten Wagen aufgenommen wird^ 

In Woodboarn« ist unterdeasen Aer treffliche Fleydell - 
^ingetroffen , mit dem atch der Obriit beredety und dem er 
den Brief der Meg seigt , welcber mit deh VYotten acMiebt ; 

Was dunkel ist, soil Licbt, 

Unci CJnrecbt werden Recht, 

Unci Bertrams Recbt und Bertrams Macbt 

Auf £ilangowan'a Burg erwacbt, ' 

Die ungGcliildig Hariendeu selien endlicb den Wagen anlangen^ 
luid grofs ist ailer Erstaunen , da die beiden, Bertram- 
Ju own und D i n ui u n t , eintreten. Bertram erkenut deii 
Oljristen, unJ M a n n e r i n g erlilickt den IVtauu voi sicb, den 
er Wahnt in Indian getodtct su liahen; Julie sieht den Ge- 
b'bten in einer sebr geCUbrlicben JLage, und Lucie erkenut 
den Fremden , der aui Hazlewood geschossen batte ; Tley- 
dell entdeckt in ibm das ieibbai'te iLbenbild votyl^Uangowan ^ 
aber vor alien ist Sampson's Freude grofs, d<r in dem secba 
I^ufs boben Kriegsmanne seiuen klein^n Heinricb . wieder er« 
^«niit« Alles entbiiiU sicb* Bertram eraSblt seine Jugend- 
«iiniierungei]j der £rb^ von £UangQ>V9n Eit wiedt^r genabet|.. 



Digitized by Google 



346 



'fcosnua toa Walttt Scott. 



"Lucie hat den Brtider gefunden, des xVstrolog«n Verkundigun- 
gen fiincl alle waiii" geworden. 
I Doch Bertram, auf (Jen die Gericbte noch , als auf eiiien 

• €ntspruni]^enen Gef jn^enen , Anspruch liaben, muis vorer&t sat 
juris weiiien. In dicser A])sicht beuibt niin sich nach dem 
Schlosse Hazlewood, wo die Freunde iiir ihn Biirgschatt stel- 
len, und der Entlassungabefebl ausgefertigt wird. Nur noch 
ail den klaren Beweisen in Hinsicht seiner Person feblt es. 
Audi bier erscheiot die Meg beliend. Seinem gegeb«ne(i 
Worte geniais foJgt Bertram ibrem ilufe in Begleitung^ des 
tr6M(?n JJinmont. Sie leitet sie nacb dem Tburoie von Dern- 
cieugby nacb dem Warrocb* Walde, In die ^ heime Hdble an 
riem Strandei wo sie sicb mit HQ]fe dJk juagen Haslewoodi 
, der ibnen cefolgt war ^ flatteraik*s beinllcbtigen , der rScbend 
aein FUtolauf die Meg abdrfickc. Dafs es so bo mm en werde, 
bat sia vt>rber gewufst, nnd lUfst sicb nacb dem Tbiirme voa 
Derncleugb bringen, wo nur die Seele frei werden kann voa 
dem Leibe. Hier that sie ibie Aussa^cn imd s:i:l)t. Hatte- 
ennt vor Geiicbt nicht; aber gfgc G]i>ssin fIniJen 
sich alle Beweis^ vor, und er wird von jrneni in dein Gefiin^- 
jilsse erwQrgt. Bertram tritt nun unoestort in den Besita 
seiner VUter ein; seiner vScb wester bestimmt e«r das Gut Sin- 
gleside; dtr Verbindung beider Geschvvister stt-ht keine Uii> 
, derungmehr im Wege. D4r Obrist entwirf't den Plan zu einern 
grofsitn undgliinzendenHause, das unvtreit des netien Scblosses 
in einem der fracbtder benacbbarten alten TrOmmer angemes- 
^aenen Style erbaut werden so]I, nnd wo auch dem treuen 
Sampson sejn Gemacb neben der Bibliotbek heseicbnet tsty 
der^ bierClber entzflckty dreimal seio M^^'undersam!*' Wfc* 
derboU. — * ' 

, So fibt der DIcbter an dem Scblusse vol]e Gerecbtigkeit| 
und gleicbt alles au der angenebmsten Befriedigung derLeser 
^iis. Und einen grofsen Eindriick kann dieses Stiick auf den 
Oeist und die I'liaiitasie des Lesers niciit veriehlen , da es sfcb 
in seinen einzelnen Tbeilen ninl seiner ganzen EuLlaiti-p 
cliircbaus klar nnd von einer au Tsf rurd^ntlicben Friscblifit 
zeigt, und zui;]eich in seiner Verschjiiigung dunkel iiiul g^* 
beiinnifsvoll von dem Aniange an fast bis zu dem Endii bleibt. 
Denn nacb dem Leben sind alle bandelnde Persorien geni;i|t; 
i»tbr} als in vielen andern StQcken , waltet ein gemiiLldiciit^^ 
' , }legen dorcb das Ganze, und wie iiberans berrlich sind viele 
• inzelne Scenen durch grofsarti^e Zeichnung oder launi^« 
tSchilderuif^gS a)s der Abzng der Zigeuncr, Glossins Besncli m 
VVoodbouruet wie atle dem Veracbteten den Rttcken kebuU} 



Digitized by Google 



Hoauao ¥oa Walter SootU 347 



das Spiel High Jinlct mit aeinaiii Kdni^e in fidinburgb, <)ds 
Auiitiiucben seiiusr Jugendmnaerungen in Bertram , da die 
Burg i«tn«r Vftter betfitt t. Dagegen dift , welch'6 in 
dieter to wahr gebaltanan und ao klar tind bastimmt bervor^ 
toetendan WirklicbkaiK an wunderlicbam Gontraata mitten inne 
iittlit, ist ein aehaam phantaatiicbea Geb^l^^^ Zigeanar« 
weib Meg Matriliea. Sia apricht voraua das Scbickaal 
det Erben von Elbngowan aus, unH veranlafat Mannering ttci 
Austtbung seiner astrolugischen Kunst. Mit treiief Liebe 
lian^t sie an dc\n alten (j esclilecbte , bei dettt ihre Gemoinda 
60 iai.^e cine Zuilucbt gefuiidcq; sie spricbt den Flucb tiber 
den Veidianger der»elben ; aber dem Knaben Meibt ibr Hers 
gewogen. Da war sie cm irimder Geist, als Dirk HiUteraik 
ihn in dem VV^alde' von Warrocb wegnahm und dcii Zdllner 
mordete, 5ie rettet des Kindes Lieben, docb scbvvuit sie, bis 
aiLteineoi ein und awansigstf^n Jabre das Gebeimniis nicbt zu 
verratben , und sie weifa, dais er bia au df»m ibm bestimmtea 
Taea aein Scbicksal tragen mufs. Sia bftlt ibren £id, aber 
aucb nocb einea andern bat sie gescbworan, ^dafs sie ibn wle« 
der in aeinea Vetera Gut etn^etaen will^ vrenn sie den Tag 
isiner Hiickkebr/ erleben wirdy und sollte jeder^cbritt tkber 
einen Todten gehen. Aucb diesem Scbwure bleibt sie treu ^ 
sie selbst iat der erste Scbritty Hatteratk der aweite, GlQisto 
der dritte. In ihrem S^ruobe aus dem alten Liade; 

, ^ Was duokel ist, soil Licbt^^ u. s« w« 

ist der Inbalt dea ganzen Stttckea angedeu^et. So at^bt sie a!s. 
jeheinie, dunk]e iVIacbt in dem Mittelpunkte «dea klaren Ije« 

Dens, das sie leitet, und alle die verstUndiuen Fersonen ge- 
boiclien dem Worte und AiUiiLbc' dci- Phaniastin. VVie sie 
dem jungen Hazlewood entgcgentritt und den Zligel seines 
Kosses tal'st : eine bohe weij)licbe Gestalt, die t^ii» gioUcs 
Tuch uiii den Kopf gebunden bat, aus vveicbein wibl graue 
Haare berabflielsej) , gehCillt in einen langi n lotben iYInntel 
und in der Hand einen Stab mit kintr Art von JLanaeuAjjitze 
tragend; so erscbeint si« durcbiius seltsaai und Grauen er- 
weckendy vol! Drohen, aber nicbt obne liicbe in dem binter 
eineni so baroken Aeulsern verborgenen Innirn, und es ist 
vpn dem Dirbter mit preiswurdiger Kunst in dem Dunkel ge» 
lassen, ob mebcBetrng Oder Selb^ttiluscbung, mebr VVabnalnn 
Oder Dlvinationsgabc und ein Sebei geist in ibr walte, 

Als eine dcsto cdkr nebaltene, klareie Gestalt stebt der 
Ohrist O II y xVI a n n t» r i ii dem Zi^'tii n«r - nnd Zanberweine 
gt'gcnUberi d^r »clbst t>iuuiai in jugeiWUcbeui Uybeimutbti &icU 



Digitized by Google 



% 



veileiten ialst, in dem gastlicben Hause der Ellangowan die 
lU)!le fles Astroloj^en za spielen , und nun in innigei TbeiU 
iiahme sicb an das Scbicksal des Hauses gefesselt siebt. An 
ihn scblielst sich zunilcbst der ansehnliche Krieger und edle 
junge Kiiinpffcr Brown — Heiniich Bertram an, mit 
seiner gleicb edeln 5chw«Ster LiUCie, die beiden kriiftigen, 
g«iatig«ii joinder eines geUteaarmen Vaters, Gottfried i^er. 
trams, aus deaaen Wesen nur £in, Zug, der seiner groisen 
GutmQtbigkeit , anapHcbt* Ala ein seltsam launenhafkea Wa* 
Men^ wia «in6 Bluiae aua «ineiii gldhendem , fippigern Hioi* 
inelaafcrtcbe berabec verpflansty mcheint J u 1 i « Mann^ring 
ii) ihreni VerbUllntaao su BroviPn. Anatahanda varmittelnda 
Feraoaen aind Mai? Morlaix und Flaydall, dia redHcben 
und geachiekten ^achiamffnitarf su walchan dan . Gegena an 
bildet der tdckiacfaa Varrathar Gilbart Gloaai'n, der nn- 
dankbar den Untergang des alten Geschlecbtaa herbaiaufiSfarea 
atrebt; so wie dem gleicb scblechten, aber gewaltigen Dirk 
Hatteraik dec rediiciie Dinmont gegtL-niiljet ste bt. All 
ein besouderes Gebilde des genialen <Erfini]uiiiijSgHis»ttiS del 
X)icbtcrs aber ^I'Anzftt in dem vollen Fliiiunern seines gUick- 
licben Iiut4)ors der arme iVIagister Abel Sampson, die lange, 
inagere, ungescblacbte Gestalt, der Knocbenmann nut seiner 
Ungescbicklicbkeit und seinen Grimassen , aber dem tieuen 
liefzen und GemOtbe ui^d selnar grolsen Gelebrsamkeit und 
Braucbbarkeit far den , welcberf wie der Obriat, ibn su acb* 
tan und sicb aainer zu badienen weifs* 

So feblt ea nicbt an aiuar Ffllla dea Anaiabanden und Er- 
gdtzlicben indieaem StCicket an daip nur daa gatadeU werdeo 
inula f .dala as eigantllcb aua swaian Stfickan baatebt^ aua dem 
Vorapiela und -dam Romana aelbat , der nach ainam leeren 
iZwiacbanraujna von aiebensebn Jab'ren beginnt« Aucb awei- 
feU der Leaer aoglelcfa ntcbt^ dafil diaser SprofsHng von £IUn« 
gowah in ain^beaonderea Verbaltnifs mit Mannering tretea, 
und zwar, so wie wir von einer Tocbter des Christen boren, 
dais er (iLii cii diese ibm werde verbunden werden ; so wie der 
eutscbvvundene Heinricb Bertram in Brown sogleicli erkarint 
wird. Oessen uneracbtet weifs der Diciiter das Interesse his 
an das Enr}« des StilcJccs tege zu erbaken. Aber es isc anch 
bier minder eine grolse Idee — die nur wie zufUllig in dem 
Spruche der Zigeunerin herauf'tont — was anziebt und test- 
liikk 11 nd dann einen blaibendan Nacbklang in dem Gemiltba 
xuruckliefse ; es ist der Reiz einer anmutbigen Veracblingung* 
ein dunkltfs Gebaimniiiiy ain geistretcbes KStbael 9 was bis 
aainer LOaung fea^ait lutdCbeacbiU'tigt* danoabar, iqiffiadie<« 



Digitized by Google 



Eoaano Ton W«lttr SmII< 



gefunden ist^ teriM B^dtntung verloran hat. Und ht«ratis ef- 
xlArt slch d«nn tlbm to wohl die geringe >yirkang, wdche 
dieaa Stflclce auf dat GemOth hervotbrtneen , all das grofiv 
Intereue, dat tia dannoch arvreckan. und warum aelbst diet 
in deneii dat idaale Kagan untarsegangen ^ und dia achon aua 
der Feanwek dar Foaaia in allaNtlchtarnhait ainaa prosatfehefi 
Geschifrlahans eingagangan aind, die ^st jeden Dicbter flie« 
ben, dia aelbit Sbakespeara nicht mehr anspricht, doch he- 
ieiig nacb Walter Scott'* Aomanen greiien : es ist das Soli ie^ 
le Macbt einer grolsen Wirklichkeit , mit Phantasie mid 
T8lbi»]haftei Verscblingung durcbwebt, was sic anziebt, und 
ohn i t unbe^uem anauregen^ angenabia haicbUitigt* 

XVII. 

WJr treten von dem jfstrologen vorzwei grofse gescluclit- 
liche Genidlde, die neuesten Schoptungcn unseres Meisters. 
£in jedes detselhen uiui'aXfit auf zwei ant sablreicben Figuren 
belebten Bildarn, dia als GegenstOaka neban ainander aufge* 
steilt lindy einan baaandarn Kreit won Ereignissen. Erzlib-^ 
lung en von den Kra Uafabr er n sind heide dberscbiie*. 
ben^ obglaicb das eina naber ala die Varlobt an bezeicb* * 
net — - nur etna fernere Beziebung auf dan groisen gescbicbt* 
Hchen Vorgang bat, wAbrend daa andere una geradebin mitten [ 
in da$ Lager dea berdbmt eaten unter alien Ffiraten irersetsty 
welcba daa Scbwert au Erobarun^ .daa beiligen Grebes gefflbrt 
baben, der aber in dem aratern 6tfkcka nur einmal ala k(ibner» 
l^oi}»fiuatiger Jdngling erscbetnt und im Sturma die Burg 
aiamt, welche den Mittelpunkt der Ereignisse desselben 
•Mmacht. 

Es iat dieses das Scblofs Garde Doloureuse, von wo 
^er Norinannische Ritter Sir Raymond Berenger die 
Griinze von W ales scLh rnt, und el'en das Leben dieser Nor- 
roanniscben GTanzlorde in ihrem Kampfe und Ge^ensatze mit 
den Waliser I^auptlingen ist es , was derDicbter sicli haupt- 
^^chlich ftu dem Gegenstande s<Hner Darstellung erw^blt bat. 
^ ist um das Jabr 11 87. Der Erabiscbof Balduin von 
CanterL ury bat den Kreuaaug varkUndety und der gamaan* 
same Eifer ffir das beilige Unternebman swiscben die KSoapfa 
der Waliser und GrSnzlorde eine kurse Rube gebracbt* Ja 
fraundJich aeban wtr dia beiden alten Feindef Sir Rayn^ynd 
Berenger und den kOhnan Waliaer IlAuptling Gwenvryn 
oder G^renwyn vran' yon Fowyat die Brandfackal von 
Fengwarni aucb dear Wolf von Flinliinmon genannti 



Digitized by Google 



350 Homane von Walter Scott. 

sicb atif ihren Burgen bewirthen. Noch mehr hofft der ietz* 
tere den Frieden durch eine Verbindung mit der Tocbltfr dei 
Hitters, der scbdnen siebzehnjilbrigen Eveline Be r en g«r^ 
SU befestigen. An dem Osterfeste, da er seine Bardeii^ dat« 
unteriden hocbgesinuten Cadwallon, und seine Helden urn 
$icb ¥eisaiomelt ^ seodet er werbetid d«n Boten ab, £>er Eit« 
ter antwortet ablebnend, aber yers5bnend| weil die Handd^a 
FrSluleina scbon Hugo^yon Liacy^ dem edelo Constabler von 
Chester, sugt^sa^ t sey. Aber tti wildem Feuer lodtnrt der ab- 
gevvifisene I^auptling mit seinen Britten auf. Krieg und liacbe 
wird bei dem b'este besch]o8sen, 

Bei den fruberen Festeii war vor dem Ritter daraui i n- 
gedeiitet worden, wie ei sich nur in cJem Schutze semci un- 
ilberwindlicben Burg zu behaupten vermocht. Da hat er das 
kOline VVort fallen lassen: Gwen^yyn solle ihii| wenn er wie* 
der bei der nahen BrUcke sein Banner 'auipflanseii werde, aus* 
aen treffen« Durch dieses rasche Wort hfllt er sich nun g«> 
hunden ^ und tritt mit seiner kleinen Scbaar dent aberoiQtbi* 
gen Fein de auf offenemFelde entgegen. £r fHUt in gewattigem 
Kampfe mit seinem treuen Knappen Denni^ Morolt. Sei" 
ner Tochter und seiner Veste bat er in dem- rub festen Fla^ 
inander VVilkin FJammok einen sicbern Beschtttzer zuriick* 
gelassen , dessen List es nicbt nnv gelingt, seine tetten Kiihe 
in die zu einer Belajierunff weni;: vorbeieitete Bui !?, brii.- 
gen , sondern dessen Tapiei keit aiich die hettigen ^tiirme fUf 
Feinde abwehrt, bis Hugo von Lacy zu rtcbter Zeit 
acheint, und an den Walisern, deren Filrsten Gwenwyn 
mit eigener Hand erlegt, blutige Kache nimmt, Seinen Nei-* 
fen, den edeln jungen Damian Lacy^ aendet er mit der 
Nacbricbt Von ibrer Errettung an £vellne| und da er selbst 
aicb zu dem' Krettsvage yerpflicbtet uiid gelobt hat, unter kein 
Dacb m«br su treten, so Iftdet er sie/ nacb der feierlichen Be* 
atattung ihres Vater# / 8tt einet Zasammenkunft in aeinem prScb* I 
ti^en Zelte ein. ' ■ i»v4a«MBiM£l 

Eveline bat indessen in aller Noth unci Befh*3ngfilft'^ ! 
sich als die groi'sartir^e Tochter eines ri ttt i liclien Vaters be* 
wiihrt, Vor der beiiigen Jungfrau, der i)esondern Bescbfitse- 
rin ihrer Burg « i*t sie in banger Stunde niedergesunken , 
hat der Da me von Garde Doloureuse gelobt ^ wenn sie 
Befreittng scbenken u^erde « ihrem Ketter alles, was er yeHan« 
gen Uiid was nur ibre Ebre gestatten wQrde^ und sey ea der 
Besits ibrer eigenen Person, 7<u ge^slbren; Und Hugo von 
Lacy briogt nun die frilbern Unterbandltkngen mit ihrem V 
ter in Anrtrgung; er^ der filtliche Oheim^ der bertlhmte 




Eomane von Walter. SooK. 351 

ter, aber nicht* wreniger aU schcine Mann, tritt henror^ d<}r 
jun^e, Hebenswflrdige Damiaa deJbacy w«iclit in den Hiii« 
tergrund zurtlck. Eveline hat: bi0ichlos«ea 9 oboe vorerst 
dem Ritter eine i»eftti<nmte Erkliirung su geben^ ttch in die 
Huth ihrer Xante , der Aeiitissin in dem KJoster der Bene* 
dictinerinnen eu Glocester, surOckftusieben* Auf der Keita 
dahiu wird sie yon eioer andern V^rwandten , £riiiengar4 
von Bttldringbam, eingekdenf die Nacbc bei ibr susu* 
bringen, und durcb die alte Dame. ffen^tbigt, ttbemschtet aie, 
nach d«r Sitte der Frauen von fialdringbam , in dem Zimmer 
d«8 rotben F ingers. Ibr nSchtlicber Scbrecken iat grolsy 
^ad lie wird nur duich ihie neue Rosa Flam mo k geiettct, 
die den normanniscben Krieger von ihrei 6cbnt/.wdctie Iierbei- 
rufi, welcher das belienrie iViadchen in seinen Arinen ani dem 
Terachlossenen Gfiiiacbe triigt, Aui der Reise verninmit dar- 
aufRosa die Erziibl ung von der unglQcklichen V a 11 d a von 
I| dl d ri n gh a m, uod wie der Bahrgeist i\hci den Abkonim- 
lingen ihres Morrlt-rs drobend die biutige Hand emporzubebeii 
pflege. Aucb tbeUt aie den gebeinimi'»yolieii Sprucbmic, der 
ilir io der Erinnerung geblieben : 

JungfVaulicb Weib, als Witwe Gattin! 
Verlobt. veiiatlicii mid Vti latheiiii 1 

Aber der Einflufs ihrer Getreuen vermag nicbt SO viel, aU der 
jier Aebtissin, bei welcber aie anlangt und dem eddn Hugo' 
ibre Hand in dem Kloster suaagt. Der Tag ibrer Verlobiing 
wird beatimmt, Damian seigt sicb tndeaaen krank und in 
einem aehaam verworrenen Zuatande. £in anderer^ 'ilUerer 
Vtirw^fndkery der anwCtrdige Randal de Lacy, erlangt 
durcb £veHnen6 FOrspracbe Veraeibung und das Versprecben, 
bei der Verlobung als Zeuge zugegf^n seyn zu dQrfen. 

-^[it der zwt-iten ALtheiluiig sehen wir nun wirklicli in 
dem Kloster der Aebtissin zu Lilocester die Verlobung der 
schuiien Eveline und des edeln Uugo von Lacy, aber 
unter scbliniinen Vorbedeutungen, vorgeben, Dumianer- 
scheint, Evelinen nocbmals su seben. aufsen , krank mid fast 
"1 aem Zustande rler Geistesverwirrung. Beide Verlobte eilen 
J^estftrxt 2u ibm binaiis, Der Arzt bat ibm an dem Morgen 
^»»e Ader ^eolFnet; die Binde bat sicb verscboben, und da 
l>eide sicb zu dem Obnmdcbtigen belfehd binabneigen, so tra« 
6*0 sie die Zeicben seines Blutes In das Verlobun - sgemacb 
^urilck. Da erscbeint aucb der mdncbische Bo:te des stolzen 
BUcbofs Bald u in, der in der Stadc angelangt tst. Hugo 
balte gebofft, seine Yermablung vorerst voUeiehen ^uhd die 



Digitized by Google 



$ii AoniiDa voQ Walter Seott« 

firi'oUung teinet Gelflbd^s um einige Jahre vertSgetil <a k9n« 
nen. Diesem setftt licb der Bisebof bebarrltch entgegen} und 
d;irch sefn Wort gebundeii| tritt der Kitter den Zug nach 
dem gelabten liande an^ au welcbem er iicb auf drei Jahra 
verpflicbtet* 

Damian ^ der ffkt aeineo Obeim die iiewaffneteit Scbaarmi 

batte nach FalSstina fQhren sol I en , wird nun die Huth der 
Verlobten vertraut^ die sich nach ihrem Stammschlosse begibt, 
daselbst die ROckkehr Hugo's erwarten* In ibrer Niilie 
weilt der junge Kitter, vvie ein unsichtbarer IliUer jeden 
Augenblick 2u ihrer HiUle berelt, Denn mit zarter Gewis* 
senhaf'tii^keit meidet er es, vor der nuch nur zu erscbeinen, 
der er nut abgottischer Verebrung sicb zum Dienste geweihet 
hat 9 und die er doch nicht besitzen kann. So lebt die Ver« 
lobte in ihrer Losgeschiedenheit , 5^ein jungfrSulich Weib, 
aU Witwe Gattin^f und dafs aucb der andere Tbeil des Spin- 
cbea, den der Babrgelst in ihre Seele gefln:»tert hat^ in EtM* 
lung gebe, waltet der tClckische Randal de Lacj^ als un- 
heiS)rtngende Macbt 9 in dem ¥jerborgenen au dem Verderben 
der beiden Ungewabrtem £a gelingtibm, dte^ nach welcher 
aeine Ltlaternbeit erwathtf unter der Halle des Kanfmanne*! 
der die Falken feil bietet^ ron ibrer aicbem Burg zu locken, 
und sie Dawsyd^ dem Einftugigen^ und der thm verschwo* 
renen Bande in die HSnde au hibren. In Edri's Grabgewulbe 
wie in ilue eigene Gruft Jebend eingescblos^en , ist Hjiauf 
Kveline unsicbtliare Zeugin dei J\ainpi-s ibres edlen Hitters, 
den sie, endlich aus ihrer Toclesbohle gerettet| mit Blut und 
Wunden auf dem Wahlplatze vviederfintlet. 

Damian luitte sicli in der Fritlie dts Morgens mit seinen 
Reitern zu Relreiung eines diircb die Sciiaaren anii iihrerischer 
Bauern scliwer bedrMrigten Granzlordes aufgemacht, alft « 
siocb zeitig von Evelinens Gefahr Nachrtcht erbielt^ und, 
das andere Unternehmen auf^ebend, au ibrer Aettung berbei 
eilte. Obne gehdri'g bewattnet -au aeyn^ hater sicb unvor* 
sichtig nnter die Feinde geatdrat f unter deren 6treicben <r 
niedergea unken » 



(D«r Beschlu/s folgt,J • 



v.- 



Digitized by Google 



I 



« 

,He.idelberger 

Jahrbiicher der Literatur. 



Romane von Walter Scott. 

Eveline aber setst nun^ wo 9« die Efbaltung des Lebent 
ihret Reteers gilt, in dem BewoftUeyn ihrer UnAchuld alle 

I>eeng«nde RQcksicbten auF die Seite. Gegen den Rath ibret 
treuen Rosa liiist sic den todtvvunden Ritter nach ihrem 
Schl osse bringen , und da nua der Not mannische Juord , deiii 
er hatte zu Holfe eilen wollen , von den Ijauerii getodtet uud 
deisen Schlofs geuouunen wird, so weiis IV a n d a 1 de Lidcy 
dnrch diesen Umstand seinen dunkeln Anscbuldigungen um so 
mehr Glauben zu verscbaifen : als oh Damian nicbt iiur mit der 
seiner lluth Vertrauten in einem beiiiilichen Liebesverstlind* 
i^isselebe, aondert; aucb insgebeim den Emporern sicb ver* 
bunden babe. Der kdniglicbe Herold embeinC vor Evelinena 
Burg, und fordert sie auf, die Tbore zu dffnan und den Ver« 
rStber den Hrinden der Gerecbtigkeit su llbergeben. Da ste 
l^eides verweigert, wird sle selbst zur ^Verrlitherinc* erklArt* 
Konig Hitinricb eracheint in eigener Person mit selnea 
beiden Sdbnen Richard und Jobann , und begtnnt die Be- 
lagerung der widerspenstigen Yestey deren Noth nocb durch 
lineinigkeit und Meuterei der fieaataung erhdhet wird ; und 
daft Eveline aucb ^Verra thenar aeye, begibt aich der 
treue Flacnander Wilkin Flammok beimllch in daa Liager 
<ie«K6ni^8, diesenfi gegen gtinstige Bedin^ ui^en die Burg in 
die Haiicle zu liefern. Ahcv eben diesen Aui^enblick ersiebt 
^<^r ivuhiiC Konigssohn Kichaid, (lasselbe scliiicller dm cli uu- 
«^rwarte*ten Stunii zu. eireiclien. Damian wird, als sciivveier 
"^^erbf eclier , in den Kerker gevvorfen; aucb Eveline barret, 
filler vaterlichtn GtUer beraiibt, ilires GericlUes, wiihrend der 
vcrratberisclie Kandai , der das Geriiclit von Huoo's Tode 
verbreitet, mit (lessen fiesitzungen bel«hnt^ gUasend aua aei* 
ii^ai ebrlosen Dunk<;l bervortriu* . 

XIX.Jahrg. 4. Qeft.^ 2i3 



Digitized by Google 



il 



354 Kuuidue vuu^VVaUct 5cou, * 

Die drei Jahre sind indessea verlaufen, tind in dieser 
Zeit der Noth und Verwirrung erscbeint nun^ nachdem er 
seine Krieger und Scb&tze eingebOfst^ der fOr todt geacbtete 
- Hitter alft rfickk^brender Pilger/ Nu^ swei einzige Eegieiter 
foJgen ibm, sein treuer Knappe Guariiie uhdiein Ministrel 
R^nauItVidal. Auf Kundschaf t a ua^etandt , bericbtet daf 
letsterey der wie atn bdaer Geiat haetert^ dea Todeaacbmanei 
und der Veraweifelung seines uneTocUtcben Herrn harretf 
« allea das UnbeilvoUe ; £ireliiieiia^ l&treua und Damiati*a Khu 
losigkeit. ' 

Damit nahet alles elner neuen Katastrophe ^ und daCi 
diese sich endlich zur Rettung und Verherrlicbuug der Un- 
schuldigen gestalten werde, damn zweifelt niemand , wer mit 
der Wei«e unseres Dichters vertraut ist und weifs, wie dem- 
selhen , wo sonst die iAIittc] tier L-osiing felilen, selbst Jioch 
Schwert oder DoJch zu Gebote stehen , den (est gekniiphen 
Knoten .zu entwirren. Und so sehen wir denn aucb jet^^t 
de Lacy^ der zu dem Kanige in die Burg getreten, yor Garde 
Doloureuse in feierJicbem Auf^^zuge erscbeineny um den Fla- 
mUndern ibren Freiheitsbrief zu flbergeben. Denn dale der 
festlith gescbmUckte Aeiter, den er nur von binten siebty die« 
ser eeyi vernimmt der Ministrel von einigenLandleuten; und 
wie'ein blutsierlgea Wild scb]eicbt er' berbei; scbnell bat er 
binter dem Hitter stcb auf das Rofs gescbwungen , und der 
von seinem Dolcbe rflcklings Getroffene stnkt auf die Erde 
nieder. Der Mdrder wird ergriffen und vor den Kdnig in dss 
Schlofs gebracbt. Da trftt ibm der lebend entgegen , welchen 
er ualiiit gemordet zu baben» Es ist ein Lacy gewesen, 
aber Randal de Lacy, den die llache mitten in seinem 
Siegesjubel ereilte, Der Morder verflucht seinen Irrthuoiy 
denn der Ministrel entbiillt sich nun als Cadvvallon^ den 
Harden Gwenwyn's , des FCirsten von Powys , und dessen 
Racber. Scbon aber ist von Hugo de Lacy die Unschuli 
der scbwer Angeklagten aufgedeckt. Damian besteht die 
Probe 9 Welcber er ibn nnter der H(UIe des Pilgers in demKer- 
ker uiiterwirft , und wird grofsmOtblg eingeiaden^ nun des 
Olieims Stelle bei dem VermSblungsfeste zu vertreten. Ein 
neuer Traum verktlnd«t Evelinen in dem Kloster der Bene* 
dictinerinnen, wo sie eingescblos^en worSen, ibr nahes Gldcki 
lind der versdbnte Geist JSlst sicb jeizt also Vernehmen: 

m 

Jungfraulich Weib, als Witwe GaninI 
Yerlobt^ verratben und V^nftthertn!- - 



Digitized by Google 



Rornane von Waltw Soott, 366 

Nun itt erfdilt der ganse Siim, 
Wanda*t Leiden find gerochen 
Und YersAfanuFg dir <!,cspiochen ! 

Auch Kosa wird Lelohnt durch die Hand Amclot's, ^es 
Pagen Damian*«, diebeide, gleich tieu , ihieni Gebieter und 
ihrer G(il)ieUrin in aller Noth und Tiatung zax 6«ite ge* 
«Uaden« 

So scbHefst denn auch dieser llomin niit einer Doppel- 
heirath, Wie ein grofsgebaltenes Vor.spiel erolFnet das Ganze 
der Kainpf des Hitters von der Schmerzenswache (Garcie Do- 
loureuse) und des Wolfes von riiiiiimtnon und der Tod ])eider 
Kiimpl^er, wo von der des Jjetztern sicli erst an dem Sciilusse 
recht folgereich zeigt in dem raclienden, obgleich das unbeab* 
sichtigte Opf'er trettenden Stable des Barden Cadwallon. In 
einer steten Folge in einander greifender Eretgnitse Jbewegt 
sich die Geftcbicbte in dieser ersteti HsU'te fort, und es febit 
Tiicht an ergreifenden Fartbien, wie diese z. B« die Scenen 
bei der Belagerung und dann besonders Evelinetis Uebernacb* 
tea in dem Zinimer des rotben t'tngers darhieten, Und di« 
ganse Eracheinung trifC to bervor, daft et In dem Dunkel 
iileibt, ob wirklkb der ahen Familienttberlieferung gemSfs 
dar Bahrgeist aieb gezeigt, oder nur £ve)inen6 ge^ngstigte 
Tbantaaie das scbauerltcbe TVaumbild geschaffen %abe, ol)« 
gleich der Dichter aut das Letztere hindeutet, indem er si a 
in die Erscheinung auch als das BilJ ihres rettenden Scbutz- 
engels das des scbdnen jungen Helden Dainian verweben lafst, 
der in seinen Armen die Geliebte au8 dem Gemacbe dea £nt« 
setzens fortgetragen. 

Bei dem zvveiten Theilo tritt die grofse SchwierigkeJt 
^in, die iiberall sicb in der Dichtung darbietet, wenn weite 
^eitrSume, ia denen die eigentlicbe Gescbicbte atille atebt^ 
doch durch eine Reibe und einen Wechse] von Ereigniasen 
ausgefallt und belebt werden sollen. Man f'Oblt auf eine un« 
^ngenebme Weise dieses Stillesteben und dte Leere in den 
<^rei Jabren der Entfernung Hugo's. Nur wen ig bMngen die 
Vorgange unter sich susammen, und das Interessa wird da- 
durcb seacbw&cbt, dafs de^ versUndi^e Leser » der scbon sei- 
nen ScbriftsteUer kennt^ auch ntcbt etnen Angenhlick an dem 
<Bndlichen Erfolge sweifelt und voraus flberaeugt ist , dafs der 
Ne£Fi^die Braut dea Oheims zum Altare fflbren werde. Auch 
das wird immer ffthlbarer, wie derDichter nun schon gewisse 
Typen , wie ieststehende Formen , gefunden hat, in welche 
&eine Gebilde prei'st 9 und wie viel in dieser Darsiellun^ 

23 ♦ 



Digitized by Google 



356 



dea Mormanntschen AdfU vor dtw Z«it d«c KceussilAa Wabr* 
belt, witt viel Dichtung ley, vermag der frellicb nicbt zu ent- 
scheiden^ der ntcht genau die Gaa^^ichte jen^ Jahrhunderta 
und beaonders die apecielle jener Landscbaften itudirt bat* 
Uebrigena atebet jenea RiUerthuin in aebr acbarf gezeichneten 
tlmriaaen und friach colortrtea Bildern dtt, mil aeinem Adel| 
seiner Tap£»rkait, aeinem Featba) ten an der Ebra , dem«era« 
montdaen^ faat abgdtttachen Dtenate der Frauen^ mit aeioet 
atarren Pracbt und daneben der Beimladmn^ von Barbarei« 
Ueppigkeie und dampfer , religidser Bornirtbeit« Ala Maiater 
> zeigt sich der Dicbter in der Haltung und genauen Zeicbnuag 
der (irei so verschiedenen Lacy, des litteiiich edeln Hugo, 
des zart jugendlichen , ehiliebenden Da mi an und des berab* 
gewurdigten VVoUustl j n^s Kandal, wie jeder seinen eigen- 
' tbuinlicben , und zugleich alle den gemeinsamen (jharakter de* 
Rittertbuins Lehaupten. Ein anmutliiges Blld stellt die junge, 
edie, schone, von dcm Geiste eines ritterlichen Vaters friihe 
lieaeelte £ V e 1 i n e mit ibrer reinen Liiebe und der Treue dar| 
die aie ibrer Dame von Garde Doloureuae wabrt. Den Ge- 
genaats su den AiUern bildA dann der nicbt minder tapfere^ 
aber ganz von dem rubigen Sinne.kauf'manniscber Berecbnung 
geleitete FlamUnder WilJcin Flammok, gleicbsam der nClcb* 
terne^ klare Geacb&ftsverstand dem pbantaa(iscben Treiban 
gegendber^ und wir mdcbten aeine ganae Darateilung, ao wie 
die aeiner Tochter» ala die aneiehendate und gelungenata in 
dem reicben Gemfilde^ betracbten, Wie krSl:tig ist sogleicb 
aeine erate Eracbeinpng^ wie kdatlich die Art, wie er den 
acblaaen Waliaer berQckt und aeihe fatten Kdhe for die be« 
drSngte Veate zu gewinnen weifs; wie er dann den Pater Al- 
drovand, den Munch, in welcbein iiocli seiii fVuherer Krie* 
gergtist sich legt, lachend zum Besten bat, und tiberall den 
lUttern mit seiner sicbern Be&onnenbeit entgegentritt. Und 
als eine wie innige, zarte, jungfraulich weiche , genu\thlicbe, 
und doch in all ibrer WeiblicLkeit feste und starke , eben so 
wenig in das Phantastische verw ii i te, als durcb, die HabaucbC 
ibres V aters Leiiickte Seele erscheint i\osa» 

So ist dieses Stiick reicb an den berrlicbsten Einselnbei- 
ten, aber docb mangelt demselben etwaaf dais ea eine volie 
Befriedigung nicbt gewSbrt, daa bdbere Jdeale, die £toa 
grofaeldeey der alle £inzelnbeiten nur dienenf in denen alien 
aie nur wiederfcbeint, ala die belle Morgenaonne in den tau« 
aend Perlen dea Tbaues sich apiegelt« Yon erofaer Breite und 
wenig auaammengebalten 9 ^ina die einaelnen Scenen und 
Sfbilaerungen nut loaa i;ntar einander ycit^uQdan. Au€b dai 



I 



Digitized by Google 



1 

HoiBttia TOO Walttr Septt* 



157 



Gnmenrolle, d«i in d«n Sptrlldieh 'det Btohrgeistet » wie dim 
leitende Stimmo des Schtektalt Mlhtt^ das wir niebt verfte« 
hen 9 durcli dit Ganae tdtit » kana den Mangel die tea hOhern 

Foetiichen nieht ersetzen , uVid der alUu grellen Zeiohnangen 

nnd fast vcrzeichncten Partliien , wie diese ak in etnigen 
Nt^benfinuren , del 8charlacbstrutJi]jligen Dame Gillian , in deii> 
biiuiisdieii Scharfricbter , der den Kopf de8 erscblageuen Kit* 
ters Wild Wenlock aua atinem Beutel h rvolboltj oder aucb 
in der rohen Scene im Gelan-'nisse Ik rvoi ti eten , WO Oheim 
und NefFe ibre Athietenkiiustu g^fgen einandec veraucbenf wol* 
ieo wir gar nicUt gedenken. * ' ' 

xvnt 

• 

So wenden wir una denn su dem zweiten Gemlllde » 
' tins nacb elnem ganz andern Himtnelsstricbef nach jeoer Feints 
versetst , nacb der Hitter Hugo von Lacy gesogen, die aber 
In dem ei sten Bilde nocb verbQllc bleibt, uia in dem sweitea 
in allein FarbentcbiiDm«r bervorautreten. 

In dem Thale des todten M<ieres sebeo wir in seiner voU 
lenRflstnng den §c\twtr liewaffneten Hitter von dem liefienden 
JLieoparden erscheinen, ErscbOpft will er au der (^udhe hei 
dea Falmenf' dem Diamanten der Wtlste, nabenf als 
ihm iron bier ein Sisraaeniscber Keiter entgenen kommt. Beide 
Ittlaipfen erst eine Weilt? , Lis darauf der Franke an den ge- 
icblossenen W.^irfusLiiliLdJid tirijinett wiid und selhst aeinen 
I'als von Saladiii vorxeigt. Scbnell ist Friede und Veisohnung 
uuter den Kanipiciii bergestellt. Beifle ei(|uicken sich und 
ilire ni(\den Tbiero an der Quelle. Der (jluist gibt sicb al» 
den Scbottiscbin Hitter Kenneth v o in Leoparden, der 
^^lrazene als den Euiir Sbeerkoif, den Lovven des Gebirges 
aus Kurdistan ) zu erkennen, und da er von de& Scbotten 
Heiseplane verninimt, so bletet er sicb ibm ana Ftibrer nacb 
dem Aufenibalte des Eremiten Tbeodoricb von Engaddi 
dar, der, von den Cbristen geebrt, ale Hamako oder Bldd- 
naniger von den Mabomedaaern gleicb unverletzlicb geacbtet 
wird. In dem scbeinbaren Anfafle seinea Wafanainaes zeigt 
sicb dieser den beiden Heisenden auerst awiscbea den FeUen 
der WOatOy „und l»dwe und Leopard kebren bei dem Bocke 
ein<«. In der Nacbt weckt er semen cbristlicben Gast iind 
leitst ibn in die geheirae Kapelle, wo Kennetb Zeuge der aus« 
•erordentltchen Verebrung ist, wekhe der beiligen Jieliquie » 
Vera crux, durcb den Umgann der Nonnen und der roit Rosen 
bekrauitcn Frauen z\x Tbeile wnd. Ei cAk^uiit unter den 



Digitized by Google 



$^ iUnan^ you Walter ^tt. 

leUtmn die Dame seines Herstntt die er nur angeschaut^ nut 
der er aber nocb Jceia Wort geweclisplt bat, und die, als Ver« 
^ wandte Ricbardi^ boch tiber ibtti stebt. Die drei abgepfldck* 
ten JElosen ialUn vor ibm nieder,* and er siehet, gleicb zweien 
Spukgestalten 9 die beideo Zwerge aus 4aan fioden berauCstei- 
iren; bis saUtzt . der Eremita iba su aamani acbbifaodao Ga> 
nbrtan sorflckrufbi 

Btar UDitiba dar DIehtar upd vaftatat una in daa Zdt 
daa an gaCubrlicbem Fiabar arkrai|M«t Richardf .Mnd wir 
bdren den unmutbigan KQnig sicb mit aeinam WSrtart Su 
Thomas de Multon, Lord vonGilsland inCum* 
l)erland, bei den Noi uiannern nui L o i d d e V a u x genannt, 
unterhalten. Da veikQndet eine fremde Musik die Ankunft 
eined Sarazeniscben Tmpps. Es ist der Ritter Kenneth und 
mit ibm der Arzt des Saltans Saladin , £1 Uakiui, den dieser 
dem christlichen Konige sendet, Richard ISfst zuerst den Rit- 
ter vor sich bescheiden, Von wclchem er den Zvveck seiner 
Sendung vernimmt, wie er von der Ratbsversammlung der 
cbristlicben Ftlrsten ^bgesandt worden , um durob den Einaied- 
ier mit dem Sultane wegan des Friedens zu unterbandeln* 
Nachdem bierauf Da Vanx aidi in das Quartiar des armen 
Scbottiscben Ritters begeban, und sicb biar von dar Halfe, 
dia der Mobcisaha Arat dassan allain nocb von: seiner Beglei- 
tong' tlbrigam trauen Knappen galeisKatf flbarsaugt -hatf sa 
bringt at auch £1 Hakim m das Zhh des Monarcban*. Vargab- 
licb warnen Gilaa Amaury, dar Friastar>Soldat| Grafs* 
maistar dar Tampler , und Murquin Conrad* von 'Moat* 
aarrat (statt desMark^rafen von Monferrat! ) vor feindlicher 
List. Vertrauend trinkt der konigliche Kranke den Trank, 
in welchen der fremde Aiit seinen vvundei thiitiiren Talisman 
getaucht , und iuhlt schnelle Befi eiung von dem 1< ieber. Jena 
beiden enthiillen indessen in geheinier Unterredung ibre arge 
Tflcke, wie sie, nur lun ihre eigene Macht hesorgt , mit Ver- 
drnls d':;iii Siege des christlichen Heeres entgegen«ehen , und 
der Tsimplei deutet auf Plane gegen das Leben des Konlgs 
selhst. Der Jistige Montserrat weifs den Herzog von Oester- 
reich anzureiaen, dafs dieser in stolzer Eifersucbt erst die boch 
in dem Lioger aufgepflanzte Fahne des krankan Fuhrers berab« 
surelssan drobt, dann die seinige danaban aufsteckt. Dem 
Kranken aber flfistert der Tdckisdba su^ als ob jenes wirklich 
geschehen^ und in beftiger EotrOstung stiirst siob Ricbard mit 
enthlofstem Scbwerte nacb dam Orta bin, Vfo ar in dam ^ng^* 
aichu Liaopold'a dassan Banner niadarwirft und mit Fillaan 
ttiu. Nur-^Sannath luid Vans atnd in dar Eila ge- 



V 

• *■ 
I 

Digitized by Google 



359 



folgt, und nacbdem Philippvon Frankrelch vermittelad 
zwuciien die zdrnenden Ftiraten getcoten^ Qbergibt lUobard 
dem LeopardeniitUf da« BewftchuDg teaotr Fabntt su d*m 
fconoienden Morgen. ' 

Pie Nacbt waltct mit ihrem Schweigen Obar d«iii< ljag«r. 
ABein mit aeinem tr#u«ii» tr<Uk5Uchen Uttoda bidt Kanaath 
die Wacbe.. Da «r«ch«iiit d«r Zwei^ und tibvmiehl ftiua 
2aicb«DMio«r Stfaduaff-dan Kat&inkelring , durch wwkbdn die 
Daaia saiiiea Hersena ihn su tich ba«cb«td«t, £o kimpCt eine * 
W«Ia in aicb; f ndlicli folgt er , in der Abaidit, scbnidi wi«« 
d«r inrftdiaukahren y dem Zwerge, der ihn geradebiri fiMth 
den Zelte der Kdnigin leitet. Ei tritt ein, und hinter einet 
Decke verborgen, veriiiiniiil tr den Trng, <len die Fiustin 
iich mit dem ilinge der edeln Ed it ha eiiaubt, und wie sie 
ihn, bios ihre Behauptung zu hewlibren, dais der Ritter dia 
I'robe nicbt ))esteben werde, wiikiich vermittelst des Kie»ino« 
de« von seiner Wacbe hieiber gelockt. Editha selbst wird 
berbeigeruteri und bezeigt ihren Unmutb iiljer das Hem Ritter 
VVidcrfalii ene und die Verletzuog ibrar eigenen Ehre; und da 
sie durcb den Zwerg varnimmty wiedar litttar aelbst verbor- 
gener Zeuge daaganzen Yorganges teya, so siebt ate die Oacke 
zurQck, undmabntihn, selbst «icb entacbuldigand ^ zu schnel* 
lerFlucbt* £r will ibr Klainod zurflck geben; aie beifst et 
iliabebalten. In- Verwirrung eilt er nach der Fabne surfick. 
Von fern bArt er den Sclirai dee Todeakampfea seinea treueii 
Thieresy daa er bei derselben geleeeen. £r ersteigt den kQftst<* 
lichen Wall; der bervortretende Mond «eigt iboit defa die 
Standarte finglenda. veradiwundeo iat. ZerSroeben Kegt det 
Speer, an dent' sie gewefaet, auf dem Boden; daneben windet 
•icb aein treuer Roswal in den Zuckungen des Todes. 

Das Entsetzlicbste ist souiit gescheben ; der im iilacklkbe 
Leopardenritter sieht seine Ehre zernicbtet, sein L»eben ver- 
wirkt, sein treues Tbier zum Tode verwundet. In diesM 
tiefen Notb nabet ihrn A do nbek el Hakim, der JViobrischtt 
Arzt , und erninntert ilin zur Flncbt. Er v m beilst Sich'- 
bei Saladin und deutet daraut bin , wie kein Abschworen d< s 
Glaubens verlangt werde, sondern dem Sultane ein Mann , der 
init den Europftiscben G^^brSucben vertraut wltre^ ©ben jjetzt 
sttbr wiUkommen seyn wtirde^ da man dari^ber unteihandle, 
daiaihm, zu Vermittelung dea Friedena- sswisdien dem Mor- 
gan* and; Abendlande, eine nabe Vcrwandte Ricbarda^ die 
junge Lady '£ditba Plan ta genet ^ vermflble werdf;* "Dat 
«ber eben ist die Vein Aem Ritter angebetete Damet und er 
iOfak ekb tief dureb den Gedanken enttattety dais die acbdne 

t 



Digitized by Google 



Jungfrau von Anjou gar -emem - UnglSabigen solid SQ Tfaeib 
werdetl. Auch dieJLiebe zum Leben vennag -jetzt ntcbts fiber 
ihn. Kaum achtet er es fin moglich, dali cJer ritterlicbe Ri« 
cbard in solche Tlane eingehen soHe, Vor aliem ^laulit ibn 
unterricbten za miissen, und tritt in der FrUbe des iVIorgens 
su dem Ftlrsten f der nun darch den Taliioian d«« Atztes gaos 
hergestellt ist,' 

Des Kooigs Entriistung ttber die seinem Panier widerfah- 
rene Scbmach i«t oUne Grilnzen. Erf'olglos verwendet sich 
De Vaux far den uHglOeidicbeiLRitter^ vergeblicb bitten iiir 
ibn die acbdae KOnigin Berengaria und die hocbberziga 
£ditba; umtonst eracbeint der Einsiedler von Engaddi 
utid Ififat warnend deti.Kdnig in daa aebauerltcbe GebeimuiCii 
•einat Daseyns blicken, iiideni er aicb alt den berfibmten 
Ritter Alb^rich Mortemar •nthallr« Nur erat dem Mob- 
riachen Arste achenkt Ricbardf tiro g^gen aeinen Aetter nicbt 
undankbar «a eracbeineii y dea zu dem Tode Vertirtbeilten au 
, aeinem Sclaven , vrodurch er «ug1<icb von 6bm. bieirdurcfa ehc^ 
los gewordenen Ritter Edilba'a Iiiebe auf itnmar absulaitao 
gedenket. 

Richard vernimmt blerauf dLuch den Erzbiscliof von Ty- 
ruSf der als Abgeordneter der Filrsten zu ibm naht, wie diese 
wirklich, zii der Rttckkehr entsclilossen , den Frieden nut Si- 
ladin durcb eln Ebebiindnifs zu vermitteln gedUchten ; wie 
selbst tier heilige JVIann von Engaddi mit ein versta nden seye, 
UTjd man an des Pahstea Genebmigung niclit zvveifle, ja die 
HoEnung bege, .Saladin selbst bierdurch iilr das Cbristenthum 
gewinnea zu kdnnen, Auoh- der Kdnig zeigt sicb in die&er 
Ho£Fnun^. nicbt abgeneigt , nur von de^ Riickkebr will er 
nicbts wiaaen, und durehaeine Erscbeinung in dem Ratbe der 
cbristHcben HSuptctr geliii£t ea ibm*, auganblicklicb die krie* 
^erische Begeisterung wieder anznregem Um so mebr sinnea 
am Gebeiinen der Grofameiater der Teinpler und der Marquis 
Conrad auf neuj» Tdcke* und in ibrer Unlarradung entbOllt es 
aicb , wie der letatere es g^weaeni der, neuen Streit zu eot- 
siinden 9 in der Nacbt die Fabne serriaaan uiid' enCw^ndet bat* 
' £« war nun der vierte Tag , teit Sir Sannetb das Lacer in dem 
Gefolge dea Mobriscben Arstes verlasaen , durcb welcben lets- 
tern der Kdnig zugleicb seine beiden Zwi^rge, Fflrst Nectaba* 
nus und Frau Genevra, Saladin zuai Gtrschenke sandte. Da* 
fttr schickt ibm sein edler Feind einen Nubischen Sclaven, 
der, seJli'iC von ansehnlicber Gestalt, mit einem schonen, 
grofsen Jagdhunde erscbeint, und ol)gleich sturam, docb ali 
^««cbickt gef riesen wird, demiioiiigt; ^uN Dienate^uleisten, 



Digitized by Google 



Audi verr3tli det Stumme togleicb grofs© gei stifle F^lhigkeii: 
und 1 eitigkeit in Bebaiiclluiig der VVafFen ; mid wiibrend nun 
tier Konig in seinem Zelte Ijeschiiftigl: ist , ehen au8 England 
an j,el jnt>te Depesclieti lu ie^en , der JN a li ier weiter inneii , einen 
groisen hlankcn Schild zu putzcn , eischeint aiiiseii em M.iia- 
liout, niit dcin die VVacUeii eine Zeit lang ibr inuthwillif^es 
Spiel treiben, J[^i« saletsl ibre Aiifmerksanikeit von dem scbtin- 
bar Tronktntfn iicb abwend«t, und dieser den Augenhlick er* 
•iebt, mit teineoi Dolcbe tib«r den Kdnig herzui'allen. Aber 
tiles, waa auTsen vorgefallen, zei^te sich dem Nubier in »ei- 
nein leucbtenden tScbilda, wie in einem Spiegel ; scbiiell geiiug 
eilter berb«i , und gnter i^ner Hand tiiikt der Mdrder , der 
Amsine^ deJi dtfr Tem^^Meiaiidt hat. Da et eine leicbto 
Wuhdtf empCangenf to •a^Koer dankb«r« KOnig aelbst ibm 
dieie aut, und •rkennt hiarbei den Rittar Kennelh in dam 
VerliOllten. 

t Dieser war indessen rnit dem Arzte-nacb Saladiill Lager 
gtlangt, wo sein freundlicber Hei r sich ilim ah seinen Gegner 
r»ei dem Diamanten der Wcilste , Ilderim, den JLidwen 
des G eb irgea, zu erkennen gegeben , und ibm zngleich 
dieAussicbt eroiTnet batte, vermitteUt des Instinctes suines 
Hundes , der dtircb den Talisman des Arztes eine schnelle 
Heilung gew'onnen , unter den Fttrstenedenjenigen zu ent- 
decken, welcber dem Banner die Scbmacb angetban und das 
edle Tbier verwundet batte, und bierdurcb aeine eigene Ehi e 
wieder za gewinnen. Und mrklioh, ale bieraui: die 1? ^rsten , 
dem Fllhrer ibre Ebrfurcbt zi\ erweit^n, der Reibe nacb zu 
der neu atifgericbteten Fabne nahen , verrfttb der aichere Tneb^ 
dei Tbierea den tebuldigen Marmiia von Montaerrat. Zta 
EnUcheidung dea Streitea, der aicb entapinnt^ wird auf den 
fiUiften Tae ein Zweikampf beatimmt, to dafa ROnig Kicbard , 
als der Ankllger , fflr aicb einen KUnpfer atellen^ Conrad ^ 
Marquia von Mantferrat aber, ala der Angeklagte, in eigewer 
Feraon eracbeinen soil. Den Saltan Saladin beacbliefftt man 
urn einen Ort aufserbalb des Lagers zu dem Kampfpbitsa «u 
bitten. Kennetb, als Nubischer Sclave, llbergibt an Editba 
des Sultans Briefe , iind behauptet, obgleicb von der Gelieb- 
ten erkannt, diesinal treu das gelobte Schweigen. Nocb ist er 
Zeage, wie Blond el von Nesle das Ijied von dem Blat- 
gewande singt, und kebrt dann mit deft JoLoniga Botfcbait za 
6dladin zurOck* 

Dieser bestimmt den cbristlicben KUmpfern den Dlnmnn- 
ten der Waste &u dem Kampffelde. Dabin begibt ,sicb Hi* 
€b9rd mit den Damen | sq wie der Marquis Conrad, beide mit 



Digitized by Google 



^Mft .?f«rabf»d«tan Gafelga^ and Kfinigi Arst trUt auti in 
dcitUr EnthOlIuiig aU Sultan Saladin iatbst harvor. Beidu 
rttterlieba Ftirsten geben Proben ibrer Stfirke und Gewaixlt* 
beit im Gebrauciie der WaiFen. D^^rauf gtfbet dei Kainpt voi, 
WOrin Sir Kenneth, von deai Sjiazenisclien Filrsten gewapp- 
net, al& iiicbards Kaiupfer erscheint und seinen Gegner &o- 
gleich bei dera ersten ZusainmentrtiFtfii niederwiift. Der Be- 
iie^te Lckennet seine Schuld iind wird in den Gevvalirsam 
seiner Leiden Bcirgen, des llerzogs von Oesterreich und des 
Templers, gegeben. Der Sieger wird in daa Zelt der Damen 
geiubrty die ibm dia WajffenttCkka abnahinaiiy and vor denen 
dar. Hitter daa Leoparden sicb nun in neuer EnthQllung iron 
•ainen Knien als David Gr^H^n Huntingdon, k5« 
niglicber Prins TOn Scb^^P^^od^ arh«bt, ala den ibn 
Bicbard acbon suvor erJtannt iiatte. jjUnger stabat nun keina 
Scbaidc^wand swischan tbm and fiditha^ uiid auch dar Ein- 
aiadlar thiit'lcund, wia -die bimmltachan Schaaran^ dia ibm 
dan Tmim gegeJbao , nichta ab Wabrbait in ibran laocbtan- 
dan Urkttodan scbraiban. Dann £ditba*a Vernilllune aoU Ai« 
cbard anitdbnen mit eiaem aainar mAcbtigsten Fainda und ibr 
Gamabl ein Christ seyn. 

ISachdem aher dec Diclitei die Liebenden glflcklich ver- 
eint bat, und jede#ieue Enthullung einer der verschleierteii 
Personen auch zu der neuen JLosung eines der verschkingenen 
Knoten geworden , so hleibt ibm nur noch Obrig^ das AVeik 
der Racne zu volihringen , das er diesmal einer gar hohen 
Hand anvertraut. Denn ind«ssen der Sultan, seine christiicben 
GSfte in seinam Zeite bewirtbet, klingt aus seinem IVlunde 
doa grSfslicbe : Jcdpehocl dem Templer eotgegen, und von 
aainar Hand und seinem Schwerte rollt daa VerrStbers Haupl 
vor dan sacbanden Filratan «ui: dan Bodaa nifldar*. Mit janvn 
VYortan nftmlicb batte — wia als unbamarktar Zaug«<da» 
Zwerg diataa belauftcbta dar Grpiamaiatar der Templar 
dan ungUlcklicban Marqaia ron Montiarrat' crrdolcbt^ damit 
diaaar aeine gebeiman Varbracban ntcbt varradien-nidge, Der 
gansa Vorgang^ bringt aodaaaan kaom aina Stdrung dea Featea 
"barror. Dat filut wird weggewiscbc und die GaaaOacbaft aetst 
das Mahl fort. 

An dem folgenden Tage kehren die cbristlichen FCirsten 
nacb ibrem Lager zuruek. BaM darauf wird d^i jun^^e Giaf 
von Huntingdon mit Editha PJantagenet verrnahlt. 
Der Sultan scLiickt als Hucbzeitsgescbenk dt^a beiubmt(;a 



Digitized by Google 



Romano von Walter Seoit, 



363 



Recbt anschaulich wird uns al»er in diesen Bildern, die 
nun ganz bistoiisch sind, die Methode , wonach det* Dichtec 
seine SchoptVingen zu Stande bringt, £s ist nicht Eine Idee, 
von der er^riffen er seinen Flan entwirft; die sichtbar in das 
Leben zu fQbren, er Oft, Zeit und f«rsuqen wilblt^ und sei- 
Den. Knoten tcbOrzend und Idsend, neueVerschlingun^on bei;« 
vorbrtngt, so daft wir aulatat^ nacbdem d^* b^inta 6piel an 
uns vorOber g^gangan^ in dem Besitze aaiiier besten, blai- 
bendan Gaba, von seiner Idae geboben und berubigt, von 
ihm scbaadan. Sein Streban viahnehr baacbr&nkt sich daraufy 
irgeud ain gescbicbtlicbaa Ertl^nifs, aina Zait^ Farsonan aua 
dersalban darsustellen* Hiarnacb ordnat ar seinan Entwurf* 
Die Scene wird geschildart ^ mit unarmttdlicbar Babarrlicbkait 
wailt der Zeicbnar dann bai aeinan Farsonen, falst aia.in die- 
ser und dann wiedar in ainer andern Situation auf, und ISfst 
sie nicbt eher los, bis er sie in voller Verstundlichkeit vov 
den Bescliauer hingestellt hat. Damit gewj nnen seine GemUlde 
allerdings eiiie grulse Anschaulichkeit , aber auch eine gleich 
^rol'ie Breite ; er schaiFet mehr einen Kranz anmutliig wecb- 
seliider Schiltleningen , Zeiclin ujigen , Malereien, als Ein gros- 
ses, in alien seiiien Tiieilen fest verbundenes und gleichujiiisig 
ausgefnhrtes Ganze ; der augenblickiiche Effect ist gewaltig, 
und doch das Kesultat und der leUte Nacbkiang gering Und 
was dann den aus fier Gescbicbte entlebnten Gegenstand an- 
gebty ao unterblllt una unser Dicbtar bier nicbt ^ wia in vis^* 
lenandam StQckan^ mit damLieben und den Ereignistan a^nar 
fernen, ungakanntan Welt, mit einar Aaiba von Sagen , vi^ia 
diesa in dani engen Kreisa ainaa abgatrannt labanden V dlkcb®^* 
eingatcUoasan find, d^s wir durch ibn arat kannan larnan; 

fohrat uni auf ain allgemain gekanntas Gebiet^ auf dan hell 
Isuchtendan Scbauplatz dar grofsen Walteraignissa aalbsi^. 
Wir mttsian ihro dabai das Zeugnifs geban ; in ibrem geschicht- 
lichen Cbarakter steben im AlTgemeinen Zeit, Ort nnd Per- 
SOnen da, aber zugleich ent-^eht es uns nlcLt, welchen Zvvang 
•r dauehen dei Geschichte anthut, wie sie in die Scbianken 
«eines Dicbterwerkes sich fiigen mufs, wie er nur so viel von 
ilir aufnimmt, als mit seinem Plane sich vertragt , und dieses 
wieder zu seinem Zweckc- nestaltt;t, dehnt oder verkiirzt^ 
2ndcrt und ausschmiickt , nnd seit&am mit den groisen Persa* 
i^en historischer Wirklicbkeit die Gebilda seiner eigenen 
^chupferJ^i^aft verkebren lUfst, als ob sie zugleich* mit jenen 
geboren wordan, gelebt und gawtrkt b<Htten nnd gestorben 
^^yen, da es uns vieltnabr oft vorkam , als ob wir in denselben 
niur ^ttcbtig binschimmarada Irrltcbter und Spukgaftaiteu. 



Digitized by Google 



Aomiae W«ltcf Seott. 

BWfScTieit ten fetten , in unverglingliclieni Er«e aufgestellW 
Bildern der ilistoi ie liin|^aukclii sjhen, Auch sind die letz- 
tern, uni sie recbt stark in iliren Charakterxngeu auftictcn 
211 lassen, mehrmals bis zii dfm Carricatiirai ti^en grell ge- 
zeicbnet, und wir ^estehen oifen , wie wir diiich diese Be- 
liandlung der Geschichte uns wenig betriedigt gefflhlt haben, 
tind dem letzten Werke unieres Dichtari nichi eben dU eriU 
Stelle unter seinen Scfadpfungen einrStimen mOcbten. 

Um aber dieses allgemeine tlrlheil durch Einselnheiten 
aua dem StQcke selbtt su bewflbr«n utiH su arOrtern, so be. 
rabet die Vericblin^ung uadLdsung in diesem romautischen 
Gemfllda wdrtlich auf einer Verkleidang und £ntklei« 
dung «iner de^ Hauptpertonen aus demsdben. S a 1 a d i n ei^ 
acbeint erst alt der L«0 we 11 deri m von K u rd i s Ka n, legt ^ 
daraut" die Verhfllltmg des Ai2tes El llakim um , 
dann wieder als Ildei im vor Kenneth, und zeigt sich zulelzt 
erst in seiner wahren Gestalt, als den gewaltigen Sul» 
tan selbst, vor dem Ritter und dem clirlstlichen Kcinige. In 
dem Ganzen erscbeint er mebr als ein abendiiindiscber Ahee- 
tbeurer, denn als orientaliscber Monarch , und wir zvveiftln 
aebr , ob diese seine BewegHchkaic je mic dem starren Ernstti | 
des Morgenlandes aich einen werde. Besonders ist die letzte j 
Scene 9 wo er mit eigener Hand das Scbarfrichteramt tibt und J 
vor den bei dedi Mable versammelren Fflrsten dem Templff 
den Kopf abmAht, grel] genug geseicbnet; und ea ist eioi^ 
grofse Anforderung an den Lieser^ einen aolchen Vorgang ali^ 
in dem Cbarakter der Gescbicbte gegrflndet zu acbten. Gasi 
in dem c>inne , wie neueie GescbiclitiorscliLT tl^e Templer \Vi«» 
der auffassen , ist G iles A itiaury, der Triestei - Soldat uni 
Grofsmeister des Templerordens , goze ichnet , als das Haupt 
eines durch gehciaie Gr3uel entwciheten Bunclcs, <^ler ktiinen 
andernZweck bat, als den Tempel seiner eigenen Grofse , u"^ 
•ey es eben so aui den TrClmmern der cbi istlichen , aU der &a 
.razeniscben Macht^ anfzufabren. Sein Verbtindeter erscheint 
^als ein Marc[uf a yon Montserrat, und damit sein Naise 
siiebc Bwetfelhaft aeye, aucb mit dem sSgefdrmig ge«acki^ 
Barge auf aeinem Schilde, statt dee gescbictt^libecl JftliM* 
•graren Conrad von Montf errat', der, gegen d^J^ 
apr^cbe des geFangenen und von Saladin frel g^g^bej^^JMRp 
Guido von Jerusalem, das von ibm eroberle TyrusWffWoa^ifc. 
ten sucbt, und bier durch den Dolcli eines Assassinen e»d^^ 
statt dais unser Dichter ihn erst durch die Lanze Kennetln ' 
81 liken und dann unter dem Dolche des Templers verbluten 
iaXst« — . Heirlicb ist der iiitt«r Kenne tb, keies^ 



Digitized by Google 



Aottam f pll Waller Swlt, 3fi0 

m 

hllie der ichOpf«rudi«n Kraft iltt Dicbtert^ Airgattellt, in 
seioem Adftl, in seiner Aruiuth and seinem Stolze, in seiner 
Liehe su seineiu Di^ener niid Hunde, und iu dam U'mnste st?i- 
uer Dame , wie er in diesem seine ritterliche Ehre verletzt, 
aher audi vvieder herstellt, und hierdurcli die Liebe Editlia*s 
za ihm sich enlhUllc. £s isc dieses das gelungenste Bild von 
alien, so wie die JLdsung da gegeben wivd^ wo er aU Scbot- 
tiscber Kdnigsprinz, David Graf von Huntingdon ber« 
vortrttt. AU«tn hocbgehaltenes Gehildo steht dana die achdne 
JungtVau von Anjou^ £ditha Plantagenety 2u selnar 
Seiid, und wir hetrachten jene Scene als die ^ansiebendste^ 
woK^nnHh und.£ditba sutammen auftreteu^ so wie die er«» 
itea Ersfibluneen ak die BlCltbe des Ganaen* Wie berrlich 
lind jene nAebtlicben VorgSnge in deiai Carmeliterkloster ; 
daon die nScbtlicbe VYache bei der Standarte Englands und die 
Terlockung des Wilchters in das Zelt der Kdnigin (lurch den 
Zwerg, der docb den fremden Hitter zu weit tiihit, so dafa 
die koniglicbe Herri n clurcb ihre OhermLUliige Laune sicb ia 
Verl^fgenbeit und zuletzC in grofse Trauer und Beangstigung 
gesetzt fablt. Hier ist bohe £oesie« Aucb die UnterbalCung 
des ungeduldigen Kdniga mit seinem treuen De Vauxf deiu 
acht Englitchen Cbarakter, ist yortreiFlicb. Darauf aber ser« 
ialitdas Ganze und debnt aicb ungebi^hrlicb in di« Breite^ und 
die gescbtchtlichen Ziige werden vielfech Sfttstelit^ indem nun 
garSaladin^ der Saltan, in dem christlichen Lager ala Arzt 
cr^cheint, und, pbantastisch genug , aeinen ritterlichen Feind 
nit seinem Talismane beilt, Und werfen wir zuletxt einea 
Blick auf den Heldun selhst, der dem Stdcke deti Namen gibt, 
•0 idt K o n i g Richard gaiiz so gebalten , wie ihn einer un« 
serei grttndlichen Flistoriker schildert : als der, „in dessea 
Charakter sic!i dieselbe Miscbimg entgegengesetzter Eij^en- 
schatten zeigte, welcbe der ganzen ritterlichen Sangerzunft 
j<^ner Zeiten und Gegenden eigentht'iralich war^ der er an^e« 
b5rte: Heldenmutb, Durst nacb Tbaten^ lebendigea religid* 
8»'8 GeFuhl , welcbea abwechseind mit Rohheit, Grausamkeit^ 
Habsucbt, Jilbaorn und Wollutt in ibm wirkte^ und ihn bald 
dem Hdcbsten, bald zu dem Niedrigsten fkhig mac&te«<« 
Und in lyie gana anderer Persdnlichkeit erscheinfc er hier, als 
in einiaen deutschen Komanen^ wo er allein nur von Seiten 
ismtfr Kitterlichkeit , seines Frauendienstes und seines Ede]« 
niuflies aufgefafst wird, Ueherhaupt Leaiuijct sich uiiser 
Dichter ehen so wejiig das II arte. Robe und die ganxe grelle 
Barbarei jener Zeit zu verfltckeu und zu beschdnigen , als er 
von der audera Seite mit iiuii|^er Liebe die ZUge waluei. Grciise 



Digitized by Google 



366 



RaoMM von Waktr Saati* 



und eines g^waltigern Lebens- und Glaubensgeffiblesy aU die 
unsrige e« beaitzt y hervoihebt. Nur in Zeit, Ort und, wie 
scbon angedeut^t worden, in den i'ersonen ist mit grolsec 
Willkflhr alles uingestaltet, und das, was Effect hervorbringt^ 
30 geb^uit, dais jene glanzendea ^iige auft einem weitern, ge« 
achichtlicben Geb iete in dan «ngan fiaum dieaar Vorg&nga au« 
aammengadrlln^t sind. 

So war wirkllcb der Flan ainar Versdbnung darch Htirath 
mwiachan den chriatlichen und sarazeniscben Filrsten vorban* 
den, abar nicht swiachan Sal ad in aalbat und diaaar £ditba 
Flantaganaty aondarn swiachan £1 Ad«lf dam Brudar des 
Sultana 9 und Richarda Schwaater, dar Witvre Wilhaloiall, 
Ton Sicilian. Ai|ch iat der ganse Vorgang mit dar Fahna ain 
andarar. Nicht hiar in dam ijager trng lich daa Eragnifa su^ 
und nicbt dar Herzog Leopold von Oesterreich war der zuerst 
Beleidigende , sondern Richard war es, der in Acre, als er 
das Tanier des Heraogs anf einem der von den Seinigen be- 
haupteten Thtirine aul^epilanzt sab, e» berubrifs und be- 

, fichiinpfte, wodiirch sich der spSter fflr Richard so schadlicbe 
y^wist zvvischen beiden Fdrsten entspann. Eben so war es 

• jiicht jener poetisch erfundene Biiiser von Engaddi, der Ri- 
chard seine Tdcbter vorrttckte, sondern es ist aucb bier nur 
ein frOherea firaigntls benutzt, Dann der Ff'arrer Fu Ico von 
N e u ill]r war e$f dar Richard gewnrnt batte , nicht eber auf 
den Krauazug zu gehen, .bia ar aeine drei Tdcbter: StolSp 
WoUuat und Habsucbt, wtirde rerhairathet baben; worauf 
ihm denn freilich Hichard an dienen wufatey indem ar naeh 
andern' einlaitandan Wortan antgegnete: mDo igitur auper- 
bi^m meam auparbia tamplariia, et cupiditatam meam monachia 
de ordtna Ciatarcienai et luxuriam meam praelatia acdaaiarum^ 
Scblosaera Waltgeacb. Tb. Ill, II, i. S. 10. 

Wenn man nun diese WilJknbrlicbkeit ansieht, mit wel<* 
cber der Dichter die GeschichCe benutz-t, und was in anderer 
Zeit und von andern Personen gescbehen, den seinigen in den 
Mund legt, so wird man uin so mehr bedenklich tn deh an- 

* dei n iVumanen deSselben, wo wir ihm nicht Schritt iiir Sclirict 
foJgen konnen, weil nm er mit den Quelien seiner ErzUhlung 
veitraut ist, und wir iiberhaupt nicht wissen , wie Weit wir - 
aui: dem festen Boden der Gescbicbte uns bevvegen, Und so 
iat ei nicht dieses, was wir ihm vorrflckan woilen : er var* 
wirre die BegrifFe durch aeine Miscbung von Dichtung and 
Wabrbeit, sondern der innere Widaratreit in seiner ganzen 
Methode, die von der einen Seite auf grofsartige, lehendiga 
Nachhilduug der Wirkltchkeit fahiatrahtt und von der aad^n 



Digitized by Google 



Simon Qb«r Tenetijehe KranUieites, 



367 



dieae VVii kliclikelt mit aller Willkdhr in seine Diclitung hinein* 
zieht , sie init ciiesei Tni^tclit und nach doftt £<^duriui8fte dersel* 
lieu schuittciLt uod um|^e«caltec» 



lih^r Mb Nothw§ndigk0tt emer ^nirglsehtn B§hmtdlun^ d^r allg0^ 
nidm^n iMttMnche ttnd das wahre fVefn der VBrmsinteH und 
sogntamUen Mtrkurialkrankkgitf %a ernster BeUhrang tmd dnui' 
gtnder ff^mnmng f&r alle gebildett tMHn von Dr, Frledrish 
Al9»and9r Simon, jun.j prtduhtihm Arzte in Samhurgt 
JUit dtm Motto t nii hamani a me atienam esse puto» Leipzig , 
1825. bei Steinacker und Hartknoch, Hamburg f beim Verjasser» 

XVm und 236 Q. * 1 Thlr. 6 Gr. 

Eine griindliche Anleitiing fitr den Nicbtarzt zur Aufkia- 
rung i\her die wabre Natur tier veiierischen Krankheit, eine 
von einem redliclien und zugleicb kenntniisvollen und erfah- 
rungsreicben Arzte verfalste Darstellung desjenigen, was zu 
tbitii oder zu latftcit aey^ um, einmal befallen von dieser bds» 
artigen Seache, vor ihren weitern zer<tdrendon Folgan ge* 
sicbert zu seyn^ ist in Wahrheit kcin unverdianstlichei Un« 
t«rnebmen 2 Was wir sur 6£Ftfntlicfaen Belehrung tlber dieses 
80 vieUacb verbrditete^ -in io mannlgfacfaen Gestalten einber- 
Biehenda , ao tUf in das kdrperllcba Qnd moraliscbs WoBI der 
M«iiichen eingreifende Uebel fdr den Laieii bis jetzt betitsen^ 
isty mit nur wenigen Ausnabmeni entweder. das scbale £s# 
seugnifs Hterariscber Speculation und Gewinnsucbt, dem alles * 
Andere theuer ist, nur nicbt das wahre VVohl "der leidetiden 
Menscbbeit, obwobl solche Scbiiften letzteres als dea Zweck . 
ihrer Erscbeinung gewOliniich in den Schild liangen, oder sio 
gelien Anleitiing zu jenen unseligen Selbstkuren, die tien im 
Otbitte arztlicber fieurtbeilung fremrlen Kranken nicbt seltea 
im Iiinersten zerstdrt und an allerllillFe verzweifelnd , zuletzC 
doch nocb dem Arzte zufOhren ; oder sie enthahen geradezu 
von vorn herein tbeoretiscbe Satze und Kurregeln, die eben 
suwobl der wabren ^atur des Uebels, aU einer gesandenXhe* 
rapie zuwider laufen, und den Kranken , werden sie rea]isirt, . 
frdher oder spiiter in ein unvermeidlicbes Siecbthuoi stt\rzen. 

Nicbt minder aber ist es wahr^ dafs sicb Vieles von dieser 
^Asartigen , im Finstem scbleicbenden Seucbe unter den Men« 
■chen durcb die Unwtssenbett der letstern von der Bedeutung 
derselben mbreitet; Vieleni die frUher Httlfe gesucbt una 



V 



Digitized by Google 



368 



Simon abtof Twwriidn Kimkhgitga* 



{6f»ii4eii 'bltttii« . lit, iuA«k«iiiit geUtebefi^ iab tief wi« 
depi Aef. ichon oft auf 4i« attfialIeQd«t« Weise vorg^kooi* 
dat Gift der Krankbeit beraitt aabon Jabra ]ang mil licfa 
berttm •chle{>paii, und datjanige, wocan sia ]anee scboti dia 
qualvollsten Stunden rerseufze , venerischer Abkunft sey; 
nicLt weniger halren auch vvicder Andere, die den Ursprung 
ihres JLeidens zvvar kt^niien , dasselbe aber wegen seiner 
Scbmerzlosigkeic y seines langsamen Umsicbgreifens, wei] sie 
dasseibe ott lange nicht an ihren Gewohnheiten , ihiren GenQs* 
sen und Bei ulsverhiiltnissen hindert, nnd ein solches zuweilen 
^uch ISngere Zeit vcrborgen halten kojinen , doch nur fiir eine 
Kleinigkeit, spdtteln wohi gar darilber, macben sicb lufttig 
Ober ibre Galanterieeiii wie sie die Folgen ibrer Vergeben 
allsu gelinda benenneO f und thun sicb wobl noch etwasdai^ 
auf auGute. in dieiem unreinen Gebieta tich wackar berum- 
getummelt zu baben ; nocb Andere aber andlicb werdan nicht 
Jblos durcb eigene Unwissenbeit , durcb Vorurtbeil oder selbst 
yaracbuldete Nacblassigkeit^ aondern kidar sicbc aalten durcb 
die irrigen Aiisicbtaa ibrer Aarata, durcb dia Lauigkait ued 
Gleicbgiilti^keit, mil wekbar latatera ihr Uebe) anaeban uad 
bahandeln , durcb daa kraftlosa Varfahran derselben gagan 
Srankbaity dia Beute einer acbnellern odar laogsamarn Vergif' 
tung. — Yotliegende Scbrift nun entspricht nacb das Kef. £r- 
niessen vollkommen denjenigen Forderungen, welche man an 
einen populSren Unteii iclit iiber dtu inFrage stebenden wicb- 
tigen Gegeiistaiul zu macben berechtigt ist 9 und von gaiizein 
Herzen wflnscbt er, dafs ihr so viele Leser zu Tbeil werden 
^dcliteii , als sie es veidiente. Der Verf. bat sicb strenge an 
die Eetugniis des acliten, popnliir schrei lienden Arztes gehaU 
ten, n^inlich dem I/aien keine eigentliclien Arzneivorschritten 
zu ertbeilen , sondern denseiben lediglich auf eine klare und 
bUndige VVeise inic dem Wesen und der Form daa abaubau- 
delnden Gegenstandes bekannt zu macben; berrscbende Vor* 
urtbeile tiber denselben grilndllcb au beseitigen, varaUndige 
Yorscbri^en und dringende Warnungan in der DiSt und Le« 
fiensordnung des Kranken llberbaupt zu ertbeilen, und aufser» 
dem auif die menscbenireundltcba und kenntnilsvolla Baratbuag 
und Haifa durcb dan Aral bioaawaisan. 

» 

(D«r Beschlujs folgu') 



Digitized by Google 



N.24 



18m 



H e i d e e r g e r 

Jahr biicher dier Lit eratuf . 



♦ • 




Simon, iiber die Zeichen der venerischen Kraakjieit 

; nfld deren Bedeatung, ^ . 

• ' , 1 .... 



HatiptsSchlich aber ist es 3em Verf. darum «u tban^ 'sum 
Troste unci zur Belchrung des Nichtaiztes zu zeigeu , dafs 
das veneriscbe Uehel bei vveitejn in den meisten FMllen grtlnd- 
lich und ohne vveitein und spatein Schaden fOr die Gesuiidheit 
wieder geheilt werden kdnne, wen n nur die Redinguii«^eri zu 
etner Aolchen H«i]ung von Seiten des Arztes sowohl ah des 
Kr|nken pilnktlicb erfullt werden; dafs aber nur allein das 
Qliecksilber und seine iweckoaftlsige und krfifdge Anwdnduiig^ 
nicht aber der unv^rstHndige und unVbllkommene Gebrdudi 
dieses Medikaments^' oder die'Mos Siifierlicfae oder drditbe 
BetiandElung des Yeoeriscfaen Lolpalflbels, nnd eben so wenig 
det GifBraucb des Guajaks , der Sassaparille , der S&uren oder 
der Schwefelbader diejenigeii Heilmittel seyen , durcb welfcfae 
3ai venti iiiche Giit giflndlicb getilgt werden kOnne ; dafs die 
sogenauiite Merkurialkrankheit im ^ewtJbnlichen Sinne des 
Worts eio Unding'und nichts weiter sey, als eine Complica- 
tion der nocli nicht gilnzlicb getilgten syphilitischen Krankbeit 
fuiit dem , durcb den oft wiederbolten oder unzweckiniiisigen 
{^uecksilbergebraiicb iin KOrper hervorgebracbten ScbwUcbe* 
und Aufldsungszustandoi una daTs es von Vorurtbeilen oder 
eiii%ai Mangel an oft wiederbolter unpartbeiiscber utid grUnd* 
lidnr Beobacbtnng zeuge, wenn yon der Scbfldlicbkeic des 
gtfgen die Sypbtlis verstSndig angewandten Merkurs filr die 
Urige Gesundbeit, oder gar von der Ueberfidssigkeit und 
Nutzlo'sigkeit dieses Metalls gegen jene Krankbeit die Spracbo 
sey, — lief", flndet die bier aul^estellten Aiisicbten LuidOriind- 
satze des Verf. , der Ilauptsacbe nacb , mit seinen eigenea 
iiber diesen Gei^enstanci vollko ju men iilfei ei nstiinmend ; schon 
langst verdaukt er der Beiolgung dersclben die gltickliclie \ V le- 
derberaleliung mancber an dieserSeucbe Leideinieny die langst 

XIX. Jahrg. 4, HellL 24 



•Digitized by 



379 * Sinoa Obcr vcnttucUe Kraokkeitw* 

schon alle Hoffaung su ihrerG^iialung aufgegeben bttteiiy mid 
er hegt die voU«'{J<|ievs#tigyn^f da^s die^allgemeinera BiHrOdi- 
sichtigung jener GrundtStse for jferaoka uod Aersta Ton gkich 

segensvoUen Folg^n seyn wttrde. 

Nach dieser allgeineinen Darstellung des wesentlichen In- 
hakes der Scbrift wendet sich llef^ nun mil Kurzem zu der 
besondern Anzeige ihrer einzelnen Tbeile. Sie besteht aui 
sieben Kapiteln, von denen das erste (S. 1 — 24-) eine 
ajbistorische Skizze der LuStseuche und ihrer Behandlimg seit 
£rscheiDung :derselbtfn 'hiS'